Archive for the 'vorfreuen' Category

Testspielweltmeister.

Der 1.FC Union Berlin gewinnt auch sein letztes Testspiel gegen Heart of Midlothian mit 3:0. Zwei Fragen drängen sich auf. Wie hat uns Silvio gefallen, und was sind diese Siege wert?

Zumindest für das Selbstvertrauen sind sie wichtig. Uwe Neuhaus zeigt sich denn auch keineswegs enttäuscht vom schottischen Team. Dessen Qualität sei trainingsbedingt nicht durchgängig gegeben gewesen. Individuelle Klasse bescheinigt er speziell Mehdi Taouil, dem Zehner der Hearts. Insgesamt sei es aber vor allem eine konzentrierte Leistung seiner eigenen Mannschaft gewesen. Mit Simon Terodde und Silvio stünden zwei anspielbereite Stürmer zur Verfügung, die die Lücke finden und als Typen optimal zusammenpassen. Auch Simon Terodde sieht in seinem Sturmkollegen Silvio eine echte Bereicherung und zitiert die sprichwörtliche Konkurrenz, die das Geschäft belebt. Besonders, wenn John-Jairo Mosquera und Santi Kolk wieder fit sind. Spannend wird, wie sich Halil Savran hier einfügt. Letztlich kann Uwe Neuhaus auf die Frage “Wie sieht es im Sturm aus?” freundlich lächelnd mit “Gut!” antworten und gelassen auf die nun folgende Trainingswoche verweisen.

Silvio selbst schätzt seinen derzeitigen Fitnesszustand auf etwa 80%. Vom Team fühlt er sich gut angenommen, Eingewöhnungsschwierigkeiten hat er keine. Der Umweg Schweiz hat es ihm ermöglicht, sich an europäischen Fußball zu gewöhnen, sagt er. Neuhaus traut Silvio noch wesentlich mehr zu als das, was er heute gezeigt hat. Einer, der im Zweifel nicht auf den Pfiff wartet, sondern erst einmal wieder aufsteht und den Ball im Tor versenkt, wird aber wohl kaum Mühe haben, in Köpenick Freunde zu finden.

Michael Parensen, der dazu neigt, sich zu übernehmen, hat sich gefreut, überhaupt auf dem Platz zu stehen. “War schön, mal wieder bei der Mannschaft zu sein, die Wettkampfschnelligkeit zu erfahren.” Er will sich dennoch zurücknehmen, in Ruhe fit werden. Ihm fehlt ein Jahr, sagt sein Trainer. Läuft man Gefahr, nach sechs Siegen in Folge überheblich zu werden? “Die Testspielsiege waren super”, meint Parensen, “aber entscheidend ist es, am Freitag da zu sein. Die Saison wird kein Selbstläufer.”

Freuen wir uns trotzdem drauf? Aber hallo!

Von der Schwierigkeit, ein guter Eventfan zu sein.

Das Ticket habe ich. Aber Zubehör, ich brauche doch Zubehör! Na gut, da sind noch diese schwarzrotgoldenen Lametta-Pompons vom letzten Sommer. Die kichernden kleinen Schwestern der Nationalfahne. Ich versuche, ein Panini-Album zu kaufen. Ich erwerbe versehentlich ein Fußball-Sonderheft. Weder die Verkäuferin noch ich bemerken den Fehler. Extra für mich öffnet sie dann die Box mit den Aufklebern. Sie hat nur diese eine Hunderter-Box. Ich kaufe die ersten zwei Tütchen. Keine Ahnung, was mit den anderen achtundneunzig passieren wird. “Geht ja bald los”, sagt sie zu mir. Aber man merkt eben nichts davon, denke ich und antworte “Hm”. Wo sind eigentlich diese spielfeldgrünen Servietten bei Lidl, die fußballförmigen Untersetzer bei Aldi und die bekloppten Hüte bei Pfennigland, wenn man sie mal braucht? Mehr als bei einem vergleichbaren Männerturnier bin ich entschlossen, das alles gut zu finden. Es gibt kein vergleichbares Männerturnier, ich weiß. Selbst das Wintertrainingslager der Männerproficlubs in Belek ist spannender. Diese deutsche Nationalmannschaft, die da ab Sonntag um die Weltmeisterschaft spielt, soll nicht nur gewinnen – es wird von ihr erwartet, dem Frauenfußball zu mehr Ansehen zu verhelfen. Die Aufgabe ist schwer, jedes Mittel ist recht.

