Maxi Thiel hat endlich seine Verletzungsseuche überwunden

Die beste Nachricht des gestrigen Tages überbrachte gestern Maxi Thiel, der auf Facebook selbst die Frage beantwortete, ab wann er wieder mit der Mannschaft trainieren würde:

Facebook: Maxi Thiel

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Hundert Fußballpostkarten.

Gestern wurde in der Bar Babette die Ausstellung “100 Spiele – 100 Fotos” eröffnet. Der Fotograf Ian Stenhouse hat in einem Jahr einhundert Fußballspiele in und um Berlin besucht und fotografiert. Die Bilder sind postkartengroß, und manche davon möchte man am liebsten gleich mitnehmen.

Vernissage, Foto: Stefanie Lamm

Natürlich sind die beiden großen Vereine dabei. Aber mit der gleichen Sorgfalt, mit der er Union und Hertha behandelt, hat Ian sich den kleineren und ganz kleinen Clubs gewidmet. Entstanden ist ein Spektrum, das sich am ehesten der Fußball-Woche vergleichen lässt. Viktoria 89, 1.FC Neukölln, Kickers Hirschgarten, Rotation Prenzlauer Berg, VfB Einheit zu Pankow, SV Norden-Nordwest 98 – er hat überall Szenen gefunden, die ihn interessiert haben.

Ian fotografiert für das englischsprachige Fußballmagazin No Dice. Obwohl Fußball sein Thema ist, betreibt er keine klassische Sportfotografie. Auf das Teleobjektiv hat Ian bewusst verzichtet, sagt er. Fußball braucht Raum, das sieht er ähnlich wie Hans van der Meer, den er sehr bewundert. Wenn der Fotograf eine Nahaufnahme haben möchte, muss er dichter ran gehen.


Ian Stenhouse, Foto: Stefanie Lamm

Folgerichtig sind Ians Fußballspieler nicht ins heldenhafte überhöht, sondern stinknormale Jungs in Sportklamotten. Es gibt eine Serie über Schiedsrichter, die entwaffnend unsportlich aussehen. Ian zeigt alle Arten von Fans, auch die unspektakulären, die nur zu fünft sind, und trotzdem begeistert. Manchmal ist auch die Eckfahne die Hauptperson, oder das tief ausgeschnittene Shirt der Frau am Spielfeldrand.

Ian stammt aus dem Grafikbereich, und das sieht man seinen Fotos an. Die Farben leuchten so unwirklich wie Technicolor. Alte Postkarten, von Hand koloriert, haben ihn dazu inspiriert, erzählt er. Er vermittelt dennoch ein sehr reales Bild des Amateurfußballs. “The real thing”, wie er meint. Groß ist die Freude, wenn sich Anklänge davon auch noch im Profibereich wiederfinden.

Die Ausstellung läuft vom 5. Juni – 1. Juli 2012 in der Bar Babette, Karl-Marx-Allee 36, täglich geöffnet ab 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Fotografien kann man kaufen. Eine kleine Auswahl findet ihr auch im Netz.

Aktion Libero

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.


Über allen Gipfeln Ist Ruh’

Theo Zwanziger hat sich als DFB-Präsident das eine oder andere Mal für sein Krisenmanagement kritisieren lassen müssen. Zuletzt im Fall Amerell/Kempter. Anschauungsunterricht für den Politikstil Merkel bekam er vom ehemaligen Kanzleramtsminister und heutigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Auf Einladung des Ministers kamen am 23. April viele Vertreter ins Innenministerium, deren Aufzählung mit Titeln eine Reminiszenz an das Neue Deutschland und andere DDR-Zeitungen wäre. Neben dem Gastgeber und Theo Zwanziger, nahmen  unter anderem teil:

  • Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Innenministerkonferenz,
  • Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes
  • Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung
  • Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB
  • Jürgen Schubert, Inspekteur der Bereitschaftspolizei der Länder
  • Klaus Schlie, Vorsitzender der Sportministerkonferenz

Damit waren in Berlin tatsächlich alle versammelt, die etwas zum Thema zu sagen gehabt hätten (Gesamte Liste aller Teilnehmer). Natürlich ist das Fehlen der medial am stärksten wahrgenommen Gruppen, die Polizeigewerkschaften und die Fangruppierungen, ein Kritikpunkt der augenfällig ist. Zur Entkräftung wird auf die Teilnahme der Koordinationstelle Fanprojekte verwiesen, die allerdings keine Interessenvertretung von Fans ist, sondern hauptberuflich im Rahmen von Fanprojekten mit Fans arbeitet und zum Thema Fanarbeit berät, wie Michael Gabriel von der Koordinationsstelle auf Anfrage erklärt. Ob eine Teilnahme von Vertretern der Ultragruppierungen oder der Polizeigewerkschaften Sinn gehabt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings ist ein Runder Tisch nicht rund, wenn die betroffenen Gruppen nicht ausgewogen und gleichberechtigt daran teilhaben können.

