Wir gewinnen sowieso

Der Abschied von Tusche und Karim war ungefähr alles, was man sich davon hat vorstellen können. Deren Allstar Ensemble hatte großes Nostalgie und Sympathie Potential, das Spiel selbst hatte lustige Momente, und die Atmosphäre im Stadion passte genau zu einer entspannten Reminiszenz und einem dankbaren Abschied.

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Stadionausbau erledigt (zumindest mit Lego)

Während der Stadionausbau erst in die Bauplanungsphase geht, haben Milan (3 Jahre) und sein Vater Robert das Stadion an der Alten Försterei bereits mit einem zweiten Rang versehen. Und mir wurde versichert, dass die Baukosten deutlich unter 38 Millionen Euro lagen. Von Anwohnerbeschwerden auch keine Spur.

Die Waldseite mit Stehplätzen auf 2 Etagen. Foto: Robert

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Verschlüsselte Nachrichten von Uwe Neuhaus

Der KSC verliert das Relegationsspiel um den letzten Startplatz in der Bundesliga in der Verlängerung 1:2 gegen den HSV. Mir persönlich tut es vor allem für Dominic Peitz leid. Ich finde es unglaublich, wie er sich trotz aller technischen Mängel durchsetzt und trotzdem immer klar und ehrlich bleibt. Hat bei Union nicht jeder Sechser bei seinem Abschied hinbekommen.

Und was bedeutet das Ergebnis jetzt:

  • Union bleibt auf Platz 8 der Fernsehgeldtabelle (ein Platz vor dem KSC) und erhält in der nächsten Saison 7,867 Millionen Euro aus der Vermarktung
  • Hertha BSC bleibt auf Platz 15 der Fernsehgeldtabelle der Bundesliga (ein Platz hinter dem HSV) und erhält 23,111 Millionen Euro. Beim Abstieg des HSV wären es knapp 1,2 Millionen Euro mehr gewesen.

Und natürlich das hier auch:

Über den Sinn und Unsinn von Relegationsspielen möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Ich finde sie aus sportlicher Sicht überflüssig und brauche auch diese Bilder von massiven Polizei-Einsätzen in Stadien nicht, weil die Fans sich bei diesen Do-or-Die-Spielen nicht mehr unter Kontrolle haben.

Bahra und Union arbeiten an Abfindung

Die Freistellung von Torwarttrainer Holger Bahra wirkt noch nach. Wie jeder Arbeitnehmer in einem solchen Fall mit mehreren verlängerten Zeitverträgen, drängt er auf eine Abfindung (Bild/BZ berichten), weil bei einer Zusammenarbeit über zehn Jahre von einem unbefristeten Arbeitsverhältnis auszugehen ist.

Jeder Anwalt würde seinen Mandanten in die Richtung beraten. Ich finde das normal und nachvollziehbar. Einigen sich die Parteien nicht (wovon ich nicht ausgehe), geht es vor das Arbeitsgericht, das eher arbeitnehmerfreundlich urteilt.

Foto: Matze Koch

Uwe Neuhaus und die Selbsterkenntnis

Die Berliner Zeitung hat ein Interview mit Uwe Neuhaus geführt, das in mancherlei Hinsicht etwas an die Prawda erinnert. Zwischen den Zeilen kann ich da durchaus Botschaften herauslesen, aber echte Sachen finden sich kaum. Beispiel gefällig? Neuhaus über die Gründe, warum er bei Union gekündigt wurde:

Der Verein ist gewachsen, es sind so viele Leute dazugekommen. Dass da die familiäre Atmosphäre, die am Anfang zu spüren war, nicht in dem Maße aufrechterhalten werden kann, ist normal. Mit neuen Leuten verändern sich auch die anderen.

Wenn der eine oder andere im Verein mal die Zeit hat, die ich jetzt gehabt habe, wird er sich vielleicht auch fragen, ob er sich verändert hat. Da sollte jeder vor der eigenen Türe kehren. Dass es das Verhalten zu den Spielern war, glaube ich weniger.

