Die Antwort auf Unions Forderung nach fangerechten Anstoßzeiten: Eine noch größere Zerstückelung des Spieltags

Wenn das Positionspapier von Union vor ein paar Wochen so etwas wie der Versuch war, einen Damm gegen die Flut an Veränderungen durch immer mehr Geld im Profifußball aufzubauen, dann war die Abstimmung unter allen Zweitligaklubs, ob der Spieltag noch mehr zerstückelt werden soll, so etwas wie das Unterspülen des Damms. Und zwar als man gerade erst dabei war, die ersten Erdarbeiten dafür zu beginnen. Worum geht es? Die Bild (Bezahl-Link) berichtet, dass sich die Zweitligaklubs dafür ausgesprochen haben, für die nächste Rechteperiode ab 2021 eine weitere Anstoßzeit (Samstag, 20 Uhr) zur Rechteverwertung anzubieten. Das Votum fiel nicht einstimmig aus, doch es war wohl eine überwiegende Mehrheit dafür. Trotz Abstimmung heißt das nicht, dass es auch so kommen wird. Es muss ein finanziell attraktives Angebot vorliegen, wie die Bild schreibt.

Forderung nach fanfreundlicheren Anstoßzeiten, Foto: Matze Koch

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Sonderheftsonderkritik

“In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche”, soll Hans Meyer gesagt haben. Und zu keinem Zeitpunkt hat er mehr Recht als zum Saisonstart. Trainingslager, Transfers, Fehlstarter und Durchstarter. Überraschung ist etwas anderes. Dazu die Sonderhefte. Mit Spielern auf Mannschaftsfotos, die beim Erscheinen schon woanders untergekommen sind. Zu den Sonderheften gehört natürlich dann auch wie jedes Jahr Sonderheftkritik. Einen Abgesang auf die Sonderhefte, dem ich mich nur anschließen kann, hat Kai Pahl bei allesaussersport.de geschrieben.

Sportbild, Kicker und 11Freunde

Darum setze ich mal bei den drei Klassikern unter den Sonderheften den Schwerpunkt etwas anders. Wie nimmt der zukünftige Rentezahler im Haushalt die Hefte auf? Da haben Sportbild und Kicker ganz klar die Nase vorne. Das Kaufargument für den Kicker ist die Stecktabelle, die an die Kinderzimmertür gepappt gehört. Als zusätzliche Quengelware gibt es dieses Mal noch Aufkleber von allen Erst- und Zweitligateams. Verklebt wurden fast alle. Sogar Hoffenheim. Nur Energie Cottbus schaute in die Röhre. Wichtig für das zahlenverrückte Kind ist die Kaderübersicht mit der Angabe von Gewicht und Körpergröße. Der absolute Liebling ist Schalkes dritter Torhüter Lars Unnerstall. 100 Kilogramm verteilen sich auf 1,98 Meter.

Die Sportbild ist Pflichtprogramm. Allerdings hat sie kaum Mehrwert. Keine Gewichtsangaben. Körpergröße Fehlanzeige. Allerdings ist sie immer als erste im Handel. Das einzige Kaufargument.

Das sogenannte Sonderheft der 11Freunde gleitet kaum beachtet durch die Hände des Juniors. Hängt vielleicht mit der arg rückwärts gerichteten Retro-Berichterstattung zusammen, die einen Siebenjährigen als Zielgruppe klar verfehlt. Das Titelbild kommt richtig gut an. Allerdings vor allem wegen der Star Wars Optik. Ist gerade das Non plus ultra auf dem Schulhof. Mario Gomez (O-Ton Junior: “Die Pfeife!”) als Prinzessin Leia kommt auch ganz gut. Männer in Frauenkleidern eben. Das kleine Beiheftchen wird durchgeblättert. Die Autos sind ganz interessant. Einen Zusammenhang zwischen den Autos und den Fußballklubs kann das schlaue Kind aber auch nicht finden.

Lokale Helden

Die Fußballwoche ist die einzige Zeitschrift, die so etwas wie tiefere Berichterstattung bietet. Jedenfalls zu Berliner Mannschaften. Lange Interviews mit den Vereinspräsidenten von Hertha und Union, eine detaillierte Vorstellung der Neuzugänge und eine kurze Darstellung der Saisonaussichten. Alle anderen Teams, die nicht irgendwie das Verbreitungsgebiet Neufünfland haben, werden auf Zugänge, Abgänge, Kader und Adresse eingestampft. Konzentration auf das Wesentliche. Da ist es egal, ob es sich um Borsussia Dortmund oder Paderborn handelt. Die weiteren Ligen werden intensiv beleuchtet. Bis zur Kreisliga C 4. Abteilung. Überraschendes gibt es auch hier nicht, aber dafür wieder solides Handwerk auf 186 Seiten.

Natürlich gibt es noch die herrlichsten Mannschaftsbilder, die man sich wünschen kann. Wo die 11Freunde ins Archiv stiefeln, schöpft die Fußballwoche aus dem reichhaltigen aktuellen Fundus. Die Spieler des FC St. Pauli schauen alle in eine andere Richtung, der VFC Plauen sitzt in den Hartplastikschalen auf der Tribüne, während der VfB Oldenburg es mit Längs- und Querstreifen auf dem Bild versucht. Den Vogel schießt RB Leipzig mit dem Mannschaftsfoto im neuen Bahntunnel ab. Der von mir hochgeschätzte Perry Bräutigam, momentan Torwart-Trainer in Leipzig, muss sich allerdings etwas an die Röhre schmiegen, damit es passt. Die finanzielle Not von Carl-Zeiss Jena mag man daran erahnen, dass sich Bäcker Scherer aus Zeulenroda, Sponsor und Fan, mitten ins Mannschaftsbild stellen durfte. Die Fußballwoche – irgendwie schrullig. Passt zu Berlin.