Ebenso wie nach dem Derby gegen Hertha die Scoutingpapiere von Union in einem Papierkorb im Olympiastadion auftauchten, kam Textilvergehen in den Besitz einer bislang geheimen Fanshop-Studie. Wie aus gut unterrichteten Kreisen bestätigt wurde, soll diese Studie der Grund für die Trennung von Teammanager Christian Beeck sein. Der Vorgang wurde vom Verein weder bestätigt noch dementiert. Allerdings macht sich die Stadionbetriebsgesellschaft bereits daran, sämtliche Papierkörbe an der Alten Försterei zu demontieren.
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Zur Feier des Tages wagen wir heute mal ein Experiment. In ein paar Stunden breche ich auf nach Bochum zm Spiel des VFLs gegen den 1.FCU. In der Hoffnung, dass der iPhone-Akku, das Vodafone-Netz und mein Technik-Karma mich nicht im Stich lassen, werde ich das Spiel live aus dem Stadion bloggen. Ich habe keine Ahnung, ob das alles so klappen wird, aber einen Versuch ist es allemal wert.
Startzeit: Irgendwas um 18 Uhr (sobald wir im Stadion sind).
P.S.: Falls hier nach 18 Uhr nix passiert, dann ist der Handyempfang im Bochumer Stadion ähnlich gut wie an der Alten Försterei. Dafür entschuldige ich mich pro forma schonmal im Voraus. Aber seien wir mal optimistisch.
Das war das Live-Blog:
Kaum meldet der Berliner Kurier, dass die Austragung der Montagspartie gegen Karlsruhe gefährdet sei, kommen sie wieder hoch die Erinnerungen. Im Februar 2001 war die Austragung des Halbfinales gegen Borussia Mönchengladbach gefährdet. Schnee bedeckte die noch nicht beheizte Rasenfläche. Es folgte ein Aufruf des Vereins zum Schneeschippen an die Fans, die dann auch tatkräftig mithalfen. Auch ich ließ das erste Semester an der Uni ohne mich weiterlaufen. Soviel Einsatz erweichte die Platzkommission, die Spielfläche doch freizugeben.
Was dann folgte ist Legende. Verlängerung und Elfmeterschießen. Begleitet vom großartigen Kommentar des Radioreportes des RBB: “Der Schiedsrichter zeigt dem Spieler noch einmal, wo sich ungefähr der Elfmeterpunkt befindet.” Denn die Spielfläche war ein einziger Matschhaufen. Danach: Pokalfinale. Europapokal. Woanders sind solche Namen ein Graus. Unioner bekommen aber bei den Namen Haka Valkeakovski oder Litex Lovetch immer noch Gänsehaut.
Und heute? Kein Aufruf zum Schneeschippen. Sondern angesichts der Verletztenliste ein ganz profaner Wunsch.
… und mein und dein Fußballverein twittert jetzt auch, höchst selbst. Folgt @fcunion, und zwar rudelweise! Sollten sie je vergessen, was ihr erster Tweet war: Wir haben ihn aufgehoben. Hier, bitteschön:
Seit heute Vormittag berichtet wurde, dass Michael Ballack aufgrund eines Innenbandrisses auf die WM wird verzichten müssen, geistern verschiedene Ersatzvarianten durch das Internet. Beispielhaft dafür die von heinzkamke bei Twitter.
Gesucht wird ein torgefährlicher Mittelfeldspieler und da kann eigentlich nur die, laut Sky Top-11 der Saison, “personifizierte Standardsituation” in Frage kommen: Torsten Mattuschka. Anstatt sich zu freuen, kommen natürlich zuerst die Bedenkenträger in rot-weiß hervor.
Der Einwand mag berechtigt sein, wenn bedacht wird, dass Mattuschka in der vierten Liga zu Union kam und sich selbst in die zweite Liga katapultiert hat. Zehn Tore und sieben Vorlagen sprechen ihre eigene Sprache. In Anspielung auf die ab und zu sichtbar gewesenen Schwankungen des Kampfgewichts wird jedoch klar ein Vorteil in der WM-Teilnahme gesehen.
