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It’s Derbytime

Im Pokal gelten bekanntlich eigene Gesetze. (In Derbys auch, setze ich mal hinzu). Dieser Satz fürs Phrasenschwein wird oft und gern zitiert, wenn vermeintlich unterlegene Fußballmannschaften den “Giganten” ein Schnippchen schlagen. Ich wünsche mir sehr, dass das Phrasenschwein nicht zuschlägt, wenn unsere Helden am 15.August in Leipzigs Rote-Brause-Arena in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten Hallescher FC antreten. Ab der zweiten Pokalrunde allerdings, wenn dann hoffentlich rennomierte Klubs im Stadion An der Alten Försterei aufkreuzen, bin  ich sehr dafür, dieser Phrase wieder Leben einzuhauchen. Wir brauchen das Geld! ;)

Unser Stadtrivale aus dem Charlottenburgischen kennt das frühzeitige Ausscheiden im DFB-Pokal ja ebenfalls zur Genüge. Nun hätte man, vorausgesetzt beide Klubs überspringen die Hürden der ersten Hauptrunde (die alte Dame muss  immerhin einen weitaus beschwerlicheren Anfahrtsweg ins oberschwäbische Pfullendorf bewältigen), die Chance, in dieser Saison dreimal gegeneinander ran zu dürfen. Also, Strengt euch an!

Zwei Liga-Derbys sind uns aber gewiss. Für mich sind sowieso nur diese Begegnungen von Teams aus derselben Stadt richtige Derbys. Da mich die von vielen inflationär verwendete Begrifflichkeit nervt (das „Brandenburg-Derby“, das „Ost-Derby“, vielleicht schwafelt Herr Reif demnächst auch vom Deutschland-Derby, wenn zufällig Bayern und Schalke in der Champions-League aufeinandertreffen sollten, und warum war eigentlich Holland gegen Spanien nicht das Europa-Derby???) enge ich die Wortwahl sogar noch weitaus strikter ein, als manche Erklärungen es verlauten lassen.”Regionaler Bezug” ist sowieso sehr subjektiv. Was habe ich zum Beispiel mit Cottbus zu tun, wenn immer wieder vom „Berlin-Brandenburg-Derby“ palavert wird? Entfernung allein zählt sicherlich auch nicht. Fragt mal die Bremer, wenn die an die Elbe müssen.

Neenee, 1860 vs. Bayern, oder auch (immer wieder gern und in diesem Jahr in neuer Auflage) der HSV gegen den FC St. Pauli, das sind die richtigen Derbys. Und nun endlich auch der 1. FC  Union Berlin gegen Hertha BSC. Zwar nicht in der 1. Bundesliga, aber immerhin!

Bereits Mitte September,  am 4. Spieltag,  findet das erste Aufeinandertreffen in Köpenick, im Stadion An der Alten Försterei statt. Ausverkauftes rappelvolles Haus dürfte gewiss sein. Leider werden nur knapp 2.000 der Hertha-Anhänger dieses Spiel live verfolgen können, denn mehr gibt der Gästeblock nicht her. Und es ist zu erwarten, dass nicht allzu viele Tickets in den freien Verkauf gelangen, denn unsere Mitglieder und Dauerkartenbesitzer werden hundertpro ihr Vorkaufsrecht ausnutzen.

Das Rückspiel, dann im winterlichen Olympiastadion, wird für uns nach langer Zeit wieder einmal ein mit der S-Bahn zu erreichendes Auswärtsziel. Vorausgesetzt, die fährt dann auch.

Egal,  wir sind erfinderisch und flexibel! Da zu dieser Jahreszeit bestimmt nur wenige mit dem Fahrrad fahren werden, (insgeheim hatte ich ja auf einen fahrradfreundlicheren Ansetzungstermin gehofft, um dann eine rot-weiße Fahrradkarawane gen Westend zu geleiten) könnte man ja auf Schlitten und Skier umsteigen. Oder mit nem Eisbrecher bis Ruhleben. Und zur Not fährt ja auch die U-Bahn noch.      

