“Auch im Verein sagt man mittlerweile: ‘Das gewinnen wir trotzdem.’ Wir denken über keine einzige Serie nach.”

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Nürnberg (Konserve gibt es auf AFTV) ging es vor allem Serien. Jens Keller zeigte sich sehr bemüht, zu erklären, wie wenig ihn Serien interessieren. Aber letzten Endes würde ich es so interpretieren, dass ihn vor allem negative Serien wenig interessieren. Negative Serien, die sich in Köpfen festsetzen, um es mal genauer zu sagen. Deswegen sagte er durchaus mit Stolz, dass diese Serien in der Mannschaft mittlerweile keine Rolle mehr spielen. “Auch im Verein sagt man mittlerweile: ‘Das gewinnen wir trotzdem.’ Wir denken über keine einzige Serie nach.”

Screenshot: AFTV

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Fürth-Fluch? Jens Keller hat bisher noch jede alte Negativ-Serie gebrochen

Heute um 13.30 Uhr findet die letzte Spieltagspressekonferenz des Jahres statt (live auf AFTV). Sollte Jens Keller nach der ausbaufähigen Heimserie gegen Fürth gefragt werden (6 Spiele, 6 Niederlagen seit dem Aufstieg 2009) weiß ich jetzt schon was Jens Keller antworten wird: “Da war ich noch nicht hier. Das interessiert mich nicht. Ich schaue nach vorne und nicht nach hinten auf Dinge, die ich nicht mehr beeinflussen kann.”

Jens Keller beim Training am 13. Dezember, Foto: Matze Koch

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Mit der Schrotflinte triffst Du immer irgendwas

Wir müssen mal über Christian Beeck reden. Gestern hat der Kicker ein Gespräch mit dem ehemaligen Cottbuser Spieler und Union-Manager veröffentlicht. Als Extrakt das hier online veröffentlicht worden. Das und vielleicht eine Agenturmeldung des Sport-Informationsdienstes führte dann dazu, dass alle möglichen Seiten das gleiche veröffentlichten. Dabei stand im Kicker-Text nicht viel anderes drin, als Beeck vor ein paar Wochen in seiner Sport1-Kolumne geschrieben hat. Ich fasse es mal in Stichworten zusammen: Kader und Transfers seien zu mittelmäßig, Düwel als Trainer zu schlecht und Lewandowski sei kein Trainercoup.


Foto: Matze Koch

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Mattuschka-Debatte: Bei Ede Geyer ist aber Schluss!

Als Torsten Mattuschka am Mittwoch-Mittag aus der Kabine kam und zu seinem Auto ging, machte er genau das, was viele Fußballer auf dem Platz machen. Er spuckte aus. Zielsicher auf ein kleines Stück Rasen auf dem Parkplatz. Direkt davor standen zwei Journalisten. Auch wenn der Zusammenhang nicht beabsichtigt war, machte die Szene von weitem betrachtet einiges her. Denn medial und emotional gibt es momentan kein anderes Thema als die Nichtberücksichtigung des immer mehr zu einem Klub-Symbol stilisierten Ex-Kapitäns im Zweitliga-Spiel gegen Düsseldorf (1:1).

Foto: Koch

Ob diese Debatte Mattuschka hilft, ist eine Frage, die noch nicht diskutiert wurde. Fakt ist, dass gegen Düsseldorf für den verletzten Björn Jopek nicht Mattuschka, sondern Björn Kopplin ins Spiel kam. Trainer Norbert Düwel argumentierte mit einer Umstellung auf ein Drei-Stürmer-System. Andere argumentieren mit einer Trotzreaktion des Trainers.
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Teve156 – Punkrockloft

Huch, schon wieder gewonnen. Das 2:1 gegen Düsseldorf könnte der Beginn einer wunderbaren Serie werden. Und gleichzeitig ist auch der Vorwurf weggewischt, Union könne unter Flutlicht nicht siegen. Sozusagen vom Tisch. Ist ja gerade große Mode, Dinge für beendet zu erklären. Nicht alle werden dagegen rassistische Idioten, wie Ralph Gunesch vom FC Ingolstadt beklagt. Gero hat da seine ganz persönliche Geschichte vom Stadionbesuch am Montag. Leider während des Podcasts vom Tisch gewischt und darunter liegen geblieben: Das Comeback von Christian Beeck an der Alten Försterei. Willkommen zurück!

