Ungewohnte Gäste im Stadion und ein wenig Hoffnung für Maxi Thiel

Gestern spielte die U21-Männernationalmannschaft 1:0 gegen die Türkei. Normalerweise interessiert uns das nicht, aber dieses Spiel fand im Stadion an der Alten Försterei statt. Für Union und das Ziel, das Stadion jenseits der 17 Liga-Heimspiele je Saison auszulasten, war das ein großer Schritt. Über 5000 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion.

Ein paar ungewohnte Rituale …

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Matthias Sammer: “Wir sind wir.”

Matthias Sammer wird gerne als Querkopf bezeichnet. Im Sportgespräch mit dem Deutschlandfunk (26:45 Min, Download als MP3) wird aber klar, dass er eigentlich vor allem anders spricht als viele, die von der Waschmaschine DFB weichgespült wurden. Der Sportdirektor vertritt seine Meinung engagiert und streitet auch dafür.

Sammers persönlicher Ehrgeiz wird deutlich, wenn er über die Nationalmannschaft spricht und den Vergleich mit Spanien: “Wir sind Deutschland. Wir sind wir. Der Blick zu anderen sollte jetzt nicht mehr stattfinden.” Er will, dass die Nationalmannschaft ihren eigenen Weg findet. Vielleicht, weil die Kopie nie so gut wie das Original sein kann. Das sagt er aber nicht.

Sammer ist penibel. Die Wichtigkeit seiner Arbeit als Sportdirektor hebt er heraus, indem er klare Sätze sagt wie: “Spieler entwickeln sich immer von unten nach oben.” Das ist griffig. Das kommt gut an. Vor allem ist es ein Satz, der nie falsch ist. Doch wenn er seine fünf Säulen der Leistungsvoraussetzungen des Fußballs durchdekliniert, sieht man den perfektionistischen Matthias Sammer förmlich vor sich. “Konstitution. Kondition. Technik. Taktik. Persönlichkeit.” Er betet die Begriffe herunter. Ihm scheint ein System wichtig, wo ein Schritt auf den anderen folgt. Alles genau durchgeplant. Auffällig, wie stark er die Persönlichkeit betont. Das erinnert an Christian Beeck, der auch in der Persönlichkeitsentwicklung den Knackpunkt für eine Profikarriere sah.

Sammer ist ein Kind des Fußballs. Doping kommt in dieser Weltsicht nicht vor. Als er darauf angesprochen wird, kommt er wieder aus sich heraus. Das ist der streitlustige Matthias Sammer. Er bringt das bekannte Argument, dass Doping im Fußball nichts brächte. Vielleicht weil das in seiner Vorstellung so ungeheuerlich ist. Doch es wirkt fremd. Ganz so als hätte es die DopingFälle Hoffenheim oder Juventus Turin nie gegeben. Spätestens da wird wieder eins klar: Bei aller Andersartigkeit ist Matthias Sammer trotzdem vor allem ein Fußballfunktionär.

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Wie der Bierhoff sonst rüberkommt.

Südafrika. Keine Spiele. Die Journalisten müssen trotzdem Texte bringen. Da ist es prima, wenn sich der “Teammanager” der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, eine halbe Stunde Zeit nimmt. Und so fragt Steffen Dobbert, der für die ZEIT vor Ort ist, via Twitter seine Leser: “Heute Mittag eine halbe Stunde mit Oliver Bierhoff. Jemand ne Idee, was wir den mal fragen sollten?

Später am Tag veröffentlicht Dobbert allerdings keinen Text sondern nur folgende lapidare Nachricht:

Zwei Punkte verwundern sehr. Die harte Linie der Autorisierungspraxis von Bierhoff oder dem DFB als solchen. Und zum zweiten die Begründung, die im O-Ton weitergegeben wurde (“Das ist der Bierhoff, wie er sonst nicht rüberkommt”).

Zur Autorisierungspraxis des DFB gibt es einen Text über den DFB-Pressechef Harald Stenger im WM Sonderheft der 11Freunde. Der gesamte Artikel “Der Problemlöser” von Tim Jürgens wirkt, als hätte die Autorisierung auch noch die letzte Kante glattgeschliffen und aus einem einfachen Artikel ein Bewerbungsschreiben für Harald Stengers berufliche Weiterentwicklung gemacht. Die katastrophale Erscheinung des Verbandes im Rechtsstreit zwischen Präsident Zwanziger und dem Journalisten Jens Weinreich oder im Fall Amerell-Kempter werden mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen wird im letzten Absatz die baldige Absetzung des Pressechefs mit Verweis auf Insidervermutungen als “Intrige einiger Funktionäre” bezeichnet.

Über Autorisierung sagt Stenger im Artikel: “Autorisieren kann nicht Zensieren bedeuten. Am Ende muss immer der Spieler wissen, was er sagt und ganz bewusst öffentlich machen will.” Diese Aussage wird konterkariert, wenn vorher eine Autorisierung eines Interviews von Philipp Lahm mit folgenden Tätigkeiten charakterisiert wird: “Es wurde diskutiert, gefeilt, gestrichen, ergänzt oder präzisiert.” Am Ende steht ein Text, den der jeweilige Interviewte gut findet. Aber ob der Journalist daran noch einen eigenen Anteil hatte, ist fraglich.

