Tag Archive for 'Christian Arbeit'

“Scheißtag. Sport frei!”

0:4 zu Hause gegen Fürth. Das spricht eine deutliche Sprache. Dazu noch ein beinahe schon traditionell verschossener Elfmeter gegen Fürth und ein wie letztes Jahr begeisterter Gästetrainer. Logisch, die Atmosphäre in der Alten Försterei gefällt mit drei gewonnenen Punkten gleich doppelt so gut. Torsten Mattuschka nennt das einen “Scheißtag” und verabschiedet sich mit “Sport frei!”

Weiterhin ferienbedingt dezimiert diskutieren wir mit Hans-Martin das Spiel gegen Fürth, die Vertragsverlängerung von Christopher Quiring und die Bauchpinselei von Fürths Trainer Michael Büskens.

Viel mehr Platz als die Niederlage nimmt die mediale und union-interne Diskussion um Dirk Zinglers Dienst beim Wachregiment des MfS ein. Wir bewerten zunächst noch einmal den Fakt an sich und schauen uns anschließend die Berichterstattung dazu vor allem in der Berliner Zeitung an. Dabei geht es um die Frage, ob dem freien Journalisten Matthias Wolf Hetze unterstellt werden kann. Ein weiteres Thema ist die Rede von Stadion- und Pressesprecher Christian Arbeit vor Spielbeginn, in der er seine Meinung zur Berichterstattung äußert. Dazu kommt noch ein anonymer Text im Stadionheft. Diesen Punkten stellen wir Thesen von Uwe Bremer (Berliner Morgenpost) gegenüber. Zum Schluss geht es noch um die Frage, ob Dirk Zingler nun als Präsident angeschlagen ist oder nicht.

Wir hoffen, dass sich der nächste Podcast nach dem Pokalspiel in Essen vor allem wieder um sportliche Themen dreht.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

O-Töne

  • 00:19 Min Mannschaftsaufstellung Fürth
  • 01:54 Min Mannschaftsaufstellung Union
  • 16:48 Min Christoph Menz über mögliche Aufholjagd
  • 18:57 Min Zusammenschnitt von Menz und Mattuschka über mögliches Spielergebnis
  • 26:14 Min Uwe Neuhaus und Michael Büskens über Atmosphäre bei Union
  • 62:55 Min Christian Arbeits Rede vor Anpfiff

Bilder:

Bilder: Stefanie Lamm

Gute Vorsätze.

Donnerstag Abend. Die Helgard von Eddyline schippert über die Spree. Auf dem Boot befinden sich Journalisten, die Medienabteilung des 1.FC Wundervoll und Cheftrainer Uwe Neuhaus. Das Verhältnis der Berichterstatter zum Objekt der Berichterstattung ist nicht immer spannungsfrei. Umgekehrt gilt das selbstverständlich ebenso. Doch auch wenn in diesem Moment keiner dem anderen entkommen kann, ist die Situation sehr entspannt.

Es hat ein bisschen etwas von den guten Vorsätzen und Wünschen zum neuen Jahr. Pressesprecher Christian Arbeit wünscht sich eine deutlichere Kennzeichnung von Fakten und Meinung in den Texten. Dazu gibt er die Abwandlung eines Zitates von Karl-Heinz Müller (Chef der Modemesse Bread & Butter) aus der Berliner Zeitung mit auf dem Weg: “Es gibt Themen, die gehören in die Öffentlichkeit, und andere Themen eben nicht. Union ist ein Wirtschaftsunternehmen und keine öffentliche Einrichtung.”

Die Journalisten wünschen sich dagegen bessere Arbeitsbedingungen. Die Probleme sind bekannt und haben vor allem etwas mit dem zu tun, was der Verein überhaupt nicht hat: Platz. Abhilfe, das ließ Christian Arbeit durchblicken, kann da letztlich nur die neue Haupttribüne schaffen. Alles andere wären neue Provisorien. Pragmatischen Lösungen stünden außerdem die Durchführungsbestimmungen der DFL entgegen. Wer mal mit dem Ligaverband zu tun hatte, weiß, dass die KP China gegenüber der DFL so flexibel wirkt wie ihre minderjährigen Turnerinnen bei Olympia.

Das Verhältnis von Uwe Neuhaus zu den Medien war in der letzten Saison doch arg angespannt. Umso größer ist der Gegensatz seit Beginn der Saisonvorbereitung zu sehen. Der Trainer wirkt wie befreit und gibt sich gelöst. Das erklärte er auch auf dem Boot, als er seine guten Vorsätze vorbrachte: “Ich werde mir Mühe geben, medienfreundlicher zu sein, lockerer zu sein. Aber das wird sicher etwas, denn ich bin so etwas von entspannt nach einem schönen Urlaub.”

Interessant waren vor allem seine Ausführung zur taktischen Aufstellung und zum Kader. Mit Tusche würde sicher wieder das 4-4-2 mit Raute gespielt werden. Ein System, das einfach sehr gut zur Mannschaft passe. Ohne Tusche würde es wahrscheinlicher sein, dass die Mannschaft in einem 4-2-3-1 auflaufe. Den Kader zählte der Trainer wie folgt herunter. Es stünden 27 Spieler im Profikader, wobei Jérôme Polenz nicht mitgezählt werde (-1). Weiterhin wären sieben Spieler der U23 zuzuordnen (-7). Die könnten sich anbieten. Außerdem zieht Neuhaus die zwei Torhüter ab (-2). Am Ende blieben 17 Feldspieler. Nicht viel für eine Saison, aber der Coach legte Wert darauf, dass bei diesen 17 Spielern im Gegensatz zur Vorsaison die Qualität deutlich höher sei. Wenn ich jetzt noch die verletzten Santi Kolk, Torsten Mattuschka und John Jairo Mosquera abziehe (-3) und mir überlege, ab wann Michael Parensen und Patrick Zoundi bei 100 Prozent sind… Nein, das möchte ich jetzt nicht überlegen. Außerdem sind einige der U23-Spieler sehr wohl in der Lage, ihre Chance zu nutzen.

