Sebastian Polter: Jetzt ist Zeit für Unions Plan B

Alle schreiben: Sebastian Polter wird für 2,3 Millionen Euro zum englischen Fahrstuhlteam Queens Park Rangers wechseln (aufgedröselt vom Kurier). Woher diese genaue Summe kommt, die auch der Kicker zitiert? Wahrscheinlich aus der gleichen Quelle, die in den letzten Wochen immer wieder echtes und vermeintliches Interesse an dem Stürmer medial platziert hat. Aber wie immer in der Transferzeit gilt: Es ist nicht vorbei, so lange nichts unterschrieben ist. Das dürfte aber dann heute passieren.

#SebastianPolter#SvSandhausen#FcUnionBerlinn

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Die Lektion für Union: Eine konkurrenzfähige Ablöse kann der 1. FC Union nur zahlen, wenn er mal Erstligist sein sollte. Selbst mit englischen Zweitligisten können die Köpenicker nicht konkurrieren. Zwar bekommen Zweitligisten in England weniger TV-Geld als in Deutschland.

Dafür erhalten die Premier-League-Absteiger aber eine Fallschirm-Finanzierung, damit der Aufprall im harten Zweitliga-Alltag nicht so hart ist. In der ersten Saison gibt es zusätzlich zu den rund 2 Millionen Pfund Fernsehgeldern noch 25 Millionen (!) Pfund aus dem Soli-Fonds der Premier League. Im zweiten Jahr gibt es noch 20 Millionen extra und im dritten und vierten Jahr zehn Millionen. Deutschland kennt diese Fallschirm-Finanzierung (noch) nicht.

Der Umschlag mit der Aufschrift “Plan B” wird geöffnet

Spätestens seit gestern also dürfte Nico Schäfer ein paar Nummern aus seinem Umschlag mit der Aufschrift “Plan B” (“Nur öffnen, wenn Polter nicht kommt”) abtelefoniert haben, um den Angriff bei Union neben Collin Quaner und Steven Skrzybski zu verstärken.

Foto: Matze Koch

Einen so kompletten Angreifer wie Polter wird es wahrscheinlich für das bei Union vorhandene Geld nicht geben (zum Vergleich: Freiburg zahlte gerade ungefähr 2,5 Millionen Euro Ablöse für Nils Petersen). Zumal Sebastian Polter auch als Typ im Team und im Verein in der vergangenen Saison schnell sehr wichtig wurde. Mich würde nicht wundern, wenn statt einem Polter zwei Stürmer kommen.

Laut Bild/BZ gab für Adrian Nikci vor allem die Personalie Norbert Düwel den Ausschlag für einen Wechsel zu Union. Das glaube ich nach Nikcis Krankheitsgeschichte und dem schwierigen Wiedereinstieg in den Profi-Fußball sehr gerne.

Fußball-Physik: Schrödingers Polter

Wir kennen die Fächer Fußball-Arithmetik (“Auswärtstore zählen doppelt”) und Fußball-Lyrik (“Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel”). Heute nehmen wir noch ein Unterrichtsfach auf: Fußball-Physik.

Machen wir doch gleich ein Experiment: Dazu setzen wir Mainz-Manager Christian Heidel und Stürmer Sebastian Polter in eine Kiste und verschließen die. So lange wir jetzt nicht nachschauen, wie es den beiden geht, ist der aktuelle Status des Angreifers perfekt simuliert. Er ist gleichzeitig noch bei Mainz und schon transferiert. Dieses Gedankenexperiment funktioniert natürlich nicht, wenn wir mit dem mitteilsamen Christian Heidel sprechen.

Das hat jemand für die BZ getan. Laut deren Quelle soll Polter angeblich vor einem Wechsel zu einem englischen Zweitligisten (Queens Park Rangers schreibt der Kicker) stehen. Oder zu einem Bundesligisten. Es könnte mir nicht egaler sein. Die Frage, die ich gerne beantwortet wissen möchte: Kommt Sebastian Polter zu Union oder nicht? Dazu äußert sich niemand. Also lassen wir den Stürmer und den Mainzer Manager so lange einfach noch im Karton sitzen und beschäftigen uns mit einem anderen Thema.

