Dirk Thieme – Einer muss es ja machen

Christopher Quiring war auf Kuba und hat dort wegen der Sonne nur drinnen trainiert. Das könnt ihr alles in Bild/BZ lesen. Bevor am Sonntag um 15 Uhr die Saisonvorbereitung im Stadion an der Alten Försterei startet, kommt noch ein Text von Steffi über Dirk Thieme, der eine der Personen ist, der wir dieses Stadion so verdanken, wie es uns am Sonntag wieder begrüßen wird. Der Text erschien zuerst im November 2012 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt. Zu dieser Zeit war die Haupttribüne noch im Bau.

Was man auf der Baustelle an der Alten Försterei zuallerletzt vermutet, ist Milchkaffee. Es gibt ihn aber. In dem Container, in dem das Planungsbüro von Dirk Thieme derzeit arbeitet, steht zwischen Rechnern, Druckern, Materialproben, Papierbergen und Männern in karierten Flanellhemden eine Kaffeemaschine, die so etwas kann. Kein Bier, kein Gebrüll. Schon am Eingang wird darauf geachtet, dass alle ihre Bauhelme tragen.


Foto: Matze Koch

Dirk Thieme ist federführend verantwortlich für den Bau der neuen Haupttribüne, man kann ihn getrost den Vater der Baustelle nennen. „Weißt Du, wo hier die Gasleitung lang geht?“, wird er gefragt. „Na klar!“, sagt er und zeichnet eine Linie in die Luft. Solche Fragen sind vernünftig, vernünftige Fragen werden sofort beantwortet.

Soll er über sich sprechen, über seine Arbeit, wird er erst einmal still, überlegt. Er biegt eine Büroklammer auf und zu. Wieder auf. Zu. Hinter ihm ragt der imposante Rohbau der neuen Tribüne empor. Er zeigt aus dem Fenster. „Die Leute nehmen das doch wahr! Es ist doch nicht so, dass ich den Finger heben muss: ‚Habt ihr eigentlich schon mal gesehen, dass wir drei Stadionseiten gemacht haben, und ein Dach drüber haben?‘ Das sehen die doch alle! Insofern kann ich mich zurückhalten. Wozu sollte ich mich in den Vordergrund spielen?“ Die Büroklammer ist inzwischen nur mehr ein Stück Draht. „Ich habe auch nicht vor, nochmal irgendwann ein neues Stadion zu bauen. Ich brauch‘ diese Werbung nicht.“


Foto: Matze Koch

Ausschreibungen, Vergabe der Bauleistungen, Bauüberwachung sind seine Aufgaben als Vertragspartner der Stadion AG. Dirk Thieme ist sowohl Vorstandsvorsitzender der Stadion AG als auch Präsidiumsmitglied des 1. FC Union Berlin. „Ich setze nicht nur um, was der Bauherr möchte, ich definiere auf der anderen Seite gegenüber den Planern, was der Bauherr möchte.“

Ihm ist bewusst, dass diese Doppelfunktion mit Skepsis betrachtet wird. Er weiß auch, dass er den Zweiflern nur mit unbedingter Transparenz entgegentreten kann. Transparenz heißt: Reden. Erklären. Kommunizieren. Er trägt das mit Fassung. „Wenn man das mit Aktien macht, muss man bestimmte Spielregeln einhalten. Die sind nicht grundlos da.“


Foto: Matze Koch

In den Stadionbau ist er so reingerutscht. „Ich habe eine sehr gute Erziehung genossen. Meine Mutter hat mir aber offenbar nicht beigebracht, nein zu sagen. Und deswegen habe ich mir jede Menge aufhalsen lassen.“ Vom Fan zum Fanvertreter. Vom Fanvertreter in den Aufsichtsrat. Von dort ins Präsidium. Es ist die Geschichte von einem, der Schritt für Schritt Verantwortung übernimmt für das, was ihm wichtig ist. Der Dinge erledigt, die eben erledigt werden müssen. Der mit seinem Fußballverein erwachsen geworden ist.

