Es ist endlich an der Zeit, Grischa Prömel zu loben

Achselzucken. Das ist ein bisschen meine Reaktion auf das 1:1 in Bielefeld. Nicht, weil mich das Spiel nicht interessieren würde. Sondern weil nicht allzu viel passiert ist. Union hat nicht großartig anders gespielt als in den vergangenen Wochen. Und die Mannschaft hat nicht den Kopf verloren, als sie den Ausgleich kassierte. Wieder einmal hat sich das Team gesagt, es sei besser, den Punkt mitzunehmen, als zu verlieren. Das stimmt. Aber wenn wir die Punktausbeute der vergangenen Partien mit nun drei Unentschieden in Folge betrachten, dann hätten ein Sieg und zwei Niederlagen den gleichen Ertrag gebracht. Wobei ich mir sicher bin, dass dann die Betrachtung deutlich negativer wäre als jetzt. Es waren individuelle Fehler gegen Duisburg, die den sicher geglaubten Sieg gekostet haben. Und es war die Entscheidung von Rafal Gikiewicz, doch nicht die sehr gut geschlagene Flanke abzufangen, die am Ende den Sieg in Bielefeld gekostet hat. Das sind 4 Punkte weniger als von der Leistung her drin waren.

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Relegation ist kein Thema für Union

Bis zum nächsten Spiel am Ostersonntag in Fürth ist noch viel Zeit. Die Profis trainieren (leider diesen Sonntag nichtöffentlich, weil heute und morgen die brasilianische Nationalmannschaft an der Alten Försterei trainiert. Deshalb ist auch der Fanshop am Stadion geschlossen.) und spielen am Montag in Kiel. Dort wird im Gegenzug zur Partie gegen Wolfsburg sicher eher die erste Garde zum Zug kommen, die am Anfang der Woche so etwas wie einen Kurzurlaub vor dem Saisonfinale bekommen hat. So etwas wie Kurzurlaub hat Marcel Hartel auch bei der U21. Über seinen Einsatz schreiben Bild/BZ (noch nicht online). Zitiert wird dort Stefan Kuntz, der sich eine Woche vor dem Länderspiel mit Unions Mittelfeldspieler in Berlin getroffen hat, um dessen Situation zu besprechen. Der U21-Coach sagte: “Es hilft natürlich, wenn er hier mal in einer anderen Umgebung mit einer neuen Motivation ein bisschen zu alter Stärke zurückfindet.” Ich hoffe für Hartel, dass er gegen Kosovo am Dienstag von Beginn an spielen kann und nicht nur mit neuer Spielfreude zurück zu Union kommt, sondern dass er auch weiter hier gefördert wird. Ein Hartel, der als Chaos-Element die gegnerischen Reihen durcheinander bringt, wäre für die Schluss-Phase der Saison ein Gewinn.

Marcel Hartel beim U21-Spiel gegen Israel, Foto: Michael Hundt/Matze Koch

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Torsten Mattuschka und die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt

Fahren wir mal etwas weiter nach Süden. Stop, nicht ganz so weit. Südbrandenburg reicht. In Cottbus hat Torsten Mattuschka seinen Anschlussvertrag mit dem Verein aufgelöst (offizielle Cottbuser Mitteilung). Damit entlastet er den in die Regionalliga abgestiegenen Klub finanziell, steht aber damit weiter vor der Frage, was er eigentlich jetzt machen will. Die BZ schreibt, dass Oberliga-Aufsteiger Altglienicke an einer Verpflichtung interessiert sei.

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Flagge zeigen

Unions A-Jugend gewinnt gestern mit 2:0 das letzte Spiel der Saison und sichert damit die Relegation zur Bundesliga. Gespielt wird am 19. und 26. Juni gegen den JVF Nordwest. Die Abkürzung klingt nach einem Betriebsteil eines VEB, steht aber für Jugendförderverein, in dem der VfL Oldenburg und der VfB Oldenburg ihre Jugendarbeit bündeln.

Bilder vom Spiel gibt es bei union-foto.de

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Ein paar Neuzugänge wären ganz gut

Ich habe wirklich unter jede Ecke hier im Netz geschaut, habe Websites ausgeschüttelt, Twitter-Accounts entstaubt, bei Facebook selbst abwegigste und grammatikalisch abenteuerliche Posts über Union gelesen, aber ich habe immer noch keinen weiteren Zugang für Union gefunden (ja, ich weiß: im Winter wurde Linksverteidiger Christopher Lenz unter Vertrag genommen und vor kurzem noch Torhüter Daniel Mesenhöler).

Das ist kein Grund zur Panik. Es ist aber vor allem für Union ungewohnt. In den vergangenen Jahren hat das Forsthaus gefühlt fast alle Zugänge bei Beginn des Sommerurlaubs erledigt. Wenn aber bis Trainingsbeginn weiter kein neuer Spieler verpflichtet wurde, dann werde ich schon mal die Glasabdeckung über den roten Panikbutton lüften.

