Wenn alles glatt geht, spielen Marcel Hartel und Julian Ryerson im Oktober mit den U21-Teams gegeneinander

Während die Union-Spieler bis Sonntag frei haben und auch mal so etwas wie ein freies Wochenende genießen dürfen, spielt die U21 mit Marcel Hartel heute um 19 Uhr in Fürth gegen Mexiko (Eurosport). Julian Ryerson spielt erst am 11. September mit Norwegens U21 in Aserbaidschan. Am gleichen Tag ist die deutsche U21 in Irland dran. Und wenn alles klappt, dann spielen Ryerson und Hartel am 12. Oktober gegeneinander beim EM-Qualispiel Deutschland gegen Norwegen in Ingolstadt.

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Toni Leistner wählt harte und klare Worte zu Unions Situation im Abstiegskampf

Das 1:3 in Darmstadt liegt uns allen sicher noch schwer im Magen. Umso mehr bin ich froh, dass Toni Leistner sein selbst verordnetes Schweigen bricht und auch medial sagt, was wir alle gesehen haben: “Man hat klar gesehen, dass wir die Mentalität gerade in den ersten 35 Minuten haben vermissen lassen, die in solchen Spielen nötig ist. Es war fast nicht zweitligatauglich.” Vielleicht schaffen es diese deutlichen Worte, nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Umfeld etwas aufzuwecken, das mir ein bisschen zu sehr nach dem Motto des aus dem Hochhaus stürzenden Mannes verfährt, der bei jeder Etage denkt: “Bis hierher ging es noch gut.” Ja, ich weiß, dass der Abstieg nicht wahrscheinlich ist. Aber er ist möglich. Und deswegen muss alles dafür getan werden, damit der Klassenerhalt aus eigener Kraft gelingt und man nicht von anderen Teams abhängig ist.

Foto: Stefanie Fiebrig

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Krise? Welche Krise?

Sportliche Krisen eines Vereins werden im Fußball, und dem Zirkus um ihn herum, im Allgemeinen zu früh und vor allem zu undifferenziert ausgerufen. Union hat nun keins der letzten vier Spiele gewonnen und qualifiziert sich so – gemessen an den internen und externen Ansprüchen – langsam für Zuschreibungen einer Ergebniskrise. Dass bei den verschiedenen Unentschieden und der Niederlage in Düsseldorf die Leistungen aber sowohl innerhalb als auch zwischen den Spielen recht stark schwankten, und auch unterschiedliche Ausrichtungen zu beobachten waren, macht es schwierig, dieser Ergebnis- auch eine Formkrise zuzuordnen.


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Ist niemand wirklich gut?

Heute spielt Union in Düsseldorf, und will sich mit einem Sieg im Aufstiegsrennen zurück melden.

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Der DFB erkennt bis heute das einzige Spiel der Frauen des DDR-Teams nicht an

Gestern gab es, wie immer am 1. Mai, den Frauenfußball-Feiertag bei Union. Das muss ganz amüsant gewesen sein. Vor allem das Spiel der Traditionself gegen die erste Mannschaft der Frauen. Es endete 2:6.

unionladies
Foto: 1. FC Union/Facebook

Auf dem Bild erkennen wir ganz klar Andrina Braumann und Tobias Döge (ich sage nur 3:1 gegen Falkensee/Finkenkrug). Richtig viele und gute Bilder vom Fest gestern findet ihr wie gewohnt bei union-foto.

An dieser Stelle wünsche ich Lisa Görsdorf weiter viel Kraft bei ihrem Kampf gegen Krebs. Wir sind bei Dir!


Foto: Hupe/union-foto.de

Bei AFTV gibt es noch eine gut 45-minütige Geschichtsstunde über 25 Jahre Frauenfußball bei Union. Es reden Kathrin Nicklas, die beim einzigen Länderspiel der DDR-Nationalmannschaft als Spielerin dabei war. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass der DFB bis heute die Spielerinnen im Gegensatz zu den Spielern der DDR-Nationalmannschaft nicht anerkennt. Zweiter Gesprächspartner ist Gerhard Marschner (Gründungsmitglied von Union und ehem. Trainer beim Verein).

Parensen vergrößert die Union-Familie

Nur kurz zum Herrenfußball: Zur Vertragsverlängerung von Michael Parensen habe ich gestern schon einiges geschrieben. Einen persönlichen Aspekt für den Einjahres-Vertrag erwähnt die Bild in einem Satz: Parensen wird im Sommer Vater. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das spätestens der Moment ist, an dem die eigene räumliche Flexibilität gegen Null geht. Kann durchaus ein weiterer Grund dafür sein, in Berlin bleiben zu wollen. Auch die Morgenpost widmet sich ausführlich der Vertragsverlängerung. Die gesamte Pressekonferenz gibt es bei AFTV.

