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Pavel Kuka

Der erste Mann, den ich liebte, hieß Pavel Kuka.

Das war ein Problem. Ich wuchs auf in einem kleinen Dorf am Fuße der Alpen. Es war ein beschauliches, gemütliches Nest, man kannte sich, nichts blieb der Nachbarschaft verborgen. Zwei Kneipen gab es dort, eine hieß ‘zum Löwen’, eine ‘zum deutschen Haus’, da gab es Spätzle, Hefeweizen und fragwürdige Meinungen über Adolf Hitler zum kleinen Preis. Außerdem ein Bäcker, ein Metzger, zwei Zigarettenautomate, ungfähr 3000 Kühe, macht drei Kühe pro Einwohner. Lange Zeit durfte man meine Kindheit eine glückliche nennen, denn ich kletterte auf Bäume. Mit dem gleichen Recht hätte man meine Kindheit auch eine unglückliche nennen können, denn ich konnte viel besser auf Bäume klettern, als von Bäumen herunter. Ungefähr sechzig Prozent besser. Viele Stunden verbrachte ich an dünne Äste gekrallt, meine zaghaften Hilferufe verhallten im Kuhglockengeläut, es war eine menschenleere Gegend. Weil Nordic Walking noch nicht erfunden war, kamen selten Menschen die Feldwege entlang, um mir aus meinen Wipfeln herunterzuhelfen. (Ich Idiot kletterte aus Prinzip immer nur auf Bäume, die kleine, unbedeutende Wege säumten.) Wie gesagt, es war eine idyllische Kindheit.

So ging das, bis ich unter Gleichaltrige kam. Wenn ein Haufen Gleichaltriger jenseits des dritten Lebensjahres aufeinandertrifft, erwacht in jedem einzelnen das Bedürfnis, sich abzugrenzen. Man beginnt, sich selbst einigen Gruppen zuzuordnen, die Soziologie hat dafür das Wort Othering erfunden. Beispielsweise nimmt man das Rollenverständnis eines Mannes an oder einer Frau, Playmobil oder Lego, Klettverschluss oder Schnürsenkel

Bayern oder Stuttgart.

Das ist traurig, aber ja: Mehr Alternativen gab es nicht in diesem Dorf. Alle waren entweder Bayern oder VfBler. Außer Knete, der so hieß, weil er immer Geld dabei hatte. Der wurde aus unerfindlichen Gründen 60er, obwohl sein Vater es mit Werder Bremen hielt. Später wurde er Alkoholiker, das kann aber auch eine Korrelation sein.

Ich war von alledem nichts. Wahrscheinlich hätte ich es leichter gehabt, wenn ich Bayer geworden wäre oder VfBler oder sogar 60er, wenn ich mich ein paar Jahre später der grassierenden SC Freiburg-Manie angeschlossen oder wenigstens Dortmund gut gefunden hätte. Ah, Lars Ricken! Ich hätte gar den obligaten Bravo-Kauf mit sportlichem Interesse rechtfertigen können.

Fußball interessierte mich nur gespielt. Damals war ich in einem Alter, da ich noch lieber selbst draußen kickte, als breitbeinig auf einem Sofa zu fläzen und altklug Passalternativen und verfehlte Laufwege zu analysieren. Ich war auch nie in einem Stadion, weil ich Stadien nicht mag, überhaupt Massenaufläufe schon immer hasste, auch jetzt noch, Aufläufe sind was für Gemüse. Ich mochte schon immer lieber die kleinen, verlassenen Sportplätze der Dorfvereine, worum zu Spielen 50 Mann standen, Bier tranken und Wurst aßen und geräuschvoll hinter das gegnerische Tor urinierten, um den Torwart zu irritieren.

Nichtsdestotrotz: Man musste einem Verein sein Herz schenken, und möglichst nicht dem FC Bad Saulgau. Fortwährend wurde ich gefragt, was ich denn nun „für einer sei“. Meine Großmutter, die Bairin ist und mich ermächtigt hätte, mit weit mehr Glaubwürdigkeit dem FCB anzuhängen als die meisten Eventfans, die man im Laufe seines dafür viel zu langen Lebens kennenlernen muss leider, lebte in der Pfalz, wo auch mein Onkel aufwuchs lange vor mir. Der hatte dadurch eine Schädigung davongetragen, die ihn glauben ließ, es handle sich bei jenem Essig, den man aus den Weintrauben längs der Mosel keltert, tatsächlich um Wein, Saumagen sei gesund und Lautern ein respektabler Verein. Um die ersten beiden Irrtümer kam ich herum, aber leider antwortete ich einmal, als mir wieder diese Frage gestellt wurde, für wen ich sei, in Gedenken an meinen Onkel: Kaiserslautern.

