Die gute Nachricht nach dem Feiertag: Kenny Prince Redondo ist wieder zurück

Union besiegte die Berlin-Liga-Auswahl gestern deutlich mit 6:0 (BZ, Videos mit den Toren gibt es hier bei fupa.net). Doch die beste Nachricht ist, dass wir Kenny Prince Redondo wiedergesehen haben, der nach seiner Schulterverletzung gleich zwei Tore beigesteuert hat. Wie lange es noch dauert, bis er wirklich eine Option für den Kader ist, wissen nur Jens Keller und die behandelnden Ärzte. Aber selbst dann wird es schwer für Redondo, einen Weg am starken Simon Hedlund vorbeizufinden.

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Union spielt heute ausnahmsweise Berlin-Liga und Steffen Baumgart macht das Rumpelstilzchen

Nachher spielt Union in Spandau gegen eine Berlin-Liga-Auswahl. Ab 12.30 ist Einlass und 14 Uhr Anstoß. Ansonsten wünsche ich euch einen schönen Tag der Deutschen Einheit. Auch mal wieder Zeit, daran zu erinnern, dass Union länger im vereinigten Deutschland spielt als in der DDR. Und dass eine wirklich freie, selbstverantwortliche Entwicklung von Union als Verein (freie Entwicklung schließt Scheitern natürlich mit ein) erst ab 1990 möglich war. Mit allen Nachteilen, die man als neu ins bundesdeutsche System hinzugekommener Klub hatte. Klar ist aber auch, dass vieles, was wir als Selbstorganisation schätzen, den Ursprung in der DDR (die Union-Liga beispielsweise) oder in wirklich schlechten Zeiten für den Verein (Fan- und Mitgliederabteilung oder Weihnachtssingen) hatte. Vielleicht mal kein schlechter Zeitpunkt, sich in erfolgreichen Zeiten auch daran zu erinnern.

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Den Schreier an die Wand malen

Seit Freitag weiß man auch als Unioner, wie sich Hertha diese Spielzeit anfühlt. Big Points, ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel, vor Augen. Selbst der Trainer gibt offen zu, dass nach einem Sieg in Frankfurt der Klassenerhalt wohl durch sei, und rückt damit von seinem Mantra der 40 Punkte ab. Und dann gleich nach drei Minuten ein Stürmertor für den 1. FC Wundervoll. In Sack und Tüten werden die drei Punkte gepackt, als Mosquera auf den Frankfurter Torhüter Ischdunat zuläuft. Mitnichten. Der Rest ist Historie. Mosquera vergibt. Younga spielt zu lässig zurück, woraufhin Bemben musterhaft auf den gegnerischen Stürmer vorlegt. 1:1. Ähnlich in Hälfte zwei. Younga patzt, Göhlert schlägt sehenswert über den Ball und Mölders markiert den Siegtreffer. 2:1.

Und danach? Keine Wut. Keine schlechte Laune. Eher blankes Entsetzen. Und die Erinnerung an die Saison 2006/07 als man bei noch zu spielenden sechs Partien vermeintlich lockere elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hatte. Niemand dachte da noch an Abstieg. Und doch blieb die Mannschaft nach dem letzten Spieltag nur aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Liga. Es gibt zwar noch keinen Grund, den Schreier an die Wand malen, aber sicherer Klassenerhalt sieht auch anders aus.

Hoffnung? Die B-Junioren gewinnen in der Bundesliga gegen den FC Carl Zeiss Jena (2:0) und bewegen sich seit dem Wochenende wieder über dem Strich, der die schlecht gelaunten vom Rest der Liga trennt.  Die A-Junioren gewinnen gegen den gleichen Verein, die Nummer eins im Land der rauchenden Grillfeuer, mit 1:0 und sehen ebenso dem Klassenerhalt entgegen. Und Union Zwee gewinnt in der Berlin-Liga nach einem 0:2 Rückstand zur Pause noch 3:2 und hält somit Kurs Richtung Aufstieg in die Oberliga. Spielpraxis haben sich beim Spiel der zweiten Mannschaft Daniel Schulz, Bernd Rauw (schoss den Anschlusstreffer zum 1:2) und Christoph Menz (holte den Strafstoß zum Ausgleich heraus) geholt. Es ist also an der Zeit, dass die erste Mannschaft dem Beispiel der Jugend folgt.

