Archive for the 'fernsehen' Category

Motivationskrise.

So zeichnet kein fröhlicher Mensch.

Erste Halbzeit: Nicht viel. Zweite Halbzeit: Gar nüscht.

Nachdem wir Flo zum Spiel befragt hatten, war alles gesagt. Wir haben dann trotzdem noch ein bißchen weiter erzählt. Aus Gewohnheit eher. Über Auswechslungen, die wir nicht verstanden haben, über das ewige Stürmer-Thema, über Abschlussschwäche, über Wetter, über Zufriedenheit mit Spielverläufen. Das haben wir aber alles rausgeschnitten & weggeworfen, denn das einzig skandalöse an dem Spiel waren doch eigentlich: die Trikots! Endlich mal wieder ein Podcast über die wichtigen Dinge im Leben: Anziehsachen! Textilvergehen galore!

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Nein, ich heule nicht

Am Montag wurde Steffen “Schuldig” Menze als Trainer bei den Offenbacher Kickers entlassen. Heute Abend spielt Schalke an der Bremer Brücke in Osnabrück. Zwangsläufig kommt die Erinnerung an die Relegationsspiele 2000 wieder hoch. Und dieses verdammte Elfmeterschießen, in dem am Ende sogar die Torhüter gegeneinander antreten mussten (Video1 und Video2).

Eine richtig gute Saison in der Regionalliga Nordost endete auf Platz 1. Trotzdem musste Union gegen Osnabrück aus der Regionalliga Nord den Aufsteiger in die zweite Liga ausspielen. Schon allein diese Ungerechtigkeit ließ mich zu Hause vor dem Fernseher unruhig werden. Die Tabellenersten der der beiden südlichen Regionalligen stiegen schließlich direkt auf. Immer wieder dieser Satz: “Die wollen uns nicht in der zweiten Liga haben.”

Hinspiel in Berlin 1:1. Rückspiel in Osnabrück nach 120 Minuten auch 1:1. Elfmeterschießen. Der zehnte Osnabrücker verschießt. Nun muss nur noch Steffen Menze treffen und alles wird gut. Steffen Menze von dem es heißt:

Mit seiner staksigen Art nicht immer schön anzuschauen, schien er gerade dadurch den Gegner zu verwirren. Nie wäre man auf die Idee gekommen, es als “Kabinettstückchen” oder auch nur als “Trick” zu bezeichnen, wenn er wieder mal an einem Gegenspieler vorbeistolperte, bei dem man dann oft den Verdacht hatte, nur ein plötzlicher Lachanfall ließe ihn diesen Zweikampf verlieren.

www.immerunioner.de

Der Reporter ruft: “Steffen Menze. 13 Tore in der Regionalliga. Ist das hier sein wichtigstes?” Es war Steffen Menzes wichtigstes Nichttor. Dass danach der Osnabrücker Keeper traf und danach den Schuss unseres Torhüters hielt – Nebensache. Steffen Menzes Nichttor nahm mir den Glauben an den Aufstieg. Überhaupt an die Möglichkeit des Aufstieges.

- “Union wird niemals aufsteigen!”
- “Sag mal, weinst Du?”
- “Nein, ich heule nicht!”

Danach Aufstiegsrunde gegen Pfullendorf und Ahlen. Und noch ein Jahr Regionalliga…

Nicht das Frankfurt, aber auch nicht das andere

Am Freitag geht es gegen Frankfurt. Nein, nicht gegen die Eintracht. Auch nicht gegen Vorwärts. Der FSV Frankfurt kommt. Bisher gab es gegen die Mannschaft noch kein Pflichtspiel. Man kennt sich nicht. Darum findet der Frankfurter Geschäftsführer Bernd Reisig auch, dass wir “kein normaler Aufsteiger” sind. “Unglaubliches Potential” sieht er in Berlin-Köpenick, den Verein “in absehbarer Zeit um den Aufstieg in die 1. Bundesliga mitspielen”. Auch Trainer Boysen überschätzt den 1. FC Wundervoll ein wenig, wenn er meint, nachdem er vom Betonrührvorhaben seiner Elf sprach, “es werden sicher wieder bei 20.000 Zuschauer zu erwarten sein”. ‘Nen feuchten Pup im Schlüpper, würde Herr Mööp sagen.

