Dreierkette, Viererkette – eine aktuell unwichtige Systemfrage

Ich lege mich fest: Es gibt kein starres taktisches Spielsystem und deshalb ist die Diskussion um Dreierkette oder Viererkette, wie sie heute zum Beispiel die BZ führt, wenig zielführend. Aus meiner Sicht muss eine Mannschaft mehrere Varianten draufhaben, um während des Spiels schnell umstellen zu können.


Quelle: Twitter/@czossi/@fcunion

Ich sehe das Problem auch nicht in der Defensive, sondern im Verhalten mehrerer Offensiv-Spieler, die die Abwehr nicht entlasten, indem sie sich so positionieren, dass sie anspielbar sind. Wichtig sind in dem Zusammenhang die Dreiecke auf dem Spielfeld. Ein ballführender Spieler muss immer die Option zwischen mindestens zwei anspielbaren Mitspielern haben. Und zwar idealerweise nach vorne. Hat der Spieler das nicht, steht er unter Druck und begeht Fehler. Klingt einfach, ist aber komplex und hat mit der Systemfrage nicht viel zu tun.

Bei Union war aus meiner Sicht zuletzt durch das starke Gegnerpressing zu beobachten, wie Offensivspieler und Defensivspieler voneinander abgeschnitten waren. Die Offensivspieler standen dann zu sehr im Deckungsschatten der gegnerischen Spieler.

Zusammenfassung: Wenn im nächsten Spiel wieder eine Viererkette steht, wird damit nicht die Dreierkette beerdigt.

Ersatz für Polter

Die Bleibewahrscheinlichkeit von Sebastian Polter ist nicht sehr hoch. Das weiß auch Union und hat sich laut Bild bereits nach Ersatz umgeschaut. Florian Niederlechner (24, Heidenheim) soll sich bereits mit dem Verein einig sein und Stefan Kutschke (26, Paderborn) wäre der nächste. Ich halte beide für eine gute Wahl. Natürlich würde ich gerne Polter behalten, allerdings kann ich auch der Realität ins Auge sehen. Leider.

Florian Niederlechner gegen Roberto Puncec (Foto: Matze Koch)Foto: Matze Koch

Nur weil es in der Bild diskutiert wird: Mir ist es egal, ob ein Spieler mal bei RB war. Es sei denn er hat sich rote Bullen auf die Wade tätowiert …

Beim Kurier ist das Glas halbvoll

Der Kurier möchte uns heute Mut machen für die letzten Spieltage. In kurz: Es gibt Mannschaften (St. Pauli, 1860), denen es im Umbruch noch schlechter geht. Ich bin kein Freund dieser Argumentation, die ich von schulpflichtigen Haushaltsangehörigen öfter hören muss: “Aber XY ist noch schlechter als ich.” Es sind die eigenen Ansprüche und Möglichkeiten, an denen jeder sich messen muss. Auch der 1. FC Union und seine Spieler. Aus dieser Sicht hat die Mannschaft in dieser Saison nicht das Maximale herausgeholt. Andererseits haben sich auch Aspekte für die Zukunft gezeigt, die vor einem Jahr noch nicht zu sehen waren. Meiner Meinung nach ist das Glas weder halbvoll noch halbleer. Es ist einfach halb.

Foul oder nicht Foul?

In der entscheidenden Frage nach dem 1:1 wollen sich die Berliner Medien lieber nicht festlegen: Wurde Steven Skrzybski kurz vor Spielende von Oliver Barth im Strafraum gefoult?

Union - Aalen 2014/15Foto: Matze Koch

“Skrzybski hob im Strafraum ab” (Tagesspiegel), “Steven Skrzybski hatte den Kontakt mit dem Verteidiger geschickt gesucht” (Berliner Zeitung) und “Steven Skrzybski wirft sich in den Zweikampf mit Aalens Innenverteidiger Oliver Barth” (Bild). Nur der Kurier legt sich fest: “Als Steven Skrzybski im Strafraum eine hübsche Luftrolle fabrizierte, zeigte die Polizeibeamtin unter allgemeinem Gelächter zum Punkt.” Vielleicht waren die anderen Medien aber auch einfach nur weniger direkt.