Morgen um 13.30 beginnt die Partie bei 1860 München. Ich weiß nicht, ob ich je einen trostloseren Moment in meiner persönlichen Fußballgeschichte erlebt habe, als ein Heimspiel der Löwen in der WM-Arena in München. Das ist schon eine ganz schön traurige Veranstaltung. Und für Union sicher immer die Mahnung, niemals im Größenwahn zu versuchen, einen anderen Klub aus der eigenen Stadt zu kopieren und dabei die eigene Identität zu verlieren.

Für Union war aber auch die bisherigen Auftritte in München traurig. Wer etwas zur Serie gegen 1860 lesen möchte, wird bei Kurier und BZ verdient. Ich lese es nicht, denn ich möchte mir nicht die gute Stimmung versauen und außerdem schießt Statistik keine Tore.

Ich bin übrigens mit Steffi das ganze Wochenende am Podcast-Workshop in Kreuzberg. Denn auch unser Podcast soll noch schöner werden :)

Der Wert der Kritik.

Bernd Schröder, langjähriger Trainer von Turbine Potsdam, hielt am Montagabend einen Vortrag am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam. Die Vortragsreihe zum Thema „Soft Skills“ schließt in jedem Semester mit einem prominenten Gast.

„Woll´n Sie auch zu Schrödi?“, fragt mich ein älterer Herr, der wie ich suchend auf dem abendlich leeren Campus umher irrt. Ein Kamerateam rückt an. Wir sind also richtig. Der Hörsaal füllt sich. Überwiegend Studenten, aber auch einige Turbine-Fans. Welche, die ihn mit „Sportfreund Schröder“ und „mein lieber Bernd“ anreden. Noch ein Kamerateam baut auf. Bernd Schröder ist das offenbar gewöhnt. Freundlich und bestimmt, aber doch im Laufschritt, arbeitet er die Fragen ab, gibt Statements, stellt sich hierhin, blickt dorthin – und das alles vor dem eigentlichen Termin.

Nun ist Bernd Schröder nicht die Person, die einem als erstes in den Sinn kommt, wenn von Soft Skills die Rede ist. Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer gaben etwa Britta Carlson und Petra Wimbersky als Grund für ihren Vereinswechsel an. Fatmire Bajramaj, jüngst zur Konkurrenz nach Frankfurt abgewandert, mochte ihn auch schon mal lieber. Mit Bundestrainerin Silvia Neid verbindet ihn eine innige Zwietracht. Der Untertitel von Schröders Vortrag aber lautete: „Was macht erfolgreich?“ Dazu wiederum kann einer, der alles gewonnen hat, was es für einen Bundesligatrainer im Frauenfußball zu gewinnen gibt, einiges erzählen.

In der Essenz lautet seine Erfolgsstrategie: Vorbild sein, Vorbilder haben. Das sei die beste Motivation. Sein Vortrag handelt denn auch im weitesten Sinne von seiner sehr persönlichen Vorstellung darüber, was ein Vorbild auszeichnet – und was eben nicht. Das bezieht er keineswegs nur auf den Sport. Manchmal erzählt er dabei gleichzeitig seinen Lebenslauf, Fußballgeschichte und Weltgeschichte. Mindestens so oft wie Beispiele aus dem Fußball zitiert er Bergarbeitermetaphern. Er hat Montanwissenschaften an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) studiert, eine Grobwissenschaft, wie er sagt. Was man daraus lernen und übertragen kann, sind zwei Dinge. Es gibt Situationen, in denen man nicht weg kann – die muss man auszuhalten lernen. Und zweitens, man trägt in einem Team Verantwortung füreinander. Platz für Stars ist dabei nicht. Dieses Weltbild prägt ihn und macht deutlich, warum einer wie er im Frauenfußball so sehr verhaftet ist. Es ist das Gegenteil der Glamourwelt des professionellen Männerfußballs, wo in Fantastillarden gerechnet wird. Bernd Schröder ist ein sehr erdverbundener Mensch.

Es fehlten Menschen, meint er, die widersprechen und Widerspruch annehmen können. Jemand, der den Wert der Kritik nicht anerkenne, ist in seinen Augen kein Vorbild. Das Wort Streitkultur fällt. Matthias Sammer sei noch einer, der das kenne. Bernd Schröder selbst sucht die Auseinandersetzung und trifft dabei in schönster Poltergeistmanier nicht immer den richtigen Ton.

