Frage an die Glaskugel: Wie viele Punkte braucht Union noch bis Saisonende?

Union hat mit Berkan Taz bis 2021 verlängert (Vereinsmitteilung). So schön die Nachricht aus Sicht von Berkan Taz ist und so sehr sie auch unser fußballromantisches Herz trifft, wenn ein Spieler aus dem Nachwuchs (auch wenn er erst 2016 zu Union kam) einen Vertrag erhält, so klar müssen wir auch die Fakten benennen. Der Angreifer kam erst einmal für die Profis zum Einsatz, nämlich bei der Niederlage beim FC St. Pauli im Februar dieses Jahres (immerunioner.de). Und gemessen an der Qualität, die gerade in der Offensive in Unions Kader steckt, mache ich Taz nicht viel Hoffnung auf viele Einsätze. Und dabei muss er eigentlich spielen, um voranzukommen. Das heißt nicht, dass er keine Chance hat. Aber sie ist eben auch nicht sehr groß.

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Grischa Prömel ist für den Kicker nur im “Blickfeld”, dabei hat er herausragend gespielt

“Wir greifen wieder an”, sagte Christopher Trimmel im kleinen Clip zum Trainingsauftakt (AFTV). Der Österreicher zeigte sich bei diesen Worten nicht verbissen, sondern lachte. Soweit das jedenfalls nach der Trainingseinheit möglich war. Eigentlich fehlte nur Marc Torrejon verletzt. Grischa Prömel absolvierte nach seiner Verletzung noch individuelle Übungen auf dem Platz.

Christopher Trimmel nach dem Trainingsauftakt, Screenshot: AFTV

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Dirk Zingler hält 30.000 Union-Mitglieder innerhalb der nächsten 5 Jahre für möglich

Die Bild (€, Bezahl-Link) hat für ihre Rubrik “Mein Klub in 5 Jahren” mit Präsident Dirk Zingler gesprochen. Beim Titel der Rubrik hatte ich erst an ein Vorstellungsgespräch gedacht, bei dem sich die Klubs wie in Höhle-der-Löwen einem Investor vorstellen. Aber es ist ganz harmlos. Dirk Zingler weicht eigentlich in keiner Antwort von dem ab, was wir bereits wissen. Aber er begründet jede Maßnahme wie beispielsweise den Stadionausbau noch einmal ausführlich. Der sei Grundlage, dass Union wirtschaftlich bisher durch die Stadionkapazität gesetzte Grenzen überschreiten könne und allein der Klub davon profitiert, da Union zur absoluten Minderheit der Vereine zählt (nur Schalke und der BVB machen das auch so), die beispielsweise Catering für das Stadion und VIPs komplett selbst abwickeln. Wird mehr Geld verdient, macht sich also nicht ein Zwischenhändler sich die Taschen voll.

Präsident Dirk Zingler, Foto: SF/Matze Koch

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Die Freiheit, die Rummenigge den Klubs bei 50+1 geben will, ist keine echte Freiheit

Union verliert das Testspiel in Kiel mit 2:3. Es liegt auf der Hand, hier von einer Enttäuschung zu schreiben. Denn schließlich stand bei Holstein Kiel mit Rafael Czichos nur ein Stammspieler in der Startelf, während Union beinahe in Bestbesetzung (Marc Torrejon musste in der Verteidigung passen) antrat. Und drei Gegentore sind wieder einmal zu viel. Auch wenn Trainer André Hofschneider darauf hinweist, dass der zweite Gegentreffer durch einen abgefälschten Schuss und der dritte durch einen Elfmeter zustande kam. Es muss ein sehr munteres Spiel ohne Härte gewesen sein, wenn ich nach dem Zusammenschnitt auf AFTV oder dem Holstein-Kiel-Podkast 1912.fm gehe.

