Das 11 mm-Festival wird erwachsen

Vom 30.3.-3.4.2017 läuft im Kino Babylon das 11-mm-Fußballfilmfestival. Die inzwischen 14.Ausgabe präsentiert sich selbstbewusst, aber ohne echten Themenschwerpunkt. Gäbe es ihn, müsste er “Einfach gute Fußballfilme” heißen.

Als ich 14 wurde, hatte ich Jugendweihe, und meine Lehrer mussten danach Sie zu mir sagen. 11mm ist auch gerade 14 geworden, und die Festivalleitung schwärmt von der diesjährigen Filmauswahl mit Worten, die nur den Schluss zulassen, dass das Festival inzwischen zu den Großen gehört, zu den Etablierten, zu denen, die man ernst nimmt. Es hat dabei glücklicher Weise nichts von seiner Liebenswürdigkeit eingebüßt. Die Filme, die zur Sichtung vorlagen, seien durchgehend von sehr hoher Qualität gewesen, sagt Andreas Leimbach-Niaz beinahe ein bißchen überrascht bei der Festivaleröffnung. Vielleicht hat sich einfach inzwischen herumgesprochen, dass Fußballfilm etwas Anspruchsvolles sein kann. Und so ist es denn in diesem Jahr vor allem das geworden: Eine gut sortierte Auswahl der besten aktuellen Fußballfilme.

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Weniger Show, mehr Fußballfilme.

11mm – das schönste Filmfestival Berlins ist wieder da! Es besinnt sich auf alte Stärken und macht, was ein gutes Fußballfilmfest eben macht: Fußballfilme zeigen. Das vor allen Dingen. Es fühlt sich ruhiger an als im letzten Jahr, als Weltmeisterschaft, das Jubiläum des Festivals selbst und ein Union-Eröffnungsfilm mit entsprechend großem Publikumsandrang den Rahmen ein wenig gesprengt haben und eine Filmakademie alles medial begleitet hat. Statt dessen setzen die Veranstalter in diesem Jahr auf ein vielfältiges Programm, das viel Raum für Nischenthemen lässt.

Weil eine Festivaleröffnung natürlich trotzdem ordentlich funkeln muss, ist Arne Friedrich da. Der erzählt, und das passt sehr gut zum Eröffnungsfilm, von seinem Spiel gegen Lionel Messi. Im Publikum gibt sich der argentinische Botschafter die Ehre. Die DFB-Kulturstiftung schaut vorbei, ebenso Claudia Roth. Die Festivalleitung kuckt entspannt wie nie, der große Saal des Babylon ist gut gefüllt, und die Organistin des Babylon spielt so wunderbar, dass ich mir immerzu Stummfilme wünsche.

“Messi – Der Film” ist aber natürlich keiner. Der spanische Regisseur Álex de la Iglesia spürt dem Phänomen Messi nach und versucht in einem teils fiktiven, teils dokumentarischen Film einen sehr scheuen, wortkargen Superstar zu charakterisieren. Er stellt das klug an. Weil Messi sich eben nicht wie Maradona bei Kusturica vor die Kamera setzt und umstandlos sein Leben ausbreitet, behilft sich der Regisseur mit Fragen an Kollegen, Freunden und Wegbegleiter. Er bringt sie miteinander ins Gespräch, lässt sie streiten und Erinnerungen austauschen. Das ergibt ein lebendiges Bild, das aus dem starren Schema eines Dokumentarfilms ausbricht. Zusätzlich gibt es komplett fiktive Szenen, die die Legenden, die sich um die Person Lionel Messi gebildet haben, aufgreifen und seine Kindheit in Rosario, Argentinien nachzeichnen. Es ist keine klassische Heldengeschichte, die Álex de la Iglesia da inszeniert hat, und das ist sehr angenehm. Ich gehe nach Hause mit Bild eines Fußballspielers, den ich zwar immer noch nicht kenne, aber instinktiv mag. Für seine Schüchternheit, seine Segelohren, seine Beharrlichkeit und den Beweis, dass Frisuren überbewertet sind.

Wer´s gestern verpasst hat: Am Montag, 23.3., um 20:15 Uhr wird “Messi – Der Film” noch einmal gezeigt.

Heimspielkino.

Grüner Rasen anstelle des roten Teppichs, das hat inzwischen Tradition vor dem Kino Babylon. Hereinspaziert sind zum Auftakt des 11mm-Fußballfilmfestivals vor allem Unioner. Der Dokumentarfilm “Union für´s Leben” von Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer feierte heute Abend Premiere, und beide Vorstellungen waren komplett ausverkauft. Berliner Pilsner, Eberswalder vom Grill, Torsten Mattuschka, die Reservebank, Dirk Zingler, AF-TV – alles ganz wie in der Alten Försterei. Nur das Sitzen war etwas ungewohnt.

Ein Glücksgriff, ein Heimspiel ist dieser Eröffnungsfilm. Er porträtiert genau und doch mit leichter Hand fünf Menschen, die zu Union gehören. Es ist zugleich ein Berlin-Film, eingerahmt von Fußball in Köpenick. Genau der richtige Film also, um sich auf die kommenden fünf Tage einzustimmen.