“Was hältst Du eigentlich von Red Bull?”

“Du musst unbedingt mal zu Union”, sagte ich gestern einem amerikanischen Bekannten, als wir gemeinsam im Hops & Barley ein Bier tranken. Er ist New Yorker und erst seit 4 Tagen in Berlin. Eigentlich wollte er von mir nur wissen, was er alles gesehen haben muss, wenn er die nächsten Monate in Berlin arbeitet. Und Fußball stand da wahrscheinlich gar nicht auf seinem Plan. Aber andererseits wollte er wissen, wie die Deutschen ticken, weil seine Oma aus Deutschland in die USA ausgewandert ist. Was gibt es da besseres als Fußball?

Vor Anpfiff. #choreo #fcunion #eisernunion #unionberlin #stadionanderaltenförsterei #unveu Foto: @gglnx

Ein von Sebastian Fiebrig (@saumselig) gepostetes Foto am


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Tickets für Dortmund: Das hätte Union fairer und transparenter hinbekommen können

Die gestrige Mitteilung, dass Union bereits alle Stehplätze für die Pokalpartie in Dortmund an Fanklubs und organisierte Fanszene vergeben hat, sorgt doch für etwas Unmut. Und ich muss zugeben, dass ich auch etwas ungehalten bin. Nicht weil das so geschehen ist, sondern weil es nicht kommuniziert wurde. Bis gestern gab es vom Verein kein Sterbenswörtchen zu diesem Vorgang. Selbst in der sehr ausführlichen Beschreibung, wie der Vorverkauf vonstatten gehen wird, wurde nicht erwähnt, dass es noch eine zusätzliche Bevorzugung geben wird. Die gibt es zwar bei den sonstigen Auswärtstickets im Ligabetrieb auch, aber da ruft der Vorverkauf auch nicht solch ein Interesse hervor.

Und wie die Fanklubs diesen Vorverkauf ihren Mitgliedern kommuniziert haben, ist noch einmal eine andere Sache. In meinem Fall wurde das gar nicht kommuniziert. Und hätte ich nicht über Buschfunk vor drei Tagen Bescheid bekommen (nein, ich habe keine Tickets bekommen), wäre ich genau so von der Union-Mitteilung überrascht gewesen. Alles in allem kann ich nur sagen: Das geht fairer und transparenter.

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Reliquien

Es könnte so einfach sein. Man schnappe sich eine der reflexhaften Pressemitteilungen vom “Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft”, Rainer Wendt, mit denen er die Medien des Landes nach jedem Aufruhr versorgt, und seziere sie. Aber das wäre zu simpel, denn diese “Forderungen” sind durchsichtig und folgen lediglich dem Prinzip “Je unsinniger und plaktiver, desto eher werden sie verbreitet.” Sich an Aussagen der Deutschen Polizeigewerkschaft oder der Gewerkschaft der Polizei abzuarbeiten hieße in dem Kontext, demjenigen Aufmerksamkeit zu schenken, der am lautesten schreit. Das kann man anderen wie dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund überlassen, der über Rainer Wendt sagt: “Wenn ich sehe, dass er sich wie ein Innenminister aufspielt und zu allem seinen Senf dazu gibt, platzt mir der Kragen.”

Interessant wird es, wenn sich Personen mit Bedacht äußern, die Entscheidungen so vorbereiten können, dass sie zur Abstimmung kommen können. Ein Beispiel dafür ist Holger Hieronymus, stellvertretender Geschäftsführer der DFL und für den Spielbetrieb verantwortlich. Und der sagt in einem Interview mit dem ZDF (das gesamte fast zehn Minuten lange Gespräch ist sehr sehenswert) folgendes:

Stadion der Zukunft. Sieht das so aus wie in Amerika? Keine Stehplätze mehr, nur noch Sitzplätze, die ja sowas [Anm. d. Red.: gemeint sind die Vorfälle im Olympiastadion beim Spiele Hertha – Nürnberg] minimieren würden?