Vielleicht liegt darin die Ursache seines Disputs mit Silvia Neid. Den Ehrenkodex habe er durch seine öffentliche Kritik verletzt, und nun soll er sich dafür entschuldigen. Weniger für die Kritik, als wohl vielmehr für ihre Öffentlichkeit. Die Ziele von Neid und Schröder liegen nicht so weit auseinander. Beide wollen erfolgreichen Frauenfußball, beide wollen eine starke Nationalmannschaft, beide wollten den WM-Titel. Bundesliga und Nationalmannschaft arbeiten idealerweise miteinander und nicht gegeneinander. Deshalb hat Schröder recht, wenn er sagt: „Wir müssen das Problem letztlich gemeinsam lösen“. Sich zu entschuldigen hält er trotzdem nicht für den richtigen Weg – denn seine Haltung zur Sachfrage besteht unverändert. Man kann sich nun darüber streiten, ob das Mangel an Diplomatie oder Charakterstärke ist. Es liegt jedenfalls keine Häme darin, wenn er erklärt, warum das WM-Spiel der Frauen gegen Japan verloren ging. Die verpasste Olympia-Teilnahme schmerzt ihn, und der durch die WM-Vorbereitung bedingte Ausfall seiner Spielerinnen im Vorfeld ärgert ihn noch immer. „Ich habe ja nicht gesagt, dass sie keine Ahnung von Fußball hat.“ Aber eine Anerkennung für seine Arbeit, Respekt ihm gegenüber hätte er sich gewünscht – das klingt in jedem Satz durch, den er sagt.

Fragt man ihn, was einen guten Trainer ausmacht, bekommt man zur Antwort: Das Team um ihn herum. Und damit meint er nicht an erster Stelle die Feldspielerinnen, sondern explizit die Sekretärin, den Busfahrer, die Betreuer, den Zeugwart. Schröder versteht seinen Beruf sehr umfassend. Genau so wichtig wie sportliche Förderung ist die Sorge um die Ausbildung der Frauen und Mädchen. Die Potsdamer Sportschule, Eliteschule des Mädchen-Fußballs, nimmt jedes Jahr zur 7.Klasse etwa 10 Nachwuchsfußballerinnen auf. In jedem Jahr stellen sich die selben Fragen. Wer kommt dafür in Betracht? Schaffen die ihr Abitur? „Wenn nicht“, sagt er, „müssen wir uns um Lehrstellen kümmern. Denn wir bilden aus und kaufen nicht ein.“ Das sei eine gesellschaftliche und eine pädagogische Aufgabe, für die man Menschenkenntnis brauche. Man müsse zudem Familie, Herkunft, Umfeld, soziale Situation und Erlebniswelt der Spielerinnen genau kennen.

Angesichts dessen, was er in den Frauenfußball investiert hat, überrascht die Nüchternheit, mit der er dessen Stellenwert beurteilt. Der WM-Hype entspricht nicht seiner Lebenswirklichkeit. Ob die WM mehr Zuschauer in die Stadien spült? Bernd Schröder glaubt nicht daran. Was ist mit den neuen Leistungszentren für die Frauen, die bei den Bundesligavereinen der Männer angesiedelt sind? Das müsse man von Fall zu Fall sehen. Der HSV, sagt Schröder, habe die finanziellen Probleme der Herrenmannschaft 1:1 an die Frauen weitergegeben. Leverkusen sei ein guter Verein, komme aber nicht richtig hoch. Bayern München spielt in Aschheim – da interessiere sich kein Schwein dafür. Die einzigen, die derzeit investierten, seien die Wolfsburger. Die anderen Männervereine betreiben Frauenfußball halbherzig, das Interesse daran sei zu gering. Er stellt das fest, ohne es als Vorwurf zu formulieren.

Bernd Schröder gilt als harter Hund. Deshalb lohnt sich die Frage nach dem berüchtigten Straftraining. „Das gibt es nicht mehr, das gibt es auch bei den Männern nicht. Wenn man im Sport eine Aufgabe nicht mit dem Herzen wahrnimmt, dann funktioniert es nicht. Ich kann die drei Runden laufen lassen oder zehn. Wenn sie das oberflächlich machen, kommt nichts dabei heraus. Das macht man höchstens, um sich selbst zu beruhigen. Wenn meine Mannschaft schwach spielt, bin ich der Schwache, und nicht die Mannschaft.“ Wie man statt dessen motiviert? Ganz einfach. Man hängt die Leistungswerte der einzelnen Spielerinnen aus.

Für alle, die mal ganz normalen Frauenfußball kucken wollen: Der Spielplan.

