Daniel Haas trainiert bei Hertha mit und das ist überhaupt kein Problem

Wusstet ihr, dass Daniel Haas in Berlin geblieben ist und jetzt bei Herthas U23 mittrainiert? Ich nicht. Und ich finde es sehr schade, dass er noch keinen neuen Verein gefunden hat. Aber daraus jetzt ein Problem wegen der Rivalität Union-Hertha oder dem aktuell verbesserungswürdigen Verhältnis zwischen Hertha-Fans und Verein zu machen (BZ)? Eher nicht. Union hat einfach keine U23 mehr, bei der Haas mittrainieren könnte und es ist doch gut, in solch einer schwierigen beruflichen Situation wenigstens bei der Familie sein zu können. Ich wünsche Daniel Haas, dass sich bald die Gelegenheit für einen neuen Job ergibt.

Daniel Haas bei seinem Abschied von Union, Foto: Matze Koch

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Teve225 – Ohrwurm aus dem A10-Center

Union gewinnt 3:1 beim FSV Frankfurt, bei dem kurz danach Panik ausbricht und Trainer und Manager gefeuert werden. Wir diskutieren Unions Leistung, den irre spannenden Abstiegskampf und die Zukunft der Nachwuchsarbeit im Verein.

Foto: 1.FC Union Berlin/Instagram

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Die U23 verabschiedet sich.

Von Susi Kopplin nämlich. Abwechselnd weinend und lachend stand sie mit einem Arm voller Rosen vor der Haupttribüne. Diese Mannschaft, die es ab der nächsten Spielzeit nicht mehr geben wird: Das waren ihre Jungs.

Die U23 feiert und Unioner reisten zum Transnistrien-Derby

Sebastian Polter setzte gestern mit dem Mannschaftstraining aus und trainierte nach offizieller Verlautbarung individuell, schreibt der Kurier. Ich hoffe, dass der Stürmer die Zeit des “individuellen Trainings” hat nutzen können, um ein paar Pfeiler für seine nächste Zukunft einzuschlagen. Wenn das dazu führt, dass er dann weiter bei Union spielt, umso besser. Dann kann er ruhig weiter ab und zu “individuell trainieren”.

Gehen wir weg vom Training zum Wettkampf. Gestern hat die U23 ein Nachholspiel in Auerbach mit 1:0 gewonnen und ist jetzt seit sechs Spielen ungeschlagen. Heißt Platz 7 in der Regionalliga Nordost. Das nenne ich mal befreit aufspielen.

 

Respekt auch an die Verrückten, die das Team beim letzten großen Auswärtsspiel begleitet haben. Das ist wirklich Wahnsinn. Am Samstag um 13.30 Uhr ist bei freiem Eintritt gegen Nordhausen das letzte Heimspiel an der Alten Försterei. Das wird sicher noch einmal schön. Das allerletzte Spiel einer U23 bei Union gibt es dann beim BAK.

 

Erinnerung: Heute um 11 Uhr (C-Junioren) und 13.15 Uhr (B-Junioren) spielt Unions Nachwuchs in den Finals um den Berliner Pokal im Poststadion. Falls ihr also heute nicht biertrinkend um den Müggelsee wandert (ich weiß, wovon ich spreche), geht nach Moabit und unterstützt die Unionjugend. Eintritt: 3 Euro.

Union engagiert sich schon länger für Vielfalt im Sport. So auch am Sonntag, wenn der 1. FC Union am U-Bahnhof Wittenbergplatz zum “Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie” auftritt und die Kampagne “Berliner Fußball liebt Vielfalt” präsentiert. Los geht es ab 11 Uhr. Außerdem ist Maskottchen Ritter Keule bei den Respect Gaymes am 6. Juni dabei.

keuleFoto: Facebook/Respect Gaymes

Unions mögliche Gegner DFB-Pokal

Gestern war “Journalistenfeiertag”. So wird der Tag vor einem Feiertag bezeichnet, weil keine Zeitung produziert wird. Dann sind auch für online keine Artikel gefragt, so dass die Kollegen die Zeit für Ausflüge nutzen können. Matze Koch düste nach Meuselwitz zum Thüringenpokalfinale des ZFC gegen Jena, das der FC Carl Zeiss mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt.

 

Gute Entscheidung von Matze. Ich habe mir das dramatische Spiel (Jena schießt den Ausgleich erst in der 90. Minute) im Livestream angesehen, wobei ich wieder Abbitte beim MDR leisten möchte, über den ich mich gerne lustig mache. Aber der Sender bot gestern zu den parallel stattfindenden Pokalfinals in Sachsen (Chemnitz gewinnt 2:0 gegen Zwickau), Sachsen-Anhalt (Hallescher FC gewinnt 6:0 gegen VfL Halle) und Thüringen drei separate Livestreams an. Jena, Chemnitz, HFC und auch Hansa Rostock oder Energie Cottbus sind damit im DFB-Pokal dabei. Aus Unionsicht bin ich geneigt zu sagen: Gegen die kann man schon mal rausfliegen … 😜

Lese-Empfehlungen für den Feiertag

Ich möchte euch noch zwei Geschichten ans Herz legen. Die erste handelt von einer Gruppe Union-Fans, die gerne an außergewöhnliche Orte zum Fußball fährt. Dieses Mal hat es sie zum Transnistrien-Derby zwischen Sherif Tiraspol und FK Tiraspol verschlagen. Sehr lesenswert. Bei Sherif war der junge John-Jairo Mosquera von einem Sklavenhändler Berater mal untergebracht worden.

Wer die Reise wagt, der wird eine spannende Zeit erleben. So wie der Spielbeobachter in Jenseits des Dnjestr.

