Archive for the 'reden' Category

Erste Halbzeit: Nicht viel. Zweite Halbzeit: Gar nüscht.

Nachdem wir Flo zum Spiel befragt hatten, war alles gesagt. Wir haben dann trotzdem noch ein bißchen weiter erzählt. Aus Gewohnheit eher. Über Auswechslungen, die wir nicht verstanden haben, über das ewige Stürmer-Thema, über Abschlussschwäche, über Wetter, über Zufriedenheit mit Spielverläufen. Das haben wir aber alles rausgeschnitten & weggeworfen, denn das einzig skandalöse an dem Spiel waren doch eigentlich: die Trikots! Endlich mal wieder ein Podcast über die wichtigen Dinge im Leben: Anziehsachen! Textilvergehen galore!

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Andora macht was.

Wenn meinem Neffen ein Verb fehlt, er eine Tätigkeit also nicht exakt beschreiben kann, sagt er immer: “Der macht was.” Das finde ich außerordentlich klug für jemanden, der drei Jahre alt ist und noch nicht so viele Wörter kennt. Ich bin ungefähr elfmal so alt, und es kommt nicht mehr gar so häufig vor, dass ich die Frage, ob ich reiten war, mit “Nee, ich hab aufm Pferd gesitzt” beantworte.

Nichtsdestotrotz fehlt mir gerade jetzt ein Wort. Eines, das beschreibt, was Andora am Donnerstag auf der Veranstaltung “FUSSBALL?! Soziale Kreativität oder Wirklichkeitsflucht? Alles eine Frage des Glaubens” zu tun beabsichtigt. Zwischen bekehren, taufen und totquatschen ist alles möglich. Es wird in jedem Fall sehr eindrucksvoll sein, und ganz sicher wird Andora gemeinsam mit Wolfgang Matthies den 1.FC Union Berlin würdevoll vertreten. Unterstützt ihn dabei, geht alle hin, und vergesst eure Schals nicht!

andora

[Wer sich vorher zum Thema einlesen möchte: "Fußballgott: Elf Einwürfe", herausgegeben von Andreas Merkt.]

14. Januar 2010 um 19:00 Uhr
Humboldt-Universität Berlin
Theologische Fakultät
Burgstraße 26
Raum 117
Eintritt frei

Frag doch mal die Maus!

Malermario: “Warum trägt man bei UNION den Bunki der Woche, und dazu in rosa ?”

Zum Trainingsauftakt nach Weihnachten fielen neben den mittrainierenden Juniorenspielern und Testspieler Paul Thomik vor allem Björn Brunnemann und Dominic Peitz auf. Beide trugen über der Trainingskluft Leibchen, die sie von den anderen Spielern abhoben. Auf dem gelben Hemd von Peitz stand “KDV der Woche” und auf dem rosa Oberteil von Brunnemann “Bunki der Woche”.

2009_12_28_bunki_der_woche

Beides sind “Auszeichnungen” für diejenigen, die beim Ausschießen, zum Beispiel beim Lattenschießen, als letzte übrig bleiben. Die Leibchen müssen bis zur Weitergabe an den nächsten im Training getragen werden. Mitgebracht aus Hamburg hatte diesen Brauch Nico Patschinski, der mittlerweile vom Arbeitsamt finanziert beim ehemaligen Verein des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR spielt. Bei St. Pauli ist es Brauch, dass die letzten vier beim Ausschießen für eine Woche Brösel-Shirts tragen müssen.

Als Union in der Spielzeit 2005/06 durch die Oberliga-Nord des Nordostdeutschen Fußballverbandes tingelte, hielt sich die Medienaufmerksamkeit für den am Abgrund taumelnden Verein in Grenzen. Lediglich zwei Journalisten waren beständig dabei: Mathias Bunkus vom Berliner Kurier und Klaus-Dieter Vollrath von der Bild. Wie genau die Wahl auf die beiden fiel, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Es war eine Wertschätzung der Arbeit der beiden Journalisten, die sich mal in Zuneigung und mal in Abneigung äußerte. Trotzdem Patsche nicht mehr bei Union ist, hat sich der Brauch gehalten. Und eine Ablösung der beiden Shirts ist nicht in Sicht, auch wenn heute ungleich mehr Medienberichterstatter den Verein begleiten.

