Teve308 – Marcel Hartel ist wie so ein schmales, listiges Tier

Union gewinnt zum vierten Mal in Folge und beendet ganz nebenbei mit dem 3:1 eine Serie nicht gewonnener Heimspiele gegen Fürth. Wir fragen uns, ob Union wohl mal auch ein ganzes Spiel dominieren wird. Und Daniel war beim BFC.

Foto: Stefanie Fiebrig

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Abschied von den Björns und Mainz liest entspannt die SMS von Polter

Der letzte Spieltag hat immer etwas vom letzten Schultag vor den Ferien. Eigentlich ist alles erledigt, aber trotzdem kommen noch einmal alle zusammen. So auch bei Union. Die Partie am Sonntag gegen Braunschweig ist das einzige Spiel, das nichts mit Auf- oder Abstieg zu tun hat. Aber es gibt allen die Möglichkeit, sich noch einmal richtig zu verabschieden. Vor allem von Spielern, die gar nicht mehr oder nur in einem anderen Trikot an die Alte Försterei zurückkommen.

 

Mit Sicherheit sind das Valmir Sulejmani, David Hollwitz, Martin Kobylanski, Mario Eggimann, Björn Kopplin und Björn Jopek (Vereinsmeldung und BZ). Ich verstehe jeden, der enttäuscht ist, dass die beiden Björns gehen müssen. Aber sportlich und finanziell (in solchen Fällen wird gerne vom Gesamtpaket gesprochen) passte es nicht mehr.

Jemand, der auch nicht mehr zu Union passte, spielt mittlerweile mit David Villa zusammen …

 

Ein Denkmal reißt sich selbst ein

Und jemand, der sich nicht mehr bei Union gebraucht gefühlt hat, spricht in der Bild über die Saison von Union: Torsten Mattuschka. Ich bin vom Inhalt nicht überwältigt und der Meinung, dass sich der ehemalige Kapitän mit jedem Interview dieser Art ein Stück selbst demontiert. Mir fehlt irgendwie die Antwort auf die Frage, ob er die Mannschaft in einer sehr zerbrechlichen Situation im Stich gelassen hat, weil ihm sein persönliches Wohl wichtiger war, anstatt sich durchzubeißen.

Mir wäre es sehr lieb, ihn als den Tusche, der neun Jahre bei Union war, im Kopf zu behalten und nicht als grumpy Ex-Spieler, der aus der brandenburgischen Provinz ein- bis zweimal im Jahr seinen Senf zum Verein abgibt.

 

Mainz wie es simst und entspannt

Um wieder auf den Abschied zurückzukommen: Sebastian Polter wird nicht verabschiedet. In Mainz hat Manager Christian Heidel laut Allgemeiner Zeitung sehr entspannt auf die mediale Offensive des Angreifers reagiert. Verständlich. Denn erstens hat Mainz einen gültigen Vertrag mit dem Stürmer und außerdem kann der Mainzer Manager die mediale Klaviatur mindestens genauso gut spielen wie Sebastian Polter.

Fassen wir also zusammen: Sebastian Polter hat vor zehn Tagen eine Nachricht an Christian Heidel (Der Tagesspiegel schreibt von 14 Tagen) geschrieben. Der hatte aber noch keine Zeit, zu antworten. Die Transferperiode dauert bis Ende August.

Oh man, ich hoffe, dass wir jetzt nicht zwei Monate lang nur Wasserstandsmeldungen lesen werden.

Berliner Pokal-Finale und ein Nicht-Wunschgegner

Was ich auch nicht hoffe: Dass der BFC (gestern mit 1:0 Pokalsieger über Tasmania) in der ersten Runde Union oder Hertha zugelost wird. Heidenheim wäre doch auch ein prima Gegner für den Oberligisten Regionalligisten aus Hohenschönhausen.

Sebastian Polter und die Frage nach sinnvollen Fouls

Der für mich spannendste Text des Tages steht heute in der Bild. Dort wird Sebastian Polter wie folgt zitiert:

Wir müssen abgewichster sein, den Ball häufiger auf die Tribüne schlagen, ein Foul mehr ziehen, mal länger liegen bleiben.

