Tag Archive for 'Olympiastadion'
Das Derby zwischen Hertha und Union war ein besonderes Spiel. Deshalb gibt es auch einen besonderen Podcast. Wir freuen uns, Uwe Bremer von der Berliner Morgenpost und Blogger auf immerhertha.de in unserer Runde begrüßen zu dürfen. Ebenfalls dabei sind Mathias Bunkus vom Berliner Kurier und unsere Herthafreundin Kerstin. Komplettiert wird die Besetzung von Hans-Martin und Robert.
Bild: Robert Schmidl
Themenliste:
- Es geht 90 Minuten ums Derby. Viel Union. Viel Hertha.
- O-Töne von Andre Mijatovic, Christian Lell, Dominic Peitz, Paul Thomik und Patrick Kohlmann ab Minute 60:00
- Ungefähr vier Mal gibt es für fünf bis zehn Sekunden Störgeräusche durch Mobiltelefone. Wir bitten das zu entschuldigen.
- Das Gespräch über das Projekt “Immer Hertha” von der Berliner Morgenpost veröffentlichen wir separat.
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Egal, ob es stürmt oder schneit. Der Weg vom U- oder S-Bahnhof zum Olympiastadion eignet sich vor dem Spiel von Hertha BSC gegen Aue bei Temperaturen unter null Grad für die Untermalung durch pathetische Vereinshymnen. Aber bis auf das Stapfen von Winterstiefeln durch den berühmten Berliner Schneematsch und das regelmäßige Ploppen von Kronkorkenverschlüssen war nichts zu hören.
Überhaupt scheint von Selbstbewusstsein und Euphorie nichts mehr zu spüren zu sein. Sprach eine Mitarbeiterin der Presseabteilung von Hertha noch am Freitag sichtlich angestrengt vom bevorstehenden Spitzenspiel, so sah die Realität aus, wie man landläufig die zweite Liga beschreibt. Pässe, die beim Gegner ankommen, Einzelaktionen und viel Gebolze. Dazu das Vertändeln einer erstklassigen Chance durch Ramos. Anstatt den Ball am Torhüter vorbei ins Tor zu schieben, stolpert er ihn an den Pfosten. Erst durch den Elfmeter in der 37. Minute, den Kobiashvili verwandelt, gewinnt Hertha Sicherheit im Spiel.
In der zweiten Halbzeit hat Hertha den Vorteil, dass Aue die Kontertaktik lösen muss. Die Berliner haben mehr Aktionen, die bei konsequenterer Nutzung schneller zum 2:0 hätten führen müssen. Wiederum war es Ramos, der anstatt einige Meter zu gehen, unbedrängt aus 16 Metern abzog. Der kolumbianische Stürmer machte insgesamt eine unglückliche Figur im gesamten Spiel. Nach Lasoggas 2:0 wäre mehr möglich gewesen.
Das Weihnachtsgeschenk für die Fans war die Einwechslung von Andreas Neuendorf, der sein 150. Spiel für Hertha machen durfte. Damit sprang dann letztendlich der Funke über. Auch wenn Babbel in der Pressekonferenz die sportlichen Qualitäten von Neuendorf hervorhob. Das Leuchten in den Augen des Spielers nach dem Abpfiff sprach eine eigene Sprache. “Ich glaube, als ich mein erstes Bundesligaspiel hatte, hatte ich ähnliche Aufregung in mir gespürt. Und ich bin froh, dass ich nicht auf dem Platz gestolpert bin.”
Erleichterung stand auch dem Präsidenten Werner Gegenbauer ins Gesicht geschrieben, der nur einmal auf der Pressekonferenz zusammenzuckte als ein Journalist aus Aue fragte, mit wievielen “Omnibussen und Lastwagen” die sächsischen Fans nach Berlin gekommen waren. So hatte der Spieltag, der für den Verein ganz im Zeichen der Trauer um den verstorbenen Präsidenten stand, einen glücklichen Ausgang genommen.
O-Ton von Andreas “Zecke” Neuendorf
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O-Ton von Andre Mijatovic
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Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt im Berliner Olympiastadion gegen die türkische Auswahl 3:0. Die Quintessenz des Spiels wurde an der Strandpromenade von Ahlbeck auf Usedom wie folgt zusammengefasst.