Adrian Nikcis Chance ist Union

Union hat den offensiven Mittelfeldspieler Adrian Nikci bis 2016 (also nur ein Jahr) unter Vertrag genommen. Der vielversprechende Offensivmann kam in den letzten zwei Jahren nach einer Hirnhautentzündung nicht mehr richtig in Tritt. Wie so viele Trainer hat auch Norbert Düwel das Fußball-Lehrer-Syndrom. Er ist der Meinung, dass er der richtige ist, um diesen Fußballer wieder hinzubekommen. Ohne dieses Syndrom würde Trainern wohl einiges fehlen.

Falls das klappt, dürften wir alle Beifall klatschen. Wenn nicht, gibt es im Mittelfeld genug andere, die auch diese Position spielen können. Das Risiko ist also vergleichsweise gering. Das finden auch Bild/BZ. Adrian Nikci findet ihr bei Facebook hier.

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Heute ist trainingsfrei. Für den Kurier der Moment, mal ein Fazit aus dem Kurz-Trainingslager zu ziehen. Das fällt positiv aus, aber nicht so überschwenglich wie bei Norbert Düwel.

Vorbereitung bedeutet gemeinsames Kennenlernen: Der Kurier hat sich mit Dennis Daube an einen Tisch gesetzt und die BZ mit Stephan Fürstner. Beides Spieler, die fast schon ewig bei ihren bisherigen Klubs waren.

Stephan Fürstner tief in die grünen Augen geschaut

Im Kurz-Trainingslager in Neuruppin arbeitet das Unionteam weiter an den Grundlagen für die neue Saison. Und das Hotel knechtet die Mannschaft weiter mit einem Sinnspruch des Tages.

Das Schöne an der Vorbereitung ist, dass Zeit bleibt die Neuen mal kennenzulernen. Unabhängig von sportlichem Ergebnissen wie mitten in der Saison. Der Tagesspiegel hat sich mit Stephan Fürstner hingesetzt und ihm tief in die grünen Augen geschaut. Ich bin sehr gespannt, ob er es als Sechser schafft, das teils etwas gelähmt wirkende Aufbauspiel aufzubrechen. Im Konterspiel war das kein Problem für Union. Dafür aber, wenn sich der Gegner gut gestaffelt positioniert hat.


Foto: Matze Koch

Bild/BZ und Kurier haben sich jeweils mit Kenny Prince Redondo unterhalten. Hier geht es vor allem um den Wadenumfang und die Schnelligkeit auf den ersten Metern. Der Junge ist ein Versprechen. Wenn er sich in der Zweiten Liga durchsetzen kann, wäre das einerseits eine Auszeichnung an das Trainerteam, junge Spieler aus niedrigeren Ligen an höheres Leistungsniveau heranzuführen. Und es wäre vielleicht auch ein Zeichen für andere Spieler, über Union den Sprung in den Leistungsfußball zu versuchen.

Mit Maxi Thiel hat das bereits in der letzten Spielzeit gut funktioniert. Wobei das allerdings zunächst eine Leihe war. Eine Verpflichtung über eine Spielzeit hinaus wie bei Redondo ist einganz anderes Risiko für den Verein.

Die DFL hat gestern den Spielplan veröffentlicht. Für mich wichtig war der Start und das Ende mit einem Heimspiel. Gegen wen ist egal, da sowieso gegen alle gespielt werden muss. Ansonsten macht mich das wenig an, da es die Leute in Frankfurt noch nicht geschafft haben, die ersten Spieltage in vier Wochen auf einen genauen Termin festzusetzen.

Ans Herz legen möchte ich euch noch die Dauerkartenübersicht, die das St.Pauli-Blog Der Übersteiger seit Jahren erstellt. Dort listet er die Preise der Dauerkarten in drei verschiedenen Kategorien auf. Diese Statistik hat Schwächen, gibt aber trotzdem einen guten Überblick, wo sich der eigene Klub befindet.

