Mehrere Abschiede und ein hochanständiges, letztes Spiel.

Ich mag die Tradition, sich am letzten Spieltag in aller Form zu verabschieden. Sie ist gut, sie ist richtig, sie ist angemessen. Auch wenn ich jedes Mal heulen muss. Damit ich nicht ganz so sehr traurig bin, habe ich etwas sehr Schönes geschenkt bekommen. Ein schwarzes Trikot mit einer 1 drauf. Ich ziehe das an, und ich behalte es an. Daniel Haas. Ich bin zu anhänglich für Fußball. Wie eine Unionbank ohne Detlef Schneeweiß aussieht, kann ich mir auch nicht vorstellen. “Ich bin doch noch hier!”, tröstet mich Detlef. Jedenfalls glaube ich, dass er das ist, meine Brille ist schon wieder so beschlagen. Hofi das letzte Mal auf der Trainerbank. Dann spielt Union ein überraschend gutes Spiel gegen den Zweitligameister Freiburg. Wir sehen ein letztes Mal, wie Bobby Wood eingewechselt wird. Und jetzt ist Pause. Ich weiß nicht, wie es euch geht: Ich brauche die.

Schade, dass nicht alle einen richtigen Abschied im Stadion bekommen

Am Sonntag vor dem Freitagsspiel werden drei Unioner verabschiedet:

  • Torhüter Daniel Haas (Vertrag wird nicht verlängert)
  • Fitness- und Reha Trainer Daniel Wolf (Vertrag wird laut Bild nicht verlängert)
  • Mannschaftsleiter Detlef Schneeweiß (Rente)

Twitter: @rudelbildung

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Eine Identifikationsfigur geht, eine neue kommt

Mannschaftsbetreuer Detlef Schneeweiß geht diesen Sommer in Rente. Als Nachfolge steht Tobi Döge bereit und wird jetzt eingearbeitet. Genau. Der Tobi Döge, der langjähriger Kapitän von Union Zwee war (bis 2009). Wenn ihr ein Gespür für ihn bekommen wollt, dann lest euch mal dieses Interview mit ihm bei unveu.de durch. Ich zitiere mal daraus: “Das Unentschieden gegen Zehlendorf war so überflüssig wie ein Dynamofan.” Mehr zu dieser Personalie in der BZ. Und hier noch die offizielle Bestätigung von Union inklusive kurzem Video bei AFTV.

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Detlef Schneeweiß – Dinge geregelt kriegen

Dieser Text von Steffi erschien zuerst im Januar 2012 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt

Ein typisches Telefonat mit Detlef Schneeweiß klingt von seiner Seite etwa so: „Hallo Sebastian! – Ja, wann brauchst’n die? – Um sieben Uhr früh? – Geht klar, komm mal rüber.“ Schnell und präzise.

Foto: Matze Koch

Ganz anders ist Detlefs Büro. Das ist im Mannschaftscontainer untergebracht. Klar stehen dort Rechner und Büromöbel. Vor allem aber ist es ein Verwahrungsort. In und auf Vitrinen finden sich allerhand Erinnerungsstücke an Spieler und Fußballereignisse rund um den 1.FC Union. Historische Fußballschuhe sehe ich, eine Gipsmaske, unter der einmal das Gesicht von Karim Benyamina steckte, eine Collage zum Pokalfinale im Olympiastadion, ein Bild vom Teddybären im Union-Trikot, der Litex-Lovech-Wimpel und Unmengen Glücksbringer. Hier arbeitet einer, der dem Verein sehr verbunden ist.

Nun ist Detlef nicht etwa Museumsdirektor, sondern Mannschaftsleiter der ersten Herren beim 1.FC Union Berlin. Seine Stecktabelle zeigt deshalb auch konsequent ausschließlich die 2.Liga an.

“Ich bin das älteste Stück hier”

Nach dem ältesten Stück im Büro gefragt sagt Detlef knapp: „Ich.“ Auch wenn das nicht stimmt – wir finden später ein paar Stollenschuhe, die wohl noch handgefertigt sind – entspricht es doch dem Eindruck, dass Detlef schon immer da war. Tatsächlich sind es 13 Jahre, die er inzwischen für den Verein arbeitet. Im Fußball eine kleine Ewigkeit.

Mannschaftsleiter zu sein bedeutet, die Spieler so wenig wie möglich mit Alltag zu belasten. „Der Mannschaftsleiter fängt das auf, was so anfällt“, sagt Detlef. „Es geht los – bei ausländischen Spielern zumindest – mit Formalitäten beim Einwohnermeldeamt. Schulanmeldungen für die Kinder der Spieler. Kindergartenplätze. Führerscheinangelegenheiten. Organisieren von Auswärtsspielen, Bus, Flüge, Hotels. Enger Kontakt zum Ausrüster, Bestellen der gesamten Ausstattung – und immer da sein, wenn die Spieler etwas haben wollen.“


Foto:
Matze Koch

Auch Reifenwechseln und Wohnungssuche sind Dinge, um die sich kein Spieler selbst kümmern muss. „Viele beneiden mich um den Job, weil sie sagen, du bist nah an der Mannschaft. Du sitzt mit auf der Trainerbank und siehst die Spieler jeden Tag. Is’ dit schau! Ja klar, das hat was. Aber dass Du jeden Tag 10 Stunden hier bist, manchmal an sieben Tagen in der Woche, sieht niemand.“ Auch Traumjobs sind Arbeit.