Auf ein spezielles Derby kann ich in meinem weiteren Dasein getrost verzichten. Davon habe ich in den letzten 35 Jahren auch schon etliche, teils sehr dynamische,  erleben müssen, zuletzt im Mai 2006 in Hohenschönhausen. Ich denke aber, das hat sich inzwischen auch rein sportlich erledigt. 

Wir freuen uns jedoch auf zwei hochkarätige Zweitligaspiele gegen die Hertha!

Und am 22. August, wenn unsere Zweete in der Oberliga Nordost ihr Heimspiel gegen einen Verein aus dem Nordosten Berlins absolviert, dann sind wir alle da und passen auf, dass unser Wohnzimmer schön sauber bleibt. Auch für Gäste gilt: Bitte vor der Türe Füße abtreten!

Gruß aus Frankreich.

Man kann sein, wo man will und tun, was man mag: selbst wenn man in Frankreich Goethe liest – Union lässt einen nicht los. Milan schreibt uns von unterwegs, und euch auch!

Auf einer Anhöhe vor dem Flusse Charante bei brütender Abendhitze, unter einem Walnussbaum und mit einer guten alten Steinmauer im Rücken lässt sich’s leicht entrückt fühlen. Schreiben wir das Jahr 1794?

Vielleicht ist hier gerade die Revolution durch, in Paris werden weiter Köpfe gehackt, in den Tropen Weimars gibt Goethe die ersten Bücher des Wilhelm Meister in Druck. Nein. Eine Ausgabe von 1988 hab ich ja auf dem Schoß. Ein Indiz, das mich in die Gegenwart zurück träumen lässt.

Darin lese ich etwas, das mich ganz aus den Träumen holt und die Erinnerung an das 1:0 gegen Bochum im Pokal wach ruft. Als Daniel Ernemann in der Schlussminute Wassilew anguckt , der ihm zunickt. Woraufhin Ernemann seinen Posten hinten verlässt, unbeachtet am Strafraum auftaucht und ihm der Ball durch göttliche Fügung, wir wollen das mal nicht Zufall nennen, vor die Füße rollt, von wo aus er das Ding mit aufreizender Lässigkeit (wie damals der Kurier schrieb) rein machte. Der Torpogo war nicht einmalig, aber wie immer unbeschreiblich.

Goethe hat mir auf das Heftigste diese und einige andere Szenen, eine mit Nikol, manche mit Texas u.ä., in meinem südwestfranzösischen Aufenthalt aufgedrängt, so dass ich meine, dieser Johann eisern von Goethe würde heute einen außerordentlichen Sportkommentator abgeben. Und ganz sicher wäre er Fan. Wahrscheinlich nicht von Motor Weimar. Da müsste mehr kommen, aber dann doch von Carl Zeiss Jena, wo er eine Zeit lang seine Freunde H.v.Humboldt, Fichte und Schiller besuchte – und als wahrer Weltgeist hätte er sicher die Kunde von Union aus der Hauptstadt offenen Herzens mit den üblichen Folgen aufgesogen.

Da aber damals der Fußball noch nicht mal in England zu Hause war, begeisterten sogar Seiltänzer die vor das Wirtshaus herbei strömenden Volksmassen, und endlich kann ich zum Zitate greifen:

“Narziß und Landrinette ließen sich in Tragsesseln auf den Schultern der übrigen durch die vornehmsten Straßen der Stadt unter lautem Freudengeschrei des Volks tragen. Man warf ihnen Bänder, Blumensträuße und seidene Tücher zu, und drängte sich, sie ins Gesicht zu fassen. Jedermann schien glücklich zu sein, sie anzusehn, und von ihnen eines Blickes gewürdigt zu werden.”

Hier horchte ich schon auf und war auf halben Wege an die alte Försterei, aber die nächsten Sätze katapultierten mich direkt auf meinen Stammplatz unten am Zaun auf der Gegengerade.

“Welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller, ja welcher Mensch überhaupt würde sich nicht auf dem Gipfel seiner Wünsche sehen, wenn er durch irgend ein edles Wort oder eine gute Tat einen so allgemeinen Eindruck hervorbrächte? Welche köstliche Empfindung müßte es sein, wenn man gute, edle, der Menschheit würdige Gefühle eben so schnell durch einen elektrischen Schlag ausbreiten, ein solches Entzücken unter dem Volke erregen könnte, als diese Leute durch ihre körperliche Geschicklichkeit getan haben; wenn man der Menge das Mitgefühl alles Menschlichen geben, wenn man sie mit der Vorstellung des Glücks und Unglücks, der Weisheit und Torheit, ja des Unsinns und der Albernheit entzünden, erschüttern, und ihr stockendes Innere in freie, lebhafte und reine Bewegung setzen könnte!”

Ich sage in tiefer Verehrung DANKE, lieber Johann Wolfgang von Goethe, dass du mir meine vielen Stadionbesuche auf so kluge Weise begreifbar machtest. Und ich freue mich, das du uns dank meiner 40-bändigen Münchner Ausgabe als Autor erhalten bleibst.

Mir steht jedes Trikot!

Man denkt, man wär bei Heidi Klum, irgendwo im Bild hat sich das Topmodel versteckt, und man soll es jetzt suchen. Es war dann aber doch das 11Freunde-WM Quartier, das sich doyoufootball und der 1.FC Union zur Präsentation der neuen Trikots ausgesucht haben. Man kann nun einwenden “Öax, das ist ja nur für hippe Leute, die hippe Magazine lesen – wat is´n mit normalen Menschen” – aber einwenden kann man ja praktisch immer irgend etwas, und verglichen mit den zu solchen Anlässen üblichen Arkaden, Passagen oder Sportarenen war das eine ganz vortreffliche Wahl.

Es war im Vorfeld klar, wie die Trikots aussehen würden. Dachte ich. Und dann habe ich sie gesehen. Sind genau wie auf der Zeichnung, bloß ganz anders. Klare Farben. Extreme Straßentauglichkeit speziell bei dem Grünen. Hosen, Stutzen und Trikot immer einheitlich in einer Farbe. Keine komischen Karos. Dass man das mal als Pluspunkt vermerken würde!

Befragt, ob die so in Ordnung wären, sagt Karim Benyamina “Mir steht jedes Trikot”, aber auch Jan Glinker (“Das Lila stand nur Buschi, mir nicht”) will seines diese Saison anziehen. Burlington, übrigens. Da kann sich die Strickjacke von Mehmet Scholl mal ein Beispiel dran nehmen.

O-Töne zur Trikotvorstellung vor allem vom Geschäftsführer von doyoufootball, Bernd vom Geldern, im Podcast:

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Warten auf einen Anruf vom Bundestrainer.

Seit heute Vormittag berichtet wurde, dass Michael Ballack aufgrund eines Innenbandrisses auf die WM wird verzichten müssen, geistern verschiedene Ersatzvarianten durch das Internet. Beispielhaft dafür die von heinzkamke bei Twitter.

Gesucht wird ein torgefährlicher Mittelfeldspieler und da kann eigentlich nur die, laut Sky Top-11 der Saison, “personifizierte Standardsituation” in Frage kommen: Torsten Mattuschka. Anstatt sich zu freuen, kommen natürlich zuerst die Bedenkenträger in rot-weiß hervor.

Der Einwand mag berechtigt sein, wenn bedacht wird, dass Mattuschka in der vierten Liga zu Union kam und sich selbst in die zweite Liga katapultiert hat. Zehn Tore und sieben Vorlagen sprechen ihre eigene Sprache. In Anspielung auf die ab und zu sichtbar gewesenen Schwankungen des Kampfgewichts wird jedoch klar ein Vorteil in der WM-Teilnahme gesehen.

Argumente, die auch die Zweifler überzeugen. Zumal, wenn sie selbst kürzlich erst den Rennsteiglauf absolviert haben.

Wäre das also geklärt. Nur was passiert mit Tusches Lied? Zwei Vorschläge wurden bereits eingereicht.

Morgen in Schönow lautet also die entscheidende Frage an Mattuschka: “Hat sich der Bundestrainer schon bei Ihnen gemeldet?”