Erwachsensein bringt vor allem Fragen mit sich. „Was passiert denn, wenn der Elfmeter jetzt an den Pfosten fliegt? Das Spiel verloren geht, oder nicht gewonnen wird? Was hat das für Konsequenzen? Da rattern im Kopf immer Zahlen ab, und Szenarien.“ Erwachsensein heißt Selbstdisziplin. „Ich bin der Typ, der nach dem Spiel in den Keller geht und dann da jubelt und auf Knien grätscht.“ Wer im Präsidium sitzt, der repräsentiert. Ob er will oder nicht. „Als Fan konnte ich jubeln und rumpöbeln. Das geht heute nicht mehr.“


Foto: Matze Koch

Erwachsensein heißt schließlich, „dass die Freude, die man empfindet, noch viel größer ist, als es sonst der Fall gewesen wäre, weil man so unter Druck steht“.

Dirk Thieme ist ein pragmatischer Mensch. Er setzt seinen Helm auf und ist froh, wieder auf seine Baustelle zu kommen. Zu tun hat er genug. „Da gibt‘s schon noch das eine oder andere. Das Fanhaus ist ein Thema, das Nachwuchsleistungszentrum ist ein zweites Thema. Wir müssen uns im Bereich unserer Büroräume irgendwie erweitern. Wir denken aktuell darüber nach, wie wir das bewerkstelligen. Da gibt es schon noch Handlungsbedarf.“ Und einer muss es ja machen.

Das Wiedersehen mit Sebastian Polter verzögert sich vielleicht

Sebastian Polter wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht beim Saisonstart am Sonntag auftauchen (Bild/BZ, Kurier). Allerdings beordert Mainz ihn nicht weg, wie es an manchen Stellen behauptet wird. Es ist schlicht so, dass Spieler zum Saisonstart noch laufende Verträge haben, weil die bis zum 30.6. des jeweiligen Jahres abgeschlossen werden.

Damit Spieler trotzdem schon die Vorbereitung bei ihrem neuen Verein mitmachen können, werden Vereinbarungen zwischen den Vereinen getroffen, die das ermöglichen. Polter hat bis 30. Juni noch Vertrag bei Union, aber ist Stand jetzt danach wieder Mainzer. Es ist also normal, dass er beim Training des Bundesligisten erscheint und nicht bei Union.

MIT ALLER GEWALT POLTERHALT! #sebastianpolter #fcunion

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Im Gegenzug freut sich Union zum Saisonstart am Sonntag um 15 Uhr im Stadion an der Alten Försterei auf Stephan Fürstner, Collin Quaner, Dennis Daube, Benjamin Kessel, Raffael Korte und Kevin Prince Redondo, obwohl die sechs Neuen alle noch bis 30. Juni Verträge bei ihren bisherigen Klubs haben.

Es ist kaum davon auszugehen, dass Union diese normalen Vereinbarungen zwischen Vereinen platzen lässt, um Polter zum Showtraining zu präsentieren, obwohl nicht abschließend klar ist, ob er danach noch in Köpenick bleibt. Damit würde Union sich als Verhandlungspartner bei Transfers unglaubwürdig machen.

Außerdem möchte ich sagen: So schön eine Verpflichtung von Sebastian Polter wäre, aber das Wohl und Wehe von Union 2015/16 nicht allein von der Person des Stürmers ab. Zumal bis Ende zum Ende der Transferperiode am 31. August noch viel Zeit ist. Und vielleicht taucht Polter ja doch am Sonntag auf 😀

Es heißt also: Weiter ruhig atmen, sich nicht von einem Hype anstecken lassen und wenn der Mainzer Manager Christian Heidel in Medien redet, einfach weghören. Eroll Zejnullahu zeigt freundlicherweise, wie das ungefähr aussehen könnte, wenn man Heidel nicht zuhört.

#sonne #strand #meer #sonnen #schwimmen #genießen 🏊☀️

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Ludwig Götze: Der unsichtbare Dritte

Die Bild stellt vor, wer mit wem in Konkurrenzkampf gehen wird, der Kurier erzählt die Geschichte des Sportinvaliden und Ex-Unioners Dustin Heun und AFTV fasst den ersten Tag der Reise nach Bologna zu den neuen Trikots zusammen.

Steffis Text über Ludwig Götze, den Mann an der Kamera bei AFTV, erschien zuerst im Oktober 2012 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt.

