Union: Hier bin ich zu Hause.

Ich komme nicht aus Köpenick. Ich habe noch nicht einmal dort gewohnt. Aber ich habe dort gerne meine Füße ins Wasser gehalten. Sei es an der Altstadt oder in den Müggelsee. Ich war mal mehr und mal weniger glücklich in Köpenicker Frauen verliebt. Auch mit dem 1. FC Union war ich nicht immer zusammen. Wir hatten Beziehungspausen.

Roland Krispin und die Breakers

All diese Gedanken schwirrten durch meinen Kopf, als Roland Krispin auf der Bühne im kleinen Fluxbau sein Lied “Wir sind Union” begann:

Wo die Spree sich mit der Dahme vereint
Wo die Sonne morgens von vorne scheint
Wo man zu Fuß schneller ist als die Bahn
Hier kommt man immer irgendwo an
Wo du denkst dass du in Venedig bist
Nur das man hier statt Pasta Bratwurst isst
Ein kleines Schloss, ne eigne Brauerei
Köpenick, Spindlersfeld, Alte Försterei

Wir waren gar nicht in Köpenick. Sondern eigentlich im Gegenteil davon. Der Fluxbau befindet sich Kreuzberg. Direkt am Spreeufer mit einem sensationellem Blick. Wenn Hipness in Berlin wohnt, dann hier.

Spreepanorama vom FluxBau aus gesehen

Doch im Fluxbau ging es nicht um Selbstdarstellung, Projekte und ein gegenseitiges Übertreffen. Objektiv gesehen war das Konzert eine Recording-Session für die Vinylplatte “Wir sind Union”, die nach dem erfolgreichen Crowdfunding produziert wird. Roland Krispin und die Breakers spielen ihre Unionlieder, Unterstützer waren eingeladen. Mehr sollte nicht passieren.

Aber es wurde mehr. Es wurde eine Feier. Nicht eines Fußballvereines, sondern eines Gefühls. Hier ging es nicht um die Frage: “Was bist Du denn für ein Unioner?” Hier waren einfach alle dabei. Auch der Journalist, der den Verein objektiv zu betrachten versucht und feststellen musste, dass seine Eltern in Bayern durch seine Arbeit zu Unionfans wurden. Lachen in den Gesichtern, immer stärkeres Mitsingen. Dazu der verzweifelte Versuch im Publikum, die Atmosphäre mit dem Telefon festzuhalten. Nutzlos. Kein Video kann diese Nähe, dieses Miteinander transportieren.

Wo die Menschen sich mit sich versteh’n
Egal ob sie kommen, ob sie geh’n

"Hier sind wir zuhaus" Das Publikum singt beseelt mit.

Bei jedem Mal, wurde der Beginn des Refrains lauter, inbrünstiger mitgesungen.

Hier sind wir zuhaus

Union gehört zu Köpenick. Das steht fest. Aber das Union-Gefühl ist nicht an einen Ort gebunden. Gestern Abend war es in Kreuzberg zu Hause. Daran gab es beim Blick in die fröhlichen, beinahe beseelt lachenden Gesichter nach dem Konzert keinen Zweifel. Union: Hier bin ich zu Hause.

Filme vom Konzert:

Fotos von Union-foto.de

Vinyl – So charmant wie Köpenick

“Wieso wollt ihr eigentlich eine Vinyl-Platte und keine CD machen?”, ist der schlechtestmögliche Einstieg in ein Gespräch mit einem Musiker. Roland Krispin hat es mir am Telefon nicht übelgenommen. Dabei war ich mit meiner Frage so unsentimental wie die Regionalbahn, die einfach am Bahnhof Köpenick vorbei braust statt zu halten.

“Wir sind Union”, heißt das Lied, das er gemeinsam mit seiner Band, Unions Stadionsprecher Christian Arbeit, Angelika Mann, Dirk Zöllner und Torsten Mattuschka aufgenommen hat. Zum Einpeitschen vor einem Spiel taugt es nicht. Zu langsam, zu gemächlich. Es ist mehr so der Radfahrer, der sich durch den Köpenicker Dauerstau rings um die Altstadt schlängelt. Und am Ende am Flußbad Krokodil landet, um am Ufer ein Bier zu trinken und gegen die Sonne zu blinzeln.