Deutsche Fußballfans im Jahr 2002 vor dem Vereinsgebäude von Sherif Tiraspol
Foto: Sebastian Fiebrig

Die zweite Geschichte handelt davon, wie ihr alle, die ihr Berliner seid (ich auch) eine Party bezahlt, ohne eingeladen zu sein. Es geht um das Champions League-Finale, das am 6. Juni zwischen Turin und Barcelona im Olympiastadion ausgerichtet wird. Über fünf Millionen zahlt das Land aus Steuermitteln dafür. Wofür die ganze Kohle draufgeht, hat Jonathan Sachse aus Dokumenten des Senats rekonstruiert: Fünf Millionen Euro für die Champions League

Die Auflösung der U23 ist für Union ein logischer Schritt

Union meldet seine U23 zur nächsten Saison aus der Regionalliga auf und löst das Team auf, vermeldete der Verein gestern. Die Meldung sorgte für Aufregung auf den Abstiegsplätzen bei der ohnehin schon komplizierten Aufstiegs- und Abstiegsregelung der Regionalliga Nordost. So dass DDR1 der MDR auf seiner Website schnell genau erklärte, wer wann und warum absteigen könnte.

unionzweeFoto: Tobi/unveu.de

Die Begründung von Union zu diesem Schritt ist vielschichtig. Vor allem wird genannt, dass die Top-Spieler, die auch für den Profikader in Frage kommen und teilweise mit den Profis trainieren, in der U23 kaum zu Einsätzen kommen. Und das sei das eigentliche Ziel dieses Teams. Deshalb stünden finanzieller und organisatorischer Aufwand (Personal)in keinem Verhältnis zum Ertrag. Grundlage der Entscheidung ist ein Beschluss der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vom vergangenen Jahr, den Spielbetrieb einer U23 nicht mehr verpflichtend vorzuschreiben.

Verzicht auf die U23 ist eine logische Folge der Spitzenförderung des DFB

Sportlich ist der Schritt von Union absolut nachvollziehbar. Seit der umfassenden Reform der Fußballausbildung in Deutschland seit dem Jahr 2000 ist das Konzept auf eine Elitenförderung ausgerichtet. Seit mehreren Jahren kommen deutlich fertigere Spieler in der U17 und U19 an und kommen von dort vermehrt zu Einsätzen bei den Herren in Bundesliga und Zweiter Liga. Der Weg über die U23 ist eher die Ausnahme geworden. Ähnlich äußerte sich Norbert Düwel im vergangenen Jahr am Rande seiner Vorstellung als neuer Uniontrainer. Für die Talentförderung würde die U23 keine große Rolle mehr spielen, sei aber für die Spielpraxis von verletzten oder jungen Spielen durchaus sinnvoll.

Aufgrund der Altersbeschränkung der U23 lohnt sich die Mannschaft nicht für diejenigen Spieler aus dem Profibereich, die nur zu wenigen Einsätzen kommen. Düwel hat mit 18 Testspielen und zwei Benefizpartien so viele Begegnungen außerhalb des Spielbetriebs vereinbart wie wohl kaum ein anderer Union-Trainer zuvor. Und das lässt sich bestimmt steigern. Deshalb ist die Auflösung der U23 für Union logisch.

Unions steht im Wettbewerb um Talente

Wenn ich die Vereins-Mitteilung richtig lese, wird das frei werdende Geld, der Tagesspiegel spricht von einer mittleren sechsstelligen Summe, nicht einfach dem Profibereich zugeschlagen, sondern verbleibt im Nachwuchsleistungszentrum. Es wäre also keine Kürzung im eigentlichen Sinne, sondern eine Umverteilung. Dies lässt den Rückschluss zu, dass man mit dem Output nicht zufrieden war. Oder anders gesagt: Union glaubt mit dem Geld sinnvoller Top-Talente an sich binden und in den Profibereich eingliedern zu können. Spricht man mit Nachwuchsleuten (nicht nur bei Union) so gibt es die Faustregel, dass es bereits sehr gut ist, wenn ein Spieler pro Nachwuchsjahrgang es dauerhaft in das Profiteam schafft. Jeder zusätzliche Spieler gilt dann schon als außergewöhnliche Leistung.

Zusätzlich steht das mit zwei von drei möglichen Sternen zertifizierte Nachwuchsleistungszentrum von Union in direkter Konkurrenz zu anderen Standorten in der Region Ostdeutschland und ganz Deutschland. Der dritte Stern fehlt Union vor allem aufgrund der Infrastruktur, die den Nachwuchs auf verschiedene Spielstätten verteilt. Im Vergleich dazu: RB Leipzig baut gerade ein Trainingszentrum für alle Teams auf 13.000 Quadratmetern für 35 Millionen Euro. Union sucht dagegen weiterhin ein Gelände, das bebaut werden kann. Der Bezirk Köpenick kommt dem Verein dabei leider nicht so weit entgegen wie die Stadt Leipzig dem dortigen Klub.

Einen weiteren Nachteil hat Union im Nachwuchs dadurch, dass die U19 nicht an der Youth League teilnehmen kann. Der durchaus kritisierte Uefa-Wettbewerb bietet aber Wettkampfpraxis auf höchstem Niveau. Mit welchen Argumenten soll Union also Talente an sich binden, wenn nicht mit dem, dass die Verbindung zwischen A-Jugend und Profis extrem eng ist? Das gerade entstehende Internat ist auch ein Zeichen dafür, dass der Verein gewillt ist, Talente nicht nur aus der Region an sich zu binden.

Spätstarter haben es in Zukunft noch schwerer, Profi zu werden

Schlecht ist die Entscheidung allerdings für Spätstarter. Aber das gesamte System der Spitzenförderung ist schlecht für Spätentwickler. Das gilt schon für die Kinder, die spät im Kalenderjahr geboren werden. Ein Januarkind wird vom Fördersystem des DFB deutlich bevorteilt im Vergleich zu einem Dezemberkind.