Fahrgäste und Fußballfans.

“Sehr geehrte Fahrgäste und Fußballfans, sind Sie nicht traurig, wenn Sie diesmal nicht mitkommen. Der nächste Zug wartet schon hinter mir.” Unbeholfene Freundlichkeit bei der S-Bahn. Der Berliner ist das nicht gewöhnt und wundert sich, der Brandenburgerin geht´s ganz genauso. Ich betrachte meine Mitreisenden. Zwei ältere Damen in beigen Strickpullovern mit noch eingeschweißten Deutschlandfahnen. Erstgebrauch, vermutlich. Zwei befreundete Ehepaare um die 50 auf Berlinreise in Fan-T-Shirts. Eine Gruppe junger Mädchen mit schwarzrotgoldenen Blumengirlanden. Einige wenige in Trikots. Familien mit kleinen Kindern und dezenter Gesichtsbemalung. Frauen mit Frauen. Während die Mannschaften einlaufen, soll auf den Rängen eine Choreografie entstehen. Vorher wird am Spielfeldrand ein Transparent entlang getragen: Bitte zum Einlauf der Mannschaften die Papiertafeln hochhalten. Es ist kein typisches Fußballpublikum, das zum Olympiastadion pilgert, um die Eröffnung der Frauenweltmeisterschaft im Fußball zu sehen. Darin besteht der auffälligste Unterschied zur WM der Männer.

Wer prinzipiell nur Champions League der Herren kuckt, wer Stars braucht, Diven und Empörung, der wird bei einem Frauenfußballspiel nicht glücklich werden. Als in der 67. Minute Kerstin Garefrekes das leere Tor verfehlt, wirft der rechts neben mir sitzende Mann die Arme in die Luft und ruft gequält “Oarrrrrr – Mosquera!” Seine Karten hat er bei einem Radiosender gewonnen, erzählt er. Und hingegangen ist er, weil “schlimmer als Oberliga kann das auch nicht sein, und da hab ich meine Dauerkarte sogar gekauft.” Die Frau hinter uns findet dagegen alles “sehr gut”. Bis auf das, was “sehr, sehr gut” ist. Bei Abpfiff sagt sie “Ich bin ganz beseelt.” Zu meiner Linken sitzt ein Rentnerpaar, das ohne Rücksicht auf das Spielgeschehen große Freude an La Ola hat.

Es war nicht das überschäumende Wahnsinnsspektakel, von dem ich heute in den Zeitungen gelesen habe. Es war auf andere Weise trotzdem schön, die Freude ehrlich. Das mag auch daran liegen, dass man das Erlebnis Fußball für ein Publikum geöffnet hat, das sonst gute Gründe hat, dem fernzubleiben.

Von der Schwierigkeit, ein guter Eventfan zu sein.

Das Ticket habe ich. Aber Zubehör, ich brauche doch Zubehör! Na gut, da sind noch diese schwarzrotgoldenen Lametta-Pompons vom letzten Sommer. Die kichernden kleinen Schwestern der Nationalfahne. Ich versuche, ein Panini-Album zu kaufen. Ich erwerbe versehentlich ein Fußball-Sonderheft. Weder die Verkäuferin noch ich bemerken den Fehler. Extra für mich öffnet sie dann die Box mit den Aufklebern. Sie hat nur diese eine Hunderter-Box. Ich kaufe die ersten zwei Tütchen. Keine Ahnung, was mit den anderen achtundneunzig passieren wird. “Geht ja bald los”, sagt sie zu mir. Aber man merkt eben nichts davon, denke ich und antworte “Hm”. Wo sind eigentlich diese spielfeldgrünen Servietten bei Lidl, die fußballförmigen Untersetzer bei Aldi und die bekloppten Hüte bei Pfennigland, wenn man sie mal braucht? Mehr als bei einem vergleichbaren Männerturnier bin ich entschlossen, das alles gut zu finden. Es gibt kein vergleichbares Männerturnier, ich weiß. Selbst das Wintertrainingslager der Männerproficlubs in Belek ist spannender. Diese deutsche Nationalmannschaft, die da ab Sonntag um die Weltmeisterschaft spielt, soll nicht nur gewinnen – es wird von ihr erwartet, dem Frauenfußball zu mehr Ansehen zu verhelfen. Die Aufgabe ist schwer, jedes Mittel ist recht.

Ich bin neugierig, ob es gelingt.

Und das Paniniheft muss ich wohl doch noch haben, denn etwas optisch so eigenwilliges wie die Panini-Bilder der Nordkoreanerinnen wird es ganz bestimmt nie wieder geben.

