Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern wo du bist

Simon Hedlund lächelt, streckt seinen Arm nach hinten über das Sofa aus und schlägt die Beine übereinander. Er sinkt in die Kissen als wären sie Treibsand. Neben ihm sitzt Sebastian Andersson, den Rücken deutlich gerader haltend, etwas nach vorn gelehnt und mit seinen Knien eng aneinander. Es ist ein kleines Sofa. Ihre Beine berühren sich nicht, aber fast. Andersson trägt Straßenklamotten, Hedlund einen Trainingsanzug. Beide lächeln weiter. Ob sie es wirklich sind oder nicht: Aber immerhin erscheinen Unions Schweden entspannt, zufrieden und so, als hätten sie Spaß. “Wetter wie in England”, sagt Hedlund. Und er hat recht damit. Es liegt eine Feuchtigkeit in der Luft, die die Trainingseinheit gerade eben sehr viel angenehmer gemacht hat.

Simon Hedlund nach seiner Verpflichtung durch Union 2016, Foto: Matze Koch

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Sich mal freuen

Heute zu Gast im Reigen der hochamtlichen Urlaubsvertretungen, ein Text von Milan.

Meine gute Frau sagte Kopfschuß statt Kopfball, sie erwähnte auch, wie gut die Afrikaner spielen, sie schmeißen nur die Tore nicht rein. Das heißt, ich wunderte mich schon nicht mehr, wenn die Südafrikaner bei ihr, ganz ausversehen natürlich, Süßafrikaner heißen oder wenn sie fragt, ob es wieder eine Elfmeterschießerei gibt. Gerne erinnere ich auch an Gerhard Schröder, der damals, als er nur Bundeskanzler war, nach dem Pokalfinale gegen Schalke staatsmännisch anmerkte `Die Union habe gut gespielt…` und wir uns verbaten, von ihm in die Nähe von Schwarzgeldkofferaffären gebracht zu werden.
Letztens bestellte eine Freundin in ihrer Hast eine Rampingionschamsuppe. Nach einem kleinen hysterischen Lachflash korrigierte sie auf Champingionrahmsuppe um kurze Zeit später von Dirk Kaggles zu sprechen. Das gibt so Tage….

Darwins herausragende  Leistung, die evolutionäre Entwicklung der Natur überhaupt in Betracht zu ziehen, sie wissenschaftlich selbst gegen die dickköpfigste Wissenschaftselite zu etablieren, überzeugend darzulegen, dass Arten sich nicht nur entwickeln, sondern auch verändern können, möchte ich ebenso gerne feiern wie die simple Möglichkeit menschlicher Kommunikation. Ich sag was, Jemand sagt was zurück, ich sag wieder was und wenn Bier im Spiel ist, geht das stundenlang. Auch Dritte und Vierte können mitreden und wenn alle gesund bleiben, gibt es am nächsten Tag gemeinsame Erinnerungen. Das ist doch ungeheuerlich. Das Gehirn eines Menschen ist ein so kompliziertes Mysterium und doch ist es dem Gehirn eines anderen Menschen ähnlich genug, um Kontakt herzustellen. Auch wenn es mir eben nicht gelingt, meine Begeisterung genügend zu erklären, ich möchte mich manchmal einfach zurücklehnen und die allergewöhnlichsten Tatsachen feiern. Sich etwas erzählen zu können, Leute, sollte mal zwischendurch, vielleicht beim Frühstück, als wunderbares Wunder der Natur bewundert werden.

Wittgenstein bedeutete die Grenze seiner Sprache die Grenze seiner Welt, Heidegger nannte die Sprache das Haus des Seins und ich hielt sie lange lediglich für einen Ausdruck des Denkens. Karl Kraus aber behauptet, sie sei die Mutter, nicht die Magd des Denkens und die Bibel sagt.   ´Am Anfang war das Wort`. Mittlerweile glaube ich auch, dass die Sprache nicht nur das Denken beeinflusst, sondern sogar einigermaßen beherrscht. Das Schöne ist, wir müssen es nicht verstehen, wir müssen nicht mal darüber nachdenken, um loszulegen. Ich möchte nur, dass wir uns darüber auch mal freuen.

Das wir die Erdmeisterschaften Weltmeisterschaften nennen, ist eine normale menschliche Überhebung, wir wissen, was mit Welt gemeint ist, ein Planetilein, auch wenn wir von der Weltgesundheitsorganisation oder vom Welthandel sprechen und im August Sternschnuppen zählen und wir sind uns darüber einig und es begegnen uns im Alltag eine Menge Begriffe, die gelinde gesagt ungenau sind, ohne weh zu tun. Umgangssprache ist eine wunderbare Sache, Verschlampung eine Andere.

Also gibt’s neben dem Glück auch etwas anzuprangern. Was sich in Staat und Gesellschaft für Begrifflichkeiten breit machen;  allein der Stuss, der vom öffentlich- rechtlichen Qualitätsfernsehen transportiert wird, macht mich gelegentlich wütend. Ich möchte das dümmliche Politsprech nicht Sprache nennen, es sind zu viele Wörter unterwegs, die nur klingen sollen, je nach Berechnung beunruhigend oder verstörend, es wird kaum was erzählt, dafür aber viel bezweckt, verkauft und verdreht und es schleichen sich Worte in unser Denken, die es behindern. Selbst das sinnige  Wort ´Sozialhilfe´ heißt nun Hartz4, ein seelenloser technischer Begriff, ironischer weise nach einem mittlerweile als korrupten (Scheiß)Kerl anerkannten Person benannt.

Diese Gedanken zur Feier des Wunders müssen ohne Pointe auskommen, aber solange die Union gut spielt, mit Kopfschüssen Tore schmeißt und Elfmeterschießereien gewinnt, ist Vieles in bester Ordnung.