Richtig ist, dass die Jungs in rot-weiß am Freitag Abend das Spiel machen dürfen und es sicherlich viel Geduld benötigt. Und wir werden gespannt sein, wen Trainer Neuhaus als Sechser aus dem Hut zaubern wird, wenn Younga-Mouhani seine 5. gelbe Karte auf der Tribüne absitzt. Dort wird sich auch der neugebackene amerikanische Botschafter samt Sicherheitspersonal die Ehre geben. Passend zur aktuellen Diskussion um das Verhältnis Medien und Verein brachte Neuhaus bei der Nachfrage nach erhöhten Sicherheitsmaßnahmen noch: “Es war erst angedacht, die Journalisten ganz fernzuhalten. Da habe ich mich mächtig gegen gewehrt.” (Min 10:30).

Egal. Gegen eine Mannschaft, die auswärts bisher nur ein Tor geschossen und noch keine Punkte geholt hat, muss ein Sieg her. Projekt Klassenerhalt.

Auswärtsfahrt: Die Wohnzimmeredition.

Ahne schlug gestern vor, im Wohnzimmer Rasen auszusäen. Weiß ich jetzt nicht, ob der Gastwirt jener Lokalität, die wir unser Wohnzimmer nennen, uns das erlaubt, aber alle Auswärtsspiele könnten wir bei ihm kucken, sagt er. Also für alle zum mitschreiben & selber googeln:

Magarete F.
Lenbachstraße 17
10245 Friedrichshain
S Ostkreuz

Sonntag. Augsburg. Kommt alle!

Was fehlt.

Deutsch ist eine viel schönere Sprache, als die ganze nichtdeutschsprechende Welt immerzu behauptet. Es gibt ganz wunderbare Wörter wie “Stelldichein” und “Hosenstall”, oder Blumen, die “Vergißmeinnicht” und “Tränendes Herz” heißen.

Was aber fehlt, ist eine Entsprechung des portugiesischen Wortes saudade. Es kann Heimweh sein, oder Fernweh, Sehnsucht oder Phantomschmerz. Sicher ist nur: Etwas fehlt. Nichts die Existenz bedrohendes, und man kann gewiss auch ohne leben. Nichtsdestotrotz fehlt etwas, und das ist nicht schön.

Andoras Fahne war es nicht, die fehlte. Die war gestern im Jahnsportpark, und Andora auch; Phillipp Köster hab ich am Kassenhäuschen Cantianstraße gesehen, Mannschaft und Trainerstab sind gottlob ebenfalls vollzählig erschienen, und neuneinhalbtausend Unioner wollten sich das Aufstiegsspiel keineswegs entgehen lassen.

Nur ich wäre beinahe nicht da gewesen, ich hätte aus familiären Gründen in einer ganz anderen Stadt sein sollen. “Quatsch, Du bleibst natürlich in Berlin und gehst da hin”, sagt er. Und ich so “Ja … aberaberaber … ohne Dich is´ bloß halb so schön. Soll ich nicht doch lieber mit Dir mitkommen? Vielleicht steigen wir ja gar nicht auf, dieses Wochenende …” – “Doch, wir steigen auf. Und ich will, das Du Dir das ansiehst. Schick Fotos.”

Ich habe nicht eben das geleistet, was man erbitterten Widerstand nennt. Und man ist -Unioner unter Unionern- auch niemals wirklich einsam. Ich habe auf Sitzschalen gestanden, möglicher Weise bin ich gar darauf rumgehüpft, viel fehlte nicht an einer Zaunbesteigung. Ich gebe zu, mir komplett unbekannte Männer umarmt zu haben. In der 60. und in der 72. Spielminute nämlich. Zu meiner Verteidigung kann ich vorbringen, dass sie die richtigen Farben trugen. Ich sehe nach dem zweiten Tor, wie meine Mannschaft lachend im Kreis am Boden liegt. Sehe, wie ein Platzsturm vorbereitet wird. Sehe eine Rasenfläche, eben noch grün, dann sehr schnell sehr rotweiß.

Auf die Textnachricht “Alle völlig bekloppt hier.” bekomme ich die Antwort “Jetzt weißt du, warum ich wollte, daß du da hingehst.”

Ich weiß, und ich danke, und trotzdem: saudade.

Der Weg zurück ist ein bißchen, als wäre grad Lord Voldemort gestorben. Wir sind alle in einem Zustand zwischen Unglaube, Erleichterung und maßlosem Glück. Ich treffe irgendwo in der Stadt zwei Jungs, die eben aus dem Stadion kommen. Wir sagen gar nichts, wir kucken uns nur an und grinsen wie Verschwörer. Du weißt es, ich weiß es, und die anderen werden es nachher in den Nachrichten sehen.

