Weiterbildung

Wir waren in der letzten Woche auf der re:publica 2010 und haben uns unter anderem eine Veranstaltung angesehen, die mit dem Thema “Deutsches Fussball-Bloggen im Jahr der WM” warb. Dort ging es größtenteils um bestimmte Unsicherheiten, denen sich (nicht nur) Fußballblogger ausgesetzt sehen: Dürfen Vereinslogos zur Berichterstattung verwendet werden? Darf während eines Spiels das Fußballfeld photographiert werden? Wie sieht es mit der Einbettung von Videos aus Youtube aus?

Ein Ansprechpartner war der für “Internet” verantwortliche Vertreter der Presseabteilung von Hertha BSC, Robert Burkhardt. Und dieser sprach, dass eine Verwendung des Logos von Hertha aufgrund des Urheberrechtes im Internet nicht genehmigt werde. Der anwesende Rechtsanwalt Thorsten Feldmann relativierte diese Aussage, indem er darauf hinwies, dass der Schöpfer dieses Logos sicher bereits über 70 Jahre tot sei und das Logo damit gemeinfrei. Eine pauschale Untersagung mit Bezug auf das Urheberrecht muss also nicht gegeben sein. Der zweite Punkt ist der, dass die Verwendung eines Logos im Zuge einer Berichterstattung sicher nicht durch das Urheberrecht untersagt werden kann. Unsere Frage, ob der Kicker für seine Print- oder Onlineausgabe um Erlaubnis für das Abdrucken des Logos gefragt hat, wurde verneint. Gegen die Bild-Zeitung, die als Sinnbild des sportlichen Misserfolgs das Logo zertrümmert darstellt, werde nach Auskunft von Robert Burkhardt ebenfalls nicht vorgegangen. Hier gelten also zwei unterschiedliche Maßstäbe. Um Rechtstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, helfen uns zwei Dinge: Kommunikation mit den entsprechenden Personen, um Rechte zu klären und eventuell auftretende Streitigkeiten auf dem kurzen Weg ohne Anwalt zu klären. Außerdem Sorgfalt bei der Recherche.

Heute war wieder einmal zu beobachten, dass solche Herangehensweise nur funktioniert, wenn sie beidseitig betrieben wird. Die Axel Springer AG ging per Abmahnung gegen das Bildblog vor. Konkret ging es um einen Fehler in der Berichterstattung über eine Rüge des Presserates gegen “Welt Online”, der vom verantwortlichen Redakteur nach eigenen Aussagen nach ein paar Stunden korrigiert wurde. Trotzdem mahnte die Axel Springer AG ab. Die Abmahnung wurde sowohl an den Redakteur als auch an den Verantwortlichen im Sinne des Telemediengesetzes geschickt. Das erweckt den Anschein, als ob dadurch die Anwaltskosten künstlich erhöht werden sollten. Erhält man eine solche Abmahnung und unterschreibt die beigefügte Unterlassungserklärung, so ist man verpflichtet, der Gegenseite die  entstandenen Anwaltskosten zu ersetzen. Die Axel Springer AG macht Auslagen in Höhe von 2407,36 € geltend. Zusätzlich zu den eigenen Anwaltskosten des Bildblogs, versteht sich. Ob man sich, anstatt zu zahlen, auf einen Prozess einlässt, kommt angesichts der Macht des Gegenüber der Wahl zwischen Strick und Pistole gleich. Wie gesagt, es geht um ein Problem, das bereits behoben ist und sich im Zweifelsfalle auch mit einem Telefonanruf schnell erledigt hätte. Einen Reim auf diese Vorgehensweise mag sich jeder selbst machen.

Wir, die wir das Textilvergehen bisher als Hobby betreiben, möchten uns auf diesem Weg bei allen Verantwortlichen im Verein bedanken, die uns an vielen Stellen unterstützen und uns auch ihre Zeit widmen, wenn es nötig ist. Das gleiche betrifft auch die festen und freien Journalisten, die uns bei der Informationsbeschaffung nicht vergessen oder für Gespräche zur Verfügung stehen. Ganz besonderer Dank gebührt dabei Mathias Bunkus vom Berliner Kurier, der als Gast im Podcast mit Analysen  und Hintergrundberichten für einen erheblichen Mehrwert sorgt. Und nicht zu vergessen die Photographen rund um Union, die uns sehr oft Bildmaterial zur Nutzung im Blog überlassen. Danke.

1000 Tage Uwe Neuhaus

Uwe Neuhaus trainiert die erste Mannschaft des 1. FC Wundervoll mittlerweile 1.000 Tage. Aus diesem Anlass hat Mathias Bunkus ein langes und lesenswertes Interview geführt, das dankenswerter in voller Länge auf der Website des Berliner Kuriers nachzulesen ist.

