Kino: Shortkicks bei 11mm

Shortkicks heißt der Kurzfilm-Wettbewerb des 11mm-Festivals. Eine prominent besetzte Jury ermittelt den besten Fußballkurzfilm des Jahres. Sieben Filme traten an, klarer Sieger wurde der Animationsfilm “I love Hooligans” von Jan-Dirk Bouw.

“Wer möchte nicht in den Armen seines Liebsten sterben?” ist ein Satz aus diesem Film, der lange nachhallt. Erzählt wird die Geschichte eines homosexuellen Mannes aus der Hooligan-Szene, der gelernt hat, nicht aufzufallen, weil sich seine beiden Welten auf eine lebensbedrohende Art nicht miteinander vertragen. Seine Entscheidung für die Szene um den Fußball ist zugleich eine Entscheidung gegen eine Beziehung.

Ursprünglich plante Bouw einen anderen Film, sagte er bei der Preisverleihung. Auf der Suche nach einem schwulen Fußballspieler stellte der ihm seinen jetzigen Protagonisten vor. Der wiederum wollte seine Biografie publik machen, aber ohne seine Identität preis zu geben. Jan-Dirk Bouw hat die Herausforderung angenommen und eine als Animationsfilm verkleidete Dokumentation gemacht, sehr dicht erzählt und mit Bildern zwischen Brutalität und Poesie, die man schwer wieder los wird.

Kino: Futebol total

Ganz knapp sind die deutschen Untertitel fertig geworden, gerade pünktlich zum Beginn der Aufführung. Der Dokumentarfilm “Futebol total” von Carlos Niemeyer entstammt einem brasilianischen Archiv, dessen Produktionen in Europa bisher nicht gezeigt wurden. “Futebol total” begleitet die brasilianische Nationalmannschaft durch die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland.

Niemeyers Fußballreportage zeichnet sich durch eine große Nähe zum Objekt seiner Berichterstattung aus. Das ist ganz wörtlich gemeint. Extreme Nahaufnahmen vom Spielfeld, aber auch von Zuschauern auf der Straße, in Kneipen oder Stadien, Begleitern der Nationalmannschaft, die das Hotel belagern, sind kaum möglich. Beim Ansehen fürchtet man stets um den Kameramann. Das brasilianische Fußballpublikum spielt in “Futebol total” eine ebenso wichtige Rolle wie das Team selbst. Die Leute kommentieren die Leistungen der Mannschaft, diskutieren die Aufstellung, reagieren auf Spielsituationen. Manchmal ist das komisch, aber nie lächerlich.

Der Film hat Längen, aber auch unerhörte, großartige Bilder. Letztlich genau das, was Sönke Wortmanns Sommermärchen fehlt.

Heimspielkino.

Grüner Rasen anstelle des roten Teppichs, das hat inzwischen Tradition vor dem Kino Babylon. Hereinspaziert sind zum Auftakt des 11mm-Fußballfilmfestivals vor allem Unioner. Der Dokumentarfilm “Union für´s Leben” von Rouven Rech und Frank Marten Pfeiffer feierte heute Abend Premiere, und beide Vorstellungen waren komplett ausverkauft. Berliner Pilsner, Eberswalder vom Grill, Torsten Mattuschka, die Reservebank, Dirk Zingler, AF-TV – alles ganz wie in der Alten Försterei. Nur das Sitzen war etwas ungewohnt.

Ein Glücksgriff, ein Heimspiel ist dieser Eröffnungsfilm. Er porträtiert genau und doch mit leichter Hand fünf Menschen, die zu Union gehören. Es ist zugleich ein Berlin-Film, eingerahmt von Fußball in Köpenick. Genau der richtige Film also, um sich auf die kommenden fünf Tage einzustimmen.

Mit dem Punkt leben.

“Wir waren zu behäbig, wir haben Spielzüge nicht vorausgeahnt”, sagte Michael Parensen nach dem 0:0 gegen Dynamo Dresden, und dass man unter diesen Umständen mit dem Punkt leben muss. Es war sicher nicht das herausragendste Fußballspiel aller Zeiten. “Zu viele Fehler im Spiel nach vorne,” bestätigt denn auch Daniel Haas, der findet, man habe Punkte liegen lassen. Aber nichts ist nur Scheiße. Björn Jopek ist wieder da!