Er fordert damit im Prinzip das, was Ingolstadt durchaus vorgemacht hat. Jede Unterbrechung bringt in gewissen Phasen den Gegner aus den Konzept, lässt ihn nicht in den Spielfluss kommen und gibt der eigenen Mannschaft die Möglichkeit, sich zu sortieren.

poltiFoto: Tobi/unveu.de

Ich mochte das Liegenbleiben der Ingolstädter nicht. Es ist auch nicht die Spielweise, die ich von Union sehen möchte. Aber meiner Meinung nach fordert Polter vor allem ein clevereres Verhalten. Die Bild sieht Union bereits jetzt als unfairstes Team der Zweiten Liga und führt als Argument die Zahl der Verwarnungen und Platzverweise an (64 Mal Gelb und sechs Mal Gelb-Rot oder glatt Rot).

Das greift für mich zu kurz. Erstens ist es eine Frage, wo Fouls gespielt wird. Im gegnerischen Drittel gibt es durch die Regelauslegung kaum Verwarnungen für Fouls, weil sie selten als taktisch ausgelegt werden. Kommt das Foul 20 Meter weiter rings um die Mittellinie sieht das schon anders aus.

Aber trotzdem hat die Bild recht: Union gehört zu den Mannschaften mit den meisten Fouls (aktuell 553). Mehr haben nur Nürnberg und Leipzig gezogen. Die Teams auf den Aufstiegsplätzen kommen mit weniger gepfiffenen Unsportlichkeiten aus: Ingolstadt 477, Kaiserslautern 508, Karlsruhe 506.

Ich sehe aber Polters Ansage vor allem in die Richtung, dass die Spielkontrolle auch mal mit Unterbrechungen behalten werden kann und das Spieltempo selbst bestimmt werden kann. Cleverness halt. Polter gehört übrigens zu den Spielern, die die meisten Fouls verüben (72, gleichauf mit Poulsen aus Leipzig und Stiefler aus Sandhausen).

Flutlichtmastverschönerung #fcufci #fcunion #dieeisernen #unveu #eisernunion #stadionanderaltenförsterei

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Der Wirbel um die abgehängte Israel-Fahne beruhigt sich

Spätestens mit der offiziellen Stellungnahme des FC Ingolstadt nach der Entschuldigung des Berliner Polizei-Präsidenten hat sich die Aufregung sehr gelegt. Am Sonntag hatte der Einsatzleiter beim Ingolstadtspiel unter dem Hinweis “Gefahrenabwehr” verlangt, dass Union als Veranstalter ein Israel-Fahne am Gästeblock entfernen soll.

Fragen stellen muss sich jetzt vor allem die Polizei nach ihrer Fähigkeit, Situationen korrekt einzuschätzen und mit möglichen Handlungsanweisungen (die Sprache war von einer “Berliner Linie”) in Einklang zu bringen. Bis jetzt sieht die Darstellung der Polizei aber eher danach aus, als sei es eine bedauerliche Einzelfallentscheidung des Einsatzleiters gewesen. Ich prophezeie mal, dass wir nicht mehr an Aufklärung aus den Reihen der Polizei bekommen werden.

Zu diesem Thema auch: Der israelische Botschafter meldet sich zu Wort (Bild) und auch Tagesspiegel und Kurier vermelden den Vorfall.

Union zahlt für Regionalliga-Derby

Für die Ausschreitungen beim Viertliga-Derby zwischen Union und dem BFC hat das Sportgericht des NOFV Geldstrafen ausgesprochen. Union muss 2.500 Euro zahlen und der BFC 3.500 Euro. In der Strafe für den BFC Dynamo ist Abbrennen von Pyro beim Spiel gegen Babelsberg enthalten.

Ich weine nach dem Abmelden der U23 vom Spielbetrieb der Regionalliga und vor allem dem NOFV als Veranstalter keine Träne nach. Aber wer diese Liga liebt, der wird auch diesen Text vom Vice Magazine lieben: Fear and Loathing in der Regionalliga-Nordost.

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Gestern hat hier der BZ-Text am meisten interessiert: Aufregung um Israel-Fahne in der Alten Försterei 

Der Podcast ist wieder da

Nach vier Wochen Sendepause sind wir wieder da. In Teve222 – Terodde ist nach Bochum, weil er nicht ins Berghain kam reden wir über das 2:2 gegen Ingolstadt, Jopeks möglichen Durchbruch nach einer Seuchensaison für ihn, die Lizenzbedingungen (nein, wir haben auch keine Ahnung), die bisherigen Verpflichtungen für die neue Saison und die abgehängte Israel-Fahne.

 

Mit Kessel und Fürstner steigen die Erwartungen

Benjamin Kessel (27) heißt der nächste neue Spieler bei Union. Der Abwehrspieler kann in der Innenverteidigung und auch auf rechts spielen. Und wenn das, was wir so über seine Körpersprache lesen (Bild) und gesehen haben, dann ist er wohl so etwas wie Fabian Schönheim, nur eben auf rechts.