Das Gespräch macht bestimmte Positionen des Trainers zum Beispiel bei der Informationspolitik klarer und erläutert auch die Beweggründe hinter solchen Entscheidungen:

Berliner Kurier: Man sagt Ihnen ja einen gewissen Kontrollwahn nach. Sind Sie zu Hause auch so ein Mensch?
Uwe Neuhaus: Kontrollwahn? Gegenfrage: Was wird denn hier so kontrolliert, dass es wahnsinnig erscheint?
Berliner Kurier: Womit wir ganz geschickt den Bogen weg vom privaten Bereich gekriegt haben … (Gelächter beidseitig) … Respekt!
Uwe Neuhaus: Okay, ne Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage, ich sage einfach, ich habe keinen Kontrollwahn. Ich empfinde es als normal, dass man gewisse Dinge regelt. Wir haben Spielregeln, wie man das auch in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft vorgibt. Der eine ist da ein bisschen lockerer, andere sehen das strenger. Ich glaube schon, dass ich irgendwo in der Mitte liege. Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich versuche zu kontrollieren, auch kontrolliert werden müssen. Wenn ich Spieler habe wie Mosquera, wie Glinker, die ein bisschen sensibel sind, das hinterlässt schon Spuren wenn auf einmal private Geschichten drin stehen. Oder nehmen wir Benyamina, als die angebliche Geschichte mit der algerischen Nationalelf aufkam. Wenn man dann die Zeiträume nach solchen Veröffentlichungen sieht, da vergehen Wochen bis bei denen wieder Normalform herrscht. Die sind mit ihren Gedanken völlig woanders. Da muss ich versuchen, das zu verhindern, diese Auswüchse zu kontrollieren. Das sind Gefahren, die Journalisten nicht sehen, nicht sehen können, vielleicht sogar sehen aber nicht beachten können, die als Trainer für mich aber schon eine Rolle spielen.

Das Gespräch behandelt Fragen nach der persönlichen Entwicklung des Trainers und seiner Zukunft, geht der Neugestaltung der Mannschaft auf den Grund und kommt am Ende zu einem Punkt, der seit Sonnabend wohl aktueller denn je ist: Dem Verhältnis zu Hertha BSC und einem kommenden Stadtderby.

Berliner Kurier: Sie haben jetzt den Ortsrivalen schon angesprochen. Glauben Sie es würde die Situation in der Stadt beleben, wenn es nächste Saison Derbys gibt? Derzeit deutet ja vieles daraufhin.
Uwe Neuhaus: Man kann das Thema ja schlecht ausklammern. Ich meine, ich wünsche niemandem einen Abstieg. Ich kann und werde da auch gar keine Häme entwickeln. Das ist nicht meine Art. Wenn es einer sportlich nicht geschafft hat, dann muss er halt den bitteren Gang in die Liga drunter gehen. Und ich bin überzeugt, wir haben es ja an den Zahlen gesehen, dass Hertha mit 42, Union mit 12 bis 13 Millionen, uns weit voraus ist. Und trotzdem, rein sportlich gesehen, dieses Derby alleine, diese Vorstellung, das hat ja schon was. Da wären Emotionen drin, das würde die ganze Stadt in Bewegung setzen, vom 2-Jährigen bis zum 98-Jährigen jeden faszinieren. Das wären sicherlich zwei ganz interessante Spiele.

Die mediale Sicht auf den eisernen Vorhang

Zur Diskussion um die Zusammenarbeit zwischen Medienvertretern und Verantwortlichen des 1. FC Wundervoll hat sich gestern im Fanforum der freie Journalist Matze Koch zu Wort gemeldet. Wir haben den Beitrag um bestimmte Forenbezüge gekürzt, damit er auch alleinstehend verständlich ist. Bisher wird diese Diskussion von Vereinsseite leider nicht offen geführt. Vielleicht ändert sich das in Zukunft. Schön wäre auch, wenn Matze Koch für seine Offenheit keine Probleme in der weiteren Arbeit entstünden. Denn er hat schließlich keine Redaktion hinter sich stehen.

[…] Das Verhältnis zwischen der sportlichen Leitung des Vereins und den Medienvertretern Berlins ist in der Tat seit Monaten angespannt. Beide Seiten wollen ihren Job so gut wie möglich machen. Aber hier prallen inzwischen ziemlich festgefahrene Sichtweisen aufeinander. Der Trainer und der Sportdirektor glauben, die Mannschaft für den Erfolg so weit wie möglich abschirmen zu müssen. Sie entscheiden auch über den Kopf der Akteure hinweg, wenn es um Interviews oder Fotowünsche geht. Der Trainer ist im letzten Jahr immer misstrauischer geworden. Sicher gibt es bisweilen dazu Anlass. Aber nicht hinter jedem Artikel oder Gespräch am Trainingsplatz steckt eine Intrige.

Man fühlt sich als Medienvertreter fast schon wie ein Staatsfeind. Beim Training wird man von bis zu drei Vereinsmitarbeitern der Presseabteilung „bewacht“. Bei Gesprächen mit den Spielern stehen Vertreter der Presseabteilung Unions in der Regel daneben und greifen sogar verbal ein. Das zeugt von wenig Vertrauen zu den Medienvertretern (und den eigenen Akteuren) und ist in der Branche keinesfalls die Regel, nicht mal bei Spielen der deutschen Nationalelf.