Zurück zu Uwe Neuhaus und seinem Ausblick auf die neue Saison. Ganz oben sieht er Eintracht Frankfurt, St. Pauli, Bochum, Duisburg, Düsseldorf und Fürth. “Bei unserem Saisonziel einstelliger Tabellenplatz bleiben dann nur drei Plätze für uns übrig. Und wenn dann noch eine Überraschungsmannschaft wie das letzte Mal Aue dazwischenkommt, wird es eng. Deshalb müssen wir eine gute und konstante Saison spielen.” Als Gründe für das Abschneiden der letzten Saison nannte der Trainer zwei Faktoren: zuviele ausgelassene hundertprozentige Torchancen und zuviele individuelle Fehler, die zu Gegentoren geführt haben.

Auf der Helgard war die Stimmung recht ausgelassen. Uwe Neuhaus redete mit den Journalisten auch im kleinen Kreis. Was am Ende der Saison von den Wünschen und guten Vorsätzen bleibt, wird zu einem sehr großen Teil vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg der Mannschaft abhängig sein. Das wussten alle Beteiligten vor dem sogenannten Medien Kick-off. Und sie wissen es auch danach.

Neulich bei AF.tv

Am letzten Donnerstag war ***textilvergehen*** zu Gast bei AF.tv. Moderiert von Pressesprecher Christian Arbeit durften Tino Czerwinski, Gerald Karpa und ich Fragen an Dirk Zingler, den Präsidenten des 1.FC Union Berlin, stellen.

Nachdem die vergangene Saison mit einigen überraschenden Entscheidungen endete, war der Gesprächsbedarf der Unionfangemeinde enorm. Das spiegelte sich im Forum und auf diversen Internet-Plattformen wider und dürfte auch den Ausschlag dafür gegeben haben, dieses erste Interview zur neuen Spielzeit in einem etwas anderen Rahmen zu präsentieren. Während sonst mit Christian Arbeit oder Hannes Teubner Mitarbeiter der Pressestelle durch die Gespräche führen, waren es dieses Mal drei zwar dem Verein verbundene, aber eben nicht dort angestellte Personen, die nach Antworten suchten. Es mag anfangs etwas holpern, es ist dennoch der Blick von außen, der den Unterschied macht.

Erwartungsgemäß wurden denn auch recht ausführlich die Personalien Christian Beeck, Nico Schäfer und Theo Gries erörtert. In gewisser Weise war das therapeutisch. Vereinsführung und Fans starten hoffentlich befreiter, mit etwas weniger emotionalem Ballast in den heutigen Trainingsauftakt. Ein bißchen Zukunftsmusik gab es dennoch. Die neue Haupttribüne soll so schnell wie möglich gebaut werden. Aber, und das wünsche ich mir in Beton gegossen, “auf eine Art, die zu uns passt.”

Der zweiteilige Beitrag kostenfrei bei www.aftv-online.de anzusehen, setzt aber eine Registrierung voraus.

Die Neuhausrichtung von Union.

Eigentlich wollten wir uns mit Robert und Hans-Martin in Ruhe über Unions Saison unterhalten und zum Schluss das Phrasenschwein schlachten. Aber es kam mal wieder alles anders. Christian Beeck wurde entlassen. Nico Schäfer wurde angestellt. Wir ordnen das ein und überlegen, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die Weiterentwicklung des Vereins hat. Deswegen ist der ganze Podcast auch etwas länger geworden.

Das Phrasenschwein wurde trotzdem geschlachtet:

O-Töne im Podcast

00:20 Min – Dirk Zingler entlässt versehentlich Pressesprecher Christian Arbeit
01:35 Min – Dirk Zingler erklärt die Trennung von Christian Beeck
36:11 Min – Nico Schäfer spricht über seine Aufgaben bei Union
38:11 Min – Nico Schäfer erläutert Arbeit mit Verbänden
38:47 Min – Nico Schäfer redet über die Kaderzusammenstellung

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

War was?

Das Spiel gegen Cottbus war gefühlt das letzte Spiel der Saison. Robert und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) waren zu Gast in unserer Küche und haben mit uns über Höflichkeit, Professionalität und Fantum geredet. Auch über schnelle junge Flügelflitzer (Chrissy Quiring!). Und über Abschiede (Karim! Peitzinho!).

Karlsruhe? War da was?

O-Töne im Podcast

08:06 Min – Karim Benyamina kaspert
20:22 Min – Stänkerei um Vergangenheitsfußball auf der Pressekonferenz
36:42 Min – Pfiffe bei der Spielerverabschiedung
66:42 Min – Dominic Peitz freut sich über sein Tor

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Bilder: Stefanie Lamm

Alte Tante, neues Image

Hertha wurde in den letzten Jahren sehr häufig der Vorwurf gemacht, sich bei der Öffentlichkeitsarbeit zu sehr an der großen Welt und in der Region Berlin-Brandenburg vor allem um das Umland gekümmert zu haben. Dies sei verantwortlich für das bisweilen blasse oder graue Image des Vereins. Seit dem Weggang des Managers Dieter Hoeneß, der aus dem blau-weißen “schlafenden Riesen” einen Verein in Richtung Bayern München machen wollte, hat sich in der Öffentlichkeitsarbeit einiges geändert. Der Abstieg in die zweite Liga wurde zum Anlass genommen, stärker als Berliner Verein mit Ecken und Kanten wahrgenommen zu werden. Als Beispiel können die Videos “Zeckes Außenbahn” von Andreas Neuendorf gelten.

Ein weiterer Punkt bei der Rückbesinnung auf Berlin ist die Aktion “Hertha hautnah”. Der Verein wird im Laufe der Saison fünf Mal in der Stadt auf Plätzen anderer Vereine trainieren. Heute war die Premiere auf dem neuen Gelände von Sparta Lichtenberg. Etwa 600 Anhänger kamen auf den Platz des Landesligisten, der als Skyline das Kraftwerk Rummelsburg und die Hochäuser des Stadtteils zu bieten hat. Neben den üblichen Aufbauten eines lokalen Radiosenders und von Sponsoren gab es einige echte Anreize. Zum Beispiel mehr als 50% günstigere Tickets. Der Heimatverein wurde auch bedacht und erhielt neben der medialen Aufmerksamkeit auch 50 Cent von jeder verkauften Bratwurst und jedem verkauften Bier.

