Diese beiden Anzeigen, die sich in der aktuellen Fußballwoche bei den Ergebnissen und Neuigkeiten der Kreisliga B finden, bieten die Chance, inne zu halten. Naheliegend, dass sich beide Inserenten zusammentun könnten. Aber in welcher Situation stecken beide? Und was sagen sie uns?
Zunächst der Verein, der sich in Nordberlin verortet, was alles nördlich von Mitte sein kann. Vielleicht Prenzlauer Berg oder doch weit in Pankow oder Reinickendorf? Vielleicht gibt sich damit auch der Nordberliner SC zu erkennen? Man wünscht sich mit dieser regionalen Einordnung einen Trainer, der in der Nähe lebt. Einen Trainer, der weiß, wie das Umfeld im Bezirk aussieht, in dem sich seine Spieler bewegen. Außerdem soll es ein neuer Trainer sein. Der Verein öffnet sich der modernen Trainingslehre. Aber die Regularien müssen gewahrt bleiben. Eine entsprechende Fußballehrerlizenz ist vorzuweisen. Da bereits jetzt schon für die kommende Saison gesucht wird, trifft der zu verpflichtende Trainer auf ein vorausschauend arbeitendes Umfeld. Der bisherige Trainer setzt sich vielleicht wie per Handschlag abgesprochen zur Ruhe.
Im Gegensatz zu dieser ruhigen Anzeige wirkt das Inserat des Trainers auf Vereinssuche laut. Der Leser kann ihn sich buchstäblich vorstellen, wie er an der Seitenlinie wütet und die Wasserflasche zu Boden wirft. Er brüllt die Spieler an, die er als unfähig schimpft und spricht dem Vereinsvorstand, der ihm diese Spieler vorgesetzt hat, jeglichen Sachverstand ab. Wahrscheinlich hat er sich gesagt: “Denen werde ich es zeigen!” Die Forderung “mit realistischen Zielen” zeigt, dass die Wut noch nicht verraucht ist. Vielleicht wurde er gerade entlassen, weil ein Saisonziel nicht mehr zu erreichen war. Der Schlag mit der Faust auf dem Tisch ist das Ausrufezeichen am Ende der Bedingung. Ein Mann der klaren Worte, der nicht lange herumredet und deshalb auf Chiffre verzichtet und Mobiltelefon und E-Mail direkt angibt. Ein Verein, der Zucht und Ordnung als Saisonziel ausgibt, der meint, die eigene Mannschaft sei ein Sauhaufen, der bekommt sicher einen hervorragenden Trainer.
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Es ist grundsätzlich schön, einen Glücksbringer zu haben. Wie schön es ist, ein Glücksbringer zu sein, beschreibt Tobias Kurfer in “Ritter des Rasens”. Der Magazin-Autor versucht sich jeden Monat auf´s Neue in eigenwilligen Berufen, wie etwa Sargträger, Erschrecker, Hundeausführer – oder Fußballmaskottchen. Im Aprilheft beschreibt er seine Erfahrungen als Ritter Keule:
Maskottchen sind ihrer hauptsächlichen Natur nach Wink-Elemente.
Das und die Erkenntnis, dass man -knuffig oder nicht- nur von Kindern einschränkungslos gemocht wird, lassen den Beruf des Mannschaftsbusfahrers verglichen mit dem als Maskottchen in ungeahntem Glanz erstrahlen. Nichtsdestotrotz ein sehr lesenswerter Artikel aus einer eher ungewohnten Sicht auf das Spielfeld.
Uwe Neuhaus trainiert die erste Mannschaft des 1. FC Wundervoll mittlerweile 1.000 Tage. Aus diesem Anlass hat Mathias Bunkus ein langes und lesenswertes Interview geführt, das dankenswerter in voller Länge auf der Website des Berliner Kuriers nachzulesen ist.
Das Gespräch macht bestimmte Positionen des Trainers zum Beispiel bei der Informationspolitik klarer und erläutert auch die Beweggründe hinter solchen Entscheidungen:
Berliner Kurier: Man sagt Ihnen ja einen gewissen Kontrollwahn nach. Sind Sie zu Hause auch so ein Mensch?
Uwe Neuhaus: Kontrollwahn? Gegenfrage: Was wird denn hier so kontrolliert, dass es wahnsinnig erscheint?
Berliner Kurier: Womit wir ganz geschickt den Bogen weg vom privaten Bereich gekriegt haben … (Gelächter beidseitig) … Respekt!