Ein Mann in den 50ern: “Gib mir mal die Zeitung, ich möchte noch einmal die Tore lesen.”
Seine Frau: “Welche Tore?”
“Die von gestern Abend. Das 3:0.”
Die Frau offensichtlich desinteressiert: “Ach Fußball!”
Der Mann liest die Agenturmeldung im Hotelblatt, als seine Frau ihn unterbricht: “Und? Gab’s Randale?”
Wir stellen die Trainerfrage: Was tun? Oder was kann oder sollte Uwe Neuhaus jetzt tun, um den Erfolg wieder zu Union zu holen? Und wo sind die Typen bei Union in der Mannschaft? Außerdem fragen wir uns, ob es eigentlich anrüchig ist, wenn man feststellt, dass Union eine Saison Abstiegskampf bevorsteht? Denn wie sagte ein User auf Facebook: “Ich geh’ ja nicht zum Spaß zu Union!
Wir diskutieren das Verhalten der Anhänger von Union in Paderborn und beim Oberligaspiel bei Tennis Borussia. Wie kann man sich bestimmten Entwicklungen entgegenstellen und was unternimmt der Verein in diese Richtung? Und was ist eigentlich mit dem Neubau der Haupttribüne? Zum Schluss widmen wir uns kurz der Mietstundung für die Hertha und dem nächsten Ligaspiel, dem ersten Punktspielaufeinandertreffen des 1. FC Union Berlin und Hertha BSC seit 60 Jahren.
Als Gäste haben wir Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Hans-Martin und Robert eingeladen.
Podcast
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Hertha BSC hätte die Lizenz für die zweite Bundesliga vermutlich nicht erhalten, wenn das Land Berlin nicht mit einer verzinsten Mietstundung eingegriffen hätte. Das berichtet die Berliner Morgenpost. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Vereinbarung zwischen der landeseigenen Olympiastadion Berlin GmbH und Hertha ist sicher nicht zufällig gewählt. In weniger als einer Woche treffen Union und Hertha das erste Mal seit 60 Jahren wieder im Kampf um Punkte aufeinander. Auf den Punkt gebracht wird das Vorgehen im verlagseigenen Hertha-Blog, wo plakativ die Frage gestellt wird: Wie ist das dem 1. FC Union Berlin zu erklären?
Die Antwort darauf ist einfach: Gar nicht! Aber das muss es auch nicht, denn es handelt sich um komplett verschiedene Vorgänge und ein Problem des Landes Berlin. Ein Engagement des Senats von Berlin für die Spielstätte an der Alten Försterei gab es de facto nicht. Formal zog man sich letzten Endes darauf zurück, dass die Kommune Träger sei, also der Bezirk Treptow-Köpenick eine Lösung finden sollte. Das Ende ist bekannt: Ein Erbpachtvertrag mit dem Bezirk, Sanierung aus eigenen Mitteln. Hertha hingegen spielt in einem Stadion, das vom Land Berlin betrieben wird und dessen Sanierung sich das Land erst durch Stimmenkauf im Bundesrat bei der rot-grünen Steuerreform leisten konnte.
Hertha hat sich mangels Alternativen in der Stadt langfristig mit einem Mietvertrag bis 2017 an das Olympiastadion gebunden. In der Bundesliga liegt die Miete bei kolportierten 4,5 Mio €. In der zweiten Liga sinkt der Betrag pro Spieltag um 25.000 € und die Prämie von zusätzlichen 75.000 € bei erreichten 50.000 sind nur bei entsprechendem sportlichen Erfolg denkbar. Das erwartete Minus der Betreibergesellschaft für den Zweitligafall liegt bei 700.000 bis 2,5 Mio €. Läuft es so, wie die Saison angefangen hat, müsste die Hertha in der zweiten Liga eine Stadionmiete in einer Höhe bezahlen, die beim 1. FC Union ca. 50% des Lizenzspieleretats ausmacht. Das Problem der Hertha ist also ein selbst für Erstligaverhältnisse exorbitanter Mietvertrag, aus dem der Verein erst in sieben Jahren ausscheiden kann.
