Fußball und Macht beim 11mm Fußballfilm-Festival 2018

Am Donnerstag beginnt das 11mm-Fussballfilmfestival im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz! Weil das praktisch schon überübermorgen ist, schreibe ich euch kurz auf, was ihr wissen müsst, und wir treffen uns dann im Kino, ok?

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Kino: Shortkicks bei 11mm

Shortkicks heißt der Kurzfilm-Wettbewerb des 11mm-Festivals. Eine prominent besetzte Jury ermittelt den besten Fußballkurzfilm des Jahres. Sieben Filme traten an, klarer Sieger wurde der Animationsfilm “I love Hooligans” von Jan-Dirk Bouw.

“Wer möchte nicht in den Armen seines Liebsten sterben?” ist ein Satz aus diesem Film, der lange nachhallt. Erzählt wird die Geschichte eines homosexuellen Mannes aus der Hooligan-Szene, der gelernt hat, nicht aufzufallen, weil sich seine beiden Welten auf eine lebensbedrohende Art nicht miteinander vertragen. Seine Entscheidung für die Szene um den Fußball ist zugleich eine Entscheidung gegen eine Beziehung.

Ursprünglich plante Bouw einen anderen Film, sagte er bei der Preisverleihung. Auf der Suche nach einem schwulen Fußballspieler stellte der ihm seinen jetzigen Protagonisten vor. Der wiederum wollte seine Biografie publik machen, aber ohne seine Identität preis zu geben. Jan-Dirk Bouw hat die Herausforderung angenommen und eine als Animationsfilm verkleidete Dokumentation gemacht, sehr dicht erzählt und mit Bildern zwischen Brutalität und Poesie, die man schwer wieder los wird.

Der Rasen ist weg …

Mit dem Kurzfilmwettbewerb „Shortkicks“ und der Preisverleihung für die besten Filme schloss gestern die Berliner Ausgabe des 11mm-Fußballfilmfestivals. Warum Berliner Ausgabe? Weil 11mm auf Deutschlandtour geht. Über die Berliner Festivaltage und die kommenden Auswärtsspiele habe ich mit Jochen Lohmann gesprochen, während im und vor dem Kino Babylon aufgeräumt und abgebaut wurde.

Der für die Dauer des Festivals vor dem Babylon verlegte Rasen wie auch die Ersatzbank waren bereits abtransportiert worden. Das war das erste, was ihm heute vormittag auffiel, sagt Jochen Lohmann. Schade fand er das. Sonst gab es keinen Grund zur Traurigkeit, die Veranstalter sind hochzufrieden.

Bei den Frauenfußballfilmen hat „Die schönste Nebensache der Welt“ von Tanja Bubbel das Rennen gemacht, in der Gesamtauswahl hat sich „Meister vs. Meister“ von Johannes Grebert durchgesetzt. Mit „The Ball“ von Katja Roberts hat in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ eine charmant erzählte Geschichte über Fußball als Gesprächsmittler zwischen zwei Kindern gewonnen. Auf die außergewöhnlich gut besetzte Jury, der unter anderem Dominic Peitz, Jörg Schüttauf und Philipp Köster angehörten, sind die Festivalleiter stolz. Außerdem, sagt Jochen Lohmann, waren noch nie zuvor so viele Gäste aus dem Sportbereich dabei. „Wir sind Amateure“, sagt er. „Dass wir so eine Gala stemmen …“ Mindestens genauso wichtig wie die Superlative sind ihm aber die kleineren Veranstaltungen. Ein gut gefülltes Studiokino, in dem Regisseure und Publikum miteinander ins Gespräch kommen, das sind „Perlen, die für uns glänzen“.

Eine Veranstaltungsreihe, die weitgehend abseits des Festivalsbetriebs lief, waren die Kinovorstellungen speziell für Schulklassen. An den Vormittagen der Werktage wurden für Schüler ausgewählte Fußballfilme gezeigt, zu denen es Vorträge, Spiele und Gespräche gab. Die Stimmung sei wie im Stadion gewesen, und über 600 Schüler hätten das Angebot wahrgenommen. Deshalb soll dieses Programm im nächsten Jahr fortgesetzt werden. „Wenn man es als seine Aufgabe ansieht, Sport und Kultur zu verbinden, schließt das Bildung mit ein.“

Die Filme über den Frauenfußball hatten es erwartungsgemäß nicht ganz leicht. Bezeichnend hierfür war etwa die Reaktion von Marita Dähn, ebenfalls Mitglied der Shortkicks-Jury, ihrerseits ehemalige Fußballtrainerin und Schiedsrichterin im Herrenbereich, die meinte, so ein WM-Spiel könne man schon mal gesehen haben, die aber sonst mit Frauenfußball sichtlich nichts anfangen konnte. „Wir zeigen die Frauenfußballfilme seit Jahren und werden das auch weiterhin tun. Nur die Preisverleihung ist einmalig, anlässlich der WM“, erklärt mir Jochen Lohmann. Auf der Tour werden diese Filme sogar überwiegend gezeigt werden. Der DFB möchte auf diese Weise ein Kulturprogramm in den WM-Städten etablieren, und das 11mm-Festival ist Bestandteil dessen. Auch das ist ein Erfolg für ein Filmfest, das vor acht Jahren einmal ganz klein angefangen hat.

Shortkicks – Kurzfilmgala.

Zum 11mm-Fußballfilmfestival gehört die Kurzfilmgala als Abschluss dazu. Am Mittwoch um 20 Uhr werden sieben Kurzfilme gezeigt und anschließend von einer Jury bewertet. Zu ihr gehört auch Dominic Peitz vom 1.FC Wundervoll, der sich im Vorgespräch sehr aufgeschlossen und interessiert zeigte.

Als kleiner Appetizer der Film “Refait”, der das Elfmeterschießen des Viertelfinals der WM 1982 zwischen Frankreich und Deutschland nachstellt.

Refait from Pied La Biche on Vimeo.