There´s a new bus in town.

Erinnert sich außer mir noch jemand an die BMW-Art Cars? Die sind rein gar nichts gegen das, was ein guter Grafiker aus einem gewöhnlichen Mercedes machen kann. Klicken Sie hier und sehen Sie selbst. Ihr ah! und oh! dürfen Sie in die Kommentare schreiben oder direkt an Daniel Blauschmidt richten, bittesehr.

Und nur um den Gerüchten vorzubeugen: Holger Bahra lernt keinen neuen Beruf, der bleibt Torwarttrainer – auch wenn er da mit Auf-Achse-mäßiger Lässigkeit hinterm Steuer klemmt, wie Manfred Krug es nicht besser könnte. Den anderen Jungs, die alle “Mannschaftsbusfahrer” als Berufswunsch angegeben haben, sei gesagt: den Job macht schon jemand anders, leider. Ich habe ihn einparken sehen. Ich glaub, der kann das wirklich.

Eisern vereintes Rudel

Es gibt es etwas zu feiern. Kein Tor. Denn mit dem Schießen von Toren tun sich momentan einige Berliner Fußballklubs schwer. Aber abseits von den Ergebnissen des Spieltages in den verschiedenen Ligen lädt das Fußballfilmfestival 11mm am Montag, den 15.03., zum Union-Abend. Im Kino Babylon werden ab 19 Uhr in einer Doppelvorstellung die beiden Filme “Eisern vereint” und “Das Rudel” gezeigt. Die Eintrittskarte kostet für beide zusammen 6,50 €.

Eisern vereint

Das erste Mal im Kino zu sehen, befasst sich der Dokumentarfilm von Andreas Gräfenstein mit einem der am meisten identitätsstiftenden Ereignisse in der Geschichte des 1. FC Wundervoll. War das 8:0 gegen den BFC Dynamo vor fünf Jahren in der vierten Liga für viele ein noch zu erledigender Punkt auf der To-Do Liste, so gab der Stadionbau die Möglichkeit, sich mit dem Verein zu identifizieren, ohne sich von anderen abgrenzen zu müssen. Eine Art positiver neuer Gründungsmythos, der auch die Möglichkeit schafft, sich Union jenseits der Herkunft aus der DDR zu nähern. Gräfenstein hat die Stadionbauer vom Beginn bis zum Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC begleitet.

Das Rudel

Viel wird über Ultras gesprochen und geurteilt, ohne sich ein Bild dieser Gruppierungen zu machen. Das liegt zum Teil sicher auch daran, dass diese selbst sehr verschlossen sind und sich den Medien gegenüber kaum äußern. In diesem Dokumentarfilm gelingt es dem Regisseur Alexander Schimpke, Zugang zu den Ultras des 1. FC Wundervoll zu erhalten. Er begleitet sie bei einem Regionalligaspiel gegen Dynamo Dresden. Die Kamera folgt der Blickrichtung des Capos – Rücken zum Spielfeld und Gesicht zu den Rängen. Der Film vermittelt Einstellung und Gefühle der Ultras und die Bilder wirken mit einer ungemeinen Kraft auf den Zuschauer. Die Entscheidung, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden, nimmt der Film den Zuschauern trotzdem nicht ab.

Willkommen!

Seit Jahren freue ich mich auf ein Pflichtspiel des 1. FC Wundervoll gegen die Tante aus Charlottenburg. Unerreichbar. Da Olympiastadion und einziger ernstgenommener Fußballbezugspunkt in Berlin. Der Hauptstadtklub eben. Hier die Skandalnudel mit marodem Stadion und einem kleinen aber leidensfähigen Kreis an Anhängern. Da erfolgreich. Hier erfolglos. Die einzige Hoffnung auf ein Aufeinandertreffen war die Losfee für den DFB-Pokal.

Nun wird es also immer klarer. Hertha kommt in die zweite Liga. Für welche Dauer vermag kaum jemand zu beschreiben. Das wird eine Zäsur für den Klub, der auf diesen größten anzunehmenden Unfall nicht vorbereitet war. Aber das ist vielleicht auch eine Chance, wieder zu sich selbst zu finden. Ich freue mich jedenfalls auf die beiden Punktspiele. Und eines davon im Stadion an der Alten Försterei: Willkommen!

