Archive for the 'nachdenken' Category

Schlagzeilen.

Pleiten, Pech und Pannen. Alles so schön geplant. Kurztrainingslager auf echtem Rasen, Teambuilding und mal schnell noch drei Punkte beim Tabellenletzten mitnehmen. Friede, Freude Eierkuchen. Und dann schön Ruhe haben.

Manchmal hilft die beste Planung nicht. Und alles, was man anfässt, geht schief. Wir unterhalten uns über das Spiel auf dem Dorfanger in Ahlen und über die Figur, die die Verantwortlichen des 1. FC Wundervoll bei der Berichterstattung zum Überfall auf Spieler am Rande des Spiels Schalke gegen Dortmund abgegeben haben.

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Verschiedene Perspektiven einer teambildenden Maßnahme

Manchmal ist es ganz interessant zwischen den Zeilen zu lesen. Daniel Göhlert, heute gegen Ahlen mit Gelb-Rot vom Platz gegangen, schrieb im Trainingslagertagebuch vom Besuch des Spiels Schalke – Dortmund:

“Erst kommt man nicht hin – dann kommt man nicht weg. Obwohl wir pünktlich los gefahren sind, haben wir es gerade so zum Anpfiff geschafft und bis man nach Abpfiff wieder losfahren kann, geht auch eine halbe Ewigkeit ins Land. Wir waren dementsprechend spät im Hotel, für unsere Verhältnisse jedenfalls… “

Die Berliner Morgenpost schilderte die Ereignisse, die die Abreise aus der Werbename-Arena verzögert haben, gespickt mit vielen Konjunktiven etwas anders:

Nach Informationen von Morgenpost Online wartete eine Gruppe von zehn bis 15 Schalker Hooligans am Mannschaftsbus und griff die Berliner an, als diese ihr Gefährt besteigen wollten. Spieler und Trainer flohen daraufhin über den Parkplatz und versteckten sich hinter parkenden Autos. Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan soll bei der Attacke ein blaues Auge erlitten haben, außerdem soll ein weiterer Spieler leicht verletzt worden sein.

Mal abwarten, was sich hieraus noch ergibt.

[Update]: Von Vereinsseite wird es keine Stellungnahme zu dem Text aus der Morgenpost geben. Pressesprecher Christian Arbeit gab an, dass es keine Anzeige bei der Polizei gegeben habe und kommentierte die Meldungen mit “Alles Quatsch!”.

[Update 01.03.2010]: Mathias Bunkus schreibt im Berliner Kurier sehr nüchtern:

Bei diesem Trip hat auch gar nichts geklappt. Erst geriet das Team am Freitag nach dem Besuch des Spiels Schalke gegen Dortmund mit Fans in eine Auseinandersetzung. Am Ende zierte ein Veilchen Hüzeyfe Dogans Auge. Am Sonnabend zog Dominic Peitz beim Torschusstraining durch – Carsten Busch brach sich Schien- und Wadenbein. Das wieder ließ Kenan Sahin ausrasten – Tribüne in Ahlen. Keinesfalls aus disziplinarischen Gründen, so Neuhaus.

[Update 02.03.2010]: Entgegen ersten Ankündigungen hat der Verein am 01.03. doch eine offizielle Mitteilung herausgegeben. (Danke an Keano für den Hinweis in den Kommentaren.)

Der Blick von außen

Wahrnehmung ist ein wichtiges Thema. Dazu gehört die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung. Wie nehmen wir uns als Fans war und wie werden wir als Fans wahrgenommen? Die Fremdwahrnehmung hat dazu noch verschiedene Perspektiven. Wie werden wir vom Verein wahrgenommen? Wie werden wir von den Medien wahrgenommen? Wie werden wir von anderen Fußballfans wahrgenommen? Bei der Wahrnehmung spielt ein Phänomen eine Rolle, dass als kognitive Konsistenz bezeichnet wird. Kurz gefasst beschreibt der Begriff das Verhalten, dass nur Informationen wahrgenommen werden, die dem eigenen Wertebild entsprechen. Sämtliche andere Informationen würden gefiltert werden. So entsteht ein gefestigtes Bild an dem zu kratzen sehr schwer ist. Dem ganzen entspricht auch die Redewendung “Man liest eine Tageszeitung, um seine eigene Meinung bestätigt zu bekommen.”
Nun hat Bushido für das Schülermagazin “Spiesser” eine Vertretungsstunde in Berlin gehalten. Die nächste Stunde in dieser Klasse sollte sich einmal mit kognitiver Konsistenz beschäftigen.

Yasmin: Bist du auch öfter bei Hertha zum Fußballspiel?

