Frank Schmidt besteht darauf, dass Heidenheim kein Dorf ist

Das Spiel in Heidenheim heute Abend ist eines der Spiele, die eine Mannschaft wie Union in einer Saison wie dieser einfach gewinnen muss, wenn sie ihre Ziele erreichen will. Dabei ist das “einfach” natürlich vollkommen falsch, schon weil es selten bis nie einfach ist, gegen Mannschaften von Frank Schmidt (erfolgreich) zu spielen.

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Zentrale Probleme

Weil wir drüben auf Eiserne Ketten ein paar technische Probleme haben, gibt es mal hier die taktische Analyse zum Spiel am Nachmittag gegen Heidenheim, das Union mit einer Leistung auf gleichbleibend mittelmäßigem Niveau 1-1 spielt..

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31. Spieltag: 1. FC Union 1 – 1 Heidenheim – Peter Kurzweg wird mit seinem zweiten Startelf-Einsatz zum Heidenheim-Spezialisten

Überraschung

Auf Grund der Sperre von Marvin Friedrich, die eine Änderung der Startelf unvermeidlich machte, aber auch wegen Eigenheiten in Heidenheims Spielweise, war dies eines der Spiele, bei denen es im Vorfeld am schwierigsten war vorherzusagen, wie Union auflaufen würde. Mit einer Viererkette Friedrichs Position in der Abwehr schlicht wegfallen zu lassen war eine Option, oder besser zwei, denn der dort gesparte Spieler könnte in einer 433 Variante im Angriff, oder in irgendeinem 442 im Mittelfeld hinzukommen. Eine andere, ebenso variantenreiche, Option gaben Lennard Maloney und Micha Parensen: beide standen als möglicher direkter Ersatz für Friedrich bereit.

Doch die Aufstellung, für die sich André Hofschneider letztlich entschied, stand in keiner Vorschau, dafür aber in Person von Peter Kurzweg auf dem Platz. Der eigentliche Linksverteidiger Ersatz stand damit in dieser Zweitliga-Saison genau dann in der Startelf, wenn der Gegner Heidenheim hieß, aber nie als Linksverteidiger. Denn mit Kurzweg und wohl um die Defensive gegen Marc Schnatterer zu verstärken stellte Hofschneider auch das System um, auf ein 442 mit Raute, in dem Kurzweg links weiter auf dem Flügel spielte als Felix Kroos auf der rechten Seite.

Es steht sinnbildlich für André Hofschneiders Amtszeit im Ganzen, dass auch dieser Maßnahme nach nicht einmal zehn Minuten die Grundlage entzogen wurde, als Marc Schnatterer verletzt ausgewechselt werden musste. Kurzweg als zusätzliches defensivstarkes Element war nun weniger notwendig als zuvor, aber immer noch auf dem Platz. Es wäre aber unfair, die Probleme Unions, Offensivaktionen zu kreieren, an Kurzweg fest zu machen. Kurzweg hatte eine gute Aktion, als er Hedlund vor dessen Chance nach 24 Minuten gut Platz verschaffte und bediente. Es rechtfertigt aber andererseits seine Aufstellung auch nicht wirklich, auf die Chancen hinzuweisen, die er hatte und vergab. Davon gab es zwei, jeweils nach Läufen ins Sturmzentrum: ein Kopfball früh in der zweiten Halbzeit, und eine unsaubere Annahme eines Balles, den er besser Simon Hedlund überlassen hätte einige Minuten später unmittelbar nach der größten Chance von Heidenheim). Im Gegenteil: beide Aktionen wurden möglich, weil die Spitzen Hedlund und Skrzybski mit ihrem Tempo auf die Außen gehen und in der Mitte Räume öffnen, in die Mittelfeldspieler stoßen können. Aber die Eignung der Spieler in diesen Situationen zeigt sich eben (auch) in der Ausführung von, nicht (nur) der Beteiligung an solchen Aktionen. Kenny Prince Redondo traf aus einer Kopfballchance, die der von Kurzweg ähnlich sah.