Ich bin neugierig, ob es gelingt.

Und das Paniniheft muss ich wohl doch noch haben, denn etwas optisch so eigenwilliges wie die Panini-Bilder der Nordkoreanerinnen wird es ganz bestimmt nie wieder geben.

Unions neue Kompetenz-Kompetenz

Der neue Mann an der Seite von Uwe Neuhaus heisst Nico Schäfer. Der 42-jährige, der zum 1.7. seine neue Rolle als „kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzabteilung“; ein Titel, der jede Visitenkarte sprengt; antritt, beerbt damit offiziell Christian Beeck. Soweit die nüchternen Fakten.

Als Fan frage ich natürlich bei solchen, nach aussen hin, recht abrupt kommunizierten Wechseln, nach der Notwendigkeit und den Ursachen. Beides versuchte Dirk Zingler auf der heutigen Pressekonferenz zu beantworten.

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Der Rasen ist weg …

Mit dem Kurzfilmwettbewerb „Shortkicks“ und der Preisverleihung für die besten Filme schloss gestern die Berliner Ausgabe des 11mm-Fußballfilmfestivals. Warum Berliner Ausgabe? Weil 11mm auf Deutschlandtour geht. Über die Berliner Festivaltage und die kommenden Auswärtsspiele habe ich mit Jochen Lohmann gesprochen, während im und vor dem Kino Babylon aufgeräumt und abgebaut wurde.

Der für die Dauer des Festivals vor dem Babylon verlegte Rasen wie auch die Ersatzbank waren bereits abtransportiert worden. Das war das erste, was ihm heute vormittag auffiel, sagt Jochen Lohmann. Schade fand er das. Sonst gab es keinen Grund zur Traurigkeit, die Veranstalter sind hochzufrieden.

Bei den Frauenfußballfilmen hat „Die schönste Nebensache der Welt“ von Tanja Bubbel das Rennen gemacht, in der Gesamtauswahl hat sich „Meister vs. Meister“ von Johannes Grebert durchgesetzt. Mit „The Ball“ von Katja Roberts hat in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ eine charmant erzählte Geschichte über Fußball als Gesprächsmittler zwischen zwei Kindern gewonnen. Auf die außergewöhnlich gut besetzte Jury, der unter anderem Dominic Peitz, Jörg Schüttauf und Philipp Köster angehörten, sind die Festivalleiter stolz. Außerdem, sagt Jochen Lohmann, waren noch nie zuvor so viele Gäste aus dem Sportbereich dabei. „Wir sind Amateure“, sagt er. „Dass wir so eine Gala stemmen …“ Mindestens genauso wichtig wie die Superlative sind ihm aber die kleineren Veranstaltungen. Ein gut gefülltes Studiokino, in dem Regisseure und Publikum miteinander ins Gespräch kommen, das sind „Perlen, die für uns glänzen“.

Eine Veranstaltungsreihe, die weitgehend abseits des Festivalsbetriebs lief, waren die Kinovorstellungen speziell für Schulklassen. An den Vormittagen der Werktage wurden für Schüler ausgewählte Fußballfilme gezeigt, zu denen es Vorträge, Spiele und Gespräche gab. Die Stimmung sei wie im Stadion gewesen, und über 600 Schüler hätten das Angebot wahrgenommen. Deshalb soll dieses Programm im nächsten Jahr fortgesetzt werden. „Wenn man es als seine Aufgabe ansieht, Sport und Kultur zu verbinden, schließt das Bildung mit ein.“

