Ein zähes Spiel, ein Punkt und trotzdem gute Stimmung

Es gab sicher schon Spiele, die schöner anzusehen waren als das 1:1 gestern gegen Heidenheim. Angesichts der Tabellenkonstellation in der Zweiten Liga fand ich es schon ambitioniert, dass einige Leute durchaus ein Spiel mit vielen Torchancen erwartet haben. Es war ein zäher Abnutzungskampf und die ausgesprochen gute Laune auf den Rängen wich mehr und mehr der Erkenntnis, dass ein langer Atem nötig sein würde, um hier was mitzunehmen. Heidenheim war jedenfalls nicht angetreten, um spielerisch zu glänzen, sondern um keine Fehler zu machen. Und so sieht Fußball dann eben aus. Erst recht nachdem Marc Schnatterer verletzungsbedingt raus musste.

Weiterlesen

Hendrik “Eddy” Mann – Auf ruhigen Gewässern

Die harte Nachricht zuerst: Union spielt in der ersten DFB-Pokalrunde bei Viktoria Köln. Ich hoffe, dass der Termin am Wochenende liegt. Bild/BZ berichten außerdem, dass Dennis Daube die Nummer 10 tragen wird. O-Ton des Spielers: “Eine Rückennummer sagt nicht viel aus.”

Steffis Text über Hendrik “Eddy” Mann erschien zuerst im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt im März 2014. Eddy verstarb im Sommer des gleichen Jahres, am 5. Juli 2014. Er fehlt sehr. Seine Bärbeißigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seine ganze Persönlichkeit. Aber mit seinen Booten ist immer auch ein Teil von ihm weiter auf Berlins Gewässern unterwegs.

union-eddy
Foto: Stefanie Fiebrig

Er fährt die auffälligsten Schiffe, die Berlins Wasserstraßen zu bieten haben. „Normalerweise sind die Schiffe weiß, mit blau oder rot abgesetzt. Wir haben es genau anders herum gemacht. Wir haben die rot gemalt und weiß abgesetzt“, beschreibt Hendrik Mann etwa seine Angela, die als letzte ihren fußballerischen Anstrich erhalten hat. Er hatte in einer Zeitung ein Foto gesehen. Abgebildet war ein Betonmischfahrzeug im Union-Look. „Kann ick besser“, dachte er sich. Es hat eine Weile gedauert, bis er seine Idee schließlich umgesetzt hatte.

Gelernt hat Hendrik Mann Vollmatrose, er ist lange Zeit zur See gefahren. „Eddy, der Sorglose“, nannten ihn seine Kollegen. Den Namen hat er behalten und mit seiner Reederei Eddy-Line in ganz Berlin bekannt gemacht. Seit über zwanzig Jahren ist er in der Fahrgastschifffahrt tätig. 2005 hat er die Viktoria, sein erstes eigenes Schiff, übernommen „Und die wird immer schöner“, sagt er. Seine Stimme wird ganz weich dabei. Die Viktoria war die erste, die das Union-Logo trug.


Foto: Matze Koch

Eddy ist ein geborener Chemnitzer. Wenn er in Sachsen ist, verfällt er in seinen heimischen Dialekt. Zu hören ist davon nichts, und wenn er Touristen fährt, freuen die sich über einen waschechten Berliner, bei dem Kirche und Kirsche klingt, als wäre es das selbe Wort. 1976 sind seine Eltern mit ihm nach Berlin gezogen, er ist hier zur Schule gegangen. Das prägt den Menschen und seine Sprache.

Bei Union ist Eddy seit 1978. Das war das Jahr, in dem sein Vater starb. „Doofes Jahr.“ Eddy ging also allein zum Fußball und beneidete die, die mit Papa hin gingen. Kurz darauf hatte er Autogramme von Wolfgang Matthies und Achim Sigusch. „Womit ich in der Schule der Star war!“ Die beiden nennt er heute noch zuerst, wenn er nach seinen Lieblingsspielern gefragt wird.