Ich glaube, und wenn ich mir die Diskussionen, die noch nie so intensiv geführt worden mit der Fanszene wie 2010, ansehe und wir immer wieder darauf hingewiesen haben, dass für den Fall, dass wir keine deutliche Qualitätsverbesserung im Sinne von weniger Ausschreitungen sehen können, dann wird es irgendwann auch an Reliquien gehen, die es in deutschen Stadien immer noch gibt. Das sind Stehplatzbereiche und zehn Prozent Gästetickets. All diese Dinge haben wir bereits in Frage gestellt in der Diskussion mit den Fans. Ich glaube, wir werden über diese Maßnahmen all along reden müssen. Und ich hoffe nicht, dass wir dann eine Stadionstruktur wie in Amerika oder auch in England haben werden. Allerdings müssen die Maßnahmen, die wir uns überlegen, greifen, um dies zu verhindern.

Die Diskussion mit den Engländern, die ja als erste versucht haben, das Hooligan-Problem in den Griff zu bekommen und dabei relativ erfolgreich waren. Die Zäune sind wieder weg.

Ja, ich denke der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen aus England sieht so aus, dass wir die Maßnahmen die seinerzeit vorgenommen worden sind, nachvollziehen können. Sie haben letztendlich zu einer Form des Erfolges geführt, dass es zumindest innerhalb der Stadien diese Ausschreitungen in der Form nicht mehr möglich sind.

In diesen Zusammenhang muss die Entscheidung des FC St. Pauli und der Hamburger Polizei gesehen werden, lediglich 500 Sitzplatzkarten personalisiert an Rostocker Anhänger zu verkaufen. Natürlich ist dieses Vorgehen ein Dammbruch. Der Berliner Polizeipräsident Glietsch wollte bereits vor zwei Jahren den Anhängern von Dynamo Dresden die Anreise verbieten und nahm für sich auch das Totalverbot von Partien in Anspruch. Die Dresdner Ultras reagierten mit einem größtenteils eingehaltenen Boykott des Spiels.

Sämtliche Anhänger befinden sich angesichts solcher Forderungen in einer Lose-Lose-Situation. Zunächst wird eine große Drohkulisse aufgebaut und mit Maximalforderungen unterlegt. Anschließend wird ein “Kompromiss” gefunden, der vorher von Verein wie Anhängern rundweg abgelehnt worden wäre. So spricht Paulis Präsident Littmann jetzt nach der Einigung mit der Polizei von der “weitestgehend möglichen Wahrung der Fanrechte“. Natürlich passiert bei einer solcherart zu einem Hochsicherheitsspiel hochgejazzten Partie erwartungsgemäß nichts, was anschließend nur mit dem hohen Sicherheitsaufwand begründet wird. Beweisen kann diese Aussage niemand.

Der 1. FC Wundervoll feierte erst gestern mit einer Kinopremiere erneut den Bau seines fast reinen Stehplatzstadions. Das Stadion an der Alten Försterei besitzt neben 2460 Sitzplätzen 16.540 Stehplätze. Eine Grundbedingung für Präsident Dirk Zingler bei der Planung und für die Mitarbeit der Fans an diesem Stadion war der Erhalt der Stehplätze entsprechend den Kriterien für den Spielbetrieb von DFL und DFB. Die Stehplätze sind ein Selbstverständnis für die Fankultur des Vereins. Maßnahmen wie in England aufgrund der Umsetzung von Vorschlägen des Taylor-Reports wären das Ende der Atmosphäre, die man mit Union verbindet.Aus diesem Grunde befindet sich der Verein in einer Findungsphase, wie mit Anhängern umgegangen werden soll, die sich nicht an die Regeln halten. Bewusst wurde auf plakative Maßnahmen verzichtet und die Diskussion in die Vereinsgremien gegeben. Die bald erwarteten Ergebnisse und ihre Wirksamkeit werden für alle von immenser Wichtigkeit werden. Sie werden das Verhältnis von Verein, Fans, Verband und Sicherheitskräften bestimmen.

Holger Hieronymus hat leider nicht ausgeführt, wie er Reliquie meinte: Gegenstand religiöser Verehrung oder Überbleibsel…