Peter Kurzweg muss Christopher Trimmel vertreten

Vor dem Spiel am Samstag in Heidenheim trainierte Union gestern zum einzigen Mal öffentlich. Dieser Einblick genügte den anwesenden Reportern aber um festzustellen, dass Atsuto Uchida noch nicht das gesamte Training mit der Mannschaft absolvieren konnte und so wohl am Wochenende nicht in der Startelf stehen wird (B.Z.). Das gilt auf absehbare Zeit auch für Kenny Prince Redondo, der sich erneut verletzt hat.

redondo

Redondo tritt frustriert über eine neue Verletzung eine Stange, Photo: Matthias Koch

Weiterlesen

Wieviel ein Mensch aushalten kann

Fußball ist für uns Ablenkung vom Alltag und wir beziehen sehr viel auf das Spiel. Aber was mir viel wichtiger ist, er kann einen Zusammenhalt schaffen, der über das Spiel hinausgeht. Wir kennen und schätzen das bei Union. Wir helfen anderen Unionern. Wir helfen als Unioner. Und wir unterstützen so gut es geht. Dass es das auch bei anderen Vereinen gibt, hat die Person Jonathan Heimes bei Darmstadt gezeigt. Und diese verbindende Kraft zwischen Fans, Mannschaft und Vereinsverantwortlichen hat auch Olaf Lindner, besser bekannt als Datcheffe für Hertha gehabt, der Anfang dieser Woche verstorben ist.

Weiterlesen

Ist niemand wirklich gut?

Heute spielt Union in Düsseldorf, und will sich mit einem Sieg im Aufstiegsrennen zurück melden.

Weiterlesen

Berliner Geschwister

OK. Dann stelle ich mich also dieser Herausforderung. Als gäbe es davon im Leben nicht eh schon mehr als genug, musste ich natürlich zusagen. Ich, als Herthaner und Westberliner, der die Wende vor allem mauersteineklopfend erlebt hat und dementsprechend wenig Sinn für ein geteiltes Deutschland hat, habe nun den Salat. Ich habe mich also dazu bereit erklärt auf diesem – nennen wir es – eisernen Ostblog einen Beitrag zu schreiben. Einen Beitrag über die Berliner Geschwister, die da wären: Die große Schwester Hertha und der kleine eiserne Bruder David.

Nein. Ich werde nichts über Derbies in der zweiten Liga schreiben. Das ist ein Thema für Zeitungen, die große Buchstaben, viele Fotos und vor allem Meinungen in die Welt hinausposaunen. Außerdem wird es zwischen Union und Hertha erst dann ein richtiges Derby geben, wenn sich die beiden Teams in der ersten Liga duellieren. Also in der kommenden Spielzeit. Bis dahin werden Berliner Derbies nicht unbedingt mein Thema sein.

Ja. Dann schreibe ich doch lieber etwas über Innerberliner Verhältnisse. Allerdings kann ich auf Grund meines noch recht überschaubaren Alters wenig bis gar nichts mit dem ganzen Nostalgie-Gedöns anfangen, der vor der Wendezeit liegt. Ich weiß, dass es da mal eine Freundschaft zwischen den Eisernen und den Blau-Weißen gegeben haben soll. Heute weiß ich davon allerdings nichts mehr. Ich sehe, höre und lese wenig von dieser Freundschaft, außer dass es sie mal gegeben haben soll. Gott hab’ sie selig, die DDR, die Wende, die Nostalgie und die alte Freundschaft. Sicher war nicht alles schlecht, aber wen interessiert das heute noch?

Wenn ich also etwas über das Verhältnis von Union und Hertha schreibe, dann muss ich einiges vorweg stellen. Neben der oben geschilderten Ignoranz gegenüber der Vergangenheit, bin ich im höchstem Maße subjektiv. Ich schreibe über meine Wahrnehmung und meine Einschätzungen, die ich weder belegen kann noch will und die alle anderen gerne anders sehen dürfen. Nur zu, Widerspruch ist erwünscht.

Wer meine textliche Vergangenheit unter blau-weißer Flagge kennt und wer mein Geschreibe des letzten Jahres zur Kenntnis genommen hat, weiß sicherlich, dass ich der alten Dame und ihren Fans recht kritisch gegenüber stehe. Ich stehe zu ihr. Keine Frage. Aber ich mache sicherlich nicht alles mit und schreibe das dann auch. Soviel zur Vorrede.

Seit einem Jahr nun spielt da ein Berliner Vorort-Verein in der zweiten Liga und man kann ihn irgendwie nicht mehr ignorieren. So denken viele Nicht-Eiserne über Union. Immerhin spielen sie zweite Liga. Das ist zwar noch nicht Europapokal, aber auch nicht ganz unbedeutend. Nach dem Abstieg der Hertha kommt man um die Unioner endgültig nicht mehr herum. So wie man den jüngeren Bruder eben auch nicht ständig ignorieren kann. Er gehört dazu, ob man will oder nicht.