Union vs. Aue 1:0

Foto: Felix

Mein Lieblingsbild vom Spiel gegen Aue habe ich nicht selbst gemacht. Felix hat das Banner fotografiert, mit dem sich die Waldseite bei Elli Henschke bedankt. Die kümmert sich um die Klamotten der Jungs in rotweiß. Sie war da, lange bevor ich kam, und wird hoffentlich noch lange bleiben. Ein paar Bilder habe ich aber trotzdem mitgebracht. Eine Porträtsammlung eigentlich. Weiterlesen

Wir singen dir ein schönes Lied, weil dir das Freude macht.

Torsten Mattuschka hat es immer verdient, besungen zu werden. Gestern hatte er zu Tor und Torvorlage auch noch Geburtstag, wir sind praktisch aus dem Singen gar nicht mehr raus gekommen. Es war ein Heimspiel der Art, dass Uwe Neuhaus nach Spielende einem Journalisten die Frage “Hatten Sie Zweifel …” mit einem Wort abschnitt: “Nein!” Uwe Neuhaus hat das dann noch etwas ausgeführt, am Inhalt hat sich aber nichts verändert. Ich sehe dieser Mannschaft zu und frage mich, wer das entfesselt hat, was da gerade wie ein Wirbelwind über die Sportanlagen der Republik fegt.

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Im Fußballhimmel.

Die SG Blau Weiß Friedrichshain spielt auf einem der ungewöhnlichsten Plätze Berlins, dem Metro Fußballhimmel. Der befindet sich auf dem Dach des Metro-Marktes mitten im Gewerbegebiet An der Ostbahn. Nein, das ist keine historisch gewachsene, traditionelle Spielstätte. Ja, das ist im weitesten Sinne ein Sponsorenname. Amateurfußballvereine nutzen den Platz kostenlos. Die Belegung regelt der Bezirk. Die Aussicht ist sensationell.

Wer mal reinschauen möchte, folgt @bwfriedrichshain auf twitter. Das nächste Heimspiel ist am 14.9.2013 um 10 Uhr. Gegner der Partie ist Lok Schöneweide. Ich bin da.

Was war das, und gibt´s mehr davon?

Auf dem Weg nach Hause habe ich behauptet, ich hätte heute das spannendste Fußballspiel des Jahres gesehen. “Aber hier, ey – was´n mit Düsseldorf? Und Dresden war ja wohl auch nicht ganz schlecht, hm?” wendete sogleich jemand ein und hat vollkommen Recht. Aktuelle Saison, komm´ in meine Arme, lass dich herzen! Was ich zu Ende der letzen Spielzeit irgendwo zwischen Köln, Cottbus und Aalen verbummelt habe, ist wieder da: Lust auf Fußball. Ich will da am liebsten einziehen in dieses Stadion! Und ich mag, wie Fabian Schönheim ausflippt. Ich kann ihn so gut verstehen.

Man kann nicht alles haben.

Erster Spieltag, und ein Heimspiel noch dazu. Wir hatten schon ganz vergessen, wie das ist. Alle waren ganz sicher: Wir gewinnen das. Die Frage ist doch bloß wie hoch. Pustekuchen. So läuft das nämlich, wenn man sich sicher ist. Wenigstens war´s nicht Greuther Fürth.

Gestern entstanden mehr Fotos von mir “auf Arbeit” als überhaupt Fotos von mir existieren. Danke, @immnski, @sensatzionell und @matzekoch! Was immer keiner glaubt: Ich halte das Dings nicht nur fest. Die meiste Zeit fotografiere ich wirklich!

 

Ein Knopfloch voller Tränen.

Ich bin ein Gewohnheitstier. Ich empfinde Schmerz, wenn Spieler gehen, die ich als zu meiner Mannschaft gehörig identifiziert habe. Deshalb ist der letzte Heimspieltag einer Saison für mich immer etwas mehr wehmütig als versöhnlich. Am letzten Heimspieltag werden die Spieler verabschiedet, die den Verein zur Sommerpause verlassen. Die Tradition des Verabschiedens gibt es bei Union noch nicht so lange. Gerade lange genug, um sie Tradition nennen zu dürfen. Es ist feierlich, es ist würdevoll, es ist zum Heulen. Ich werde noch sehr lange Ausschau halten nach Daniel Göhlert, Christoph Menz und Kilian Pruschke und einen Blick darauf haben, wo Patrick Zoundi, Marcel Höttecke, Stefan Gill mir künftig begegnen.