Union hat weiter Probleme mit frühem Pressing

Im Spiel gab es die Problemzonen der vergangenen Partien weiter zu beobachten. Union kann mit frühem Pressing das Spiel komplett zerstört werden, ohne dass die gegnerische Mannschaft Angst haben muss, dass der Ball dann schneller als beabsichtigt vor das eigene Tor kommt. Die Doppelsechs Zejnullahu/Jopek klingt durchaus vielversprechend. Dass die beiden noch nicht die Erfahrung haben, auf den Ball zu treten und mal Ruhe ins Spiel zu bringen würde ich ihnen angesichts ihres Alters nachsehen. Da müssen die fünf in der Offensive sich besser anbieten, um der jungen Doppelsechs das Leben leichter zu machen. Oder um es mit Norbert Düwel in der Bild zu sagen:

Ich bin sehr enttäuscht von der Offensive, aber das geht auch in alle Richtungen. Wir haben die Räume nicht besetzt, um es der Dreierkette leichter zu machen. Wir haben vor allem zwei Punkte liegen gelassen, weil es an Laufbereitschaft in der Offensive fehlte!

Während Union gestern gegen Aalen spielte, saß ich in Ahlbeck auf Usedom und aß bei Uwes Fischerhütte Heringssalat auf Kartoffelpuffer. War auch schön.

Der Strand vor Uwes Fischerhütte. #usedom #ahlbeck #kaiserbäder #ostsee

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Uwe Neuhaus wird neuer Cheftrainer bei Dynamo Dresden

Uwe Neuhaus wird zur nächsten Saison Cheftrainer von Dynamo Dresden (offizielle Vereinsmeldung). Das ist schön für ihn. Ob es das auch für die Sachsen wird, bleibt abzuwarten. Bisher sind da ja eine Reihe Trainer an den Besserwissern Strukturen im Verein gescheitert. Der bisherige Coach Peter Nemeth allerdings eher an den eigenen Spielern.

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Foto: Stefanie Fiebrig

Eine Klarstellung noch, weil das ab und zu vermutet wird: Union spart durch den neuen Vertrag von Uwe Neuhaus keinen Cent. Er stand bereits in der aktuellen Saison nicht mehr auf der Gehaltsliste des Vereins. Das Zauberwort heißt hier Abfindung. Die wurde für den Fall einer Entlassung vorher vertraglich geregelt.

Neuhaus trainiert schon jetzt

Wir haben hochexklusives Filmmaterial von Uwe Neuhaus, wie er sich auf seine neue Aufgabe vorbereitet:

Strategisch denken mit Eroll Zejnullahu

Etwas zurückgefallen auf dem Spielfeld ist zuletzt Eroll Zejnullahu, der vom offensiven ins defensive Mittelfeld gewechselt ist. Das brachte ihm aber in der vergangenen Partie seinen ersten Einsatz über 90 Minuten in dieser Saison. Wie er umlernt, haben BZ/Bild aufgeschrieben. Angesichts der Zahl der Medienkollegen im Bild erwarte ich aber noch ausführlichere Texte.

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Foto: 1. FC Union Berlin/Facebook

Und sonst so:

  • Heute um 13 Uhr gibt es die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Aalen. Live auch AFTV zu sehen.
  • Das Fantreffen findet am nächsten Dienstag um 19 Uhr mit Maxi Thiel und Toni Leistner statt. Allerdings an einem anderen, aber auch sehr schönen Ort: im Krokodil
  • Ich fahre heute an die Ostsee und es kann sein, dass bis Montag das Programm hier schmaler oder ganz ausfällt. Der Rest unseres Teams nimmt den Podcast trotzdem auf. Aber dieses Mal ohne Live-Übertragung.

Steven Skrzybski sieht Auflösung der U23 zwiespältig

Gestern am Rande des Trainingsplatzes, als U-19 Rechtsverteidiger Lukas Boateng den Platz betrat, um mit den Profis zu trainieren.

Nein, er ist nicht mit den drei Boateng-Brüdern Kevin, Jerome und George verwandt. Mehr dazu in Kurier, Bild/BZ.

Was wird aus Stuffi

Christian Stuff ist direkt betroffen vom Ende der U23. Allerdings war die zusammenarbeit mit dem großen Verteidiger sowieso nur bis Saisonende vereinbart. Danach sollte er in die Vereinsarbeit eingebunden werden. Wenn allerdings noch ein Angebot zum Spielen kommt, könnte er auch noch zwei Jahre mit Kicken sein Geld verdienen. Sagt er dem Kurier. Ich tippe darauf, dass er direkt beim Nachwuchsleistungszentrum bleibt.