Wenn ich eine Bitte an den Berliner Kurier frei hätte, dann diese: Bitte nichts mit “Kessel unter Dampf”, “einkesseln” oder “Kessel soll Union einheizen” titeln. Danke.

Foto: Matze Koch

In der BZ wird gemeint, dass die Zeit der Talente oder Profis aus dem Ausland damit vorbei sei. Das würde ich so nicht sagen. Die Mischung macht es. Es ist ja nicht so, dass Union plötzlich keine jungen Spieler mehr im Kader hätte. Aber fertige Profis, die nicht immer für einen Klops gut sind, passen ganz gut in die aktuelle Strategie der gezielten qualitativen Verstärkung des Kaders. Und natürlich in die alte Weisheit: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel.

Außerdem ist es natürlich eine Preisfrage, fertige Spieler zu holen. Das war in der vergangenen Saison für Düwel nicht drin. Sowohl Fürstner (die Berliner Zeitung berichtet noch einmal zusammenfassend über ihn) als auch Kessel kommen ablösefrei. Ich bin mir sehr sicher, dass beide entsprechend verdienen werden. Das Geld ist dann allerdings auf mehrere Jahre gestreckt. Die Verpflichtung von Kessel bedeutet auch, dass wir uns wohl endgültig von Björn Kopplin verabschieden müssen. Schade. Aber sportlich verständlich. Ich bin sehr gespannt auf den Linksverteidiger, der noch geholt werden soll.

In der BZ stand auch, dass Polter sich im April zu seiner Zukunft erklären wolle. Ich vermute dabei ein klares Zeichen erst am Ende des Monats, so lange der Abstiegskampf in der Bundesliga noch offen ist. Mainz hat nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Und solange dort nicht alles klar ist, passiert bei Unions Noch-Stürmer gar nichts. Auf Zitate des Mainzer Managers wie im Wiesbadener Tagblatt gebe ich gar nichts:

„Das ist doch eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, reibt sich 05-Manager Christian Heidel die Hände. „Sebastian sammelt Spielpraxis, Union profitiert von seinen Toren und wir freuen uns über seine Entwicklung.“ Deshalb geht Heidel auch davon aus, dass Polter im Sommer wieder in Mainz aufschlagen wird.

Das ist das übliche Gerede in der Crunchtime der Kaderplanung. Da heißt es einen ruhigen Kopf zu bewahren. Die Chancen für Union sind nicht gut. Aber das ist allen Beteiligten auch so klar. Wichtig sind die Zeichen, die der Verein mit den Verpflichtungen aussendet und die offensive Herangehensweise an die Zielsetzung für die nächsten zwei Jahre, die Angriff auf die Bundesliga lautet. Laut Kicker (allerdings ohne direktes Zitat) plant Union sechs bis acht Verpflichtungen. Inklusive der Weiterbeschäftigung von Polter und Maxi Thiel kann das hinkommen.

Ich bin Frank Willmann sehr dankbar, dass er die Narrenfreiheit, die der Tagesspiegel ihm bietet, benutzt. Mit seiner Fußballfolklore kann ich (wahrscheinlich altersbedingt) wenig anfangen, aber ich mag seine Direktheit. Er setzt sich in “Ein kleiner Fußballkrieg in Berlin” mit dem öffentlichen Aufflammen der Union-BFC-Feindschaft bei den jüngsten Spielen auseinander und verteilt fröhlich Respekt-Schellen. An alle. Damit sie merken, was passiert, wenn es so weiter geht. Sicherheitsauflagen, Infragestellen der Stehplätze, personalisierte Karten …

Kurz zur Ausgabe von gestern: Ja, die Meldung zu AFTV war ein Aprilscherz. Und ja, wir alle (auch die Leute bei AFTV) hoffen, dass die Relive-Spiele der Zweiten Liga auf irgendeine Art und Weise eine Minutenanzeige bekommen.

Stadionverbote fordern statt sich mit den Ursachen beschäftigen

Bernd Schultz ist Präsident des Berliner Fußballverbands. Eigentlich könnte nach diesem Satz Schluss sein, weil er mit dem Profifußball in Berlin nichts zu tun hat und über die Attraktivität des Amateurfußballs in unserer Stadt schweige ich lieber. Aber Bernd Schultz hat eine starke Meinung zu dem Überfall auf das Kleinfeld-Spiel der AK40 zwischen Union und BFC am Freitag Abend:

Im Gegensatz zu Stimmen beim 1. FC Union bin ich der Meinung, dass konsequent durchgeführte Stadionverbote durchaus ein Mittel sind.