Wo freundliche Menschen sich gegenseitig gut verstehn.

In Küchen nämlich. In Küchen kann man sich fast alles erzählen, Küchen befördern die Gesprächskultur. Alles andere als Zufall also, dass wir uns mit Birger Schmidt, dem Leiter des 11mm-Festivals, ebendort unterhielten. In seiner Küche nämlich. Über Fußball. Über Fußballfilme. Über Fußballfilmfestivals. Über Fußballfilmfestivalförderung. Und auch über das Belächeltwerden.

Birger beschäftigt sich neben dem Fußballfilmfest mit vielen, vielen Dingen – alle haben Ballbezug und brauchen Enthusiasmus. Er unterrichtet an der Alice Salomon Hochschule in Berlin zum Thema Sportsozialarbeit, engagiert sich im Berliner Fanprojekt und hat den “Brot und Spiele e.V.” mitgegründet. Fußball und Bildung. Fußball und Kultur. Weite Themenfelder, auf denen ein kleines, grasgrünes Fußballfilmfestival prächtig wächst und gedeiht.

Die Vielfalt der Fußballfilme hat Birger in England entdeckt, und wer jetzt “Mutterland” murmelt, hat der Phrase zum Trotz Recht. Es entstand daraus die Idee, solche Filme im Rahmen eines Filmfestes auch in Deutschland zu zeigen – dem British Council sei Dank wurde das möglich. Inzwischen ist das 11mm-Festival eine feste Größe, deren Arbeit auch von der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes unterstützt wird.

Ihr seid mit dem Festival inzwischen im siebenten Jahr. Hattet ihr die Fortsetzung geplant, oder war es ursprünglich als einmalige Veranstaltung gedacht?

Wir haben gehofft, dass es weitergeht, aber wir sind nicht davon ausgegangen, dass es jährlich weitergeht. Wir dachten zunächst an “die großen Jahre”, Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft. Wir sind aber bei den Recherchen auf so viele Filme gestoßen, und im gleichen Jahr kam das Fußballfilmlexikon mit über 700 Einträgen heraus – bis wir die alle gespielt haben … können wir noch ein paar Jahre machen. Da sind so irre und kuriose Sachen dabei – von Cartoons über Pornos bis zum Kinderfilm – wirklich jedes Genre wird abgedeckt. Es gibt sogar Western, bei denen Fußball eine Rolle spielt. Dadurch, dass wir so ein sympathisches Feedback auf die erste Veranstaltung bekommen haben, obwohl es nur englische Filme waren, fanden wir, das sollte weitergehen.

Ihr seht euch im Vorfeld des Festivals Unmengen Fußballfilme an. Einerseits: was kann es Schöneres geben. Andererseits: kommt irgendwann der Moment, in dem man einfach nicht mehr mag?

Den Punkt des Genervtseins erreicht man so etwa sechs Wochen vor dem Festival. Dann kommen noch Einreichungen, mit denen man nicht mehr gerechnet hatte, und man sieht ja eben nicht nur schöne Filme.

Ich fahr auch zu verschiedenen Filmfestivals und lass mich dort gerne belächeln, wenn ich frage, ob die auch Fußballfilme haben. Inzwischen ist es schon so, dass immer ein, zwei Fußballfilme auftauchen. Man sieht dabei aber auch, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. In Norwegen gab es 2006 einen Film, der hieß “Lange flache Bälle” und hatte in Norwegen über eine Million Zuschauer. Die Leute dort haben sich gebogen vor Lachen – wir haben den zweimal gesehen und uns gefragt: Was ist das denn? FC Venus ist dagegen ein richtig guter Film …

Welche Kriterien muss denn ein Film erfüllen, damit er bei euch auf dem Festival gezeigt wird?