Dass der Slogan “Hertha hautnah” nicht einfach nur eine leere Hülse war, konnte man in den Gesichtern der Anhänger lesen. Diese umlagerten den Trainer Markus Babbel oder den verletzten Patrick Ebert. Trotz bedeckten Himmels und einsetzenden Nieselregens war die Stimmung freudig aufgeregt. Den Fans war anzumerken, dass sie einerseits selbst selten ein Training der Hertha besucht noch die Spieler derart nah zu Gesicht bekommen hatten. Nach dem Training, das abgesehen vom Umfeld eine normale Einheit war, kamen Spieler wie Raffael kaum zur Umkleide. Sie bewegten sich schleppend in einer Traube von Kindern vom Platz, die schnatternd nach Autogrammen verlangten.

Auch Unions Pressesprecher Christian Arbeit schaute vorbei und beobachtete den Trubel. Das neue Image scheint zu fruchten, wobei natürlich ein erster Platz in der Tabelle eine mehr als gute Unterstützung ist. Und doch lugt ab und zu die alte Hertha noch hervor, die etwas angejahrt riecht. Nicht in Lichtenberg, sondern via Bildzeitung, in der Frank Zander ein neues Herthalied exklusiv vorstellte. Abseits der bekannt fürchterlichen Fußballyrik beeindruckt das Stück mit offensichtlich zeitloser musikalischer Untermalung aus den 80er Jahren. So mancher Herthafan entschuldigte sich schon für die Entgleisung. Aber Herthas Pressesprecher Gerd Graus nimmt die Angst, dass das Lied die neue Hymne werden könnte. Das, so Graus, würden die Fans im Stadion entscheiden.

Bilder: Sebastian Fiebrig

Taktisch auf der WM-Welle

Für 7.475 Zuschauer ging die Fußballsaison mit dem ersten ernstzunehmenden Test gegen Deportivo La Coruña bereits richtig los. Trainer Uwe Neuhaus hatte bereits vorher angekündigt, dieses mal nicht zur Halbzeit komplett zu tauschen. Und so war die Erwartung da, man könne schon eine Ahnung der Startelf für die neue Saison bekommen. Und so sah sie aus.

Passen mussten wegen kleinerer Blessuren Kenan Sahin, John-Jairo Mosquera und Chinedu Ede. Von der Tribüne auch zugeschaut hatte der schon lange verletzte Michael Parensen. Uwe Neuhaus entschied sich für das schon bei der Weltmeisterschaft sehr populäre 4-2-3-1-System. Dieses wird für die Stürmer zu einem starken Verdrängungskampf führen, den Sahin wohl nur bestehen kann, wenn er sich tatsächlich auf die linke Seite orientiert. Den durch die Neueinkäufe vermuteten Anstieg der spielerischen Qualität in der Breite der Mannschaft konnte man gestern bereits in Ansätzen bestaunen. In Erinnerung blieb zum Beispiel eine schnelle Ballstaffette, die Polenz nach Balleroberung einleitete, und die über Younga-Mouhani und Brunnemann zu Benyamina führte. Der konnte den Ball zwar nicht am zweiten Verteidiger vorbeibringen, aber nährte die Hoffnung, dass ein schnelles Umschalten von Abwehr und Angriff nun auch wieder zum Repertoire von Union gehören wird. Dazu gehört auch das schnelle Passpiel, anstatt mit Ball die Dribblings zu suchen.

Ansonsten galt es für Union vor allem die Spanier vom Tor wegzuhalten, was die erste halbe Stunde ganz gut gelang. Beiden Mannschaften war aber auch die fehlende Frische anzumerken. Ganz im Gegensatz dazu das Publikum, das die Sommerpause für eine Erholung genutzt hatte und bereits von der Lautstärke und dem Gesang her auf Punktspielniveau angekommen war. Ab der 30. Minute nahm der Druck von La Coruña zu, und die beiden Gegentore fielen beinahe zwangsläufig.

Zur zweiten Halbzeit wechselte Neuhaus Savran für Benyamina ein, der vorne kaum zur Geltung kam. Außerdem kam Kolk für Kohlmann. Dies sorgte für einige Umstellungen, die auf der Grafik zu erkennen sind. Menz rückte für Kohlmann in die Viererkette und Mattuschka spielte den offensiveren Sechser, während Kolk dessen Platz in der Zentrale einnahm.

Union kam in der zweiten Halbzeit offensiv besser zurecht und hatte in der 49. Minute den ersten Torschuss zu verzeichnen. Ob das an der Umstellung des Trainers lag oder an den sechs Wechseln zur Halbzeit bei La Coruna, ist sicher müßig zu diskutieren. Auf der rechten Außenbahn gefielen Polenz und Quiring, die ihre offensiven Aufgaben mit einem bis dahin nicht gekannten Tempo erledigten. Allerdings musste der umsichtige Madouni des öfteren aufgrund der Ausflüge von Polenz nach außen rücken und im Prinzip auf eine Dreierkette umschalten, um die Lücken in der Abwehr nicht zu groß werden zu lassen. Vielleicht war es das, was Trainer Neuhaus zu der Einschätzung veranlasste, Polenz hätte noch Konzentrationsmängel gehabt.

Überhaupt Madouni. Er dirigierte die Abwehr und gab Kommandos, als würde er schon seit Ewigkeiten Teil der Mannschaft sein. Jan Glinker im Tor wird sicher sehr dankbar für einen solchen Abwehrchef sein. Und nachdem Uwe Neuhaus sich vorletzte Woche auf die Kapitänsfrage angesprochen dahingehend geäußert hat, dass er in den letzten Jahren eher kein glückliches Händchen bei der Auswahl gehabt hätte, wäre es nachvollziehbar sein, wenn er mit Madouni einem Neuzugang das Amt überträgt. Denn der wird seinen Stammplatz sicher haben und strahlt eine Souveränität auf dem Platz aus.

