Eine Erinnerung für das Auswärtsspiel in Hannover

Es war schön, gestern dieses Bild von Stephan Fürstner zu sehen, der einen Tag nach der OP schon wieder auf dem Rad sitzt:

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Refugee Eleven bei 11mm 2017

Ich habe mir schon sehr lange gewünscht, dass das Fußballfilmfestival 11mm wieder ein bißchen mehr Union dabei hat. Das wird dieses Jahr der Fall sein, aber ganz anders als gedacht. Kürzer, ernsthafter und vor allem mit Blick auf das junge, das sehr junge Publikum.

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Die drei vom Krankenhaus

Schöne Grüße aus dem Krankenhaus schickten gestern Maxi Thiel und Steven Skrzybski, die dem am Knie operierten Raffael Korte (Kreubandriss) einen Besuch abstatteten. Kommentar von Steven Skrzybski: “🤕😷 💪🏼nach der OP ist vor der Reha ⚽️🏃🏽👌🏼”

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Elf Jahre 11mm

Das Fußballfilmfestival 11mm steht vor der Tür. Vom 27.3.-1.4.2014 werden im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz Fußballfilme, nur Fußballfilme und nichts als Fußballfilme gezeigt. Birger Schmidt, Andreas Leimbach und Christoph Gabler leiten das Festival und haben heute ihr Programm vorgestellt.

Foto: Fiebrig

Es sei dieses Mal sogar ein Splatterfilm mit dabei. Nun warte man warte nur noch darauf, dass der nächste Lars von Trier-Film ein Fußballfilm ist, sagt gleich zu Beginn Lars Schepull, der sich um die Medienarbeit des Festivals kümmert. Tatsächlich war es schon immer eine der großen Stärken des 11mm, genreübergreifend Filme aller Sparten zu berücksichtigen.

Dennoch zeichnen sich jedes Jahr bestimmte Trends ab, ergänzt Birger Schmidt. Natürlich verschließt sich das dem Fußballfilm gewidmete Festival nicht der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Brasilien. Die seit langem bestehende Zusammenarbeit mit CINEfoot aus Rio ermöglicht dabei außergewöhnliche Einblicke in die Fußballwelt Brasiliens. Gezeigt werden etwa die Reportagen des Canal 100 von Carlos Niemeyer, unter anderem von der WM 1974.

Viel Raum bekommen die Filme über einzelne Fußballvereine. Stellvertretend dafür steht sicher der Eröffnungsfilm “Union für´s Leben” von Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech, der hier seine Weltpremiere feiert. Darüber hinaus werden Schalke 04, Borussia Dortmund, der Karlsruher SC, Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf und Göttingen 05 vertreten sein. Zunehmend gewinnen politische und gesellschaftliche Aspekte in den Filmen an Bedeutung, so Birger Schmidt. “Die Geschichten, die um den Fußball herum erzählt werden, werden immer besser. Die Dokumentarfilme profitieren von dem, was in der Sportberichterstattung zu kurz kommt.” Es sei ein sehr interessiertes Publikum, glaubt er, das gerne tiefer in solche Themen einsteigt und bei 11mm die Möglichkeit dazu bekommt.

Unterhaltsamster Teil des Festivalprogramms dürfte die Kurzfilm-Gala “Shortkicks” sein, die Christoph Gabler betreut. Jedes Mal mache er sich Sorgen, ob genug Filme zusammen kommen, und jedes Mal staune er dann über die Fülle guter Kurzfilme, die eingereicht werden, räumt er ein und lächelt dabei. 17 wurden ausgewählt, teilweise werden sie als Vorfilme zu sehen sein. Die sieben Besten laufen am Montag, 31.3.2014 ab 19:30 Uhr bei den Shortkicks.

Jajaja, es wird reichlich Prominenz diverser Vereine erwartet. Selbstverständlich sind Union und Hertha ausreichend und würdig vertreten. Aber wisst ihr was? Überzeugt euch selbst. Wir sehen uns im Kino!