Hier die Medienberichte vom Spiel:

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Post von Dirk und Stevies Ehrlichkeit

Der 2:1-Sieg von Aue gegen Fürth gestern Abend hat für die engste Zweite Liga aller Zeiten gesorgt. Oder eben für so etwas wie den spannendsten Kampf gegen den Relegationsplatz 16. Ich kann darauf verzichten, und ich glaube, dass alle bei Union auch keinen Bock darauf haben, jetzt die Saison noch in die andere Richtung spannend zu machen. Fakt ist, dass Union jetzt 3 Punkte von Platz 16 trennen und nur Siege und keine Unentschieden dabei helfen, sich nicht ins Schlamassel hineinziehen zu lassen.

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Sebastian Polter foult am meisten und wird am fünfthäufigsten gefoult

Guten Morgen und schöne Grüße von der Oder. Der Blick rüber nach Polen sieht nur ein kleines bisschen anders aus als diese Aussicht, die Fabian Schönheim von den Malediven mit uns teilt.

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Sollte der Aufstiegskampf in Umfragen entschieden werden, hätte Union schlechte Karten. Aber ist ja nicht so.

Richtige News gibt es nicht vor dem Spiel gegen Braunschweig am Montag. Da aber noch ein paar Tage bis zur Partie bei der Eintracht hin sind, ließ Jens Keller seine Spieler gestern beim Training mit voller Kraft spielen (Bild).

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Christian Streich und die ewige Frage: Wem gehört der Fußball?

Freiburgs Trainer hat in einem längeren Interview mit dem Kicker, vor dem Einfluss einzelner Kapitalgeber auf Klubs in der Bundesliga gewarnt. Im Blick hat er vor allem Hannover und Hoffenheim, in denen durch eine Ausnahmeregel die 50+1 Regel des deutschen Fußballs außer Kraft gesetzt werden kann, die Vereine vor dem absoluten Einfluss von Kapitalgebern schützen soll.

Foto: Matze Koch

Vor dieser Frage stehen wir alle? Wie groß ist unser Einfluss, wenn wir uns im Verein engagieren wollen? Wie sinnvoll ist die Ausgliederung des Profibereiches aus dem Verein und was haben die Fans davon? Schließlich kann man Anteile an einer KG oder AG auch nur einmal verkaufen. Ich finde diese Fragen enorm wichtig und es ist auch von Bedeutung, wenn jemand aus dem (vermeintlich unpolitischen) sportlichen Bereich sich dazu äußert und eine Meinung hat.

Wir haben uns beim 1. FC Union insgesamt schon die Frage beantwortet, welchen Fußball wir haben wollen. Aber vor uns stehen immer wieder die Fragen, welcher Weg dorthin der richtige ist. Wie kann Union in Köpenick wettbewerbsfähig bleiben und trotzdem weiter das Fußball-Spiel im Mittelpunkt stehen?

Das Lazarett lichtet sich

Foto: Matze Koch/Maxi Thiel auf Instagram

Maxi Thiel ist endlich wieder richtig im Mannschaftstraining. Ich vermute aber, dass ein Einsatz am Wochenende in Fürth zu früh kommt. In zwei Wochen vielleicht. Oder ein Kurzeinsatz am Sonntag nächste Woche gegen Ingolstadt mit Verkündung des neuen Vertrags :) Steven Skrzybski dürfte auch einsatzfähig sein nach dem überstandenen Infekt. Aber vielleicht bekommt der Junge auch mal eine Pause.

Gegen Fürth können wir uns alle unseren neuen Defensivmann Stephan Fürstner anschauen. Der sagt der Bild/BZ, dass es für Fürth um mehr als für Union geht. Das mag sein. Aber ein Abstieg der Franken hätte für Union den Vorteil, dass es in der nächsten Saison zwei Spiele mehr gibt, die gewonnen werden können. Wenn es einen Angstgegner gibt, dann ist es Fürth …

“Drohen Bajram Nebihi drei Tage Haft?”, fragt die BZ. Ja, drohen ihm. Drohen kann vieles. Fragen wir allerdings “Muss Nebihi wahrscheinlich drei Tage ins Gefängnis?”, dann lautet die Antwort: Nein. Was ist passiert? Er ist bei einer Gerichtsverhandlung als Zeuge geladen worden und nicht erschienen. Grund: Wahrscheinlich hat er seine neue Adresse dem Gericht nicht mitgeteilt.