Volles Haus, ohrenbetäubender Lärm, dicht an dicht stehen die Unioner auf den Rängen. Unten an der Seitenlinie wartet Ludwig Götze. Konzentriert, aufmerksam. Er wird gleich auf den Rasen laufen. Alle werden das sehen, niemand wird es bemerken. Ludwig führt die Kamera, die Stadionsprecher Christian Arbeit auf dem Weg zum Mittelkreis begleitet.


Foto: Stefanie Fiebrig

Unten gibt Christian die Mannschaftsaufstellung durch, oben begrüßt das Publikum seine Fußballgötter. Spürbar ist die Vorfreude, aber auch die Anspannung vor dem Spiel. Nur Ludwig ist die Ruhe selbst. Zumindest sieht es so aus.

„Ich bin an Spieltagen immer aufgeregt. Da stehen 20.000 Leute, wo ich sonst alleine bin!“ Ludwig ist mindestens einen Kopf zu groß, als dass man ihn übersehen könnte. Auch sein Arbeitszeug ist nicht eben winzig. Dennoch besitzt er die Fähigkeit, sich komplett unsichtbar zu machen. Selbst dann, wenn er mitten auf dem Rasen herumläuft. Alle Blicke richten sich auf den Kollegen neben ihm, und genau so soll es sein.

Ludwig filmt und produziert seit 2010 Videos für AFTV, den vereinseigenen Videokanal des 1.FC Union. Interviews sind dabei, Fantreffen, Trainingslager, oder vor kurzem erst der Derbykartenverkauf. Seine „Visitenkarte“ war 2010 das Video zum Testspiel gegen Vitesse Arnheim.


Foto: Matze Koch

Die Spieler kommen aus dem Tunnel. Anpfiff. Die Spielszenen gehören dem Fernsehen, Ludwig hat Sendepause. Eine Zeitlang hat er während des Spiels Fanvideos gedreht. Am liebsten vom Kamerastand unter dem Dach aus, auf der Gegengerade. „Der normale Mensch denkt sich, es ist wahrscheinlich langweilig da oben. Ich kann mich an das 3:3 gegen Osnabrück erinnern, bei dem Santi Kolk nach mehreren Versuchen doch noch zum Ausgleich getroffen hat. So eine Explosion von oben zu mitzukriegen, von einem Meter drüber, ist richtig cool.“

Ludwigs Bilder sind kraftvoll, lebendig und nah am Geschehen. „Glattgebügelt TV-mäßiges“ will er nie machen müssen. „Mit der Handkamera kriegt man, wenn man die ruhig hält und vernünftig bedienen kann, einen Style hin, der anders ist.“ Das Stativ packt er nach Möglichkeit gar nicht erst aus.

„Ich will, dass man im Hintergrund sieht, was los ist. Deshalb finde ich es besonders schön, dass man bei uns im Stadion aus der Ecke heraus filmt, weil man immer noch ein ganzes Stadion im Hintergrund hat. Da gibt der Trainer ein Interview, auf der anderen Seite räumt irgendeiner ein Kabel weg, auf der Anzeigetafel steht das Ergebnis. Im Idealfall hast Du noch Markus Babbel, der in der Alten Försterei gerade nur 1:1 gespielt hat, und der ganze Block dahinter hüpft.“ So entstehen authentische Bilder, wie man sie in Zeiten der Fifa-Werbeästhetik kaum noch kennt.


Foto: Matze Koch

Der aufwändigste Teil seiner Arbeit ist aber nicht das Drehen an sich. Es ist eher der Umgang mit den Menschen, die er filmt. Die Kamera ist ein Fremdkörper, der zunächst einmal stört. „Fußballfans sind argwöhnisch dem Kameramann gegenüber, die wollen wissen: Was macht der da? Warum ist der dabei?“ Bei den Spielern ist es ähnlich. Dass man faktisch für den gleichen Verein tätig ist, ändert nichts daran.