Argumente, die auch die Zweifler überzeugen. Zumal, wenn sie selbst kürzlich erst den Rennsteiglauf absolviert haben.
Wäre das also geklärt. Nur was passiert mit Tusches Lied? Zwei Vorschläge wurden bereits eingereicht.
Morgen in Schönow lautet also die entscheidende Frage an Mattuschka: “Hat sich der Bundestrainer schon bei Ihnen gemeldet?”
Mitgliederversammlungen von Fußballvereinen laufen prinzipiell nach einem bestimmten Ritus ab. Die zahlenden Mitglieder sind eingeladen, sich die Rechenschaft der Vereinsführung für das abgelaufene Jahr anzuhören. Um die Mitglieder gnädig zu stimmen, werden vorher gerne Bonbons verteilt. Letztes Jahr wurden beim 1. FC Union Berlin das Saisonziel korrigiert und eine Vertragsverlängerung bekanntgegeben. Matze Koch, freier Journalist unter anderem für Tagesspiegel, Bild, Kicker, etc., hat gestern auf seiner Seite eine Art Wunschliste veröffentlicht, die sich heute in der einen oder anderen Art auch in der Tagespresse wiederfindet.
Wichtige Punkte sind sicherlich:
- Ausbau der Haupttribüne
- Klärung, was mit dem Darlehen von Michael Kölmel (4,8 Mio €) geschieht, das nächstes Jahr fällig wird
Man benötigt wenig Phantasie, um beide Punkte miteinander verknüpfen zu können. Kölmel hätte mit einer wie auch immer gearteten Beteiligung an der Stadionbetreibergesellschaft einen Wert für sein Investment und hat mit Union auch einen seriöseren Partner als vielleicht mit dem FC Carl Zeiss Jena oder FC Sachsen Leipzig.
Andere Themen, wie die Trennung vom Investor ISP, die finanzielle Aufstellung des Verein und die Eingliederung des Nachwuchses in den Profibereich, können somit etwas ins Hintertreffen geraten. Soweit es geht, werden wir heute an dieser Stelle ab ca. 19 Uhr von der Mitgliederversammlung berichten. Kommentare können per Twitter mit dem Hashtag #unionmv auch live plaziert werden.
Bei den Twitter-Telegrammen stehts schon, aber auf die Hausaufgabe des Spielbeobachters möchte ich, weil heute mein Haushaltstag ist, trotzdem hinweisen.
Weil man als Frau im Haushalt praktisch nichts mehr selbst machen muss, denn diverse elektrische Geräte (die mal irgendwer ein- und ausräumen müsste, bitte. Danke!) erledigen das für dich, verzeichne ich Freizeitgewinn ungeahnten Ausmaßes und diskutiere ein Fußballspiel, das ich überhaupt gar nicht gesehen habe. Während der @spielbeobachter nicht darüber reden möchte, unternimmt @heinzkamke, der in Wirklichkeit natürlich ganz anders heißt, den heldenhaften Versuch, mich von zwei Dingen zu überzeugen. Erstens, Messi ist der Beste. Und zweitens davon, dass eigentlich Messi der Beste ist.
Ich schwärme. Und kann gleich weiter machen: Messi ist unvergleichlich. Der Ball ist, wie sein Nationaltrainer kürzlich sagte, ein Teil seines Körpers. Damit ist eigentlich alles gesagt.
[heinzkamke: Notizen aus der katalanischen Metropole: Camp Nou]
Ich möchte ihm widersprechen. Mir fällt aber nichts ein.