Pascal Jochem von der Deutschen Welle, der selbst mal im Nachwuchsbereich von Union gespielt hat, sieht vor allem die Nachteile dieser Entscheidung:

Ich persönlich sehe den Schritt als notwendige Anpassung an die Realität an und den Wunsch nach mehr Konkurrenzfähigkeit des Nachwuchsleistungszentrums im Wettbewerb um Talente.

Neben dem Tagesspiegel haben auch Berliner Zeitung, Bild/BZ und der Kurier über das Thema berichtet. Im Kurier gibt es zudem noch einen Text über Sören Brandys Freude, dass er bald wieder trainieren darf. Allerdings ohne Ball. Zudem gibt es auf AFTV (nach Registrierung) ein Interview mit dem Nachwuchs-Leiter Lutz Munack.

“Man muss die Regionalliga unterstützen.”

Im Vorfeld des DFB-Bundestages am 21. und 22.Oktober 2010 haben wir uns mit der kontrovers diskutierten Möglichkeit einer erneuten Regionalligareform beschäftigt. Auf einem Treffen der Vertreter des Ligaverbandes DFL, der die Erst- und Zweitligaclubs vertritt, wurde dieses Thema behandelt. Für den 1. FC Union Berlin hatte der Teammanager Christian Beeck teilgenommen.

Nachdem in den Medien ein eigener Antrag der DFL als Reaktion auf die Anträge aus Bayern und durch den Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverband in Rede stand, haben wir Christian Beeck nach dessen Inhalt gefragt. Mit einem Ergebnis, das uns selbst überrascht hat. Im Anschluss besprechen wir einen Punkt, der in der allgemeinen Debatte um die Ligastruktur etwas untergeht: Die Nachwuchsarbeit der Vereine. Ein Thema, das Christian Beeck sehr am Herzen liegt, weswegen das Interview länger als ursprünglich geplant geraten ist.

Was war der Anlass des Treffens der DFL-Vertreter am 03.09.2010, und welche Themen standen auf der Agenda?

Anlass des Treffens waren die beiden Anträge des Bayerischen Fußballverbandes und des Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverbandes zur Ligastrukturreform. Zwei Anträge, die bestimmte Modelle sehen. Man kann sich die Anträge durchlesen und sieht: Da soll eine individuelle U23-Liga geschaffen werden, eine größere Regionalliga, eine flächendeckende Oberliga.

Also, für uns war es ein Cut.

Klar ist doch, dass man das große Ganze sehen muss, wie es 2000 begonnen hat. Man hat sich damals zusammengesetzt und festgestellt, wenn man mit dem deutschen Fußball so weiter macht, wird unsere Fußballnationalmannschaft die nächsten Qualifikationsrunden für die Europameisterschaft und für die Weltmeisterschaft nicht überstehen. Wir müssen etwas tun. Und demzufolge wurde etwas getan. Und es wurde eigentlich etwas richtig Gutes getan.

Es wurde wesentlich mehr Wert auf die U23-Mannschaften gelegt, so dass es eine Möglichkeit gibt, mit diesen Mannschaften auch höherklassig zu spielen. Es wurde Wert darauf gelegt, eine dritte Liga einzuführen und darunter die Regionalligen. Letztendlich dabei herausgekommen sind jetzt, 2010, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zum Beispiel Badstuber und Müller. Vor allem eigentlich Müller. Ein Shootingstar, der vor 18 Monaten noch in der Dritten Liga Fußball gespielt hat.

Der Ansatz der Ausbildungsphilosophie ist es, den Nachwuchskickern die bestmögliche Ausbildung zu geben, sie in den höchsten Ligen spielen zu lassen, in denen sie spielen können. Und dieser Ansatz ist aufgegangen. Dafür haben die Bundesligisten bei ihren U23-Mannschaften zum Beispiel auf die Teilnahme am DFB-Pokal verzichtet oder auf Fernsehgeldteilung in der Dritten Liga. Und, was ich gut finde, jeder DFL-Verein, der eine U23-Mannschaft hat, kann selbst entscheiden, was er mit ihr macht. In Augsburg spielt die U23 in der 6.Liga, bei Bayern München in der 3.Liga.

Das Problem bei der Geschichte ist bloß, dass, wenn diese 36 Vereine dort sitzen, wir eigentlich ganz unterschiedliche Inhalte haben. Die Global Player wie Leverkusen, Dortmund, Bayern München und so weiter haben ganz andere Inhalte als Paderborn, Union Berlin, 1860 München. Und sie haben noch einmal ganz andere Inhalte als Koblenz, die jetzt in der Dritten Liga sind, aber auch schon in der zweiten Liga waren, oder Osnabrück.

Grundsätzlich waren die Einführungen richtig, weil die deutsche Nationalmannschaft mit unserem Dachverband eigentlich über allem steht. Wenn das oben funktioniert, wenn der Kopf funktioniert, dann funktioniert auch der Rest.

Nun geht es aber um ein ganz anderes Problem: Dass die Traditionsvereine und die Amateurvereine leiden. Aber sie leiden nicht in erster Linie wegen der U23-Mannschaften. Die leiden unter anderem nicht unwesentlich darunter, dass der Spieltag am Freitag um 18 Uhr anfängt und am Montag um 22:15 Uhr zu Ende ist.

Das ist auch eine Lesart und sicherlich eines der Probleme bei den Amateurvereinen, dass man in der Konkurrenz um den Zuschauer keinen exklusiven Anstoßtermin mehr hat. Ist es das?