Das sagt er in der Bild. Wie Stadionverbote den Vorfall am Freitag Abend verhindert hätten, verschweigt Bernd Schultz. Aber ich helfe ihm da gerne aus: Sie hätten nichts verhindert. Das häufige Mittel eines bundesweiten Stadionverbots ist nicht bis zu Spielen der AK40 gültig. Im Zweifelsfall hätte ein lokales Betretungsverbot da mehr Wirkung gehabt. Allerdings bringt das auch nichts bei Spielen ohne Ordnungsdienst und Sicherheitskonzept. Im Falle einer Festnahme von Tätern könnten diese höchstens noch für den Verstoß gegen das Verbot belangt werden. Aber als Präventivmaßnahme bringt das soviel wie ein Schild am Sportplatz, auf dem steht “Schägerei verboten!”

Foto: Matze Koch

Im Kurier relativiert Schultz die Forderung nach Stadionverboten, indem er dort sagt: “Die sind zwar nicht das allein seligmachende Mittel. Aber es wäre ein klares Zeichen gewesen.” Ein Zeichen setzen, auch wenn es nichts bringt. Nichts verdeutlicht die Erfolge des Berliner Fußballverbandes mehr als dieser Satz. Das ist pure Hilflosigkeit gepaart mit Aktionismus.

Kommen wir zum nächsten, dem BFC Dynamo. Der Klub schreibt auf seiner Website: “Der BFC Dynamo verurteilt diesen feigen Überfall und fordert eine lückenlose Aufarbeitung der Vorfälle durch den 1. FC Union.” Wieder so eine Forderung. Ich verurteile diesen Überfall auch, wie ich jede Schlägerei verurteile. Apropos lückenlose Aufklärung: Wie hat der BFC den Einsatz von Feuerlöschern seiner Anhänger gegen die Polizei bezeichnet, der für den Großteil der verletzten Polizisten beim Regionalliga-Derby verantwortlich war? Hier haben wir es: “Beim Verlassen des Gästeblocks, nach Ende der Partie, kam es aufgrund der versperrten Abgangswege vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des BFC Dynamo und den Ordnungskräften, wobei es leider mehrere Verletzte gab.”

Und auch der 1. FC Union sollte nicht zu kurz kommen. Unabhängig von strafrechtlichen Aufarbeitung durch die Polizei hätte ich gerne eine Auseinandersetzung im Verein darüber, wie der Umgang mit dem BFC in Zukunft aussehen soll. Wo ist denn die Grenze, wenn ein paar provozierende Nasen bei einem Altherrenspiel zu solch einer Selbstjustiz führen? Gilt das demnächst auch für Jugendspiele? Auch die Dimensionen sollte sich jeder vor Augen führen. Was hat der 1. FC Union durch solche Vorfälle zu verlieren?

Und dann noch dieser Kommentar im Kurier, in dem Bunki einen Traum aufschreibt, in dem alle dem BFC die kalte Schulter zeigen. Ein anderer sei ihm gerade zerstört wurden:

Der, dass ich mit meiner Tochter, der Bunkine, ungestört in die Alte Försterei gehen kann. Und nicht immer vorsichtig in den Busch gucken muss, ob da irgendwelche Kasperköppe daraus hervorspringen. Danke dafür!

Ich weiß ja nicht, in welche Försterei Bunki geht, aber ich gehe seit Jahren mit meinen Kindern ins Stadion. Und zwar immer Stehplatz. Von Sektor 3 bin ich in den inoffiziellen Familienblock Sektor 4 umgezogen. Weil dort einfach mehr Platz ist. Der gefährlichste Moment, den ich erlebe, ist der, wenn ich die “Purzelchen” vergessen habe. Ernsthaft Bunki, komm doch mal rüber und schau es Dir an.

Podcast zum Thema Kollektivstrafen beim 1. FC Köln

Anlässlich der Auseinandersetzungen zwischen organisierter Fanszene und dem 1. FC Köln war ich gestern Abend beim Bockcast zu Gast. Neben mir sprachen zwei Effzeh-Fans und Maik vom Fanzine Übersteiger des FC St. Pauli. Je länger ich über dieses Gespräch nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung, dass die Haltung des 1. FC Union nicht naturgegeben ist und wir sie auch schützen müssen. Vor Leuten wie Bernd Schultz und Leuten, die deutlich mehr Druck ausüben können.

