“Ich bin lieber Kapitän auf einem kleineren Schiff als auf einem Riesenschiff die Nummer 2 oder 3 zum Bälletragen”

Nach diesem wahnsinnigen Erlebnis mit dem 2:2 in letzter Minute Hamburg muss man vielleicht wirklich kurz einen Schritt zurücktreten und sich noch einmal selbst vergegenwärtigen, was wir da alle erlebt haben. Genauso wie es dieser Tweet von Union in Englisch macht: Im riesigen WM-Stadion eines ehemaligen Bundesligisten stehen und zu sehen, wie Union tatsächlich eine Chance hat, das Spiel zu gewinnen. Während man vor noch gar nicht allzu langer Zeit auf den schiefen Stufen bei Falkensee-Finkenkrug stand, die jetzt in der 5. Liga spielen. Demut ist vielleicht das richtige Wort dafür. Und es dürfte noch einmal der Hinweis sein, nicht alles, was rund um Union passiert, als selbstverständlich hinzunehmen. Auch wenn die Dichte an sportlichen Highlights (siehe die Pokalauftritte gegen Bundesligisten) uns langsam aber sicher anzeigt, dass Union leistungsmäßig immer näher nach oben kommt.

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#353 – Und dann Bierdusche. Abpfiff. Schalala.

Union kann einfach nicht verlieren. Auch nicht beim HSV, wo es am Ende 2:2 stand. Wir sprechen über das Spiel und Spieler, die in Form sind. und andere, die es nicht sind. Außerdem muss kurz vor der Mitgliederversammlung auch mal gemeckert werden. Und wir haben ein neues Podcast-Format an den Start gebracht.

Jubel nach Suleiman Abdullahis spätem Tor zum 2:2, Foto: Matze Koch

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Von wegen das Weihnachtssingen ist nur für Eventies … In nur 8 Stunden wurden alle Tickets an Mitglieder verkauft

Was ich im Vorfeld über das Weihnachtssingen höre und lese: “Früher da war es noch gemütlich”, “Jetzt sind hier überall Eventies”, “Das ist nichts mehr für die Unioner, die auch damals gegen Falkensee/Finkenkrug …”, “Ich gehe da nicht mehr hin, weil …”, “Die echten Unioner haben gar keine Chance mehr auf Karten.” Ihr kennt das sicher auch. Wenn ich jetzt ein bisschen Zeit hätte, könnte ich uns eine ganze Bingo-Karte damit bauen. Worauf ich aber hinaus will: Manche Stimmen sind lauter als andere. Nämlich die Stimmen, die sich beschweren, die meckern und motzen. Die leisen Stimmen nehmen wir häufig nicht wahr.

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Union verliert wieder ein Talent

Union legt gleich mit dem Training los und setzt mich mit meiner Morgenroutine erheblich unter Druck. Hier der Kaffee für die Kollegen Sportjournalisten am Trainingsplatz:

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Teve180 – Uwe Seeler macht sich Sorgen um den Union-Aufstieg

1:1 ist mittlerweile das Standardergebnis von Union. Zum vierten Mal in den sieben Spielen dieses Jahres endet eine Partie so. Auch die gegen Paderborn. Wir diskutieren schon die nächste Saison und fragen uns, wie denn der nächste Schritt aussieht. Dabei hilft uns als Gast Florian vom HSV-Podcast Rautenradio. Und das, obwohl er keine Ahnung von Auf- und Abstiegen hat.

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Der letzte Arbeiterverein

Eine kleine Anekdote gleich zu Beginn: Der haushoch favorisierte Hamburger SV verteilte 1982 bereits vor Beginn des entscheidenden UEFA-Pokalfinalspiels Wimpel mit dem Aufdruck „UEFA Pokal-Sieger 1982 Hamburger Sportverein“ an die Fans im Hamburger Volksparkstadion. Als Sven-Göran Eriksson, Trainer des zweiten Finalisten IFK Göteborg, dies bemerkte, besorgte er ein Exemplar des Wimpels, hängte es vor dem Spiel mitten in die Kabine seiner Mannschaft – und verließ sodann ohne ein weiteres Wort den Raum.