Ein Problem ist auch, dass von der Presseabteilung des 1. FC Union niemand die andere Seite kennt. Weder Christian Arbeit noch Matthias Marek waren Journalisten. Sie haben nur wenig Ahnung davon, wie wir ticken oder welche Zwänge ein Redaktionsschluss um 18 Uhr für die überregionalen Ausgaben von Kurier, B.Z. oder Tagesspiegel mit sich bringt. Die von der sportlichen Leitung beschlossene Linie wird damit aus meiner Sicht zu wenig hinterfragt.

Wenn 14 Tage lang kein Pflichtspiel ansteht, kann es für die „bunten“ Zeitungen doch auch mal eine bunte Geschichte geben. Was ist daran schlimm, wenn sich Spieler X mit seiner Familie auf dem Funkturm ablichten lässt und Spieler Y im Beisein eines TV-Teams im Tierpark Giraffen füttert? Im Boulevard muss es menscheln. Der Sportdirektor sagte schon mehrfach, dass man auch mal was genehmigen wird. Bis jetzt gab es leider nichts.

Möglichweise würde die eine oder andere bunte Geschichte dann auch kritische Stories aus den Blättern drängen. Doch man sollte sich von der Annahme trennen, dass die Medienvertreter bloß zu Union kommen, um im Dreck zu wühlen. Gesucht wird immer nach der News und interessanten Dingen, die sicher auch für den Verein unliebsame Geschichten ergeben können.

[…] Fakt ist jedoch, dass es Mosquera inzwischen sechs Tore geschossen hat und fast nie zitiert wird. Das passiert aber nicht, weil die Journalisten zu faul sind, sondern weil John bei Heim- und Auswärtsspielen bis zum Aachen-Spiel bewusst nicht in die Mixedzone gelassen wurde. Aus Union-Sicht sei sein Deutsch zu schlecht, hieß es beispielsweise.

Das führt dazu, dass nach Spielen inzwischen fast kein Journalist mehr nach John fragt. Ich behaupte mal, dass dies bei vergleichbar treffsicheren Goalgettern in den höchsten Ligen Europas ein einmaliger Vorgang ist. Und er führt zu einem Kuriosum: Am Montag sprach Christian Arbeit seine Verwunderung aus, dass in Aachen niemand nach John gefragt hätte. Diesmal hätte Union ihn bei Bedarf in die Mixedzone geschickt…

Gerade im Fall Mosquera fühle ich mich persönlich betroffen, dass man ihn nur unter größten Schwierigkeiten ansprechen kann. Hätte ich am 4.7. 2007 noch einen Trainer, Sportdirektor oder Funktionär um Erlaubnis befragen müssen, bevor ich den ohnmächtigen Mosquera in die stabile Seitenlage geschoben und seinen Kopf überstreckt habe, würde John vielleicht immer noch im Gras von Wesendorf liegen. [Gemeint ist dieser Vorfall d.Red]

[…] Unabhängig davon werde ich auch in Zukunft meine Meinung bei Union sagen. Wenn das mit einem Fettnapf verbunden ist, bitte. Und ich habe auch damals, sicher nicht im besten Ton, die schlechten Arbeitsbedingungen bei Union kritisiert. Und damit meinte ich nicht die Sitze im Stadion oder die Brötchen bei der Pressekonferenz.

[…] Vielleicht ist die Zeit für eine Annäherung von Medien und Verein gekommen. Bei einem Thüringer Fußballverein findet regelmäßig ein Spielchen zwischen Journalisten und Funktionären/Trainern mit anschließendem Bratwurstessen statt. Ein Turnier in der neuen Union-Halle zu Weihnachten tut es vielleicht auch. Tecee kann dann ja notfalls mit dem Mikro eingreifen.

P.S.: So, das lag mir einfach mal auf der Seele. Sachliche Kritik und Hinweise nehme ich gern entgegen.

Matze Koch (Freier Sportjournalist und Fotograf)

Teve005 – Wir gegen Ahlen

Wir haben einen Namen. Der Dank dafür gebührt Jürgen Kalwa. Wir haben Musik. Der Dank dafür gebührt ebenfalls Jürgen Kalwa, der sie uns lizenzfrei zur Verfügung gestellt hat. Vorneweg gibt es die Mannschaftsaufstellung. Dargeboten vom Stadionsprecher Christian Arbeit. Dieses Mal trafen wir uns am Morgen nach dem Spiel in der Stadtmitte. Als Gast konnten wir unseren Starreporter Mathias Bunkus gewinnen, der für den Berliner Kurier hauptsächlich über den 1. FC Wundervoll schreibt und damit immer sehr nah am Geschehen ist. Thematisch dreht es sich in der ersten Hälfte natürlich um das Spiel gegen Ahlen. In der zweiten Hälfte wenden wir uns dem Dauerthema Hauptsponsor zu. In der letzten Woche wurde der neue vorgestellt. Außerdem geht es um den zukünftigen Ausbau des Stadions an der Alten Försterei. Kritik und Lob, sowohl in technischer als auch inhaltlicher Hinsicht, gerne in den Kommentaren.

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