Die Filme über den Frauenfußball hatten es erwartungsgemäß nicht ganz leicht. Bezeichnend hierfür war etwa die Reaktion von Marita Dähn, ebenfalls Mitglied der Shortkicks-Jury, ihrerseits ehemalige Fußballtrainerin und Schiedsrichterin im Herrenbereich, die meinte, so ein WM-Spiel könne man schon mal gesehen haben, die aber sonst mit Frauenfußball sichtlich nichts anfangen konnte. „Wir zeigen die Frauenfußballfilme seit Jahren und werden das auch weiterhin tun. Nur die Preisverleihung ist einmalig, anlässlich der WM“, erklärt mir Jochen Lohmann. Auf der Tour werden diese Filme sogar überwiegend gezeigt werden. Der DFB möchte auf diese Weise ein Kulturprogramm in den WM-Städten etablieren, und das 11mm-Festival ist Bestandteil dessen. Auch das ist ein Erfolg für ein Filmfest, das vor acht Jahren einmal ganz klein angefangen hat.

Alles wird anders. Manches auch besser.

Es gibt keinen besseren Anlass als den Jahreswechsel, um danke zu sagen und Veränderungen bekanntzugeben.

Danken möchten wir zunächst allen Lesern & Hörern des Textilvergehens. Euretwegen machen wir den ganzen Quatsch! Für ihre Unterstützung bedanken wir uns bei den Fotografen Stefan und Birgit Hupe, Tobias Hänsch und Matze Koch, die uns ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben. Ohne euch wäre es oft unbunt hier, und ein gelungenes Bild hat auch noch keinem Text geschadet. Weiterhin danken wir den Berliner Sportjournalisten, besonders Mathias Bunkus (Berliner Kurier) und noch einmal Matze Koch, die uns viele Tipps und Denkanstöße gegeben und uns auf dem Laufenden gehalten haben, wenn wir nicht vor Ort sein konnten. Es ist immer ein Vergnügen, mit euch zu diskutieren! Das gilt auch für Robert und Hans-Martin, ohne die das Podcastteam unvollständig und das Podcasten nur halb so lustig wäre.

Enormes Entgegenkommen haben wir schließlich auch von den jeweiligen Verantwortlichen bei den Vereinen erfahren. Das gilt gleichermaßen für den Berliner AK, Babelsberg 03, Hertha BSC und Union Berlin. Da der 1.FC Wundervoll eines der Schwerpunktthemen unseres rasengrünen Blogs ist, haben wir die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Multimedia häufiger als andere mit Anrufen und E-Mails, Wünschen und Ideen genervterfreut. Ihr habt uns Wege geebnet und Türen geöffnet – habt vielen Dank dafür!

Im neuen Jahr wollen wir das, was gut war, beibehalten. Zu diesen Dingen zählen wir den Spieltagspodcast. Die Soundqualität ist gewiss steigerbar. Dafür stehen Geräteerwerbungen bevor, und wir wollen mit Zuschaltungen via Skype auch solche Gäste einbinden, die nicht mal eben in unserer Küche vorbeischauen können. Das Phrasenschwein hat Lack bekommen, wir werden es dick und rund füttern. Fortsetzen wollen wir ferner die Verfilmung der besten Spielszenen in Lego. Und wir hoffen, dass Robert dazu genauso viel Lust hat wie wir. Beibehalten wird auch die tägliche Presseschau auf Facebook. Hier wird es allerdings eine gravierende personelle Änderung geben. Sebastian ist seit dem 1. Januar 2011 in der Sportredaktion des Berliner Kuriers beschäftigt. Deshalb wird das Zeitungslesen und Kollegenbeschimpfen nunmehr von Hans-Martin und Steffi übernommen.

Nicht ganz klar ist, wieviel Zeit für das Artikelschreiben übrig bleiben wird. Wir tun unser Möglichstes, aber ein wirklich gutes Interview macht niemand in der Mittagspause mit Kleinkind auf dem Arm. Wir sind gespannt. Bleibt uns gewogen!

Der Worte sind genug gedrechselt

Mittwoch Nachmittag in Berlin-Köpenick. Ein Tross von Journalisten auf der Suche nach Themen, die nicht bereits seit einer Woche durch die Zeitungen geistern. Auf den Gesichtern ist Müdigkeit zu erkennen und der Wunsch, das Spiel möge endlich vorbei sein. Dieses Spiel, dass so stark elektrisiert, dass die ersten bereits ausgebrannt wirken.