Uwe Neuhaus: Okay, ne Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage, ich sage einfach, ich habe keinen Kontrollwahn. Ich empfinde es als normal, dass man gewisse Dinge regelt. Wir haben Spielregeln, wie man das auch in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft vorgibt. Der eine ist da ein bisschen lockerer, andere sehen das strenger. Ich glaube schon, dass ich irgendwo in der Mitte liege. Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich versuche zu kontrollieren, auch kontrolliert werden müssen. Wenn ich Spieler habe wie Mosquera, wie Glinker, die ein bisschen sensibel sind, das hinterlässt schon Spuren wenn auf einmal private Geschichten drin stehen. Oder nehmen wir Benyamina, als die angebliche Geschichte mit der algerischen Nationalelf aufkam. Wenn man dann die Zeiträume nach solchen Veröffentlichungen sieht, da vergehen Wochen bis bei denen wieder Normalform herrscht. Die sind mit ihren Gedanken völlig woanders. Da muss ich versuchen, das zu verhindern, diese Auswüchse zu kontrollieren. Das sind Gefahren, die Journalisten nicht sehen, nicht sehen können, vielleicht sogar sehen aber nicht beachten können, die als Trainer für mich aber schon eine Rolle spielen.
Das Gespräch behandelt Fragen nach der persönlichen Entwicklung des Trainers und seiner Zukunft, geht der Neugestaltung der Mannschaft auf den Grund und kommt am Ende zu einem Punkt, der seit Sonnabend wohl aktueller denn je ist: Dem Verhältnis zu Hertha BSC und einem kommenden Stadtderby.
Berliner Kurier: Sie haben jetzt den Ortsrivalen schon angesprochen. Glauben Sie es würde die Situation in der Stadt beleben, wenn es nächste Saison Derbys gibt? Derzeit deutet ja vieles daraufhin.
Uwe Neuhaus: Man kann das Thema ja schlecht ausklammern. Ich meine, ich wünsche niemandem einen Abstieg. Ich kann und werde da auch gar keine Häme entwickeln. Das ist nicht meine Art. Wenn es einer sportlich nicht geschafft hat, dann muss er halt den bitteren Gang in die Liga drunter gehen. Und ich bin überzeugt, wir haben es ja an den Zahlen gesehen, dass Hertha mit 42, Union mit 12 bis 13 Millionen, uns weit voraus ist. Und trotzdem, rein sportlich gesehen, dieses Derby alleine, diese Vorstellung, das hat ja schon was. Da wären Emotionen drin, das würde die ganze Stadt in Bewegung setzen, vom 2-Jährigen bis zum 98-Jährigen jeden faszinieren. Das wären sicherlich zwei ganz interessante Spiele.
Ein bemerkenswertes und noch recht junges Sportmagazin ist uns gestern zugelaufen. African Challenge betrachtet deutsches Sportgeschehen, und zwar hauptsächlich Fußball, aus der Perspektive hier lebender afrikanischstämmiger Athleten. Die Artikel sind auf deutsch geschrieben, es gibt aber jeweils englische und französische Zusammenfassungen. Ein bißchen ist es ein Familienalbum. Eines, das vor allem die Porträts der erfolgreichen Kinder der Familie zeigt. Als dehnbar erweist sich zudem der Begriff des afrikanischstämmigen Athleten. Auch Karim Benyamina ist afrikanischstämmig in diesem Sinne.
Zwei Anliegen verfolgt das Heft. Es möchte das europäische Bild von Afrika korrigiert wissen. Afrika wird oft als Ganzes wahrgenommen – es sind aber viele Länder. Auch Ägypten ist Afrika. Auch Algerien. African Challenge beschönigt dabei weder die politischen Schwierigkeiten der meisten afrikanischen Länder, noch die Nöte ihrer Bevölkerung. Allzu verständlich ist der Wunsch, es anderswo “zu etwas zu bringen.” Und eben das ist der zweite Ansatzpunkt des Magazins. Es vernetzt die hier lebenden Sportler miteinander. Die Ausgewanderten, die Nomaden. Die, die Legionäre genannt werden.