Was die einzelnen Positionen anbetrifft, waren noch keine klaren Konturen oder Hackordnungen abzusehen. Überraschend war der Einsatz von Christoph Menz, der weiterhin Unions Allzweckspieler zu sein scheint. Ihm bleibt für die persönliche Entwicklung eine bessere Profilierung seiner Spielposition zu wünschen.

Jetzt geht wieder alles von vorne los.

Zum offiziellen Trainingsauftakt prasselte die Sonne so kräftig von oben, dass die Würstchen schnell gewendet werden mussten, damit sie sich an der Kohleglut abkühlen konnten. Auch die zahlreichen Zuschauer beim Training, die Zahlen schwanken zwischen 1000 und 3000 Besuchern, suchten ihr Heil im Schatten der kleinen Haupttribüne. Kurzzeitig sorgten die Ordner für Verwirrung, als sie den Zuschauern die mitgebrachten Getränkeflaschen abnahmen. Dafür gab es dann eine wortreiche Entschuldigung von Vereinsseite, die das Malheur zum eigenen Bedauern erst spät bemerkte.

Torhüter beim Aufwärmen Trainingsauftakt 12.07.2010

Trotzdem war die Stimmung sowohl auf den Rängen als auch bei den einzeln vorgestellten Spielern und Mannschaftsbetreuern ausgelassen. Die drei Torhüter führten ihre Trikots in jeweils unterschiedlichen Farben vor. Dabei ragte der neuverpflichtete Marcel Höttecke von Dortmunds U23 nicht nur wegen des schwarzen Jerseys heraus. Seine Statur ließ ein breites Gemurmel bei den Anhängern erklingen.

Nach einem kurzen Aufwärmprogramm gab es ein Trainingsspiel zwischen roten und grünen Trikots. Während grün zunächst die bessere Figur machte und schnell 2:0 durch Tore von Jérôme Polenz Chinedu Ede (Danke für den hinweis im Kommentar) und John-Jairo Mosquera führte, zeigte die rotgewandete Mannschaft Steherqualitäten. Den Anschlusstreffer markierte Halil Savran und den Ausgleich der zunächst mit sich unzufrieden wirkende Karim Benyamina. Aber wirkliche Rückschlüsse konnte man aus dem Spiel nicht ziehen. Vielleicht nur den, dass, sollte die Mannschaft von Verletzungen verschont bleiben, das spielerische Element offensichtlich gestärkt wurde.

Pressesprecher Christian Arbeit interviewte beim Auslaufen die einzelnen Neuzugänge. Beim Doppel Ahmed Madouni und Santi Kolk mischte sich nach einer Bemerkung des Niederländers über die Trainingsmethoden Uwe Neuhaus ein.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Nach dem Spiel nahm sich Trainer Uwe Neuhaus etwas Zeit, um Stellung zu verschiedenen Themen zu geben.

Erster Eindruck von Santi Kolk

Er hat die Woche in Oberhof nicht mitmachen können, weil die Sache da noch nicht perfekt war. Wir wollen ihm ein bißchen Zeit geben, um sich einzufinden. Im Trainingsspiel war das nicht einfach, da er nicht wußte, was er machen soll. Er wollte der Rolle, die von ihm erwartet wird, gerecht werden. Aber man hat gesehen, dass das nicht nur auf ihn, sondern auch auf die anderen zutrifft, die hier auch mal wieder den Ball gesehen haben. Den einen oder anderen hat es gewundert, dass der Ball noch rund ist.

Einschätzung zu Halil Savran

So, wie ich ihn kennengelernt habe und wie er sich im Trainingslager und im heutigen Spiel gegeben hat, ist er von seinem Naturell her ein absoluter Kämpfertyp. Er beißt sich in die Aufgabe hinein, steckt nie auf und kann der Mannschaft durch seinen unbedingten Einsatzwillen sicherlich weiterhelfen. Er selbst ist ja aufgestiegen und weiß, dass es für ihn schwer wird. Aber er ist bereit, jede Aufgabe anzugehen und ich bin davon überzeugt, dass er jede Woche seine Chance suchen wird. Er wird immer wieder angreifen und die anderen Stürmer unter Druck setzen.

Ich weiß nicht, ob er am ersten Spieltag dabei sein wird oder am zweiten oder dritten. Aber auf eines ist Verlass: Auf seine Mentalität und seine Einstellung. Er steckt nie auf.

Das zweite Jahr ist das schwerste

Ist das so? – Es könnte sein, wenn man die Aufgabe nicht konzentriert genug angeht und sich auf der sicheren Seite wähnt. Das betrifft jeden einzelnen Spieler, aber auch den Trainerstab. Wenn wir in der täglichen Trainingsarbeit unsere Aufgaben vernachlässigen, dann kann das zweite Jahr nicht nur das schwierigste, sondern auch das letzte sein.

Aber dessen sind wir uns bewusst. Wir werden die Sache so angehen, dass wir die Mannschaft in die Pflicht nehmen, jeden Tag ordentlich und gründlich zu arbeiten. Und dann bin ich davon überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen.

Das Derby gegen Hertha früh in der Saison

So gehe ich nicht an die Sache heran. Mir ist es egal, wann wir Hertha zu Hause hoffentlich schlagen. Wir dürfen die Saison nicht auf zwei Spiele reduzieren. Schon beim ersten Spiel in Aachen müssen alle Lampen glühen. So müssen wir in die Saison gehen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass irgendwann Hertha kommt und dann irgendwann das Rückspiel. Da verpassen wir den Rest der Saison.

Vorstellungsgespräch.

Ich kann mir unter vielen Berufen etwas vorstellen. Ich weiß, was ein Bäcker, ein Fleischer, ein Schlosser, ein Schweißer & eine Lehramtsanwärterin machen – über den Berufsalltag eines Pressesprechers weiß ich exakt genau: Nichts. Man soll aber fragen, wenn man was nicht weiß. (Hab ich, glaube ich, in der Sendung mit der Maus gelernt.)