Parensen und Dynamo Dresden

“Holt Neuhaus Liebling Parensen nach Dresden?”, fragt der Kurier. Schon wieder eine Frage. In meiner Ausbildung wurde mir noch der uralte Spruch um die Ohren gehauen: “Keine Fragen in Überschriften. Wir beantworten dem Leser fragen.” Also wie steht es bei Michael Parensen? Über Union lässt der Allrounder ausrichten: “Es gibt nichts Neues und nichts zu bereden.”

Sagen wir es mal so: Sollte er keinen Vertrag bei Union bekommen, könnte er bei einem anderen Verein unterschreiben. Zum Beispiel Dresden. Ich schätze, dass das davon abhängig ist, was Parensens persönliche Erwartungen an die nächsten zwei, drei Jahre sind. Ich traue ihm auch zu, dass er als Backup für viele Positionen bei Union bleibt und dann mit Anfang 30 seine Schuhe an den Nagel hängt, um komplett ins Management zu wechseln.

Mattuschka wirkt fremd im Energie-Trikot

Vor zwei Tagen hat Cottbus 2:0 beim SV Babelsberg gewonnen. Ich kann mich immer noch nicht an Bilder von Tusche in der Kleidung des FC Energie gewöhnen. No Dice hat auf Facebook ein kleines Set Tusche-Fotos.

tusche_babelsbergFoto: No Dice/Facebook

Es gibt so etwas wie ein AirBnB für Fußballfans. Das nennt sich: Homefans Falls hier Groundhopper mitlesen, die das schon einmal ausprobiert haben oder ausprobieren wollen, meldet euch mal bei mir. Ich habe Interesse an Erfahrungsberichten.

Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Fürth gibt es heute 13 Uhr wieder live bei AFTV zu sehen.

Sonderheftsonderkritik

“In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche”, soll Hans Meyer gesagt haben. Und zu keinem Zeitpunkt hat er mehr Recht als zum Saisonstart. Trainingslager, Transfers, Fehlstarter und Durchstarter. Überraschung ist etwas anderes. Dazu die Sonderhefte. Mit Spielern auf Mannschaftsfotos, die beim Erscheinen schon woanders untergekommen sind. Zu den Sonderheften gehört natürlich dann auch wie jedes Jahr Sonderheftkritik. Einen Abgesang auf die Sonderhefte, dem ich mich nur anschließen kann, hat Kai Pahl bei allesaussersport.de geschrieben.

Sportbild, Kicker und 11Freunde

Darum setze ich mal bei den drei Klassikern unter den Sonderheften den Schwerpunkt etwas anders. Wie nimmt der zukünftige Rentezahler im Haushalt die Hefte auf? Da haben Sportbild und Kicker ganz klar die Nase vorne. Das Kaufargument für den Kicker ist die Stecktabelle, die an die Kinderzimmertür gepappt gehört. Als zusätzliche Quengelware gibt es dieses Mal noch Aufkleber von allen Erst- und Zweitligateams. Verklebt wurden fast alle. Sogar Hoffenheim. Nur Energie Cottbus schaute in die Röhre. Wichtig für das zahlenverrückte Kind ist die Kaderübersicht mit der Angabe von Gewicht und Körpergröße. Der absolute Liebling ist Schalkes dritter Torhüter Lars Unnerstall. 100 Kilogramm verteilen sich auf 1,98 Meter.

Die Sportbild ist Pflichtprogramm. Allerdings hat sie kaum Mehrwert. Keine Gewichtsangaben. Körpergröße Fehlanzeige. Allerdings ist sie immer als erste im Handel. Das einzige Kaufargument.