Wie es zu der Farbwahl kam, ist unklar. Klar ist allerdings, dass Björn Brunnemann die Farbe rosa auch schon zu seinen Hamburger Zeiten ausgezeichnet stand.

Einwickelpapier.

Es ist die Zeit der gemütlichen Interviews. Gestern der Präsident, heute der Trainer. Winterpause eben. Daran kann man sie erkennen. Und am Bratapfelduft.

Weil aber Uwe Neuhaus eben Uwe Neuhaus ist, beantwortet er die Frage, ob Union das Beste sei, was ihm passiert sei, vollkommen uweneuhausmäßig:

“Man weiß ja nicht, ob nicht hätte noch etwas Besseres passieren können.”

So eine Antwort ist ja irgendwie die wohlerzogene kleine Schwester von Claus-Dieter Wollitz´Cottbus-Fanschal.

Vorstellungsgespräch.

Ich kann mir unter vielen Berufen etwas vorstellen. Ich weiß, was ein Bäcker, ein Fleischer, ein Schlosser, ein Schweißer & eine Lehramtsanwärterin machen – über den Berufsalltag eines Pressesprechers weiß ich exakt genau: Nichts. Man soll aber fragen, wenn man was nicht weiß. (Hab ich, glaube ich, in der Sendung mit der Maus gelernt.)

Weder Sebastian noch ich verbanden ein konkretes Bild mit dem Begriff einer Medienpartnerschaft. Uns hat interessiert, wie die Maßgaben des Vereins zum Umgang mit den Medien aussehen, nachdem wir über die Beschwerden der Pressevertreter inzwischen ganz gut Bescheid wissen und selbst auch eine eher nörgelnde Haltung dazu vertreten haben. Aus höchst eigennützigen Motiven wollten wir schließlich etwas darüber erfahren, ob und inwieweit sich der 1.FC Union Berlin mit Fragen der Vermarktung in den Neuen Medien beschäftigt.

Lauter gute Gründe, beim Pressesprecher des Vereins, Christian Arbeit, zum Kaffeetrinken & Reden vorstellig zu werden. Ein Büro, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag, übrigens. Klippklapp. Tür auf, Tür zu. Kommst Du mal? Kannst Du mal? Hast Du mal? Weisst Du mal? Telefon. Trotzdem hat er sich Zeit und uns ernst genug genommen, alle unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Wir schätzen das sehr und danken für das Gespräch!

Der erste und uns wichtigste Teil des Gesprächs wird dabei im vollständigen Wortlaut wiedergegeben. Darin gibt Christian Arbeit einen Einblick in die Arbeit der Presseabteilung und bezieht auch Stellung zum aktuellen Verhältnis des Vereins zur Presse. Die beiden anderen Fragen erscheinen zusammengefasst darunter.

*****

Was macht ein Pressesprecher eigentlich den ganzen Tag?

Zu dem Bild, das man benutzen muss: Im Grunde bin ich ein Dienstleister für verschiedene andere Abteilungen im Verein. Die Gewichtung ist unterschiedlich. Die empfindlichste Stelle ist der Bereich Sport, wo es von Seiten der sportlichen Leitung sehr konkrete Bedürfnisse gibt. Nämlich eine wirre Fülle verschiedenartigster Medienanfragen in irgendeiner Art zu kanalisieren und im Zweifelsfall in irgendeiner Form zu steuern. Oberstes Gebot, und da zitiere ich gerne den Kollegen Markus Hörwick vom FC Bayern, ist der Schutz der eigenen Mannschaft. Das ist die wichtigste Aufgabe. Denn ich bin ja der Pressesprecher des Vereins und nicht der oberste Redakteur der Berliner Sportberichterstattung. Insofern ist die Sichtweise natürlich klar geprägt von den Anforderungen, die bestimmte Abteilungen des Vereins stellen.