Wie Oliver Bierhoff rüberkommt? Oberflächlich topgepflegt. Sowohl was sein Äußeres als auch seine Darstellung angeht. Aber ein authentisches Bild erfährt man nicht. Dafür sorgt letzten Endes auch die Verweigerung der Freigabe eines Textes. Warum sich eine Zeitung wie die ZEIT einem solchen Diktat unterwirft und nicht einfach trotzdem den Text publiziert, wirft vor allem Fragen zum Selbstverständnis dieser Zeitung auf.

Ein Dank für den Hinweis auf die Nachricht von der ZEIT geht an Harald Müller von freitagsspiel.de.

Sorgen machen um die Tante

Gestern Abend auf dem Heimweg. Es regnet. Füße versuchen Pfützen und Hundehaufen auszuweichen. “Was kümmert Dich eigentlich die Hertha?”
Normalerweise habe ich damit kokettiert, dass mir die Hertha egal wäre. Und ja, das ist sie mir auch. Normalerweise. Aber jetzt geht es ihr schlecht der Tante aus Charlottenburg. Die Binnenhierarchie stimmt nach dem Abgang von Dieter Hoeneß nicht mehr. Niemand mehr da, der sich auch mal der Berliner Presse entgegenstellt. Niemand mehr da, der auch mal die Wut auf sich kanalisiert. Und dazu Abgänge, die schmerzen. Zugänge, die den Schmerz nicht verblassen lassen. Dazu Verletzte. Ein Kapitän, der keiner sein möchte. Auflösungserscheinungen eigentlich. Dann eine Trainerentlassung. Weil man es nicht besser wußte? Der vierte (!) Torhüter wird öffentlich in einer Art und Weise heruntergemacht, dass man sich fragen muss, wo die Relationen geblieben sind. Keine Unterstützung von der Vereinsseite und ich muss an diese Passage aus Deislers Interview mit der Zeit über Hertha denken:

Sie wissen nicht, wie das ist. Erst geliebt und dann über Nacht gehasst zu werden. Ich konnte mich nicht mal wehren. Ich war verletzt, war weg, konnte keine Antworten geben. Und der Verein forderte eine Entschuldigung von mir. Dafür, dass ich die Fans nicht früher informiert hätte! Dass ich gelogen hätte! Ich war sprachlos. Dabei hätte Dieter Hoeneß sagen müssen: »Liebe Fans, es war mein Wunsch, dass ihr nichts erfahrt.« Stattdessen hat er zugesehen, wie ich aus Berlin hinausgeprügelt wurde. Ich habe Drohbriefe erhalten. »Wir kriegen Dich!«, »Wir killen Dich!«. Das ist es, was mir den Fußball versaut hat. Das war mein Genickschuss.

Und wenn ich heute an den Titelseiten der BZ (“Favre pöbelt sich um 1,2 Millionen”) oder Berliner Kurier (“Favre Balla Balla?”) vorbeigehe, frage ich mich, was wohl aus der guten Medienpartnerschaft zwischen dem 1. FC Wundervoll und der BZ werden wird, wenn es mal so richtig nicht läuft. Wie stabil ist das Gebilde um Präsident Dirk Zingler und Sportdirektor Christian Beeck? Was würde wohl passieren, wenn einer von beiden aus welchen Gründen auch immer wegbrechen würde? Deswegen finde ich, dass wenig Platz für Häme ist, sondern für Union noch ein langer Weg zu gehen ist. Auch uns drücken hohe Verbindlichkeiten. Auch bei uns kann plötzlich alles falsch gefunden werden, was vorher noch als Erfolgsgarant galt. Ich erinnere nur an den Satz aus der Bild nach der knappen Pokalniederlage gegen Bremen.

Damit es nicht auch in der 2. Liga ein böses Erwachen gibt, dürfen wir diese Schrott-Elf nie wieder sehen …

Es ist schon richtig, dass wir auf uns aufpassen müssen. Und damit haben wir genug zu tun. Aber der Blick nach Charlottenburg führt uns gerade wieder das Umfeld vor Augen, in dem wir uns bewegen. Vielleicht haben manche unseren Leidensweg vergessen: Die zwei Abstiege hintereinander von Liga zwo in die Oberliga von 2004 an. Das Sammeln von Geld für das finanzielle Überleben des Vereins. Und letztlich mein Traum: Ein Pflichtspiel gegen die Hertha. Und das nicht, weil sie abgestiegen ist…

Über Hertha sprach ich übrigens auch mit Probek im Podcast Ballpod am Montag.
Ballpod München, Ausgabe 5 (5. Oktober 2009) [Edit] by probek

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Fußballblogger reden: Die dritte Nullnummer

Dieses Mal mit den Themen: Nationalmannschaft, Hamburger SV, Transfers. Aufgezeichnet wurde das Gespräch in der Küche des unermüdlichen Probek in München. Lob, Kritik und Heiratsanträge hinterlasst bitte direkt in Probeks Blog.

BallPod 7.9.2009 – Nationalmannschaft, HSV, Transfers by dogfood

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