Zentrale Probleme

Weil wir drüben auf Eiserne Ketten ein paar technische Probleme haben, gibt es mal hier die taktische Analyse zum Spiel am Nachmittag gegen Heidenheim, das Union mit einer Leistung auf gleichbleibend mittelmäßigem Niveau 1-1 spielt..

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31. Spieltag: 1. FC Union 1 – 1 Heidenheim – Peter Kurzweg wird mit seinem zweiten Startelf-Einsatz zum Heidenheim-Spezialisten

Überraschung

Auf Grund der Sperre von Marvin Friedrich, die eine Änderung der Startelf unvermeidlich machte, aber auch wegen Eigenheiten in Heidenheims Spielweise, war dies eines der Spiele, bei denen es im Vorfeld am schwierigsten war vorherzusagen, wie Union auflaufen würde. Mit einer Viererkette Friedrichs Position in der Abwehr schlicht wegfallen zu lassen war eine Option, oder besser zwei, denn der dort gesparte Spieler könnte in einer 433 Variante im Angriff, oder in irgendeinem 442 im Mittelfeld hinzukommen. Eine andere, ebenso variantenreiche, Option gaben Lennard Maloney und Micha Parensen: beide standen als möglicher direkter Ersatz für Friedrich bereit.

Doch die Aufstellung, für die sich André Hofschneider letztlich entschied, stand in keiner Vorschau, dafür aber in Person von Peter Kurzweg auf dem Platz. Der eigentliche Linksverteidiger Ersatz stand damit in dieser Zweitliga-Saison genau dann in der Startelf, wenn der Gegner Heidenheim hieß, aber nie als Linksverteidiger. Denn mit Kurzweg und wohl um die Defensive gegen Marc Schnatterer zu verstärken stellte Hofschneider auch das System um, auf ein 442 mit Raute, in dem Kurzweg links weiter auf dem Flügel spielte als Felix Kroos auf der rechten Seite.

Es steht sinnbildlich für André Hofschneiders Amtszeit im Ganzen, dass auch dieser Maßnahme nach nicht einmal zehn Minuten die Grundlage entzogen wurde, als Marc Schnatterer verletzt ausgewechselt werden musste. Kurzweg als zusätzliches defensivstarkes Element war nun weniger notwendig als zuvor, aber immer noch auf dem Platz. Es wäre aber unfair, die Probleme Unions, Offensivaktionen zu kreieren, an Kurzweg fest zu machen. Kurzweg hatte eine gute Aktion, als er Hedlund vor dessen Chance nach 24 Minuten gut Platz verschaffte und bediente. Es rechtfertigt aber andererseits seine Aufstellung auch nicht wirklich, auf die Chancen hinzuweisen, die er hatte und vergab. Davon gab es zwei, jeweils nach Läufen ins Sturmzentrum: ein Kopfball früh in der zweiten Halbzeit, und eine unsaubere Annahme eines Balles, den er besser Simon Hedlund überlassen hätte einige Minuten später unmittelbar nach der größten Chance von Heidenheim). Im Gegenteil: beide Aktionen wurden möglich, weil die Spitzen Hedlund und Skrzybski mit ihrem Tempo auf die Außen gehen und in der Mitte Räume öffnen, in die Mittelfeldspieler stoßen können. Aber die Eignung der Spieler in diesen Situationen zeigt sich eben (auch) in der Ausführung von, nicht (nur) der Beteiligung an solchen Aktionen. Kenny Prince Redondo traf aus einer Kopfballchance, die der von Kurzweg ähnlich sah.

Zentrales Problem

Immerhin waren diese Momente aber welche, in denen ein gewollter Mechanismus in Unions Offensivspiel funktionierte. Aus dem eigenen Spielaufbau heraus war das selten der Fall. Niemand hätte Arne Feick widersprechen können, als er nach dem Spiel sagte, Heidenheim habe das Spiel ohne Ball bis Mitte der zweiten Halbzeit gut kontrolliert habe: “Wir haben sehr, sehr wenig zugelassen, und Union ist auch nicht viel eingefallen.” Das lag auch daran, dass Union weiterhin keine Mittel hat, das eigene offensive Mittelfeld ins Spiel zu bringen.

Wo Zehner Dennis Daube Aktionen hatte, zeigt Unions Problem: nicht im Zehnerraum. Graphik von WhoScored.

Auf das Zurückfallen/Abkippen von Fürstner oder Kroos angesprochen sagte Marc Torrejón nach dem Spiel, es habe geholfen, sich aus dem Pressing der Heidenheimer Spitzen zu befreien. Das stimmt. Aber Heidenheims Pressing war nicht (durchgängig) so intensiv, dass diese Entlastung nötig gewesen wäre. Und wenn sie dazu führt, dass der Ball nur in ungefährlichen Räumen gehalten wird, hilft das dem Spiel insgesamt nicht. Denn wenn Fürstner und vor allem Kroos als zentrale Anspielstationen fehlten, führte das meistens dazu, dass Union über die Außenverteidiger weiterspielte. Es fiel Heidenheim dann recht leicht, auf Trimmel und Pedersen heraus zu schieben, sie an der Seitenauslinie zu stellen und Angriffe nicht wirklich entstehen zu lassen.