Den ganzen Podcast gibt es hier.

Jede Schlägerei schadet Union

“Wo Dummheit auf verletztes Ehrgefühl trifft”, hätte eine gute Überschrift für die Schlägerei beim Punktspiel zwischen der AK40 des 1. FC Union und des BFC Dynamo auf dem Kunstrasenplatz neben der Ballspielhalle Hämmerlingstraße sein können. Aber von Anfang an:

Am Freitag Abend griffen ungefähr 20 bis 30 Union-Anhänger die Fans der Gästemannschaft der AK40 des BFC Dynamo an. Das Spiel musste unterbrochen werden. Verletzt wurden zwei Gästefans und ein Spieler des BFC.

Foto: Matze Koch

Soweit die Fakten. Union verurteilt diesen Angriff in einer offiziellen Mitteilung. Es ist nun bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Union-Anhänger BFC-Fans angreifen. Welche Auswirkungen das auf das größere Gefüge haben wird, kann sich jeder ausrechnen. Es wird Union auf jeden Fall schwerer fallen, bei Politik und Polizei für seine Anhänger einzutreten und dabei Erfolge zu erzielen. Vor Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) in Berlin wird im Tagesspiegel beispielsweise die Verlängerung der möglichen Inhaftierung von möglichen Straftätern vor möglichen Auseinandersetzungen mit den Randalen beim Derby Union II gegen BFC begründet. Es muss jedem bei Union klar sein, dass jede noch so kleine Schlägerei mit dem 1. FC Union in Verbindung gebracht werden wird. In diese Richtung zielt auch der Tagesspiegel-Artikel: Der Ruf wird ruiniert

Und dabei ist es egal, wie hirnbefreit man sein muss, um Schmähgesänge gegen Union anzustimmen, wenn nur wenige Meter entfernt in der Fankneipe “Abseitsfalle” beim Quiz “Wer wird Unionär” eine nicht unbeträchtliche Zahl von Anhängern der organisierten Fanszene anwesend ist. Als ob ich zum “Dü-dü-dü-Lied” ins Sportforum nach Hohenschönhausen fahren würde.

Das entschuldigt die Schlägerei bei einem Punktspiel nicht. Mir fehlt immer noch ein Weg, sich mit dem BFC auseinanderzusetzen ohne gleich in Polizeiberichten zu landen. Daran hat sich seit dem Spielabbruch in Stockholm Anfang des vergangenen Jahres nichts geändert. In die Richtung geht auch der Kommentar im Berliner Kurier. Diejenigen, die mit dem BFC Dynamo noch Rechnungen offen haben, sollten sich genau überlegen, wie sie diese Auseinandersetzung in Zukunft führen wollen. Denn wenn diese weiter so wie bisher laufen, sehe ich eine mögliche Bruchlinie zwischen Verein und organisierter Fanszene und auch innerhalb der Fanszene.

Eine andere Sicht auf die Ereignisse hat Marko auf Facebook:

Screenshot 2015-03-29 13.15.17

Die Verantwortung von Polizeimeldungen und der Sinn von Recherche

Unabhängig davon gab es gestern auch wieder zu beobachten, was passiert, wenn Polizeimeldungen komplett kopiert werden. So sprach die Polizei in der ersten Meldung von einem Freundschaftsspiel zwischen BFC und Union und einem kompletten Spielabbruch. Entsprechend lautete die Zeile der Polizeimeldung “Den Begriff Freundschaftsspiel wohl nicht verstanden”.

Heraus kam zunächst so etwas:

Der Tagesspiegel ist hier nur ein Beispiel. In dem Fall reagierten die Onlineredaktionen aller Berliner Medien ähnlich. Publizieren statt recherchieren. Erst nach Intervention mindestens eines Berliner Journalisten änderte die Berliner Polizei ihre Meldung. Weitere Berichterstattung zum Fall findet ihr hier: Berliner Zeitung, Morgenpost, Kurier

Wenn ihr Lust auf angenehme Unterhaltung habt, kommt doch 13.30 ins Zoschke-Stadion zum Regionalliga-Spiel der U23 gegen Viktoria oder 15 Uhr zur Autogrammstunde von Sebastian Polter und Christopher Quiring ins Forum Köpenick.