Die Betroffenen werden schon wissen, ob sie gemeint sind. Für den Leser aber ist das einfach nur inhaltslos.

Foto: Matze Koch

Behalten hat sich Uwe Neuhaus seine Süffisanz, wenn er beispielsweise über die Spielweise unter Norbert Düwel spricht:

Dass man sowohl mit Ballbesitzfußball als auch mit Umschaltspielfußball viele Gegentore bekommen kann, hat die Saison gezeigt.

oder über Fanrandale in Dresden:

Die gab es auch bei Union. Ich erinnere mich an das Spiel in Schweden. Das war total beschämend.

oder über ein mögliches Duell gegen Union in der Zweiten Liga:

Naja, ich habe gehört, die wollen auch aufsteigen.

Da höre ich wieder “meinen” Uwe Neuhaus heraus. Viel hat sich also nicht verändert.

Ich wünsche Dynamo Dresden viel Erfolg und Uwe Neuhaus wieder eine so professionelle Medienabteilung wie bei Union, die alles dafür tut, dass er nach außen so wahrgenommen wird, wie er möchte.

Crunchtime für die neue Mannschaft

“Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.” Diese sehr treffenden Worte von Seneca sollten unter dem Union-Logo angebracht werden, wenn das Logo nicht unantastbar wäre. Denn all das, was wir beim Wechsel auf der Position des Torwarttrainers in nur wenigen Tagen erleben, steht unter diesem Motto. Nicht das schlechteste, wenn man sich nicht von Ereignissen treiben lässt, sondern selbst das Handeln bestimmen kann.


Foto: Matze Koch

Gestern wurde Dennis Rudel einen Tag nach Holger Bahras Freistellung als neuer Trainer der Unionkeeper vorgestellt. Der 38-Jährige war bei ein paar Zweitligisten in der Verlosung. Eine kurze Einschätzung von einem Freund der Familie Rudel:

Der Name gibt Anlass zu Wortspielen. Bild und Kurier können in der Hinsicht schon am ersten Tag das Wasser nicht halten ;) Der Kurier wispert etwas von einer möglichen Weiterbeschäftigung von Bahra im Union-Nachwuchs. Was da möglich ist, wenn die Kommunikation zwischen ihm und anderen Angestellten laut Kurier in den letzten Monaten so schwierig war, mag ich nicht einzuschätzen. Rein aus sozialer Verantwortung für einen langjährigen Beschäftigten fände ich das gut. Aus Sicht der Torwartausbildung und der angebrachten Kritikpunkte gegen Bahra würde ich allerdings nicht verstehen, wie er junge Keeper ausbilden soll.

Der 1. FC Umbruch

Mir gefällt der Ansatz der Morgenpost, die den Wechsel des Torwart-Trainers in einem größeren Zusammenhang eingebettet sieht. Dazu passt das Wort Umbruchsaison, das auch in der Mannschaft nicht fremd ist. Für diese Saison dürfte gelten: Klassenerhalt klarmachen und dann schauen, wie viele Spieltage noch übrig sind. Die Morgenpost schaut außerdem auf die auslaufenden Spielerverträge:

  • Christopher Quiring
  • Björn Kopplin
  • Mario Eggimann
  • Björn Jopek
  • Michael Parensen
  • Steven Skrzybski
  • Maximilian Thiel (Leihe mit Option)
  • Martin Kobylanski (Leihe mit Option)
  • Sebastian Polter (Leihe)

Meinem Gefühl nach dürfte es für Kopplin und Eggiman schwer werden, weiter bei Union beschäftigt zu werden. Bei Parensen bin ich mir nicht sicher und bei Polter hat Mainz die Hand drauf, da er dort unter Vertrag steht. Bei den anderen gehe ich von Verträgen über die Saison hinaus aus. Die Entscheidung darüber dürfte in den nächsten Wochen fallen. Das ist die Crunch Time, die Norbert Düwel vor einer Woche mit Bewährungszeit für Spieler bezeichnet hat. Einen größeren Umbruch sehe ich persönlich aber nicht auf Union zukommen. Es geht darum, ob Spieler das Potential haben, einen offenen Zweikampf um Positionen zu führen. Das ist in dieser Zeit der Saison normal. Und so lange nicht mehr als vier bis sechs Spieler ausgetauscht werden, dürfte das im Rahmen normaler Transferaktivitäten im Sommer liegen.