“Vinyl ist einfach viel charmanter”, antwortete mir Roland Krispin. Vielleicht dachte er wie ich an die vielen schönen Stunden am Wasser in Köpenick, das zwar zu Berlin gehört, aber ein ganz anderes Lebensgefühl mit sich herumträgt.

Das muss nicht nur träumerisch entspannt sein. Köpenick ist auch pragmatisch. “Außerdem ist auf einem Vinyl-Cover viel mehr Platz für Unterschriften”, sprach es durch mein Telefon zu mir. Als ob ich noch überzeugt werden musste …

Crowdfunding für “Wir sind Union” als Vinyl

Für 12 Euro könnt ihr bei Euch bei Startnext.de eine von Union-Spielern und den Machern des Liedes signierte Vinyl-Platte sichern und die Produktion der 500 Exemplare sichern. Wer mehr Geld hat, kann auch mehr dort lassen. Gebraucht werden insgesamt 3.200 Euro, von denen schon 2.381 Euro gegeben wurden. Bis Ende März läuft die Aktion.

2013: Christian Arbeit wird rasiert.

Daniel Stolpe (ehemaliger Hertha-Reporter bei der Berliner Morgenpost) hat drüben im hochgeschätzten Blog immerhertha.de eine wirklich großartige Jahresvorschau für 2013 geschrieben. Monat für Monat eine gnadenlose Vorhersage der Zukunft von Hertha BSC inklusive der Demission von Erfolgstrainer Jos Luhukay. Schön und gut. Aber was hat das mit dem 1. FC Union zu tun? Eine ganze Menge. Denn laut der Glaskugel von Daniel Stolpe schnappt sich der in die Bundesliga aufsteigende Rivale nicht nur einen ehemaligen Union-Sponsor (ich sage nur: Orange macht Putz!), sondern auch gleich noch Presse- und Stadionsprecher Christian Arbeit. Und zwar schon im April:

Bei Hertha wird die Nachfolge für den scheidenden Klubsprecher Peter Bohmbach vorgestellt. Auf dem Podium im Medienraum sitzt ein auffällig glatt rasierter Mann mit modischer Kurzhaarfrisur – es handelt sich, und das ist kaum zu glauben, um Christian Arbeit, bislang in gleicher Funktion beim 1. FC Union tätig. “Wir haben ihn und sein professionelles und zugleich sympathisches Wirken schon lange verfolgt und waren davon sehr angetan”, erklärt Präsident Werner Gegenbauer. “Als nun die Chance bestand, ihn für Hertha BSC zu gewinnen, war er unsere erste und einzige Wahl.”

Die ganze Jahresvorschau “Orange Revolution bei Hertha oder Die wunderbare Welt der erstklassigen Saubermänner”

Teve071 – “Scheißtag. Sport frei!”

0:4 zu Hause gegen Fürth. Das spricht eine deutliche Sprache. Dazu noch ein beinahe schon traditionell verschossener Elfmeter gegen Fürth und ein wie letztes Jahr begeisterter Gästetrainer. Logisch, die Atmosphäre in der Alten Försterei gefällt mit drei gewonnenen Punkten gleich doppelt so gut. Torsten Mattuschka nennt das einen “Scheißtag” und verabschiedet sich mit “Sport frei!”

Weiterhin ferienbedingt dezimiert diskutieren wir mit Hans-Martin das Spiel gegen Fürth, die Vertragsverlängerung von Christopher Quiring und die Bauchpinselei von Fürths Trainer Michael Büskens.

Viel mehr Platz als die Niederlage nimmt die mediale und union-interne Diskussion um Dirk Zinglers Dienst beim Wachregiment des MfS ein. Wir bewerten zunächst noch einmal den Fakt an sich und schauen uns anschließend die Berichterstattung dazu vor allem in der Berliner Zeitung an. Dabei geht es um die Frage, ob dem freien Journalisten Matthias Wolf Hetze unterstellt werden kann. Ein weiteres Thema ist die Rede von Stadion- und Pressesprecher Christian Arbeit vor Spielbeginn, in der er seine Meinung zur Berichterstattung äußert. Dazu kommt noch ein anonymer Text im Stadionheft. Diesen Punkten stellen wir Thesen von Uwe Bremer (Berliner Morgenpost) gegenüber. Zum Schluss geht es noch um die Frage, ob Dirk Zingler nun als Präsident angeschlagen ist oder nicht.