Trainer Uwe Neuhaus und Teammanager Christian Beeck beten auf der Spieltagspressekonferenz vor dem Derby die Punkte hinunter, die jeder mit dem Begriff Derby verbindet: Leidenschaft, Enthusiasmus und Kampfgeist bei der Mannschaft. Auf den Rängen Kreativität und Rivalität. Und für das Konto drei Punkte. So lautet der Dreiklang. Aber so könnte er vor jedem Spiel lauten. Ein einziges Mal stört Neuhaus den beruhigenden Lauf der immergleichen Phrasen, als er die Neuschöpfung vom “friedlichen Gegeneinander” einbringt.

Es herrscht Routine. Ein ganz normales ausverkauftes Spiel im Stadion an der Alten Försterei. Man möchte auch einmal wieder in Führung gehen. Ja, Jérôme Polenz werde sehr wahrscheinlich für das Spiel ausfallen. Man habe mit Rauw und Menz Alternativen in der Hinterhand. Und was ist mit Paul Thomik? Das könne man noch nicht sagen. Denn überraschend hat sich auch Union ab heute Abend für ein sogenanntes Geheimtraining entschieden.

Uwe Neuhaus muss innerlich sehr starke Schmerzen haben, als er gefragt wird, welche Unterschiede er zwischen den Derby im Westen mit Dortmund-Schalke und dem Berliner Stadtderby sehe. Aber anstatt zu antworten, dass der große Unterschied sei, dass das Berliner Stadtderby so noch nie stattgefunden habe, antwortet er geduldig. Aber nichtssagend.

Am Ende die Hinweise aus der Sicherheitsbesprechung der beiden Vereine und der Polizei. Natürlich sei das Spiel ein Sicherheitsspiel. Aber das läge am ausverkauften Stadion und nicht am Derby. Eine Fantrennung werde es sicherlich nicht geben, solange die Lage friedlich bleibt. Solch eine Trennung durchsetzen zu wollen, sei bei einem Stadtduell auch illusorisch, meint Pressesprecher Christian Arbeit. So gibt es auch keine Maßnahmen gegen den angekündigten Fanmarsch der Herthaner. Gänzlich ungewohnt setzt die S-Bahn sogar vollständige Züge nach Köpenick ein. In einer dermaßen von der Bahn gebeutelten Stadt wie Berlin allein schon eine Schlagzeile wert.

Am Ende rollen die Fotografen mit ihren Koffern wieder weg. Es gab die gleichen Bilder wie auf jeder Pressekonferenz. Die Radiojournalisten holen noch ein paar O-Töne. Für etwas Abwechslung sorgt der BBC World Service bei einem Interview. Aber sowohl Trainer als auch Teammanager sind schnell verschwunden. Ein Pflichttermin vor einem Bundesligaspiel. Eine Viertelstunde lang. Nicht mehr. Es wird Zeit, dass angepfiffen wird.

Birds do it, bees do it – even educated fleas do it

… und mein und dein Fußballverein twittert jetzt auch, höchst selbst. Folgt @fcunion, und zwar rudelweise! Sollten sie je vergessen, was ihr erster Tweet war: Wir haben ihn aufgehoben. Hier, bitteschön:

Derbyvorbereitung in Köpenick

Neulich in der Köpenicker Altstadt.

Berliner Geschwister

OK. Dann stelle ich mich also dieser Herausforderung. Als gäbe es davon im Leben nicht eh schon mehr als genug, musste ich natürlich zusagen. Ich, als Herthaner und Westberliner, der die Wende vor allem mauersteineklopfend erlebt hat und dementsprechend wenig Sinn für ein geteiltes Deutschland hat, habe nun den Salat. Ich habe mich also dazu bereit erklärt auf diesem – nennen wir es – eisernen Ostblog einen Beitrag zu schreiben. Einen Beitrag über die Berliner Geschwister, die da wären: Die große Schwester Hertha und der kleine eiserne Bruder David.