Irgendwas mit Unionwalzer nach dem 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf.
Foto: Koch

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Gottesbeweis: Adam Nemec' Tor zum 1:0Wir würdigen und verstehen, was Benjamin Köhler getan hatVergleich mit dem Dresden-SpielWir lieben Bissigkeit mehr als Messidas Unwohlsein vor wichtigen Spielen geht nicht weg: Das ist das Union-GefühlDie Defensivarbeit von Sören BrandyDie Fitness der gesamten MannschaftKopfballduelle gewinnen? Könn' wa!Einziger Lapsus: Das GegentorDie Wechsel: Tusche raus verändert das SpielDer Elfmeter: Wenn Alex vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" sagt, es war keiner, dann war es keinerImmer, wenn man denkt, man könne Düsseldorf nicht mehr hassen, sagt irgendwer: Campino!Was wir an Düsseldorf ernsthaft nicht mochten, ist fort: Norbert Meier, Sascha RöslerEin gerne doof gefundener GastDie Düsseldorfer Auswärtstrikots finden mehrere Gegner und eine BefürworterinGero führt Gespräche mit MenschenSt.Pauli-Spieler machen Dinge richtigMarius EbbersRalph GuneschMontagsspiele sind keine VerbrecherGemeinsam gegen AniridieBeste Gastgeber der letzten Saison: FSV Frankfurt.

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Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Nicht alles, was aus sportlicher Sicht sinnvoll erscheint, passt zu Union. Das Präsidium steht in der Gesamtverantwortung für den Verein und muss mehr berücksichtigen, als die Bedürfnisse einzelner Abteilungen. Es hat deshalb entschieden, dieses Spiel abzusagen.

Union-Präsident Dirk Zingler, 18. März 2011, 
zur Absage des Testspiels gegen RB Leipzig

Viel Beifall bekam Dirk Zingler für die Entscheidung ein im vorhinein gemeinschaftlich verabredetes Testspiel gegen RB Leipzig abzusagen. Der Retortenklub aus Sachsen verkörpert für die meisten Fußballfans so ziemlich all das, was unter dem Kampfbegriff “moderner Fußball” zusammengefasst wird. Nicht einmal eine Fusion der Klubs TSG Hoffenheim, VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen hätte das gebären können, was aus der rosa Hölle von Milliardär Dieter Mateschitz kommt.

Union-intern hatte das Ereignis noch eine andere Auswirkung. Der sowieso schon angeknockte Manager Christian Beeck durfte auf der offiziellen Website noch einen selbstkritischen Beitrag verfassen:

Die Entscheidung für dieses Testspiel ist nach rein sportlichen Motiven erfolgt. Es gibt natürlich auch andere Perspektiven dazu und es ist wichtig und richtig, diese ebenfalls zu berücksichtigen. Das nicht getan zu haben, war ein Fehler.

Christian Beeck, 18. März 2011

Zwei Monate später trennte sich Union im Unfrieden vom Manager, der mittlerweile beim FC Energie Cottbus arbeitet. Und mittlerweile ist viel Gras über die Sache gewachsen. Soviel, dass von der grundsätzlichen Haltung des 1. FC Union nicht mehr viel übrig ist. Gegen das Pflichtspiel der eigenen U23 gegen RB Leipzig in der Regionalliga (1:1) vor einer knappen Woche konnte sich der Verein nicht wehren. Ob er das gewollt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Denn gestern Abend fand an der Alten Försterei ein an sich unbedeutendes Testspiel statt, wenn da nicht der Name des Gegners wäre: Union testete freundschaftlich seinen Nachwuchs gegen die U14 von RB Leipzig (6:0).

Das ist natürlich noch nicht die gleiche Wertigkeit wie ein Test der ersten Mannschaft. Aber die Frage sollte gestattet sein: Wie lange ist eigentlich die Halbwertzeit von grundsätzlichen Haltungen beim 1. FC Union?

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Teve067 – Die Neuhausrichtung von Union

Eigentlich wollten wir uns in Ruhe über Unions Saison unterhalten und zum Schluss das Phrasenschwein schlachten. Aber es kam mal wieder alles anders. Christian Beeck wurde entlassen. Nico Schäfer wurde angestellt. Wir ordnen das ein und überlegen, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die Weiterentwicklung des Vereins hat. Deswegen ist der ganze Podcast auch etwas länger geworden. Das Phrasenschwein wurde trotzdem geschlachtet: O-Töne im Podcast 00:20 Min - Dirk Zingler entlässt versehentlich Pressesprecher Christian Arbeit 01:35 Min - Dirk Zingler erklärt die Trennung von Christian Beeck 36:11 Min - Nico Schäfer spricht über seine Aufgaben bei Union 38:11 Min - Nico Schäfer erläutert Arbeit mit Verbänden 38:47 Min - Nico Schäfer redet über die Kaderzusammenstellung

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Reste-Essen.

Noch in der letzten Spielzeit wurde bei jeder Neuverpflichtung gründlich wie die Steuerfahndung nach einem Berlinbezug gesucht. In nächster Zeit empfiehlt man sich dem 1.FC Union Berlin aber wohl eher dadurch, dass man schon mal über´s Ruhrgebiet geflogen ist.