Ebenso wichtig wie die Teilnehmerliste eines Runden Tisches ist auch der Gesprächsinhalt. Während allerdings bei den Runden Tischen in der Wendezeit noch um Inhalte und die Verteilung von Macht gerungen wurde, kann man sich in der Nachbetrachtung des Runden Tisches zum Thema “Fußball und Gewalt” des Eindrucks nicht erwehren, dass es nur um den Austausch von Grußadressen und Worthülsen ging.

Thomas de Maizière:

Fußball ist ein großes Spiel und hat eine erhebliche Bedeutung in unserer Gesellschaft. Wir möchten uns miteinander verständigen und anstrengen, damit der Fußball weiterhin eine der größten Integrationskräfte unserer Gesellschaft bleibt. […] Nutzen wir diese Botschaft heute – über den Fußball hinaus – gerade mit Blick auf den bevorstehenden 1. Mai als Aufruf an die ganze Gesellschaft: Schluss mit Gewalt! Das sollte heute unsere Botschaft sein.

Diskussionen? Streit? Differenzen? – Fehlanzeige! Stattdessen wird die anberaumte Pressekonferenz in den Saal der Bundespressekonferenz verlegt und erläutert, dass DFB und DFL den anderen Vertretern einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt hätten. Nähere Auskünfte,  was der Zehn-Punkte-Plan genau beinhaltet und wie die Reaktionen von staatlicher Seite darauf ausfielen, waren nicht zu erhalten. Sowohl der DFB als auch das Bundesinnenministerium verweisen in Anfragen auf den Initiator des Planes, den Ligaverband DFL. Von der DFL kommt der Hinweis auf die Pressemitteilung vom 19. April, die “sicher eindeutig genug” sei. Davon abgesehen, dass die Mitteilung der DFL vier Tage vor dem Runden Tisch veröffentlicht wurde, bleibt sie inhaltlich auch im Vagen. Zusätzlich bittet die DFL bei der Nachfrage nach Details des Zehn-Punkte-Plans um Verständnis: “[…] es wäre sicherlich nicht seriös, wenn wir vor Abschluß der Verschriftlichung unserer Beratungen voreilig und einseitig Stellung beziehen würden.” Wozu dann eine Pressekonferenz im Anschluss an den Runden Tisch anberaumt wurde, ist dann mehr als fraglich.

Einige Punkte lassen sich in den verschiedenen Pressemitteilungen identifizieren. Allerdings sind diese sehr allgemein gehalten:

  • Ab 2011 verzichtet die DFL auf die Austragung von Spielen um den 1. Mai. Für die darunter liegenden Ligen solle eine sorgfältige Prüfung der Spielansetzung stattfinden.
  • In den Vereinen sollen ein hauptamtlicher Fanbeauftragter und ein hauptamtlicher Sicherheitsbeauftragter eingestellt werden. Für die Vereine im DFL-Bereich ist das heute oft schon Realität. Ob das für andere Ligen auch gilt, ist unklar. Allerdings haben bereits jetzt schon Vereine in den Regionalligen Probleme, den vorgeschriebenen Sportdirektorenposten zu besetzen.
  • Intensivierung der präventiven Arbeit, wobei die Fanprojekte einen besonderen Stellenwert einnehmen würden. Auch hier fehlt jegliche Erläuterung der Phrase, die sicherlich jeder so unterschreiben würde. Wenn es allerdings um die Finanzierung der Fanprojekte geht, wird man sehen , was den Vertretern der Vereine, Verbände, Kommunen und Länder diese Arbeit wert ist.
  • Verbesserung der Kommunikationswege zwischen allen beteiligten Parteien. Noch eine Phrase, die erst mit Inhalt gefüllt werden muss.
  • Qualifizierungsoffensive. Dies kann sowohl Ordner als auch die eingesetzten Beamten betreffen. Was gemeint ist, wurde nicht erklärt.
  • Kontinuierlicher Dialog aller Beteiligten – vor allem von Fans und Polizei – unter Moderation der Liga. Ein interessanter Punkt, der allerdings wiederum durch PR-Sprech weichgespült und von jeglichem Inhalt befreit wurde.
  • Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen für die Ächtung von Gewalt durch die DFL. Ob das mehr als ein bloßes Bannertragen von Profifußballern und das Verteilen von Klatschpappen sein wird, bleibt abzuwarten. Ebenso fraglich ist der Effekt solcher plakativen Aktionen.
  • Durchführung einer Studie zu den bisherigen Sicherheitsmaßnahmen durch die TU Darmstadt. Damit ist sicher auch die Evaluation der “Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen” gemeint. Wann diese Studie fertig sein soll und wer daran beteiligt sein wird, wurde nicht bekannt.