Systemwechsel gegen Darmstadt

Norbert Düwel wird gegen Darmstadt am Freitag vielleicht auf eine Doppelsechs mit Jopek als Umschaltspieler setzen. Das vermutet die BZ nach der Pressekonferenz vor dem Spiel. Klingt plausibel, riecht aber auch so, als ob der Präsident persönlich mit dem Betonmischer nach Südhessen fährt.

Norbert Düwel ist der Chef-Trainer, nicht der Chef-Sündenbock

Holger Bahra ist seit gestern nicht mehr Torwart-Trainer bei Union. Sein ohnehin im Sommer auslaufender Vertrag, der nicht verlängert worden wäre, ist damit nicht vorzeitig beendet. Bahra ist freigestellt, wie das im Juristendeutsch heißt. Ob Union juristisch damit durchkommt, hängt davon ab, ob der Torwarttrainer auf Wiedereinstellung klagt. Wie Arbeitsgerichte die ständige Verlängerung befristeter Verträge einschätzen, konnten wir bei der Trennung von Hertha und dem langjährigem Torwarttrainer Christian Fiedler beobachten. Machte trotz befristeten Vertrag eine Ablöse von schlappen 410.000 Euro, plus zu zahlendes Gehalt und Prämien insgesamt 579.000 Euro. Der feine Unterschied: Fiedler wurde gekündigt, Bahra nicht.

Foto: Matze Koch

Auch bei der Ursachenforschung zur Trennung von Bahra, den alle als knorrigen Mann mit bärbeißigem Humor kennengelernt haben, gibt es kleine und feine Unterschiede. Es gehört wenig Phantasie dazu, dass der Torwartwechsel von Daniel Haas zu Mo Amsif am Wochenende der Auslöser für die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit gewesen ist. Doch der inhaltliche Grund dürfte weiter reichen als bis zu Norbert Düwels Schreibtisch.

Denn bereits unter Uwe Neuhaus gab es Überlegungen, sich von Bahra zu trennen. Auch weil keine Weiterentwicklung der Torhüter zu sehen war. Warum Neuhaus diesen Schritt nicht gegangen ist, bleibt Spekulation. Aber es ist nicht die einzige zögerliche Personalentscheidung die der ehemalige Union-Trainer getroffen hat. Sichtbar war der Konflikt für Außenstehende, als im Mai 2012 die Verträge von Bahra und Co-Trainer André Hofschneider unterschiedliche Laufzeiten bekamen. Hofschneider ist seitdem unbefristet dabei, Bahra bekam seitdem immer nur noch einen Jahresvertrag.


Foto: Matze Koch

Für etwas gefährlich halte ich den Zustand, dass schon wieder Düwel im Fokus ist. Natürlich hat er die Entscheidung getroffen, sich von Bahra zu trennen. Aber dieser Entschluss hängt auch schon seit fast drei Jahren in der Luft. Ebenso wie sich Neuhaus nie an die Personalie Mattuschka herangetraut hat, ist auch hier Düwel mit dem Erbe des vorherigen Trainers belastet.

Es ist Düwels Neuheit im Trainergeschäft zu verdanken, dass er ohne eigenes Trainerteam zu Union kam und sich auch auf dieses Experiment mit den ehemaligen Co-Trainern von Neuhaus eingelassen hat. Ich würde behaupten, dass das nur wenige gemacht hätten. Aber irgendwie wäre es gut, das übernommene Erbe auch zu kommunizieren. So schön es ist, wie der Verein Konflikte intern halten kann, so überraschend sind dann die Trennungen für Außenstehende und Fans. Denn im Moment ist Düwel aus Fansicht derjenige, der Mattuschka vergrault und Bahra gefeuert hat.