Weder Sebastian noch ich verbanden ein konkretes Bild mit dem Begriff einer Medienpartnerschaft. Uns hat interessiert, wie die Maßgaben des Vereins zum Umgang mit den Medien aussehen, nachdem wir über die Beschwerden der Pressevertreter inzwischen ganz gut Bescheid wissen und selbst auch eine eher nörgelnde Haltung dazu vertreten haben. Aus höchst eigennützigen Motiven wollten wir schließlich etwas darüber erfahren, ob und inwieweit sich der 1.FC Union Berlin mit Fragen der Vermarktung in den Neuen Medien beschäftigt.

Lauter gute Gründe, beim Pressesprecher des Vereins, Christian Arbeit, zum Kaffeetrinken & Reden vorstellig zu werden. Ein Büro, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag, übrigens. Klippklapp. Tür auf, Tür zu. Kommst Du mal? Kannst Du mal? Hast Du mal? Weisst Du mal? Telefon. Trotzdem hat er sich Zeit und uns ernst genug genommen, alle unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Wir schätzen das sehr und danken für das Gespräch!

Der erste und uns wichtigste Teil des Gesprächs wird dabei im vollständigen Wortlaut wiedergegeben. Darin gibt Christian Arbeit einen Einblick in die Arbeit der Presseabteilung und bezieht auch Stellung zum aktuellen Verhältnis des Vereins zur Presse. Die beiden anderen Fragen erscheinen zusammengefasst darunter.

*****

Was macht ein Pressesprecher eigentlich den ganzen Tag?

Zu dem Bild, das man benutzen muss: Im Grunde bin ich ein Dienstleister für verschiedene andere Abteilungen im Verein. Die Gewichtung ist unterschiedlich. Die empfindlichste Stelle ist der Bereich Sport, wo es von Seiten der sportlichen Leitung sehr konkrete Bedürfnisse gibt. Nämlich eine wirre Fülle verschiedenartigster Medienanfragen in irgendeiner Art zu kanalisieren und im Zweifelsfall in irgendeiner Form zu steuern. Oberstes Gebot, und da zitiere ich gerne den Kollegen Markus Hörwick vom FC Bayern, ist der Schutz der eigenen Mannschaft. Das ist die wichtigste Aufgabe. Denn ich bin ja der Pressesprecher des Vereins und nicht der oberste Redakteur der Berliner Sportberichterstattung. Insofern ist die Sichtweise natürlich klar geprägt von den Anforderungen, die bestimmte Abteilungen des Vereins stellen.

Zu den Aufgaben kommt, wenn man sich vom reinen Sportumfeld und der Nähe zur Mannschaft trennt, hier bei Union auch generell die Produktion von Nachrichten beziehungsweise die Überlegung, welche Informationen geben wir wann und in welchem Umfang raus. Wofür gibt es den geeigneten Zeitpunkt? Bearbeiten wir ein Thema eher offensiv oder defensiv? Solche Dinge zu besprechen, zur Entscheidung zu bringen und dann entsprechend umzusetzen: Das macht ein Pressesprecher den ganzen Tag.

Gibt es eine Policy der sportlichen Leitung zur Medienarbeit? Hat sie sich im Vergleich zur letzten Saison verändert und hattet Ihr einen Einfluss daruf? Und gibt es Vorgaben von der DFL zur Medienarbeit?

Man könnte sagen: Es gibt eine Policy. Aber die ist nicht in einen griffigen Satz gebracht. Die erklärt sich am ehesten aus der Geschichte der Mannschaft heraus. Wir haben eine Mannschaft, in der jeder einzelne Spieler immer wieder an das obere Limit seiner persönlichen Fähigkeiten gehen muss. Jeder, der sein eigenes Tun und Handeln reflektiert, weiß, dass so eine Art Konzentration immer anstrengend ist. Besonders, wenn man sie über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten muss. Außerdem erfordert sie, dass man Erholung, Regeneration und Freizeit sehr sorgfältig behandelt.

In dem Wissen, dass wir keine Mannschaft von gestandenen Nationalspielern haben, die über sagenhafte und herausragende individuelle Klasse verfügt, sondern über Spieler, die zum Teil vor drei Jahren noch viertklassig gespielt haben und jetzt im Vorderfeld der zweiten Bundesliga mitspielen. Da kann man sich vorstellen, dass das Bestreben, die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Spieler zu erhalten, sehr hoch ist. Man könnte sagen: Je weniger Ablenkung vom wesentlichen desto besser. So könnte man im Grunde die Policy auf den Punkt bringen.

In der Tat ist es so, dass im Grunde schon die dritte Liga im Vergleich zur Regionalliga einen deutlichen Sprung nach vorne erbracht hat, was die Medienberichterstattung anging. Die zweite Liga, oder generell der DFL-Bereich, bedeutet noch einmal einen Quantensprung. Sichtbarstes Zeichen in der zweiten Liga ist ja die Aufsplittung des Spieltages auf vier verschiedene Tage und vier verschiedene Anstoßzeiten. Da war es tatsächlich so, dass es eine Tagung der DFL mit den entsprechenden Pressesprechern vor der Saison gab. Dort wurden die Veränderungen aus dem neuen Fernsehvertrag dargelegt und von jedem Sender, der Rechte hält, das Sendekonzept erläutert. Hinterher haben sehr erfahrene Pressesprecher, zum Beispiel von Werder Bremen oder Bayern München, gesagt: Das sind jetzt völlig neue Herausforderungen an die Abwehrarbeit. Wie bekomme ich es hin, wenn ich drei TV-Stationen unmittelbar am Spielfeld habe und Spieler XY gerade Rot gesehen hat, weil er dem Gegenspieler eine runtergehauen hat, dass der sich erst einmal beruhigt. Und zwar bevor er etwas unbedachtes in die Kamera plaudert. Das heißt nicht, dass er niemals etwas sagen darf, sondern ich muss im Sinne des Vereins mich manchmal auch schützend vor Leute stellen, um Schaden vom Verein abzuwenden. Sonst sagt der etwas in die Kamera, noch einmal eine Unsportlichkeit und dann dauert die Strafe extra lange. Wunderbar. Dann hat man ja viel gekonnt. Anders sieht es aus, hat er zwei Stunden Zeit oder wir sagen „Geh erst einmal duschen und danach kannst Du noch einmal in die Mixed Zone!“ Das ist natürlich unpopulär, weil die schreibenden Journalisten alles schon verschickt haben wollen. Da müssen wir als Presseabteilung sagen: „Unsere Aufgabe ist es, die Interessen des Vereins wahrzunehmen. Wenn die in bestimmten Punkten, und die Punkte erreichen wir täglich, nicht in Übereinstimmung mit den Interessen der Medien zu bringen sind, dann setzen wir die Interessen des Vereins durch. Wenn es sich nicht vermitteln lässt.