Bushido: Ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin von Hertha. Ich wäre gerne stolz auf sie. Ich bin Berliner, und Hertha gehört zu Berlin. Aber wir sind Letzter, Mann. Naja, vielleicht kommt ja dann bald Union…

Die Klasse schäumt: Moment mal, Bushido! UNION? Der Club mit dem rechten Ruf? Sollen wir dir mal das Image polieren?

Markus: Union, das sind doch alles Rechte.

Bushido: Das kannste doch so gar nicht sagen, Mann.

Markus: Doch, ist so.

Bushido: Das ist, als würdest du sagen: Bei Turkiyemspor sind nur Kanaken. Beide Vorurteile kannste dir eigentlich in die Haare schmieren.

Koblenz, Ahlen und Rostock oder die 10 Tage der Wahrheit

Heute mal ein Gastbeitrag von Stefan, der sich Gedanken über den aktuellen sportlichen Stand der Mannschaft macht. Stefan ist Unioner im Exil – heute in Glasgow lebend und froh über jeden Piratensender, der ihm die Möglichkeit gibt, Livespiele zu verfolgen. Verbunden ist er der Fan Einheit Köpenick, einem Zusammenschluss mehrerer Unioner.

Das Saisonziel heißt Klassenerhalt – doch wie weit sind die Eisernen noch davon entfernt? Trainer Uwe Neuhaus ließ am Anfang der Saison verlauten, dass er von 40 Punkten zum Erhalt der Klasse ausgeht. Aktueller Stand vor dem Spiel am Freitag: 30 Punkte. Alles im Lot könnte man sagen. Noch mehr als 13 Spiele vor der Brust und lediglich 10 Punkte werden zum Minimalziel benötigt. Das bedeutet doch, dass man pro Spiel im Schnitt weniger als 1 Punkt holen muss. Wunderbar.

Die Wahrheit sieht aber derzeitig ein bisschen anders aus. Aus den letzten 14 Spielen holte man lediglich 13 Punkte (3 Siege, 4 Unentschieden). Man muss kein Mathematik-Talent sein, um so sehen das die derzeitige Punkte-Ausbeute pro Spiel tatsächlich unter einem Punkt liegt. Also doch nicht alles im Lot?

Auf Grund der widrigen Wetterbedingungen, fiel das Spiel in Rostock aus und wurde auf Mittwoch den 24.02. verschoben – eine englische Woche also. Am Freitag starten die Eisernen gegen die TuS aus Koblenz, gegen die im Hinspiel ein Unentschieden gelang. Rostock am Mittwoch und Ahlen am Sonntag darauf, gegen die Union in der Hinrunde jeweils 3 Punkte eingefahren hat, bilden den Abschluss einer harten und wegweisenden englischen Woche.

Die (zum Teil umstrittenen) Umstrukturierungen in der Mannschaft, gepaart mit dem Verletzungspech einiger Leistungsträger führten in den letzten Spielen zu einer Inkonsistenz in der Leistung. Als Zuschauer wußte man nie, was man am Spieltag zu erwarten hat. “Eindrucksvolles” Beispiel ist der himmelweite Unterschied zwischen den Spielen in Paderborn und dem letzten Heimspiel gegen Augsburg.

Was wird uns am Freitag und in den Spielen darauf erwarten? Der Toto-Wettschein wäre schon eingereicht, wenn ich das wüßte. Drei Spiele gegen Mannschaften aus der Abstiegsregion. Von den Eisernen muss ein klares Zeichen kommen, wenn sie dort am Ende der Saison nicht ebenfalls stehen und doch noch zittern wollen. Die dicken Brocken der Liga stehen noch an. Dort wo St. Pauli, Kaiserslautern und Bielefeld schon längst um jeden Punkt zum Aufstieg kämpfen, wird es nicht einfacher Punkte einzufahren.

Die vermeintlich einfachsten Punkte, holt man gegen die, die in der Tabelle unten stehen. Aber auch die sind längst vom anfänglichen Dauerlauf in den Sprint übergegangen – Koblenz mit nur einer Niederlage in den letzten 5 Spielen, Ahlen mit 2 Siegen aus den letzten 3 Spielen und Frankfurt ohne Niederlage in den letzten 3 Spielen.