Ich war damals überhaupt nicht für Kaiserslautern. Ich schaute noch nicht einmal Bundesliga, denn Samstag 15:30 spielten wir selbst meistens, und zur Sportshow saß ich im Sandkasten und tat so, als würde ich Burgen bauen, um nicht gestört zu werden, wenn ich mir in aller Ruhe ein paar Schäufelchen Erde einverleibte. Vermutlich bedingt durch die traumatischen Stunden in irgendwelchen Baumwipfeln, hatte ich eine mystische Beziehung zu all den Dingen, die wir Boden nennen, entwickelt: beinah wäre ich deswegen Geologe geworden. Glücklicherweise hielten mich ein paar andere, schwerwiegendere Traumata davon ab.

Zum Beispiel die Erfahrung, Lauterer zwischen Bayern zu sein. Bisher ein durchschnittlich beliebter Bub, machte mich mein halbherziges Geständnis auf der Stelle zum Leprösen. Sie hingen mir ein Glöckchen um, bauten mir als neue Bleibe eine Laubhütte an der unbefahrensten Zufahrtsstraße und bewarfen mich mit allerlei Obst. Oder bösen, hämischen Worten.

Zwei Möglichkeiten gibt es, auf gruppendynamische Ablehnung zu reagieren: Überassimilation oder Rebellentum. Überassimilation beispielsweise liegt vor, wenn als Türken geborene Deutsche, wohnhaft in Neukölln, die größte Flagge des Landes an ihr Wohnhaus hängen in der Hoffnung, der Rest der Republik würde ihnen mit weniger Ablehnung begegnen, nachdem sie bewiesen haben, dass sie den gleichen schwachsinnigen Unfug sogar noch besser können als ihre völlig verblödeten Mitbürger, die sich Fähnchen ans Auto schnallen und stolz sind, in einem Land zu leben, wo man sich endlich wieder Plastikfähnchen ans Auto schnallen darf. Ja, Leute, so geht Freiheit! Is klar.

Ich hingegen entschied mich für die alternative Variante: ganz so, wie von der Geselschaft ausgeschlossene Jugendliche der dritten Migrationsgeneration sich rückbesinnen auf die Werte ihrer Urgroßväter, besann ich mich mit doppelter Wut auf die Wahl meines Onkels. Und ganz so, wie jene Jugendliche wegen ihrer Perspektivlosigkeit und der daraus resultierenden Aggressivität immer zu den extremsten Übzeugungen kommen, wurde ich der fanatischste aller Fans, der anhänglichste Anhänger. Ich besorgte mir jedes verfügbare Spiel der letzten 30 Jahre auf Video, ich lernte den Radiokommentar zum legendären 7:4 gegen die Bayern auswendig, um immer ein passendes Gegenargument gegen jede Anfeindung zu haben, und ich hatte keine Angst mehr vor der Pubertät, weil ich mich darauf freute, bald schon so zu klingen und auszusehen wie Walter Frosch. (Es waren die 90er.) Hoffnungsvoll begann ich mit dem Rauchen, natürlich Reval, ließ mir die Haare wachsen und lieh mir bei Gelegenheit Omas Lockenstab. Leider blieb mein Bartwuchs spärlich.

Ich wurde Fan zu einer glücklichen Zeit, Lautern befand sich im Höhenrausch: Pokalsieger 1990, Meisterschaft 1991, ich lief mit breitem Brüstchen durchs Dörfchen. Nur eine Sache machte mir Sorgen: mir wollte partout keine Spielernummer einfallen, die ich hätte auf meinen Rücken flocken lassen können. Miro Kadlec? Der sah aus wie ein Metzgermeister und spielte entsprechend. Stefan Kuntz? Den mochte jeder, sogar die Bayern. Martin Wagner, der Mann mit Eisenfuss und Bumskopf? Oder Ciriaco Sforza, dessen Tränendrüsen austrainierter waren als seine Adduktoren? Andi Brehme? Nein, ein Mensch sollte es dann doch sein.

