Rafal Gikiewicz, Marvin Friedrich und 3 Union-Spielerinnen stehen zur Wahl als Berlins Fußballer des Jahres

Die letzten Spieltage einer Saison sind etwas Besonderes. Da wird geerntet. Für manche ist es nur die Goldene Ananas und das ist wenig aufregend. Aber das Gefühl sich noch einmal vor dem Abstieg gerettet zu haben wie in der vergangenen Saison oder gar dieses nervenaufreibende Kribbeln im Aufstiegskampf ist schon etwas Besonderes. Was das für Spieler bedeutet, die sowieso immer unter Druck stehen, kann ich mir kaum ausmalen. Ich weiß nur, dass Menschen schon allein bei der Arbeit unter Druck wahnsinnig unterschiedlich reagieren. Manche werden plötzlich ganz ruhig und befinden sich in einer Art Tunnel, andere schreien herum und wiederum andere sind wie paralysiert und können plötzlich die einfachsten Dinge nicht mehr. Es gibt da nicht das eine Rezept, das für alle passt.

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Stadionverbote fordern statt sich mit den Ursachen beschäftigen

Bernd Schultz ist Präsident des Berliner Fußballverbands. Eigentlich könnte nach diesem Satz Schluss sein, weil er mit dem Profifußball in Berlin nichts zu tun hat und über die Attraktivität des Amateurfußballs in unserer Stadt schweige ich lieber. Aber Bernd Schultz hat eine starke Meinung zu dem Überfall auf das Kleinfeld-Spiel der AK40 zwischen Union und BFC am Freitag Abend:

Im Gegensatz zu Stimmen beim 1. FC Union bin ich der Meinung, dass konsequent durchgeführte Stadionverbote durchaus ein Mittel sind.

Das sagt er in der Bild. Wie Stadionverbote den Vorfall am Freitag Abend verhindert hätten, verschweigt Bernd Schultz. Aber ich helfe ihm da gerne aus: Sie hätten nichts verhindert. Das häufige Mittel eines bundesweiten Stadionverbots ist nicht bis zu Spielen der AK40 gültig. Im Zweifelsfall hätte ein lokales Betretungsverbot da mehr Wirkung gehabt. Allerdings bringt das auch nichts bei Spielen ohne Ordnungsdienst und Sicherheitskonzept. Im Falle einer Festnahme von Tätern könnten diese höchstens noch für den Verstoß gegen das Verbot belangt werden. Aber als Präventivmaßnahme bringt das soviel wie ein Schild am Sportplatz, auf dem steht “Schägerei verboten!”

Foto: Matze Koch

Im Kurier relativiert Schultz die Forderung nach Stadionverboten, indem er dort sagt: “Die sind zwar nicht das allein seligmachende Mittel. Aber es wäre ein klares Zeichen gewesen.” Ein Zeichen setzen, auch wenn es nichts bringt. Nichts verdeutlicht die Erfolge des Berliner Fußballverbandes mehr als dieser Satz. Das ist pure Hilflosigkeit gepaart mit Aktionismus.

Kommen wir zum nächsten, dem BFC Dynamo. Der Klub schreibt auf seiner Website: “Der BFC Dynamo verurteilt diesen feigen Überfall und fordert eine lückenlose Aufarbeitung der Vorfälle durch den 1. FC Union.” Wieder so eine Forderung. Ich verurteile diesen Überfall auch, wie ich jede Schlägerei verurteile. Apropos lückenlose Aufklärung: Wie hat der BFC den Einsatz von Feuerlöschern seiner Anhänger gegen die Polizei bezeichnet, der für den Großteil der verletzten Polizisten beim Regionalliga-Derby verantwortlich war? Hier haben wir es: “Beim Verlassen des Gästeblocks, nach Ende der Partie, kam es aufgrund der versperrten Abgangswege vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des BFC Dynamo und den Ordnungskräften, wobei es leider mehrere Verletzte gab.”

Und auch der 1. FC Union sollte nicht zu kurz kommen. Unabhängig von strafrechtlichen Aufarbeitung durch die Polizei hätte ich gerne eine Auseinandersetzung im Verein darüber, wie der Umgang mit dem BFC in Zukunft aussehen soll. Wo ist denn die Grenze, wenn ein paar provozierende Nasen bei einem Altherrenspiel zu solch einer Selbstjustiz führen? Gilt das demnächst auch für Jugendspiele? Auch die Dimensionen sollte sich jeder vor Augen führen. Was hat der 1. FC Union durch solche Vorfälle zu verlieren?

Und dann noch dieser Kommentar im Kurier, in dem Bunki einen Traum aufschreibt, in dem alle dem BFC die kalte Schulter zeigen. Ein anderer sei ihm gerade zerstört wurden:

Der, dass ich mit meiner Tochter, der Bunkine, ungestört in die Alte Försterei gehen kann. Und nicht immer vorsichtig in den Busch gucken muss, ob da irgendwelche Kasperköppe daraus hervorspringen. Danke dafür!