Den Unionern sei die Ausgabe 4, Januar-Februar 2010 empfohlen. Sie enthält ein siebenseitiges Special über Afrikaner bei Union: Darunter ein Interview mit Karim Benyamina und ein Porträt von Macchambes Younga Mouhani, in dem er über Probleme wie Korruption im Sport, die Gefährdung der eigenen Familie durch Funktionäre und seine Anfangschwierigkeiten bei Union spricht. Bemerkenswert, dass er trotz seiner sehr schweren Zeit zu Beginn über die Unionfans folgendes erzählt:
Ich liebe die Fans von Union am meisten. Die Fans bringen einen immer noch ein Stück weiter. Wir haben überragende Fans, sie haben uns sehr, sehr gut unterstützt, als der Aufstieg noch ganz weit weg war. Egal was passiert ist, die haben nie einen Spieler schlecht gemacht. Selbst wenn das Spiel mal nicht so gut lief, die Fans haben nie etwas Negatives gesagt, sondern weiter angefeuert. Die singen, machen Stimmung und sagen “Jungs, wir sind da!”. Ich habe sowas noch nie erlebt.
African Challenge erscheint zweimonatlich und kostet 3 EUR.

… und Vati statt dessen zu Hause bleibt, läuft die Welt irgendwie unrund. Für Vati.
Ich stelle an mir selbst fest, dass ich mit der Situation “ich gehe zum Fußball, während der Mann was mit Familie macht” sehr viel besser klar komme als mit der Situation “ich höre 90elf und der Mann geht zum Fußball”. Erstere Situation erzeugt bei mir eine gute Laune, die fast schon verwerflich ist. Ich verhalte mich aber immerhin so sozial, live vom Spiel zu berichten. Der Mann wüsste sonst gar nichts über Rasenfarben, über sowas schreibt ja kein Mensch. In der letztgenannten Situation dagegen geht es mir wie Else in Kirsten Fuchs´Geschichte “Herzlich Willkommen 1946” – irgendwie freut man sich wohl auch, wenn man “ach kieke ma an, wo komm´wir denn her? Grad heut morjen hab ich dit Trauerband um dein Foto jenudelt.” sagt. Irgendwie.
Ich bin weitaus weniger besenartig und manchmal sogar gekämmt, wenn ich diejenige bin, die Mikrofone in Gesichter hält, auf einem Mobiltelefon rumtippt, Pressekonferenzen folgt und mit den Fotografenkollegen schwatzt. Ich sehe und berichte anders und über anderes als ungefähr alle Männer, die ich kenne. Und ich wusste als einzige im gesamten Pressecontainer tatsächlich nicht, in welcher Spielminute dieser geile Fallrückzieher von John Jairo Mosquera exakt in die Handschuhe von Simon Jentzsch fiel. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne: Aha. Zwei Stürmer. Ich lese die Spielaufstellung und erkenne nicht: Öh? Gar keene Doppel-Sechs? Öh? Peitz statt Younga Mouhani? Ich erkenne ein gutes, weil genaues Zuspiel, wenn ich eines sehe. Manchmal. Ich erkenne prinzipiell keine Torwartfehler, und wenn, dann erkenne ich sie nicht an, soweit es sich um Jan Glinker handelt. Ich bin nämlich außerdem subjektiv und stark von Sympathien geprägt.
Frauen, die sich für Fußball interessieren. Ein Traum.
Ein ganz, ganz schlimmer.
Es ist die Zeit der gemütlichen Interviews. Gestern der Präsident, heute der Trainer. Winterpause eben. Daran kann man sie erkennen. Und am Bratapfelduft.
Weil aber Uwe Neuhaus eben Uwe Neuhaus ist, beantwortet er die Frage, ob Union das Beste sei, was ihm passiert sei, vollkommen uweneuhausmäßig:
“Man weiß ja nicht, ob nicht hätte noch etwas Besseres passieren können.”
So eine Antwort ist ja irgendwie die wohlerzogene kleine Schwester von Claus-Dieter Wollitz´Cottbus-Fanschal.
Für Aufregung sorgt ein Satz aus dem Bericht der Bild zum Spiel gegen Fürth:
Die schwächste Union-Halbzeit in der Alten Försterei in dieser Saison wird von den Fans mit Pfiffen quittiert.
Mal davon abgesehen, dass die Pfiffe dem Gegner und dem Nichtheimschiedsrichter Drees galten, kommt einem aus zweierlei Gründen die Galle hoch. Es ist ungeschriebenes Gesetz in der Alten Försterei, dass die eigene Mannschaft nicht ausgepfiffen werden soll. Viel schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass diese LügeFehlinterpretation aus der Feder desjenigen stammt, der Union seit geraumer Zeit das “Projekt Durchmarsch” andichten möchte.