Faktensuche und offene Fragen

Und ich hatte noch prognostiziert, dass wir das Torwart-Thema jeden Tag bis zum Spiel über uns ergehen lassen müssen. Das war wohl nichts. Meine seherischen Fähigkeiten sind damit wohl ungefähr genauso gut wie Norbert Düwels glückliches Händchen bei der Keeperwahl.

Das Thema sind stattdessen die Ausschreitungen beim Regionalliga-Spiel Union II gegen den BFC Dynamo im und um das Stadion. Zunächst die Zahlen: 8.192 Zuschauer sahen die Viertliga-Partie, die von gut 300 Polizisten und zusätzlich auch von Ordnern geschützt wurde. Es gab laut Polizei 175 Festnahmen, die nicht unterschieden werden nach Fanfarben oder Ort der Festnahme, obwohl das bei der Aufarbeitung der Vorfälle durchaus helfen würde. 112 Beamte wurden verletzt, davon mussten laut Polizei zwei ambulant behandelt werden. Eine Aussage über Art und Schwere der Verletzungen gibt es auch nicht.

Was passierte im Stadion?

Ich sehe zwei verschiedene Sachverhalte: Die Ausschreitungen im Stadion und dann die Scharmützel außerhalb. Es geht nicht um die Bewertung der einzelnen Fangruppen, sondern nur um die Frage, ob Union als Verein etwas daran hätte ändern können. Entscheidend dafür ist die Zahl derjenigen Union-Fans, die von der Waldseite auf die Haupttribüne stürmten und dort die BFC-Anhänger zu vertreiben. Einen versuchten Sturm des Gästeblocks können wir sicher ausschließen. Die Polizei nennt 300 Union-Fans, die auf die Haupttribüne rannten:

Screenshot 2015-03-17 06.37.51Foto: Screenshot der PM der Berliner Polizei

Union dagegen beziffert die Zahl derjenigen auf 30:

Screenshot 2015-03-17 06.56.14

Es fehlt leider eine Totale aus dem Stadion, aber hier auf dem Bild kann ich keine 300 Unionfans beobachten, die auf die Haupttribüne strömten. Gemeint sind die vorwiegend in schwarz gekleideten Anhänger, die unten an den Sitzen entlang laufen:

Union II - BFC Dynamo 2014/15
Foto: Matze Koch

Diese Unionfans wurden von Ordnern aufgehalten. Das belegen Fotos:

Union II - BFC Dynamo 2014/15
Foto: Matze Koch

Erst danach kam es zum Polizei-Einsatz jeweils vor dem Gästeblock und an der Waldseite. Und vor und nach dem Spiel kam es zu wohl teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Fangruppen und der Polizei.

Interessant ist, dass bis auf den Tagesspiegel und den Kurier alle anderen Berliner Medien ungeprüft die Angaben der Polizei übernehmen, nach der 300 Unionfans die Haupttribüne gestürmt hätten (BZ/Bild, Morgenpost, Berliner Zeitung). Hier zeigt sich eine Schwierigkeit in der Polizei-Berichterstattung, in der die Kontakte zu Beamten, die Information weitergeben (wie gestern der unveröffentlichte Polizeibericht an die Polizeireporter der Berliner Zeitung und der Bild/BZ), vielleicht wichtiger sind als das Zwei-Quellen-Prinzip im Journalismus, nach der für eine Behauptung mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen aufzutun sind. Wenn die sich widersprechen, muss man es so machen wie der Tagesspiegel:

Neben den Stehplatzrängen der Union-Ultras auf der Waldseite hatten sich zehn Minuten vor dem Abpfiff rund 40 teilweise vermummte Personen – die Polizei sprach von 300 – versammelt und mit ihrem Sturmlauf in Richtung des hinteren Teils der Haupttribüne für Unruhe gesorgt.

Anwesenheit im Stadion ist bei der Überprüfung der Zahlen vielleicht hilfreich, aber nicht notwendig gewesen. Es gibt genug Bild und Filmmaterial von den Vorfällen.

Viele Fragen bleiben offen

Anhand der dargestellten Fakten bleiben tatsächlich ein paar Fragen offen, die ich nicht beantworten kann. War der Polizei-Einsatz im Stadion überhaupt notwendig? Ich vermute ja, um ein Aufeinandertreffen der beiden Fanblöcke zu vermeiden. Hier spielen sicherlich die Vorkommnisse vor dem Spiel eine Rolle bei der Entscheidung der Einsatzleitung, im Stadion aktiv zu werden. Ob der Einsatz in dem Ausmaß gerechtfertigt war, wäre die nächste Frage.