Lange hat Detlef als Mathematiklehrer gearbeitet. Einer, der am Montagmorgen mit seinen Schülern zunächst das Fußballwochenende ausgewertet hat. Später hat er einen Zeitungsvertrieb organisiert, danach zum Industriekaufmann umgeschult. Die Umschulung war noch nicht abgeschlossen, da wusste er schon, dass das nichts für ihn ist. „In der Berliner Fußballwoche las ich im Frühjahr 1999, dass der 1. FC Union – mein 1. FC Union – einen Mannschaftsleiter und einen Zeugwart sucht. Ich dachte: Union-Fan bist Du schon seit Jahrzehnten, versuchst Du es einfach mal.“

Foto: Matze Koch

Leiter einer Schulklasse oder Leiter einer Sportmannschaft – das ist manchmal gar nicht so verschieden. Hier wie dort ist es ein Kommen und Gehen. „Man gewöhnt sich an alle. Ich sag immer: Wer mit mir nicht zurecht kommt, ist selber schuld. Dem einen oder anderen Spieler trauert man nach. Da sagt man: Das war ein dufter Typ, wir haben uns gut verstanden. Aber nach einem halben Jahr ist das fast vergessen. Andersherum verdrängt man auch, dass es einige gibt, zu denen man nicht so richtig Kontakt findet.“ Ehemalige Schützlinge, seien es Spieler oder Schüler, trifft Detlef inzwischen fast überall.

Was die Arbeit mit jungen Menschen mit sich bringt, sind Denkanstöße. „Facebook haben mir die Spieler gezeigt.“ Da ist er neugierig geblieben, obwohl er lieber telefoniert. Ruhestand kann er sich dagegen noch nicht so richtig vorstellen. Auch wegen der vielen Ruhe.

Wechselspiele

Spätestens nach dem PokalTrainingsspiel gegen Bremen hat es jeder verstanden. Daniel Schulz verliert sein Amt als Mannschaftskapitän an Marco Gebhardt. Dies ist sicherlich bitter. Trennen doch beide 14 Jahre Altersunterschied und steht Gebhardt mit seinen bald 37 Jahren sicher nicht für die mittlere Zukunft der Mannschaft. Doch was die Leistung betrifft, rechtfertigt er seine Aufstellung. Daniel Schulz hingegen hat sich seit seiner schweren Verletzung nicht mehr an das Niveau der Mannschaft herankämpfen können. Heute Mittag wurde beiden von Trainer Uwe Neuhaus und Sportdirektor Christian Beeck die Entscheidung mitgeteilt. Dabei spielte eine Rolle, dass sich ein Mannschaftskapitän schon alleine wegen seiner exponierten Rolle innerhalb der Mannschaft in der Stammformation befinden sollte. Daniel Schulz wurde damit ziemlich direkt mitgeteilt, dass er noch einen weiten Weg, zumal in einer höheren Spielklasse, vor sich habe. Und es sei sicherlich besser für ihn, wenn er diesen Weg ohne die Bürde des Amtes als Spielführer angehen würde. Mit dieser Argumentation sind sicher sehr viele d’accord. Die Parallelen zur Entwicklung bei Sebastian Bönig sind unverkennbar. Wir warten den Saisonverlauf ab und hoffen, dass Daniel Schulz den Anschluss an die Mannschaft wiederfindet.

Weniger auf Verständnis trifft allerdings die Entscheidung der sportlichen Leitung, dass während der Punktspiele in der 2. Bundesliga nicht mehr Mannschaftsleiter Detlef Schneeweiß und Masseur Thomas Riedel auf der Bank sitzen werden. Sie müssen Platz machen für Konditionstrainer Johann Strohmann und den neuen Videoanalytiker Daniel Stenz. Letzteren möchte Trainer Uwe Neuhaus zunächst bei sich auf der Bank haben, damit dieser lernt, was dem Trainer für die Videoanalyse besonders wichtig ist. Mit Schneeweiß und Riedel machen erneut zwei Personen Platz, die durch die entbehrungsreichen Zeiten der 3. und 4. Liga gegangen sind. Das stößt vor allem auf, wenn man bedenkt, dass gerade der seit 10 Jahren in Vereinsdiensten stehende Webadmin und die bisher für das Catering im Stadion verantwortliche Fankneipe Abseitsfalle ausgebootet wurden.

Ist das jetzt der neue Wind der echten Profiwelt, der durch unseren Verein weht?