Nein. Ich werde nichts über Derbies in der zweiten Liga schreiben. Das ist ein Thema für Zeitungen, die große Buchstaben, viele Fotos und vor allem Meinungen in die Welt hinausposaunen. Außerdem wird es zwischen Union und Hertha erst dann ein richtiges Derby geben, wenn sich die beiden Teams in der ersten Liga duellieren. Also in der kommenden Spielzeit. Bis dahin werden Berliner Derbies nicht unbedingt mein Thema sein.

Ja. Dann schreibe ich doch lieber etwas über Innerberliner Verhältnisse. Allerdings kann ich auf Grund meines noch recht überschaubaren Alters wenig bis gar nichts mit dem ganzen Nostalgie-Gedöns anfangen, der vor der Wendezeit liegt. Ich weiß, dass es da mal eine Freundschaft zwischen den Eisernen und den Blau-Weißen gegeben haben soll. Heute weiß ich davon allerdings nichts mehr. Ich sehe, höre und lese wenig von dieser Freundschaft, außer dass es sie mal gegeben haben soll. Gott hab’ sie selig, die DDR, die Wende, die Nostalgie und die alte Freundschaft. Sicher war nicht alles schlecht, aber wen interessiert das heute noch?

Wenn ich also etwas über das Verhältnis von Union und Hertha schreibe, dann muss ich einiges vorweg stellen. Neben der oben geschilderten Ignoranz gegenüber der Vergangenheit, bin ich im höchstem Maße subjektiv. Ich schreibe über meine Wahrnehmung und meine Einschätzungen, die ich weder belegen kann noch will und die alle anderen gerne anders sehen dürfen. Nur zu, Widerspruch ist erwünscht.

Wer meine textliche Vergangenheit unter blau-weißer Flagge kennt und wer mein Geschreibe des letzten Jahres zur Kenntnis genommen hat, weiß sicherlich, dass ich der alten Dame und ihren Fans recht kritisch gegenüber stehe. Ich stehe zu ihr. Keine Frage. Aber ich mache sicherlich nicht alles mit und schreibe das dann auch. Soviel zur Vorrede.

Seit einem Jahr nun spielt da ein Berliner Vorort-Verein in der zweiten Liga und man kann ihn irgendwie nicht mehr ignorieren. So denken viele Nicht-Eiserne über Union. Immerhin spielen sie zweite Liga. Das ist zwar noch nicht Europapokal, aber auch nicht ganz unbedeutend. Nach dem Abstieg der Hertha kommt man um die Unioner endgültig nicht mehr herum. So wie man den jüngeren Bruder eben auch nicht ständig ignorieren kann. Er gehört dazu, ob man will oder nicht.

Sie sind ja auch irgendwie putzelig. Diese ehrlich arbeitenden Ossis. Da bauen sie auf HartzIV-Kostenstelle ihr Stadion in Handarbeit um. So denken die meisten blau-weißen Wessis, die sich ihr Stadion einfach direkt von der Stadt haben aufmotzen lassen. Das Reflexionsniveau unter Fußball-Fans scheint grundsätzlich unterdurchschnittnlich zu sein. Denke ich. Macht aber nichts, da lässt es sich einfach besser pöbeln.

Mal davon abgesehen, dass der kleine Nachbar ab und an mit kernigen Sprüchen provozieren möchte, fällt da noch etwas anderes in der Beziehung zwischen Ost-Unionern und West-Herthanern auf. Beide reklamieren ja nur zu gern für sich, der Fußball-Verein für ganz Berlin zu sein. Die kleinen, häßlichen Stiefgeschwister TeBe und Dynamo schreien da zwar immer auf. Aber wen interessiert das schon? Wichtiger ist noch, dass beide – sowohl Hertha als auch Union – es wohl auf absehbare Zeit nicht schaffen werden, der Berliner Gesamtverein zu werden. Und das ist auch gut so, denn Berlin stand immer schon und steht immer noch für Vielfalt.