Spoiler: Union liegt bei den Sitzplätzen weiter oben im Preissegment und bei den Stehplätzen im Mittelfeld. Die teuren Sitzplätzen ergeben sich schlicht aus dem Fakt, dass es keine schlechten Sitzplätze (Kurve, Hintertor) bei Union gibt und die schlechteste Kategorie in der Alten Försterei (Haupttribüne) in anderen Stadien bereits gehobene Kategorie ist.

 

Ich wünsche allen viel Spaß, die heute 17 Uhr in Neuruppin den Test gegen den dortigen MSV sehen.

Und noch eine Frage zum Abschluss: Habt ihr Interesse, diese tägliche Übersicht “State of the Union” per Mail zu empfangen? Dann würde ich da etwas basteln. Gebt mal Feedback.

Wo wir herkommen: Union reist in Neuruppin auch zehn Jahre in die Oberliga zurück

Union trainiert bis Sonntag in Neuruppin. Der Kurier erinnert sich an die Zeit vor zehn Jahren in der Oberliga. Als Union gegen Falkensee Punkte liegen ließ und gegen Neuruppin verlor, die damals der härteste Konkurrent um den Aufstieg in die Regionalliga waren. Heute sind beide Teams Sechstligisten und Union in der Zweiten Liga. Ist das wirklich erst zehn Jahre her? Erstaunlich, wie unterschiedlich die Entwicklung zweier Vereine vom nahezu identischen Punkt sein kann.

Bild/BZ kümmern sich heute weiter um die Abwehr. Das ist personell der spannendste Mannschaftsteil, so lange im Angriff die Personalie Polter über allem schwebt (erstes öffentliches Training in Mainz ist am 30. Juni). Spannend einfach dadurch, weil dort der Konkurrenzkampf offensichtlich ist und die 51 Gegentore in der abgelaufenen Saison exorbitant hoch waren. Deutlich zu hoch für hohe Ansprüche.

Heute war Toni Leistner in Bild/BZ dran. Natürlich nimmt er sich vor, sicherer zu spielen und weniger Fehler zu machen. Das ist wenig überraschend und klingt ein bisschen nach meiner Oma, die zu Beginn des Schuljahres gefragt hat, was ich mir vorgenommen habe.

Erinnerung: Morgen um 17 Uhr geht es im Neuruppiner Volksparkstadion gegen den MSV Neuruppin, der laut Märkischer Oderzeitung selbst ein Tor schießen und nicht mehr als sechs kassieren möchte. Die Ziele von Neuruppin gegen Union haben sich in zehn Jahren auch radikal geändert.

Wichtigste Aufgabe: Hinten dicht halten

Für Union geht es heute ins Kurztrainingslager nach Neuruppin. Bis Sonntag bleibt die Mannschaft dort und tritt am Sonnabend um 17 Uhr beim dortigen MSV an.

Vorher gibt es noch eine gute Nachricht von gestern: Collin Quaner kann nach seiner Gesichtsverletzung wieder trainieren (BZ und Kurier).

Seit gestern trainiert noch Denis Prychynenko zur Probe mit. Kommt der Ukrainer tatsächlich, wäre das spätestens der Moment, in dem Fabian Schönheim sich die linke Außenbahn noch einmal genauer anschauen sollte. Wobei ich glaube, dass der Trainer sich da sowieso schon festgelegt hat. Mehr zu Prychynenko gibt’s im Kurier und Bild zu lesen.

Sollte der ablösefreie Ukrainer nicht verpflichtet werden, haben Daniel Haas und Mo Amsif schon eine andere Idee, wie sie hinten dicht halten:

Fussball, Herren,  Saison 2015/16, 2. Bundesliga, 1. FC Union Berlin, Training, v. l. Torwart Steve Kroll (1. FC Union), Torwart Daniel Haas (1. FC Union), Torwart Mohamed Amsif (Union), 24.06. 2015, Foto: Matthias Koch
Foto: Matze Koch

Wen Wasserstandsmeldungen interessieren: Laut dem letzten Satz in der Bild hat Polter Angebote von Rasenballsport Leipzig und dem SC Freiburg ausgeschlagen. Das deckt sich allerdings auch mit seiner Aussage von vor ein paar Wochen, dass er Zweite Liga nur bei Union spielen würde. Nichts Neues also.