Zu den Aufgaben kommt, wenn man sich vom reinen Sportumfeld und der Nähe zur Mannschaft trennt, hier bei Union auch generell die Produktion von Nachrichten beziehungsweise die Überlegung, welche Informationen geben wir wann und in welchem Umfang raus. Wofür gibt es den geeigneten Zeitpunkt? Bearbeiten wir ein Thema eher offensiv oder defensiv? Solche Dinge zu besprechen, zur Entscheidung zu bringen und dann entsprechend umzusetzen: Das macht ein Pressesprecher den ganzen Tag.

Gibt es eine Policy der sportlichen Leitung zur Medienarbeit? Hat sie sich im Vergleich zur letzten Saison verändert und hattet Ihr einen Einfluss daruf? Und gibt es Vorgaben von der DFL zur Medienarbeit?

Man könnte sagen: Es gibt eine Policy. Aber die ist nicht in einen griffigen Satz gebracht. Die erklärt sich am ehesten aus der Geschichte der Mannschaft heraus. Wir haben eine Mannschaft, in der jeder einzelne Spieler immer wieder an das obere Limit seiner persönlichen Fähigkeiten gehen muss. Jeder, der sein eigenes Tun und Handeln reflektiert, weiß, dass so eine Art Konzentration immer anstrengend ist. Besonders, wenn man sie über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten muss. Außerdem erfordert sie, dass man Erholung, Regeneration und Freizeit sehr sorgfältig behandelt.

In dem Wissen, dass wir keine Mannschaft von gestandenen Nationalspielern haben, die über sagenhafte und herausragende individuelle Klasse verfügt, sondern über Spieler, die zum Teil vor drei Jahren noch viertklassig gespielt haben und jetzt im Vorderfeld der zweiten Bundesliga mitspielen. Da kann man sich vorstellen, dass das Bestreben, die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Spieler zu erhalten, sehr hoch ist. Man könnte sagen: Je weniger Ablenkung vom wesentlichen desto besser. So könnte man im Grunde die Policy auf den Punkt bringen.

In der Tat ist es so, dass im Grunde schon die dritte Liga im Vergleich zur Regionalliga einen deutlichen Sprung nach vorne erbracht hat, was die Medienberichterstattung anging. Die zweite Liga, oder generell der DFL-Bereich, bedeutet noch einmal einen Quantensprung. Sichtbarstes Zeichen in der zweiten Liga ist ja die Aufsplittung des Spieltages auf vier verschiedene Tage und vier verschiedene Anstoßzeiten. Da war es tatsächlich so, dass es eine Tagung der DFL mit den entsprechenden Pressesprechern vor der Saison gab. Dort wurden die Veränderungen aus dem neuen Fernsehvertrag dargelegt und von jedem Sender, der Rechte hält, das Sendekonzept erläutert. Hinterher haben sehr erfahrene Pressesprecher, zum Beispiel von Werder Bremen oder Bayern München, gesagt: Das sind jetzt völlig neue Herausforderungen an die Abwehrarbeit. Wie bekomme ich es hin, wenn ich drei TV-Stationen unmittelbar am Spielfeld habe und Spieler XY gerade Rot gesehen hat, weil er dem Gegenspieler eine runtergehauen hat, dass der sich erst einmal beruhigt. Und zwar bevor er etwas unbedachtes in die Kamera plaudert. Das heißt nicht, dass er niemals etwas sagen darf, sondern ich muss im Sinne des Vereins mich manchmal auch schützend vor Leute stellen, um Schaden vom Verein abzuwenden. Sonst sagt der etwas in die Kamera, noch einmal eine Unsportlichkeit und dann dauert die Strafe extra lange. Wunderbar. Dann hat man ja viel gekonnt. Anders sieht es aus, hat er zwei Stunden Zeit oder wir sagen „Geh erst einmal duschen und danach kannst Du noch einmal in die Mixed Zone!“ Das ist natürlich unpopulär, weil die schreibenden Journalisten alles schon verschickt haben wollen. Da müssen wir als Presseabteilung sagen: „Unsere Aufgabe ist es, die Interessen des Vereins wahrzunehmen. Wenn die in bestimmten Punkten, und die Punkte erreichen wir täglich, nicht in Übereinstimmung mit den Interessen der Medien zu bringen sind, dann setzen wir die Interessen des Vereins durch. Wenn es sich nicht vermitteln lässt.