Und dann kam Pavel Kuka, 1993 war das. Pavel Kuka sah nicht nur aus wie ein Igel, er spielte auch wie einer. Während die anderen durchs Feld jagden wie die Hasen, rollte er sich vorne gemütlich ein und wartete, hob die Hand und schrie: „Ich bin schon da!“ Und wenn dann schlechterdings jeder, Mit- und Gegenspieler, inmitten des Ackers zu Boden stürzte, Ciriaco Sforza vor Erschöpfung das Bratschen begann und Martin Wagner nur noch vom eigenen 16er Eck flankte, dann spazierte Kuka vergnügt übers Feld und erstolperte sich ein Tor. Oder zwei.

Der Mann entsprach meinen Idealen: er tat nichts und war damit vollkommen erfolgreich. Natürlich, Publikumsliebling wurde er damit nicht, dafür war dieser umgedrehte Wischmob mit Minipli zuständig, Olaf Marschall, in dessen Pornobalken sicher mehr Kleintier hauste als in den Baumwipfeln meiner Jugend. Dafür aber konnte Pavel Kuka sehr zurückhaltend verzweifelt dreinschauen, wenn ihm mal wieder der Ball vom Fuss sprang. Immer griff er sich dann in die Haare, was seine Frisur erklärt, und machte stumm den Mund auf. Schmachtend saß ich vor dem Fernseher und betete diesen Gott an, der selbst im Versagen derart gleichgültig blieb, dass er sich jeden Pathos verwehrte, dass er noch nicht einmal aufschrie, sondern nur stumm seine Goldkronen zeigte.

Was soll ich sagen: es waren die dutzendfach ausgelassenen Chancen, nicht nur gegen Leverkusen, durch die Pavel Kuka drei Jahre später den Abstieg in die zweite Liga besiegelte. Ich blieb ihm ergeben, den Fansein ist Schmerz und Treue, nicht Jubel. Danach fügte sich Pavel Kuka ein ins zweite Glied: denn für einen Meister der Lakonie, wie er es war, hatte Otto Rehhagel keinen Platz in seiner Elf, die er wie ein angespitzter Pfahl durch die Spielordnungen der Gegner jagte. Er spielte wenig, schoss noch weniger Tore, und war wohl der einzige, dem die preussische Zwangsdisziplinierung durch Rehhagel, den vermaledeiten Bismarck unter den Trainern, nicht anfocht. Sein Anteil am Titelgewinn nach dem Wiederaufstieg: überschaubar.

Er ging nach Nürnberg, wir verloren uns aus den Augen. Ich denke gerne an ihn zurück, gerade auch dieser Tage, wo der Starkult durch die Stadien und die Fernsehstationen fegt. Das ist eine Zeit, in der selbst Philip Lahm als notorischer Bildzeitungs-Busenfreund und somit Kackbratze per Definition als leuchtendes Vorbild und neuer Stern am Himmel inszeniert wird; in der der charakterfaule Ribéry als König in München aufgehängt wird, nur als Plakat allerdings, denn die Bayern tendieren nicht zum Monarchenmord; in der selbst das stupide Ellenbogengehabe eines Michael Ballacks lobende Erwähnung zuhauf findet – in solch einer Zeit ist man froh, ein Ideal gehabt zu haben, das nicht zum Idol taugte. Ein Stürmer, der spielte, als wäre er bekifft.

Ich klettere nicht mehr auf Bäume. Ich bin weggezogen aus dem Dorf. Kaiserslautern und ich, wir haben uns ein wenig entfremdet, wegen des Geldes. Und natürlich, weil mir die Bindung gefehlt hat, ich bin ja Lauterer aus Trotz geworden. Ich spiele nicht mehr, das Knie, sondern sitze auf Sofas und analysiere altklug Zweikampfverhalten und Spielsystem. Ich verschenke mein Herz nicht mehr fremden Männern, die ich ausschließlich aus dem Fernsehen kenne.

Und doch träume ich manchmal noch von Pavel Kuka. Und wenn ich aufwache, stehen mir die Haare zu Berg.

Test: Menü Alte Försterei

Es gibt sie zahlreich, die Vorurteile gegenüber Berlinern. Und leider ist zu diesen Vorurteilen zu sagen, dass sie in den allermeisten Fällen stimmen. Eine Stadt, in der es ein Getränk namens Futschi im Lokal um die Ecke zwischen sechs und acht Uhr morgens in der Happy Hour gibt, muss damit zurechtkommen. Völlig missraten ist der Ruf der Berliner auch in der Wurstgastronomie. Wie gut kann eine Wurst sein, wenn sie vom Verkäufer bereits vor der Übergabe in mundgerechte Happen zerteilt, anschließend unter einem See von roter Soße unsichtbar gemacht und am Ende mit der Asche verbrannter Würste bestreut wird?