Noch amüsanter wird es, wenn man sich die eisernen Sticheleien gegen ein leeres Olympiastadion anschaut. Klar, die Kritik und die Hähme sind angebracht. Das Olympiastadion ist doch häufiger zugig, denn euphorisch gefüllt. Allerdings sieht das in der vergleichsweise winzigen Alten Försterei nicht anders aus. Die Zuschauerzahlen der vergangenen Zweitliga-Saison sind nicht unbedingt rühmlich, nicht wahr? (Im Schnitt blieben ein Viertel der Plätze leer). Letztlich sollten beide Vereine bezüglich der Stadionauslastung die Klappe halten. Das wird sonst peinlich, wenn man einmal nach Düsseldorf oder Kaiserslautern schaut…

Aber so ist das halt, wenn groß und klein sich streiten. Hauptsache, der andere steht schlechter da, egal wie blöd man selbst dabei aussieht. Die große alte Dame – quasi die große Schwester des kleinen eisernen Bruders – sie müsste einfach locker bleiben. Kann sie aber nicht. Sie bekommt weitaus mehr Taschengeld, bekommt aber auch als erste Dresche, wenn es nicht so läuft. Schließlich muss sie mehr Verantwortung tragen. Der Kleine dagegen versucht sich immer wieder abzusetzen und anders zu sein, um dadurch aus dem großen Schatten der Schwester heraus zu treten.

Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht entziehen, dass der eiserne Zwerg aus der Berliner Provinz versucht, den Pauli-Mythos nach Berlin zu kopieren. Klar, die David-vs.-Goliath-Thematik passt. Ebenso ist die alte Dame größtenteils so piefig und bieder wie der HSV. Aber der kleine eiserne David kommt halt aus Köpenick. Und bei allem Respekt gegenüber diesem wunderschönen Stadtteil Berlins: Das ist mal eine ganz andere Hausnummer als der Hamburger Kiez. Sagen wir es so: An Piefigkeit ist der eiserne David zusammen mit der alten Dame ganz vorne mit dabei.

Natürlich mögen die Kenner da die feinen Unterschiede erschnüffeln. Ehemals ostdeutsch-piefiges Kleinbürgertum riecht anders als ehemals westdeutsch-piefiges Kleinbürgertum. Das will ja auch niemand wegdiskutieren und es ist ja sogar schön, dass es an jeder Berliner Ecke anders stinkt. Aber sowohl in ehemals Ost als auch in ehemals West war, ist und bleibt die kleinbürgerlich Piefigkeit. Du bist so wunderschön, Berlin!

Was ich an den Image-Kampagnen der großen Schwester Hertha schon seit Jahren kritisiere, ist ja dieses blind-taube Ignorieren der eigenen Identität. Ich bin mir sicher, dass Hertha sich erfolgreich als Marke etablieren könnte, wenn sie sich mehr auf den ihr eigenen Eck-Kneipen-Mief konzentrieren würde. Niemand mit einer echt blau-weißen Seele interessiert sich für play.berlin oder Aus Berlin. Für Berlin. Vielleicht kann man damit ein paar Brandenburger überzeugen. Aber auch nur vielleicht. Wahrscheinlich nicht.

Spielt sich der kleine eiserne und ebenso piefige David aus Berlin-Köpenick jedoch als alternativer Mainstream-Punk (sic!) auf, wird das nicht weniger peinlich als die blau-weiße Großmannssucht der alten Dame Hertha. An die Lernfähigkeit des Charlottenburger Managements glaube ich nicht mehr. Ich habe mich damit abgefunden, dass die alte Dame in meinem Leben wohl gerne etwas anderes werden möchte als sie bleiben wird und werden könnte. Ein Hoch auf die Schizophrenie!

Für den kleinen eisernen David besteht allerdings noch Hoffnung. Vielleicht werden in Zukunft auch ein paar Herthaner raus zur Alten Försterei fahren, weil man dort noch ein gepflegtes Pils bekommt, das man in piefiger Ruhe unter Gleichgesinnten konsumieren kann. In einer kleinbürgerlich engen Welt, in der der Fußball bleibt was er in seinem Kern ist: Ein netter Zeitvertreib, der einem Orientierung und Sicherheit gibt, für ein Leben, das eh aus viel zu vielen Herausforderungen besteht.

Ich hoffe, dass der kleine eiserne David aus den Fehlern seiner großen Schwester Hertha lernt. Falls nicht, bleiben uns die Derbies in der ersten Liga. In der kommenden Saison. Ich freue mich schon!