So gesehen hat sich zur vergangenen Saison geändert, dass wir noch konsequenter bestimmte Dinge kontrollieren und reglementieren. Es nutzt einfach nichts, wenn ein durchschnittlich begabter Fußballer sich unvermittelt jeden zweiten Tag riesengroß in der Zeitung sieht. Das hilft ihm nicht.

Die Arbeit ist viel einfacher, als viele Journalisten glauben, da es viele Spieler gibt, die diese Funktion zu schätzen wissen und sie ganz aktiv wahrnehmen. Sie nutzen die Presseabteilung, und so haben wir es den Spielern vor der Saison angeboten, um Dinge von sich weg zu halten. Das ist schon deshalb wichtig, weil natürlich der Umfang der Medienarbeit mit den Spielern trotzdem viel größer ist als in der letzten Saison. Nur der Fokus, und da darf man sich nichts vormachen, liegt auf dem Fernsehen. Wenn die Fernsehrechte für Hunderte Millionen verkauft werden, dann ist auch klar, wer die größten Ansprüche stellt: Derjenige, der das gesamte System finanziert. Also sind natürlich nach jedem Spiel die Spieler und Trainer zunächst für die Fernsehstationen da, bevor dann die restliche Verwertungskette zum Schluss mit der Pressekonferenz für die schreibende Zunft endet.

Habt ihr trotz der Vorgaben von der DFL die Möglichkeit, die Fernsehanfragen nach Spielern abzulehnen?

Da hängt die DFL sich nicht rein. Das ist klar, denn der Spieler ist unser Angestellter und nicht Angestellter der DFL. Im Grunde läuft da aber die Zusammenarbeit tadellos. Nach jedem Spiel kommen die Vertreter von Sky und vom DSF auf uns zu und geben uns die Namen, die sie gerne hätten. Das ist selten besonders überraschend. Ich sehe das Spiel ja auch und kann eigentlich vorher sagen, wen sie haben wollen. Aber da kann man im Zweifelsfall sagen: „Pass mal auf, den lassen wir heute weg. Was haltet Ihr von dem und dem?“ Das funktioniert absolut entspannt und interessanterweise völlig konfliktfrei.

Es gibt ja diese Diskussion um eine schwierigere Zusammenarbeit zwischen Medien und Verein. Und da steht Matze Koch mit seiner Meinung nicht alleine. Auch andere Journalisten haben das angemerkt. Du hast diese Diskussion im Vorgespräch als „absurd“ bezeichnet. Weshalb?

Absurd, weil im Grunde unglaublich viel möglich ist. Und jeder, der es wahrnimmt, auch unheimlich viel bekommen kann. Allerdings in erster Linie zu dem Thema, mit dem wir uns hier in erster Linie befassen. Wir sind ein Fußballverein und wir haben Leute, die hier Fußball spielen. Jeder Journalist kann die Trainingszeiten einsehen. Nach jedem Training ist es möglich, hier mit Spielern zu sprechen. Im Prinzip eine Situation ähnlich der Mixed-Zone. Wenn man den Spieler allerdings eine halbe Stunde interviewen möchte, dann muss man schon allein deshalb Bescheid sagen, damit wir dafür die organisatorischen Voraussetzungen schaffen können. Wenn es drei Fragen sind, wie es im Normalfall ist, funktioniert das völlig problemlos.

Es gibt Leute, die jeden Tag hier sind. Interessanterweise kommt dann mitunter von den Leuten, die das allermeiste wahrnehmen und auch das allermeiste bekommen, der Vorwurf, sie würden hier nichts bekommen. Und das ist letztlich das Absurde daran. Der Name Mathias Koch fiel ja und wir müssen da kein Geheimnis daraus machen. Er ist im Grunde jeden Tag zu jeder Trainingseinheit hier. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Jedes erdenklich mögliche Foto, das unsere Spieler im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zeigt, hat er.