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Und dafür macht ihr so eine riesige Welle?

Ich liebe Fußball im Radio. Die Kommentatoren transportieren mit jedem Wort mehr Emotionen als hundert durchchoreographierte Kamerafahrten im Fernsehen. Das Radio gibt mir wirklich die Möglichkeit, genau so mitzugehen wie im Stadion selbst. Und natürlich verbinde ich ganz bestimmte Erlebnisse damit. Europapokalspiele wie das Elfmeterschießen zwischen Auxerre und Dortmund, die ich mit einem kleinen Radio unter der Bettdecke verfolgt habe und immer genau darauf achten musste, die Mittelwelle nicht zu verstellen.

Genau deshalb konnte ich den Riesenwirbel rund um das EM-Radio der ARD nicht verstehen. Die ARD zahlt viele Millionen für die Rechte. Dann sollen sie die eben auch richtig ausschlachten. Medienpolitik interessiert mich dann nur am Rande. Jedes Spiel live im Radio ist eine prima Sache. Dachte ich jedenfalls bis gestern Abend, als ich den eigenen Nachwuchs schlafen legen wollte.

Ein Kind bringt sich schlecht ins Bett, wenn der Vater nebenbei das Spiel Russland gegen Tschechien verfolgt. Also fix Kopfhörer ins Mobiltelefon gesteckt und die EM-Welle WDR Event angeklickt. Mein zukünftiger Rentenzahler nuckelt an seinem Tee und ich höre den Beginn des Spiels. Perfekt. Plötzlich ist die Übertragung unterbrochen und ich höre die Black Eyed Peas. Hey Ard, so war das nicht ausgemacht. Was folgte war ein kurzer Dialog mit der Sportschau:

Enttäuschung pur! So eine Riesenwelle und dann gibt es nur amputierte Liveberichte von den Spielen? Wer Musik hören will, schaltet doch nicht extra ein EM-Radio ein. Kai Pahl von allesaussersport.de hat mich dann noch komplett über das wahnsinnig innovative Sendekonzept des ARD-EM-Radios aufgeklärt.

Die Geschichte ging für mich gut aus, weil Russland gnädigerweise mit dem ersten Tor so lange gewartet hat, bis das kleine Kind eingeschlafen war.

Noch zwei Podcasttipps zur Europameisterschaft:

Gelesen: Wodka für den Torwart

Nein, auf eine umfassende Lektüre aller zur Europameisterschaft erschienenen Sonderhefte verzichte ich. Die unendlichste aller Relegationen hat einfach dafür gesorgt, dass das Aufwärmprogramm für die EM ganz hektisch vor dem Anpfiff des ersten Spiels absolviert werden musste. Wer sich trotzdem für die vielen bunten Hefte interessiert, wird bei allesaussersport.de umfassend informiert.

Nach dem EM-Podcast habe ich mir fix elf ukrainische Kurzgeschichten durchgelesen. Der Band “Wodka für den Torwart“* (12,80 EUR) wird, wie sollte es kurz vor Turnierbeginn anders sein, durch Fußball zusammengehalten. Kurzweilig, ein bisschen chaotisch, manchmal auch traurig. Genauso wie das ganze Land.

Gleich die erste Geschichte hat mich vollkommen umgehauen. Eine Story, die an Chaos und Chuzpe kaum zu überbieten ist. Maxym Kidruks “Der Transfer” beschreibt, wie ein Ukrainer aus Geldnot seinen Freund dazu überredet, die Position eines neu geholten ausländischen Spielers bei Torpedo Kiew einzunehmen. Der muss dafür natürlich von der Bildfläche verschwinden. Eine sehr unterhaltsame Mischung aus Klamauk und Wahnsinn, die mich in ihrer Durchgedrehtheit an Wiktor Pelewins “Generation P“* erinnert.

Eine zweites, sehr viel nachdenklicheres Stück von Jurij Wynnytschuk heißt nur “Die uns beobachten”. Eine beklemmende Geschichte aus Lwiw, als es noch russisch Lwow hieß. Irgendwann in der Spätzeit der Sowjetunion, als der riesige Staat fast so erstarrt war, wie seine greisen Herrscher. Alles ist dabei: KGB, fußballspielende Kinder und die Suche nach der Wahrheit hinter dem spurlosen Verschwinden von Priesterschülern kurz nach Kriegsende. Und mittendrin die zerrissene Geschichte von Lwiw, das im zwanzigsten Jahrhundert öfter die Staatszugehörigkeit gewechselt hat als Lothar Matthäus Frauen vor den Traualtar schleift.

Kurzum eine unbedingte Empfehlung, wenn man zum Turnier mehr von der Ukraine kennen möchte als nur Julia Timoschenko und Straßenhundeschicksale.

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Klarstellung: Der Erzählband wurde vom Verein translit e.V. herausgegeben. Ich habe mit Jakob Mischke, der Vorsitzender des Vereins ist, zusammen an der Freien Universität Osteuropastudien studiert.