Wir hoffen, dass sich der nächste Podcast nach dem Pokalspiel in Essen vor allem wieder um sportliche Themen dreht.

O-Töne

  • 00:19 Min Mannschaftsaufstellung Fürth
  • 01:54 Min Mannschaftsaufstellung Union
  • 16:48 Min Christoph Menz über mögliche Aufholjagd
  • 18:57 Min Zusammenschnitt von Menz und Mattuschka über mögliches Spielergebnis
  • 26:14 Min Uwe Neuhaus und Michael Büskens über Atmosphäre bei Union
  • 62:55 Min Christian Arbeits Rede vor Anpfiff

Bilder:

Bilder: Stefanie Lamm
Shownotes

Gute Vorsätze.

Donnerstag Abend. Die Helgard von Eddyline schippert über die Spree. Auf dem Boot befinden sich Journalisten, die Medienabteilung des 1.FC Wundervoll und Cheftrainer Uwe Neuhaus. Das Verhältnis der Berichterstatter zum Objekt der Berichterstattung ist nicht immer spannungsfrei. Umgekehrt gilt das selbstverständlich ebenso. Doch auch wenn in diesem Moment keiner dem anderen entkommen kann, ist die Situation sehr entspannt.

Es hat ein bisschen etwas von den guten Vorsätzen und Wünschen zum neuen Jahr. Pressesprecher Christian Arbeit wünscht sich eine deutlichere Kennzeichnung von Fakten und Meinung in den Texten. Dazu gibt er die Abwandlung eines Zitates von Karl-Heinz Müller (Chef der Modemesse Bread & Butter) aus der Berliner Zeitung mit auf dem Weg: “Es gibt Themen, die gehören in die Öffentlichkeit, und andere Themen eben nicht. Union ist ein Wirtschaftsunternehmen und keine öffentliche Einrichtung.”

Die Journalisten wünschen sich dagegen bessere Arbeitsbedingungen. Die Probleme sind bekannt und haben vor allem etwas mit dem zu tun, was der Verein überhaupt nicht hat: Platz. Abhilfe, das ließ Christian Arbeit durchblicken, kann da letztlich nur die neue Haupttribüne schaffen. Alles andere wären neue Provisorien. Pragmatischen Lösungen stünden außerdem die Durchführungsbestimmungen der DFL entgegen. Wer mal mit dem Ligaverband zu tun hatte, weiß, dass die KP China gegenüber der DFL so flexibel wirkt wie ihre minderjährigen Turnerinnen bei Olympia.

Das Verhältnis von Uwe Neuhaus zu den Medien war in der letzten Saison doch arg angespannt. Umso größer ist der Gegensatz seit Beginn der Saisonvorbereitung zu sehen. Der Trainer wirkt wie befreit und gibt sich gelöst. Das erklärte er auch auf dem Boot, als er seine guten Vorsätze vorbrachte: “Ich werde mir Mühe geben, medienfreundlicher zu sein, lockerer zu sein. Aber das wird sicher etwas, denn ich bin so etwas von entspannt nach einem schönen Urlaub.”

Interessant waren vor allem seine Ausführung zur taktischen Aufstellung und zum Kader. Mit Tusche würde sicher wieder das 4-4-2 mit Raute gespielt werden. Ein System, das einfach sehr gut zur Mannschaft passe. Ohne Tusche würde es wahrscheinlicher sein, dass die Mannschaft in einem 4-2-3-1 auflaufe. Den Kader zählte der Trainer wie folgt herunter. Es stünden 27 Spieler im Profikader, wobei Jérôme Polenz nicht mitgezählt werde (-1). Weiterhin wären sieben Spieler der U23 zuzuordnen (-7). Die könnten sich anbieten. Außerdem zieht Neuhaus die zwei Torhüter ab (-2). Am Ende blieben 17 Feldspieler. Nicht viel für eine Saison, aber der Coach legte Wert darauf, dass bei diesen 17 Spielern im Gegensatz zur Vorsaison die Qualität deutlich höher sei. Wenn ich jetzt noch die verletzten Santi Kolk, Torsten Mattuschka und John Jairo Mosquera abziehe (-3) und mir überlege, ab wann Michael Parensen und Patrick Zoundi bei 100 Prozent sind… Nein, das möchte ich jetzt nicht überlegen. Außerdem sind einige der U23-Spieler sehr wohl in der Lage, ihre Chance zu nutzen.

