Die Zukunft von Union

Die U19 hat gestern im Stadion 3-0 gegen Halle gewonnen, und braucht nun noch einen Punkt in Magdeburg um in die Bundesliga aufzusteigen. Die Bedeutung eines Aufstiegs lässt sich auch daran messen, dass in der letzten Saison außer Union nur Darmstadt in der ersten und Heidenheim, Sandhausen, Aue und Würzburg in der zweiten Liga mit ihren U19 nicht in einer der drei 14-er Bundesligastaffeln vertreten waren. Das ist eher keine langfristig tragbare Situation.
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Über das Verlesen vorgefertigter Erklärungen.

Man wolle gemeinsam “eine gute Saison erleben”, begann Sandhausens Kapitän Frank Löning seine Rede im heimischen Hartwaldstadion beim Spiel gegen den 1. FC Union und hatte zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit des Publikums sicherlich noch auf seiner Seite. Der Text ging aber weiter.

Dabei haben wir alle – Spieler, Trainer, Fans, Clubs aber auch Sponsoren und Medien eine Vorbildfunktion. Millionen sehen an jedem Wochenende die Leistungen der Teams und sind fasziniert von der Stimmung in den Stadien. Dazu gehören Leidenschaft, Emotionen und Stehplätze. Als Kapitän des SV Sandhausen spreche ich für meine Mannschaft und unseren Klub. Helft mit, diese Werte, die die Bundesliga so einzigartig machen, zu erhalten. Es gibt aber auch Dinge, die in unseren Stadien nichts zu suchen haben. Wir stellen uns klar gegen Rassismus, gegen Diskriminierung, gegen Gewalt und auch gegen Böller, Rauchbomben und Bengalos. Unterstützt den Fußball mit fairen und legalen Mitteln! Damit helft Ihr uns. Wir zählen auf Euch und hoffen auf eine erfolgreiche Saison. Vielen Dank!

Schnell ließ sich feststellen, dass ein nahezu identischer Wortlaut über den gesamten Spieltag hinweg jeweils von den Kapitänen der Heimmannschaft der ersten drei Ligen verlesen wurde. Die Bezugnahme auf den Verhaltenskodex aus der Sicherheitskonferenz “Für Fußball. Gegen Gewalt.” ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich ist die Tatsache, dass die DFL bestrebt bleibt, ohne Dialog an den Fans vorbei zu agieren, um ihre Wertvorstellungen durchzusetzen. Von oben herab, und unter Androhung von Zwang. Oder bin ich die einzige, die zwischen den Zeilen liest: “Stehplätze bleiben euch nur dann erhalten, wenn ihr gegen Pyrotechnik vorgeht”? Fühle nur ich mich gewissermaßen erpresst, obwohl ich niemals auch nur mit Streichhölzern oder Wunderkerzen hantiere? Soll ich Nebenmann und Nebenfrau verpetzen, um meinen Stehplatz zu erhalten? Wie um Himmelswillen kann man Rassismus und Pyrotechnik gleichsetzen?

Die Vereine sind in der Zwickmühle. Sie können so wie Sandhausen diese Erklärung verlesen, ernstgemeint oder emotionslos. Sie können sich einigermaßen sicher sein, dass im Stadion wenig davon zu verstehen sein wird, weil Fußballfans ihre eigene Meinung dazu vertreten. In Hamburg war das der Fall, in Frankfurt ebenso wie im Berliner Olympiastadion. Die Erklärung vereint die Fans auf eine Weise, die von der DFL so vermutlich nicht beabsichtigt war.

Es ist den Vereinen nicht verboten, eine eigene Erklärung abzusetzen. “Lasst uns auf Bengalos verzichten, damit wir immer alle zusammen stehen können” hieß es etwa in Frankfurt anlässlich des Ausschlusses eines Teils des Heimpublikums.