Swag-Nachhilfe von Andrea Pirlo

Das sportliche zuerst. Union gewinnt das Testspiel bei Sechstligist Falkensee-Finkenkrug mit 8:1. Zuvor stand das Team im strömenden Regen auf der Autobahn im Stau fest.

Einen Spielbericht gibt es beim Kurier und der BZ. Fotos findet ihr wie gewohnt bei unveu.de und union-foto.de. Ich war währenddessen bei einem Elternabend. Auch schön.

Der Kurier berichtet, dass der Fanshop in die ehemaligen Mannschafts-Container expandiert. Die Lebensdauer dieses Blechprovisoriums am Stadion beeindruckt mich jedes Mal auf*s Neue. Wie lange stehen die Container schon da? Bestimmt über 20 Jahre.

Die Bild hat mit Sören Brandy gesprochen, der ein bisschen so etwas wie eine Seuchensaison (Verletzungen) hinter sich gebracht hat. Wie seine zukünftige Rolle in der Offensive genau aussieht, hängt sicher davon ab, wer neben Collin Quaner noch für den Sturm kommt.

Nicht zurückkommen wird Adam Nemec. Der Angreifer sitzt hier auf dem Bild gerade in New York mit Unions ehemaligen Video-Analytiker Daniel Stenz zusammen.

Wenn 2 berliner sich in NYC treffen.. Geile freie tag 😎😎#stenza#und#ich#nyc#eisernunion#unveu

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Ich finde das schon krass, sollte Nemec tatsächlich in der nächsten Saison mit Andrea Pirlo in einem Team bei New York City FC spielen. Dann kann der Slowake mit dem großen Meister aus Italien gemeinsam den Swag aufdrehen.

Obwohl Adam Nemec dafür eigentlich kein Vorbild braucht:

#ready#for#the#most#crazy#freak#party#ever#hate#me#or#love#me 😂😂😂😂😂😂

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Daniel Haas hat keine Lust mehr auf das Hin und Her

Es ist Zeit für ein Geständnis. Ich wohne seit fast 26 Jahren in Berlin und war noch nie im Spreewald. Eine Tatsache, die mir jetzt selbst die ganz Neuen im Union-Team voraus haben. Denn gestern ging es für alle Angestellten und Spieler nach Lübbenau und dort auf den Kahn. Bilder und Bericht gibt es in der BZ. Ich hoffe mal, dass die Spieler Union sicherer durch die Zweite Liga manövrieren als am Anfang ihre Kanadier-Boote durch die Wasserstraßen im Spreewald.

Trainingsauftakt 15/16
Foto: Stefanie Fiebrig

Achtung, jetzt wird es nach Wochen wieder sportlich: Die Bild hat kurz mit Daniel Haas gesprochen, der auf die unfreiwillige Torwartrotation in der vergangenen Saison angesprochen, sagte: “Auf das Hin und Her könnte ich gerne verzichten.” Ich bin mir ganz sicher, dass Mo Amsif das Gleiche sagen würde. Aber nichtsdestotrotz wird es sicher erst am Ende der Vorbereitung eine Festlegung auf eine Nummer 1 durch Trainer Norbert Düwel geben. Ich bin gespannt, wie Torwarttrainer Dennis Rudel die beiden Keeper durch die Vorbereitung bringt. Ist schließlich die erste für ihn bei Union.

Heute um 18 Uhr findet auf dem Sportplatz Ringpromenade in Falkensee das erste Vorbereitungsspiel gegen den SV Falkensee-Finkenkrug statt. Das wird sicher aus Unionperspektive nicht der Kracher, auch wenn es für Falkensee “das Spiel des Jahres” ist. Für Düwel und sein Trainerteam geht es hier vor allem um Spielpraxis während der Vorbereitung. In den nächsten zwei, drei Wochen wird sicherlich vor allem geschaut, dass alle gleichmäßig zum Einsatz kommen.

@czossi hat schon wieder mit dem Fußball Manager an der Alten Försterei herumgebaut. Dieses Mal präsentiert er uns eine Variante mit Oberrang. Sieht hübsch aus.