„Spieler sind durch die Medienwelt noch ganz anders geprägt als die Fans. Die nehmen mich, gerade wenn es Neuzugänge sind, nicht unbedingt sofort als Mitglied ihres Teams wahr, für die bin ich natürlich immer noch der Kameramann. Dann ist es erstmal wichtig, nicht den großen Macker zu machen und selber im Vordergrund zu stehen.“


Foto: Matze Koch

Egal ob Fans oder Spieler, Ludwig will die Menschen so zeigen, wie sie wirklich sind. „Solange es gestellt ist, die Leute in die Kamera kucken oder mit der Kamera Quatsch machen, ist das vielleicht einen kurzen Moment lang lustig, aber nicht nachhaltig für das Bild.“ Also muss er sich Vertrauen erarbeiten, eine Gesprächsebene finden und geduldig sein, bis sich alle wieder natürlich bewegen. Wenn das Eis gebrochen ist, sagt er, ist es relativ einfach. „Bei Union fliegen einem die Geschichten eigentlich zu.“ Die gilt es gut einzufangen.

Kurz vor Abpfiff. Wenn für alle anderen die Arbeit getan ist, geht es für ihn noch einmal richtig los. Wieder runter zum Spielertunnel. Jetzt werden die Interviews gemacht. Danach ist Pressekonferenz. Anschließend wird geschnitten. Wenn das alles fertig ist, gehört ihm das Stadion schon wieder fast alleine.

Wie Nick Powell von Manchester United einmal nicht bei Union unterschrieb

Dieser Tweet wurde am Montag kurz vor Mitternacht geschrieben.

Das ist Nick Powell von Manchester United. Er ist 21 Jahre alt und spielt im offensiven Mittelfeld.

 

Es ist nicht so, als würde uns in Berlin so etwas kaltlassen.

Aber eine vernünftige Quelle wäre schon etwas.

Die Auflösung ist etwas ernüchternd.

Aber die Enttäuschung hält sich auch in Grenzen.

Wir haben dafür gelernt, wie Transfergerüchte entstehen.

Und es gibt ein Happy End.

Hannes Teubner: “Es war Lärm, ich stand mittendrin, es war fantastisch!”

In der Bild erzählt Christian Ziege, wie sehr Union sich auf Kevin Prince Redondo freuen kann. Spoiler Alert: Wir können uns sehr freuen. Das ist schön. In der Zwischenzeit fährt eine kleine Union-Delegation nach Bologna, um symbolisch das neue Trikot zu holen.

Dabei ist Hannes Teubner (links im Bild). Manche kennen ihn als Coolhansen. Bei Union ist er der Mann für digitale Medien und den Vereins-Kanal AFTV. Steffis Text über Hannes erschien im Juni 2014 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt.

Der Container rechts neben der Haupttribüne diente als Büro des Greenkeepers, später als Arbeitsplatz der Stadionregie, und der Pop-Art-Künstler Andora hat auch mal drin übernachtet. Jetzt stehen dort zwei Schreibtische, aber auch ein gemütliches Sofa. Um das Tipp-Kick-Spiel auf dem Regal ist eine Alte Försterei aus Papier gebastelt. Union spielt gegen Hertha, für immer. Eine Kaffeemaschine zischt und brodelt, auf der Tasse darunter steht: Maschinenraum. Die Abteilung Multimedia hat hier ihr Zuhause gefunden, Hannes Teubner seine Bestimmung.

Und was so schön nach spielen aussieht, ist eigentlich Arbeit: Das Tipp-Kick war Requisit für das Video zum Derby. „Martin aus dem Fanshop kommt manchmal vorbei, und dann gibt’s auch mal eine kurze Partie. Aber Du siehst, ich liege uneinholbar vorn!“ Dann ist der Kaffee durch, und Hannes erzählt, wie ihm das mit Union passiert ist.

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Foto: Stefanie Fiebrig

Aufgewachsen ist Hannes in Dresden. Sein Vater stammt aus Aue. „Er hatte diese fixe Idee, seine Sympathie für Wismut Aue an seinen Sohn zu übergeben. Ich bin durch eine relativ harte Schule gegangen, in einer Dresdner Schulklasse, in der alle einem erfolgreichen Dresdner Verein zujubelten, und du bist derjenige, der permanent gegen den Abstieg spielt.“

Fußballinteressiert sei er gewesen, sagt Hannes. Fußballfan war er nicht. Nach dem Studium ging er nach Berlin. „Ich habe in Pankow gewohnt und wäre nie auf den Gedanken gekommen, nach Köpenick zu fahren, um Fußball zu kucken.“ Dass es doch irgendwann geklappt hat, war beinahe Zufall. „Weil nämlich Union zu mir kam, in den Jahnsportpark.“