Mich würde die Rolle einzelner Gruppen bei den Vorfällen außerhalb des Stadions interessieren. Die Berliner Zeitung erwähnt mit Berufung auf die Polizei die Hells Angels als aktiv an Auseinandersetzungen beteiligt. Auf Unionseite würde mich interessieren, welche Gruppen dort aktiv waren. Dann wüsste ich tatsächlich gerne, wo Festnahmen stattgefunden haben und zu welcher Vereinsseite die Leute sich zugehörig fühlen. Und wie groß die Überschneidungen zwischen den angezeigten Personen und denen in der landeseigenen Gewalttäter-Sport-Datei sind. Zum Thema Prävention: Gab es Gefährdeansprachen vor dem Spiel und wenn ja, was haben sie konkret gebracht? Gleiches gilt für die Verletzungen der Polizisten. An meiner persönlichen Einschätzung “Das war große Scheiße.” wird das nichts ändern, aber für die ernsthafte Aufarbeitung der Vorfälle und Vorbeugung bei für zukünftige Veranstaltungen wäre das sinnvoll.

Wir hatten gestern Abend im Podcast eine längere und sehr lebhafte Diskussion über den Sinn und Unsinn, auf eigene Faust BFC-Fans aus dem Heimbereich zu werfen, und über den Umgang mit dem BFC an sich.

Sportlich tut sich nichts berichtenswertes. Der Kurier hat mit Sören Brandy telefoniert.

Teve220 – Straftraining ist Stammtisch-Globuli

Das war ein schlimmes Union-Wochenende: Freitag 0:5 in Darmstadt verloren und mit einer Roten Karte den Torwart dazu. Am Sonntag verliert die Zweite Mannschaft 0:1 gegen den BFC und es gibt einen größeren Polizei-Einsatz im eigenen Stadion. Danke an David für das Einsprechen des Intros. Das ist ganz groß!

Foto: Matze Koch

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Begrüßung

00:02:12

Das 0:5 in Darmstadt

00:03:19

Das Torwart-Thema muss gelöst werden

00:15:33

Outro

01:31:20

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Das 8:0 hat nichts erledigt

Es gab hier beim Textilvergehen mal die Rubrik “Wörter, die ich im Zusammenhang mit meinem Fußballverein nie wieder hören möchte”. Hier findet ihr Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Hinzuzufügen wären nach der Spielunterbrechung gestern beim Regionalliga-Spiel zwischen Union Zwee und dem BFC Dynamo noch: Tumulte (Tagesspiegel), Krawalle (Morgenpost), Spiel unterbrochen (BZ) und Einsatz von Pfefferspray (Kurier).

Auf solche Tweets kann ich auch verzichten:

Fotos gibt es bei unveu.de und union-foto.de

Für mich als Fazit bleibt: Aus dem Platzsturm und Spielabbruch in Stockholm Anfang des vergangenen Jahres nicht viel gelernt. Es gibt immer noch welche, die über jedes hingehaltene Stöckchen springen, wenn nur BFC Dynamo drauf steht. Ich habe auch keine Lust auf relativierende Entschuldigungen und den Hinweis, dass es “nur” 40 von über 8000 Zuschauern waren. Das war einfach Scheiße.

Der Effekt wird sein, dass die zweite Mannschaft die nächsten Spiele wieder nur noch parallel zu Zweitligaspielen von Union durchführen darf.

Ich kann mich Dirk Zingler anschließen, der auf einem Fantreffen vor Jahren mal sagte: “Mein Verhältnis zu diesem Verein wird nie ein normales sein.” Die Abneigung habe ich auch in mir, obwohl ich in den 80ern als Kind am Ernst-Abbe-Sportfeld zum Fußball ging und nicht ins Stadion an der Alten Försterei. Aber es ist 2015 und nicht 1988. Sich von einem Klub provozieren lassen, der nur durch den Besuch anderer ehemaliger DDR-Oberligavereine überhaupt auf einen Zuschauerschnitt von 1800 in der aktuellen Saison kommt, verstehe ich nicht. Vielleicht sollte jeder mal in sich gehen und die eigenen Reflexe checken. Der Spruch “8:0! Erledigt.” stimmt jedenfalls auch zehn Jahre nach dem legendären Sieg über den BFC nicht.