Zurück zu Uwe Neuhaus und seinem Ausblick auf die neue Saison. Ganz oben sieht er Eintracht Frankfurt, St. Pauli, Bochum, Duisburg, Düsseldorf und Fürth. “Bei unserem Saisonziel einstelliger Tabellenplatz bleiben dann nur drei Plätze für uns übrig. Und wenn dann noch eine Überraschungsmannschaft wie das letzte Mal Aue dazwischenkommt, wird es eng. Deshalb müssen wir eine gute und konstante Saison spielen.” Als Gründe für das Abschneiden der letzten Saison nannte der Trainer zwei Faktoren: zuviele ausgelassene hundertprozentige Torchancen und zuviele individuelle Fehler, die zu Gegentoren geführt haben.

Auf der Helgard war die Stimmung recht ausgelassen. Uwe Neuhaus redete mit den Journalisten auch im kleinen Kreis. Was am Ende der Saison von den Wünschen und guten Vorsätzen bleibt, wird zu einem sehr großen Teil vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg der Mannschaft abhängig sein. Das wussten alle Beteiligten vor dem sogenannten Medien Kick-off. Und sie wissen es auch danach.

Neulich bei AF.tv

Am letzten Donnerstag war ***textilvergehen*** zu Gast bei AF.tv. Moderiert von Pressesprecher Christian Arbeit durften Tino Czerwinski, Gerald Karpa und ich Fragen an Dirk Zingler, den Präsidenten des 1.FC Union Berlin, stellen.

Nachdem die vergangene Saison mit einigen überraschenden Entscheidungen endete, war der Gesprächsbedarf der Unionfangemeinde enorm. Das spiegelte sich im Forum und auf diversen Internet-Plattformen wider und dürfte auch den Ausschlag dafür gegeben haben, dieses erste Interview zur neuen Spielzeit in einem etwas anderen Rahmen zu präsentieren. Während sonst mit Christian Arbeit oder Hannes Teubner Mitarbeiter der Pressestelle durch die Gespräche führen, waren es dieses Mal drei zwar dem Verein verbundene, aber eben nicht dort angestellte Personen, die nach Antworten suchten. Es mag anfangs etwas holpern, es ist dennoch der Blick von außen, der den Unterschied macht.

Erwartungsgemäß wurden denn auch recht ausführlich die Personalien Christian Beeck, Nico Schäfer und Theo Gries erörtert. In gewisser Weise war das therapeutisch. Vereinsführung und Fans starten hoffentlich befreiter, mit etwas weniger emotionalem Ballast in den heutigen Trainingsauftakt. Ein bißchen Zukunftsmusik gab es dennoch. Die neue Haupttribüne soll so schnell wie möglich gebaut werden. Aber, und das wünsche ich mir in Beton gegossen, “auf eine Art, die zu uns passt.”

Der zweiteilige Beitrag kostenfrei bei www.aftv-online.de anzusehen, setzt aber eine Registrierung voraus.

Teve067 – Die Neuhausrichtung von Union

Eigentlich wollten wir uns mit Robert und Hans-Martin in Ruhe über Unions Saison unterhalten und zum Schluss das Phrasenschwein schlachten. Aber es kam mal wieder alles anders. Christian Beeck wurde entlassen. Nico Schäfer wurde angestellt. Wir ordnen das ein und überlegen, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die Weiterentwicklung des Vereins hat. Deswegen ist der ganze Podcast auch etwas länger geworden.

Das Phrasenschwein wurde trotzdem geschlachtet:

O-Töne im Podcast

00:20 Min – Dirk Zingler entlässt versehentlich Pressesprecher Christian Arbeit
01:35 Min – Dirk Zingler erklärt die Trennung von Christian Beeck
36:11 Min – Nico Schäfer spricht über seine Aufgaben bei Union
38:11 Min – Nico Schäfer erläutert Arbeit mit Verbänden
38:47 Min – Nico Schäfer redet über die Kaderzusammenstellung

Shownotes

Teve066 – War was?