Babylon Berlin
Rosa-Luxemburg-Str. 30
10178 Berlin
U2 Rosa-Luxemburg-Platz
Telefon 030 – 2 42 59 69

Das Spiel ihres Lebens

Beim 11mm Festival 2013 feiert der Fußball den DFB, der DFB den Fußball und – das ist für mich am wichtigsten – der Fußball feiert sich selbst. Während sich im großen Saal des Kino Babylon Rudi Gutendorf, Olaf Thon und Klaus Fischer beim Sehen und Gesehen werden die Klinke in die Hand geben, geht es zeitgleich im geradezu winzigen Kino 3 etwas beschaulicher zu. Die Geschichte, die in der britischen Dokumentation “The Game of their Lives” erzählt wird, ist, verglichen mit den “50 Jahre Bundesliga”, welche in der Hauptveranstaltung des Abends zelebriert werden, eher eine Randnotiz. Oftmals sind es die kleinen Geschichten, die den Fußball zu etwas Besonderem machen. Und während für viele Menschen Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist, bedeutete der Sommer des Jahres 1966 für die Spieler der nordkoreanischen Nationalmannschaft viel mehr.

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Foto: 11mm

Zerstört vom Koreakrieg, geteilt und zerrissen vom Kalten Krieg, machten sich die Spieler aus Nordkorea auf den Weg zur 8. Fußball-Weltmeisterschaft in England. Und allein der Weg dahin hatte es schon in sich. Zum einen stand für die Fußballverbände von Afrika, Asien und Ozeanien zusammen nur ein einziger Startplatz bei der WM zur Verfügung. Zum anderen hatte die gesamte westliche Welt Nordkorea politisch die Anerkennung verweigert. So mussten in der finalen Qualifikationsrunde gegen Australien Hin- und Rückspiel in Kambodscha ausgetragen werden. Immerhin ordnete die kambodschanische Führung an, dass bei den Spielen in Phnom Penh jeweils die Hälfte der Zuschauer für eine der Mannschaften zu sein habe. “Hey, ihr da! Ihr jubelt jetzt für Nordkorea!” So einfach geht das.

Einmal für die WM qualifiziert, hörte das politische Drama noch lange nicht auf. Großbritannien, im Korea-Krieg auf Seiten Südkoreas aktiv, erteilte den Nordkoreanern nur deshalb ein Visum, weil man befürchtete, die FIFA könnte ansonsten das gesamte Turnier in ein anderes Land verlegen. Etwas gastfreundlicher zeigten sich da die Menschen in Middlesbrough, welche sich alle Mühe gaben, die dort untergebrachte nordkoreanische Mannschaft gebührend zu empfangen und auch während der WM-Spiele zu unterstützen. Der Underdog-Charakter der Nordkoreaner sollte sein übriges tun, um die Engländer im Turnierverlauf auf die Seite der Südost-Asiaten zu ziehen.

Die nordkoreanischen Fußballer waren im europäisch-südamerikanisch dominierten Fußball eine absolute Unbekannte. Folglich wettete auch niemand einen Pfifferling auf die mit Italien, Chile und die UdSSR in eine Gruppe gelosten Nobodys. Es fing auch nicht erfolgversprechend an. Körperlich in Größe und Gewicht unterlegen, musste Nordkorea im ersten Spiel gegen die UdSSR eine klare 3:0 Niederlage einstecken. Aber bereits in Spiel Nummer 2 konnte man dem Dritten der WM 1962, Chile, ein 1:1 abtrotzen – und als die technisch hoch überlegenen Italiener letztlich im entscheidenden dritten Vorrundenspiel mit 1:0 bezwungen wurden, kannte die Euphorie in Middlesbrough keine Grenzen mehr. Die Nord-Engländer hatten die Nordkoreaner als “ihre” Mannschaft durch das Spiel getragen und frenetisch gefeiert. Das “Chollima Football Team”, bezeichnet nach der Arbeiterorganisation, welche den Nordteil Koreas nach dem Krieg wieder aufbauen sollte, hatte in der von Industrie geprägten Arbeiterstadt Middlesbrough offenbar einen Nerv getroffen.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd durch Originalaufnahmen der Weltmeisterschaft 1966 und Interviews, die Regisseur Daniel Gordon im Jahr 2002 in Nordkorea – nach jahrelangen Verhandlungen – mit Akteuren der damaligen Mannschaft geführt hat. Ein Zugeständnis musste Gordon offenbar machen. Die begeisterten Worte der ehemaligen Fußballer, wenn es um die großartigen Errungenschaften des Sozialismus in Nordkorea und die geliebten Führer des nordkoreanischen Volkes geht, bleiben umkommentiert. Auf der anderen Seite braucht es aber auch keines Kommentars. Zu skurril wirken die Tränen der ergrauten und mit Orden behängten Männer am Ehrenmal von Kim Il-sung, zu befremdlich die choreografierten Szenen der jährlichen Massenveranstaltungen im Stadion von Pjöngjang. Dennoch, trotz der politischen Hintergründe, ging es bei der WM 1966 für elf Fußballspieler vor allem darum, einen Ball in das gegnerische Tor zu schießen und damit Menschen zu begeistern.