Als das Forsthaus Ende Mai mitteilte, es sei ein neuer Sponsor aus dem Wurstgewerbe engagiert worden, der gleichzeitig auch zur neuen Saison hin Haus- und Hoflieferant des 1. FC Wundervoll werden würde, schossen die Träumereien der Anhänger ins Kraut. Befürworter und Gegner von kurzen dicken oder langen dünnen Würsten gingen miteinander ins Gericht. Am Montag nun, zum offiziellen Trainigsauftakt, werden auch die neuen Würste Premiere feiern. Grund genug für das Textilvergehen, die Wurst vorher einem eingehenden Test zu unterziehen.

Bereits am Tage der Verkündung des Wurstdeals versicherte uns der Geschäftsführer der Eberswalder Wurst GmbH, Sebastian Kühn: “Es wird die Original Eberswalder Rostbratwurst im Schweinedarm ab der nächsten Saison im Stadion gegrillt.” Damit war von Beginn an klar: Es bleibt bei der kurzen dicken. Und auch die Liebhaber von Joghurt- oder Chiliwürsten müssen ihren Vorlieben weiter im Privaten nachgehen.

Auf dem Holzkohlegrill machte die Wurst von Beginn an eine gute Figur und ließ sich, vorher angestochen, von allen Seiten gut bräunen. Allerdings ist bei einem gut beheizten Grill die häufige Wendung zu beachten. Den geübten Stadiongriller wird es freuen, dass die Wurst recht zügig durchgegart ist. Langes Anstehen am Grill könnte für die Stadionbesucher damit vielleicht der Vergangenheit angehören.

Die Bratwurst fügt sich sehr gut in ein handelsübliches Brötchen und bietet genügend Platz zur Aufnahme von Senf oder anderen Saucen. Der Vorteil von kurzen dicken Bratwürsten wird nun offensichtlich. Sie können auch in einem vollen Stehplatzstadion einhändig getragen werden, ohne dass andere Besucher die jeweilige Sauce auf ihrer Kleidung abgestreift finden. Etwas Übung ist allerdings nötig, um den richtigen Druck auf das Brötchen auszuüben. Ist der Druck zu schwach, entfleucht die Wurst. Ist er allerdings zu fest, quillt die Sauce aus dem Brötchen. Ungeübten Wurstessern wird daher der erste Verzehr auf den Freiflächen vor dem Stadion empfohlen.

Die Wurst selbst ist auch nach einigen Minuten im Brötchen noch fest und knackig. Das ist beileibe kein Standard mehr. Auch bei den Würsten gingen die Anforderungen in den letzten Jahren stetig bergab. Geschmacklich kann die Eberswalder ohnehin mit ihren südlichen Konkurrenten mithalten.

Am Montag also steht der erste Test in echter Stadionatmosphäre an. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Wurst dann auch die erste ernsthafte Prüfung im genauso wie im Vorjahr bestehen wird.

Fußballkrimi.

Aufgrund von Wetter wird, wie ich eben zu lesen bekomme, das Spiel gegen Rostock heute nicht stattfinden. Ein bißchen leid tut mir dabei die in ihrem Hotel gefangene Rostocker Mannschaft. 18 Männer. Eine meterhohe Schneeverwehung. Raus kommt keiner. Und alle rufen: Jawohl! Ein Kammerstück!

(Bei Agatha Christie geschieht in solchen Szenerien innerhalb der ersten fünf Minuten Schreckliches, und dann kommt Miss Marple. Oder wie hieß der bärtige Belgier? Hercule Poirot. Genau. Wir erinnern uns: keiner kann raus. Aber immer, immer, immer kann der Detektiv rein.)