Ich weiß ja nicht, in welche Försterei Bunki geht, aber ich gehe seit Jahren mit meinen Kindern ins Stadion. Und zwar immer Stehplatz. Von Sektor 3 bin ich in den inoffiziellen Familienblock Sektor 4 umgezogen. Weil dort einfach mehr Platz ist. Der gefährlichste Moment, den ich erlebe, ist der, wenn ich die “Purzelchen” vergessen habe. Ernsthaft Bunki, komm doch mal rüber und schau es Dir an.

Podcast zum Thema Kollektivstrafen beim 1. FC Köln

Anlässlich der Auseinandersetzungen zwischen organisierter Fanszene und dem 1. FC Köln war ich gestern Abend beim Bockcast zu Gast. Neben mir sprachen zwei Effzeh-Fans und Maik vom Fanzine Übersteiger des FC St. Pauli. Je länger ich über dieses Gespräch nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung, dass die Haltung des 1. FC Union nicht naturgegeben ist und wir sie auch schützen müssen. Vor Leuten wie Bernd Schultz und Leuten, die deutlich mehr Druck ausüben können.

Den ganzen Podcast gibt es hier.

Teve 032 – Es gibt nur zwei Vereine an der Spree

In die Schwalbe im Prenzlauer Berg kamen zur ersten in dieser Saison vom Journalisten Thorsten Poppe organisierten Sportstunde der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz, und Christian Beeck, Sportdirektor des 1. FC Union Berlin. Das übergeordnete Thema lautete “Derbyzeit in Liga 2 – Chance für den Berliner Fußball?”.

Es wurden sämtliche Themen rund um das Zusammentreffen der beiden Vereine besprochen. Sei es die Stadionfrage, der Verweis auf eine ehemalige Fanfreundschaft während der Teilung Berlins, das unterschiedliche Image der Klubs oder der kleine Platzsturm beim Spiel Hertha gegen Nürnberg im Olympiastadion. Diese Themen und auch die Antworten waren rundum erwartbar und boten für den aufmerksamen Betrachter des Berliner Fußballs wenig Neues.

Dafür entführte Thorsten Poppe vor dem Gespräch die Zuschauer in eine Zeit, als im Berliner Fußball im Profibereich noch gegeneinander gespielt wurde. Bei Ereignissen wie den von ihm erwähnten Bundesligaduellen von Tennis Borussia gegen Hertha BSC stellte sich ein bißchen das Gefühl von “Opa erzählt vom Krieg” ein. So unwirklich und unvorstellbar klingt solch ein Aufeinandertreffen heute.

Die Chance für den Berliner Fußball selbst, der gerade gestern durch eine Gerichtsentscheidung wieder einmal zurückgeworfen wurde, konnte allerdings nicht herausgearbeitet werden. Natürlich betonten beide Gäste, dass sie auf eine gesunde Rivalität hofften. Bernd Schultz bat zusätzlich die Medien, keine Ost-West-Geschichten zu konstruieren. Ansonsten sah man, dass sowohl der Sportdirektor von Union als auch der Präsident des Berliner Verbandes sich gut verstanden. Es war insgesamt eine sehr kuschelige Atmosphäre. Unverständlich, dass es Hertha nicht möglich war, jemanden aus der Geschäftsstelle zu schicken, der den Gegenpart hätte geben können.

Der Berliner Fußball krankt aber nicht oben im Profibereich, auch wenn es verständlich ist, dass sich der Präsident einen Erstligisten als Aushängeschild wünscht. Im Nachgespräch machte Schultz auch deutlich, dass gerade die Regionalliga in ihrer bestehenden Form keine Zukunft haben wird. Alternative Modelle, die sowohl den Profibereich und dessen Wunsch nach Wettkampfpraxis seiner Nachwuchsmannschaften als auch die Sehnsucht nach einer attraktiven Liga durch die normalen Mannschaften befriedigen, seien allerdings bisher noch nicht gefunden. Fakt sei aber, dass zumindest die Anzahl der zweiten Mannschaften begrenzt werden müsse. Auch der Frauenfußball führe in Berlin ein stiefmütterliches Dasein. Dem stellte Schultz allerdings eine sehr gute Entwicklung im Mädchenbereich gegenüber.

Die nächste Sportstunde findet am 9. September um 21 h in der Schwalbe (Stargarder Straße 10, Prenzlauer Berg) statt. Als Gast wird Andreas Rettig (Geschäftsführer des FC Augsburg) vor Ort sein. Das Thema lautet: “Die Entwicklung der Bundesliga im wirtschaftlichen und sportlichen Vergleich mit den europäischen Top-Ligen”.

Mitschnitt des ersten Teils der Diskussion mit Schultz und Beeck (35 Min)

Bemerkung: Leider ist der Akku im Aufnahmegerät leer gewesen, so dass der zweite Teil nicht gespeichert wurde.

On Air:

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