In die Kategorie Spätstarter und damit Profiteur des Nachwuchsleistungszentrums fällt Steven Skrzybski. Der Stürmer hat nach der A-Jugend mehrere Spielzeiten dort verbracht und sagt in einem lesenswerten Interview in der BZ:

Aus Vereinssicht ist es zu vertreten, aus Spielersicht ist das zwiespältig. Ich habe fünf Jahre für den Durchbruch gebraucht, war froh über die U23. Entweder schafft man jetzt direkt den Sprung von der A-Jugend zu den Männern oder man muss den Weg über die Ausleihe gehen.

Vor allem erfahren wir so, wie der Übergang für Skrzybski in den Männerbereich war und welche Entscheidungen er treffen musste. Stat bei Union hätte er jetzt durchaus bei Bielefeld kicken können. In der Bild gibt es einen Fließtext dazu.

1. FC Union Berlin vs. FC St.Pauli 3:2Foto: Stefanie Fiebrig

Damit hat er durchaus recht. Aber vielleicht wird es auch etwas einfacher, weil sie lernen müssen, sich direkt bei den Profis durchzusetzen und der jeweilige Cheftrainer es sich nicht leicht machen und sie einfach zur U23 schicken kann.

Apropos Stürmer: Der Kurier schreibt Bajram Nebihi nicht ab. Ich bin da weniger optimistisch.

Red Bull übernimmt Stadtmarketing für Leipzig

Habt ihr euch beim Sandhausenspiel auch über dieses Banner gewundert? Darauf steht: “Kino? Bei uns gibt’s nur Kneipen. RB boykottieren”

Die Auflösung bringt die Leipziger Volkszeitung: RB hat dem Stadtmarketing von Leipzig einen Image-Film spendiert und zeigt diesen vor Auswärtsspielen in den örtlichen Kinos des Gastgebers. Hat in Sandhausen mangels Kino wohl nicht funktioniert … Hat ein bisschen was von Bananenrepublik da in Leipzig.

Und sonst so:

  • Die herzerwärmende Geschichte eines tumorkranken Unionfans, dessen Traum einer letzten großen Reise sich plötzlich auflöste und der dann von einer Welle der Hilfsbereitschaft überrolt wurde, hat die Welt.
  • Uwe Neuhaus könnte wohl Trainer in Dresden werden, schreibt die Bild. Ab der nächsten Saison. Mal sehen, ob das tatsächlich etwas wird.
  • Am Sonntag schippert wieder Eddyline mit der Viktoria zum Stadion. Ab 9.30 Uhr liegt das Schiff am Berliner Dom vor Anker und um 10 Uhr geht es los. Ankunft in Köpenick ist um 12 Uhr. Wir sind dieses Mal leider nicht an Bord.

Die Auflösung der U23 ist für Union ein logischer Schritt

Union meldet seine U23 zur nächsten Saison aus der Regionalliga auf und löst das Team auf, vermeldete der Verein gestern. Die Meldung sorgte für Aufregung auf den Abstiegsplätzen bei der ohnehin schon komplizierten Aufstiegs- und Abstiegsregelung der Regionalliga Nordost. So dass DDR1 der MDR auf seiner Website schnell genau erklärte, wer wann und warum absteigen könnte.

unionzweeFoto: Tobi/unveu.de

Die Begründung von Union zu diesem Schritt ist vielschichtig. Vor allem wird genannt, dass die Top-Spieler, die auch für den Profikader in Frage kommen und teilweise mit den Profis trainieren, in der U23 kaum zu Einsätzen kommen. Und das sei das eigentliche Ziel dieses Teams. Deshalb stünden finanzieller und organisatorischer Aufwand (Personal)in keinem Verhältnis zum Ertrag. Grundlage der Entscheidung ist ein Beschluss der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vom vergangenen Jahr, den Spielbetrieb einer U23 nicht mehr verpflichtend vorzuschreiben.

Verzicht auf die U23 ist eine logische Folge der Spitzenförderung des DFB

Sportlich ist der Schritt von Union absolut nachvollziehbar. Seit der umfassenden Reform der Fußballausbildung in Deutschland seit dem Jahr 2000 ist das Konzept auf eine Elitenförderung ausgerichtet. Seit mehreren Jahren kommen deutlich fertigere Spieler in der U17 und U19 an und kommen von dort vermehrt zu Einsätzen bei den Herren in Bundesliga und Zweiter Liga. Der Weg über die U23 ist eher die Ausnahme geworden. Ähnlich äußerte sich Norbert Düwel im vergangenen Jahr am Rande seiner Vorstellung als neuer Uniontrainer. Für die Talentförderung würde die U23 keine große Rolle mehr spielen, sei aber für die Spielpraxis von verletzten oder jungen Spielen durchaus sinnvoll.

