Ist das so, oder ist es vielleicht viel leichter?

Zur Regionalligareformreform

Am 21. und 22. Oktober 2010 findet in Essen der nächste Ordentliche DFB-Bundestag statt. Beherrschendes Thema wird die Reform der Regionalliga sein. Nein, diese Meldung stammt nicht aus dem Jahr 2007. Tatsächlich muss das Konzept Regionalliga in seiner bestehenden Form überarbeitet werden. Während die Einführung der 3.Liga als Erfolg gilt und das nach der EM 2000 etablierte Nachwuchsförderungsprogramm des DFB international nicht ohne Neid betrachtet wird, muss sich der DFB jetzt fragen lassen, wie er das meint, was da in der Präambel seiner Satzung steht:

Wichtigste Aufgabe des DFB ist die Ausübung des Fußballsports in Meisterschaftsspielen und Wettbewerben der Spielklassen der Regional- und Landesverbände und der Lizenzligen. Er trägt die Gesamtverantwortung für die Einheit des deutschen Fußballs. Der DFB handelt in sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung und fühlt sich in hohem Maße dem Gedanken des Fair Play verbunden. Seiner besonderen Förderung unterliegt auch der Freizeit- und Breitensport.

Es ist die Frage nach der Förderung des Amateur- und Breitensports, an der sich die Diskussion entzündet hat. Festgemacht wird sie an der aktuell schlechten Situation der Traditionsvereine innerhalb der Regionalligastaffeln. Drei Ursachen dafür werden benannt. Die Regionalliga zieht zu wenig Publikum an. Es fließen kaum Einnahmen aus Fernsehgeldern in die Vereine. Zugleich bringen die Lizenzauflagen des DFB hohe Kosten mit sich. Mehrere Vereine haben sich aus den genannten Gründen bereits aus dem Wettbewerb zurückgezogen.

Die geringen Zuschauerzahlen werden in erster Linie auf die Teilnahme der U23-Mannschaften am Ligabetrieb zurückgeführt. Die Ausbildungsmannschaften gelten als unattraktive Gegner. Die Initiative www.pro-regionalliga-reform-2012.de hat deshalb eine Online-Petition gestartet, deren Inhalt der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband gegenüber dem DFB vertritt. Unter dem Stichwort 2+1 hat er beantragt, die Regionalliga künftig so zu gestalten, dass alle U23-Mannschaften in einer eigenen Staffel zusammengefasst werden. Die beiden anderen Staffeln sollen den ersten Mannschaften der Traditionsvereine vorbehalten bleiben. Betrachtet man die Zusammensetzung der Regionalliga West, ist dieser Antrag nachvollziehbar. Unter den 18 Mannschaften finden sich 10 Ausbildungsmannschaften von Erst- und Zweitligisten.

Die extreme Gegenposition vertritt der Bayerische Fußball-Landesverband mit seinem Antrag. Man könne die Regionalligastaffeln in die Oberligen integrieren und als neue, vierte Spielklasse den Regional- und Landesverbänden unterstellen, wird vorgeschlagen. Die Attraktivität der dadurch zustande kommenden Derbys ist weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick ersichtlich. Im Gegensatz dazu drängt sich die Fahrkostenersparnis geradezu auf. Und zwar die des Zuschauers.

Nachdem beide Anträge gestellt wurden, ist es wahrscheinlich, dass sie Gegenstand der Tagesordnung des DFB-Bundestages werden.

Um auf diesen Fall angemessen reagieren zu können, haben sich die Vertreter des Ligaverbandes am vergangenen Freitag getroffen und ein gemeinsames Vorgehen der Erst- und Zweitligisten vereinbart. Der Inhalt eines möglichen eigenen Antrags der DFL ist derzeit nirgends im Wortlaut veröffentlicht. Einige Zitate und wenig Konkretes findet man im Netz. Die Gemengelage ist aber nicht schwer zu umreißen. Der DFL kann nicht daran gelegen sein, den Unterbau zu schwächen, geschweige denn, ihn zu eliminieren. Nicht aus dem Gefühl sozialer Verantwortung heraus, sondern aus soliden, finanziellen Gründen. Eine starke und attraktive Regionalliga ist im Interesse der DFL. Sie kommt den Lizenzmannschaften als Übungsplatz und Schaufenster zugute. Die vollständige Ausgliederung in eine eigene U23-Staffel ist von diesem Standpunkt aus allerdings inakzeptabel.

Lässt man den bayerischen Vorschlag außer Acht, gibt es Potential für eine Überarbeitung des bestehenden Regionalligakonzepts. Welche Modifikationen sinnnvoll und durchführbar sind, besprechen wir bis zum bevorstehenden DFB-Bundestag mit Menschen, die sich von Berufs wegen damit auskennen.