Anthony Ujah: “Mir tun immer noch die Ohren weh”

Mein kleines Kind war sichtbar traurig. Es liefen noch die letzten Minuten des Spiels gegen Rasenballsport und er schaute niedergeschlagen und ohne Regung auf den Rasen. Und das mitten in einem Lärm, der sich für diejenigen, die das erste Mal eine Partie im Stadion an der Alten Försterei sahen, merkwürdig anfühlen musste. Als ich fragte, was denn sein, sagte der Junior: “Union verliert. Das finde ich schade. So können die nicht mehr aufsteigen.” Und ich musste daran denken, dass er Union nur als Zweitligist und immer mit einer Sieg-Wahrscheinlichkeit erlebt hatte. Und dann so eine Partie, in der die Mannschaft im Prinzip komplett chancenlos war. “Du musst singen”, sagte ich. “Das machen alle und das gibt Mut, so dass du nicht traurig aus dem Stadion gehst.” Ich nahm ihn dann auf den Arm und wir sangen gemeinsam “Unsere Mannschaft, unser Stolz.”

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Die Antwort auf Unions Forderung nach fangerechten Anstoßzeiten: Eine noch größere Zerstückelung des Spieltags

Wenn das Positionspapier von Union vor ein paar Wochen so etwas wie der Versuch war, einen Damm gegen die Flut an Veränderungen durch immer mehr Geld im Profifußball aufzubauen, dann war die Abstimmung unter allen Zweitligaklubs, ob der Spieltag noch mehr zerstückelt werden soll, so etwas wie das Unterspülen des Damms. Und zwar als man gerade erst dabei war, die ersten Erdarbeiten dafür zu beginnen. Worum geht es? Die Bild (Bezahl-Link) berichtet, dass sich die Zweitligaklubs dafür ausgesprochen haben, für die nächste Rechteperiode ab 2021 eine weitere Anstoßzeit (Samstag, 20 Uhr) zur Rechteverwertung anzubieten. Das Votum fiel nicht einstimmig aus, doch es war wohl eine überwiegende Mehrheit dafür. Trotz Abstimmung heißt das nicht, dass es auch so kommen wird. Es muss ein finanziell attraktives Angebot vorliegen, wie die Bild schreibt.

Forderung nach fanfreundlicheren Anstoßzeiten, Foto: Matze Koch

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Bei den Spielansetzungen wäre es mal Zeit für die Initiative “Pro Wochenende”

Die DFL hat gestern die Spieltage bis zum 28. Spieltag festgelegt. Mir fällt zum Ergebnis nichts ein. Außer, dass es mal wieder Zeit für so etwas wie Pro 15.30 Uhr wäre. Dann vielleicht als Pro Wochenende …

  • Freitag, 24.02.2017, 18:30 Uhr TSV 1860 München (Heim)
  • Freitag, 03.03.2017, 18:30 Uhr Würzburger Kickers (Heim)
  • Montag, 20.03.2017, 20:15 Uhr 1. FC Nürnberg (Heim)
  • Mittwoch, 05.04.2017, 17:30 Uhr FC Erzgebirge Aue (Heim)

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Matchday⚽️

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Nüchtern betrachtet: Der 6. Spieltag

Ist ja noch einmal gut gegangen. Das erste Mal in dieser Saison gegen eine Mannschaft gespielt, die sich auf uns eingestellt hatte. Aber zunächst die Fakten.

TuS Koblenz – 1. FC Union Berlin 1:1 (1:0)

1:0 Kuqi (12. Min)
1:1 Mattuschka (78. Min)

Gelbe Karten: Everson, Forkel – Bemben

Zuschauer: 7041 (Stadion Oberwerth)

Im Vergleich zum letzten Spiel kam Sahin wieder in die Mannschaft. Dafür rückte Gebhardt von der Mitte wieder nach links. Parensen nahm dafür auf der Bank Platz. Von Sahin war nicht viel zu sehen. Das drückt sich auch in den Noten aus.

Noten_06

Dass Sahin einen rabenschwarzen Tag hatte, sieht man auch an anderen Werten. In den knapp sechzig Minuten auf dem Platz schlug er 14 Pässe, von denen zehn ankamen. Gebhardt hingegen passte 42 (32) mal und Mattuschka 54 (43) mal. Gut, Sahin stand nicht über die gesamte Spielzeit auf dem Platz. Aber selbst Parensen, der für ihn die letzten dreißig Minuten bestritt, kam auf 18 (15) Passversuche. An Koblenz Stärke alleine kann  Sahins Vorstellung nicht gelegen haben. Nichtsdestotrotz war die erste Halbzeit eine sehr schwache Leistung der gesamten Mannschaft, die sich im Laufe der zweiten Halbzeit steigerte. Aber das Spiel wurde bereits im letzten Podcast sehr genau auseinandergenommen.

Von den Zahlen her sehr merkwürdig: Die Koblenzer waren in den ersten 60 Minuten überlegen. Allerdings brachten sie von 11 Torschüssen nur zwei auf das Tor. Einer davon landete von Göhlert abgefälscht im Kasten. Alle anderen gingen daneben. Nicht für unsere Abwehr spricht, dass kein einziger Torschuss geblockt werden konnte. Umgekehrt kam Union auf 22 Torschüsse, von denen sieben auf das Tor gingen. Nur der Freistoß von Mattuschka landete drin. Zehn gingen daneben und fünf wurden von der Abwehr geblockt.