Das sogenannte Sonderheft der 11Freunde gleitet kaum beachtet durch die Hände des Juniors. Hängt vielleicht mit der arg rückwärts gerichteten Retro-Berichterstattung zusammen, die einen Siebenjährigen als Zielgruppe klar verfehlt. Das Titelbild kommt richtig gut an. Allerdings vor allem wegen der Star Wars Optik. Ist gerade das Non plus ultra auf dem Schulhof. Mario Gomez (O-Ton Junior: “Die Pfeife!”) als Prinzessin Leia kommt auch ganz gut. Männer in Frauenkleidern eben. Das kleine Beiheftchen wird durchgeblättert. Die Autos sind ganz interessant. Einen Zusammenhang zwischen den Autos und den Fußballklubs kann das schlaue Kind aber auch nicht finden.

Lokale Helden

Die Fußballwoche ist die einzige Zeitschrift, die so etwas wie tiefere Berichterstattung bietet. Jedenfalls zu Berliner Mannschaften. Lange Interviews mit den Vereinspräsidenten von Hertha und Union, eine detaillierte Vorstellung der Neuzugänge und eine kurze Darstellung der Saisonaussichten. Alle anderen Teams, die nicht irgendwie das Verbreitungsgebiet Neufünfland haben, werden auf Zugänge, Abgänge, Kader und Adresse eingestampft. Konzentration auf das Wesentliche. Da ist es egal, ob es sich um Borsussia Dortmund oder Paderborn handelt. Die weiteren Ligen werden intensiv beleuchtet. Bis zur Kreisliga C 4. Abteilung. Überraschendes gibt es auch hier nicht, aber dafür wieder solides Handwerk auf 186 Seiten.

Natürlich gibt es noch die herrlichsten Mannschaftsbilder, die man sich wünschen kann. Wo die 11Freunde ins Archiv stiefeln, schöpft die Fußballwoche aus dem reichhaltigen aktuellen Fundus. Die Spieler des FC St. Pauli schauen alle in eine andere Richtung, der VFC Plauen sitzt in den Hartplastikschalen auf der Tribüne, während der VfB Oldenburg es mit Längs- und Querstreifen auf dem Bild versucht. Den Vogel schießt RB Leipzig mit dem Mannschaftsfoto im neuen Bahntunnel ab. Der von mir hochgeschätzte Perry Bräutigam, momentan Torwart-Trainer in Leipzig, muss sich allerdings etwas an die Röhre schmiegen, damit es passt. Die finanzielle Not von Carl-Zeiss Jena mag man daran erahnen, dass sich Bäcker Scherer aus Zeulenroda, Sponsor und Fan, mitten ins Mannschaftsbild stellen durfte. Die Fußballwoche – irgendwie schrullig. Passt zu Berlin.

Getestet: Der Sport-Tag

Die Idee ist nicht neu und in Ländern wie Italien, Portugal oder Spanien funktioniert sie auch leidlich gut: Eine tägliche Sportzeitung. In Deutschland hingegen hat sich dieses Konzept bis heute nicht gegen die qualitativ und quantitativ starken Sportteile der Tageszeitungen und das zweimal in der Woche erscheinende Magazin Kicker durchsetzen können. 2006 im Zuge der WM-Euphorie startete die B.Z. in Berlin mit der Sport-BZ einen Versuch, über die WM hinaus eine tägliche Sportzeitung zu etablieren und scheiterte.

Seit heute wird die Zeitschrift “Der Sport-Tag” herausgegeben. Da die Zeitung zunächst im Verbreitungsgebiet Berlin startet und dann sukzessive auf Deutschland ausgeweitet werden soll, haben wir uns zu einem ersten Test entschlossen.

Die Zeitung ließ sich problemlos an einem Zeitungskiosk mit üblichem Angebot kaufen. Das war auch so angekündigt. Vom Layout macht die Ausgabe nicht viel her. Sie ist übersichtlich gegliedert, kommt aber etwas billig herüber. Das mag an dem Stern liegen, der auf der Titelseite prangt und dem Leser „NEU! nur 0,50 €“ entgegenbrüllt. Vielleicht kommt der Eindruck auch vom Schlagschatten, der hinter „Der Sport-Tag“ liegt.