Das Spiel gegen Cottbus war gefühlt das letzte Spiel der Saison. Robert und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) waren zu Gast in unserer Küche und haben mit uns über Höflichkeit, Professionalität und Fantum geredet. Auch über schnelle junge Flügelflitzer (Chrissy Quiring!). Und über Abschiede (Karim! Peitzinho!).

Karlsruhe? War da was?

O-Töne im Podcast

08:06 Min – Karim Benyamina kaspert
20:22 Min – Stänkerei um Vergangenheitsfußball auf der Pressekonferenz
36:42 Min – Pfiffe bei der Spielerverabschiedung
66:42 Min – Dominic Peitz freut sich über sein Tor

Bilder: Stefanie Lamm
Shownotes

Alte Tante, neues Image

Hertha wurde in den letzten Jahren sehr häufig der Vorwurf gemacht, sich bei der Öffentlichkeitsarbeit zu sehr an der großen Welt und in der Region Berlin-Brandenburg vor allem um das Umland gekümmert zu haben. Dies sei verantwortlich für das bisweilen blasse oder graue Image des Vereins. Seit dem Weggang des Managers Dieter Hoeneß, der aus dem blau-weißen “schlafenden Riesen” einen Verein in Richtung Bayern München machen wollte, hat sich in der Öffentlichkeitsarbeit einiges geändert. Der Abstieg in die zweite Liga wurde zum Anlass genommen, stärker als Berliner Verein mit Ecken und Kanten wahrgenommen zu werden. Als Beispiel können die Videos “Zeckes Außenbahn” von Andreas Neuendorf gelten.

Ein weiterer Punkt bei der Rückbesinnung auf Berlin ist die Aktion “Hertha hautnah”. Der Verein wird im Laufe der Saison fünf Mal in der Stadt auf Plätzen anderer Vereine trainieren. Heute war die Premiere auf dem neuen Gelände von Sparta Lichtenberg. Etwa 600 Anhänger kamen auf den Platz des Landesligisten, der als Skyline das Kraftwerk Rummelsburg und die Hochäuser des Stadtteils zu bieten hat. Neben den üblichen Aufbauten eines lokalen Radiosenders und von Sponsoren gab es einige echte Anreize. Zum Beispiel mehr als 50% günstigere Tickets. Der Heimatverein wurde auch bedacht und erhielt neben der medialen Aufmerksamkeit auch 50 Cent von jeder verkauften Bratwurst und jedem verkauften Bier.

Dass der Slogan “Hertha hautnah” nicht einfach nur eine leere Hülse war, konnte man in den Gesichtern der Anhänger lesen. Diese umlagerten den Trainer Markus Babbel oder den verletzten Patrick Ebert. Trotz bedeckten Himmels und einsetzenden Nieselregens war die Stimmung freudig aufgeregt. Den Fans war anzumerken, dass sie einerseits selbst selten ein Training der Hertha besucht noch die Spieler derart nah zu Gesicht bekommen hatten. Nach dem Training, das abgesehen vom Umfeld eine normale Einheit war, kamen Spieler wie Raffael kaum zur Umkleide. Sie bewegten sich schleppend in einer Traube von Kindern vom Platz, die schnatternd nach Autogrammen verlangten.

Auch Unions Pressesprecher Christian Arbeit schaute vorbei und beobachtete den Trubel. Das neue Image scheint zu fruchten, wobei natürlich ein erster Platz in der Tabelle eine mehr als gute Unterstützung ist. Und doch lugt ab und zu die alte Hertha noch hervor, die etwas angejahrt riecht. Nicht in Lichtenberg, sondern via Bildzeitung, in der Frank Zander ein neues Herthalied exklusiv vorstellte. Abseits der bekannt fürchterlichen Fußballyrik beeindruckt das Stück mit offensichtlich zeitloser musikalischer Untermalung aus den 80er Jahren. So mancher Herthafan entschuldigte sich schon für die Entgleisung. Aber Herthas Pressesprecher Gerd Graus nimmt die Angst, dass das Lied die neue Hymne werden könnte. Das, so Graus, würden die Fans im Stadion entscheiden.

Bilder: Sebastian Fiebrig

Taktisch auf der WM-Welle

Für 7.475 Zuschauer ging die Fußballsaison mit dem ersten ernstzunehmenden Test gegen Deportivo La Coruña bereits richtig los. Trainer Uwe Neuhaus hatte bereits vorher angekündigt, dieses mal nicht zur Halbzeit komplett zu tauschen. Und so war die Erwartung da, man könne schon eine Ahnung der Startelf für die neue Saison bekommen. Und so sah sie aus.