Das eigentliche Problem liegt aber beim Land Berlin. Das betreibt mit einer Stadionbetreibergesellschaft eine Spielstätte, die mit dem Wegfall eines nicht zu ersetzenden Hauptmieters sofort Insolvenz anmelden müsste. Das erklärt auch, warum die Betreibergesellschaft nicht von privater Hand betrieben wird. Denn wirtschaftlich gesund ist etwas anderes. Hier rächt es sich, auf den Denkmalschutz des Olympiastadions und seiner Laufbahn bestanden zu haben. Würde die Betreibergesellschaft zahlungsunfähig werden, springt als Eigner wohl das Land Berlin, ergo der Steuerzahler ein. Um dieses Potential weiß seit langem auch Hertha BSC. Die Lizenz hätte man im unwahrscheinlichsten Fall auch mit einem preiswerten und kurzfristigen Mietvertrag im Stadion an der Alten Försterei erhalten können. So kann Hertha mit einer weichen Budgetschranke arbeiten wie ein sozialistischer Betrieb im Ostblock in dem Wissen, dass er gar nicht pleite gehen kann. Es können fix 2,5 bis 4,5 Mio € im laufenden Etat umgeschichtet werden.
Das Land Berlin hat also bis 2017 und eigentlich auch darüber hinaus nun einen VEB Hertha BSC am Hals. Und den blau-weißen Anhängern steht eine Saison bevor, über der die Überschrift steht: “Aufstieg oder Tod!”
Es gibt inzwischen ziemlich viele englischsprachige Texte, die sich mit dem 1.FC Union Berlin beschäftigen. Genannt seien etwa der Wikipedia-Eintrag von Richard Miller, die Blogs ludoeule.posterous.com und unionberlin.com oder die wöchentlichen Beiträge von Jacob Sweetman für den Exberliner. Einige der Genannten schreiben ausschließlich über Union, andere betrachten den Gesamtberliner Fußball. Um große Namen, Arenen und Hummermayonnaise geht es dabei kaum, es kann sich demnach nur um Fußball handeln, vermute ich. Deshalb habe ich Jacob Sweetman gefragt, was ihn eigentlich nach Köpenick gebracht hat. Er hat´s aufgeschrieben, und weil mein Englisch und sein Deutsch von vergleichbarer Brillanz sind, haben wir uns entschlossen, den Text genauso stehen zu lassen. Dass nach allem, was er im Fußball gesehen hat, sein bewegendster Fußballmoment der Blick in die Gesichter der Stadionbauer bei der Wiedereröffnung der neuen Alten Försterei war, versteht ihr sicher auch so.
von Jacob Sweetman
I was at the Alte Försterei on Wednesday for the press conference prior to the first match of the difficult second album, sorry season, in the 2nd division for FC. Union Berlin. The assorted members of the press eyed me suspiciosly. I can see them wondering if this scruffy looking bloke can even speak English, let alone German. What is he doing here?
Well, they may have a good question there. I moved to Berlin three and a half years ago as a drummer for a nominally successful English Rock and roll band who had given up to the dogfight. It was hard work certainly, and financially suicidal, but in Germany we were always treated well and almost, y‘know, respected as musicians so moving to Berlin seemed a pretty straightforward idea, the offer of work making the decision to up sticks easier to make.
Having written for a long time for the fantastic Ipswich Town fanzine „Those Were The Days“- I was 7 days old when Town beat Arsenal in the FA Cup final and have been stuck with them since- journalism always seemed like an excellent dying industry to add to my portfolio after fifteen years of watching record shops in terminal decline from within. It fit‘s perfectly well as someone who derives an almost sexual pleasure from construing tenuous links between the works of Willie Nelson and a bunch of overpaid blokes kicking a ball around. I eventually bullied the excellent Exberliner magazine to make me sportswriter, giving a platform to extemporise all the shit floating around my brain, with the Beatles Bsides and rules for crossing the road meeting up with the sight of Ruud Gullit playing as a very old man sweeper for Chelsea against Town in a league cup match, beautifully pinging pinpoint 50 yard balls to feet like he was a machine.