Jedes Märchen endet einmal, für die Mannschaft aus Nordkorea endete der Traum im Viertelfinale gegen Portugal. Zwar unterschätzten die Portugiesen die Nordkoreaner zunächst, was dazu führte, dass es nach nur 26 Minuten 3:0 für Nordkorea stand. Dann kam allerdings die Stunde eines der größten Stars der sechziger Jahre: Eusebio schoss die am Ende technisch völlig überforderte nordkoreanische Mannschaft mit vier Toren fast im Alleingang aus dem Turnier. Dass das Spiel letztlich “nur” mit 5:3 verloren wurde, lag an einer während des gesamten Turniers grandiosen Leistung des nordkoreanischen Torwarts. Die Engländer feierten die tapferen Asiaten trotzdem. Und so endet die Dokumentation mit dem wunderbaren Satz “Ich habe gelernt, dass es im Fußball nicht nur ums Gewinnen geht.” Mag sein, aber so recht mag es ihnen nicht gelingen, den Stolz über diesen einen WM-Sieg gegen Italien zu verbergen – dem Spiel ihres Lebens.

Vorhang auf, Film ab!

Berlinale vorbei, Academy Awards durch – aber das schönste Filmfest kommt erst noch! Vom 9.-13. März 2012 findet das 11mm Fußballfilmfestival statt. Dieses Jahr durften wir vorab schon mal reinschnuppern. Drei Filme stellen wir deshalb heute schon vor. Für den Eröffnungsfilm verlosen wir zwei Tickets.

Das 11mm geht in die 9. Runde
“Es wächst und gedeiht”, sagt Birger Schmidt über das 11mm-Festival, ganz der stolze Gründungsvater. In den Anfangsjahren wurden Filmlexika gewälzt, auf der Suche nach relevanten Filmen. Inzwischen könne man das Festival tatsächlich von den Einreichungen bestreiten. Während die großen Abräumer bei den Fußballfilmen bis dato vor allem dokumentarische Filme waren, gehe der Trend nunmehr zu Spielfilmen, die etwas tiefer gehen. Zwei Schwerpunkte hat das diesjährige Festival. Polen und die Ukraine rücken aufgrund der bevorstehenden Europameisterschaft thematisch in den Vordergrund. Flankiert werden die Filme von einer Fotoausstellung über die EM-Vorbereitungen. Filme zu einzelnen Fußballvereinen durchziehen das gesamte Programm.

Eröffnungsfilm: We are the Champions – Sepp Maiers Videotagebuch von der WM´90
Während der Weltmeisterschaft in Italien hat Sepp Maier die deutsche Nationalmanschaft gefilmt. Es sind private Bilder, die oft wie eine Familienfeier wirken. Mit all dem Zauber und all den Macken, die Familienfeiern so an sich haben – nur, dass hier alle Gäste Prominente sind. Die Aufzeichnungen waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, nur DFB-intern kursierte der Film. Die Originalmontage von Sepp Maier und Bernd Pfaff wird im Rahmen des Festivals zum ersten Mal vor Publikum gezeigt. Moderiert wird die Vorführung von Heribert Faßbender. Sepp Maier und einige der Weltmeister von 1990 sind ebenfalls angekündigt.