Tendenz: Zweitverein.

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Gefangen im Netz aus Gewohnheit und Sucht ist es mir noch immer nicht möglich, meine Fußballbedürfnisse auf DFL-Zeit umzustellen. Schon Sommer- und Winterzeit fallen mir jedes Mal schwer, aber ein fußballfreier Sonnabendnachmittag entspricht ebensowenig meinem Biorhythmus wie ein Freitagabendspiel.

Umgekehrt bin ich spielklassenunabhängig in der Lage, reflexartig stehenzubleiben, Partei und ein Geländer zu ergreifen, sobald irgendwo in Sichtweite ein Ball rollt. Ich verlange Grillgut und Brausebier und kann erst wieder gehen, wenn der Schiedsrichter dreimal gepfiffen hat.

Oh, kucke mal, da drüben spielen sie Fußball! Fährste kurz rechts ran? Wie heißt´n dit Dorf eigentlich? Ach wat, ist doch egal.

Genauso, wie ich trotz Sommerzeit auf ungeklärte Weise noch immer den Weg ins Büro gefunden habe, seh ich mir auch Union zur Unzeit an, montags, freitags und an Sonntagen zum Frühstück – man hat ja doch keine Wahl. Aber ein bißchen ist es wie ohne Hunger essen, bloß, weil Miracoli grad fertig ist und einer Toffifee ins Spiel bringt. Vielleicht lässt sich das trainieren, dem Vernehmen nach gewöhnt sich so´n Körper an allerhand, sogar an Schichtdienst, Weihnachtsvöllerei, Milchnudeln (Milchnudeln!) und Fußball um 20:15 Uhr.

Ab und an muss man seinen Freund, den Körper, aber auch einfach mal lassen, wie er will. Wellness. Vitamine. Oder eben gepflegter Samstagnachmittagfußball. Lichtenberg 47 im Hans-Zoschke-Stadion.

Unsinnig wäre die Behauptung, in der sechsten Liga sei die Fußballwelt noch in Ordnung. Bei Lichtenberg 47 wurde lange Zeit darüber gestritten, ob man das Stadion in “HoWoGe-Arena Hans Zoschke” umbenennen möchte oder nicht. Die Verantwortlichen haben sich dafür entschieden, die Namenstafel wurde heute enthüllt. Der Unterschied zu nach Banken benannten Erstligastadien ist aus meiner Sicht neben der regionalen Beschränkung vor allem das soziale Engagement beider Vertragspartner, das deutlich im Vordergrund steht. Ein politisches Zeichen in die richtige Richtung zudem, dass der Name Hans Zoschke beibehalten wird. Das ist letztlich eine interessengerechte Lösung für eines der liebenswertesten Fußallstadien Berlins.

Aber was hatte ich da jetzt gleich nochmal gewollt? Tafel enthüllen? Nee. Torwandschießen? Das wüsst ich. Drachenbasteln? Knapp daneben. Ach, richtig: Fußball.

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Rotweiße gegen Weißrote. Das denkbar bezauberndste Publikum bestehend aus sämtlichen Schiebermützenopas Berlins plus fünf Jungs, die woanders Ultras geworden wären. Allerfeinste, von Herzen kommende Schiedsrichter- und Spielerbeleidigungen. Sowas können überhaupt nur Schiebermützenopas. “Ick bin ausjerutscht, wat kann ick denn dafür” wird sich spielerseitig entschuldigt.

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Wer den Rasen gesehen hat, weiß, dass der Mann in der Tat nichts dafür konnte. Zwei Elfmeter, davon einer verschossen. Zweikämpfe auf dem Platz, dem Ringkampf nicht ganz unähnlich, Spucken, Treten, Trikotzerren inbegriffen. Ein flaschewerfendes, pöbelndes 70jähriges Rumpelstilzchen, das sich als personalsorgengeplagter Trainer der Mannschaft aus Spandau entpuppte. Gelbrote Karte. Rumpelstilzchen so: “Wat hast´n jemacht?” – und der Trikotzupfer “Weeß ick do nich.”

Aber so wüst das klingen mag: ich habe fernab der Eleganz einen sehr schönen Fußballnachmittag verbracht. Ich glaub, das mach ich öfter.

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