Foto: Matze Koch

Es gab Zeiten, in denen er nicht zum Fußball konnte, weil er zur See fuhr. „Aber ich habe Union immer im Auge behalten. Kurioserweise war es immer so: Wenn es mir mal Scheiße ging, war’s bei Union genauso. Wenn’s bei Union aufwärts ging, ging es bei mir auch aufwärts.“

Jetzt gerade geht es dem Verein und eben auch Eddy gut. Eine Krebserkrankung hat er knapp überstanden. Er hat ein Motorrad gekauft. Er hat geheiratet. Das wollte er zwar erst, wenn der 1.FC Union Deutscher Meister wird, aber mit dem Spott darüber kann er leben. Besser gleich, bevor es zu spät ist. Er findet, er hat das Glück gehabt, das anderen gefehlt hat.

„Es gibt bestimmt Leute, die sind fleißiger, die sind besser als ich, aber die hatten nicht das Glück, die richtigen Menschen kennenzulernen. Da musst du abgeben können. Wenn du dir ansiehst, wer auf der Straße lebt, wer ärmer ist als du – das sind keine dummen Leute. Die sind manchmal total unverschuldet da reingeraten.“ Und weil das so ist, engagiert er sich nicht nur bei Union, sondern auch für die Torre-Stiftung, die Obdachlose unterstützt. Er selbst hatte seine Auszeit, unfreiwillig. „Jetzt kucken wir mal wieder nach den anderen.“


Foto: Matze Koch

Im Januar und Februar ist es noch ruhig auf den Gewässern. „Man kann mal eine Stunde länger schlafen, in den Urlaub fahren oder kümmert sich um Wartungsarbeiten.“ Am liebsten ist er trotzdem mit dem Schiff unterwegs. „Naturgewalten – Regen, Schnee, Wind – das ist Freiheit. Die größte Strafe war, als ich mal ein halbes Jahr im Büro saß. Mittlerweile freue ich mich jedes Mal, wenn ich wieder fahre, weil ich ja auch andere Aufgaben habe. Zum Müggelsee raus, nach Tegel hoch, nach Wannsee runter, oder nach Potsdam.“

Auch die Fahrten mit den Fußballfans machen ihm nach wie vor Spaß. „Das erste Mal, als die Mannschaft zu mir an Bord kam, hatte ich Tränen in den Augen. Wir haben das Mannschaftsfoto gemacht. Dazu haben wir mitten am Tag die Spree komplett dicht gemacht. Verbotenerweise. Oben auf der Brücke die Fans, unten auf dem Schiff die Mannschaft.“

Ein Ausflugsdampfer und ein Fußballclub. Wie passen die zusammen? „Wir sind Berlin. Wir sind nicht der Hauptstadtklub, aber doch Berlin.“ Die Viktoria, die Helgard und die Angela in leuchtendem Union-Rot sind Eddys Bekenntnis zu seinem Verein.


Foto: Matze Koch

Norbert Düwel zieht Konsequenzen

Norbert Düwel kann sehr kurz und bestimmt antworten. Es sei kein Zufall, dass immer die gleichen Spieler Fehler machten, hatte der Union-Trainer noch am Tag nach dem 2:3 in Leipzig bei AFTV gesagt. Gestern wurde er auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen 1.FC Kaiserslautern gefragt, welche Konsequenzen das denn hätte. “Personelle”, war seine knappe und entschlossene Antwort.


Foto: AFTV

Dem Trainer war anzumerken, dass er sich Gedanken gemacht hat, wie er mit immer wiederkehrenden Fehlerquellen umzugehen gedenkt: “Das hat mit der Qualität der einzelnen Spieler zu tun. Wenn ein Spieler nicht mit der Situation im Spiel umgehen kann, ist es möglich, dass er auch mal nicht spielt.”

Die Qualitätsfrage wird sich immer wieder stellen. Wir müssen uns besser verkaufen können. Wenn das heißt, dass wir uns auf bestimmten Positionen verändern müssen, dann ist dem einfach so.

