Wenn es vorne nicht klappt, gibt es immer noch Rafal “Alles muss man selber machen” Gikiewicz

Ich habe mir zu Hause fast die Hand gebrochen, so stark schlug ich mit der Hand immer wieder auf den Tisch, nachdem Rafal Gikiewicz in der Nachspielzeit zum 1:1 traf (ich hatte aber Glück, im Gegensatz zu Mario Gomez, der sich vor 11 Jahren bei einer solchen Aktion tatsächlich die Hand brach). Es war so ein Moment, in dem ich nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen. Wie viel lieber hätte ich mir Bier über den Kopf gießen lassen, wäre wie wahnsinnig herumgesprungen und hätte alle umarmt. Aber ich hatte mich aus Vernunftgründen dafür entschieden, lieber an einer Präsentation zu arbeiten. Selbst schuld. Dafür kann ich mich an diesem Bild nicht mehr satt sehen, auf dem den Heidenheimer Spielern das Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht.

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Zwanzig.

Dass ein Torhüter verpflichtet werden würde, zeichnete sich zu Ende der letzten Saison ab. Das Verhältnis von 55 Toren zu 58 Gegentoren spricht eine deutliche Sprache. Marcel Höttecke, verletzungsbedingt immer wieder zurückgeworfen, war nicht die erwartet starke Konkurrenz. Den steinigen Weg, den er gegangen ist, wollte Uwe Neuhaus Daniel Haas offenbar ersparen. “Ich möchte auch auf der Torhüterposition in der nächsten Saison eine deutliche Weiterentwicklung sehen und bin überzeugt davon, dass er der richtige Mann dafür ist. Wir holen ihn als Nummer 1”, hieß es in der Pressemitteilung vom 15.5.2012 zu Haas´ Verpflichtung. So ist es nur konsequent, dass Daniel Haas auch die entsprechende Rückennummer trägt.

Uwe Neuhaus ist ein zielstrebiger und ambitionierter Trainer. “Immer weiter, ganz nach vorn” könnte gut seine persönliche Einlaufmelodie sein. Er hat bis hier her einen langen Atem bewiesen. Mit dem Tribünenneubau positioniert sich der Verein für die erste Liga. Die Verpflichtung eines erstligaerfahrenen Torhüters sendet dasselbe Signal. Soweit die professionelle Sicht der Dinge. Für einen Trainer muss sie die einzig maßgebliche sein.

Und dann gibt es Leute, die sehen das alles ganz anders.


Jannes Arnold, 7 Jahre

Was so herzig daherkommt, ist in Wahrheit das gesamte Drama des Vereinsfans, der sich vor die Aufgabe gestellt sieht, eine Mannschaft zu unterstützen, bei der jeder einzelne Spieler jederzeit durch einen anderen ersetzt werden kann. Dein Kapitän, dein Lieblingsstürmer und dein Torhüter. Ja, das ist so. Das nennt sich Profifußball.

Nein, Profifußball ist nicht nur für siebenjährige Jungs manchmal schwer zu akzeptieren. Ich bringe jetzt meine Trikots zum Beflocken. Es sind hoffentlich noch genügend Zweien und Nullen im Bestand.

Musset sein?

Eigentlich wollte ich hier und heute etwas gelassenes über einen sommerlichen Samstagnachmittagkick schreiben, der am besten im Liegestuhl, mit einem kalten Getränk in der Hand zu genießen gewesen wäre.

Doch es war auch das erste Heimspiel unseres neuen und seit dem heutigen Spiel auch definitiv zweiten Torwarts Marcel Höttecke.

Wenn er aufläuft, sieht der Rest der Mannschaft aus wie eine Bande Zwerge. Groß, massig, stark sieht er aus. Ein Typ, vor dem ein anstürmender Gegenspieler Angst bekommen sollte. Gegen den Mann zu laufen, sieht aus wie AUA. In einer klasse Flugeinlage mit Faustabwehr stellte er diese Qualität auch unter Beweis.

Sein Job bei Union: Druck auf unsere Nummer 1 – Jan Glinker – machen.

Sein Stand bei Union ist ein schwerer. Die Fans lieben Jan Glinker und bei wenigen wird “Fußballgott” so mit Inbrunst gebrüllt, wie bei ihm.

So sahen wir heute alle mit Interesse seinem Spiel zu, mit Argusaugen und teilweise wenig Wohlwollen.

Auf dem Platz stand ein scheinbar nervösen Torwart, der sich oft in Diskussionen mit Madouni, unserem – vermutlich – zukünftigen Abwehrchef befand und selten eine schnelle Spieleröffnung hinbekam, da er lange brauchte um sich zu orientieren. Es war offensichtlich, dass er sich der Bedeutung dieses Spieles für ihn nur allzusehr bewußt war.

Zum Ende der ersten Halbzeit kassierte Union dann zwei Gegentore, bei denen Marcel beide Male unglücklich aussah. Nach dem 2:1 ging ein heftiges Grummeln durch die Gegengrade.

Nach dem zweiten Gegentor forderte dann die Waldseite lautstark Jan Glinker ins Tor.

In der zweiten Halbzeit gab es einige Aktionen von ihm, die auch nicht wirlich souverän aussahen. Die Reaktion eines großen Teils der Fans waren hämisches Beifallklatschen wenn er einen Kullerball festhielt.

Bei aller Liebe zu – auch meinem – Fußballgott Jan, so gehen wir mit unseren Leuten nicht um, so bauen wir sie nicht auf. Wir brauchen einen starken zweiten Torwart, der im Falle des Falles einspringen kann. Der seinen Job machen kann, Jan nach vorn bringen.

Ich hoffe, dass er in den nächsten Vorbereitungsspielen noch zum Einsatz kommt und zeigt kann was er kann.

Unsere Nummer 1 ist und bleibt Jan, doch letztendlich sollten wir froh sein, wenn wir einen starken Ersatz bekommen. Also geben wir ihm Zeit und Aufmunterung, nicht Ablehnung und Häme.

Unsere Unterstützung der Jungs auf dem Platz ist das, was uns immer stark gemacht hat und so wird es bleiben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich in den internetfreien Urlaub und wünsche allen ihr einen schönen August.

u.n.v.e.u.

Nachtrag: Die Gegentore fielen nach dem unsäglichen “Siehste Hertha…”. Alles weitere dazu und viel mehr zum Spiel an sich kommt dann gleich von Matze, mit dem ich gestern Abend vor dem 5 Ziegen saß und wir beide fröhlich mit unseren Texten spielten.