Man kann sich darüber streiten, wie sinnvoll es überhaupt ist, in den Minuten vor dem Anpfiff eines Fußballspiels derartige Erklärungen abzugeben. (So geschehen in unserer Küche.) Wahrscheinlich ist, dass sie ungehört verpuffen. Wo das nicht der Fall ist, wünsche ich mir von den Vereinen: Seid Vorbilder! Wenn ihr etwas sagen müsst, lasst es nichts haarsträubend Dummes sein. Fußballfans sind nicht nur überwiegend keine Verbrecher, sondern meistens auch keine Idioten.
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Über allen Gipfeln Ist Ruh’

Theo Zwanziger hat sich als DFB-Präsident das eine oder andere Mal für sein Krisenmanagement kritisieren lassen müssen. Zuletzt im Fall Amerell/Kempter. Anschauungsunterricht für den Politikstil Merkel bekam er vom ehemaligen Kanzleramtsminister und heutigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Auf Einladung des Ministers kamen am 23. April viele Vertreter ins Innenministerium, deren Aufzählung mit Titeln eine Reminiszenz an das Neue Deutschland und andere DDR-Zeitungen wäre. Neben dem Gastgeber und Theo Zwanziger, nahmen  unter anderem teil:

  • Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Innenministerkonferenz,
  • Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes
  • Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung
  • Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB
  • Jürgen Schubert, Inspekteur der Bereitschaftspolizei der Länder
  • Klaus Schlie, Vorsitzender der Sportministerkonferenz

Damit waren in Berlin tatsächlich alle versammelt, die etwas zum Thema zu sagen gehabt hätten (Gesamte Liste aller Teilnehmer). Natürlich ist das Fehlen der medial am stärksten wahrgenommen Gruppen, die Polizeigewerkschaften und die Fangruppierungen, ein Kritikpunkt der augenfällig ist. Zur Entkräftung wird auf die Teilnahme der Koordinationstelle Fanprojekte verwiesen, die allerdings keine Interessenvertretung von Fans ist, sondern hauptberuflich im Rahmen von Fanprojekten mit Fans arbeitet und zum Thema Fanarbeit berät, wie Michael Gabriel von der Koordinationsstelle auf Anfrage erklärt. Ob eine Teilnahme von Vertretern der Ultragruppierungen oder der Polizeigewerkschaften Sinn gehabt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings ist ein Runder Tisch nicht rund, wenn die betroffenen Gruppen nicht ausgewogen und gleichberechtigt daran teilhaben können.

Ebenso wichtig wie die Teilnehmerliste eines Runden Tisches ist auch der Gesprächsinhalt. Während allerdings bei den Runden Tischen in der Wendezeit noch um Inhalte und die Verteilung von Macht gerungen wurde, kann man sich in der Nachbetrachtung des Runden Tisches zum Thema “Fußball und Gewalt” des Eindrucks nicht erwehren, dass es nur um den Austausch von Grußadressen und Worthülsen ging.

Thomas de Maizière:

Fußball ist ein großes Spiel und hat eine erhebliche Bedeutung in unserer Gesellschaft. Wir möchten uns miteinander verständigen und anstrengen, damit der Fußball weiterhin eine der größten Integrationskräfte unserer Gesellschaft bleibt. […] Nutzen wir diese Botschaft heute – über den Fußball hinaus – gerade mit Blick auf den bevorstehenden 1. Mai als Aufruf an die ganze Gesellschaft: Schluss mit Gewalt! Das sollte heute unsere Botschaft sein.

Diskussionen? Streit? Differenzen? – Fehlanzeige! Stattdessen wird die anberaumte Pressekonferenz in den Saal der Bundespressekonferenz verlegt und erläutert, dass DFB und DFL den anderen Vertretern einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt hätten. Nähere Auskünfte,  was der Zehn-Punkte-Plan genau beinhaltet und wie die Reaktionen von staatlicher Seite darauf ausfielen, waren nicht zu erhalten. Sowohl der DFB als auch das Bundesinnenministerium verweisen in Anfragen auf den Initiator des Planes, den Ligaverband DFL. Von der DFL kommt der Hinweis auf die Pressemitteilung vom 19. April, die “sicher eindeutig genug” sei. Davon abgesehen, dass die Mitteilung der DFL vier Tage vor dem Runden Tisch veröffentlicht wurde, bleibt sie inhaltlich auch im Vagen. Zusätzlich bittet die DFL bei der Nachfrage nach Details des Zehn-Punkte-Plans um Verständnis: “[…] es wäre sicherlich nicht seriös, wenn wir vor Abschluß der Verschriftlichung unserer Beratungen voreilig und einseitig Stellung beziehen würden.” Wozu dann eine Pressekonferenz im Anschluss an den Runden Tisch anberaumt wurde, ist dann mehr als fraglich.

