Teve219 – Wie der Storch im Salat

Norbert Düwel zieht personelle Konsequenzen, die überraschenderweise auch einen Torwartwechsel von Daniel Haas zu Mo Amsif beinhalten. Heraus springt ein 0:0 gegen Kaiserslautern.

Union - Kaiserslautern 2014/15Foto: Koch

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Durch die Nacht

Die Idee klingt abgedroschen: Ein deutscher Sportkommentator besucht Johannesburg 101 Tag vor der Weltmeisterschaft und lässt sich alles im Schnelldurchlauf von einem einheimischen Kollegen zeigen: Das Stadion Soccer City, den Sender und die soziale Komponente der FIFA inklusive Township-Besuch. Am Ende gibt es ein gemeinsames Essen. So sieht der Plot der Sendung “Durch die Nacht… mit Marcel Reif und Robert Marawa” aus, die am 1. Juni 24.00 h auf Arte zu sehen sein wird.

Aber es funktioniert. Marcel Reif wird für anderthalb Tage nach Johannesburg geschickt und trifft dort den Sportmoderator Robert Marawa. Der Funke zwischen den beiden springt kurz nach dem ersten Kennenlernen vor dem Stadion Soccer City über. Marawa, im Trikot der südafrikanischen Nationalmannschaft, sagt eher nebenbei, dass er heute Geburtstag habe. Daraufhin verbeugt sich der mit einem weißen Hemd bekleidete Marcel Reif und gratuliert.

Beiden bei ihrem ersten Besuch des Stadions zuzusehen ist so ähnlich wie Kinder beim Auspacken von Geschenken zu beobachten. Mit jedem Meter nehmen sie das Stadion in Besitz und staunen. Sie zeigen sich ihre zukünftigen Arbeitsplätze, begutachten den Rasen und sehen die Aufwärmräume im Stadioninneren. Eine der stärksten Szenen ist die, in der Reif und Marawa auf den orange Plastikschalen Platz genommen haben und das Stadion mit ihren Smartphones abfilmen.

Sie unterhalten sich über das Spiel, das sich verändert hat und über das drumherum. Das wirkt manchmal komisch, da Reif selbst als Chefkommentator bei Sky an diesen Veränderungen mitwirkt. Aber man merkt, dass er sich Gedanken darüber macht, die vielleicht nicht zu hundert Prozent mit den Vorstellungen seines Arbeitgebers übereinstimmen. Vor allem ist den ganzen Film über bei beiden Männern die Liebe zum Fußballspiel spürbar.

Der Besuch des Townships Alexandra ist sicher nicht der gelungenste Teil des Films, da sich Reif hier ebenso wie Marawa sichtlich unwohl fühlt. Sie hören die Ausführungen des Angestellten, der das FIFA-Projekt eines offiziellen Festes während der WM vorstellt. Aber schon an den durch die PR weichgespülten Sätzen merkt man, dass dies ein Teil des Raumschiffes FIFA während einer WM ist, das irgendwo landet und seine offiziellen Veranstaltungen durchführt und dann wieder verschwindet. Für die Kamera kicken die beiden noch mit den Kindern, die dort im Stadion trainieren. Bei der Vorpremiere erzählt Reif, dass er das Gefühl gehabt habe, dass es dann gut war, wieder weggefahren zu sein. Denn sie seien Fremde dort gewesen, die dort nicht hingehörten. Eine Einschätzung, die durch die Bilder wieder bestätigt wird.

Sein Gegenpart Robert Marawa ist das ganze Gegenteil des vorsichtig überlegten Reifs. Er moderiert mit Reif seine Radiosendung um danach gleich noch seine Fernsehshow zu erledigen. Marawa schüttelt viele Hände, hat immer einen Spruch auf den Lippen und ist doch überhaupt kein Kasper. Er lebt einfach sehr viele Leben in einem. Zum Schluß sitzen beide in einem Restaurant als einzige Gäste und unterhalten sich und der Zuschauer bekommt das exklusive Gefühl einem Gespräch zweier sehr alter Freunde zuzuhören.

Auf die Frage, was er aus Südafrika für Eindrücke mitgenommen habe, antwortet Reif bei der Diskussion nach der Filmpremiere: “Ich sage: Mandela. Nobelpreisträger. Überragend. Und Marawa sagt: Weißt du, bei uns ist inzwischen – ich sage es mal böse – jedes Pissoir an der Ecke, das neu gebaut wird, das Nelson-Mandela-Pissoir. Jede Brücke ist die Mandela-Brücke. Jeder Flughafen ist der Mandela-Flughafen. Es gab auf Robben Island auch andere. Aber über die redet kaum jemand. Das ganze ist ein sehr komplexes Bild und es taugt nicht, um ziemlich flach über den Stammtisch hinüberzubrettern und dann Ratschläge von hier zu geben. Das ist das, was ich als erstes begriffen habe. Ich war anderthalb Tage da und kann mir überhaupt kein umfassendes Urteil erlauben. Aber ich weiß, dass ich es mir nicht erlauben kann. Das ist schon einmal ein Fortschritt.” Einen solchen Eindruck vermittelt der Film dem Zuschauer auch.

Update: Den Film kann man sich auch in der Mediathek Arte+7 ansehen.