Foto: (C)Sepp Maier, mit freundlicher Genehmigung von 11mm

Sepp Maier hat unterschiedlos alles aufgezeichnet, was ihn umgeben hat. Eben steht man noch neben ihm an der Seitenlinie beim Spiel Deutschland-Argentinien, schon findet man sich mit einem Haufen halb- und ganz nackter Kerle gröhlend unter der Dusche, und um die Ecke grinst ein Bundeskanzler ins Bild. Das hat nichts mit der kontrollierten, angemessenen Freude zu tun, die Sönke Wortmanns Sommermärchen zeigt. Hier wird sich nicht gefreut, hier wird ausgeflippt bis an die Schamgrenze und noch ein kleines Stückchen drüber. Nur beim Spiel gegen die Tschechoslowakei habe er nicht gefilmt, sagt Maier. “Da war der Franz so wütend.” Überhaupt, der Franz. Beckenbauer scheint der einzige zu sein, der sich der Kamera bewusst ist, der immer wieder prüfend auf den Kameramann schaut und verhalten reagiert.

Foto: (C)Sepp Maier, mit freundlicher Genehmigung von 11mm

Die Sensation an diesem Film ist, dass es ihn überhaupt gibt. Beim Triumphzug der frischgebackenen Weltmeister zum Frankfurter Römer war das Material samt Kamera aus dem offenen Wagen gestohlen worden. Auf Umwegen sind die Aufzeichnungen wieder aufgetaucht, ergänzt wurden sie durch offizielle Fernsehbilder. Dass ein solcher Film entsteht, ist heute kaum mehr vorstellbar. Die Verwertungsmaschine Fernsehen kann mit solchen Bildern nichts anfangen, denn als Imagefilm für den hochtechnisierten Leistungsfußball taugen sie kein bißchen. Eindrucksvoll wird bewiesen: Eine Nationalmannschaft ist auch nur ein Mensch.

L´equip petit
Es gibt mehrere Wahrheiten über Fußball. Eine davon hat Trainer Baade aufgeschrieben. Den nicht weniger wahren Gegenentwurf zeigt dieser Film. Bei beiden muss man ein bißchen weinen. “L´equip petit” (Die kleine Mannschaft) ist ein Kurzfilm über eine spanische Jugendmannschaft, nein: über fußballspielende Kinder, die allen entmutigenden Niederlagen trotzen, unbeirrt wieder und wieder erfolglos antreten, ohne die Lust am Fußball zu verlieren. “Einer hat mal fast ein Tor geschossen, aber da habe ich grad nicht hingeschaut”, sagt einer von den Knirpsen. Das Komische im Drama zu finden, ist eine spanische Spezialität. Ein klarer Anwärter auf den ersten Platz bei den Short Kicks!

Was geschah am 3.Juli ´74?
Der polnische Kurzfilm arbeitet dokumentarisch die “Wasserschlacht” auf, das Länderspiel zwischen Polen und Deutschland im Frankfurter Waldstadion bei der WM 1974. Auf komplett überschwemmtem Gelände gewann Deutschland 0:1. Spieler beider Mannschaften haben sich die Bilder 2006 noch einmal angesehen und kommentiert. Ein Film für Fußballhistoriker.

Tickets & Verlosung
Die Tickets gibt´s ab sofort im Babylon und an den bekannten Vorverkaufsstellen. Wir verlosen zwei Tickets für den Eröffnungsfilm mit Sepp Maier am 9.März 2012 um 19:30 Uhr. Interessierte Kinogänger kommentieren ihr “Ich will” bis zum 3.März entweder im Blog oder drüben bei Facebook. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


11mm – 9. Internationales Fußballfilmfestival
Kino Babylon / U Rosa-Luxemburg-Platz
Karten täglich 17-22 Uhr / 7,-EUR / VVK & online mit Gebühr

Togo.

Eine gelungene filmische Gratwanderung vollzog der Eröffnungsfilm “Togo” des diesjähren Fußballfilmfestivals 11mm. Die beiden schweizerischen Regisseure beobachteten in ihrer Dokumentation die Menschen in Lomé, während die togolesische Mannschaft sich auf die WM 2006 vorbereitete und ihre Gruppenspiele bestritt. Dabei begleiteten sie einen arbeitslosen Journalisten, einen Geschäftsmann, der extra für die WM ein Lokal aufgemacht hat, und Fans, die teils vergeblich vor dem deutschen Konsulat auf Visa für den Besuch der Gruppenspiele warteten.