Kleiner Hinweis von mir: Auch unter der “Lichtgestalt” Uwe Neuhaus war nicht alles gut ;)

Etwas strittig ist die Nachfolge von Bahra. Union bleibt beim Credo: Wir verkünden etwas, wenn es etwas zu verkünden gibt. Der Kurier wirft Ronny Zeiß aus Leipzig ins Rennen und meint, Integrationstrainer Pablo Garcia würde für Bahra aushelfen. Der Tagesspiegel sieht dagegen Fitness-Coach Daniel Wolf beim Training mit den Torhütern zu und meint, dass schon heute der Neue seinen Einstand geben könnte. Das wäre dann laut Tagesspiegel und Bild Dennis Rudel von den Kaizer Chiefs aus Südafrika.

Und wenn schon Personalien im Tagesspiegel, dann richtig: Auch U23 Trainer Jaspert wird Union verlassen. Aber erst zum Saisonende. Ein Angebot aus dem Ausland soll es sein.

Außerdem erschien in der BZ: So will Schönheim am Freitag in Darmstadt punkten

Lasst mich! Ich bin erschüttert.

Das erste Interview, das ich jemals für’s Textilvergehen geführt habe, war eines mit Holger Bahra. Ich war jung jünger, ich wusste nicht, wie Interviews funktionieren, aber ich wusste ganz sicher, dass mich interessiert, was ein Torwarttrainer zu sagen hat. Und gerade dieser Tortwarttrainer hatte eine zackige, geradlinige Art, mit der ich viel anfangen konnte. Es wurde eventuell nicht das beste Interview aller Zeiten, und alles, was daran gut ist, hat Holger gut gemacht. Wann immer wir uns in der Folge am Rande eines Fußballspiels oder Trainings gesehen haben, war Zeit für einen kurzen Gruß, ein Lächeln, ein Kopfnicken. Im normalen Leben nichts außergewöhnliches, im Profifußball keine Selbstverständlichkeit. Dieselbe Art von Höflichkeit war Jan Glinker zueigen. Sie ist deshalb sehr wohltuend, weil der Umgang von Fußballspielern und Presse nicht immer konfliktfrei verläuft.

Holger Bahra
Foto: Matze Koch

Heute wurde Holger Bahra, dessen Vertrag nur noch bis zum Saisonende läuft, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Begründung ist gewohnt kryptisch.

“Aufgrund vieler Veränderungen in den letzten Monaten war jedoch die Basis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben, deshalb haben wir diesen Schritt jetzt vollzogen.”

Mich hat das überrascht, erschüttert und auf eine schwer zu fassende Weise traurig gemacht.

Der Ruf nach einem anderen Torwarttrainer ist nicht neu. Es gab ihn bereits, als der Cheftrainer noch Uwe Neuhaus hieß. Vermutlich hat Norbert Düwel auch hierbei alles richtig gemacht. Er hat abgewartet, sich alles in Ruhe angesehen, ausprobiert und dann entschieden. Der Satz “Unions Torhüter entwickeln sich nicht mehr weiter” fiel in der Vergangenheit ein ums andere Mal. Ich kann das ebensowenig beurteilen wie die meisten anderen, die dazu eine Meinung haben. Nur soviel: Ich stelle selten sportliche Entscheidungen infrage. Auch diese nicht. Während zuvor in der Regel der Torhüter gewechselt wurde, trifft es dieses Mal beide, den Torhüter und seinen Trainer. Daniel Haas geht auf die Bank. Holger Bahra nimmt seinen Hut.

Holger Bahra
Foto: Matze Koch

Trotzdem sind einige dieser Entscheidungen schwer verdaulich. Sie sind nicht falsch. Sie sind bloß schmerzhaft. Wie Paare im Freundeskreis, die sich trennen, aber gestern noch zusammen auf ‘ner Party waren. Man hatte ja nichts geahnt! Am Sonntag war doch noch alles gut! Nein. War’s wohl nicht. Aber woher soll ich das denn wissen, verdammt?!

Ich vermisse mit Holger Bahra einen außerordentlich korrekten Sportler, der mein zu-Union-gehen sehr bereichert hat. Danke!