So gesehen hat sich zur vergangenen Saison geändert, dass wir noch konsequenter bestimmte Dinge kontrollieren und reglementieren. Es nutzt einfach nichts, wenn ein durchschnittlich begabter Fußballer sich unvermittelt jeden zweiten Tag riesengroß in der Zeitung sieht. Das hilft ihm nicht.

Die Arbeit ist viel einfacher, als viele Journalisten glauben, da es viele Spieler gibt, die diese Funktion zu schätzen wissen und sie ganz aktiv wahrnehmen. Sie nutzen die Presseabteilung, und so haben wir es den Spielern vor der Saison angeboten, um Dinge von sich weg zu halten. Das ist schon deshalb wichtig, weil natürlich der Umfang der Medienarbeit mit den Spielern trotzdem viel größer ist als in der letzten Saison. Nur der Fokus, und da darf man sich nichts vormachen, liegt auf dem Fernsehen. Wenn die Fernsehrechte für Hunderte Millionen verkauft werden, dann ist auch klar, wer die größten Ansprüche stellt: Derjenige, der das gesamte System finanziert. Also sind natürlich nach jedem Spiel die Spieler und Trainer zunächst für die Fernsehstationen da, bevor dann die restliche Verwertungskette zum Schluss mit der Pressekonferenz für die schreibende Zunft endet.

Habt ihr trotz der Vorgaben von der DFL die Möglichkeit, die Fernsehanfragen nach Spielern abzulehnen?

Da hängt die DFL sich nicht rein. Das ist klar, denn der Spieler ist unser Angestellter und nicht Angestellter der DFL. Im Grunde läuft da aber die Zusammenarbeit tadellos. Nach jedem Spiel kommen die Vertreter von Sky und vom DSF auf uns zu und geben uns die Namen, die sie gerne hätten. Das ist selten besonders überraschend. Ich sehe das Spiel ja auch und kann eigentlich vorher sagen, wen sie haben wollen. Aber da kann man im Zweifelsfall sagen: „Pass mal auf, den lassen wir heute weg. Was haltet Ihr von dem und dem?“ Das funktioniert absolut entspannt und interessanterweise völlig konfliktfrei.

Es gibt ja diese Diskussion um eine schwierigere Zusammenarbeit zwischen Medien und Verein. Und da steht Matze Koch mit seiner Meinung nicht alleine. Auch andere Journalisten haben das angemerkt. Du hast diese Diskussion im Vorgespräch als „absurd“ bezeichnet. Weshalb?

Absurd, weil im Grunde unglaublich viel möglich ist. Und jeder, der es wahrnimmt, auch unheimlich viel bekommen kann. Allerdings in erster Linie zu dem Thema, mit dem wir uns hier in erster Linie befassen. Wir sind ein Fußballverein und wir haben Leute, die hier Fußball spielen. Jeder Journalist kann die Trainingszeiten einsehen. Nach jedem Training ist es möglich, hier mit Spielern zu sprechen. Im Prinzip eine Situation ähnlich der Mixed-Zone. Wenn man den Spieler allerdings eine halbe Stunde interviewen möchte, dann muss man schon allein deshalb Bescheid sagen, damit wir dafür die organisatorischen Voraussetzungen schaffen können. Wenn es drei Fragen sind, wie es im Normalfall ist, funktioniert das völlig problemlos.

Es gibt Leute, die jeden Tag hier sind. Interessanterweise kommt dann mitunter von den Leuten, die das allermeiste wahrnehmen und auch das allermeiste bekommen, der Vorwurf, sie würden hier nichts bekommen. Und das ist letztlich das Absurde daran. Der Name Mathias Koch fiel ja und wir müssen da kein Geheimnis daraus machen. Er ist im Grunde jeden Tag zu jeder Trainingseinheit hier. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Jedes erdenklich mögliche Foto, das unsere Spieler im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zeigt, hat er.

Und da kommen wir auf den Punkt, den ich vorhin angesprochen hatte: Regeneration, Konzentration, Freizeit. Wenn ein Spieler seine Freizeit nutzt, um mit seiner Familie einen Ausflug zu unternehmen. Wunderbar. Aber natürlich möchte das Trainerteam nicht, dass Journalisten das Freizeitprogramm unserer Spieler organisieren. Wenn Spieler XY gerne in den Tierpark gehen möchte. Gerne. Aber ich sehe überhaupt keinen Grund, einem Fotografen Bescheid zu sagen.

Wir hatten solche Situation schon gehabt, dass ein Journalist zu mir kam und sagte: „Ich möchte mit dem Spieler gerne mal auf den Müggelturm gehen.“ Und der Spieler steht daneben und kuckt groß und sagt: „Was soll ich denn auf dem Müggelturm?“ – „Ja, können wir auf einen anderen Turm gehen.“ – „Ich will überhaupt nicht mit Dir auf einen Turm gehen.“ Dann schaue ich den Journalisten an sage: „Noch Fragen?“

Es ist doch klar: Jede Begleitung in der Freizeit erfordert wieder irgendeine Form der Organisation. Der Spieler muss sich mit dem Journalisten verabreden, auseinandersetzen, treffen. Es ist anders. Es ist keine Erholung. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie sie eigentlich gewünscht ist.

Das ist in der Diskussion mal schön benannt worden: Was es nicht gibt, ist der Spieler am Giraffengehege.

Es sind ja vor allem Printjournalisten, die sich beschweren. Geht es ihnen nicht vor allem darum, dass ihr als Mittler auftretet und damit der direkte Kontakt zu den Spielern verloren geht? Die Spieler fragen die Journalisten, ob bestimmte Anfragen durch den Verein genehmigt sind, oder Informationen werden durch euch gefiltert.