Einige Punkte lassen sich in den verschiedenen Pressemitteilungen identifizieren. Allerdings sind diese sehr allgemein gehalten:

  • Ab 2011 verzichtet die DFL auf die Austragung von Spielen um den 1. Mai. Für die darunter liegenden Ligen solle eine sorgfältige Prüfung der Spielansetzung stattfinden.
  • In den Vereinen sollen ein hauptamtlicher Fanbeauftragter und ein hauptamtlicher Sicherheitsbeauftragter eingestellt werden. Für die Vereine im DFL-Bereich ist das heute oft schon Realität. Ob das für andere Ligen auch gilt, ist unklar. Allerdings haben bereits jetzt schon Vereine in den Regionalligen Probleme, den vorgeschriebenen Sportdirektorenposten zu besetzen.
  • Intensivierung der präventiven Arbeit, wobei die Fanprojekte einen besonderen Stellenwert einnehmen würden. Auch hier fehlt jegliche Erläuterung der Phrase, die sicherlich jeder so unterschreiben würde. Wenn es allerdings um die Finanzierung der Fanprojekte geht, wird man sehen , was den Vertretern der Vereine, Verbände, Kommunen und Länder diese Arbeit wert ist.
  • Verbesserung der Kommunikationswege zwischen allen beteiligten Parteien. Noch eine Phrase, die erst mit Inhalt gefüllt werden muss.
  • Qualifizierungsoffensive. Dies kann sowohl Ordner als auch die eingesetzten Beamten betreffen. Was gemeint ist, wurde nicht erklärt.
  • Kontinuierlicher Dialog aller Beteiligten – vor allem von Fans und Polizei – unter Moderation der Liga. Ein interessanter Punkt, der allerdings wiederum durch PR-Sprech weichgespült und von jeglichem Inhalt befreit wurde.
  • Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen für die Ächtung von Gewalt durch die DFL. Ob das mehr als ein bloßes Bannertragen von Profifußballern und das Verteilen von Klatschpappen sein wird, bleibt abzuwarten. Ebenso fraglich ist der Effekt solcher plakativen Aktionen.
  • Durchführung einer Studie zu den bisherigen Sicherheitsmaßnahmen durch die TU Darmstadt. Damit ist sicher auch die Evaluation der “Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen” gemeint. Wann diese Studie fertig sein soll und wer daran beteiligt sein wird, wurde nicht bekannt.

Wenn der vage Inhalt des Maßnahmenpaketes bereits einige Tage vorher von der DFL, die von allen Beteiligten als federführend bezeichnet wird, veröffentlicht wird und nach dem Runden Tisch niemand etwas Konkretes dazu sagen möchte, lässt das vermuten, dass es nur um den Showeffekt ging. Bekannt ist das Prozedere bereits von den vielen Gipfeln, die vor allem unter der Kanzlerin Angela Merkel zum anerkannten Politikstil wurden. Bei öffentlichkeitswirksamen Themen wird zu einem Gipfeltreffen geladen. Dort werden gegenseitige Absichtserklärungen postliert und am Ende gibt es die passenden immergleichen Gipfelbilder. Inhaltlich bleibt es allerdings weiter nebulös und allgemein. Das macht es schwierig, die verfassten Ziele überprüfen zu können. Was der DFB-Präsident womöglich für sein persönliches Krisenmanagement vom Runden Tisch mitgenommen hat, wird man sehen, wenn er demnächst auch zu Gipfeln in die DFB-Zentrale nach Frankfurt einlädt.

Mehr zum Thema: Presseschau zum Runden Tisch (Koordinationsstelle Fanprojekte)