Das Spiel gegen Haka Valkeakoski wurde sein erstes Union-Spiel. Er wollte sich die Partie zu Hause ansehen, der Fernseher lief schon, als ihm auffiel: „Das sind zwei S-Bahnstationen, da fahre ich vielleicht mal hin. Vielleicht gibt’s ja noch eine Karte.“ Die Karte hat er bekommen. „Ich kann mich an das riesengroße Transparent erinnern: Wir brauchen die Alte Försterei zum Leben. Und eine Blockfahne ist über uns gewesen. Es war Lärm, ich stand mittendrin, es war fantastisch!“

Zu einem der nächsten Heimspiele ist er in die Alte Försterei gefahren. „Ich bin auf die Ge-gengerade und hab mich dort oben an diesen Platz gestellt, Höhe Mittellinie, letzte Reihe, vor die Balustrade. Wow!, dachte ich. Hier gehörst du hin. Es ist wirklich so, wie es Nick Hornby erzählt. Wie wenn man sich in eine Frau verliebt. Du kannst das nicht planen. Und dann fing die ganze kaputte Sache an, mit Dauerkarte und Vereinsmitgliedschaft.“

Wie bei vielen anderen hat das, was Hannes studiert hat, mit dem, was er heute arbeitet, nicht mehr viel zu tun. „Ich bin Diplom-Soziologe. Ich hab aber sehr schnell festgestellt, dass aus mir kein Wissenschaftler wird.“ Noch an der Uni hat er mit einem Grafiker zusammen gearbeitet, dessen Entwürfe er in Photoshop umgesetzt hat. Öffentlichkeitsarbeit und Multimedia hat er dabei gelernt. „Später war ich Produktmanager bei einer Musiksoftware-Firma und dann habe ich mich in der Multimedia-Produktion selbstständig gemacht.“


Foto: Matze Koch

Was er anfangs bei Union nebenher gemacht hat, ist inzwischen sein Beruf. „Als 2009 der Aufstieg in die zweite Liga perfekt war und die Idee entstand, dass man Multimedia anders aufzieht, kam die Frage an mich, ob ich das übernehmen würde. Ich habe keine Sekunde gezögert.“

Fußball ist anders, seitdem. „Meine allerliebste Stimmung am Spieltag ist, wenn das Stadion vorbereitet wird und noch keiner hier drin ist. Wenn der Brezelverkäufer seinen Brezelstand aufbaut. Wenn die Jungs von den Greenkeepern anfangen, noch einmal nachzukreiden. Wenn die Rollbanden angeschlossen werden. Jeder geht seiner Arbeit nach. Es ist eigentlich noch leer. Aber du merkst, dass so eine Spannung drin liegt. Das konnte ich vorher nicht haben.“

Hannes‘ Stammplatz im Stadion gibt es seit dem Umbau nicht mehr. „Weil mir Eldi dort einen Pfeiler hingebaut hat. Dieser Pfeiler ist unverrückbar.“ Seit der Eröffnung der großen Tribüne arbeitet Hannes aber während des Spiels in dem Container auf der Gegengeraden. „Die Leute, die dort hinten stehen, sind immer noch die gleichen wie damals. Man kennt sich und grüßt sich noch. Der Kreis schließt sich sehr schön, weil ich jetzt wieder von dort aus Fußball kucke, wo das alles für mich angefangen hat.“

Das Fanhaus soll bis Weihnachten fertig sein

Wir haben uns ganz fest vorgenommen, am Sonntag auch das im Bau befindliche Fanhaus neben dem Stadion zu besuchen. Dann kamen allerdings gutes Wetter, ein riesiger Garten in Brandenburg und ein angefeuerter Grill dazwischen. Aber dafür waren Bild/BZ vor Ort.

Fassen wir zusammen: Mit etwas Glück wird das Fanhaus vielleicht schon zum Weihnachtssingen eröffnen, es wird Gastronomie und Live-Fußball von 16-24 Uhr anbieten. Persönlich hoffe ich, dass das Fanhaus so etwas wie ein Jugendklub für Union wird und gerade den Fans zwischen 13 und 25 auch eine Art zu Hause wird. Ich bin sehr gespannt, wie das alles funktioniert.