Wichtiges Indiz dafür, dass Cristiano Ronaldo gestern aber auch nicht ganz schlecht gewesen sein kann, wenigstens manchmal, möglicher Weise sogar in Momenten, als es darauf ankam, und damit in der Gesamtwertung mindestens Zweitbester nach Messi, ist, dass aufallend wenig darüber geredet wird. Oder anders: Wenn das längste in der Suppe zu findende Haar der auf Marcel Reif zurückzuführende, von @heinzkamke überlieferte Ausspruch, Cristiano Ronaldo schieße Freistöße wie ein Tippkick-Männchen, war, bin ich fast ein bißchen traurig, dass ich das Spiel gestern nicht gesehen hab. Ich glaube, ich hätte es gemocht.
Und dann, als ich denke, okay, jetzt aber mal Lack machen in der Küche, kommt @probek vorbei, schließt sich einerseits dem schweigenden @spielbeobachter an, und möchte aber außerdem sofort verkaufen. Beide. Den Ronaldo nach Spanien, den Ribery nach England.
Tolles Ding, dieses Internet. Kann man viel Spaß mit haben. Fast soviel wie mit ähm … Staubsaugen.
Die Süddeutsche Zeitung, an der ich eigentlich ständig irgendwas zu mäkeln habe, lässt Hans Meyer, an dem ich nie viel auszusetzen fand, die Welt erklären.
Während der ersten 13 Jahre meiner Tätigkeit, bei Carl Zeiss Jena, waren wir ständig im Ausland. In Kairo zum Beispiel oder in Baalbek im Libanongebirge. Da kommen jeden Tag Tausende Touristen hin, aus USA, aus Japan, die legen Tausende Dollar hin, um das mal zu sehen, die riesigen Steine, die Tempelreste. Ist eine Stunde von Beirut entfernt, interessant, sich das mal anzuschauen. Haben wir gemacht. Aber die meisten blieben provozierend im Bus sitzen, und der Roland Ducke, mein Bester, sagt: “Schon wieder Steene!”
[Ulrich Hartmann und Philipp Selldorf: Interview mit Hans Meyer, via surfguard]
An ihren Witzen sollt ihr sie erkennen: Man ist seinem Beruf doch stärker anverbandelt, als man sich so eingesteht. Bei Witzen über Druckfarben lacht nur ein winzigkleiner Teil der Bevölkerung der Erde. So klein ist er, dass man ihn vom Weltall aus kaum sieht. Hinzukommt unglücklicher Weise, dass die meisten Grafikdesigner keinen Humor haben sich nicht für Fußball interessieren. Schade, sonst fänden sie das hier

unfassbar komisch. Danke, Herr Haas!
Ich war zwischen vorgestern und jetzt auf der Internetkonferenz ohne Internet*, drum blieb es etwas still hier. Mal muss man ja auch kucken, was das für Leute sind, die alle Tage das Netz vollschreiben. Ob die wirklich so blaß und schlecht genährt sind, wie immer alle denken. Ob die nur tech und klingonisch sprechen.** Ob das Internet tatsächlich bloß eine gigantische Kopiermaschine ist. Ob die Unterhaltung stirbt, wenn die Unterhaltungsindustrie stirbt. Wie aus kulturgeschichtlicher Perspektive Grimms Märchen und wikipedia zusammenhängen. Und was genau persuasives Webdesign wäre.
re:al
Die re:publica gibt es in Berlin seit 2007, sie beschäftigt sich mit Themen der Netzkultur und Netzpolitik, und wenn man, so wie ich, immerzu mit diesem Internet rummacht, ist es nicht die weltweit schlechteste aller Ideen, sich mit anderen, die genau das ebenfalls tun, zu treffen.
re:mmidemmi
Man kann Glück haben, dabei. Und ich hatte Glück. Ich habe nur liebenswerte und bezaubernde Menschen getroffen. (Den un-liebenswerten, nicht-bezaubernden habe ich kurzerhand das Gespräch verweigert.) Gestern abend auf der Twitterlesung kam ich mittenmang @stijlroyal, @kcpr, @wollbindung, @AF_Blog, @ghostdog19 und @helrunar zu sitzen, was stijroyal so beschrieb:
Ich saß doch zwischen @rudelbildung unf @af_blog. Das sah doch aus wie King Kong mit zwei weißen Frauen. Das muss man doch sehen.