Sie sind ja auch irgendwie putzelig. Diese ehrlich arbeitenden Ossis. Da bauen sie auf HartzIV-Kostenstelle ihr Stadion in Handarbeit um. So denken die meisten blau-weißen Wessis, die sich ihr Stadion einfach direkt von der Stadt haben aufmotzen lassen. Das Reflexionsniveau unter Fußball-Fans scheint grundsätzlich unterdurchschnittnlich zu sein. Denke ich. Macht aber nichts, da lässt es sich einfach besser pöbeln.

Mal davon abgesehen, dass der kleine Nachbar ab und an mit kernigen Sprüchen provozieren möchte, fällt da noch etwas anderes in der Beziehung zwischen Ost-Unionern und West-Herthanern auf. Beide reklamieren ja nur zu gern für sich, der Fußball-Verein für ganz Berlin zu sein. Die kleinen, häßlichen Stiefgeschwister TeBe und Dynamo schreien da zwar immer auf. Aber wen interessiert das schon? Wichtiger ist noch, dass beide – sowohl Hertha als auch Union – es wohl auf absehbare Zeit nicht schaffen werden, der Berliner Gesamtverein zu werden. Und das ist auch gut so, denn Berlin stand immer schon und steht immer noch für Vielfalt.

Noch amüsanter wird es, wenn man sich die eisernen Sticheleien gegen ein leeres Olympiastadion anschaut. Klar, die Kritik und die Hähme sind angebracht. Das Olympiastadion ist doch häufiger zugig, denn euphorisch gefüllt. Allerdings sieht das in der vergleichsweise winzigen Alten Försterei nicht anders aus. Die Zuschauerzahlen der vergangenen Zweitliga-Saison sind nicht unbedingt rühmlich, nicht wahr? (Im Schnitt blieben ein Viertel der Plätze leer). Letztlich sollten beide Vereine bezüglich der Stadionauslastung die Klappe halten. Das wird sonst peinlich, wenn man einmal nach Düsseldorf oder Kaiserslautern schaut…

Aber so ist das halt, wenn groß und klein sich streiten. Hauptsache, der andere steht schlechter da, egal wie blöd man selbst dabei aussieht. Die große alte Dame – quasi die große Schwester des kleinen eisernen Bruders – sie müsste einfach locker bleiben. Kann sie aber nicht. Sie bekommt weitaus mehr Taschengeld, bekommt aber auch als erste Dresche, wenn es nicht so läuft. Schließlich muss sie mehr Verantwortung tragen. Der Kleine dagegen versucht sich immer wieder abzusetzen und anders zu sein, um dadurch aus dem großen Schatten der Schwester heraus zu treten.

Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der eiserne Zwerg aus der Berliner Provinz versucht, den Pauli-Mythos nach Berlin zu kopieren. Klar, die David-vs.-Goliath-Thematik passt. Ebenso ist die alte Dame größtenteils so piefig und bieder wie der HSV. Aber der kleine eiserne David kommt halt aus Köpenick. Und bei allem Respekt gegenüber diesem wunderschönen Stadtteil Berlins: Das ist mal eine ganz andere Hausnummer als der Hamburger Kiez. Sagen wir es so: An Piefigkeit ist der eiserne David zusammen mit der alten Dame ganz vorne mit dabei.

Natürlich mögen die Kenner da die feinen Unterschiede erschnüffeln. Ehemals ostdeutsch-piefiges Kleinbürgertum riecht anders als ehemals westdeutsch-piefiges Kleinbürgertum. Das will ja auch niemand wegdiskutieren und es ist ja sogar schön, dass es an jeder Berliner Ecke anders stinkt. Aber sowohl in ehemals Ost als auch in ehemals West war, ist und bleibt die kleinbürgerlich Piefigkeit. Du bist so wunderschön, Berlin!

Was ich an den Image-Kampagnen der großen Schwester Hertha schon seit Jahren kritisiere, ist ja dieses blind-taube Ignorieren der eigenen Identität. Ich bin mir sicher, dass Hertha sich erfolgreich als Marke etablieren könnte, wenn sie sich mehr auf den ihr eigenen Eck-Kneipen-Mief konzentrieren würde. Niemand mit einer echt blau-weißen Seele interessiert sich für play.berlin oder Aus Berlin. Für Berlin. Vielleicht kann man damit ein paar Brandenburger überzeugen. Aber auch nur vielleicht. Wahrscheinlich nicht.