My frst visit to Köpenick was coincdentally Uwe Neuhaus‘s first league game in charge at Union, a 0-1 loss to Fortuna Dusseldorf in the Regionalliga Nord, my third a last minute 1-0 in a classic Berlin shitstorm of rain in the ultra exposed old Alte forsterei, when the weather was so miserable you couldnt make out the ecer present chimney stacks in the distance that lent the old place so much atmosphere. This was „against modern football“ like so manner baners across Europe were screaming, and I felt immediately at home. The contrasts with the bloated football scene in England where Manchester City would pass through the hands of a reviled dictator and Portsmouth would be led down the road to near extinction by the shady son of an internationally wanted arms dealer. My own team, Ispwich Town, for so long the epitomy of a local club with „roots“ were bought by a billionarie who has still never had his face shown in public- though his name adorns the stadium and the proud blue shirts.
In my time in Berlin I‘ve seen Hertha beat Hoffenheim at a time when they were marauding through the league to finish top at Christmas and I‘ve seen Türkiyemspor‘s triumphant end to last season when they miraculously stayed in the Regionalliga. I sat in front of Werner Lorant at his first game at Tennis Borussia and seen England beat Germany at the Olympiastadion surrounded by increasingly annoyed Dortmunders but nothing comes close to witnessing first hand the tears streaming down the faces of hundreds of ordinary looking men in red plastic builders hats as fireworks ripped the sky apart above the brand new Alte Försterei stadium that they had built themselves. A scene especially poignant to me as having lived in Brighton for ten years I knew how much home really means. The Seagulls‘ will finally have their own stadium a the start of next season for the first time in over 15 years as the old Goldstone Ground was sold off to make space for a Toys R Us.
What I have experienced, and hopefully will continue to, in German football is modern football with more than a wink to the past. As the numbers of English groundhoppers coming over here at weekends multiply like three dicked pigeons, it is strange to reflect on how the home of football has changed and priced out so many of thse who it is supposed to represent in the first place. At Ipswich there is a small movement called Section 6, trying to create a more European atmosphere in the library like silence of Portman Rd with flags and drums. It‘s a huge minority, but as English stadiums grow quieter and pricier it makes me realise how lucky I am here to be involved in such a vibrant football scene, even if my fellow members of the press dont understand a word I‘m going on about.
Das Pokalfinale in Berlin sei etwas besonderes, wird oft gesagt. Warum das so ist, wird dabei allerdings mit keiner Silbe erwähnt. Wenn nicht gerade die beiden Stammfinalisten Werder Bremen und Bayern München aufeinandertreffen, ist die Teilnahme für die Vereine an sich ein Höhepunkt in ihrer Geschichte. Dazu müsste das Finale aber nicht in Berlin sondern könnte auch in Köln, Hamburg oder Düsseldorf stattfinden. Es ist wohl etwas besonderes, weil der Gang nach Berlin ritualisiert wurde. So gibt es das merkwürdige Synonym vom “deutschen Wembley” für das Berliner Olympiastadion. Wobei zum Leidwesen der Berliner Hertha das Olympiastadion nicht wie das englische Vorbild abgerissen und neugebaut wurde.
Das besondere für den Berliner, der in den letzten 30 Jahren nur Amateurmannschaften aus seiner Stadt hat im Finale des DFB-Pokals stehen sehen, ist das Betrachten der Fangruppen tagsüber. Diese irren biertrinkend und singend durch die Stadt ohne auch nur ansatzweise ein sogenanntes Stadtzentrum inklusive Fußgängerzone zu finden. Eine große Berlin-Klassenfahrt, die immer noch meint, in Berlin spiele sich das Leben auf dem Kurfürstendamm ab. Ansonsten gilt auch hier das stoische Motto des Ureinwohners: “Mir kann keener, aber mich könn’se alle!”
Zum Klassentreffen wird das Pokalfinale auch für die Sportjournalisten. Einmal jährlich treffen sie sich in Berlin. Bei Kartoffelsuppe werden Schultern geklopft und dieses Jahr im speziellen das Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack diskutiert. Ein polnischer Kollege fragt interessiert nach den Gründen für die katastrophale Saison von Hertha. Und auch er entrüstet sich darüber, dass in Deutschland ausgerechnet die Hauptstadt keinen Vertreter mehr in der ersten Liga habe. Eine Steilvorlage, die Berliner mittlerweile blind doppelt versenken können. Zunächst der sachte Hinweis, dass Deutschland nicht das einzige europäische Land ohne Hauptstadtklub ganz oben sei. Schließlich würde der FC Vaduz auch nicht in der ersten Liga kicken. Während sich das Gegenüber verschluckt, wird gekonnt hinterhergeschoben, dass vor 1990 auch niemand einen Stammplatz des Bonner SC eingefordert hätte.