Spiel gegen Crystal Palace

Am 18. Juli spielt Union gegen Crystal Palace als Abschluss-Spiel der Saisonvorbereitung. Damit die Anhänger des Premier-League-Klubs Bescheid wissen, warum sie mit dem Billigflieger nach Berlin jetten sollen, gibt es auf der Website von Crystal Palace eine kurze Liste, was Union eigentlich ist: 7 Things You Need To Know About Union Berlin

Ich bin ein Fan von solchen Listen, weil mit zunehmender geographischer Entfernung von Union alle Grau- und Zwischentöne abfallen und am Ende so etwas wie der Kern übrig bleibt. In dem Fall ist das: Rufname die Eisernen (the Iron Ones), Nina Hagen ist eine Punksängerin, Bluten für Union, Stadionbau, Stehplätze, Weihnachtssingen, WM-Wohnzimmer.

Auch wenn die Liste vielleicht auch in Zusammenarbeit mit der PR-Abteilung von Union zusammengestellt wurde, finde ich das ganz spannend. Denn das sind Punkte, die uns unabhängig vom sportlichen Abschneiden definieren. Ich hätte aber nichts gegen einen sportlichen Punkt. Wie wäre es mit der Entdeckung der Düwel-Boys in dieser Saison?

Bei Crystal Palace wird übrigens auch gesungen, was ich sehr schön finde.

Hendrik “Eddy” Mann – Auf ruhigen Gewässern

Die harte Nachricht zuerst: Union spielt in der ersten DFB-Pokalrunde bei Viktoria Köln. Ich hoffe, dass der Termin am Wochenende liegt. Bild/BZ berichten außerdem, dass Dennis Daube die Nummer 10 tragen wird. O-Ton des Spielers: “Eine Rückennummer sagt nicht viel aus.”

Steffis Text über Hendrik “Eddy” Mann erschien zuerst im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt im März 2014. Eddy verstarb im Sommer des gleichen Jahres, am 5. Juli 2014. Er fehlt sehr. Seine Bärbeißigkeit, seine Hilfsbereitschaft, seine ganze Persönlichkeit. Aber mit seinen Booten ist immer auch ein Teil von ihm weiter auf Berlins Gewässern unterwegs.

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Foto: Stefanie Fiebrig

Er fährt die auffälligsten Schiffe, die Berlins Wasserstraßen zu bieten haben. „Normalerweise sind die Schiffe weiß, mit blau oder rot abgesetzt. Wir haben es genau anders herum gemacht. Wir haben die rot gemalt und weiß abgesetzt“, beschreibt Hendrik Mann etwa seine Angela, die als letzte ihren fußballerischen Anstrich erhalten hat. Er hatte in einer Zeitung ein Foto gesehen. Abgebildet war ein Betonmischfahrzeug im Union-Look. „Kann ick besser“, dachte er sich. Es hat eine Weile gedauert, bis er seine Idee schließlich umgesetzt hatte.

Gelernt hat Hendrik Mann Vollmatrose, er ist lange Zeit zur See gefahren. „Eddy, der Sorglose“, nannten ihn seine Kollegen. Den Namen hat er behalten und mit seiner Reederei Eddy-Line in ganz Berlin bekannt gemacht. Seit über zwanzig Jahren ist er in der Fahrgastschifffahrt tätig. 2005 hat er die Viktoria, sein erstes eigenes Schiff, übernommen „Und die wird immer schöner“, sagt er. Seine Stimme wird ganz weich dabei. Die Viktoria war die erste, die das Union-Logo trug.


Foto: Matze Koch

Eddy ist ein geborener Chemnitzer. Wenn er in Sachsen ist, verfällt er in seinen heimischen Dialekt. Zu hören ist davon nichts, und wenn er Touristen fährt, freuen die sich über einen waschechten Berliner, bei dem Kirche und Kirsche klingt, als wäre es das selbe Wort. 1976 sind seine Eltern mit ihm nach Berlin gezogen, er ist hier zur Schule gegangen. Das prägt den Menschen und seine Sprache.

