Wie Urs Fischer auch bei den Mittelstürmern die Anspannung hoch hält

Ein bisschen bin ich froh, dass der Kelch des Vereinsnamens Rotation an Union in der DDR vorbeigegangen ist. Nicht auszudenken, welch gut abgehangenen Wortspiele wir dann jetzt ertragen müssten angesichts der im Ergebnis erfolgreichen Wechsel von Trainer Urs Fischer. Wie dem vom Angreifer Sebastian Polter zu Sebastian Andersson in der Startaufstellung beim 3:1 gegen Darmstadt, dem der Kurier und der Tagesspiegel heute ihre Aufmerksamkeit schenken. Einem Spieler das Vertrauen schenken, der einige unglückliche Szenen, aber ansonsten gute Spiele gemacht hatte, ist das eine. Dafür einen anderen Angreifer draußen zu lassen, der getroffen hat zuletzt, auch wenn er spielerisch Luft nach oben hatte, ist das andere. Diese Baustelle macht sich vielleicht nicht jeder Coach auf. Und dass Urs Fischer das macht, finde ich gut. Denn so wird die Anspannung in der übervollen Offensive hochgehalten.

Urs Fischer und Sebastian Andersson im Spiel gegen Darmstadt, Foto: Michael Hundt/Matze Koch

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Die ernsteste Sache der Welt

Fußball lebt angeblich davon, dass das Spiel so einfach ist. Und natürlich ist das richtig. Wenn das eigene Kind dem Ball hinterherjagt – nur darauf bedacht, diesen ins Tor zu schießen – bekommt man eine Ahnung davon. Und natürlich ist das falsch. Das fällt auf, wenn das eigene Kind beim Spiel eins gegen eins beständig “Abseits!” ruft. Das Spiel hat Regeln. Manche sind einfacher als andere. Vieles ist Auslegungssache. Und doch leistet sich der Fußball in seiner organisierten Form den Luxus, diese Regeln während des Spiels lediglich von Schiedsrichtern überwachen zu lassen und damit Fehler billigend in Kauf zu nehmen. Den Referees wird mit dem Argument der Tasachenentscheidung der Rücken gestärkt. Technische Hilfsmittel zur Erkennung und Bewertung von Situationen sind ihnen untersagt. Doch wie erleben Schiedsrichter ein Spiel? Wie gehen sie mit dem Brimborium um sich herum um? Dies versucht die sehenswerte Dokumentation “Referees At Work” darzustellen.

Ein ganz anderes Thema und daher auch eine ganz andere Argumentation: Doping im Fußball. Das bekannte Argument kann man bereits per Ausdruckstanz darstellen: “Doping im Fußball bringt nichts, da die Anforderungen an die Spieler viel zu komplex sind.” Das einstündige Feature des NDR “Außer Kontrolle. Doping im Fußball” zeigt anhand von vielen Beispielen wie sinnvoll der Einsatz von Dopingsubstanzen im Fußball ist. Danach ist man vielleicht nicht schlauer, weil die Netzwerke nicht aufgedeckt werden, aber man wird skeptischer und stellt sich Fragen. Wieso gleichen manche Gegner in der zweiten Liga wandelnden Kleiderschränken? Wie kann es sein, dass einzelne Spieler so exorbitant schneller sind als andere? Wieso ist die Regenerationszeit bei Verletzungen mittlerweile soviel kürzer als noch vor zwanzig Jahren? Wie werden aus den schmächtigen Jungs der A-Junioren und U23-Mannschaften solch muskelbepackte Profis?