Eine Gratwanderung, weil die Kulisse und Improvisation im armen Viertel am Stadtrand geeignet ist, bestimmte europäische Afrikaklischees zu bedienen. Dem entzieht sich der Film, indem er auf eine Kommentierung aus dem Off verzichtet und die Akteure selbst sprechen lässt. So bekommt der Zuschauer einen unmittelbaren Eindruck von der Stimmung im Land nach den politischen Unruhen 2005 und der erstmaligen Qualifikation für eine Weltmeisterschaft: Hoffnung, Übermut, Enttäuschung, Wut, Resignation. Für ständige Lacher sorgen Voodoomänner, die vor jedem Spiel das Orakel befragen, einen Sieg der Togolesen vorhersagen und danach mit aberwitzigen Ausreden erklären, warum dann doch alles anders gekommen ist.

Der Film wird noch einmal am Mittwoch, dem 17. März 2010 um 20.30 Uhr im Kino Babylon gezeigt (Eintritt: 6,50 €). Die DVD kann direkt bei den Regisseuren bestellt werden.

Nach der Premiere stand uns Otto Pfister, der damalige Trainer der togolesischen Mannschaft für ein kurzes Interview zur Verfügung:

Im Film haben Sie die Stimmung in Togo gesehen, während Sie mit der Mannschaft hier waren. Haben Sie vorher damit gerechnet, dass es so hoch hergehen würde?

Ich habe das gewusst. Und das belastet einen natürlich auch. Zum Beispiel das mit der Mama Togo habe ich gewusst, weil ich immer auf dem Kontinent lebe, wenn  ich ein Engagement habe. Es gibt Trainer, wie den, der vor mir Kamerun trainiert hat. Die wohnen hier und gehen nur zum Spiel herunter. Das mache ich nicht. Ich habe eine Schwäche für diese Länder und ich wohne dort. Ich weiß, was dort los ist. Für die ist Fußball heilig. Das ist nicht wie hier in Berlin heute. Wenn da ein Spiel ist wie Hertha BSC gegen Nürnberg in einer solch großen Stadt. Dann sind alle im Stadion. Der Rest sitzt vor dem Fernseher oder am Radio. Da ist keiner auf der Straße. Das ist eine Religion. Und das ist schwer hier zu vermitteln.

Dazu kommt noch die Selbstüberschätzung. Sie meinen, sie treten an mit einer Infrastruktur, die Sie im Film sehen konnten. Und die Erwartung ist dann so, das sei jetzt überall genau so wie zu Hause. – Allerdings war das mit der Nationalmannschaft nicht ganz richtig dargestellt. Ich war ja mit den Jungs vier Wochen hier in Europa im Trainingslager in normalen Sportschulen. Wenn man dann sieht, dass es nicht läuft, gibt man auf. Als es dann losging mit dem Geld, haben die Spieler gestreikt. Ich habe gekündigt, als Adebayour zu mir kam und sagte: ‘Trainer, wir trainieren heute nicht. Wir haben noch keinen Pfennig Geld gesehen.’ Das war der Grund. Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen und gesagt: ‘Sie entziehen mir die Arbeitsgrundlage. Zahlen Sie den Spielern das Geld, damit sie zum Training kommen.’ Dann ist die FIFA in Vorschuß getreten. Aber uns haben die zwei Tage gefehlt. Sonst wäre die Mannschaft auch in der Lage gewesen, die zweite Runde zu erreichen.

Waren Sie wieder aufgeregt, als Sie die Szenen der Spiele jetzt noch einmal gesehen haben? Wie haben Sie manche Schiedsrichterentscheidungen jetzt noch einmal wahrgenommen?

Wenn der Schiedsrichter vom Spiel gegen die Schweiz Englisch verstanden hätte, wäre ich für das, was ich ihm in der Halbzeit gesagt habe, von der FIFA für ein Jahr gesperrt worden. Einmal wird Adebayour heruntergerissen und einmal lässt Patrick Müller im Strafraum das Bein stehen. Aber das ist halt so.

Haben es afrikanische Mannschaften bei einem solch großen Turnier besonders schwer mit den Schiedsrichtern?

Ja. Aber dazu möchte ich mich lieber nicht äußern. Das ist kein einfaches Thema.