Bei Union ist Eddy seit 1978. Das war das Jahr, in dem sein Vater starb. „Doofes Jahr.“ Eddy ging also allein zum Fußball und beneidete die, die mit Papa hin gingen. Kurz darauf hatte er Autogramme von Wolfgang Matthies und Achim Sigusch. „Womit ich in der Schule der Star war!“ Die beiden nennt er heute noch zuerst, wenn er nach seinen Lieblingsspielern gefragt wird.


Foto: Matze Koch

Es gab Zeiten, in denen er nicht zum Fußball konnte, weil er zur See fuhr. „Aber ich habe Union immer im Auge behalten. Kurioserweise war es immer so: Wenn es mir mal Scheiße ging, war’s bei Union genauso. Wenn’s bei Union aufwärts ging, ging es bei mir auch aufwärts.“

Jetzt gerade geht es dem Verein und eben auch Eddy gut. Eine Krebserkrankung hat er knapp überstanden. Er hat ein Motorrad gekauft. Er hat geheiratet. Das wollte er zwar erst, wenn der 1.FC Union Deutscher Meister wird, aber mit dem Spott darüber kann er leben. Besser gleich, bevor es zu spät ist. Er findet, er hat das Glück gehabt, das anderen gefehlt hat.

„Es gibt bestimmt Leute, die sind fleißiger, die sind besser als ich, aber die hatten nicht das Glück, die richtigen Menschen kennenzulernen. Da musst du abgeben können. Wenn du dir ansiehst, wer auf der Straße lebt, wer ärmer ist als du – das sind keine dummen Leute. Die sind manchmal total unverschuldet da reingeraten.“ Und weil das so ist, engagiert er sich nicht nur bei Union, sondern auch für die Torre-Stiftung, die Obdachlose unterstützt. Er selbst hatte seine Auszeit, unfreiwillig. „Jetzt kucken wir mal wieder nach den anderen.“


Foto: Matze Koch

Im Januar und Februar ist es noch ruhig auf den Gewässern. „Man kann mal eine Stunde länger schlafen, in den Urlaub fahren oder kümmert sich um Wartungsarbeiten.“ Am liebsten ist er trotzdem mit dem Schiff unterwegs. „Naturgewalten – Regen, Schnee, Wind – das ist Freiheit. Die größte Strafe war, als ich mal ein halbes Jahr im Büro saß. Mittlerweile freue ich mich jedes Mal, wenn ich wieder fahre, weil ich ja auch andere Aufgaben habe. Zum Müggelsee raus, nach Tegel hoch, nach Wannsee runter, oder nach Potsdam.“

Auch die Fahrten mit den Fußballfans machen ihm nach wie vor Spaß. „Das erste Mal, als die Mannschaft zu mir an Bord kam, hatte ich Tränen in den Augen. Wir haben das Mannschaftsfoto gemacht. Dazu haben wir mitten am Tag die Spree komplett dicht gemacht. Verbotenerweise. Oben auf der Brücke die Fans, unten auf dem Schiff die Mannschaft.“

Ein Ausflugsdampfer und ein Fußballclub. Wie passen die zusammen? „Wir sind Berlin. Wir sind nicht der Hauptstadtklub, aber doch Berlin.“ Die Viktoria, die Helgard und die Angela in leuchtendem Union-Rot sind Eddys Bekenntnis zu seinem Verein.


Foto: Matze Koch

DFB-Pokal: Bis auf einen anderen Berliner Klub ist der Gegner egal

Ab heute Abend gegen 23 Uhr wird es etwas mehr Planungssicherheit für den 1. FC Union geben. Dann wird die erste Pokalrunde des DFB ausgelost. Aus Unionsicht könnte ich sagen, dass es mir egal ist, gegen wen das Team in der ersten Runde ausscheidet, aber das stimmt nicht. Weiterkommen finde ich richtig gut. Und gegen einen anderen Berliner Klub muss es in der ersten Runde auch nicht gehen. Ich bin gespannt. Um 22.50 Uhr geht es in der ARD los.

Gestern wurde auch im Sommerplan etwas festgezurrt. Der Hallesche FC empfängt am 13. Juli Union. Anpfiff ist 18.30. Und falls ihr nicht der Fraktion “Nie wieder Falkensee-Finkenkrug angehört, könnt ihr hier schon einmal die Preise für das Spiel am 23. Juni um 18 Uhr checken.