Aufgrund der Altersbeschränkung der U23 lohnt sich die Mannschaft nicht für diejenigen Spieler aus dem Profibereich, die nur zu wenigen Einsätzen kommen. Düwel hat mit 18 Testspielen und zwei Benefizpartien so viele Begegnungen außerhalb des Spielbetriebs vereinbart wie wohl kaum ein anderer Union-Trainer zuvor. Und das lässt sich bestimmt steigern. Deshalb ist die Auflösung der U23 für Union logisch.

Unions steht im Wettbewerb um Talente

Wenn ich die Vereins-Mitteilung richtig lese, wird das frei werdende Geld, der Tagesspiegel spricht von einer mittleren sechsstelligen Summe, nicht einfach dem Profibereich zugeschlagen, sondern verbleibt im Nachwuchsleistungszentrum. Es wäre also keine Kürzung im eigentlichen Sinne, sondern eine Umverteilung. Dies lässt den Rückschluss zu, dass man mit dem Output nicht zufrieden war. Oder anders gesagt: Union glaubt mit dem Geld sinnvoller Top-Talente an sich binden und in den Profibereich eingliedern zu können. Spricht man mit Nachwuchsleuten (nicht nur bei Union) so gibt es die Faustregel, dass es bereits sehr gut ist, wenn ein Spieler pro Nachwuchsjahrgang es dauerhaft in das Profiteam schafft. Jeder zusätzliche Spieler gilt dann schon als außergewöhnliche Leistung.

Zusätzlich steht das mit zwei von drei möglichen Sternen zertifizierte Nachwuchsleistungszentrum von Union in direkter Konkurrenz zu anderen Standorten in der Region Ostdeutschland und ganz Deutschland. Der dritte Stern fehlt Union vor allem aufgrund der Infrastruktur, die den Nachwuchs auf verschiedene Spielstätten verteilt. Im Vergleich dazu: RB Leipzig baut gerade ein Trainingszentrum für alle Teams auf 13.000 Quadratmetern für 35 Millionen Euro. Union sucht dagegen weiterhin ein Gelände, das bebaut werden kann. Der Bezirk Köpenick kommt dem Verein dabei leider nicht so weit entgegen wie die Stadt Leipzig dem dortigen Klub.

Einen weiteren Nachteil hat Union im Nachwuchs dadurch, dass die U19 nicht an der Youth League teilnehmen kann. Der durchaus kritisierte Uefa-Wettbewerb bietet aber Wettkampfpraxis auf höchstem Niveau. Mit welchen Argumenten soll Union also Talente an sich binden, wenn nicht mit dem, dass die Verbindung zwischen A-Jugend und Profis extrem eng ist? Das gerade entstehende Internat ist auch ein Zeichen dafür, dass der Verein gewillt ist, Talente nicht nur aus der Region an sich zu binden.

Spätstarter haben es in Zukunft noch schwerer, Profi zu werden

Schlecht ist die Entscheidung allerdings für Spätstarter. Aber das gesamte System der Spitzenförderung ist schlecht für Spätentwickler. Das gilt schon für die Kinder, die spät im Kalenderjahr geboren werden. Ein Januarkind wird vom Fördersystem des DFB deutlich bevorteilt im Vergleich zu einem Dezemberkind.

Pascal Jochem von der Deutschen Welle, der selbst mal im Nachwuchsbereich von Union gespielt hat, sieht vor allem die Nachteile dieser Entscheidung:

Ich persönlich sehe den Schritt als notwendige Anpassung an die Realität an und den Wunsch nach mehr Konkurrenzfähigkeit des Nachwuchsleistungszentrums im Wettbewerb um Talente.

Neben dem Tagesspiegel haben auch Berliner Zeitung, Bild/BZ und der Kurier über das Thema berichtet. Im Kurier gibt es zudem noch einen Text über Sören Brandys Freude, dass er bald wieder trainieren darf. Allerdings ohne Ball. Zudem gibt es auf AFTV (nach Registrierung) ein Interview mit dem Nachwuchs-Leiter Lutz Munack.

Profifußball: Im Osten geht schon lange nicht mehr die Sonne auf

Ich bin heute morgen über einen Tweet gestolpert, der mich etwas stutzig gemacht hat:

Danach musste ich erst einmal die Drittligatabelle genauer studieren. Bei noch sieben ausstehenden Partien sind die Mannschaften aus Ostdeutschland im Prinzip aus dem Aufstiegsrennen raus: Cottbus (Platz 6, sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz), Halle (Platz 7, neun Punkte Rückstand) und Erfurt (Platz 8, neun Punkte Rückstand) haben nur noch theoretische Chancen. Chemnitz (Platz 10) und Dresden (Platz 12) sind jenseits von gut und böse. Rostock (Platz 15) muss aufpassen, dass die Mannschaft nicht noch in die vierte Liga abstürzt.