Und da kommen wir auf den Punkt, den ich vorhin angesprochen hatte: Regeneration, Konzentration, Freizeit. Wenn ein Spieler seine Freizeit nutzt, um mit seiner Familie einen Ausflug zu unternehmen. Wunderbar. Aber natürlich möchte das Trainerteam nicht, dass Journalisten das Freizeitprogramm unserer Spieler organisieren. Wenn Spieler XY gerne in den Tierpark gehen möchte. Gerne. Aber ich sehe überhaupt keinen Grund, einem Fotografen Bescheid zu sagen.

Wir hatten solche Situation schon gehabt, dass ein Journalist zu mir kam und sagte: „Ich möchte mit dem Spieler gerne mal auf den Müggelturm gehen.“ Und der Spieler steht daneben und kuckt groß und sagt: „Was soll ich denn auf dem Müggelturm?“ – „Ja, können wir auf einen anderen Turm gehen.“ – „Ich will überhaupt nicht mit Dir auf einen Turm gehen.“ Dann schaue ich den Journalisten an sage: „Noch Fragen?“

Es ist doch klar: Jede Begleitung in der Freizeit erfordert wieder irgendeine Form der Organisation. Der Spieler muss sich mit dem Journalisten verabreden, auseinandersetzen, treffen. Es ist anders. Es ist keine Erholung. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie sie eigentlich gewünscht ist.

Das ist in der Diskussion mal schön benannt worden: Was es nicht gibt, ist der Spieler am Giraffengehege.

Es sind ja vor allem Printjournalisten, die sich beschweren. Geht es ihnen nicht vor allem darum, dass ihr als Mittler auftretet und damit der direkte Kontakt zu den Spielern verloren geht? Die Spieler fragen die Journalisten, ob bestimmte Anfragen durch den Verein genehmigt sind, oder Informationen werden durch euch gefiltert.

Es ist wahrscheinlich in jedem Unternehmen so, wenn Du als Mitarbeiter zu Deinem Unternehmen befragt wirst, riskierst du einiges, wenn Du einfach so erzählst. Das ist ja nicht nur bei Fußballmannschaften so sondern überall. Im Gegensatz zu anderen Vereinen wie zum Beispiel Energie Cottbus oder Bayern München haben wir das an die Presse nicht explizit als Brief verschickt. Es gibt Vereine, die machen das. Die sagen: „Jedes Gespräch muss vorher angemeldet sein, sonst reagieren wir als Verein in irgendeiner Form.“ Das muss ja zwangsläufig mit einer Sanktionsandrohung verbunden sein. Wenn ich also weiß, dass Journalist XY aber doch, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen, den Spieler angerufen, dann müsste ich reagieren und dem Journalisten die Akkreditierung für das nächste Spiel entziehen oder ähnliches. So könnte das laufen. So ist es bei uns aber nicht.

Es ist so, dass es Journalisten gibt, die Telefonnummern von Spielern besitzen. Das können wir auch gar nicht verhindern. Dann ist er natürlich in der Lage, den Spieler anzurufen. Und hier kommt im Prinzip das, was ich vorhin angesprochen habe, ins Spiel. Wir haben vor der Saison den Spielern die Mediensituation vor Augen geführt. Wir haben ihnen erklärt, was die besonderen Anforderungen und die Veränderung zur vergangenen Saison sind. Wir haben den Spielern  angeboten, ihnen dabei behilflich zu sein und uns als Dienstleister wahrzunehmen. Und das tun sie zum großen Teil. Das ist in der Intensität von Spieler zu Spieler verschieden. Es gibt Spieler, die kommen und sagen: „Jetzt war ich in den letzten drei Wochen fünf Mal bei irgendwelchen Geschichten dabei. Jetzt möchte ich mal ein bisschen Pause haben.“ Und es gibt Spieler, die jedes Zitat vorher gegenlesen wollen. All das gibt es. Das zeigt auch, dass vielen Spielern sehr wohl bewusst ist, wie intensiv diese Situation ist und wie wichtig ihnen Konzentration ist. Die wollen ihren Platz in der Mannschaft nicht aufs Spiel setzen. Und zwar nicht, weil sie sich um Kopf und Kragen reden, sondern weil sie merken, dass nur, wenn sie die tägliche Trainingsarbeit absolvieren und die Spiele hochkonzentriert angehen, sind sie ind er Lage das hohe Leistungsniveau zu erreichen, das sie jetzt gerade haben. Das ist ein gutes Zeichen.