Zum Finale werden die jeweiligen Stadionsprecher der Vereine eingeladen. Eine gut gemeinte und besondere Idee. Aber gut gemeint bleibt trotzdem das Gegenteil von gut gemacht. Schon zuvor hatte der eigentliche Stadionsprecher Animationsversuche gestartet, die an ein Kinderpuppentheater (“Kann ich mal die Fans vom SV Werder Bremen hören?”) erinnerten. Durch die geringe Zeit, die den vereinseigenen Stadionsprechern zur Verfügung stand, wirkten beide wie gestresste Animateure während eines Kluburlaubs im Mittelmeer. Zusätzlich wurde von der Stadionregie jeder Versuch unternommen, Gesänge der Anhänger nicht aufkommen zu lassen. Unschöner Nebeneffekt: Auch Gespräche mit dem Nachbarn waren so nur noch mit gepflegtem Gebrüll durchzuführen.
Zu Beginn zeigten an diesem nasskalten Abend die Bremer eine Chroeographie, die misslang. Letztlich bekamen die Anhänger der Bayern einen jubelnden Bremer Spieler neben einem nass herumhängenden Bremer Hemd zu sehen. Ein Symbolbild der besonderen Art. Auf der Gegenseite verzichteten die Bayern auf eine eigene Darstellung, da ein Sponsor Vereinsfähnchen verteilt hatte, und dadurch die teure Choreographie nicht zur Geltung gekommen wäre. So wedelten die Roten mit ihren Winkelementen wie in der DDR das Fußvolk, wenn es am 1. Mai an der Ehrentribüne vorbeimarschierte.
Etwas besonderes war das Spiel auch für eine Delegation ukrainischer Polizisten. Diese weilten in Umkehrung zur bekannten Losung “Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen” dem Finale bei, um sich von den deutschen Kollegen zeigen zu lassen, wie eine Großveranstaltung hierzulande durchgeführt wird. Auf die Frage, ob sie angesichts der Probleme im Land noch mit einer Ausführung der Europameisterschaft 2012 in der Ukraine rechneten, antworten sie überzeugt: “Natürlich! Klar!” Ebenso überzeugt gaben sie sich von einem bevorstehenden Bremer Sieg. Seit Viktor Skripnik für den Klub gespielt hat, sind offensichtlich sämtliche Sympathien der ukrainischen Fußballfans den Bremern zugefallen. Erschwerend hinzu kam, dass sie sich sehr genau an das 3:3 Ausgleichstor in der letzten Minute durch Carsten Jancker im Hinspiel des Halbfinals der Champions League zwischen Dynamo Kiew und Bayern München erinnerten. Der Groll auf Jancker ließ sich auch nicht durch einen Verweis auf Oleg Blochins Tor gegen die Bayern vertreiben. “Das ist zu lange her.” Während des Spieles pressten die ukrainischen Polizisten immer wieder die gleichen Worte heraus: “Bestie. Bestie.” Doch zum Schluss standen auch sie und applaudierten der besonderen Leistung des FC Bayern.
Der Besuch dieses besonderen Endspiels wurde durch die Sportredaktion des Berliner Kuriers ermöglicht, der wir an dieser Stelle recht herzlich für diese Möglichkeit danken.
Mathias Bunkus vom Berliner Kurier hat es geahnt, als er sagte, er befürchte die Diskussion um Stehplätze sei keine Scheindebatte und man müsse aufpassen, dass kein öffentlicher Druck aufgebaut werde, der bewirkt, dass Union das Heimspielrecht im vermutlich nächste Saison stattfindenden Derby gegen Hertha BSC verliert. Öffentlicher Druck meint meist, dass solange herumtelefoniert wird, bis man jemanden findet, der eine Aussage tätigt, die man hören möchte. Die wird dann publiziert und dann wird wieder herumtelefoniert und Entscheidungsträger werden gefragt, wie sie zu dieser Aussage stünden. Öffentlicher Druck meint also meist die veröffentlichte Meinung, oder positiv gesagt: die vermutete öffentliche Meinung.