Dazu steht noch Aue in der Zweiten Liga seit gestern Abend auf einem direkten Abstiegsplatz. Für nahe Auswärtsspiele in der nächsten Saison sieht es mau aus. Vielleicht können wir uns mit Sky darauf einigen, dass auch Spiele gegen Braunschweig oder Nürnberg als Ostderbys gelten…

Union - Cottbus 2012/13Foto: Matze Koch

Bei aller Sentimentalität, die diejenigen haben, die Mannschaften aus der dritten oder vierten Liga (FC Carl Zeiss Jena …) noch vor über 25 Jahren im Europapokal haben spielen sehen, sehe ich keinen Grund für Alarmstimmung. Jedenfalls nicht speziell in Ostdeutschland. Erstens ist die 3. Liga auch Profifußball. Und zweitens gibt es zwei strukturelle Voraussetzungen, die Bundesliga-Fußball in Ostdeutschland enorm erschweren. Es gibt zu wenige Metropolregionen und Kapital hat sich aus historischer Sicht logischerweise nicht in Ostdeutschland gesammelt. Mindestens einer dieser zwei Faktoren ist aber zur Finanzierung mittlerweile zwingend notwendig. Ohne Metropole und die damit einhergehende Werbebedeutung für eine Region funktionieren in der Bundesliga nur noch Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen. Diese Vereine funktionieren durch einzelne Kapitalgeber und hebeln damit die Gesetzmäßigkeit aus, dass eigentlich nur noch Großstädte die Chance auf Bundesliga-Fußball haben.

Nur Dresden und Leipzig haben eine reelle Chance auf Bundesliga

Was bedeutet das für den Ostfußball? Es heißt, dass eigentlich nur Dresden und Leipzig (jeweils noch über 500.000 Einwohner) noch Voraussetzungen für den finanziell aufwändigen Profifußball haben. Deshalb ist der Schritt von RB, nach Leipzig um so logischer zu verstehen. Mit Abstrichen ist noch in Chemnitz, Halle und Magdeburg Potential. Erfurt und Rostock sehe ich wackelig. Eine Großstadt ohne Profifußball ist auch kein spezielles ostdeutsches Phänomen. Fragt mal in Essen nach.

Das ist allerdings nur die Betrachtung der Voraussetzung einer Metropolregion als Einzugsgebiet und der Chance der Klubs als Werbeträger in dieser Region. Hinzu kommt die Finanzkraft der Region. Hier stößt Union mit Berlin-Brandenburg bereits an Grenzen. Wie es um die Finanzkraft von regionalen Firmen in Ostdeutschland bestellt ist, überlasse ich eurer Phantasie.

Als weitere Faktoren neben dem sportlich guten Händchen würde ich noch ausmachen: Good Governance im Verein (seriöses Wirtschaften), Nichtvorhandensein von rechten bzw. Hooliganstrukturen (niemand möchte in solch einem Umfeld werben) und die Anziehungskraft des Vereins in der Region. Eine ruhmreiche Vergangenheit ist nettes Beiwerk, aber nicht zwangsläufig notwendig. Für Union haben diese Faktoren eine ebenso wichtige Bedeutung. Der Verein ist darauf angewiesen, in Zukunft noch mehr finanzielle Ressourcen zu erschließen, wenn er alleine in der Zweiten Liga mithalten möchte.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren halte ich es eigentlich für normal, wenn nur zwei bis vier Vereine aus Ostdeutschland in Bundesliga und Zweiter Liga spielen. Alles andere ist die Ausnahme.

Und als kleinen Hinweis zu dem Tweet ganz oben: Hertha spielt als einziger Verein in Ostdeutschland in der Bundesliga. Wird ja manchmal vergessen, dass der andere Berliner Verein nicht im luftleeren Raum antritt …

Union in den Medien

Medial spielt der Systemwechsel von Viererkette auf Dreier-Abwehr eine Rolle (Berliner Zeitung und Morgenpost). Bild/BZ beschäftigt Polters aufwändige Spielweise. Unser Podcast fällt osterbedingt dieses Mal aus. Wir waren alle mit Eiersuchen beschäftigt …

Für den geplanten Doku-Film “Wir sind die Kranken“, der sich mittels Crowdfunding finanzieren möchte, gibt es einen ersten Trailer. Mehr Infos kommen später.