Zentrales Problem

Immerhin waren diese Momente aber welche, in denen ein gewollter Mechanismus in Unions Offensivspiel funktionierte. Aus dem eigenen Spielaufbau heraus war das selten der Fall. Niemand hätte Arne Feick widersprechen können, als er nach dem Spiel sagte, Heidenheim habe das Spiel ohne Ball bis Mitte der zweiten Halbzeit gut kontrolliert habe: “Wir haben sehr, sehr wenig zugelassen, und Union ist auch nicht viel eingefallen.” Das lag auch daran, dass Union weiterhin keine Mittel hat, das eigene offensive Mittelfeld ins Spiel zu bringen.

Wo Zehner Dennis Daube Aktionen hatte, zeigt Unions Problem: nicht im Zehnerraum. Graphik von WhoScored.

Auf das Zurückfallen/Abkippen von Fürstner oder Kroos angesprochen sagte Marc Torrejón nach dem Spiel, es habe geholfen, sich aus dem Pressing der Heidenheimer Spitzen zu befreien. Das stimmt. Aber Heidenheims Pressing war nicht (durchgängig) so intensiv, dass diese Entlastung nötig gewesen wäre. Und wenn sie dazu führt, dass der Ball nur in ungefährlichen Räumen gehalten wird, hilft das dem Spiel insgesamt nicht. Denn wenn Fürstner und vor allem Kroos als zentrale Anspielstationen fehlten, führte das meistens dazu, dass Union über die Außenverteidiger weiterspielte. Es fiel Heidenheim dann recht leicht, auf Trimmel und Pedersen heraus zu schieben, sie an der Seitenauslinie zu stellen und Angriffe nicht wirklich entstehen zu lassen.

Mit diesen Problemen im Ballbesitzspiel kamen die vielversprechendsten Union Angriffe wieder zu Stande, wenn Bälle im zentralen Mittelfeld erobert und schnell nach vorn gespielt wurde, die ersten Aufbauphasen also weg fielen.

Wechsel

Nach dem positionsgetreuen Wechsel von Daube zu Gogia (der allerdings etwas mehr Aktionen im Zehnerraum hatte), wechselte Union mit der Einwechslung von Redondo und Philipp Hosiner das System, vor allem aber die Intensität und den Druck der Angriffsbemühungen, bei denen nun alle Offensiven deutlich aggressiver waren. Hosiner besetzte nun mit Hedlund das Angriffszentrum, Skrzybski den linken Flügel, während Redondo links zentraler spielte und so die Asymmetrie in Unions Spiel fortführte. Das in der entstehenden zehnminütigen Druckphase nur ein Tor fiel, war etwas unglücklich, insgesamt aber gerecht – Heidenheim hätte mit mehr etwas besser ausgespielten Kontern sehr gut auch öfter als nur ein Tor erzielen können.

Szene des Spiels

Die Doppelchance beider Mannschaften in der 53. und 54. Minute, als zunächst Trimmel den Ball nicht abschirmen konnte und Glatzel eine Großchance ermöglichte, dann Union über Kroos und Skrzybski konterte. Dass dabei wie auf der Gegenseite ein Verteidiger sich mittelmäßig geschickt anstellte, illustriert das Niveau des Spiels insgesamt, ebenso wie Kurzwegs Mangel an Übersicht und Ballkontrolle.

Fast die gleiche Torwartfrage wie im Sommer 2014

Bei Union tut sich öffentlich gerade wenig. Die Mannschaft ist irgendwo in Heidenheim oder Umgebung. Die BZ nimmt sich deswegen die schwedische Expressen vor, in der vorgestern stand, dass Torwarttrainer Dennis Rudel am Montag den schwedischen U21-Nationaltorhüter Patrik Carlgren von AIK beobachtet haben soll. Hier gibt es den schwedischen Originaltext. Falls ihr kein Schwedisch könnt, ist Google Translate euer Freund.

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Teve186 – Warum hasst Du Holger Stanislawski?

Uwe Neuhaus wird nicht mehr Trainer des 1. FC Union sein. Dadurch rückte das 1:1 gegen Kaiserslautern etwas in den Hintergrund. Wir arbeiten uns einfach an allem ab. An den Pfiffen gegen den Ex-Unioner Markus Karl bis hin zu möglichen neuen Trainern. Alles natürlich mit dem gebotenen Respekt und voller Erwartung auf den emotionalen Neustart.

Foto: Koch

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Directors Cut: “Trainer!”