Grenzüberschreitung

Norbert Düwel hat seinem Team das freie Wochenende gestrichen (BZ). Natürlich schwebt jetzt das Wort Straftraining über allem. Aber wir sind ja nicht mehr in den 80ern oder 90ern. Der Trainer kann sich die Maßnahme erlauben, weil das nächste Spiel erst am Freitag ist. Wären weniger Tage zwischen den Spielen, würde sich Düwel mit Laufeinheiten nur ein Eigentor schießen. Ich glaube, dass die Botschaft des 0:5 auch ohne zusätzliche Trainingseinheiten angekommen ist.

Was weiterhin überhaupt nicht geht, sind solche Überschriften wie in der BZ:


F
oto: Screenshot von bz-berlin.de

Das hat für mich zwei Gründe: Die Spieler haben ihre Arbeit nicht so gemacht, wie das erwartet wurde. Auch von ihnen. Aber das passiert uns im Job genau so. Und es ist demütigend, dafür so bezeichnet zu werden. Das ist, als ob so etwas wie Menschenwürde (nicht ohne Grund ein hohes Gut) für Fußballprofis nicht gelten würde. Gegen einen gepflegten Anschiss ist nichts einzuwenden, doch Nachtreten geht gar nicht. Das ist peinlich.

Der zweite Grund ist der erste in kurz: Robert Enke.

Trend oder Ausrutscher?

Analytischer unterwegs sind Kurier und Morgenpost. Natürlich bekommt Norbert Düwel die Torwartentscheidung noch einmal vorgehalten. Doch auffällig ist, dass Spieler nicht ihre Leistung bringen, bei denen es aktuell um eine mögliche Vertragsverlängerung geht. Die Morgenpost zählt fünf Spieler auf, die beim 0:5 auf dem Platz standen: Michael Parensen, Christopher Quiring, Martin Kobylanski, Steven Skrzybski und Björn Kopplin.

Während bei Torhütern das Thema Verunsicherung immer debattiert wird, scheint es bei Feldspielern keine größere Rolle zu spielen. Dabei würde ich das im Falle der fünf Unionspieler ohne Vertrag über den Sommer 2015 hinaus gelten lassen. Sie durchleben eine Phase der Unsicherheit. Die Profis müssen beispielsweise bis 1. April vorsorglich ihre Wohnung kündigen, wenn ihr Vertrag am 30. Juni ausläuft und sie im Falle eines Wechsels nicht zusätzlich bezahlen wollen. Hängen die Arbeitsstelle von Frau/Freundin und auch noch Kinder dran, wird es komplizierter. Den Kopf frei haben stelle ich mir anders vor. Jeder, der selbst mit befristeten Arbeitsverträgen zu tun hat, wird das nachvollziehen können.

Foto: Matze Koch

Der Kurier beschönigt nichts und vergleicht die Auftritte von Union in Nürnberg, Leipzig und Darmstadt mit denen eines Absteigers. Daran gibt es auch nichts zu kritteln. Die nächsten drei Spiele (St. Pauli, Sandhausen und Aalen) entscheiden für mich darüber, ob wir uns in dieser Saison noch einmal mit Abstiegskampf beschäftigen müssen.

Dead Klub Walking

Nachher um 13.30 Uhr ist Anpfiff der Regionalliga-Partie zwischen UnionZwee und dem BFC Dynamo. Laut Kurier verstärken Bajram Nebihi, Eroll Zejnullahu und Valmir Sulejmani die Zweite Mannschaft. Vorbei ist die Zeit, dass uns das aufgeregt hat, wenn Klubs ihre zweite Mannschaft mit Profis verstärken …

Für mich hat das Spiel null Relevanz, aber ich verstehe die emotionale Bedeutung für viele Unionfans. Für mich ist der BFC so ein bisschen wie ein Zombie. Tot, aber bewegt sich noch. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser Klub jemals wieder richtig auf die Beine kommt. Da kann der Verein noch so viele gute und wichtige soziale Projekte stemmen, er wird immer die Labels MfS und Hooligans an sich haften haben. Und sollte er diese jemals loswerden, dann bleibt er deshalb berlinweit so unbedeutend wie Fortuna Pankow.

Es ist nie schön, wenn vor einem Fußballspiel erst einmal die Zahlen der eingesetzten Polizisten herunter gerattert werden (Kurier, Morgenpost). Also passt auf euch auf, wenn ihr hingeht. Wäre prima, wenn wir morgen keine Polizeimeldung wie diese vom Herthaspiel gestern lesen müssen.

Ich bin heute mit Kind beim Bundesligaknaller Wolfsburg – Freiburg vor Ort. Gefahrenstufe Null oder drunter ;)

Und sonst so?

Sticker War in den Alpen:

stickerwarFoto: immnski