Ein Punkt in Sandhausen und viele Erkenntnisse

Nach dem Eigentor von Christopher Trimmel beim 1:1 in Sandhausen und dem verzweifelten Versuch von Toni Leistner, den Ball aus kurzer Entfernung noch irgendwie von der Linie zu kratzen, hätte man mit dem Kopfschütteln von Trainer Norbert Düwel wahrscheinlich ganz Köpenick mit Strom versorgen können. Auch wenn Union sich demonstrativ nach keiner guten Halbzeit mit einem Punkt zufrieden gibt, kann der Coach eine Menge Erkenntnisse mit nach Hause nehmen.

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Foto: 1. FC Union/Facebook

Torwart-Entscheidung für Haas

Im Tor hat Daniel Haas letztlich die Rotsperre von Mo Amsif nutzen können. Denn Düwel bleibt bei der Ansicht, dass er zwei gleich gute Torhüter zur Verfügung hat. In dem Fall hat der Keeper, der spielt und keine Fehler macht, einen Vorteil gegenüber dem anderen. Schließlich muss es einen Grund für einen Wechsel geben. “Ich konnte keine Fehler erkennen, von daher gab es keinen Grund, Daniel aus dem Tor herauszunehmen”, sagte Düwel (Tagesspiegel). Auch wenn es vielleicht jetzt so aussieht: Von seiner Linie ist der Trainer keinen Millimeter abgewichen. Eine Entscheidung für eine klare Nummer eins werden wir in dieser Saison wohl nicht mehr sehen. Aber das ist vielleicht auch gar nicht schlimm.

Taktische Flexibilität und Probleme mit frühem Pressing

Schon in den vergangenen Partien war zu beobachten, dass Union Probleme mit Mannschaften hat, die früh attackieren. Das war auch gegen Sandhausen zu beobachten. Ein geordneter Spielaufbau war damit fast unmöglich, zumal über Flügel kaum gespielt wurde. Vom Offensivspiel, das sich Union vorgenommen hatte, war damit kaum etwas zu sehen.Ich habe mir gestern vor allem in der ersten Halbzeit sehr gewünscht, dass Kessel und Fürstner jetzt schon für Union spielen würden. Die taktische Umstellung in der Halbzeit von der Viererkette auf eine Dreierkette verschob dann das Zentrum des Spielgeschehens in die Hälfte von Sandhausen.

Gerade diese taktische Umstellung empfand ich als Plus, denn nominell hätte ein einfacher Wechsel kaum Impulse setzen können. Auch weil Unions Bank nach den Ausfällen mehrerer Stammspieler (Köhler, Thiel, Brandy, Schönheim) arg ausgedünnt ist. Nebihi, Jopek und Kopplin wurden eingewechselt. Daneben saßen auf der Bank noch die U23-Spieler Hollwitz und Koch, sowie ein noch nicht ganz fitter Kobylanski.

Ich nehme aus Sandhausen außer dem Remis mit, dass die Mannschaft unter Düwel taktisch dazugelernt hat und manche Mängel vielleicht einfach eine Ursache in der individuellen Qualität und Erfahrung der Spieler haben. Mit der Rückkehr der verletzten Spieler und den Verstärkungen für die nächste Saison sehe ich der Zukunft ganz positiv entgegen.

Valmir Sulejmani: 53 Spielminuten machen noch keinen Sommer

Manchmal wundere ich mich über Themen. So wie gestern wohl auch Trainer Norbert Düwel auf der Pressekonferenz, als er hartnäckig nach Valmir Sulejmani gefragt wurde. Grund war, dass der Leihspieler von Hannover 96 für Kosovo in zwei Freundschaftsspielen zum Einsatz kam. Allerdings war er bei Union nur Trainingsbeobachtern aufgefallen, da der Mittelfeldspieler bisher nur auf 53 Spielminuten kam. Selbst bei Unions U23 hat er länger gespielt (90 Minuten gegen den BFC).

Er könnte am Sonntag gegen Sandhausen spielen, vermelden die Berliner Zeitung und die Morgenpost. Aber diese Option galt bisher bei allen Rückrundenspielen. Beide Zeitungen können mir nicht begründen, warum “ausgerechnet gegen Sandhausen” alles anders sein soll. Ein Ausfall von Kobylanski (er hatte einen Infekt) wäre eine Möglichkeit, aber so wild klang das beim polnischen U21-Spieler auch nicht.