Ja. Es geht ja immer oben los. An die DFL werden 480 Millionen Euro zum Verteilen gegeben. Derjenige, der 480 Millionen gibt, möchte natürlich auch so transparent wie möglich übertragen und das meiste Geld damit verdienen, wenn er schon 480 Millionen zahlt. Davon haben die Erstligisten etwas, die Zweitligisten, die Drittligisten und die Viertligisten.

Noch, sagt man.

Noch. Aber selbst da sage ich: Das wird auch so bleiben. Das wird die DFL mit dem DFB zusammen nicht wegnehmen. Man muss die Regionalliga unterstützen. Das ist doch ganz klar. Wenn die Vorgabe lautet, dass die Vereine Sitzplätze brauchen, dann brauchen sie auch Geld dafür, um Sitzplätze zu haben.

Wir haben in der Regionalliga West zehn U23-Teams, im Norden fünf und im Süden 8. Da gibt es noch einmal ganz unterschiedliche Inhalte, die dieses Thema „U23“ haben kann. Aber es liegt nicht an den U23-Mannschaften. Die Regionalliga Süd hat das nachgewiesen, als beim Spiel der zweiten Mannschaften mehr Zuschauer waren als bei einem Spiel von Traditionsteams. Das ist auch schon aufgetreten. Es ist nicht so, dass durch die U23-Mannschaften dort in den Regionalligen die Zuschauerzahlen so gesunken sind. Das ist ja nicht der Fall. Die kommen genau deswegen nicht, weil Freitag 18 Uhr und Montag 20.15 Uhr angepfiffen wird.

Bei Union gab es auch schon schlimme Anstoßzeiten – Mittwoch, 13:30* …

… gegen Werder Bremen II …

… oder Lüneburg. – Also, wenn das Treffen im Prinzip die Reaktion darauf war, dass die Anträge vom Bayrischen Fußballverband und dem Westdeutschen Leichtathletik- und Fußballverband für die DFL so nicht handhabbar waren, was steht denn dann in dem eigenen Antrag, den man dann beschlossen hat?

Wenn diese Anträge bestehen bleiben, gibt es einen Eventualantrag.

Das ist der einzige, der nicht veröffentlicht ist – deshalb fragen wir. Also, der wird nur gestellt, wenn …

Den werde ich hier auch nicht veröffentlichen.

Das ist klar.

Aber die DFL wird natürlich darauf reagieren. Weil dieser Status Quo, der übrigens grundsätzlich gut ist, auch wieder weiter entwickelt werden muss. Das Problem ist, dass zu einem Spiel in der Kreisliga A nicht mehr wie vor 15 Jahren 500 Leute hingehen, sondern nur noch 50. Darum geht’s doch auch.

Es geht aber auch um solche Sachen wie Anforderungen, die an Stadien gestellt werden.

Das Thema wurde auch angesprochen. Und alle haben gesagt, dass darüber noch einmal nachgedacht werden muss, ob diese Bedingungen für alle zu erfüllen sind. Die Kommunen sind dem DFB auf das Dach gestiegen, weil jeder Regionalligist plötzlich eine überdachte Sitzplatztribüne haben musste. Das ist aber eher ein DFB-Thema. Und der DFB denkt darüber nach, die Daumenschrauben ein bisschen zu lösen und die Bedingungen angenehmer, einfacher und besser umsetzbar zu gestalten.

Zu lesen war, dass in diesem Eventualantrag steht, dass die strukturellen Bedingungen gelockert werden sollen. Im Moment ist es ja so, dass Regionalligisten auch einen Sportdirektor nachweisen müssen.

Das sind solche Inhalte, die nicht hundertprozentig zu Ende entwickelt sind, und die natürlich jetzt auf dem Prüfstand stehen. Dort muss angesetzt werden. Denn es kann nicht sein, dass ein Regionalligist in etwa dieselben Bedingungen benötigt wie ein Zweitligist. Das kann nicht funktionieren. Wer soll denn das bezahlen?

Die Vorschläge der Verbände sind beides Extrempositionen, die in Reinform nicht akzeptabel sind?

Jeder hat seinen Anspruch. Jeder. Der Regionalligist, der Oberligist, der Landesligist – aber genauso hat den Anspruch eben auch der Erstligist und der Zweitligist. Es ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber der Erstligist oder die Fußballnationalmannschaft oder der Fußball in Deutschland an sich hat immer eine höhere Priorität als der Landesligist.

Das hat eine höhere Reichweite.

Der Landesligist oder der Fußball insgesamt profitiert nur dann, wenn die Fußballnationalmannschaft funktioniert. Wenn wir ständig ausscheiden und sich das keiner mehr ankuckt, dann ist das Interesse für Fußball in den unteren Ligen nämlich auch nicht mehr so hoch.

Um auf den DFL-Antrag zurückzukommen – auch das war nirgends nachzulesen: Wurde dieser Antrag tatsächlich einstimmig beschlossen?

Bisher wurde kein Antrag gestellt. Es wurde über einen Eventualantrag gesprochen und der wurde von allen DFL Vereinen bestätigt, aber es wurde bisher kein Antrag gestellt.

Eigentlich sind der Amateurbereich und der Breitensport Aufgabe des DFB. Es kann aber nicht im Interesse der DFL sein, dass in der Regionalliga nur noch U23-Teams gegeneinander spielen. Wie schafft man da den Ausgleich?

Das ist ein großes Thema insgesamt: Transparenz und Balance. Das Geben und Nehmen muss übereinstimmen, wie in der Ehe und bei allen anderen Dingen des Lebens. Der DFL ist das auch nicht egal, was im Amateurbereich stattfindet. Ich glaube, das, was die DFL an Geld für den Amateurbereich weitergibt, ist nicht wenig. Vor allem, wenn man das mit dem Rest von Europa vergleicht.