Die Berliner Morgenpost veröffentlichte ein Interview mit Rainer Schwienke, Mitarbeiter der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze im Lagezentrum Berlin, das mit zwei Worten als Antwort auf eine suggestive Frage für Furore sorgen könnte:
Morgenpost Online: Empfehlen Sie, beide Spiele im Olympiastadion durchzuführen?
Schwienke: Unbedingt sogar! Ich würde die “Alte Försterei” nicht als “nicht sicher” bezeichnen. Aber gegen ein Spiel dort sprechen das allgemein hohe Besucherinteresse und das Verhältnis von Heim- und Gästefans. Zwar gibt es unter Hertha- und Union-Fans auch gemeinsam handelnde Personen, aber es gibt auch eine Rivalität. Rivalität, die gesund sein kann – aber eben auch ungesund.
Es muss einem Mitarbeiter der Berliner Polizei gerade in der Situation nach dem Platzsturm bei Hertha BSC im Olympiastadion klar sein, welche Antworten von manchem Journalisten momentan erwartet werden. Erst recht muss dies einem Mitarbeiter klar sein, der in einem solch sensiblen Bereich arbeitet.
Über ein Jahr lang haben Anhänger und Verantwortliche des 1. FC Wundervoll dafür gearbeitet, ein allen Sicherheitsanforderungen entsprechendes Stadion zu bauen. Die Zahl der Rückschläge bei der Suche nach Unterstützung durch das Land Berlin sind nicht zu zählen. Außer den durchsichtigen Versuchen, Union in das Olympiastadion oder den nicht zweitligatauglichen Jahnsportpark abzuschieben, kam nichts dabei heraus. Und nun solch eine Aussage.
Eine Aussage, die sofort Erinnerungen hervorruft an eine vergangene Zeit, deren Ende mit den ersten freien Wahlen heute ausgiebig gefeiert wird. In der DDR durfte der 1. FC Union seine Heimspiele gegen den BFC Dynamo aus “Sicherheitsgründen” nicht mehr im Stadion an der Alten Försterei durchführen. Das Ministerium für Staatssicherheit, zu dem der Verein BFC Dynamo gehörte, verfügte für diese Spiele einen Umzug in das Stadion der Weltjugend. Ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet der BND jetzt seine neue Zentrale an der Stelle des abgerissenen Stadions baut.
Die Frage, ob das Derby vielleicht nicht im Stadion an der Alten Försterei stattfinden sollte, birgt also eine enorme Sprengkraft. Dies hat auch Rainer Schwienke eingesehen, der heute morgen am Telefon zu keinem Interview ohne Genehmigung der Pressestelle bereit war. Die Aussage in der Berliner Morgenpost sei, so seine Aussage, so nicht getätigt worden. Er habe dies in einer Nachricht auch dem Geschäftsführer von Union, Oskar Kosche, und dem Sicherheitsbeauftragten des Vereins, Sven Schlensog, mitgeteilt.
Aus dieser Nachricht geht hervor, dass das Interview noch nicht autorisiert gewesen sei. Eine Änderung sollte gemacht werden. Die oben zitierte Antwort sollte durch folgenden Text ersetzt werden:
Ich bin nicht der Meinung, dass das Stadion “An der Alten Försterei” nicht für ein Spiel zwischen Union und Hertha geeignet ist. Es bedarf für die Durchführung zwar einer professionellen Vorbereitung der Sicherheitsmaßnahmen, könnte aber nach derzeitiger Einschätzung sehr wohl im Stadion in Köpenick durchgeführt werden.
Zum besseren Verständnis. Es gibt zwar die Praxis der Autorisierung von Interviews in Deutschland, doch sie ist nirgendwo festgeschrieben und daher kann kein Journalist dazu gezwungen werden, Aussagen zu ändern. Zumal davon auszugehen ist, dass die Aussage von Rainer Schwienke festgehalten wurde. Entsprechend wurde daran auch kein Wort geändert. Es macht eher den Anschein, dass sich hier jemand allzu schnell zu einer Aussage hat hinreißen lassen, ohne die Konsequenzen des zerbrochen Porzellans zu bedenken. Was natürlich die beiden verantwortlichen Journalisten, Daniel Stolpe und Kai Niels Bogena, betrifft, so war die Fragestellung einerseits geschickt. Andererseits jedoch: Siehe Überschrift.