1.FC Union Berlin - 1.FC Kaiserslautern 0:0Foto: Stefanie Fiebrig

Norbert Düwels Antworten zum Thema Weiterverpflichtung von Sulejmani waren auch sparsam. Es gibt keine Kaufoption, so dass Hannover sowieso am längeren Hebel sitzt. Außerdem wäre Sulejmani eher jemand, der die linke Mittelfeldposition dann doppelt besetzt. Maxi Thiel, der bald wieder zum Einsatz kommen kann, steht deutlich vor dem jungen Kosovaren.

Alles beim Alten: Auswärtsfluch oder Torwart-Entscheidung

Sonst gibt es keine Neuigkeiten zum Thema Auswärtsfluch oder Torwartentscheidung. Die Bild schreibt, Norbert Düwel könne dabei nichts gewinnen, egal wie er sich entscheiden würde. Kann man so sehen. Vor allem mit Blick auf das eine Spiel jetzt in Sandhausen. Aber mit Blick auf die Restsaison und der Arbeit mit dem neuen Torwarttrainer erwarte ich schon eine Leistungssteigerung der beiden Keeper. Manchmal hilft es, den Fokus von kurzfristig auf mittelfristig zu heben, um einen Sinn zu erkennen. Schiefgehen kann das mit den Torhütern natürlich trotzdem.

Der Kurier kommt mit den Fernsehmillionen um die Ecke. Das ist ein Thema, das so ziemlich jeden Verein bis zum 34. Spieltag beschäftigt. Aber vielleicht fassen wir es einfach mal so zusammen: Union kann nichts mehr gewinnen, aber in manchen Kombinationen durchaus verlieren. Für mich kein Grund, in Schnappatmung zu verfallen, denn die Situation ist seit vielen Wochen gleich. Falls ihr Lust habt, jede Woche neu das Fernsehgeld für die nächste Saison zu berechnen, könnt ihr das bei fussball-geld.de oder bei fernsehgelder.de machen. Aber auch hier gilt die ewige Fußballwahrheit: Abgerechnet wird zum Schluss.

Norbert Düwel: “Das ist kein Schaulaufen, sondern ein ernster Wettbewerb”

Karfreitag darf (aus welchen Gründen auch immer) kein Fußball gespielt werden. Aber gegen Pressekonferenzen hat die Kirche nichts einzuwenden. Heute 13 Uhr beantwortete Trainer Norbert Düwel die Fragen vor dem Spiel in Sandhausen (Betonung auf der ersten Silbe). Weniger die Informationen als vielmehr der Look des Trainers hat mich überrascht. Oder sehe nur ich diese Ähnlichkeit?

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Foto: KallangRoar.com/ CC-BY-NC-ND 2.0AFTV

Die personellen Fakten vor dem Spiel: Fabian Schönheims Einsatz (Adduktoren) wird kurzfristig entschieden. Der Verteidiger konnte fast die gesamte Länderspielpause nicht mit der Mannschaft trainieren. Die Juniorenspieler Dominik Böttcher und Nils Stettin werden nicht im Kader stehen. Bleibt nur noch die Torwartfrage, bei der sich Düwel festgelegt hat: “Ich kann hundertprozentig sagen, dass einer von beiden im Tor stehen wird.” Also entweder Amsif oder Haas. Verraten wollte es der Trainer nicht, obwohl er selbst schon eine Entscheidung getroffen hat.

Experimente in der Aufstellung und Taktik mit Blick auf die neue Saison schließt Düwel dagegen aus:

Ich kucke nur bei Neuverpflichtungen auf die nächste Saison. Wir sind noch nicht aus der Geschichte mit dem Abstieg raus. Die. Zumal wir uns bei den letzten Auftritten auswärts nicht mit Ruhm bekleckert haben.

Die gesamte Pressekonferenz gibt es bei AFTV zu sehen. Wer live dabei war, hat noch diesen Blick auf das Büffet genießen dürfen:

#Foodwatch vor #PK beim #fcunion #aftv

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Sportbars – Wo sehr ihr Union?

Wegen der Aufzucht eines Jung-Unioners hatte ich die letzten vier Jahre Pay-TV (erst LigaTotal, dann Sky), habe das aber zur nächsten Saison gekündigt. Bevor ich mich jetzt durch den ganzen Thread im Unionforum kämpfe, möchte ich von euch wissen, wo ihr in Berlin Union seht, wenn ihr nicht im Stadion sein könnt? Mich interessieren Name der Bar, die Adresse (ungefähr) und vor allem, warum ihr dort schaut.