Es reicht nicht, dass ein Ball durchs Bild rollt. Die Faszination Fußball muss im Mittelpunkt stehen, zumindest auf einer Erzählstrecke des Films. Gerade bei Spielfilmen ist es im Vergleich zum Dokumentarfilm schwer zu sagen: das ist ein Fußballfilm. Anhaltspunkte können sein, dass für den Protagonisten Fußball eine besondere Rolle im Leben spielt, oder dass das Umfeld stark fußballlastig ist, etwa bei einem Verein oder Stadtteil, der Fußball lebt.

Aber man kann auch Romeo und Julia als Fußballfilm erzählen. In mehreren Ländern gibt es das inzwischen. In der portugiesischen Version ist das Mädel beispielsweise Anhängerin von Benfica Lissabon, der Junge geht zu Sporting, und die Eltern verbieten den beiden zusammenzukommen.

Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr als ernsthafte Veranstaltung wahrgenommen wurdet, so dass sich eben auch die DFB-Kulturstiftung für euch interessiert hat?

Fünf Jahre hat’s gedauert. Letztes Jahr gelang der Durchbruch, sowohl auf der filmischen als auch auf der finanziellen Seite. Die Kulturstiftung war erstmals vor Ort. Besonders gefreut hat uns die Anerkennung für die Sachen, die uns am meisten wert sind. Beispielsweise dafür, dass wir engen Kontakt zum Publikum halten, die Leute begrüßen, was zu den Filmen sagen und Foyergespräche über die Filme anbieten. In diesem Jahr haben wir den Zuschlag erhalten, weil wir das Festival nicht nur in Berlin veranstalten, sondern damit bundesweit auf Tour gehen.

Sind die 11Freunde, die mit ihrer Arbeit andere Texte und Bilder als man zu sehen gewohnt war, in die deutsche Fußballlandschaft eingebracht haben, auch Wegbereiter eures Festivals, oder war das eher eine Parallelentwicklung?

Bei mir hat Nick Hornby eine große Rolle gespielt. Das war das erste Mal, dass es so eine Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln gab. Er ist als erster so offensiv mit seiner Fußballbegeisterung umgegangen, darin hab ich mich wiedergefunden.

Phillip Köster kenn ich seit der Gründungszeit der 11Freunde. Sie haben vor uns angefangen, und ich fand das sehr, sehr wichtig und auch mutig, was sie gemacht haben. Insofern sind sie Wegbereiter.

Aber – und da muss ich nochmal auf die Insel zurück – solche Zeitschriften gab es in England schon in den tiefen Neunzigern, beispielsweise “When Saturday Comes”.

Was macht für Dich Fußballkultur aus, gerade im Zusammenhang mit dem Festival?

Man kann sich über bestimmte Phänomene nähern, oder über Zeitgeschichte. Wo gabs das erste Mal Fußball? In welcher Nation spielte das eine Rolle? Fußball hat aber auch viel Symbolhaftes, es hat mit Farben zu tun, mit Ausdruck und den Ritualen drumherum.

Wenn wir sagen, wir wollen ein fußballkulturelles Filmfest machen, müssen bestimmte Bausteine enthalten sein. Es kann nicht sein, dass wir nur Vereine oder Spieler porträtieren, sondern wir müssen darstellen, welche Rolle der Fußball in den einzelnen Nationen hat. Wir legen außerdem Wert darauf, Retrospektiven zu machen.

Gibt es aus deiner Sicht eine spezielle Berliner Fußballkultur?

Ich habe Berlin nur durch den Fußball kennengelernt. Ich bin 1987 von der Insel Fehmarn zum Studieren nach Berlin gezogen und habe erst beim TSC Friedenau, in den Neunzigern dann beim FC Internationale Fußball gespielt. 1994 habe ich beim Fanprojekt angefangen, und meine ersten Einsätze waren in Ahrensfelde und Marzahn.

Was mich an Berlin begeistert, ist die Vielfalt der Fankultur. Das Union-Phänomen ist für mich auch so ein Beispiel. Als ich nach Berlin kam, hatte ich nicht den Eindruck, dass Berlin eine Fußballstadt ist.

Den Eindruck habe ich aber immer noch.