Natürlich resultieren daraus Schwierigkeiten, bunte Geschichten zusammenzubekommen. Da kommt man an den Punkt, wo wir nicht helfen können. Wenn man es auf diesen Punkt bringt, müssen wir sagen: „Nein, das liefern wir nicht.“

Die Auseinandersetzung darum, welche Geschichten möglich sind und welche nicht, gehen nicht erst seit drei Wochen. Sie begleiten mich ja, seit ich hier angefangen habe. Trotzdem steht aber jeden Tag etwas in der Zeitung. Ich sehe im Grunde eigentlich keinen Grund zur Klage. Offenkundig ist es nur nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Aber es ist ja nicht unmöglich über Union zu berichten

*****

Medienpartnerschaft. Zu Beginn dieser Saison wechselte der Verein seine Medienpartner. Im Printbereich ist die B.Z. an die Stelle des Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) getreten. Im Radio ging es von StarFM zu Radio Berlin. Die Gründe dafür waren einerseits, so Christian Arbeit, dass die bisherigen Verträge ausgelaufen waren, andererseits und wohl auch maßgeblich, dass andere Publikumsgruppen angesprochen werden sollten. Im Radio ist es dabei nur vorteilhaft, dass Union nun im reichweitenstärksten Radiosender in Berlin und Brandenburg häufiger Erwähnung findet. Es habe aber Interesse von allen großen Sendern der Region gegeben. Im Print sei die B.Z. ein geeigneter Partner, um ganz Berlin gleichermaßen zu erreichen.

Christian Arbeit betont zugleich, dass eine Medienpartnerschaft im Print nicht mit dem Erkaufen einer wohlmeinenden Berichterstattung verbunden sei. Vielmehr ist unter einer Medienpartnerschaft ein Vertrag zwischen der Sponsoringabteilung des Vereins und der Anzeigenabteilung des Verlags zur gegenseitigen Überlassung von Anzeigevolumen zu verstehen. Der vorherige Partner Berliner Verlag hatte sich entschieden, im Vereinsumfeld die Marke Berliner Kurier zu plazieren. Im Gegenzug bot man dem  Verein die Möglichkeit, Anzeigen sowohl in der Berliner Zeitung als auch im Berliner Kurier zu schalten.

Der Leiter der Anzeigenabteilung des neuen Partners B.Z., habe bereits direkt nachgefragt, ob Redakteure unter Hinweis auf die Medienpartnerschaft versuchten, an exklusive Informationen zu kommen. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. Die Zeitung hätte, erklärt Christian Arbeit, natürlich ein Interesse daran, dass das nicht passiert, da man sich auch das Recht vorbehalten möchte, den Medienpartner Sportverein boulevardmäßig zu behandeln, oder, wie es Christian formuliert: draufzuhauen. Das Interview des Präsidenten Dirk Zingler zu den Forderungen an die ISP in der B.Z. sei von der Medienpartnerschaft unabhängig entstanden. Man überlege im Verein vorher, ob und wo man bestimmte Informationen exklusiv publiziert. Eine grundsätzliche Festlegung auf eine bestimmte Zeitung gäbe es dabei nicht.

Neue Medien. Die Entwicklungen, die stattfinden, werden sehr genau beobachtet. Allerdings sei es nicht so, dass zum Beispiel AFTV ein Vorbote eines bezahlpflichtigen Angebots sei. Dafür müsste entsprechendes Material exklusiv produziert werden und momentan sei dies nicht angedacht. Es sei eine Ergänzung auf der Website und für die Videowand im Stadion. Die Auseinandersetzung zwischen eyep.tv und fcbayern.tv um die Frage, ob die Pressekonferenz eine exklusive Geschichte des Vereins sei, wurde aber auch in der Presseabteilung beobachtet.