In der Hinrunde hat Union gezeigt wie es geht. Ob die Eisernen auf diesen Weg zurückfinden, wird sich zeigen. Die nächsten 3 Spiele werden diesbezüglich ein Wegweiser sein und deshalb hat auch Christian Beeck nicht unrecht, wenn er von einem 6-Punkte Spiel gegen Koblenz spricht. Ohne eine schnelle, deutliche Steigerung der Leistung und auch der Konstanz in der Leistung, könnten vielleicht sogar 10 Punkte aus 13 Spielen knapp werden?! Wie weit wir sind und wie gut “Uns Uwe” die Mannschaft auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet hat, werden wir am Freitag gegen Koblenz sehen…

Neulich in Paderborn

Schwarzes Quadrat

Als ich im Jahre 1913 in meinem verzweifelten Bestreben, die Kunst von dem Ballast des Gegenständlichen zu befreien, zu der Form des Quadrats flüchtete und ein Bild, das nichts als ein schwarzes Quadrat auf weißem Felde darstellte, ausstellte, seufzte die Kritik und mit ihr die Gesellschaft: Alles, was wir geliebt haben, ist verloren gegangen: Wir sind in einer Wüste … Vor uns steht ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund! [..] Das schwarze Quadrat auf dem weißen Feld war die erste Ausdrucksform der gegenstandslosen Empfindung: das Quadrat = die Empfindung, das weiße Feld = das Nichts außerhalb dieser Empfindung.

Reaktion auf Kasimir Malewitschs Gemälde “Schwarzes Quadrat” (Bild: Wikimedia Commons)

Nein, ich heule nicht

Am Montag wurde Steffen “Schuldig” Menze als Trainer bei den Offenbacher Kickers entlassen. Heute Abend spielt Schalke an der Bremer Brücke in Osnabrück. Zwangsläufig kommt die Erinnerung an die Relegationsspiele 2000 wieder hoch. Und dieses verdammte Elfmeterschießen, in dem am Ende sogar die Torhüter gegeneinander antreten mussten (Video1 und Video2).

Eine richtig gute Saison in der Regionalliga Nordost endete auf Platz 1. Trotzdem musste Union gegen Osnabrück aus der Regionalliga Nord den Aufsteiger in die zweite Liga ausspielen. Schon allein diese Ungerechtigkeit ließ mich zu Hause vor dem Fernseher unruhig werden. Die Tabellenersten der der beiden südlichen Regionalligen stiegen schließlich direkt auf. Immer wieder dieser Satz: “Die wollen uns nicht in der zweiten Liga haben.”

Hinspiel in Berlin 1:1. Rückspiel in Osnabrück nach 120 Minuten auch 1:1. Elfmeterschießen. Der zehnte Osnabrücker verschießt. Nun muss nur noch Steffen Menze treffen und alles wird gut. Steffen Menze von dem es heißt:

Mit seiner staksigen Art nicht immer schön anzuschauen, schien er gerade dadurch den Gegner zu verwirren. Nie wäre man auf die Idee gekommen, es als “Kabinettstückchen” oder auch nur als “Trick” zu bezeichnen, wenn er wieder mal an einem Gegenspieler vorbeistolperte, bei dem man dann oft den Verdacht hatte, nur ein plötzlicher Lachanfall ließe ihn diesen Zweikampf verlieren.

www.immerunioner.de

Der Reporter ruft: “Steffen Menze. 13 Tore in der Regionalliga. Ist das hier sein wichtigstes?” Es war Steffen Menzes wichtigstes Nichttor. Dass danach der Osnabrücker Keeper traf und danach den Schuss unseres Torhüters hielt – Nebensache. Steffen Menzes Nichttor nahm mir den Glauben an den Aufstieg. Überhaupt an die Möglichkeit des Aufstieges.

- “Union wird niemals aufsteigen!”
- “Sag mal, weinst Du?”
- “Nein, ich heule nicht!”

Danach Aufstiegsrunde gegen Pfullendorf und Ahlen. Und noch ein Jahr Regionalliga…

Wenn Mutti früh zum Fußball geht …

… und Vati statt dessen zu Hause bleibt, läuft die Welt irgendwie unrund. Für Vati.

Ich stelle an mir selbst fest, dass ich mit der Situation “ich gehe zum Fußball, während der Mann was mit Familie macht” sehr viel besser klar komme als mit der Situation “ich höre 90elf und der Mann geht zum Fußball”. Erstere Situation erzeugt bei mir eine gute Laune, die fast schon verwerflich ist. Ich verhalte mich aber immerhin so sozial, live vom Spiel zu berichten. Der Mann wüsste sonst gar nichts über Rasenfarben, über sowas schreibt ja kein Mensch. In der letztgenannten Situation dagegen geht es mir wie Else in Kirsten Fuchs´Geschichte “Herzlich Willkommen 1946” – irgendwie freut man sich wohl auch, wenn man “ach kieke ma an, wo komm´wir denn her? Grad heut morjen hab ich dit Trauerband um dein Foto jenudelt.” sagt. Irgendwie.