Der inhaltliche Aufmacher ist das gestrige Formel 1 Rennen. Das geht für eine tägliche Sportzeitung in Ordnung. Links daneben werden die Ergebnisse der 1. und 2. Bundesliga gelistet. Darunter wird ein Hintergrundtext zur Situation der Hertha und den Ausschreitungen im Olympiastadion angeteasert. Sehr klar auch die Appetizer mit Bild zu Ribéry, Eisbären und Manchester United.

Schlägt man die Zeitung auf, wird auf einer Seite der Rennverlauf geschildert. Die Platzierungen sucht man zunächst vergeblich, da auf der rechten Seite yet another Interview mit Michael Schumacher samt Infografik zu seiner Karriere zu finden ist. Erst auf Seite vier befindet sich eine kleine Grafik der Rennplatzierungen und einer gleich großen meines Erachtens überflüssigen bildlichen Darstellung aller Streckenprofile. Das war es.

Das nächste übliche Sportthema sind die beiden Bundesligapartien vom Wochenende. Eine Seite für Bremen gegen Hoffenheim und eine für Leverkusen gegen Hamburg. Der Text steht unter jeweils fast halbseitigen Bildern. Ihm wird zusätzlich noch von einer Aufstellungsgrafik samt sehr schmaler Information zu Torfolge und Auswechslung Platz genommen. Inhaltlich sind die Spielberichte belanglos und machen nicht den Eindruck, jemand sei vor Ort gewesen. Lediglich der Spielbericht zum Sieg der Leverkusener enthält einen nichtssagenden O-Ton von Jupp Heynckes, der auch von Sky oder EyeP.TV hätte kommen können. Sprachlich sind die Texte in einem routinierten 08/15-Agenturstil geschrieben, der niemandem weh tut. Allerdings bieten sie auch entsprechend nichts. Auf weitere Statistiken zum Spiel oder Benotungen der Spieler muss man komplett verzichten. Es gibt lediglich eine größere Tabelle, Torschützenliste, Übersicht der demnächst gesperrten Spieler und eine Kreuztabelle. Ganz harte Hausmannskost. Wenn Leckerbissen geplant sind, hat man sie sich wohl noch aufgespart.

Die Berichte zu den Spielen der 2. Liga bekommen jeweils eine halbe Seite, wobei je nach Bildgröße und Aufstellungsgrafik nur Platz für Texte zwischen 26 und 56 Zeilen bleibt. Detailliert ist anders. Der Statistikteil sieht genauso wie der zur ersten Liga aus. Übersichtlich, könnte man wohlmeinend sagen.

Ganz dünn wird es bei der 3. Liga. Klar gab es viele Spielausfälle. Aber wenn von 36 Zeilen die Hälfte der Aufzählung der ausgefallenen Spiele gewidmet wird, dann ist das lustloses Abhandeln. Die vier stattgefundenen Spiele werden wie folgt dokumentiert:

Am Samstag konnten zumindest vier Begegnungen ausgetragen werden. Kickers Offenbach spielte gegen Jahn Regensburg 0:0. Die Braunschweiger Eintracht setzte sich zu Hause mit 1:0 gegen die SpVgg Unterhaching durch. Das Spiel Werder Bremen II gegen den FC Ingolstadt 04 endete torlos. Und der VfL Osnabrück konnte trotz eines Unentschiedens gegen den Wuppertaler SV seine Tabellenführung verteidigen.

Es wäre sicherlich kein Problem, den ganzen Text zu zitieren, da die Schöpfungshöhe hier bei Normalnull liegt.