Ich baue dann eine Liste daraus, so dass die besten Union-Bars übersichtlich auf einer Seite stehen.

Mit Kessel und Fürstner steigen die Erwartungen

Benjamin Kessel (27) heißt der nächste neue Spieler bei Union. Der Abwehrspieler kann in der Innenverteidigung und auch auf rechts spielen. Und wenn das, was wir so über seine Körpersprache lesen (Bild) und gesehen haben, dann ist er wohl so etwas wie Fabian Schönheim, nur eben auf rechts.

Wenn ich eine Bitte an den Berliner Kurier frei hätte, dann diese: Bitte nichts mit “Kessel unter Dampf”, “einkesseln” oder “Kessel soll Union einheizen” titeln. Danke.

Foto: Matze Koch

In der BZ wird gemeint, dass die Zeit der Talente oder Profis aus dem Ausland damit vorbei sei. Das würde ich so nicht sagen. Die Mischung macht es. Es ist ja nicht so, dass Union plötzlich keine jungen Spieler mehr im Kader hätte. Aber fertige Profis, die nicht immer für einen Klops gut sind, passen ganz gut in die aktuelle Strategie der gezielten qualitativen Verstärkung des Kaders. Und natürlich in die alte Weisheit: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel.

Außerdem ist es natürlich eine Preisfrage, fertige Spieler zu holen. Das war in der vergangenen Saison für Düwel nicht drin. Sowohl Fürstner (die Berliner Zeitung berichtet noch einmal zusammenfassend über ihn) als auch Kessel kommen ablösefrei. Ich bin mir sehr sicher, dass beide entsprechend verdienen werden. Das Geld ist dann allerdings auf mehrere Jahre gestreckt. Die Verpflichtung von Kessel bedeutet auch, dass wir uns wohl endgültig von Björn Kopplin verabschieden müssen. Schade. Aber sportlich verständlich. Ich bin sehr gespannt auf den Linksverteidiger, der noch geholt werden soll.

In der BZ stand auch, dass Polter sich im April zu seiner Zukunft erklären wolle. Ich vermute dabei ein klares Zeichen erst am Ende des Monats, so lange der Abstiegskampf in der Bundesliga noch offen ist. Mainz hat nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Und solange dort nicht alles klar ist, passiert bei Unions Noch-Stürmer gar nichts. Auf Zitate des Mainzer Managers wie im Wiesbadener Tagblatt gebe ich gar nichts:

„Das ist doch eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, reibt sich 05-Manager Christian Heidel die Hände. „Sebastian sammelt Spielpraxis, Union profitiert von seinen Toren und wir freuen uns über seine Entwicklung.“ Deshalb geht Heidel auch davon aus, dass Polter im Sommer wieder in Mainz aufschlagen wird.

Das ist das übliche Gerede in der Crunchtime der Kaderplanung. Da heißt es einen ruhigen Kopf zu bewahren. Die Chancen für Union sind nicht gut. Aber das ist allen Beteiligten auch so klar. Wichtig sind die Zeichen, die der Verein mit den Verpflichtungen aussendet und die offensive Herangehensweise an die Zielsetzung für die nächsten zwei Jahre, die Angriff auf die Bundesliga lautet. Laut Kicker (allerdings ohne direktes Zitat) plant Union sechs bis acht Verpflichtungen. Inklusive der Weiterbeschäftigung von Polter und Maxi Thiel kann das hinkommen.

Ich bin Frank Willmann sehr dankbar, dass er die Narrenfreiheit, die der Tagesspiegel ihm bietet, benutzt. Mit seiner Fußballfolklore kann ich (wahrscheinlich altersbedingt) wenig anfangen, aber ich mag seine Direktheit. Er setzt sich in “Ein kleiner Fußballkrieg in Berlin” mit dem öffentlichen Aufflammen der Union-BFC-Feindschaft bei den jüngsten Spielen auseinander und verteilt fröhlich Respekt-Schellen. An alle. Damit sie merken, was passiert, wenn es so weiter geht. Sicherheitsauflagen, Infragestellen der Stehplätze, personalisierte Karten …

Kurz zur Ausgabe von gestern: Ja, die Meldung zu AFTV war ein Aprilscherz. Und ja, wir alle (auch die Leute bei AFTV) hoffen, dass die Relive-Spiele der Zweiten Liga auf irgendeine Art und Weise eine Minutenanzeige bekommen.