Manchmal reicht eine Halbzeit.

Union gegen Sandhausen, und mir hätte die zweite Halbzeit vollkommen genügt. Während sich die erste anfühlte, als würden wir so langsam alle Gartenmöbel in den Tabellenkeller räumen, um uns dort häuslich einzurichten, begann die zweite nicht nur spektakulär, sie blieb sogar so. Solche Spiele verkraftet doch kein Mensch!

Union gegen Darmstadt 1:1

Sebastian Polter wagte gestern nach dem Spiel die These, dass 4 Punkte gegen die oberen in der Tabelle eventuell doch gar nicht so schlecht wären, und ich hätte gerne applaudiert. Aber Szenenapplaus ist im Medienarbeitsbereich unüblich, da gibt´s nur Meckern oder Fresse halten. Es fällt mir schwer, über eine Mannschaft zu meckern, die es auch mal schafft, nach einem Rückstand nicht aus dem Tritt zu geraten. Die sich den Punkt am Ende -ätschebätsch!- doch noch sichert. Sebastian Polter war nicht unzufrieden, angesichts des Spielverlaufs. Ich auch nicht. Zehn Torschüsse pro Spiel wünscht er sich künftig, und wer bin ich, ihm da zu widersprechen?

Das Schwerste.

Ein 1:1 Unentschieden im ersten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Das hört sich so schlecht nicht an, das sah auch gar nicht schlecht aus. Und trotzdem war die Stimmung im Stadion sehr verhalten, als das Spiel abgepfiffen wurde. Geradezu zaghaft drehte die Mannschaft ihre Runde, eher höflich war der Applaus. Alles daran ist falsch. Genauso falsch ist es, das Torsten-Mattuschka-Lied in der 85. Minute nach den bereits erfolgten drei Wechseln zu singen. Das ist das Gegenteil von Support. Es entzieht der Mannschaft, die da unten gerade alles gibt, die Kraft. Es stellt die Vertrauensfrage in der dümmstmöglichen Situation. Anlasslos.

Neben mir hat ein Ordner höflich aber bestimmt einen Mann vom Zaun gepflückt, der es angemessen fand, Björn Jopek als verdammten Idioten zu beschimpfen, der schon wieder alles falsch macht. Der Mann war nicht etwa ein Düsseldorfer. Er war außerdem alt genug, um Becheraufdrucke lesen zu können. “Pfeife nie die eigene Mannschaft aus” und “Mache nie einen aus der Mannschaft zum Sündenbock” stand da mal drauf. Zeit für eine Neuauflage, schätze ich.
Weiterlesen

BAK 07 vs. 1.FC Union Berlin 1:2

Von Testspielen in der Sommerpause erwarte ich, dass die Sonne scheint und die Getränke kühl sind. Ich gehe hin, um mir die neuen Spieler anzusehen. Neu heißt für mich auch: Nachwuchsspieler. Die sehe ich sonst selten. Und mit ansehen meine ich ansehen: Ich kann nach einer Halbzeit unmöglich sagen, was das für welche sind oder was Norbert Düwel sich für die kommende Saison so vorstellt. Ich gewöhne mich an Namen und Zahlen und manchmal an Bewegungsmuster. Ich glaube, ich werde Christopher Trimmel und Toni Leistner mögen. Ich freue mich sehr über Eroll Zejnullahu. Ich bestaune den kompakten Abdallah Gomaa, der mich ein bißchen an Chinedu Ede erinnert und eine extrem lässige Art hat, ein Fußballtrikot zu tragen. Endlich wieder auf der richtigen Seite des Rasens steht schließlich auch Sebastian Bönig als Co-Trainer. Ich sag nur: Schwarze Schuhe! Guter Mann. Der einzige, der mir noch fehlt, ist der Typ, der die Tore schießt.

Überraschen Sie uns, Norbert Düwel!

“Von mir aus kann die neue Saison jetzt losgehen” sagte Boone neben mir. Das war unmittelbar nach der Pressekonferenz, in der Norbert Düwel als neuer Cheftrainer des 1.FC Union Berlin vorgestellt wurde. Norbert Düwel bringt einerseits die nötige Berufserfahrung mit, steht andererseits nicht unter dem Druck seines eigenen Namens. Bei der Entscheidung für ihn als Trainer klingt viel von der Besonnenheit durch, die Union in den letzten Jahren ausgezeichnet hat. Alles daran fühlt sich gut, richtig und vernünftig an. Ich bin gespannt auf das, was kommt. Alles Gute, Norbert Düwel!