Spielt sich der kleine eiserne und ebenso piefige David aus Berlin-Köpenick jedoch als alternativer Mainstream-Punk (sic!) auf, wird das nicht weniger peinlich als die blau-weiße Großmannssucht der alten Dame Hertha. An die Lernfähigkeit des Charlottenburger Managements glaube ich nicht mehr. Ich habe mich damit abgefunden, dass die alte Dame in meinem Leben wohl gerne etwas anderes werden möchte als sie bleiben wird und werden könnte. Ein Hoch auf die Schizophrenie!

Für den kleinen eisernen David besteht allerdings noch Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft auch ein paar Herthaner raus zur Alten Försterei fahren, weil man dort noch ein gepflegtes Pils bekommt, das man in piefiger Ruhe unter Gleichgesinnten konsumieren kann. In einer kleinbürgerlich engen Welt, in der der Fußball bleibt was er in seinem Kern ist: Ein netter Zeitvertreib, der einem Orientierung und Sicherheit gibt, für ein Leben, das eh aus viel zu vielen Herausforderungen besteht.

Ich hoffe, dass der kleine eiserne David aus den Fehlern seiner großen Schwester Hertha lernt. Falls nicht, bleiben uns die Derbies in der ersten Liga. In der kommenden Saison. Ich freue mich schon!

Willkommen!

Seit Jahren freue ich mich auf ein Pflichtspiel des 1. FC Wundervoll gegen die Tante aus Charlottenburg. Unerreichbar. Da Olympiastadion und einziger ernstgenommener Fußballbezugspunkt in Berlin. Der Hauptstadtklub eben. Hier die Skandalnudel mit marodem Stadion und einem kleinen aber leidensfähigen Kreis an Anhängern. Da erfolgreich. Hier erfolglos. Die einzige Hoffnung auf ein Aufeinandertreffen war die Losfee für den DFB-Pokal.

Nun wird es also immer klarer. Hertha kommt in die zweite Liga. Für welche Dauer vermag kaum jemand zu beschreiben. Das wird eine Zäsur für den Klub, der auf diesen größten anzunehmenden Unfall nicht vorbereitet war. Aber das ist vielleicht auch eine Chance, wieder zu sich selbst zu finden. Ich freue mich jedenfalls auf die beiden Punktspiele. Und eines davon im Stadion an der Alten Försterei: Willkommen!

Eingefrorenes Bier

„Hinsetzen! Hinsetzen! Hinsetzen!“ schallt es von hinten. Gerade wurde das Spiel angepfiffen und genau eine Viertelstunde vorher die Zuschauer gebeten, sich auf ihre Plätze zu begeben. Die Jungs, die vorher noch eifrig mit ihrer Fahne wedelten, sitzen brav auf ihrem Plastiksitz und harren der Dinge.

Borussia Mönchendgladbach zu Gast im Olympiastadion. Drei Punkte müssen her. Vor dem Stadion werden Aufholjäger-Shirts verkauft. Von Elektrisierung allerdings wenig zu spüren. Der innere Motor möchte einfach nicht anspringen bei diesen niedrigen Temperaturen. Aber mit Anpfiff ist der ganze Ärger über laute Musik, laute Stadionsprecher und laute Werbung dahin, die die Vorfreude auf das Spiel gar nicht erst haben aufkommen lassen. Jetzt wird geklatscht. Jetzt wird gesungen. Und das alles im Stehen. Und zwar bevor der Motor komplett einfriert.

gefrorenes_bier

Ganz oben am Oberring angekommen. Hier meckert keiner mehr, wenn die Zuschauer stehen. Denn da pfeift nur noch der Wind. Und unten versucht die Mannschaft, den Gladbacher Riegel zu knacken, ohne allerdings sich im Gegenzug völlig zu entblößen. Schreien. „Lauf Lutscher!“ – „Zur Grundlinie!“ – „Nun hilf ihm doch mal auf außen!“ Torchancen entstehen. Torchancen werden vergeben. Zufällig herausgespielt. Hier und da eine starke Einzelaktion. Allerdings kaum der Versuch, das Spiel auseinanderzuziehen.

Dingdong. Tor in Bremen. Dingdong. Tor in Nürnberg. Dingdong. Tor in Bochum. Eckballverhältnis wird präsentiert von Schlagmichtot. Dingdong. Swooosh. Die Schussgeschwindigkeit präsentiert von Kackmichzu. Was passiert eigentlich auf dem Feld? Elfmeter. Drobny hält. Der positive Schwung verpufft. Halbzeit. In der Zwischenzeit ist das Bier eingefroren. Schollen treiben auf der Oberfläche. Die Flüssigkeit ist mit Kristallen durchsetzt.