Die Sage vom schwarzen Oktober

Alljährlich geht sie im um im Stadion an der Alten Försterei: Die Sage vom Schwarzen Oktober. Das ist die Zeit, in der der Regen nicht nur das Spielfeld im Stadion matschig, sondern auch die Knie der Kicker des 1. FC Wundervoll weich werden lässt. Unsere Jungs spielen dann einen gepflegten Fußball, der darauf schließen lässt, dass die Töppen mit Gummistiefeln getauscht wurden. Auch ein legendäres Spiel, das als “janz enge Kiste” in die Historie einging fiel auf einen Oktobertag.

Warum ausgerechnet der Oktober? Ein letzter Fluch des Oktobergeburtstagskindes auf dem Sterbebett? Um herauszufinden, was es mit dieser Legende auf sich hat, musste mal wieder eine Tabelle her. Die Oktoberspiele der letzten zehn Jahre zusammengefasst kommt man auf folgendes Ergebnis. Nur vier Spielzeiten weisen einen negativen Trend für den Oktober aus, d.h. es wurden weniger als 50% der möglichen Punkte geholt. Die Legende ist halt doch nur eine Legende.

Über den Abstieg sagt der Oktober nichts aus. Das wurde sowohl mit einem positiven als auch negativen Trend “geschafft”. Nur aufgestiegen ist die Mannschaft bei einem schwarzen Oktober noch nie. Folgerichtig müsste die Bild, wenn es für die Mannschaft im Oktober schlecht läuft, ihre Kampagne “Projekt Durchmarsch” abblasen.

schwarzer_oktober

Von Schicksen und Schrecksen.

Als ich Andora das erste Mal traf, hatte ich keine Ahnung. Ich meine wirklich gar keine Ahnung. Ich hatte ihn kurz im Grüne-Hölle-Film gesehen und dachte, wat´n Tüp, ey. Ich kannte seine Madonna, seine Fahne, seine Kunst. Ich wusste, dass er Unioner ist. Das schien mir genug Wissen, für den Anfang. Ich war schlecht vorbereitet. Und dann fing er an zu reden, und reden kann er gut, viel, lange und völlig frei von Bescheidenheit, mit dieser Stimme von dem Wolf aus dem Märchen, bevor der die ganze Kreide fraß – man konnte ihn nicht nicht mögen. Er erzählte eine ostwestdeutsche Biografie, in der eine Republikflucht vorkommt, einen Künstlerlebenslauf und eine Fußballfankarriere. Das ist alles er, und ich: beeindruckt. Ich habe noch nie jemanden auf diese Weise Wodka trinken sehen.

Das zweite Mal begegnen wir uns, um den Aufstieg zu feiern. “Und Du komma her, Du krichst uff´s Maul”, sagt Andora und meint damit Insgesichtküssen, begrüßungshalber. Das erklärt er mir aber erst später. Seinem Tonfall kann man die friedliche Absicht nicht ohne Weiteres entnehmen, so dass ich flink einen Schritt zurückhüpfe und erstmal witternd mit den Schnurrhaaren wackle – wer gerne Eichhörnchen beobachtet, hätte an diesem Moment viel Freude gehabt.

Wir verabreden uns zum Nachtwachen auf der Stadionbaustelle, da sehen wir uns das dritte Mal. Andora hat seinen Hausmeisterschlüsselbund schon abgegeben und stellt jetzt den Rasensprenger um. Er war mal Friedhofsgärtner, sagt er, und dass er weiß, wie das geht. Er war auch mal Heizer. Und hat dabei die zartfühlende Seele einer Mutter, sogar morgens um fünf: “Ich wisch mal noch die Tische ab, damit die Frühschicht dit´n bißchen nett hat. Dit finden die jut.” Wären welche zur Hand gewesen, hätte er auch Häkeldeckchen verteilt, damit sich alle wohl fühlen. Selber schläft er, wenn er denn zwischen nachts wachen und tags arbeiten dazu kommt, im künftigen Polizeicontainer auf ausrangierten Sportmatten. Ihm ist es wichtig, diesen Stadionumbau mitzumachen. Die anderen hatte er verpasst, irgendwie, und das Hüftgelenk ist ja praktisch wie neu.