Wenn der vage Inhalt des Maßnahmenpaketes bereits einige Tage vorher von der DFL, die von allen Beteiligten als federführend bezeichnet wird, veröffentlicht wird und nach dem Runden Tisch niemand etwas Konkretes dazu sagen möchte, lässt das vermuten, dass es nur um den Showeffekt ging. Bekannt ist das Prozedere bereits von den vielen Gipfeln, die vor allem unter der Kanzlerin Angela Merkel zum anerkannten Politikstil wurden. Bei öffentlichkeitswirksamen Themen wird zu einem Gipfeltreffen geladen. Dort werden gegenseitige Absichtserklärungen postliert und am Ende gibt es die passenden immergleichen Gipfelbilder. Inhaltlich bleibt es allerdings weiter nebulös und allgemein. Das macht es schwierig, die verfassten Ziele überprüfen zu können. Was der DFB-Präsident womöglich für sein persönliches Krisenmanagement vom Runden Tisch mitgenommen hat, wird man sehen, wenn er demnächst auch zu Gipfeln in die DFB-Zentrale nach Frankfurt einlädt.

Mehr zum Thema: Presseschau zum Runden Tisch (Koordinationsstelle Fanprojekte)

Inventur.

Über Aljoscha Pauses “Tabubruch – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball” ist bereits alles Nötige gesagt und geschrieben worden – dem ist rein gar nichts entgegen zu setzen.  Die Reportage ist genau so gut wie alle sagen und wurde kürzlich mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Gestern war sie zudem Ausgangspunkt des Filmgesprächs bei 11mm.

Mehr noch als die Suche nach neuen Wegen im Umgang mit Homosexualität im Fußball ist der Film eine Bestandsaufnahme, eine Dokumentation des Ist-Zustands. Wie würdest Du persönlich auf ein Outing reagieren? Dabei beschränkt sich Aljoscha Pause nicht auf Deutschland, er befragt Spieler, Trainer, Fans und Medienschaffende auch in Holland, Italien,  Brasilien und wagt den Vergleich.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wo genau der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit verläuft. Es hat sich herumgesprochen: Diskriminierung ist dem Ansehen abträglich. Dass die Moderatorin des Abends, Gudrun Fertig vom Berliner Stadtmagazin “Siegessäule”, in diesem Kontext  Christoph Daum eine “Speerspitze der Homosexuellenbewegung” nennt, wird mit Gelächter quittiert und ist trotzdem wahr.  Zur Erinnerung:

Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegentreten, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen.

Instinktiv distanziert sich nahezu jeder von Daums Äußerungen. Man gibt sich eingeschränkt weltoffen: Es betrifft mich zwar nicht, und ich kenne auch niemanden, aber wenn sich jemand anders outete, fände ich es nicht so schlimm. Dem Sinn nach ist das die in Aljoscha Pauses Film am häufigsten geäußerte Ansicht, und weiter weg von Daum schaffts kaum jemand.

Man müsse fragen, setzt Gerd Dembowski den Gedanken fort, welche Haltung hinter dieser vermeintlichen Offenheit steht. Bleibt es Lippenbekenntnis oder resultiert daraus ein Verhalten? “Scheinmodernisierte Maskulinität” nennt er die aufgesetzte Lockerheit, die ihre Ursache oft in wirtschaftlichen Erwägungen habe.

Wäre Marcus Urban noch Berufsfußballspieler, hätte er sich nicht geoutet, sagt er, und auch, dass er niemandem dazu raten kann.

Ein neuer Weg ist vielleicht in Sicht, aber jedenfalls noch nicht beschritten. Ein Etappenziel muss es aber sein, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, im Bewusstsein zu verankern und das Gespräch darüber zu ermöglichen. Das ist Aljoscha Pause in hervorragender Weise gelungen.

Jetzt reden die Fußballblogger

Doppelpass geht seit dem Abgang von Rudi Brückner nicht mehr. Sendungen mit Waldemar Hartmann sind spätestens nicht mehr ernstzunehmen, seit er seine eigene Karikatur spielt. Und die weichgespülten PromotiongesprächeInterviews des Aktuellen Sportstudios sind verzichtbar.

Das dachten sich auch viele Fußballblogger, die ein Netzwerk für einen eigenen Fußballpodcast gründeten. Letzte Woche ging in einer Münchener Küche die zweite Nullnummer über die Bühne, bei der sich fünf Blogger über die kommende Bundesligasaison unterhielten. Heraus kam eine muntere und ausgewogene Unterhaltung, die von 96 Minuten auf gut hörbare 51 Minuten geschnitten wurde. Die ungeschnittene Variante gibt es bei Probek. Kommentare und Anregungen zu dem Podcast sind dort sehr willkommen.

Es fehlt momentan die Zweite Bundesliga. Mal sehen, was wir dazu aus Berlin auf die Beine gestellt bekommen.

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