Es ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen so, wenn Du als Mitarbeiter zu Deinem Unternehmen befragt wirst, riskierst du einiges, wenn Du einfach so erzählst. Das ist ja nicht nur bei Fußballmannschaften so sondern überall. Im Gegensatz zu anderen Vereinen wie zum Beispiel Energie Cottbus oder Bayern München haben wir das an die Presse nicht explizit als Brief verschickt. Es gibt Vereine, die machen das. Die sagen: „Jedes Gespräch muss vorher angemeldet sein, sonst reagieren wir als Verein in irgendeiner Form.“ Das muss ja zwangsläufig mit einer Sanktionsandrohung verbunden sein. Wenn ich also weiß, dass Journalist XY aber doch, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen, den Spieler angerufen, dann müsste ich reagieren und dem Journalisten die Akkreditierung für das nächste Spiel entziehen oder ähnliches. So könnte das laufen. So ist es bei uns aber nicht.

Es ist so, dass es Journalisten gibt, die Telefonnummern von Spielern besitzen. Das können wir auch gar nicht verhindern. Dann ist er natürlich in der Lage, den Spieler anzurufen. Und hier kommt im Prinzip das, was ich vorhin angesprochen habe, ins Spiel. Wir haben vor der Saison den Spielern die Mediensituation vor Augen geführt. Wir haben ihnen erklärt, was die besonderen Anforderungen und die Veränderung zur vergangenen Saison sind. Wir haben den Spielern  angeboten, ihnen dabei behilflich zu sein und uns als Dienstleister wahrzunehmen. Und das tun sie zum großen Teil. Das ist in der Intensität von Spieler zu Spieler verschieden. Es gibt Spieler, die kommen und sagen: „Jetzt war ich in den letzten drei Wochen fünf Mal bei irgendwelchen Geschichten dabei. Jetzt möchte ich mal ein bisschen Pause haben.“ Und es gibt Spieler, die jedes Zitat vorher gegenlesen wollen. All das gibt es. Das zeigt auch, dass vielen Spielern sehr wohl bewusst ist, wie intensiv diese Situation ist und wie wichtig ihnen Konzentration ist. Die wollen ihren Platz in der Mannschaft nicht aufs Spiel setzen. Und zwar nicht, weil sie sich um Kopf und Kragen reden, sondern weil sie merken, dass nur, wenn sie die tägliche Trainingsarbeit absolvieren und die Spiele hochkonzentriert angehen, sind sie ind er Lage das hohe Leistungsniveau zu erreichen, das sie jetzt gerade haben. Das ist ein gutes Zeichen.

Natürlich resultieren daraus Schwierigkeiten, bunte Geschichten zusammenzubekommen. Da kommt man an den Punkt, wo wir nicht helfen können. Wenn man es auf diesen Punkt bringt, müssen wir sagen: „Nein, das liefern wir nicht.“

Die Auseinandersetzung darum, welche Geschichten möglich sind und welche nicht, gehen nicht erst seit drei Wochen. Sie begleiten mich ja, seit ich hier angefangen habe. Trotzdem steht aber jeden Tag etwas in der Zeitung. Ich sehe im Grunde eigentlich keinen Grund zur Klage. Offenkundig ist es nur nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Aber es ist ja nicht unmöglich über Union zu berichten

*****

Medienpartnerschaft. Zu Beginn dieser Saison wechselte der Verein seine Medienpartner. Im Printbereich ist die B.Z. an die Stelle des Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) getreten. Im Radio ging es von StarFM zu Radio Berlin. Die Gründe dafür waren einerseits, so Christian Arbeit, dass die bisherigen Verträge ausgelaufen waren, andererseits und wohl auch maßgeblich, dass andere Publikumsgruppen angesprochen werden sollten. Im Radio ist es dabei nur vorteilhaft, dass Union nun im reichweitenstärksten Radiosender in Berlin und Brandenburg häufiger Erwähnung findet. Es habe aber Interesse von allen großen Sendern der Region gegeben. Im Print sei die B.Z. ein geeigneter Partner, um ganz Berlin gleichermaßen zu erreichen.

Christian Arbeit betont zugleich, dass eine Medienpartnerschaft im Print nicht mit dem Erkaufen einer wohlmeinenden Berichterstattung verbunden sei. Vielmehr ist unter einer Medienpartnerschaft ein Vertrag zwischen der Sponsoringabteilung des Vereins und der Anzeigenabteilung des Verlags zur gegenseitigen Überlassung von Anzeigevolumen zu verstehen. Der vorherige Partner Berliner Verlag hatte sich entschieden, im Vereinsumfeld die Marke Berliner Kurier zu plazieren. Im Gegenzug bot man dem  Verein die Möglichkeit, Anzeigen sowohl in der Berliner Zeitung als auch im Berliner Kurier zu schalten.

Der Leiter der Anzeigenabteilung des neuen Partners B.Z., habe bereits direkt nachgefragt, ob Redakteure unter Hinweis auf die Medienpartnerschaft versuchten, an exklusive Informationen zu kommen. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. Die Zeitung hätte, erklärt Christian Arbeit, natürlich ein Interesse daran, dass das nicht passiert, da man sich auch das Recht vorbehalten möchte, den Medienpartner Sportverein boulevardmäßig zu behandeln, oder, wie es Christian formuliert: draufzuhauen. Das Interview des Präsidenten Dirk Zingler zu den Forderungen an die ISP in der B.Z. sei von der Medienpartnerschaft unabhängig entstanden. Man überlege im Verein vorher, ob und wo man bestimmte Informationen exklusiv publiziert. Eine grundsätzliche Festlegung auf eine bestimmte Zeitung gäbe es dabei nicht.

Neue Medien. Die Entwicklungen, die stattfinden, werden sehr genau beobachtet. Allerdings sei es nicht so, dass zum Beispiel AFTV ein Vorbote eines bezahlpflichtigen Angebots sei. Dafür müsste entsprechendes Material exklusiv produziert werden und momentan sei dies nicht angedacht. Es sei eine Ergänzung auf der Website und für die Videowand im Stadion. Die Auseinandersetzung zwischen eyep.tv und fcbayern.tv um die Frage, ob die Pressekonferenz eine exklusive Geschichte des Vereins sei, wurde aber auch in der Presseabteilung beobachtet.