Umbruch, Bewährung oder Motivation?

In Bild/BZ wird daraus die Schlagzeile “Düwel plant den großen Umbruch” gemacht. Das ist übertrieben. Aber im Kern stimmt die Grundtendenz. Denn erstens muss sich der Trainer Gedanken machen, wie diese Saison zu Ende gespielt wird, in der Union nichts mehr gewinnen kann (selbst in der Fernsehgeldtabelle nicht). Wir kennen die Situation aus vergangenen Jahren, als noch zehn Spiele zu machen waren, aber die Mannschaft nach oben und nach unten ungefährdet war. Uwe Neuhaus hat in dem Moment häufig versucht, es aber selten geschafft, seine Mannschaft zu motivieren. Sei es über die Androhung personeller Konsequenzen für die nächste Saison oder durch das Einüben einer neuen Spielidee.

Bei Düwel sehe ich gerade eine Mischung aus beidem. Wobei ich das Gefühl habe, dass er seine personellen Konsequenzen, zumindest kurzfristig, bereits gezogen hat. Bleibt noch die Spielidee, die wieder die vom Anfang der Saison sein kann, wie der Kurier schreibt. Dazu sagte Düwel: “Es gibt personelle Alternativen in der Abwehr. Wir können umswitchen oder auch eine andere Taktik spielen.” Gemeint ist die Dreierkette, mit der laut Düwel weniger Tore kassiert wurden. Allerdings würde ich dem Trainer bei dieser Argumentation auch sagen, dass erst die Umstellung auf die Viererkette der Mannschaft ihre Balance wiedergegeben hat. Denn Tore geschossen hat sie mit der Dreierkette fast gar nicht. Jetzt funktioniert jedoch das Angriffsspiel besser, so dass ich Düwels Planspiel verstehen kann.

Personell ist noch Roberto Puncec mit Rückenproblemen angeschlagen. “So wie ich den Robo kenne, wird er auch in der Lage sein, mit Schmerzen zu spielen. Und davon gehe ich aus”, sagte der Coach dazu.


Foto: Koch

Falls ihr nicht mit der S-Bahn, Straßenbahn oder Bus zum Stadion fahren wollt, bietet Eddyline morgen eine perfekte Alternative:

Gute Vorsätze.

Donnerstag Abend. Die Helgard von Eddyline schippert über die Spree. Auf dem Boot befinden sich Journalisten, die Medienabteilung des 1.FC Wundervoll und Cheftrainer Uwe Neuhaus. Das Verhältnis der Berichterstatter zum Objekt der Berichterstattung ist nicht immer spannungsfrei. Umgekehrt gilt das selbstverständlich ebenso. Doch auch wenn in diesem Moment keiner dem anderen entkommen kann, ist die Situation sehr entspannt.

Es hat ein bisschen etwas von den guten Vorsätzen und Wünschen zum neuen Jahr. Pressesprecher Christian Arbeit wünscht sich eine deutlichere Kennzeichnung von Fakten und Meinung in den Texten. Dazu gibt er die Abwandlung eines Zitates von Karl-Heinz Müller (Chef der Modemesse Bread & Butter) aus der Berliner Zeitung mit auf dem Weg: “Es gibt Themen, die gehören in die Öffentlichkeit, und andere Themen eben nicht. Union ist ein Wirtschaftsunternehmen und keine öffentliche Einrichtung.”

Die Journalisten wünschen sich dagegen bessere Arbeitsbedingungen. Die Probleme sind bekannt und haben vor allem etwas mit dem zu tun, was der Verein überhaupt nicht hat: Platz. Abhilfe, das ließ Christian Arbeit durchblicken, kann da letztlich nur die neue Haupttribüne schaffen. Alles andere wären neue Provisorien. Pragmatischen Lösungen stünden außerdem die Durchführungsbestimmungen der DFL entgegen. Wer mal mit dem Ligaverband zu tun hatte, weiß, dass die KP China gegenüber der DFL so flexibel wirkt wie ihre minderjährigen Turnerinnen bei Olympia.