„Es ist mein Grundrecht, ins Stadion zu gehen“

Frauen und Fußball im Iran sind das bestimmende Thema der Filme „Football under Cover“ und „Offside“. Weil sie trotz inhaltlicher Überschneidungen so schön unterschiedlich sind, werden sie hier zusammen besprochen. Beide stehen im Wettbewerb des 11mm-Festivals um den besten Frauenfußballfilm aller Zeiten.

„Passt auf eure Kopftücher auf, die filmen!“

Football under Cover“ von Ayat Najafi und David Assmann, wiederum eine Dokumentation und bereits 2008 mit dem Teddy Award ausgezeichnet, ist wohl der berlinerischste Film des diesjährigen 11mm-Festivals. Das Frauenteam des Kreuzberger Vereins Al Dersimspor hört davon, dass das Frauennationalteam des Iran noch nie gegen eine ausländische Mannschaft gespielt hat. Die Teilnahme an internationalen Wettbewerben ist ohnehin ausgeschlossen, „weil die Kleidervorschriften der FIFA genauso streng sind wie die des Iran“. Die Frauen dort können zwar trainieren, dürfen aber nur unter Ausschluss des männlichen Publikums einschließlich der eigenen Trainer und vollständig verhüllt spielen. Da die Vorschriften für alle im Land befindlichen Frauen gelten, will es das Kreuzberger Team auf sich nehmen, zu diesen Bedingungen in Teheran zu spielen. Es dauert dennoch ein gutes Jahr, bis alle bürokratischen Hürden überwunden sind und das Freundschaftsspiel zustande kommt. Gespielt wird vor einem ausschließlich weiblichen Publikum, aber als die Frauen applaudieren und jubeln, werden sie ermahnt “Wenn Sie tanzen wollen, gehen Sie in eine Disco!”. Das Beeindruckende an dem Film ist das Projekt als solches, die Organisation des Spiels, die Dokumentation dessen und das Durchhaltevermögen aller Beteiligten. Die Bilder sind nicht immer belastbar, was zu einem Teil sicherlich ihrer Entstehung geschuldet ist. Trotz oder vielleicht auch wegen der fortwährenden Improvisation und der kleinen Unvollkommenheiten im Filmischen ist der Streifen unglaublich lebendig. Wirklich stark sind die Protagonistinnen beider Mannschaften.

„Dein Vater und dein Bruder sind nun mal nicht der Vater und Bruder der anderen Frauen.“

„Offside“ von Jafar Panahi setzt das Thema mit den Mitteln des Spielfilms um. Hier geht es nicht um fußballspielende Frauen, sondern um junge Frauen, die sich im Stadion das Qualifikationsspiel der iranischen Nationalmannschaft der Männer für die WM in Deutschland ansehen wollen. Weil das ebenfalls verboten ist, gehen sie als Männer gekleidet und hoffen, dass sie nicht ertappt und der Sittenpolizei übergeben werden. Selbstverständlich geschieht genau das. Sie werden noch vor Anpfiff im Stadion unter Arrest gestellt. In der Folge verwickeln sie nun die zu ihrer Bewachung abgestellten Männer in Gespräche über das laufende Spiel, über einzelne Spieler, aber auch über die absurde Situation, in der sie sich befinden. Das Stadion, heißt es im Film, schafft den Rahmen dafür, dass sich Männer, die Gebote von Anstand und Moral über Bord werfend, austoben können. Das sei nichts für Frauen. Woraufhin eine der Arrestierten entgegnet „Aus welchem Bergdorf kommst du denn?“. Am Schluss wird komödiantisch aufgelöst. Der Iran gewinnt das Spiel. Der Polizeibus, der die Frauen abtransportieren soll, gerät in Autokorso und Stau, und im allgemeinen Siegestaumel gelingt ihnen die Flucht. Der Zuschauer ist sich trotzdem jederzeit darüber im Klaren, dass alles, was im Film so leicht und lustig wirkt, nach europäischen Maßstäben schlicht Diskriminierung ist.

Das Grundrecht Fußball

Beide Filme sind eher Gesellschaftsstudien als Fußballfilme. Fußball wird hier als Maßstab und Sinnbild verwendet, weil er Zuschauern weltweit Vergleichsmöglichkeiten eröffnet. Während in Deutschland das „Grundrecht auf Fußball“ unter dem Aspekt diskutiert wird, ob die Zuschauer Anspruch auf Bundesligafußball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben, fragt man anderswo, wie es möglich ist, dass eine Hälfte der Bevölkerung generell vom Fußball ausgeschlossen ist.