Er habe gerade einen Film über Fußballtrainer gedreht, erzählte mir Aljoscha Pause schon im Frühjahr am Rande des 11mm-Festivals. Ein Beruf in der Öffentlichkeit sei das wie kaum ein anderer. Trotzdem wisse man eigentlich nichts darüber. Das hat ihn interessiert. “Eine ganz banale Fragestellung”, sagte er. “Was müssen die bewältigen, und wie setzt sich das zusammen?” Sein Film “Trainer!” ist der Versuch einer Annäherung an eine unnahbare Welt.

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Eine Saison lang hat Aljoscha Pause die Trainer André Schubert (FC St.Pauli), Frank Schmidt (1.FC Heidenheim) und Stephan Schmidt (SC Paderborn) durch drei sehr unterschiedliche Saisonverläufe begleitet. Während Schubert schon zu Saisonbeginn, Stephan Schmidt erst zu Saisonende entlassen wurde, steuerte Frank Schmidt auf einen Aufstiegsplatz zu. Die Fragen, die dabei auftauchen, werden auch mit anderen Trainern besprochen. Jürgen Klopp, Armin Veh, Hans Meyer, Peter Neururer, Michael Oenning, Thomas Schaaf und Mirko Slomka kommentieren, wie sie mit bestimmten Situationen in ihrem Berufsleben umgegangen sind. Das hat dramatische, aber auch komische Höhepunkte, wenn etwa Jürgen Klopp über das Grimassieren nachdenkt oder Hans Meyer über Phasen der Arbeitslosigkeit. Parallel dazu hat Aljoscha Pause immer wieder mit Frank Wormuth gesprochen, der die Fußballlehrerausbildung des DFB leitet. Daraus ist ein zweiter Erzählstrang geworden, der einen Einblick in den Trainerlehrgang erlaubt. Überhaupt ist Frank Wormuth der heimliche Star des Films. Die Stimme der Vernunft, die alles zusammen hält. Ruhig und besonnen.

Einige Bilder tauchen im Verlauf des Films immer wieder auf. Zum einen wird viel Auto gefahren. Interviews werden dabei geführt, vor allem aber entstehen sehr konzentrierte Nahaufnahmen. Das zweite sind Außenaufnahmen, die Jahreszeiten zeigen und so eine zeitliche Dimension in den Film bringen. Das erzeugt einen Rhythmus in der Bildfolge und hilft, die Informationen zu ordnen.

Nebenher sind dem Regisseur einfach drei sehr schöne, weil detailreiche Porträts gelungen. Denn das ist seine große Stärke: Menschen. Gerne auch Menschen in extremen Situationen. Aljoscha Pause ist einer, der genau zuhört, verdichtet, aber nie jemanden bloß stellt dabei.

Bei Stephan Schmidt in Paderborn etwa wäre das ganz leicht gewesen. Dem möchte man die ganze Zeit zurufen: Ein so dermaßen gesundes Selbstbewusstsein ist der erste Schritt zum Größenwahn! Andererseits gehört Größe dazu, einen Misserfolg vor laufender Kamera zu besprechen und seine Enttäuschung öffentlich zu verarbeiten. Mit Blick auf den Vorgängerfilm “Tom meets Zizou” hat Aljoscha Pause das einmal erklärt. “Da wird nicht einfach nur jemand blind abgefeiert, als Hero oder als Vollkatastrophe, sondern es wird ein Mensch mit mehreren Wahrheiten, mehreren Facetten gezeigt, der sich nicht zu schade ist, sich auch mal in einer beschissenen Situation oder in der Krise zu zeigen.” Gemeint war dabei Thomas Broich, es ist aber wohl generell die Arbeitsweise von Aljoscha Pause, der seine Protagonisten nicht auflaufen lässt, sondern immer respektvoll behandelt. André Schubert taut von Drehtag zu Drehtag mehr auf, und am Ende weinen alle Zuschauer ein bißchen mit Heidenheim um den vergeigten Aufstieg. Auch die, die gar nicht wissen, wo Heidenheim liegt. Ich, zum Beispiel.

Ich bin froh, die lange Fassung abgewartet zu haben. 135 Minuten, nach denen ich wieder etwas klüger war. Danke, Aljoscha Pause!