Teve055 – Medizin nach Noten

Uwe Neuhaus steht vor jedem Spieltag vor der Frage, wen er eigentlich noch aufstellen kann. Wir stehen momentan vor jedem Podcast vor der gleichen Frage. So verzichten wir notgedrungen auf Mathias Bunkus (Berliner Kurier) und Hans-Martin. Dafür ist Robert wieder dabei und wird von Jan unterstützt.

Über die Notenvergabe für die Spieler wird ebenso erbittert gestritten wie sie von anderer Seite belächelt und abgetan wird. Wir haben uns die drei großen Boulevardblätter Berlins (Bild, BZ und Berliner Kurier) genommen und versucht, die Noten und unsere Spieleranalyse miteinander zu vergleichen. Damit das nicht zu langweilig wird, haben wir das nur mit den statistischen Rausreißern nach oben und nach unten gemacht.

Völlig subjektiv hat Sebastian eine Kaderliste mit den entsprechenden Attributen wie gesperrt/verletzt/krank/aussortiert/usw. zusammengestellt. Die stimmt sicher nicht bis ins letzte Detail mit der Wirklichkeit überein, erklärt aber das Dilemma, in dem Uwe Neuhaus steckt. Eine beliebige Taktik lässt sich so jedenfalls nicht mehr umsetzen.

Das hat uns allerdings nicht davon abgehalten, unser gesammeltes Nichtwissen zusammenzulegen und für Uwe Neuhaus eine Derbytaktik zu entwerfen. Der Dank des Trainers wird uns sicher sein.

Themenliste:

02:34 Öffentliche Medienschelte oder wie mache ich einen Artikel bekannt?
16:10 Torwartdiskussion: Hat Union zwei beschädigte Torhüter?
42:47 Notenvergabe: Waren Stuff und Ede wirklich so gut und Younga, Thomik und Mosquera so schlecht?
75:10 Michael Parensen: Das Kreuz mit dem Knie
81:10 Spiel gegen Hertha: Wir basteln uns eine Taktik.

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Shownotes

Auf der Mauer, auf der Lauer.

Die Trainingsfotos von gestern früh sehen aus wie die von vorgestern, übermorgen und in drei Wochen. Waldlauf in Köpenick bei Wetter in Köpenick. Immer fünf Grad kälter als im Rest von Berlin. Eine Gruppe von Spielern läuft durch den Wald. Gewohntes Bild für die Leute, die dort mit ihren Hunden spazierengehen.

Gestern fanden sich mehr Medienvertreter als üblich am Rande des Trainingsplatzes ein. Nachdem die Berliner Zeitung als erste darüber berichtete, dass Björn Brunnemann in den Wettskandal, der derzeit in Bochum untersucht wird, involviert sei, war das Thema in den Berliner Sportredaktionen unumgänglich. Zwar war durchaus allen Journalisten klar, dass sich in einem laufenden Verfahren niemand zur Sache äußern würde. Trotzdem hoffte man auf ein wie auch immer geartetes Statement durch den Verein. Oder darauf, dass sich jemand verplappert.

Das ist widersinnig und doch logisch. Logisch, weil ein öffentliches Interesse besteht. Man kann es an der Diskussion im Forum ablesen. Der Wunsch, den Namen des Spielers von Vorwürfen reingewaschen zu sehen, ist Ausdruck dieses Interesses. Der Widersinn liegt darin, dass eine solche entlastende Aussage gestern nicht möglich war. Wenn Ermittlungen laufen, weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Staatsanwaltschaft selbst, ob Anklage erhoben wird. Es liegt nicht mehr als ein Verdacht vor. Ein Verdacht genügt, um zu diskreditieren. Ein Verdacht ist nicht ausreichend, um zu verurteilen. Das öffnet viel Raum für Meinung und Spekulation.

Als Uwe Neuhaus sich den Journalisten zuwandte, wusste er genau, was die ihn gleich fragen würden. Nichts mit Torhütern, leider, sondern die andere, unbeantwortbare Frage. Björn Brunnemann. Ein Trainer ersetzt nun einem Spieler vielleicht Mutter und Vater, selten aber den Rechtsbeistand. Weil das allen, die ihm gegenüber standen, bewusst war, mochte niemand derjenige sein, der die Sprache auf Brunnemann bringt. Man wird nicht gerne von des Trainers Zorn getroffen. Denn natürlich ist der Dialog “Was sagen Sie zur causa Brunnemann?” – “Dazu sage ich gar nichts.” Zeitverschwendung und für beide Seiten unbefriedigend. Und selbstverständlich wurde derjenige, der die Frage trotzdem stellte, augenblicklich von des Trainers Zorn getroffen. Ungerechter Weise insofern, als er nur formulierte, was ohnehin im Raum stand, und damit zum Blitzableiter für seine Kollegen wurde. Dass auch Journalisten hier ihrem Beruf nachgehen, kam offenbar niemandem in den Sinn. Die konnten zwischen zwei Übeln wählen. Ärger mit der Redaktion oder Ärger mit Uwe Neuhaus. Pest oder Cholera.

Die Situation ist ungemütlich für Verein und Presse, der Umgang miteinander belastet. Man steht sich gegenseitig auf den Füßen. Auch wenn Karim Benyamina anschließend entspannt in Badeschlappen zum Gespräch antrat -immerhin was für´s Auge- so macht Arbeit keinen Spaß.