In der zweiten Hälfte beim Spiel auf die Ostkurve wird das Dilemma offenbar. Einige schöne Pässe kommen ob nicht abgestimmter Laufwege nicht an. Und ab Höhe Strafraum wird Richtung Tor abgebogen, anstatt über die Grundlinie den Ball in den Rücken der Abwehr zu spielen. Gladbach will nicht mehr als einen Punkt holen und Hertha fehlt die Idee eines eigenen Spiels.

Und immer wieder dingdong und swooosh. Konzentration auf das Spiel ist schwierig. Zwischendurch werden die Schalker mit Liebesgrüßen bedacht. Warum Schalke? Es geht um Hertha. Und da unten steht Gladbach. Jubel bei Bremer Toren gegen Bayern. Eigentlich momentan in einer anderen Welt. Abstiegskampf – Fehlanzeige. Konzentration aller auf ein Ziel – leider Fehlanzeige. Zu solchen Spielen müsste eigentlich das ganze Stadion die Ostkurve sein. Passend dazu eine Szene in der übervollen S-Bahn danach: Blau-weiße Massen stürzen hinein, hüpfen und schlagen gegen die Scheiben. Sie singen. Zwei Herthaner planen ihre Reise nach Lissabon. Plötzlich schreit der eine: “Könnt ihr mal ruhig sein alle!” Um sich danach etwas ruhiger aber verachtungsvoll über die “Erfolgsfans” aufzuregen. Auf Platz 18. Der Abstiegskampf ist wirklich noch nicht überall angekommen.

Teve016 – Derbyzeit

Das Kribbeln fängt langsam an. Nicht das Kribbeln vor Beginn der Rückrunde. Das wird aufgrund der kurzen Pause sicherlich gar nicht erst kommen. Das Kribbeln vor dem Derby

Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits im letzten Sommer bei der Neueröffnung des Stadions an der Alten Försterei. Zum neuen Jahr spielten nun in der Max-Schmeling-Halle sechs “Traditionsmannschaften” ein kleines Hallenturnier. Es waren nicht Traditionsmannschaften im herkömmlichen Sinne sondern mit mehr oder weniger zugkräftigen ehemaligen Spielern besetzte Teams.

Abgesehen vom Wiedersehen mit ehemaligen Unionern wie Mike Rietpietsch oder Mirko Votava elektrisierte vor über 6.000 Zuschauern vor allem ein Spiel: 1. FC Union Berlin – Hertha BSC. Beide Fanlager standen sich in der Halle genau gegenüber. Und der Austausch von Nettigkeiten ging während des Spiels auch vonstatten. Dem “Scheiß Union!” wurde von der anderen Seite mit “Absteiger!” gekontert und die Herthaner veränderten zum Finaleinzug ureigenstes Köpenicker Liedgut und sangen “Siehst Du Union, so wird das gemacht!”. Die marktschreierische Hermeshousebandisierung durch den Hallensprecher hätte es bei dieser Ansetzung sicherlich nicht gebraucht.

Es war eine Spaßveranstaltung. Auch als kurz vor Schluss der Partie ein (angezogener) blau-weißer Flitzer über den Kunstrasen lief. Er konnte sich zwar Sebastian Bönig und den Ordnern entziehen, wurde aber von einem Zuschauer mit rot-weißem Schal gestoppt.

Der 1. FC Wundervoll beendete das Turnier mit einem guten dritten Gruppenplatz und Hertha zog sieglos ins Finale ein. Alles wie gehabt. Sollte die alte Dame in der nächsten Saison der zweiten Liga einen Besuch abstatten, gäbe es bestimmt zwei großartige Spiele in Berlin – die ersten Pflichtspiele gegeneinander. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Wuhle und Spree hinunter. Und ein Aufeinandertreffen in Liga zwei muss eigentlich nicht sein.

On Air:

Keine Episode mehr verpassen!

Warme Gedanken

Die Kälte und der für den Monat Dezember völlig untypische Schnee haben Berlin im Griff. Trotzdem mehr als 15.000 Zuschauer im Stadion. Die singen und tanzen die Kälte weg. Zumindest die Gedanken daran. In einer unbeheizten S-Bahn geht das nicht. Dafür gab Präsident Dirk Zingler dem Tagesspiegel ein (mal wieder) bemerkenswertes Interview und wärmte damit dem geneigten Unioner das Herz. Schon allein die Antwort auf die zu erwartende Olympiastadionfrage hat bei mir einen festen Platz unter dem Weihnachtsbaum gebucht.

Sie könnten Ihre wirtschaftliche Lage verbessern, wenn Sie nächstes Jahr Ihre Heimspiele gegen Hertha in der Zweiten Liga im Olympiastadion austragen.

Mir fällt nichts ein, was uns ins Olympiastadion bringen könnte, außer das DFB-Pokalendspiel.