Passen mussten wegen kleinerer Blessuren Kenan Sahin, John-Jairo Mosquera und Chinedu Ede. Von der Tribüne auch zugeschaut hatte der schon lange verletzte Michael Parensen. Uwe Neuhaus entschied sich für das schon bei der Weltmeisterschaft sehr populäre 4-2-3-1-System. Dieses wird für die Stürmer zu einem starken Verdrängungskampf führen, den Sahin wohl nur bestehen kann, wenn er sich tatsächlich auf die linke Seite orientiert. Den durch die Neueinkäufe vermuteten Anstieg der spielerischen Qualität in der Breite der Mannschaft konnte man gestern bereits in Ansätzen bestaunen. In Erinnerung blieb zum Beispiel eine schnelle Ballstaffette, die Polenz nach Balleroberung einleitete, und die über Younga-Mouhani und Brunnemann zu Benyamina führte. Der konnte den Ball zwar nicht am zweiten Verteidiger vorbeibringen, aber nährte die Hoffnung, dass ein schnelles Umschalten von Abwehr und Angriff nun auch wieder zum Repertoire von Union gehören wird. Dazu gehört auch das schnelle Passpiel, anstatt mit Ball die Dribblings zu suchen.

Ansonsten galt es für Union vor allem die Spanier vom Tor wegzuhalten, was die erste halbe Stunde ganz gut gelang. Beiden Mannschaften war aber auch die fehlende Frische anzumerken. Ganz im Gegensatz dazu das Publikum, das die Sommerpause für eine Erholung genutzt hatte und bereits von der Lautstärke und dem Gesang her auf Punktspielniveau angekommen war. Ab der 30. Minute nahm der Druck von La Coruña zu, und die beiden Gegentore fielen beinahe zwangsläufig.

Zur zweiten Halbzeit wechselte Neuhaus Savran für Benyamina ein, der vorne kaum zur Geltung kam. Außerdem kam Kolk für Kohlmann. Dies sorgte für einige Umstellungen, die auf der Grafik zu erkennen sind. Menz rückte für Kohlmann in die Viererkette und Mattuschka spielte den offensiveren Sechser, während Kolk dessen Platz in der Zentrale einnahm.

Union kam in der zweiten Halbzeit offensiv besser zurecht und hatte in der 49. Minute den ersten Torschuss zu verzeichnen. Ob das an der Umstellung des Trainers lag oder an den sechs Wechseln zur Halbzeit bei La Coruna, ist sicher müßig zu diskutieren. Auf der rechten Außenbahn gefielen Polenz und Quiring, die ihre offensiven Aufgaben mit einem bis dahin nicht gekannten Tempo erledigten. Allerdings musste der umsichtige Madouni des öfteren aufgrund der Ausflüge von Polenz nach außen rücken und im Prinzip auf eine Dreierkette umschalten, um die Lücken in der Abwehr nicht zu groß werden zu lassen. Vielleicht war es das, was Trainer Neuhaus zu der Einschätzung veranlasste, Polenz hätte noch Konzentrationsmängel gehabt.

Überhaupt Madouni. Er dirigierte die Abwehr und gab Kommandos, als würde er schon seit Ewigkeiten Teil der Mannschaft sein. Jan Glinker im Tor wird sicher sehr dankbar für einen solchen Abwehrchef sein. Und nachdem Uwe Neuhaus sich vorletzte Woche auf die Kapitänsfrage angesprochen dahingehend geäußert hat, dass er in den letzten Jahren eher kein glückliches Händchen bei der Auswahl gehabt hätte, wäre es nachvollziehbar sein, wenn er mit Madouni einem Neuzugang das Amt überträgt. Denn der wird seinen Stammplatz sicher haben und strahlt eine Souveränität auf dem Platz aus.

Was die einzelnen Positionen anbetrifft, waren noch keine klaren Konturen oder Hackordnungen abzusehen. Überraschend war der Einsatz von Christoph Menz, der weiterhin Unions Allzweckspieler zu sein scheint. Ihm bleibt für die persönliche Entwicklung eine bessere Profilierung seiner Spielposition zu wünschen.