Ich fand, wir ham ihn sehr hübsch eingerahmt. Und überhaupt, die ganze Twitterlesung – sehr hübsch!
re:alsatire
Man kann Pech haben, dabei. Und Pech hatte ich ebenfalls. Ich verirrte mich gleich am ersten Tag auf ein Panel, das an den Spreepark erinnerte. Dinosaurier. Umgefallen. Es ist nett, wenn Helmut Lehnert, den ich im übrigen außerordentlich schätze, sich an die erste Webseite von Radio Fritz erinnert – aber mal ehrlich: Viel Wasser. Die Spree. Runter. Seitdem. Dann geschah Seltsames: Die Twitterwall funktionierte (weil @343max zaubern kann), und Publikumsäußerungen wurden darüber unmittelbar und ungefiltert eingeblendet. Es waren Äußerungen des Unmuts. Das anfängliche “oh, ich bin drin” wich flugs einem nörgeligen “Könnten die Diskutierenden ihrem Gespräch bitte den Kenntnisstand von 2009 zugrunde legen?!”, das fließend in allgemeinem Gepöbel mündete, bevor das Publikum begann, seine eigene Parallelshow zu veranstalten. Die Geschichte des Webzwonull – nacherlebt in einer Viertelstunde.
re:izwörter
Man kann außerdem etwas haben, wo man nicht richtig weiß, isses Glück, isses Pech, und Peter Glaser kann man sowieso finden, wie man möchte, aber sein Schiedsrichterbeispiel im Kontext von “Veränderung passiert” ist zumindest sehr anschaulich:
Zu den neuen Regeln gehört, dass wir mehr Positionen zulassen müssen als bisher. Die Lage ist komplex. Der Schiedsrichter bei einem Fußballspiel ist ein Inbild der alten Zeit. Er ist mit seiner singulären Sicht auf dem Spielfeld in einer wesentlich schlechteren Position als jeder Zuschauer vor dem Bildschirm. Der Schiedsrichter ist sozusagen aussichtslos. Er betrachtet die Welt immer noch von seinem vereinzelten Standpunkt aus, der einen heute angesichts der elektronischen Multiperspektive hoffnungslos ins Hintertreffen geraten läßt. In kritischen Situationen auf dem Spielfeld muß der Schiedsrichter aus seiner subjektiven Position heraus entscheiden, obwohl ihn eine beunruhigende Medien-Objektivität umgibt: Der träge Zuschauer auf dem Sofa sieht im Lauf der nächsten Sekunden die Situation aus unterschiedlichen Kamerapositionen, in Zeitlupe wiederholt, vielleicht noch grafisch verstärkt, und kann sich ein – dem Fußball angemessenes – rundes, ganzheitliches Bild machen.
[Peter Glaser: In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?]
Danke, aber danke nein, ich möchte jetzt NICHT über den Videobeweis diskutieren. Dinge verändern sich, und manche werden sogar besser. Andere nicht, und manche sterben. Die machen das aber nicht von selbst, die Dinge. Und deswegen bin ich Gestalter geworden.
In diesem Sinne, re:ingehauen!***
*Das Copyright auf diese Bezeichnung hält der Spielmacher. Zu Recht wird allerorten kritisiert, dass wir Blogger gar keinen eigenen Content produzieren, sondern immer bloß abschreiben. Notfalls voneinander. Ich bin auch so eine, aber das wisst ihr ja längst.
** Ich entschuldige mich bei Mario höchstpersönlich, vorab und in aller Form: Kein Durchkommen bei solchen Themen ohne Englisch. Klingonisch gabs nur deshalb nicht, weil das kein past tense hat, hieß es.
***Steht so auf meinem T-Shirt. Ist mir natürlich auch nicht selbst eingefallen. Dank und Kirschblüten an Sebastian!