Ich bin weitaus weniger besenartig und manchmal sogar gekämmt, wenn ich diejenige bin, die Mikrofone in Gesichter hält, auf einem Mobiltelefon rumtippt, Pressekonferenzen folgt und mit den Fotografenkollegen schwatzt. Ich sehe und berichte anders und über anderes als ungefähr alle Männer, die ich kenne. Und ich wusste als einzige im gesamten Pressecontainer tatsächlich nicht, in welcher Spielminute dieser geile Fallrückzieher von John Jairo Mosquera exakt in die Handschuhe von Simon Jentzsch fiel. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne: Aha. Zwei Stürmer. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne nicht: Öh? Gar keene Doppel-Sechs? Öh? Peitz statt Younga Mouhani? Ich erkenne ein gutes, weil genaues Zuspiel, wenn ich eines sehe. Manchmal. Ich erkenne prinzipiell keine Torwartfehler, und wenn, dann erkenne ich sie nicht an, soweit es sich um Jan Glinker handelt. Ich bin nämlich außerdem subjektiv und stark von Sympathien geprägt.

Frauen, die sich für Fußball interessieren. Ein Traum.
Ein ganz, ganz schlimmer.

Wie es geht

„Das Mittel der Repression, des Stadionverbots, ist für uns kein Mittel zur Lösung von Problemen, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Wir sind davon überzeugt, dass unser Weg der Kommunikation der richtige ist, denn nur er schafft Verständnis für die Belange der Fans und des Vereins. Nur wer erkennen kann, welchen Schaden er mit seinem Verhalten anrichtet, wird zu der Einsicht gelangen, dass er sein Verhalten ändern muss. Das Stadionverbot ist aber der letzte Schritt, wenn wir unmittelbar Schaden vom Verein abwenden müssen. Genau dann müssen und werden wir ihn auch gehen. Keine der Maßnahmen alleine ist geeignet, die Probleme, die in letzten Wochen aufgetreten sind, zu lösen. Beides zusammen – Kommunikation wenn möglich, Repression wenn nötig – ist in unseren Augen der richtige Weg.“

Präsident Dirk Zingler als Reaktion auf die Vorkommnisse der letzten Zeit.

Spannend wird sicherlich sein, zu sehen, was konkret passiert und wie die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden. Interessant wird auch die Wahrnehmung durch die unterschiedlichen Fangruppen sein, die sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Auf jeden Fall ist es ein Prozess, der die Identität der Fans des 1. FC Wundervoll prägen wird.

Wörter, die ich im Zusammenhang mit meinem Fußballverein nie wieder hören möchte (4)

Randalieren, Pflastersteine, Union-Hooligans.

Kleine Engel.

Am kommenden Sonnabend spielt Union in Rostock und ich in einer Sandkiste.

Bin ich zu alt für Sandkisten? Die Frage kann man sich schon mal stellen. Doch, ich würde sagen: ich bin deutlich zu alt für Sandkisten. Bin ich zu alt für Fußball? Für Fußball ist es nie zu spät und selten zu früh. Für Fußball habe ich genau das richtige Alter. Alter! Und wie war das mit den Sandkisten, mag ich die eigentlich? Ich kann Sandkisten nicht das geringste abgewinnen. Ich würde sogar noch weiter gehen: Ich verabscheue Sandkisten, schon wegen dem vielen Sand. Und Fußball? Fußball ist König. Und Königin auch. Fußball ist wichtiger als. Für Fußball lasse ich stehen & liegen. Den Geburtstag meiner Oma hab ich geschwänzt, um mir anzusehen, wie uns Eintracht Frankfurt aus dem DFB-Pokal kegelt. Die ist alt, die kann jeden Tag sterben! Also, meine Oma jetzt. Nicht Eintracht Frankfurt.

Fußball, nämlich.

Und dann kuckt mich mein Neffe an. “Teffi, fpielen”, sagt er. Er fragt das nicht. Er bittet auch nicht. Er sagt das einfach so, mit unfassbarer Klarheit. Das Kind hat Korkenzieherlocken aus Gold und genau die Sorte Stupsnase, für die das Wort Stupsnase erfunden worden war. Kuckt mich mit hellem Blick an, und ich höre mich sagen “klar, ich hab Sonnabend Zeit, ja doch, fpielen wir was Schönes, dann. Hast Geburtstag, Süßer. Weiß ich doch. Ich bin da. Versprochen!”

“Wie schwer kann es sein?” fragt man sich und andere. Wie schwer kann es sein, das Richtige zu tun?

Es ist ganz leicht.
Weil es das Richtige ist.