Zu Mattuschka: Er gefällt. Und ohne seinen Willen, sichtbar durch seine Geste nach dem 1:1, als er zurück zum Anstoßkreis rennt, wäre wohl nicht mehr viel gegangen. Seine subjektiv guten Leistungen lassen sich auch an seinen Noten der Spieltage 1-6 (Die Noten des 1. und 2. Spieltages stammen nur vom Kicker) ablesen. Damit war vor der Saison sicher nicht zu rechnen gewesen.

mattuschka_spieltag_01_bis06

*außer den Noten sämtliche Daten von bundesliga.de

Nüchtern betrachtet: Der 5. Spieltag

Wieder volles Programm im Zeitungsladen am Morgen. Der BILD lag heute das offizielle Stickeralbum von Hertha BSC bei. Eine subtile Form der Gehässigkeit. Weniger subtil war der Kommentar im Berliner Kurier, der aus der Misere der alten Dame und dem Hoch im Südosten eine hübsche Geschichte formen wollte. Liegt natürlich da wie ein Elfmeter ohne Torwart und der Kurier war nicht die einzige Publikation, die heute diese Berliner Gegensätze thematisierte. Der Aufhänger war allerdings, ob Hertha und Union nach einem beidseitigen Spielklassenwechsel das Stadion tauschen würden. Kommentar von unserer Seite: “Sind die blöd! Wir würden unser Stadion niemals hergeben!” Ähnlich dämlich fand ich persönlich auch die Gesänge während des Spiels: “Siehst Du Hertha, so wird das gemacht!” Wenn Union nur ansatzweise auf Augenhöhe mit der alten Dame agieren würde, wären solche Sticheleien charmant. So wirkt das meiner Meinung nach nur lächerlich. Unnötig.

Zum Spiel:

1. FC Union Berlin – SC Paderborn 07 5:4 (3:2)

1:0 Mosquera (9. Min)
2:0 Benyamina (13. Min)
3:0 Mosquera (24. Min)
3:1 Manno (34. Min)
3:2 Saglik (44. Min)
4:2 Benyamina (47. Min)
4:3 Brandy (85. Min)
5:3 Sahin (89. Min)
5:4 Saglik (90. Min)

Gelbe Karten: Gebhardt, Mattuschka, Mosquera – Saglik, Alushi

Zuschauer: 13.162 (Durchschnitt diese Saison: 14.335)

Dogan weiterhin mit Schambeinentzündung verletzt. Sahin, der ihn letztes Spiel in Augsburg ersetzte, ließ sich einen Weisheitszahn entfernen und nahm auf der Bank Platz. Dafür rückte Gebhardt nominell in die Mitte und machte damit den Platz frei für das Duo Parensen und Kohlmann, die bisher noch nie gemeinsam auf dem Platz standen, da sie sich den defensiven Platz auf der linken Seite gegenseitig streitig machten. Und sie machten das sehr gut gemeinsam. Wobei Parensen mit seiner offensiven Ausrichtung aufgrund des Spielverlaufes mit den besseren Noten bedacht wurde. Unsere vielgelobte Innenverteidigung Stuff und Göhlert hatte nicht ihren besten Tag. Persönlich hat mich Stuffs unbeteiligte Begleitung beim letzten Gegentor geärgert.

Zur Halbzeit nahm Trainer Neuhaus Gebhardt raus und brachte Rauw, der sich in Halbzeit zwei mit Younga-Mouhani auf der Sechserposition abwechselte. Das Spiel in der ersten Hälfte mit seiner fast kompletten Auflösung des Mittelfeldes und dem damit verbundenem Schlagabtausch war für defensive Leistungen Gebhardts schlicht zu schnell. Ein Fleißbienchen im Muttiheft hat sich Torsten Mattuschka für den Saisonbeginn verdient, der fehlende Klasse mit sehr viel Einsatz wettmacht und damit Björn Brunnemann wenig Chancen auf einen Einsatz lässt.

Es überrascht nicht, dass die Sturmspitzen Mosquera und Benyamina mit jeweils zwei Toren die Bestnoten einheimsen. Überraschend ist, wie diese beiden miteinander harmonieren und der eine auf den Flügel ausweicht und dem anderen Räume schafft. Sehr schön beim 4:2 zu beobachten, als Mosquera Abwehrspieler auf sich zieht und Benyamina von hinten angeflogen kommt und den Ball mit dem kopf im Tor unterbringt. Die Zeiten scheinen vorbei, in denen sich Benyamina oft vorne alleine aufrieb wie in der letzten Saison.

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Nüchtern betrachtet: Der 4. Spieltag

Im Zeitungsladen am Montag: “Ich nehme den Kurier, die BZ, die Bild und die FuWo.” Vom Verkäufer ernte ich einen mitleidigen Blick. Und das alles nur der Zahlen wegen. Weil vier Berliner Journalisten dem 1. FC Wundervoll Noten gegeben haben. Mal schauen, was daraus geworden ist.

FC Augsburg – 1. FC Union Berlin 1:1 (0:0)

0:1 Sahin (59.)
1:1 Werner (76.)

Besondere Vorkommnisse: Gelb-rote Karte gegen Möhrle (Augsburg; 73.)
Zuschauer: 19.037

Bis auf Sahin, der den verletzten Dogan ersetzte, findet sich im oberen Teil der Tabelle unsere Defensivabteilung. Auswärtsspiel halt. Die rot-weißen mit der gelben Spielkleidung griffen erst in der eigenen Hälfte an. Ansonsten halte ich Michael Bemben weiterhin für einen unterschätzten Spieler bei uns, der wieder der Unioner mit den meisten Ballkontakten (92)* war.

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Die Noten in der FuWo und im Kicker sind gleich, was am gleichen Autor liegt. Deswegen ist der Kicker aus der Liste geflogen. Beim letzten Mal hatte ich mehr Tabellen drin. Da muss ich aber noch einmal mit der Chefin sprechen, wie ich die ansprechend gestalte.

*Daten von bundesliga.de