Die Berliner haben von allem zuviel, es ist ihnen nicht gegeben, treu zu sein – da ist euer Verein eher die Ausnahme.

Die Leute bringen auch eher ihre Fußballvereine nach Berlin mit.

Ja, stimmt. Ich verteile mit meiner Tochter zusammen unser Programmheft in den Kneipen im Prenzlauer Berg, immer am letzten Spieltag vor Festivalbeginn, und es ist genau wie du sagst: wir sind losgegangen in Köln, an Bremen vorbei, dann HSV, Hertha, Schalke – das ist auch Berliner Fußballkultur.

Wir danken sehr für Kaffee & Kekse, vor allem aber für das, wovon Birger momentan am wenigsten hat: Zeit. Wir sehen uns im Kino!

Das 11mm-Festival, bei dem in diesem Jahr Afrika im Mittelpunkt steht, beginnt am Sonnabend, 13.März 2010 um 17:00 mit “Fimpen, der Knirps” im Kino Babylon in Mitte. Die Karten kosten 6,50 EUR.

Die Unioner werden vor allem an der Doppelvorstellung am Montag viel Freude haben. Ab 19:00 Uhr läuft der Stadionbauerfilm “Eisern vereint”, direkt im Anschluss folgt “Das Rudel”, ein Film über die Union-Ultras.

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Derbyzeit

Das Kribbeln fängt langsam an. Nicht das Kribbeln vor Beginn der Rückrunde. Das wird aufgrund der kurzen Pause sicherlich gar nicht erst kommen. Das Kribbeln vor dem Derby

Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits im letzten Sommer bei der Neueröffnung des Stadions an der Alten Försterei. Zum neuen Jahr spielten nun in der Max-Schmeling-Halle sechs “Traditionsmannschaften” ein kleines Hallenturnier. Es waren nicht Traditionsmannschaften im herkömmlichen Sinne sondern mit mehr oder weniger zugkräftigen ehemaligen Spielern besetzte Teams.
Abgesehen vom Wiedersehen mit ehemaligen Unionern wie Mike Rietpietsch oder Mirko Votava elektrisierte vor über 6.000 Zuschauern vor allem ein Spiel: 1. FC Union Berlin – Hertha BSC. Beide Fanlager standen sich in der Halle genau gegenüber. Und der Austausch von Nettigkeiten ging während des Spiels auch vonstatten. Dem “Scheiß Union!” wurde von der anderen Seite mit “Absteiger!” gekontert und die Herthaner veränderten zum Finaleinzug ureigenstes Köpenicker Liedgut und sangen “Siehst Du Union, so wird das gemacht!”. Die marktschreierische Hermeshousebandisierung durch den Hallensprecher hätte es bei dieser Ansetzung sicherlich nicht gebraucht.
Es war eine Spaßveranstaltung. Auch als kurz vor Schluss der Partie ein (angezogener) blau-weißer Flitzer über den Kunstrasen lief. Er konnte sich zwar Sebastian Bönig und den Ordnern entziehen, wurde aber von einem Zuschauer mit rot-weißem Schal gestoppt.
Der 1. FC Wundervoll beendete das Turnier mit einem guten dritten Gruppenplatz und Hertha zog sieglos ins Finale ein. Alles wie gehabt. Sollte die alte Dame in der nächsten Saison der zweiten Liga einen Besuch abstatten, gäbe es bestimmt zwei großartige Spiele in Berlin – die ersten Pflichtspiele gegeneinander. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Wuhle und Spree hinunter. Und ein Aufeinandertreffen in Liga zwei muss eigentlich nicht sein.

Gruppenspiel 1. FC Union Berlin – Hertha BSC zum Nachhören:

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Wie ein Stern am Himmelszelt.

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Macht´s gut, ihr Lieben! Habt schöne Weihnachten. Den nicht Dabeigewesenen legen wir das Weihnachtssingen unter die Tanne. Mit dabei sind ein Eheanbahnungsgespräch, ein Phillip Schröder und eine Stadionsprecherfamilie, die ihr Kind was Ordentliches lernen lassen hat. Musik nämlich.

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