Mit diesen Problemen im Ballbesitzspiel kamen die vielversprechendsten Union Angriffe wieder zu Stande, wenn Bälle im zentralen Mittelfeld erobert und schnell nach vorn gespielt wurde, die ersten Aufbauphasen also weg fielen.

Wechsel

Nach dem positionsgetreuen Wechsel von Daube zu Gogia (der allerdings etwas mehr Aktionen im Zehnerraum hatte), wechselte Union mit der Einwechslung von Redondo und Philipp Hosiner das System, vor allem aber die Intensität und den Druck der Angriffsbemühungen, bei denen nun alle Offensiven deutlich aggressiver waren. Hosiner besetzte nun mit Hedlund das Angriffszentrum, Skrzybski den linken Flügel, während Redondo links zentraler spielte und so die Asymmetrie in Unions Spiel fortführte. Das in der entstehenden zehnminütigen Druckphase nur ein Tor fiel, war etwas unglücklich, insgesamt aber gerecht – Heidenheim hätte mit mehr etwas besser ausgespielten Kontern sehr gut auch öfter als nur ein Tor erzielen können.

Szene des Spiels

Die Doppelchance beider Mannschaften in der 53. und 54. Minute, als zunächst Trimmel den Ball nicht abschirmen konnte und Glatzel eine Großchance ermöglichte, dann Union über Kroos und Skrzybski konterte. Dass dabei wie auf der Gegenseite ein Verteidiger sich mittelmäßig geschickt anstellte, illustriert das Niveau des Spiels insgesamt, ebenso wie Kurzwegs Mangel an Übersicht und Ballkontrolle.

Man muss ja keine Flaschen werfen

Die internationale Fußballwelt diskutiert seit Mittwochabend, ob die Atmosphäre in einem Fußballstadion vielleicht doch hin und wieder Einfluss darauf hat, was auf dem Platz geschieht. Erinnert daran wurden alle von Liverpools Sieg in der Champions League, der auch bei mir einen Ohrwurm hinterlassen hat. Es ist nicht unbedingt wahrscheinlich, dass Unions Spiel morgen gegen den Meidericher Sportverein ähnlich hohe mediale Wellen schlägt, aber das heißt ja nicht, dass der Effekt auf das Spiel nicht ähnlich groß sein könnte. (Und nein, das ist keine Aufforderung, Flaschen auf Duisburgs Bus zu werfen wie das in Liverpool passiert ist – ganz im Gegenteil.)

Photo: unveu.de

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In der überfluteten Gerüchteküche wird der Stöpsel gezogen

Bevor wir zum sportlichen Geschehen und den Drumherum-Geschichten dieser Woche kommen, müssen wir über etwas reden, was am Sonntag im Programmheft stehen wird: In Kaiserslautern haben offenbar Unioner einen Lauterer Mitarbeiter rassistisch beleidigt. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass es zu solchen Vorfällen kommt (erinnert sei an das Hitler-Gruß zeigen auf der Waldseite, das wir hier vor einigen Wochen erwähnt haben). Solchem Verhalten muss – so gut es irgend geht – entgegen getreten werden, und jeder hat Verantwortung das zu tun. Und das unter Unionern noch mehr als ohnehin schon immer und überall.

Aus dem Programmheft zum Spiel gegen Aue

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Marc Torrejons zentrale Rolle in der Abwehr steht ihm gut

Das letzte Spiel, das Union nach Braunschweig führte, stand noch unter ganz anderen Vorzeichen. Die Morgenpost erinnert uns noch einmal an die Zeit zum Ende der vergangenen Saison, als Union in Braunschweig die Chance auf die Relegation verspielte. Ich empfinde diesen Gedanken momentan als nicht hilfreich, weil er natürlich davon ablenkt, worum es heute geht. Nicht mehr das große Ziel vor Augen oder die Angst, es zu verspielen. Es geht darum, weiter so griffig in den Zweikämpfen zu sein und defensiv aufmerksam zu sein. Für Union geht es nicht mehr um Saisonziele, sondern darum kleine Schritte zu machen. Sich weiter Selbstsicherheit zu holen und dem Gegner den Glauben daran zu rauben, gegen Union gewinnen zu können. Ob am Ende doch noch was dabei rausspringt im Sinne von Aufstiegsplätzen, liegt definitiv nicht allein in den Händen der Mannschaft.

Marc Torrejon beim Training am 07.02. 2018, Foto: Matthias Koch

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Peter Kurzweg muss Christopher Trimmel vertreten

Vor dem Spiel am Samstag in Heidenheim trainierte Union gestern zum einzigen Mal öffentlich. Dieser Einblick genügte den anwesenden Reportern aber um festzustellen, dass Atsuto Uchida noch nicht das gesamte Training mit der Mannschaft absolvieren konnte und so wohl am Wochenende nicht in der Startelf stehen wird (B.Z.). Das gilt auf absehbare Zeit auch für Kenny Prince Redondo, der sich erneut verletzt hat.