Der Defaitist und die Zukunft

Dragoslav Stepanović. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Und das wars dann auch. Tschüss, bis neulich.

Ja, schon gut, ich will auch nicht als die Blutgrätsche der Urlaubsvertratung in die Annalen eingehen.

Ich blicke mal in die Saisonzukunft und muss mich zusammenreißen, um nicht einzuschlafen. Und Dragoslav Stepanovic steht immerhin für eine schöne, ruinöse, unsinnige, aber dafür auch total aufregende Zeit der Eintracht (schmunzel) aus Frankfurt. Wenn ich aber in diesen Tagen auf die nächste Saison schaue, dann kann ich da nicht von Freude oder Aufregung sprechen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Platz im Mittelfeld hinaus. Es wird keinen Abstiegskampf geben, dafür mal so am 10. Spieltag ein kleine Zeit auf einem UEFA-Cup… Europa League-Platz, danach werden 7 von 10 Spielen verloren und es endet auf Platz 14. Gähn!
Ich Miesepeter. Damals aber, als die Eintrachtführung noch mehr so im Halligalli-Milieu angesiedelt war und Leute wie Andreas Möller (»Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.«), Anthony Yeboah, Uli Stein und Uwe Bein eine Achse der Entzückung bildeten, da war noch Saft im Sack.
Und – wer erinnert sich nicht? -  1999, letzter Spieltag, 89. Minute, da macht der  Jan-Aage Fjörtoft einfach das 5:1 und ich sitze da mit Premiere ohne Bild und Radio und alleine in der Stube und wusste nicht, was ich machen sollte, also schrie ich aus dem Fenster und zwar vor Freude, denn das war der »Nichtabstieg«. Als Fan von Vereinen wie Vfl Bochum, Fortuna Düsseldorf und Kickers Offenbach, weiß man so einen Nichtabstieg noch zu schätzen. Der ist so wichtig wie für die Bayern die Schale am 34. Spieltag und ungefähr soviel Wert wie (Hahahaha) der Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Aber was erzähle ich hier denn hier für einen mainstreamigen Schmonz der ambitionierten Leserschaft? Sorry, aber das macht es doch aus. Ich will gar nicht von den zwei Toren am Ende der Saison 2002/2003 sprechen. 6:3 gegen SSV Reutlingen mit zwei Toren in der Nachspielzeit, die dann erst den Aufstieg klar machten. Die Mainzer lagen sich schon feiernd in den Armen, da bei ihrem Fastnachtsbrunnen. Klar, zwischendurch mal fast in die Insolvenz gegangen, so mit weinenden Männern und so und dann doch noch über die Schippe gesprungen.

Das wird es so erstmal alles nicht mehr geben. In der nächsten Saison wird es langweilig mit der Eintracht. Die Finanzen sind im Griff, das Mittelmaß wird gehalten, Gekas schießt ein paar Tore und Skibbe wird auch diese Saison nicht mehr auf seine alte Frisur verfallen. Bayern wird Meister und zum ersten Mal seit 190 Jahren finde ich das auch noch nicht mal so schlimm. Ich mag die Bayern neuerdings. Ich weiß manchmal gar nicht, wie das kommen konnte, aber das System van Gaal gefällt mir. Schalke, ja, die können immer überraschen, aber der Galaktische wird am 15. Spieltag von van Bommel umgenietet und fällt dann bis zum St. Nimmerleinstag aus. Vielleicht wird Schalke Herbstmeister, aber naja… Kaiserslautern vielleicht als Überraschungsei und der HSV wird sich noch wundern. Wie so oft. Das ist mir aber alles herzlich wurscht. Die nächste Saison wird wie die WM: alles gut organisiert, ein paar Favoritenstürze, aber insgesamt langweilig. Dazu noch ein paar Trainerentlassungen (Armin Veh ist der erste, der gehen muss) und am Ende wird es weder bei den Absteigern noch oben richtige Überraschungen geben. Lest das hier mal Mitte/Mai 2011. Ihr werdet Euch noch wundern, was ich für ein Seher bin. Was macht eigentlich der KSV Hessen Kassel?