Das Verhältnis von Uwe Neuhaus zu den Medien war in der letzten Saison doch arg angespannt. Umso größer ist der Gegensatz seit Beginn der Saisonvorbereitung zu sehen. Der Trainer wirkt wie befreit und gibt sich gelöst. Das erklärte er auch auf dem Boot, als er seine guten Vorsätze vorbrachte: “Ich werde mir Mühe geben, medienfreundlicher zu sein, lockerer zu sein. Aber das wird sicher etwas, denn ich bin so etwas von entspannt nach einem schönen Urlaub.”

Interessant waren vor allem seine Ausführung zur taktischen Aufstellung und zum Kader. Mit Tusche würde sicher wieder das 4-4-2 mit Raute gespielt werden. Ein System, das einfach sehr gut zur Mannschaft passe. Ohne Tusche würde es wahrscheinlicher sein, dass die Mannschaft in einem 4-2-3-1 auflaufe. Den Kader zählte der Trainer wie folgt herunter. Es stünden 27 Spieler im Profikader, wobei Jérôme Polenz nicht mitgezählt werde (-1). Weiterhin wären sieben Spieler der U23 zuzuordnen (-7). Die könnten sich anbieten. Außerdem zieht Neuhaus die zwei Torhüter ab (-2). Am Ende blieben 17 Feldspieler. Nicht viel für eine Saison, aber der Coach legte Wert darauf, dass bei diesen 17 Spielern im Gegensatz zur Vorsaison die Qualität deutlich höher sei. Wenn ich jetzt noch die verletzten Santi Kolk, Torsten Mattuschka und John Jairo Mosquera abziehe (-3) und mir überlege, ab wann Michael Parensen und Patrick Zoundi bei 100 Prozent sind… Nein, das möchte ich jetzt nicht überlegen. Außerdem sind einige der U23-Spieler sehr wohl in der Lage, ihre Chance zu nutzen.

Zurück zu Uwe Neuhaus und seinem Ausblick auf die neue Saison. Ganz oben sieht er Eintracht Frankfurt, St. Pauli, Bochum, Duisburg, Düsseldorf und Fürth. “Bei unserem Saisonziel einstelliger Tabellenplatz bleiben dann nur drei Plätze für uns übrig. Und wenn dann noch eine Überraschungsmannschaft wie das letzte Mal Aue dazwischenkommt, wird es eng. Deshalb müssen wir eine gute und konstante Saison spielen.” Als Gründe für das Abschneiden der letzten Saison nannte der Trainer zwei Faktoren: zuviele ausgelassene hundertprozentige Torchancen und zuviele individuelle Fehler, die zu Gegentoren geführt haben.

Auf der Helgard war die Stimmung recht ausgelassen. Uwe Neuhaus redete mit den Journalisten auch im kleinen Kreis. Was am Ende der Saison von den Wünschen und guten Vorsätzen bleibt, wird zu einem sehr großen Teil vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg der Mannschaft abhängig sein. Das wussten alle Beteiligten vor dem sogenannten Medien Kick-off. Und sie wissen es auch danach.

Wir sammeln nur Pokale!

Wir haben über die erste Runde des DFB-Pokals berichtet, da ist es nur konsequent, bis zum Schluss dabei zu bleiben. Zum inzwischen dritten Mal haben Unioner für Schalke-Fans betreutes Reisen mit Eddyline organisiert, dieses Mal Richtung Olympiastadion zum Pokalfinale. Ich kann mit dem Begriff der Fanfreundschaft wenig anfangen. “Wir scheißen auf die Meisterschaft, wir scheißen auf die Schale – wir sind der FC Schalke, und wir sammeln nur Pokale” klingt trotzdem vertraut. “Dass wir Unioner sind, das weiß ein jedes Kind – wir reißen Bäume aus, wo keine sind” heißt es bei uns. Für Fußballfans, die eine Saison mit Würde so nehmen können, wie sie eben kommt, habe ich Respekt und Sympathie.