„Fotbollens sista proletärer“, zu Deutsch etwa „Die letzten Proletarier des Fußballs“ ist die vierte und gleichzeitig letzte Dokumentation, die ich mir auf dem diesjährigen 11mm Festival angesehen habe. Es geht um die erfolgreiche Zeit des IFK Göteborg in den 80er Jahren. Das Wort Proletarier im Filmtitel ist übrigens wörtlich gemeint: Die Spieler des IFK waren allesamt Amateure. Tagsüber an den Werkbänken in den Werften, am Herd in Restaurants oder an Verkaufsständen beschäftigt, trafen sich die Spieler nachmittags zum Training und am Wochenende zum Spiel. Heutzutage im internationalen Spielbetrieb undenkbar, war dieses Modell allerdings auch zum damaligen Zeitpunkt alles andere als gewöhnlich. Zwar war die Kommerzialisierung des Fußballs bei weitem noch nicht so weit fortgeschritten wie heute, Vereine wie Real Madrid und der FC Barcelona, Internazionale und Juventus warfen allerdings auch damals schon mit Millionenbeträgen um sich, um Ensembles aus den weltbesten Spielern zusammenzustellen. Die Spieler des IFK Göteborg spielten damals nicht für großes Geld, das hätte sich ihr Verein, chronisch pleite und immer an der Grenze zur Zahlungsunfähigkeit, auch nicht leisten können. Sie spielten für die Gehälter normaler Arbeiter und Angestellter. Nicht zuletzt spielten sie auch, um die Großen des Weltfußballs ein wenig zu ärgern. Das ist Ihnen gelungen.

Die Leistungen der semiprofessionellen Spieler, welche sich im UEFA-Pokal gegen Teams wie Dinamo Bukarest, FC Valencia oder Kaiserslautern durchsetzen konnten, sind aller Ehren wert. Warum der HSV in den Endspielen (das Finale wurde damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen) dann immer noch überheblich von einem Spaziergang zum Titel ausging, ist unklar. Vermutlich waren die Hamburger noch im Siegestaumel der kurz zuvor errungenen deutschen Meisterschaft. Der Underdog gewann das entscheidende Rückspiel deutlich mit 3:0.

Nur wenige Jahre später hatten die schwedischen Amateur-Kicker dann die Chance, einen noch größeren Coup als den UEFA-Pokalsieg zu landen. Nach einem 3:0 Hinspiel-Sieg über den FC Barcelona, verlor Göteborg in einem dramatischen Rückspiel im Camp Nou jedoch das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister 1986 im Elfmeterschießen. So traumatisch die Niederlage gegen Barcelona auch gewesen sein mag, im Film ausgesprochene Verdächtigungen, Barcelona hätte versucht, die Göteborger Spieler zu vergiften, erscheinen dann doch überflüssig. Auch die Charakterisierung der Hamburger als überhart und höchst unsportlich hinterlässt unnötigerweise einen leicht faden Beigeschmack.

Die Dokumentation stellt den sportlichen Teil auf interessante Weise dem politischen Klima gegenüber. Sportler ohne Starallüren und astronomische Gehälter, Politiker, die ohne Bodyguards abends ins Kino gingen, Bildung und gleiche Chancen für alle, so sah für eine kurze Momentaufnahme die Lebenswirklichkeit im Schweden der 80er Jahre aus – bevor der Mord an Ministerpräsident Olof Palme und die wirtschaftliche Globalisierung den schwedischen Weg abbremsten. In den folgenden Jahren sollten auch immer mehr Spieler dem Lockruf des Geldes folgen. Abgänge in Richtung der Top-Adressen in Spanien, Italien und Deutschland waren an der Tagesordnung.

„Fotbollens sista proletärer“ erzählt die Geschichte des letzten erfolgreichen Arbeitervereins – bei dem die Arbeiter nicht nur auf den Tribünen, sondern auch auf dem Rasen standen. Welcher Fußballfan bekommt bei dieser Vorstellung keine leuchtenden Augen?