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Redondo tritt frustriert über eine neue Verletzung eine Stange, Photo: Matthias Koch

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Jens Keller: “Ein Spiel wird im Herz entschieden”

Auch einige Tage nach der Partie gegen Düsseldorf war Jens Keller gestern in der Pressekonferenz der Ärger über dieses Spiel noch deutlich anzumerken – gespeist sowohl von der Leistung der Mannschaft (vor allem in der ersten Halbzeit), als auch vom Ergebnis und dessen zustandekommen in der Schlussphase.

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“Wenn jemand meint, er könnte sich schonen, werde ich ihm den Arsch aber so weit aufreißen…” Keller auf die Frage, ob sich Union dank der recht langen Pause in der englischen Woche am Freitag verausgaben könne. Screenshot: AFTV


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Jens Keller: “Ich bin immer ehrlich. Ich sage nur nicht alles”

Eine große Überraschung war es nicht, dass Jens Keller gestern auf der Pressekonferenz (gibt es auf AFTV zum Ansehen) sagte: “Definitiv ist, dass Torrejon ausfallen wird. Wie es aktuell aussieht, wird auch Steven Skrzybski ausfallen.” Beide waren diese Woche kürzer getreten und konnten nicht so trainieren wie es für ein Wettkampfspiel notwendig wäre. Dabei hat Marc Torrejon muskuläre Probleme und wird wohl sogar länger als nur das eine Spiel ausfallen. Bei Steven Skrzybski will der Verein keine langwierige Verletzung aufgrund der Achillessehnenreizung riskieren.

Die Option, den Angreifer zu bringen, lässt sich Keller zwar offen, aber ich glaube angesichts der vielen Möglichkeiten, die der Trainer offensiv hat, nicht an einen Einsatz von Skrzybski. Sowohl Simon Hedlund als auch Atsuto Uchida (Jens Keller betonte in der Pressekonferenz noch einmal, dass der japanische Zugang auch rechts offensiv spielen kann wie im Test gegen Hertha BSC bewiesen) könnten die Skrzybski-Position einnehmen. Dafür steht aber Innenverteidiger Toni Leistner auf jeden Fall zur Verfügung.

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Vielleicht gibt es wieder einen Spielankündigungsplakatfluch. Wäre ja sonst auch langweilig.

Die wichtigste Frage: Wie geht es eigentlich Andy Gogia? Der Neuzugang, der wegen einer Fersenprellung für das erste Saisonspiel passen musste, ist laut eigener Aussage noch nicht fit (BZ und Kurier). Der Einsatz zur Partie gegen Kiel am Freitag ist zumindest fraglich. Aber immerhin führt uns das schon vor dem zweiten Spieltag zu der traditionellen Suche nach irgendeinem Saisonfluch. Bei Union kennen wir den Kapitänsfluch (wer Kapitän wird, verliert seinen Stammplatz), den Bayernfluch (Union kann nicht in Bayern gewinnen) und so einige andere. Die meisten hat Jens Keller inzwischenMir-doch-egal-was-hier-früher-war-Haltung zielsicher erledigt. Aber vielleicht können wir den Spielankündigungsplakatfluch wieder aufleben lassen. Wir erinnern uns, dass eine Zeit lang immer diejenigen Spieler nicht für das Spiel einsatzfähig waren, die auf dem Spielankündigungsplakat zu sehen waren. Sei es durch Sperren, Verletzungen oder weil sie einfach nicht berücksichtigt wurden. Und ratet mal, wer auf dem Plakat für das Spiel gegen Kiel zu sehen ist? Genau:

Foto: 1.FC Union Berlin

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Beunruhigendes zur Transferzeit und ein ausgelassenes 16:0 in Friedrichshagen

“Wo ist denn Toni Leistner?”, hieß es gestern häufiger beim Testspiel in Friedrichshagen. Der Abwehrspieler hatte unter der Woche Rückenprobleme und wurde geschont. Aber so ganz traute niemand dem Braten. Hat Leistner nicht schon seltsam ausgesehen bei der Saisoneröffnung? Warum schaute er so wenig euphorisch?

Warum uns das alles beunruhigt? Weil wir nicht wissen, was Phase ist. Weil wir aber genau wissen, dass in der Transferzeit alles möglich ist. Und weil wir wissen, dass kein Spieler bei einem Zweitligisten unverkäuflich ist. Erst recht keiner, der mit 26 Jahren mutmaßlich vor DEM großen Vertrag seiner Karriere steht und sich entscheiden muss, ob er jetzt den Sprung in die Bundesliga macht.

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Kennenlernen mit Marc Torrejon

Unions Kurztrainingslager in Kremmen läuft und es gibt für die anwesenden Journalisten und damit auch für uns die Gelegenheit, sich mit den neuen Spielern vertraut zu machen. Den Anfang in dieser Reihe macht der bis jetzt prominenteste Zugang Marc Torrejon, der das Ziel Aufstieg verfolgt und das mit Freiburg bereits einmal geschafft hat:

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