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Die Bild bringt einen “Check” zwischen Uwe Neuhaus und Norbert Düwel. Der ist so aussagekräftig wie ein Testspiel im Sommer. Es werden lediglich statistische Fakten aus unterschiedlichen Spielzeiten übereinander gelegt, die beide Trainer mit jeweils unterschiedlichen Spielern im Kader erreicht haben. Daraus Schlüsse zu ziehen, halte ich für gewagt.

Die für mich interessante Frage an Norbert Düwel ist eigentlich, ob das Konterspiel nicht an seine Grenzen kommt, wenn die Mannschaft oben angreifen möchte und sich immer mehr Gegner defensiv aufstellen und selbst auf Konter hoffen? Ich sehe da aber den Trainer auch nicht zwangsläufig so festgelegt wie es dargestellt wird. Und die Mannschaft hat auch die individuelle Qualität, um Situationen spielerisch zu lösen.

Änis Ben-Hatira besucht Benny Köhler

Benny Köhler hat gestern im Krankenhaus Besuch von Änis Ben-Hatira bekommen.

 

Und falls ihr euch jemals gefragt habt, ob ihr beim Popeln im Biergarten identifiziert werden könnt, kommt hier die Antwort: Ja. Und so sieht der Arbeitsplatz im Stadion aus, der euch dabei beobachtet:

Was macht eigentlich … ?

Nico Patschinski? Der Ex-Unioner ist jetzt Paketzusteller in Hamburg. Bundesliga.de hat ihn mit Kamera bei seiner Arbeit begleitet.

Trikot-Design egal, Hauptsache es gibt auch eine Triple-XL

Lorenz Maroldt vom Tagesspiegel hat in seinem täglichen Newsletter auf die aktuelle Verteilung der Lottogelder in Berlin aufmerksam gemacht. Leider findet sich in der Liste der Begünstigten nicht der 1. FC Union Berlin, der nach einer Absprache mit den Regierenden für den Bau seines Nachwuchsleistungszentrums Lottomittel erhalten soll. Es hängt also wie schon seit langem wahrscheinlich immer noch an der Grundstücksfrage.

Was ich über die vielen Jahre beim Fußball gelernt habe: Wenn im Sommer nichts los ist, wird über die neuen Trikots gelästert. Seit gestern geistern Screenshots durch das Netz, die angeblich die neuen Shirts der Profis zeigen. Verifiziert hat die Bilder niemand. Die Meinungen dazu gehen trotzdem weit auseinander. Alles wie immer also. Dabei wissen wir doch alle, dass ein Trikot nur gut ist, wenn es auch die Version für uns Durchtrainierte in XXXL gibt. Alles andere ist Kokolores, um Ex-Trainer Uwe Neuhaus zu zitieren.


Screenshot via viele bei Facebook

Offiziell werden die Trikots am 20. Juni vorgestellt. Bilder wird es von der Promo-Reise nach Italien zum Ausrüster sicher schon vorher geben. Schlaflose Nächte werde ich wegen des Trikots sicher nicht haben, da müsste schon mehr kommen 😊

Da wir gerade bei Terminen sind:


Foto: Die Waldseite/Facebook

In Bild/BZ geht es um Benjamin Kessel. Wir erfahren, dass er 1,91 Meter groß ist, seine Freundin Alina heißt, er im Friedrichshain eine Wohnung hat und noch nicht weiß, ob er in der Innenverteidigung oder auf rechts spielt.

Der andere Neuzugang Dennis Daube hat sich gestern eine Facebook-Page zugelegt. In seinem ersten Post verabschiedet er sich nach elf Jahren bei St. Pauli von Hamburger Fans. Dabei kommt er so ehrlich und bodenständig rüber, dass ich ihn sehr gerne bei uns in Berlin begrüße. Außerdem hat er ein sensationelles Foto gepostet, das ihn als Bengel in braun-weiß zeigt.

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Foto: Dennis Daube/Facebook

Der Kurier gratuliert Damir Kreilach zur Hochzeit. Dem schließen wir uns natürlich an. Heiratet nicht auch Roberto Puncec in diesem Sommer? Ich verliere bei der großen Unionfamilie langsam den Überblick.


Foto: Damir Kreilach Fanpage/Facebook