Zu den angeteaserten Hintergrundberichten. Die Geschichte um Frank Ribéry wird auf einer Seite ausgebreitet. Es geht um seine Zukunft bei den Bayern oder woanders. Kurz: Man erfährt gar nichts. Kein Statement des Vereins, des Trainers, anderer vermeintlich interessierter Vereine, der Berater oder gar von Ribéry selbst. Vielmehr eine kurze Abhandlung seiner bisherigen Karriere, die locker auch aus der Wikipedia kommen könnte und ein paar Informationen zu den Einkommen französischer Sportstars aus der L’Equipe. Der Hintergrundbericht zur Hertha krankt ebenfalls an mangelnder Eigenrecherche und konstatiert nur Offensichtliches. Interessanterweise findet sich kein Wort zum Platzsturm nach dem Spiel. Die finden sich einige Seiten weiter zusammengefasst unter der Überschrift „Tatort Bundesliga“. Dort werden allerdings nur O-Töne zusammengefasst und Zusammenhänge zu der Pyroaktion Nürnberger Anhänger in Bochum und Gewalttätigkeiten Rostocker Anhänger im März gezogen. Beschäftigung mit den Anhängern, Nachforschen bei den Beteiligten oder in Frage stellen von schematisch wiederkehrenden vermuteten Zusammenhängen: Fehlanzeige.

Ein wirklich schlimmer Lapsus ist die Mini-Rubrik „Bundesligasprüche“, die auf Schülerzeitungsniveau vermeintlich witzige Zitate sammelt.

Die internationalen Ligen werden mit je einer halben Seite abgespeist. Zwischen 17 und 26 Zeilen verbleiben neben Bild, Tabelle und Spieltagsübersicht für einen Text zum Spieltag. Nun ja.

Drei Seiten gibt es für den restlichen Sport wie Handball, Eishockey oder Wintersport. Der auf der Titelseite versprochene Text zu den Eisbären war nicht zu finden. Dafür gab es nur eine kurze Ergebnisübersicht und eine lieblose Tabelle, für die sich nicht einmal Trennstriche zwischen den einzelnen Platzierungen haben finden lassen.

Ein Kreuzworträtsel ohne Sportbezug füllt die vorletzte Seite während die letzte Seite das Sportfernsehprogramm des Tages präsentiert. Dabei die Kanäle von Sky, Eurosport und ESPN.

Ernüchternd lässt sich feststellen, dass sich kein Artikel in der Zeitung fand, der einigermaßen interessant war, obwohl das sportliche und nichtsportliche Geschehen vom Sonntag das durchaus hergegeben hätte. Die Texte hinterlassen den Eindruck, dass sie auch in einer Gratiszeitung hätten stehen können. Und das ist ein vernichtendes Signal. Gegen den Sportteil einer normalen seriösen Tageszeitung kommt der Sport-Tag nicht an. Und da schließe ich agenturbelieferte Blätter wie meinetwegen die Mitteldeutsche Zeitung ein. Über den Preis konkurriert die Zeitung auch nicht mit diesen Zeitungen, die im Schnitt doppelt soviel oder noch mehr kosten. Aber selbst Tabloids, die in im gleichen Preissegment liegen und wie man sie in Berlin mit Bild, Berliner Kurier und BZ gleich dreimal hat, pointieren die Sportereignisse besser. Es ist also die Frage, welches Profil der Sport-Tag entwickeln möchte. Denn er bräuchte eines, um zu bestehen. Gegen die Lokalsportberichte der Tageszeitungen kann er jedenfalls überhaupt nicht ankommen. Das stiefmütterliche Abhandeln der 3. Liga zeigt, dass dort der Kampf um Anteile auch gar nicht erst aufgenommen werden soll. Magazine wie die Fußballwoche für Berlin oder der Kicker bundesweit beziehen ihre Stärke durch die Beobachtung vor Ort. Knapp gesagt: Es fehlt dem Sport-Tag an Qualität.

Der an Sportereignissen interessierte Leser kennt die Inhalte, die im Sport-Tag präsentiert werden, bereits aus dem Fernsehen oder Netz. Auch hier lässt sich also keine Zielgruppe erkennen. Es ist schon merkwürdig, wie eine Zeitung ohne eine vernünftige Zielgruppenanalyse oder deren inhaltliche Umsetzung, durch Investoren auf dem deutschen Zeitungsmarkt etabliert werden soll. Schade um das Geld. Klar übrigens, dass die Zeitung auch keine ansprechende Internetpräsenz hat.

Wer sich durch die Kritik angespornt fühlt, kann sich allerdings noch als Redakteur bewerben. Es findet sich im Heft eine entsprechende Stellenanzeige.