Es beginnt damit, dass der Brotaufstrich, der “in Geschmack und Konsistenz an Nougat erinnert” unerwartet verschwindet. Taucht zum Frühstück einfach nicht auf. Gemurmel erhebt sich und schwillt an zu Ärger, Ärger macht sich Luft und entlädt sich in Sätzen wie “Nee, ich will keine Marmelade – da haste doch nichts drauf.” Die gesamte Truppe ist total unterzuckert. Als erstes wird der FrühstücksSportdirektor beschuldigt. Der bestreitet alles, stampft eingeschnappt auf die teuren Hotelfußbodenfliesen, dass es nur so scheppert und geht türenschlagend in sein Zimmer, Wii spielen. Unschöne Zwischenfälle ereignen sich derweil an der Rezeption. Worte werden gewechselt, die von wenig Zuneigung sprechen, und ehe man sich´s versieht, wechselt auch eine Blumenvase ihren Standort. Sie zerbirst klirrend im Spiegel hinter dem Empfangstresen. Vielleicht war´s auch der Spiegel, der klirrte – das weiß man hinterher ja nie so genau. Nachdem nun das Eis gebrochen ist – und der Spiegel und die Vase auch – kommt Leben in die Eingangshalle. Schaulustige gesellen sich hinzu, man munitioniert sich mit den Überresten des Buffets, die treffsicheren Stürmer in vorderster Reihe. Jemand wirft eine Melone ein. Die Kellner entzünden Wunderkerzen.

Die Frage nach dem Brotaufstrich gerät darüber etwas in den Hintergrund der Betrachtung. Dafür bekommt die Schreiberin dieser Zeilen Hunger und überlässt die Fortsetzung der Geschichte Dir, geneigter Leser.

(Ich gebe zu: ich bin noch gar nicht aufgestanden. Ich stell mir das vom Bett aus alles ganz bildlich vor und bin gar nicht traurig, dass es in dem putzigen kleinen Dorf, in das ich nachher fahre, kein Internet gibt. Und gleich bringt mir jemand ne Schokoladenstulle vorbei. Ich geb solange ein Lied aus.)

Nichts nennenswert Neues.

Medienpartnerwechselspiel. 11Freunde-Gewinnspiel. Bratwursttestspiel. Mein Fußballverein ist grad wie so´n zeitunglesender Ehemann. Uninteressant. Uninteressiert. Ich glaub, ich fahr weg. Mal sehen, ob er´s merkt.

Bis dann mal wieder.

Das ***textilvergehen*** hat hohen Besuch. Nicht Steinmeier. Nicht Merkel. Viel besser: Milan nämlich, dem ich immerzu sage: schreib, und komm endlich aus den Kommentaren raus, die sind länger und besser als die meisten meiner Texte. Hat er gemacht. Hab ich mich gefreut. Ach was, ich strahle immer noch :) Danke, Milan!

Kennt jemand Monk? Mein Rekord ist 12 Folgen am Stück a 50 Minuten mit dem Detektiv, der alle psychischen Krankheiten der Welt hat und drei, die noch nicht entdeckt wurden. Er wohnt in San Francisco und hat neben seiner Angst vor Milch auch Angst vor Gletschern.

Seine Macken machen seinen Alltag zu einem abenteuerlichen Überlebenskampf, ich muss oft an ihn denken. Ich rühre z.B. kein Essen an, auf das Petersilie gestreut wurde. Versucht mal in Deutschland essen zu gehen mit Petersilienabscheu. Selbst die klare Ansage, ´bitte ohne Petersilie` hilft nicht gegen den Reflex des Kochs auf Pasta, Rumpsteak und Pommes eine Handvoll Petersilie zu werfen. Das ist eingebaut wie Atmen.

Meine Reflexe machen mir auch Sorgen, vor allem wenn sie im Widerspruch zur üblichen Gelassenheit stehen. Ich vertrage parteiübergreifend keine Fernsehpolitiker. Auf eine Analyse ihrer Zwänge, sich den Medien zu verkaufen, verzichte ich, es reicht hier die Feststellung, dass sie sich verkaufen. Nichts Schlimmes an sich, außer dass sie es nicht zugeben. Vielleicht versuchen sie ja zu Hause, eine ehrliche Haut zu sein, im Wahlkampf jedenfalls ist ihnen das strengstens verboten. Ich will diesem miserablen Theater nicht ausgeliefert sein.

Wenn ich so etwas im Fernsehen erlebe, bin ich mit meiner Neugier selbst Schuld, die Plakate auf der Straße ignorieren ist schon eine Leistung, zu der ich nicht im Stande bin.

Petersilie.

Ich will mich nicht beklagen, denn es gibt genügend Orte, die frei sind von solchen Belästigungen. Die Kneipe, ein Garten, der Wald, das Zuhause, mein Stadion … alles Orte, in denen Frank Walter Steinmeier nicht repräsentiert wird. Dachte ich, denn das Stadion muss ich nun streichen. Eben habe ich mich noch lustig gemacht über einen Verein, der Angela Merkel als Ehrenmitglied genommen hat und nun das. Petersilie.