Kino: Shortkicks bei 11mm

Shortkicks heißt der Kurzfilm-Wettbewerb des 11mm-Festivals. Eine prominent besetzte Jury ermittelt den besten Fußballkurzfilm des Jahres. Sieben Filme traten an, klarer Sieger wurde der Animationsfilm “I love Hooligans” von Jan-Dirk Bouw.

“Wer möchte nicht in den Armen seines Liebsten sterben?” ist ein Satz aus diesem Film, der lange nachhallt. Erzählt wird die Geschichte eines homosexuellen Mannes aus der Hooligan-Szene, der gelernt hat, nicht aufzufallen, weil sich seine beiden Welten auf eine lebensbedrohende Art nicht miteinander vertragen. Seine Entscheidung für die Szene um den Fußball ist zugleich eine Entscheidung gegen eine Beziehung.

Ursprünglich plante Bouw einen anderen Film, sagte er bei der Preisverleihung. Auf der Suche nach einem schwulen Fußballspieler stellte der ihm seinen jetzigen Protagonisten vor. Der wiederum wollte seine Biografie publik machen, aber ohne seine Identität preis zu geben. Jan-Dirk Bouw hat die Herausforderung angenommen und eine als Animationsfilm verkleidete Dokumentation gemacht, sehr dicht erzählt und mit Bildern zwischen Brutalität und Poesie, die man schwer wieder los wird.

Kino: Futebol total

Ganz knapp sind die deutschen Untertitel fertig geworden, gerade pünktlich zum Beginn der Aufführung. Der Dokumentarfilm “Futebol total” von Carlos Niemeyer entstammt einem brasilianischen Archiv, dessen Produktionen in Europa bisher nicht gezeigt wurden. “Futebol total” begleitet die brasilianische Nationalmannschaft durch die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland.

Niemeyers Fußballreportage zeichnet sich durch eine große Nähe zum Objekt seiner Berichterstattung aus. Das ist ganz wörtlich gemeint. Extreme Nahaufnahmen vom Spielfeld, aber auch von Zuschauern auf der Straße, in Kneipen oder Stadien, Begleitern der Nationalmannschaft, die das Hotel belagern, sind kaum möglich. Beim Ansehen fürchtet man stets um den Kameramann. Das brasilianische Fußballpublikum spielt in “Futebol total” eine ebenso wichtige Rolle wie das Team selbst. Die Leute kommentieren die Leistungen der Mannschaft, diskutieren die Aufstellung, reagieren auf Spielsituationen. Manchmal ist das komisch, aber nie lächerlich.

Der Film hat Längen, aber auch unerhörte, großartige Bilder. Letztlich genau das, was Sönke Wortmanns Sommermärchen fehlt.

Heimspielkino.

Grüner Rasen anstelle des roten Teppichs, das hat inzwischen Tradition vor dem Kino Babylon. Hereinspaziert sind zum Auftakt des 11mm-Fußballfilmfestivals vor allem Unioner. Der Dokumentarfilm “Union für´s Leben” von Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer feierte heute Abend Premiere, und beide Vorstellungen waren komplett ausverkauft. Berliner Pilsner, Eberswalder vom Grill, Torsten Mattuschka, die Reservebank, Dirk Zingler, AF-TV – alles ganz wie in der Alten Försterei. Nur das Sitzen war etwas ungewohnt.

Ein Glücksgriff, ein Heimspiel ist dieser Eröffnungsfilm. Er porträtiert genau und doch mit leichter Hand fünf Menschen, die zu Union gehören. Es ist zugleich ein Berlin-Film, eingerahmt von Fußball in Köpenick. Genau der richtige Film also, um sich auf die kommenden fünf Tage einzustimmen.

Mit dem Punkt leben.

“Wir waren zu behäbig, wir haben Spielzüge nicht vorausgeahnt”, sagte Michael Parensen nach dem 0:0 gegen Dynamo Dresden, und dass man unter diesen Umständen mit dem Punkt leben muss. Es war sicher nicht das herausragendste Fußballspiel aller Zeiten. “Zu viele Fehler im Spiel nach vorne,” bestätigt denn auch Daniel Haas, der findet, man habe Punkte liegen lassen. Aber nichts ist nur Scheiße. Björn Jopek ist wieder da!