“Ihr seid immer nur dagegen, macht doch mal bessere Vorschläge”
[Knarf Rellöm]
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Blogger abgemahnt wird, und die Folgen waren durchaus kalkulierbar. Wer bei Weinreich gegen Zwanziger aufgepasst hat, weiß Bescheid – Firmen beschädigen auf diese Weise ihr öffentliches Ansehen nachhaltiger, als der abgemahnte Blogger das jemals vermocht hätte. Unabhängig davon, wer “Recht” hat: die Sympathien liegen genau wie im DFB-Pokal eher auf Seiten des vermeintlich kleinen Viertligisten.
In der Mittagspause fiel der Begriff des “Viralen Anti-Marketings”. Man wünscht sich angesichts solcher Vorkomnisse jedes Mal aufs Neue mehr Professionalität im Netz. Mehr Umsicht. Mehr Wissen. Das Internet heisst Internet, weil die Leute darin vernetzt sind, wäre eine der ersten goldglitzernden Weisheiten, die ich Internet-Newbies, wie sie die PR-Abteilung von JAKO augenscheinlich stellt, zurufen möchte.
Soviele Sascha Lobos, wie man bräuchte, um dergleichen fortan zu vermeiden, gibts auf der ganzen Welt nicht.
Dem Trainer hingegen wünsche ich die Anwälte der Titanic. Die kennen sich aus mit Realsatire.
Sonntagmorgen. Rührei mit Schinken. Frische Brötchen. Kaffeeduft dringt durch die Küche. Perfekt. Fast jedenfalls, denn es fehlt die Zeitung. Ohne Zeitung ist es kein Sonntagsfrühstück. Lächelt sie und schiebt ein Magazin zum Teller rüber. Titelgeschichte: “Fußball und Drogen – Das Spiel im Rausch”. Der Ballesterer.
Das Magazin kommt angenehm unaufgeregt herüber und zeigt in der klaren Gestaltung, dass die Inhalte vorgehen. Schöne Bilder gibt es trotzdem zu bewundern. Das hebt es von anderen Magazinen wie den 11Freunden ab. Auch, dass die Titelgeschichte über mehrere Artikel ausgebreitet wird: Vom Spielbesuch und dem damit einhergehenden Drogenkonsum, über die englische Hooligan- und Raveszene der 80er Jahre bis hin zum Portrait eines alkoholkranken Spielers. Weiter geht es in der Rubrik “Spielfeld” mit vielen internationalen Artikeln. Im “Fansektor” kommt auch der 1.FC Wundervoll zu seiner Doppelseite.

Der Ballesterer kommt aus Österreich. Und es macht ihn sehr sympathisch, dass diese Herkunft spürbar ist. Er widmet sich auch unterklassigen österreichischen Klubs und hat eine kritische Distanz zum Gebahren der Herren Mateschitz und Stronach im österreichischen Fußball. In erster Linie bleibt der Ballesterer aber ein internationales Magazin. Die speziellen Fußballbegriffe sind am Anfang ungewöhnlich, heben sich jedoch wohltuend vom hierzulande gewohnten Sportspracheinheitsbrei ab.
Den Ballesterer gibt es auch in Deutschland im Zeitschriftenhandel oder im Abo.
Wieder da.
Das Spiel der Spiele – bei www.dugehstniemalsallein.de ist die Ratesaison wieder eröffnet. Das einzige Gesellschaftsspiel, das ich spiele, ohne dass man mich dazu nötigt, hat ein neues Zuhause bekommen. Wer sich jetzt augenblicklich anmeldet, schafft´s noch pünktlich zur ersten Runde.
Endlich da.
Ein Artikel über uns, der manches gewiss etwas schönt, glättet und begradigt, aber dennoch das mit weitem Abstand Verständigste ist, das ich je über Union gelesen habe (via Der Hönower).
Unpolitisch heißt bei Union nicht, was die Vokabel häufig zur Schutzbehauptung von Ignoranz macht. Unpolitisch heißt hier, dass es keine Direktiven gibt, sondern dass eine Gemeinschaft ihre Wertvorstellungen unter sich ausmacht.
[Matthias Dell in Der Freitag: Gute Gesellschaft]
Nie weg gewesen.
Dieses Bild widme ich dem Freund & Mitstreiter mööp. Der mag, sagt er, Suchbilder. Also, wieviele Bälle sind hier in den Thomsdorfer Feuerwehrlöschteich neben dem Fußballplatz gefallen?