Für mich wäre es aber viel wichtiger, die Struktur, in der wir leben, immer mehr den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Es sollten sich die Menschen zusammensetzen, die die gleichen Inhalte im Arbeitsleben haben, und dann in diesen Gruppen vernünftige Vorschläge machen, was wir jetzt benötigen, um noch besser zu sein. Genauso wie die Global Player der Branche sich zusammensetzen müssten, genauso müssten sich auch die zusammensetzen, die der Durchschnitt in dieser Branche sind. Und auch die, die im unteren Teil sind, und genauso die Regionalligisten und die Oberligisten. Ein Global Player wie Bayern München oder Bayer Leverkusen kann doch gar nicht wissen, was Darmstadt 98 gerade für Probleme hat.

Das ist wie hier in der Stadt bei Hertha und Union. Wir haben ganz andere Arbeitsinhalte. Das ist null vergleichbar. Michael Preetz hat etwas ganz anderes zu tun als ich. Er hat 20 Scouts in ganz Europa, die er alle betreuen muss. Das Thema haben wir doch gar nicht. Wir haben ganz andere Themen. Wir müssen zusehen, dass die Flüge funktionieren, die Hotels funktionieren und alle vernünftige Verträge haben. Wir müssen darauf achten, dass wir gute Wettkampf- und Trainingsbedingungen haben, dass die Rasenplätze gemäht sind, dass Kreide drauf ist und so weiter. Also ganz einfache Dinge, die am anderen Ende der Stadt selbstverständlich sind. Die einfach da sind. Da kümmern sich alle Mitarbeiter aller Bereiche jeden Tag darum, dass unsere Mannschaft beste Bedingungen nach unseren Möglichkeiten erhält.

Wenn man sich das alles so anhört, sollte man eigentlich sachlich zusammenarbeiten können. Gerade auch deshalb, weil der DFL-Bereich keineswegs homogen ist. Aber wir sehen, dass die Diskussion sehr vehement geführt wird, dass die Kompromissbereitschaft fehlt.

Das ist doch klar, wenn man solche Anträge stellt! Einfach aus dem Nichts.

Die waren nicht vorher abgesprochen?

Nein, natürlich nicht! Dass sich dann alle treffen und darüber diskutiert wird, zeigt dass alle interessiert sind. Aber unter den vorgeschlagenen Bedingungen verbessert sich nichts für den deutschen Fußball, sondern wir gehen zurück dahin, wo wir einmal waren. Also lassen wir den Status Quo, entwickeln uns in dem weiter und müssen die Bedingungen der Regionalliga natürlich überdenken – das ist Thema des DFB. Die DFL ist aber gesprächsbereit und als Ratgeber etc. gerne dabei.

Aber es gilt, was ich vorher schon sagte, die einzelnen Vereine müssten nach ihren Inhalten zusammengestellt werden oder sich zusammensetzen, um zu klären, was sie denn wirklich für Probleme haben. Der Schutz der Leistungszentren ist für mich zum Beispiel ein Riesenthema.

Das hatten wir vorhin angesprochen, Europameisterschaft 2000 und die Zurückstufung des Amateurbereichs in die Basisförderung, während die Talent- und Eliteförderung in Eliteschulen, Stützpunkten und Leistungszentren stattfindet.

Der Stützpunkt ist für mich ein Riesenthema. Wir haben 1200 Stützpunkttrainer und 40 Superkoordinatoren. Wer überprüft denn die 1200 Trainer? Wer macht denn das? Da ist man alle 8 Wochen mal bei der Trainingskontrolle. Da den Ansatz zu finden, noch mehr Intensität reinzubringen, die Trainerqualität zu erhöhen, um noch mehr rauszuziehen …

Das Programm ist ja richtig gut. Jetzt läuft es aber schon zehn Jahre, ohne dass es in irgendeiner Form verändert wurde. Dazu müsste man meiner Meinung nach Arbeitsgruppen mit einer guten Mischung an Qualitäten gründen, die diese Dinge analysieren und weiterentwickeln.

Wir haben uns das Talentkonzept angesehen und festgestellt, dass es sich vom Prinzip her nicht von den Jugendsportschulen der ehemaligen DDR unterscheidet.

Das ist doch okay.

Das war auch nicht als Vorwurf gemeint.

Es unterscheidet sich nicht. Es gibt ja auch nichts Besseres. Es gibt nichts besseres als dieses Sportförderungssystem, das es in der ehemaligen DDR gab. Die Politik lassen wir mal völlig raus. Aber das Sportthema wurde in der DDR mit den Förderungen, mit der Intensität des Trainings, top vorgelebt und top umgesetzt.

Auch im Fußballbereich?

Ja natürlich! Die Intensität zu heute ist schon eine andere gewesen. Mein Schultag hat damit begonnen, dass ich halb sechs aufgestanden bin und am Abend halb acht zuhause war, fünf Tage in der Woche und am Wochenende war Spiel.

Wahrgenommen hat man das bei Einzelsportlern, bei Leichtathleten. Bei Fußballmannschaften war das schwieriger oder?

Beim Fußball hat man natürlich nicht so eine Trainingsintensität wie bei einem Turner, bei einer Eiskunstläuferin oder bei einem Schwimmer. Aber wir hatten eine Betreuung, eine Versorgung, ein Kümmern – das ist heute nicht mehr aufzustellen, weil man die Leute gar nicht bezahlen kann.