Ich mag Michael Parensen, ich schätze Patrick Kohlmann sehr, ich kann Ahmed Madouni viel abgewinnen – trotzdem möchte ich keine Außenstelle von Borussia Dortmund oder Rot-Weiss Essen werden. Es ist dieses Schöneiche-Gefühl, das Nico Schäfers Untervertragnahme umweht. Sachlich ist gegen einen Kaufmann in einem kaufmännisch geprägten Ressort zunächst einmal nichts einzuwenden.

Man bedenke allerdings: Ich bin Fußballfan. Ich kann jederzeit fordern „Es muss endlich etwas passieren“. Wenn etwas passiert, empöre ich mich unmittelbar „Aber doch nicht das – das war nicht mit mir abgesprochen!“ Die Entlassung von Christian Beeck ist für mich mit genau dieser Art von Empörung verbunden. Aus persönlicher Sympathie für Christian Beeck als Typen, als Charakter. Aber auch aus Unwissenheit. Ich kenne das Anforderungsprofil des kaufmännischen Leiters nicht. Ich vermag die Arbeit von Christian Beeck nicht daran zu messen. Ich weiß wenig über Auseinandersetzungen auf anderer Ebene.

Das schafft Unbehagen. Keine gute Grundlage für Vertrauen.

Der Gesichtsverlust.

Bisher hat sich Uwe Neuhaus gegen das Wort Umbruch gewehrt. Aber spätestens seit heute ist der Umbruch in Köpenick offensichtlich. U23-Trainer Theo Gries wurde trotz erfolgreicher Saison in der Oberliga und laufendem Vertrag gefeuert. Acht Spieler verlassen die Profimannschaft. Und nun hat sich Union trotz laufendem Vertrag von Team-Manager Christian Beeck getrennt.

Ist Uwe Neuhaus kantig und wenig mitteilsam, so hat Christian Beeck immer einen lockeren Spruch auf den Lippen gehabt. Nicht dass er mehr gesagt hätte. Ich erinnere mich an einen Anruf beim Manager, als es um die Vertragsverhandlung mit Torsten Mattuschka ging und Beeck ins Telefon lachte: “Natürlich können Sie mich fragen. Aber erwarten Sie nicht, dass ich Ihnen etwas erzähle. Na los, fragen Sie mal!” Es entwickelte sich ein witziges Gespräch. Beeck beherrscht die Kunst mit vielen Worten ebensowenig zu erzählen wie der Trainer. Allerdings merkt man das als Fragesteller manchmal erst hinterher. Aber wenigstens fühlt man sich gut unterhalten.

Gleichzeitig hat er sich auch Zeit für Themen genommen, die einen Einblick in seine Fußballweltansicht lieferten. Nach dem langen lockeren Gespräch über die Nachwuchsarbeit bei Union, setzte er sich akribisch mit dem langen Text auseinander. Weil ihm wichtig war, dass seine dezidierte Meinung ankommt. Beeck kommt über den Fleiß. Ihm ist als Spieler nichts zugefallen und genauso lief es in der Karriere nach der Karriere. Fleiß und Kampf. Beeck hat bei Union vorgelebt, was er von allen anderen erwartet hat. Er hat dem Verein nach außen ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Vielleicht findet sich ein Manager, der besser mit Uwe Neuhaus kann. Aber schwer vorstellbar, dass dieser Gesichtsverlust ausgeglichen werden kann.

Krönung ohne Titel.

Manche Dinge passieren einfach. Mit dem Abpfiff im Berliner Olympiastadion beim Stande von 1:2 für den 1. FC Union bei Hertha BSC ist etwas passiert. Der 1. FC Union Berlin ist nach außen hin ein professioneller Verein. Er ist Teil der Vermarktungsmaschine DFL und unterwirft sich ihren Regeln.

Trotzdem rennt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union, mit Abpfiff auf das Spielfeld und möchte seine Freude teilen. Trainer Uwe Neuhaus steht selbst noch unter Strom und weiß mit der menschgewordenen Freude, die vorher mal sein Vorgesetzter war, nichts anzufangen. Nebenan nimmt Teammanager Christian Beeck eine Mitarbeiterin erst in den Arm und hebt sie dann hoch. Presse- und Stadionsprecher Christian Arbeit weint. Der Moderator des Vereinsfernsehens muss sich ebenfalls Tränen aus den Augen wischen.

Nüchtern betrachtet sind sie alle Funktionsträger oder Angestellte. Betrachtet man die Menschen dahinter, sind sie zum einen vielleicht auch Fans. Aber vor allem sind sie angekommen. Aus der vierten Liga. Dort, wo es kein Geld und keine professionellen Strukturen gibt. Auf dem Rasen des Olympiastadions sind sie angekommen, wo sie hinwollten. Raus aus der Ostnische. Einen eigenen selbstbestimmten Weg beschreitend. Die Jubelschreie sind das “Wir sind wieder wer” des 1. FC Union Berlin.

Bilder: Stefanie Lamm