„Hinsetzen! Hinsetzen! Hinsetzen!“ schallt es von hinten. Gerade wurde das Spiel angepfiffen und genau eine Viertelstunde vorher die Zuschauer gebeten, sich auf ihre Plätze zu begeben. Die Jungs, die vorher noch eifrig mit ihrer Fahne wedelten, sitzen brav auf ihrem Plastiksitz und harren der Dinge.
Borussia Mönchendgladbach zu Gast im Olympiastadion. Drei Punkte müssen her. Vor dem Stadion werden Aufholjäger-Shirts verkauft. Von Elektrisierung allerdings wenig zu spüren. Der innere Motor möchte einfach nicht anspringen bei diesen niedrigen Temperaturen. Aber mit Anpfiff ist der ganze Ärger über laute Musik, laute Stadionsprecher und laute Werbung dahin, die die Vorfreude auf das Spiel gar nicht erst haben aufkommen lassen. Jetzt wird geklatscht. Jetzt wird gesungen. Und das alles im Stehen. Und zwar bevor der Motor komplett einfriert.

Ganz oben am Oberring angekommen. Hier meckert keiner mehr, wenn die Zuschauer stehen. Denn da pfeift nur noch der Wind. Und unten versucht die Mannschaft, den Gladbacher Riegel zu knacken, ohne allerdings sich im Gegenzug völlig zu entblößen. Schreien. „Lauf Lutscher!“ – „Zur Grundlinie!“ – „Nun hilf ihm doch mal auf außen!“ Torchancen entstehen. Torchancen werden vergeben. Zufällig herausgespielt. Hier und da eine starke Einzelaktion. Allerdings kaum der Versuch, das Spiel auseinanderzuziehen.
Dingdong. Tor in Bremen. Dingdong. Tor in Nürnberg. Dingdong. Tor in Bochum. Eckballverhältnis wird präsentiert von Schlagmichtot. Dingdong. Swooosh. Die Schussgeschwindigkeit präsentiert von Kackmichzu. Was passiert eigentlich auf dem Feld? Elfmeter. Drobny hält. Der positive Schwung verpufft. Halbzeit. In der Zwischenzeit ist das Bier eingefroren. Schollen treiben auf der Oberfläche. Die Flüssigkeit ist mit Kristallen durchsetzt.
In der zweiten Hälfte beim Spiel auf die Ostkurve wird das Dilemma offenbar. Einige schöne Pässe kommen ob nicht abgestimmter Laufwege nicht an. Und ab Höhe Strafraum wird Richtung Tor abgebogen, anstatt über die Grundlinie den Ball in den Rücken der Abwehr zu spielen. Gladbach will nicht mehr als einen Punkt holen und Hertha fehlt die Idee eines eigenen Spiels.
Und immer wieder dingdong und swooosh. Konzentration auf das Spiel ist schwierig. Zwischendurch werden die Schalker mit Liebesgrüßen bedacht. Warum Schalke? Es geht um Hertha. Und da unten steht Gladbach. Jubel bei Bremer Toren gegen Bayern. Eigentlich momentan in einer anderen Welt. Abstiegskampf – Fehlanzeige. Konzentration aller auf ein Ziel – leider Fehlanzeige. Zu solchen Spielen müsste eigentlich das ganze Stadion die Ostkurve sein. Passend dazu eine Szene in der übervollen S-Bahn danach: Blau-weiße Massen stürzen hinein, hüpfen und schlagen gegen die Scheiben. Sie singen. Zwei Herthaner planen ihre Reise nach Lissabon. Plötzlich schreit der eine: “Könnt ihr mal ruhig sein alle!” Um sich danach etwas ruhiger aber verachtungsvoll über die “Erfolgsfans” aufzuregen. Auf Platz 18. Der Abstiegskampf ist wirklich noch nicht überall angekommen.

