Die mediale Sicht auf den eisernen Vorhang

Zur Diskussion um die Zusammenarbeit zwischen Medienvertretern und Verantwortlichen des 1. FC Wundervoll hat sich gestern im Fanforum der freie Journalist Matze Koch zu Wort gemeldet. Wir haben den Beitrag um bestimmte Forenbezüge gekürzt, damit er auch alleinstehend verständlich ist. Bisher wird diese Diskussion von Vereinsseite leider nicht offen geführt. Vielleicht ändert sich das in Zukunft. Schön wäre auch, wenn Matze Koch für seine Offenheit keine Probleme in der weiteren Arbeit entstünden. Denn er hat schließlich keine Redaktion hinter sich stehen.

[...] Das Verhältnis zwischen der sportlichen Leitung des Vereins und den Medienvertretern Berlins ist in der Tat seit Monaten angespannt. Beide Seiten wollen ihren Job so gut wie möglich machen. Aber hier prallen inzwischen ziemlich festgefahrene Sichtweisen aufeinander. Der Trainer und der Sportdirektor glauben, die Mannschaft für den Erfolg so weit wie möglich abschirmen zu müssen. Sie entscheiden auch über den Kopf der Akteure hinweg, wenn es um Interviews oder Fotowünsche geht. Der Trainer ist im letzten Jahr immer misstrauischer geworden. Sicher gibt es bisweilen dazu Anlass. Aber nicht hinter jedem Artikel oder Gespräch am Trainingsplatz steckt eine Intrige.

Man fühlt sich als Medienvertreter fast schon wie ein Staatsfeind. Beim Training wird man von bis zu drei Vereinsmitarbeitern der Presseabteilung „bewacht“. Bei Gesprächen mit den Spielern stehen Vertreter der Presseabteilung Unions in der Regel daneben und greifen sogar verbal ein. Das zeugt von wenig Vertrauen zu den Medienvertretern (und den eigenen Akteuren) und ist in der Branche keinesfalls die Regel, nicht mal bei Spielen der deutschen Nationalelf.

Ein Problem ist auch, dass von der Presseabteilung des 1. FC Union niemand die andere Seite kennt. Weder Christian Arbeit noch Matthias Marek waren Journalisten. Sie haben nur wenig Ahnung davon, wie wir ticken oder welche Zwänge ein Redaktionsschluss um 18 Uhr für die überregionalen Ausgaben von Kurier, B.Z. oder Tagesspiegel mit sich bringt. Die von der sportlichen Leitung beschlossene Linie wird damit aus meiner Sicht zu wenig hinterfragt.

Wenn 14 Tage lang kein Pflichtspiel ansteht, kann es für die „bunten“ Zeitungen doch auch mal eine bunte Geschichte geben. Was ist daran schlimm, wenn sich Spieler X mit seiner Familie auf dem Funkturm ablichten lässt und Spieler Y im Beisein eines TV-Teams im Tierpark Giraffen füttert? Im Boulevard muss es menscheln. Der Sportdirektor sagte schon mehrfach, dass man auch mal was genehmigen wird. Bis jetzt gab es leider nichts.

Möglichweise würde die eine oder andere bunte Geschichte dann auch kritische Stories aus den Blättern drängen. Doch man sollte sich von der Annahme trennen, dass die Medienvertreter bloß zu Union kommen, um im Dreck zu wühlen. Gesucht wird immer nach der News und interessanten Dingen, die sicher auch für den Verein unliebsame Geschichten ergeben können.

[...] Fakt ist jedoch, dass es Mosquera inzwischen sechs Tore geschossen hat und fast nie zitiert wird. Das passiert aber nicht, weil die Journalisten zu faul sind, sondern weil John bei Heim- und Auswärtsspielen bis zum Aachen-Spiel bewusst nicht in die Mixedzone gelassen wurde. Aus Union-Sicht sei sein Deutsch zu schlecht, hieß es beispielsweise.

Das führt dazu, dass nach Spielen inzwischen fast kein Journalist mehr nach John fragt. Ich behaupte mal, dass dies bei vergleichbar treffsicheren Goalgettern in den höchsten Ligen Europas ein einmaliger Vorgang ist. Und er führt zu einem Kuriosum: Am Montag sprach Christian Arbeit seine Verwunderung aus, dass in Aachen niemand nach John gefragt hätte. Diesmal hätte Union ihn bei Bedarf in die Mixedzone geschickt…

Gerade im Fall Mosquera fühle ich mich persönlich betroffen, dass man ihn nur unter größten Schwierigkeiten ansprechen kann. Hätte ich am 4.7. 2007 noch einen Trainer, Sportdirektor oder Funktionär um Erlaubnis befragen müssen, bevor ich den ohnmächtigen Mosquera in die stabile Seitenlage geschoben und seinen Kopf überstreckt habe, würde John vielleicht immer noch im Gras von Wesendorf liegen. [Gemeint ist dieser Vorfall d.Red]

[...] Unabhängig davon werde ich auch in Zukunft meine Meinung bei Union sagen. Wenn das mit einem Fettnapf verbunden ist, bitte. Und ich habe auch damals, sicher nicht im besten Ton, die schlechten Arbeitsbedingungen bei Union kritisiert. Und damit meinte ich nicht die Sitze im Stadion oder die Brötchen bei der Pressekonferenz.

[...] Vielleicht ist die Zeit für eine Annäherung von Medien und Verein gekommen. Bei einem Thüringer Fußballverein findet regelmäßig ein Spielchen zwischen Journalisten und Funktionären/Trainern mit anschließendem Bratwurstessen statt. Ein Turnier in der neuen Union-Halle zu Weihnachten tut es vielleicht auch. Tecee kann dann ja notfalls mit dem Mikro eingreifen.

P.S.: So, das lag mir einfach mal auf der Seele. Sachliche Kritik und Hinweise nehme ich gern entgegen.

Matze Koch (Freier Sportjournalist und Fotograf)