Die verschollene Presseschau – Finale

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Das Flugzeug brummte vor sich hin, während es durch die Dämmerung in Richtung Nürnberg flog. Ich saß auf einem billigen Last-Minute Platz und ging alles noch einmal in Ruhe durch.

Endlich hatte ich alle Puzzle-Stücke in der Hand. Ich wusste, was ich von den zurückliegenden Tagen zu halten hatte. Die DVD, die ich im Keller gefunden hatte, enthielt alles, was ich brauchte: Rechnungen, Verträge, Pläne.

Ich hatte sie mir auf Johns altertümlichen Rechner angesehen, der bemerkenswerterweise ein DVD Laufwerk enthielt. Es dauerte nicht lange, bis ich erkannte, welches Spiel hier gespielt wurde: Die Entführung, die ich beauftragt war aufzuklären, war keine echte Entführung.

Um genau zu sein, war nichtmal das Entführungsopfer ein echtes Entführungsopfer. Den Star-Autoren der Presseschauen auf dem Blog meiner Auftraggeberin gab es nicht. Man könnte sogar sagen, dass es das Blog gar nicht richtig gab.
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Die verschollene Presseschau – Teil 4

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Als ich zu mir kam, empfing mich der Gestank von Terpentin und Schweiß. Der Sack, den man mir über den Kopf gezogen hatte, ließ nur bruchstückhaft Licht an meine Augen und die Fesseln, die meine Hände hinter dem Rücken zusammenhielten, waren eng geschnürt.

Ich orientierte mich so gut es ging und nach einiger Panik wurde mir bewusst, dass ich auf dem harten Boden eines Raumes mit tiefen Decken lag. In einiger Entfernung konnte ich dumpfe Stimmen wahrnehmen. Ein Radio übertönte sie blechern, so dass ich nicht verstehen konnte, was sie sagten.

Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ich mich in einem Kellerraum befand – der modrige Geruch und der harte Boden waren unverkennbar. Nach der ersten Orientierung versuchte ich meine Fesseln zu lockern, doch alles Zerren führte nur dazu, dass der Kabelbinder noch tiefer in meine Gelenke schnitt als vorher. Ich neige selten zum Jammern doch diese Situation brachte mich dann doch dazu, mit meinen Entscheidungen zu hadern.
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Die verschollene Presseschau – Teil 3

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Es wurde Zeit, meine bisherigen Ergebnisse mit meiner Auftraggeberin zu teilen. Ich leistete mir ein Taxi und fuhr in den Norden der Stadt. In Gedanken versunken ging ich meine Notizen durch und starrte auf den Ausdruck des Fotos aus New York. Das Fluchen des Taxifahrers über jede rote Ampel nahm ich nur ganz entfernt war.

Auch wenn ich mich an nicht viele Prinzipien im Leben bisher gehalten habe, so war die völlige Offenheit meinen Klienten gegenüber doch bisher immer so etwas wie heilig. Diesmal jedoch überlegte ich genau, was ich ihr gegenüber äußern sollte. So aufgelöst, wie sie zu mir gekommen war, könnte diese New York Geschichte sie doch wieder nur unnötig wütend machen.

Es wurde dunkel als das Taxi vor ihrem Haus hielt. Ich warf dem Taxifahrer das Geld auf dem Beifahrersitz und er fuhr fluchend davon. Ein leichter Nieselregen hatte auf dem Weg hierher eingesetzt und ich verharrte ein paar Minuten vor dem Eingangstor, um meine Gedanken zu sammeln. In dieser Gegend sollte jemand wie ich nicht allzu lange vor Häusern herumstehen wenn ich nicht die Aufmerksamkeit wachsamer Nachbarn auf mich ziehen wollte. Tief einatmend drückte ich die Klingel.
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Die verschollene Presseschau – Teil 2

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Mein Kopf fühlte sich so leer an wie die Schachtel Zigaretten, die vor mir auf dem Schreibtisch lag. Es war lange her, dass ich das letzte Mal an meinem Schreibtisch eingeschlafen war. Draußen fuhr die Müllabfuhr gerade die kümmerlichen Überreste Zivilisation davon, als ich durch die Sonnenstrahlen geweckt wurde, die gerade so durch die schon viel zu lange nicht mehr geputzten Scheiben meines Büros drangen.

Ich wusch mein Gesicht im Waschbecken in der Ecke und zog das Hemd an, das ich für den Fall im Büro bereit gelegt hatte, dass ich mal zu einem Empfang eingeladen wurde. Nicht dass das je passieren würde, aber in diesem Moment war ich froh, diese Hoffnung irgendwann mal gehabt zu haben.

Als ich den letzten Knopf geschlossen hatte und mich einigermaßen erfrischt fühlte, fiel mein Blick auf den braunen Umschlag an der Tür. Kein Absender, keine Anschrift – meine Gedanken begannen zu kreisen. Es war lange her, seit ich anonyme Post bekommen hatte und auch dann immer nur Drohbriefe von Ehemännern, die verhindern wollten, dass ich „diese“ Fotos ihren Ehefrauen zeigte.
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Die verschollene Presseschau – Teil 1

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Schon an ihrem Klopfen hörte ich, dass dieser Fall etwas Besonderes sein würde. Genaugenommen erkannte ich es an der Tatsache, dass sie um diese Zeit an meiner Bürotür klopfte. Zu so später Stunde tummeln sich in diesem Gebäude maximal ein paar Ratten und vielleicht die eine oder andere Kakerlake. Aber ganz bestimmt keine Frau wie sie.

Aufgelöst stand sie vor mir. Ich hatte es mir gerade mit einem Bourbon bequem gemacht und versuchte den Ärger des späten Gegentores runterzuspülen. Eine kleine Unachtsamkeit und plötzlich hieß es Platz 5 in der Tabelle anstatt Platz 3. Noch völlig in Gedanken und Bourbon versunken, versuchte ich mich auf ihre Worte zu konzentrieren, die nach meinem halblauten „Herein…“ aus ihr herausbrachen.
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Kommen, gehen, bleiben. Union ist im Fluss, nur wer wird steuern?

Kreml-Union-Astrologen heraus! Zwei Tage vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln findet heute im Stadion die Spieltagspressekonferenz statt. Die letzte Möglichkeit, von Trainer Uwe Neuhaus etwas “nur zum Spiel” zu erfahren. Allgemeinere Fragen beantwortet der 53-Jährige ungern. Erst recht nicht vor der Kamera. Wäre also der passende Zeitpunkt, im Gesicht des Trainers zu lesen. Ich bin auf die Interpretationen gespannt.

Uwe Neuhaus auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Cottbus (31.03.2014; Foto: Koch)Foto: Koch

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