“Wenn du infrastrukturell nicht Schritt hältst, ist das ein großes Problem”

Die Pläne zum Stadionausbau dominieren alles heute morgen. Und das vollkommen zurecht, werden sie doch in wenigen Jahren ändern, wie wir Fußball bei Union erleben. Wer nicht weiß, was Union vorhat, dem empfehle ich diesen erklärenden Text, in dem ich versuche die grundlegenden Veränderungen darzustellen. Aber vielleicht zunächst mal die Reaktion der rund 4.000 Unioner nach der Vorstellung der Stadionpläne:

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Tagesordnungspunkt: Zukunft

Spatzen haben es im Moment sehr schwer beim 1.FC Union. Schließlich mussten sie die ganze Zeit von den Dächern pfeifen (hier, hier und hier). Erst gestern gestattete der Verein den Berufsträllerern eine kurze Verschnaufpause und verkündete: Wir berufen eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Stadionzukunft ein.

Die Einladung selbst lädt zu Spekulationen ein und bietet sich als Einstieg in das Fach Kreml-Astrologie an. Denn wer sich Klarheit beim Blick auf die Tagesordnung erhofft hat, wird enttäuscht. Dort steht fett zwischen Begrüßung und Schluss eingeklemmt nur “Zukunft des Stadions an der Alten Försterei”. Dieses Thema pfoffen auch die armen Spatzen im scharfen Herbstwind vom Dach der Geschäftsstelle. Von “richtungsweisenden Veränderungen, welche die Fußballkultur im Stadion an der Alten Försterei betreffen”, ist bedeutungsschwanger die Rede. Es benötigt nicht viel Phantasie, um von dort eine Verbindung zur heiligen Kuh der Unioner herzustellen: Die Unantastbarkeit des Stadionnamens. Präsident Dirk Zingler selbst gab sein Wort, dass die Mitglieder über eine Änderung entscheiden würden.

Jenseits des Stadionnamens, der sicher nicht als alleinige Finanzierungsquelle taugen würde, geistern weitere Optionen herum, wie Geld für die neue Haupttribüne inklusive Funktionsgebäude (kolportierte Kosten zwischen 13 und 17 Millionen Euro) zu beschaffen wäre:

  • Sponsoren gehen für den Kauf von Logen und Business-Seats in Vorkasse
  • eine Bank gibt einen günstigen Kredit
  • Fan-Anleihe
  • Kapitalaufstockung der Stadionbetriebsgesellschaft mit einer Änderung der Gesellschaftsform (z.B. Aktiengesellschaft)
  • Einstieg eines Investors

Meinen persönlichen Überlegungen nach, fallen einige Optionen heraus. Eine Fan-Anleihe birgt drei Probleme. Sie ist ein Bankgeschäft, das von einem entsprechenden Institut durchgeführt werden muss. Das verdient naturgemäß daran. Die Summe der Anleihe muss durch die Fans aufgebracht werden. Dies scheint in einem traditionell strukturschwachen Gebiet wie Berlin bzw. Ostdeutschland schwer möglich. Vor allem, wenn der Blick auf den Erfolg der Hertha-Genuss-Scheine fällt. Von “geheimen” Investoren hat Union zudem wahrscheinlich genug. Letztes Problem: Auch Anleihen müssen zurückgezahlt werden. Gegen einen Einstieg eines Investors spricht neben der noch frischen ISP-Erfahrung auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und nach Mehreinnahmen für den Verein. Nicht für einen Investor.

Zu deutlich sind die schlechten Erfahrungen mit Stadion-Neubauten in Dresden, Aachen oder Bielefeld. Dirk Zingler hat von Anfang an deutlich gemacht, mit dem Tribünenbau nicht die Zukunft des Vereins riskieren zu wollen. Andererseits prägt der bisherige Stadionausbau zwar nachdrücklich die Stimmung bei Union, bringt aber wenig Geld. Das wird auch bei Union mit dem Verkauf privilegierter Plätze verdient. Aus diesem Grund halte ich es für plausibel, dass Sponsoren in Vorkasse gehen würden. Zumal diese ausdrücklich mit einem separaten Brief zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen wurden: “…werden wir unsere Mitglieder darüber umfassend informieren. Gerne begrüßen wir auch Sie an diesem besonderen Tag.”

Ein Bank-Kredit für die Stadionbetriebsgesellschaft bzw. der Einstieg einer Bank in die Gesellschaft wäre auch denkbar. Der Verein selbst ist aufgrund der Verpflichtungen gegenüber Michael Kölmel sicher nicht besonders kreditwürdig. Interessant wird es, wenn es vielleicht darum geht, die Gesellschaftsform und damit die Stimmrechte an der Stadionbetriebsgesellschaft zu ändern.

Die entscheidende Frage zur Mitgliederversammlung lautet für mich: Wird nur über die Zukunft des Stadions informiert oder soll sie vielleicht doch auch beschlossen werden, vielleicht im Gefühlsüberschwang nach einer emotionalen Rede? Darüber schweigt sich die Einladung aus. Auf meine Nachfrage, ob vielleicht doch abgestimmt wird, gibt es aus dem Forsthaus nur die vielsagende Antwort: “Es wird zunächst informiert.” – “Es soll also nicht abgestimmt werden?” – “Es wird zunächst informiert.” Klar, das ist die offizielle Sprachregelung. Es klingt aber auch so, als ob der Fuß in der Hintertür steckt.