Beispiel Union Berlin: Wir haben einen Nachwuchsleiter, der erst dieses Jahr hauptamtlich wird, einen A-Jugendtrainer, der nach fünf Jahren wieder hauptamtlich ist, einen hauptamtlichen U23-Trainer und einen technischen Leiter. Das sind vier. Wenn man zum Beispiel in der Regionalliga seine Talente mit einer U23-Mannschaft entwickeln möchte, bräuchte man denselben Stab wie eine Lizenzspielermannschaft, um es richtig zu machen. Früher war das alles automatisch vorhanden, der DDR-Sport war top strukturiert. Eine A-Jugendmannschaft hatte auch einen Physiotherapeuten, einen Mannschaftsleiter.

Sie haben als Fußballer die gesamte Jugendausbildung in der DDR mitgemacht. In der Oberliga gab es ja die Nachwuchsrunde vor den Punktspielen. Das wird ja heute immer nochmal als Modell eingebracht. Hatte das Sinn oder nicht? Es fällt uns schwer, das sportlich zu bewerten.

Der Vergleich ist schwierig, da das bereits 25 Jahre her ist. Grundsätzlich war das für uns als Jugendliche natürlich top. Wir sind mitgefahren, haben gegen die Nachwuchsmannschaft des Gegners unserer ersten Mannschaft gespielt und uns danach das Spiel der Ersten angesehen. Aber eigentlich wäre es uns angenehmer gewesen, wenn wir eine eigene Runde unabhängig von der ersten Mannschaft gespielt hätten, wie es jetzt ist.

Dann kann man auch mal gegen Bentwisch spielen, wo es auch mal ein bisschen anders zu Werke geht. Denn irgendwo hatten alle Nachwuchsmannschaften dann doch dasselbe Ausbildungssystem und die gleichen Spielsysteme. Bei Bentwisch stehen sie hinten zu viert und rumms! … Das sind doch mal Unterschiede!

Die Flexibilität, die jetzt da ist, finde ich besser und wesentlich interessanter für die Ausbildung von jungen Spielern. Das war ein Nachteil damals, weil man über Jahre hinweg gegen die gleichen gespielt hat. Man hat als 16jähriger gegen Karl-Marx-Stadt gegen den gleichen gespielt, als 17jähriger, als 18jähriger, beim Hallenturnier im Winter, beim Sommerturnier irgendwo anders – man hat immer gegen die gleichen gespielt.

Und im Zweifelsfall in der Juniorenauswahl gemeinsam.

In der Juniorenauswahl hat man gemeinsam gegen die Russen gespielt, gegen die man schon fünf Mal gespielt hat, gegen die Polen, gegen die man auch schon fünfmal gespielt hat. Und immer wieder gegen den gleichen Stürmer. Das war natürlich am Ende nicht gut.

Der Sprung in den Herrenbereich war dann zu groß für viele?

Der ist immer zu groß. Der war früher zu groß, der ist auch heute noch zu groß – obwohl es viele Vereine richtig, richtig gut machen, dass er nicht zu groß wird. Bayern München ist ein Paradebeispiel.

Aber ist es dann nicht sinnvoller, Jugendspieler zu verleihen?

Kann man ja machen.

Das würde das Problem lösen, nicht immer gegen die gleichen spielen zu müssen, wenn man die Spieler direkt in einer anderen Spielklasse unterbringt.

Aber eine eigenständige U23-Liga zu gründen? Die würde wenig Teilnehmer haben. Die Rostocker werden nicht an einer U23-Liga teilnehmen, um in Freiburg zu spielen. Wir auch nicht.

Klar, das ist eine Kostenfrage.

Und dann sind wir wieder dabei – dann trifft sich da oben die Elite. Die, die Geld haben, wenn die es wollen.

Wie sehen denn dann die Interessen von Union aus? Wenn man realistisch ist, ist Klassenerhalt immer das erste Ziel. Man muss aber natürlich auch damit rechnen, dass man absteigt. Und dann hat man selbst mit U23-Mannschaften zu kämpfen. Sind die Interessen von Union dann auch im Falle eines Abstiegs gewahrt, wenn man jetzt so agiert?

Wir haben, glaube ich, im ersten Drittligajahr nachgewiesen, dass die Dritte Liga funktionieren kann. Sogar in einem fremden Stadion. Und die Menschen haben sich ja auch an die U23 von Werder Bremen gewöhnt. Und auch an die U23 von Bayern München. Natürlich würden wir am liebsten an jedem Wochenende ein Derby gegen eine Traditionsmannschaft in der 3. Liga haben.

Wenn es um die Reduktion von U23-Teams in bestimmten Ligen geht: Es könnte sein, dass der sportliche Wettstreit für U23-Teams nicht mehr gegeben ist, wenn sie nicht aufsteigen können.

Es kommt grundsätzlich darauf an, was ein Fußballverein mit seinem Nachwuchsleistungszentrum eigentlich machen möchte. Bilde ich für den internationalen Bereich aus? Bilde ich für den nationalen Bereich aus? Oder bilde ich dafür aus, dass auch mal einer in der Mannschaft oben ankommt? Wir machen letzteres. Wir bilden ja nicht für den internationalen Bereich aus. Wir bilden auch nicht für den nationalen Bereich aus. Wir bilden dafür aus, dass ein Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum in den Lizenzkader rutscht und Profi wird. Weil wir gar keine anderen Bedingungen haben.

Wenn man die letzten 5 Jahre betrachtet, ist die Entwicklung des Nachwuchsbereiches bei Union wirklich gut. Alles wunderbar. Ich war dabei, als alles verändert, gekürzt und neu strukturiert wurde. Es waren am Ende nur noch zwei Hauptamtliche tätig, die den Laden geschmissen haben. Das geht für einen überschaubaren Zeitraum auch mal…. Wir sind in die A-Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Wir sind in die B-Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Das ging alles.

Grundsätzlich ist es für uns als Verein das Wichtigste, dass wir gute Bedingungen haben, um Jungs ausbilden zu können, die den Sprung in die Lizenzmannschaft, die erste Herrenmannschaft, packen können. Jungs, die uns dann zur Verfügung stehen. Das muss das erste Ziel sein. Alles andere ist Träumerei.