Mein Verein, dessen Kontakte zur Wirtschaft lebenswichtig sind, hat es bis hierher ohne Politiker oder besser trotz solcher Politiker geschafft. Frank Walter ist ganz und gar unschuldig am Verein, am Stadion, an unseren Problemen und unseren Erfolgen und ich frage mich nun nach dem Sinn, ihn als Ehrengast zu präsentieren, wo es doch landläufig heißt ´Ehre, wem Ehre gebührt´. Und ich frage mich mit Monkscher Panik beim Anblick von Ratten, ob eine Ehrenmitgliedschaft für den Kanzlerkandidaten drin ist. Petersilie.

Gerne erinnere ich mich an einen Besuch von Eberhard Diepgen, der als Bürgermeister von Berlin vor Jahren die alte Försterei besuchte und vom Stadionsprecher begrüßt wurde. Gnadenlos ausgepfiffen und runtergebuht erzählte er am nächsten Tag dem Kurier, wie toll die Atmosphäre dort sei und wie gut ihm das alles gefallen hat. Ein echter Profi eben. Petersilie.

Gerade spiele ich mit dem Gedanken, ein Bund Petersilie zu zerkauen. Ich muss härter werden.

Man muss nicht immer alles selber machen.

Rotweiße Ostereier zum Beispiel: die gibts schon.

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Ich bin ein ganz normaler Tag.

Köpenick intoniert das Lied vom Tannenbaum, bei Muttern gibts urplötzlich W-LAN, Matthias Kern gibt ein Foto aus (ganz vielen Dank!) und die ARD bringt einen schmusekuschligen Bericht über den 1.FC Wundervoll in den Tagesthemen. Weich gestimmt wie ein mit Erdbeermarmelade gefülltes Lebkuchenherz denke ich “Was´n hier los?” und staune fünf vollmilchumhüllte Dominosteine ob der vielen Harmonie.

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Für einen kurzen Moment sah es nach dem perfekten Tag aus. Hätte man nicht einen Augenblick damit warten können, mir mitzuteilen, dass Steven Ruprecht zum VfR Aalen wechselt? Und hätte man ihm ein Geleitwort mitgeben können, das etwas weniger nach Spott und Hohn klingt?

Vermutlich wär ich mit so haufenweise Harmonie aber auch gar nicht klar gekommen.

Jemandem einen Paroli anbieten.

Ach nein, das ist ja erst nächste Woche. Heute soll es um das Ausgeben von Parolen gehen. Die Verkündigung von Losungen, Motti, Marschrouten & Saisonzielen. Nachdem Union auf Platz 11 des Weserstadions 1:2 gegen Bremen II gewonnen hat, finden wir uns am Ende des 10. Spieltages auf dem zweiten Tabellenplatz wieder.

Ein hervorragender Gedanke zur Gestaltung des weiteren Saisonverlaufs ist mir heute per twitter zugeflogen:

den 1. Tabellenplatz, den wir nächste Woche beziehen, müssen wir dann nur noch bis Ende Mai 09 halten.
[daniel_r_]

Wir sehen uns kommenden Sonnabend, wenn es heißt: Paroli für Paderborn.

Um die Wurst drum herum.

@mööp: Sind wir grad Deutschlands wurstigstes Blog, oder kommt mir das nur so vor?

Stimmungshochhalter.

Diese Testspiele zwischen zwei Spielzeiten sind ja auch bloß Ersatzdrogen. Dazu passt: Alkoholfreies Bier und Tofuwurst. Grad heute war wieder so ein Tofuwurstspiel. Und Freitag gibts noch eins. Wir Süchtigen sagen aber vorfreudig Generalprobe dazu. Jahnsportpark, abends um 7, gegen Victoria Žižkov aus Prag. (Ich hab da mal gewohnt, in Žižkov. Is aber länger her.) Jedenfalls: nix wie hin, schon mal das Trikot vorglühen und immer schön die Stimmung hochhalten!

Die Goldenen Zitronen – Lied der Stimmungshochhalter

[Passt nicht hier her, hält aber auch die Stimmung hoch, weil es mich so kullerkeksmäßig freut: auf spreeblick.com gibt es heute paar Fotos von mir zu besichtigen. Kann sich noch wer erinnern, wie sich Olli Kahn dazumals auf die stolzgeschwellte Brust zu hauen pflegte? Genau.]