Wann immer ich an Andora denke, fällt mir der andere große Zeichner und Geschichtenerzähler ein.

Oben ist unten, und hässlich ist schön.

[Walter Moers: Der Schrecksenmeister.]

Bei Andora ist nichts das, als was es erscheint. Oder jedenfalls nie sehr lange. Etwas, das eben noch ein unscheinbarer blauer Bauhelm war, wird zur tragbaren Skulptur. Ein Raffael wird Pop-Art, eine Lampe zum Wechselbild. Man weiß vorher nie so genau, was in den Dingen steckt. Fehlt ein Spezialkringel, wird er kurzerhand erfunden. Wer sagt denn, dass ein Buchstabe keine Wimpern hat? Auch das ist eine Art, sich die Welt zueigen zu machen.

Wenn man Andora nach einer Selbstbeschreibung fragt, sagt er trotzdem nicht Erfinder, Künstler, Fußballfan, oder Unioner. Er sagt: “Botschafter”, und ich nicke dazu. Alles, was an Fußballkultur bunt ist, laut bis an die Grenze des Kreisch, dabei aber trotzdem friedlich, vermittelt er. In seinem Freundes- und Bekanntenkreis finden sich alle Sorten Menschen, auch zwischen denen vermittelt er. Es passt nämlich viel Liebe in ein großes Herz. Und die Botschaft vom besten Fußballverein der Welt vermittelt er – allen, die es hören wollen, und den anderen auch.

Ich bin immer noch beeindruckt. Nicht nur des Wodkas wegen. Über den Mann müsste wirklich mal einer was schreiben.

“Ich bin ein Fan, der Präsident seines Lieblingsvereins geworden ist.”

Ausnahmsweise ist nicht Dirk Zingler gemeint, sondern Corny Littman. Ein durchaus lesenswertes Interview über Fußball, Theater und Schwulsein gibt´s heute bei spiegel.de.

Schwulsein ist nicht abendfüllend. Man macht als Schwuler auch noch andere Sachen, außer mit Kerlen ins Bett zu gehen. Wenn jemand hinter die Kulissen blickt und meine Arbeit sieht, wird es immer unwichtiger. Im Verein selbst spielt es absolut keine Rolle.

[Corny Littmann]

Sich keine Blöße geben lassen.

Matze Koch fragt, und Kenan Sahin antwortet. Gesprochen wird übers nach Berlin kommen, geboten werden überdies seltsame Untertitel und ein prachtvolles Beispiel für eine falsch verwendete Redensart. Alles, was ein klassisches Spielerinterview auszeichnet.

(Und warum isser jetzt nochmal aus Düsseldorf weg? Die einen sagen so, er selber erzählt aber was anderes, irgendwie. Expertenmeinungen? Klatsch & Tratsch? Ich wünsche mir Hustenbonbons und etwas Unterhaltung, bitteschön – dankeschön!)

Deutschbuch für ausländische Ballkünstler.

Nachdem man als Fotograf die Bilder von Avedon und Cartier Bresson gesehen hat, formuliert man vor Verzweiflung seine Berufsvorstellungen neu. Zahnarzthelferin. Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Oder Lebenshelferin.

Das RUND-Magazin hat einen Beitrag über Dennis Pauschinger gemacht, den Dolmetscher von Alex Silva und Thiago Neves. Dennis Pauschinger leistet genau das: Lebenshilfe.

Ein Satz für das Wortschatzkästchen:

„Sprache ist sehr wichtig“, sagt HSV-Trainer Jol, „man kann ohne Sprache kommunizieren, aber mit ist es einfacher.“

[Roger Repplinger: Lass mich mit Waschmaschinen zufrieden, via dugehstniemalsallein.de]

(Ich müsste jetzt hier irgendwas schlußfolgern, aber nö, vergiß es, ich erfreue mich einfach an der Vorstellung, dass es in diesen Breiten Menschen gibt, die wissen, was genau man mit Manioka machen muss, damit Essbares daraus entsteht, und dieses Wissen mit Fußballerehegattinnen zu teilen bereit sind. Ich wöllte, ich könnte das auch.)