Abends in Köpenick ist es dann laut, in Köpenick sind wir immer laut, aber Köpenick ist das -im Gegensatz zum Prenzlauer Berg- auch gewöhnt, dass wir da sind, und dass wir da laut sind. Ab durch den Wald, das riecht nach Heimat. Wie bei allen Anlässen mit Festivalcharakter kommt es zu Bierengpässen, und wie nur bei Aufstiegen stellt sich heraus, dass man auch ohne Alkohol besoffen sein kann, und dass der Herr Bönig tief im Innern ein wenig ultra ist.

Gegen halb 10 endlich heimwärts gewandt, treffe ich unvermutet @343max, der wissen will, ob Union etwa direkt in die 1.Liga geklettert sei, was man dem Radau und Krakeel nach durchaus annehmen könnte. Hingegen Frau @zufall macht alles richtig: umarmen, beglückwünschen, freuen helfen.

Abends lese ich das Internet und möcht gleich nochmal kurz weinen. Menschen von allüberallher gratulieren, und nolookpass hat einen wundervollen Text zu Ehren der Unionfans geschrieben.

Dann sagt Uwe Neuhaus in den Tagesthemen das hier …

ARD: Haben Sie sich die Zweite Liga schon mal angekuckt, Spielstärke, Konkurrenz?
UN: Nee, ich interessier mich eigentlich so gar nicht für Fußball.

… woraufhin ich mich in den Schlaf kichere.

Und wenn mich jetzt wer fragt, ob das steigerbar ist, denke ich kurz nach und sage: Ja. Ist es. Sodann putze ich mir das Konfettizeug aus den Haaren. Ich hab nämlich nachher noch ein Stelldichein.

Film ab, Ton aus.

Zwei Studenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie wollen eine Doku über Union machen und schicken zum Anfüttern zwei kleine Filmchen voraus. Einer davon ist dieser hier:

Die Idee ist weder neu noch schlecht. Interessanter Gedanke aber, dazu die Düsseldorfer Opelgang musizieren zu lassen. Auch wenn ich das Lied zufällig mag. Auch wenn ich mit dieser Vorliebe eher allein durchs Leben gehe.

Viele bunte Smarties zum Spieltag.

Fred macht mir größtmögliche Freude und fasst endlich wieder den Bundesliga-Spieltag zusammen. Ab jetzt jeden Sonnabend. Sagt er. Nicht mehr auf fooligan.de zwar, sondern bei Spreeblick. Aber weißte was? Is mir egal.

Nein, dazu sag ich nichts, das ist nicht gut für meinen Blutdruck, ich darf da überhaupt nicht dran denken, wie dämlich Cottbus sich diese Saison anstellt, Himmel, da könnte ich mich aufregen, und immer wenn ich mich aufrege, erscheint mir der Ede Geyer im Schlaf danach, nackt, und will mir die Haare grün färben, die Schamhaare, fürchterlich, ich darf mich nicht aufregen. Dieser furchterregende Ede Geyer. Die Lücken zwischen seinen Zähnen sind ja auch fast so groß wie der Abstand zwischen den cottbusser Innenverteidigern.

[Frédéric Valin: Bundesliga-Spieltag 28: Ede Geyer, Dohmen und Tick, Trick & Track]

Außerdem gehört er dafür gelobt, dass er ein Herz für die Cottbuser hat. Das ist nämlich wirklich eine schwere Aufgabe.

Mach mit, mach´s nach, mach´s besser!

Turbine Potsdam hat mit Turbine-TV einen eigenen Videopodcast – für umme, auf youtube. Das ist nicht bloß zeitgemäß – das ist cool. Das kommt umgehend mit auf den Christian-Arbeit-machen-Wunschzettel.

Einen Bogen schlagen.

Jaja, ich weiß. Fußballblog, das hier. Damit das so bleibt, werde ich etwas ausholen und einen uneleganten Bogen schlagen müssen. Volker Strübing und Kirsten Fuchs waren in der Arktis. Film drehen (einen), Bücher schreiben (jeder ein halbes), mir Fußballplätze fotografieren (mehrere).

Der Film ist vierteilig und läuft ab dem 19.3.09 um 20:15 Uhr auf 3sat, das Buch wird am 6.3.09 in Hamburg und am 9.3.09 in Berlin vorgestellt. Und weil wir uns alle dreie doll lieb haben, machen wir vorher nochmal was zusammen – eine Ausstellung (ich), eingerahmt von einer Lesung (Volker und Kirsten).

Vernissage am 20. Februar 2009
Ausstellung vom 21.02.-18.06.2009
KunstRaum der Friedrich-Wagner-Buchhandlung Ueckermünde

Ich freu mich über Besuch!