Wir haben in den letzten anderthalb Jahren die U23-Mannschaft von Union auch ziemlich intensiv beobachtet und fanden immer, dass die U23 von Union und die erste Mannschaft von den Spielklassen her viel zu weit auseinander liegen. Dass es ja wunderschön ist, wenn da jemand in der U23 toll spielt in der Berlin-Liga, aber der Sprung in die Herrenmannschaft ist so fast nicht zu schaffen.

Ist schwierig, logisch.

Und dass es natürlich sinnvoll ist, wenn man da näher aneinander rückt. Gibt es mittelfristig das Ziel Regionalliga?

Aber klar ist das ein Ziel. Ich bin immer dafür, dass unsere Ausbildungsmannschaften in den höchstmöglichen Ligen Fußball spielen. Das ist das Wunschdenken der Abteilung Sport. Auf der anderen Seite darf man natürlich die Bedingungen nicht vergessen und die Finanzierung in der Regionalliga, die erfüllt werden müssten. Was ist jetzt die Priorität? Und da steht an erster Stelle die Etablierung im DFL-Bereich und nicht der Aufstieg der U 23 in die Regionalliga.

Die Ernährung findet oben statt. Das trägt ja auch den Rest…

Genau das. Das dürfen wir nie vergessen. Wenn das oben nicht funktioniert, wenn die Lizenzmannschaft – und da rede ich ganz speziell von Union Berlin – nicht funktioniert, wird alles andere darunter auch nicht funktionieren. Nichts. Das heißt nicht, dass man sich als Lizenzspielerabteilung alles erlauben darf. Das ist sehr verknüpft mit allen anderen Abteilungen dieses kleinen, wunderbaren Vereins. Aber es muss für alle klar sein: Die Lizenzmannschaft steht an erster Stelle. Dann kommt der Rest. Manchmal tut es mir selbst weh, weil ich das ja selbst durchlaufen habe. Ich habe das mitgemacht und kenne das auch sehr gut. Aber es geht nicht anders.

Eine persönliche Einschätzung: Ist Union unter den Top 36 in Deutschland in Sachen Nachwuchsarbeit?

Na, absolut! Wir haben zwei Sterne bei der Zertifizierung bekommen. Wir haben Top-Bedingungen.

Zwei Sterne von wievielen?

Von dreien. Wir sind besser als mancher Bundesligist, von den Abläufen, von den Strukturen, von der Dokumentation, von der Intensität. Aber ich sage trotzdem, es geht noch mehr. Es geht immer noch mehr. Und wir haben viele gute Sachen gemacht in den letzten drei, vier Jahren – seit Theo Gries und Lutz Munack zusammen gearbeitet haben. Wir haben es geschafft, dass in unserem Nachwuchsbereich die Jungs am Vormittag von den Trainern trainiert werden, die sie auch am Nachmittag trainieren. Bei Hertha ist das zum Beispiel anders.

Wir haben uns den Trainingsplan von Herthas U23 auch angeschaut.

Es ist dort anders. Es sind dann welche von Tennis Borussia dabei, weil die alle in eine Schule gehen, in eine Klasse. Bei uns war das auch so, da haben Dirk Berger und Gunnar Heinrich unsere Jungs vormittags trainiert. Und nachmittags sind sie zu Engin Yanova und Theo Gries gegangen. Das war ein Vorgang, der konnte nur durch die Eliteschule des Fußballs geändert werden, weil da der Träger gewechselt hat. Vorher war es der Berliner Fußballverband. Die Struktur war nicht korrekt. Es darf niemals sein, dass eine Mannschaft von zwei Trainern trainiert wird. Dann wird das System, das an sich richtig ist, nicht richtig umgesetzt. Aber so, wie es jetzt ist, sind wir richtig gut aufgestellt.

Hermann Andrejew hat jetzt hauptamtlich die Leitung übernommen, Theo Gries als U23-Trainer hatte die vorher noch zusätzlich mitgemacht?

Theo Gries ist Trainer der U23, und hatte auch gleichzeitig das Nachwuchsleistungszentrum geleitet. Unterstützt durch Lutz Munack als technischen Leiter, der administrative Dinge macht, die ganzen Dokumente zusammenstellt und so weiter. Aber nach wie vor ist es so, dass wir viel zu viel Arbeit haben und viel zu wenig Menschen.

Wenn man den Vergleich ziehen möchte: Nach der Umstrukturierung beim DFB im Anschluss an die Europameisterschaft 2000 hat es etwa acht bis zehn Jahre gedauert, bis es den ersten sichtbaren „Ertrag“ gab. Setzt man sich das Fenster bei Union auch so? Vorausgesetzt, die Lizenzmannschaft hält die Klasse.

Was heißt Ertrag? Ertrag heißt ja bei uns, dass Spieler oben ankommen. Ich glaube, wir haben eine richtig gute Durchlässigkeit, zum jetzigen Zeitpunkt.

Ob das so bleibt, ist natürlich nicht von der A-Jugend, der B-Jugend, der C-Jugend oder der D-Jugend abhängig, sondern von dem, der sie sichtet, mit sechs, sieben oder acht Jahren. Ob sie dieses Bewegungsmuster für Fußballer haben. Das ist das Entscheidende. Daran können die Trainer ausbilden. Klar kann man dann noch viele Dinge tun. Aber dieses ursächliche, instinktive für Fußball, was Raum und Zeit und Orientierung und das periphere Sehen bringt – in der D-Jugend lernt man davon nichts mehr. In der A-Jugend kann man nur noch etwas an den physischen Dingen tun. Grundvoraussetzungen, Passspiel, Finden – das kann man alles perfektionieren. Aber da noch einmal Bewegungsabläufe beibringen, Handlungsschnelligkeit, Handlungsmuster, …

Und dann das Wichtigste von allem: Wenn die Persönlichkeit nicht stimmt, dann fehlt etwas ganz wesentliches. Oberster Punkt im Fußball ist die Persönlichkeit. Denn wenn man vor 40.000 Fußball spielt und kann nicht einmal vor 25 Leuten Guten Tag sagen, und sagen, wie man heißt, dann braucht man nicht beginnen.

Da müssen wir ansetzen – dass das Typen sind. Die sicherlich polarisieren, aber trotzdem total integriert sind und Regeln akzeptieren. Aber trotzdem Typen sind. Doch solche Jungs heranzuführen, auszubilden, zu sehen, zu finden – das können nur Leute, die nicht vom Himmel fallen. Die kosten auch schon wieder richtig Geld.

Man sieht so etwas schon bei Fünf-, Sechsjährigen?

Ja, das erkennt man. Das haben sie bei uns früher auch gemacht. Aus meiner Klasse, aus meinem Jahrgang, aus meiner Schulklasse KJS Wasserfahrsport, 7.Klasse, sind drei Spieler von sechs Bundesligaprofi geworden: Martin Pieckenhagen, Marko Rehmer und ich. Und wenn ich noch hinübersehe nach Hohenschönhausen: Angelo Vier und Stefan Beinlich. Fünf. Aus einem Jahrgang. Aus einem einzigen Jahrgang in einer Stadt. Heute ist es so: Man stellt eine Million Sechsjährige hin. Es gibt 900 Bundesligaspieler, 450 aus dem Ausland, 450 aus Deutschland, geteilt durch 36 –das sind etwa 15 Spieler pro Mannschaft durch 18 Jahrgänge in dieser Mannschaft. Ich denke das sagt alles!

Da hätten wir mehr erwartet.

Deswegen brauchen die Spieler, die es werden könnten, die beste Ausbildung und besten Bedingungen nach den jeweiligen Möglichkeiten. Die Ausbilder müssen es Ihnen vorleben können mit Begeisterung auf Augenhöhe, mit hoher Disziplin und knallhartem Training, Freude und Leidenschaft. Diejenigen zu finden, die das können, ist mit das Schwierigste was es gibt. Hermann Gerland ist ein Beispiel…

Als Union in der Dritten Liga spielte, hat Bayern II viel Freude gemacht.

Das haben sie… Aber dort werden Persönlichkeiten entwickelt mit hohen fußballerischen Fähigkeiten. Dieses Training, diese Intensität möchte niemand erleben. Ede Geyer – das ist das gleiche in Grün gewesen. Klar sind alle die dort trainieren durften auch ein bisschen verrückt. Aber das geht nur so.

Man ist ein Künstler. Genau wie Musiker oder Schauspieler. Am Ende ist das nichts anderes. Eine Million Sechsjährige wollen Schauspieler werden, und es werden am Ende auch nur drei in einer Stadt.

*Die Anstoßzeit für das Heimspiel gegen Lüneburg im Jahr 2000 kam auf den Wunsch des 1. FC Union Berlin zustande, der die Winterpause durch ein Vorziehen des Spiels verlängern wollte.

Oberliga in Niederschöneweide

Sonntag Nachmittag in Berlin-Niederschöneweide. Sportplatz am Bruno-Bürgel-Weg an der Spree mit Blick auf das ehemalige Industriegebiet Oberschöneweide. Nebenan ein stillgelegtes Industrieareal mit ausrangierten BVG-Bussen und Warnschildern “Lebensgefahr! Freilaufende scharfe Hunde.” Die Sportanlage selbst macht einen aufgeräumten Eindruck und ist seit dieser Oberligasaison die reguläre Heimstätte der U23 des 1. FC Union Berlin.

Auf den mit Gras überwachsenen fünf Stufen der Gegengeraden fanden neben den 271 zahlenden Zuschauern auch manche Pilze ihren Platz zum Punktspiel gegen die TSG Neustrelitz. Davor ein Wagen mit Getränken und Wurst. Das Bild vom Sonntagsausflug machten Familien mit Kinderwagen und eine Oma im Klappstuhl perfekt.

Nur ein Ausflug ohne Arbeitseinsatz war der Sonntag auch für Unions zweiten Torhüter Marcel Höttecke, der im Tor stehen sollte. Allerdings wurde er auf dem Meldebogen vergessen und durfte nach dem Aufwärmen wieder nach Hause fahren. Uwe Neuhaus und sein Co-Trainer André Hofschneider sahen somit aus der Profimannschaft nur Christian Stuff spielen. Gegen die favorisierten Neustrelitzer entwickelte sich ein Abnutzungskampf im Mittelfeld, den die Unioner über den Kampf für sich entscheiden konnten. Sie gingen durch zwei Kopfballtore mit 2:0 in die Halbzeitpause. In der zweiten Hälfte verpasste das Team von Trainer Theo Gries die vorzeitige Entscheidung durch unkonzentriert ausgespielte Konter und vergebene Standards. So zitterte man kurz nach dem Anschlusstreffer, bevor Soltanpour durch ein Solo das entscheidende 3:1 gelang.

Während einige Frauen auf der Suche nach einem Filzstift für Autogramme waren, sorgte eine Tätlichkeit auf dem Rasen noch für Aufregung. Die Zuschauer hingegen brachte die rote Karte für den Neustrelitzer Ante Balic nicht in Wallung. Sie waren mit dem Erzählen ihrer eigenen Geschichten beschäftigt. Ein Sonntagsausflug eben.

Bilder: Stefanie Lamm