Union will raus aus der Komfortzone

Ich stehe darauf, mir persönlich richtige und greifbare Ziele zu setzen. Und deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass Union das sportliche Vorhaben für diese Saison klar kommuniziert. “Es gilt, das Vorjahresergebnis zu verbessern. Und das heißt: erster bis sechster Platz”, sagte Norbert Düwel gestern beim Trainingsauftakt allen gut 5.000 Besuchern (Berichte von Morgenpost, Kurier und Bild/BZ, Bilder gibt es von Steffi, unveu.de und union-foto.de).


Foto: Hupe/union-foto.de

Es ist nicht so, dass das eine spontane Entscheidung des Trainers war, diese Botschaft gestern ins Mikrofon zu sprechen. Union hat lange mit sich gerungen, wie die Mannschaft aus der berühmten “Komfortzone” geholt werden kann. Gemeint ist damit das Gefühl, dass es dem Team vermeintlich genug war, mal oben zu schnuppern. Zu oft endete für Union die Saison gut zehn Spieltage vor Ende mit einem Austrudeln, weil nach oben und unten nichts mehr passieren konnte. Zumal die Qualität des Kaders (und auch der Verdienst mancher Akteure) durchaus mehr versprach und die Verantwortlichen im Forsthaus frustriert zuschauen mussten, wie einmal Braunschweig und letztes Jahr Darmstadt vorbeizogen. In der Vergangenheit gab es zwar intern kommunizierte Ziele, aber die wurden nicht medial weitergegeben, um keinen unnötigen Druck auf das Team aufzubauen. Diesen Weg hat Union verlassen.

Das Ziel Platz 1 bis 6 beinhaltet das, was gemeinhin unter “oben angreifen” verstanden wird. Das ist die Spitzengruppe der Zweiten Liga. Ich glaube, dass diese offene Kommunikation sich nicht nur an Medien und intern an die Mannschaft richtet. Die Botschaft dürfte auch eine für die Leute auf den Rängen sein. Für die vielen, denen Zweite Liga vielleicht ausreicht und die gar keine Lust auf das ganze Brimborium in der Bundesliga haben.

Trainingsauftakt 15/16
Foto: Stefanie Fiebrig

Seit über einem Jahr streut die Vereinsführung klar das Ziel: “Wir wollen in die Bundesliga.” Das hat einen starken finanziellen Anreiz. Aber ein Jahr Bundesliga hätte zudem eine Auswirkung auf die deutschlandweite Wahrnehmung des Vereins. Für Sponsoren ebenso wie für andere Spieler und naturgemäß auch für ehemalige und neue Fans. Es wäre schon etwas anderes, wenn Union gegen Dortmund spielt statt gegen Heidenheim.

Deshalb ist für mich die spannendste Frage in dieser Saison: Wie sehr sind alle bereit, sich auf diesen Weg einzulassen? Dafür müssen alle (auch die Fans) ihre “Komfortzone” verlassen. Wie sehr sind alle bereit, dieses neue große, gemeinsame Ziel mitzutragen, nachdem das alte (Stadionbau) abgeschlossen wurde?

Als Belohnung winkt vielleicht ein weiterer Stadionausbau 😄

Hoffentlich sind die Trikots einigermaßen schnieke

Morgen ist Trainingsauftakt im Stadion an der Alten Försterei. 15 Uhr geht’s los. Wir werden sehr wahrscheinlich auch vorbeischauen. Allein schon deshalb, weil wir uns nichts entgehen lassen wollen. Aber wir wollen auch Kirschen pflücken. Das machen wir dann vorher.

Die Bild/BZ ist so freundlich uns Fragen zu beantworten. Wer bekommt welche Rückennummer, wo ist Sebastian Polter und was ist mit den neuen Trikots? Ja, was ist eigentlich mit den Trikots? Die werden nachher um 14 Uhr offiziell gezeigt. Live auf AFTV.

Einen Vergleich mit allen ehemaligen Trikots könnt ihr dann auf immerunioner.de ziehen.

Als Radiomedienpartner geht es übrigens mit Radioeins in die neue Saison. Die Reaktionen der Hörer sind gemischt:

Der Kurier hat dagegen eine Liste mit Wünschen für die neue Saison veröffentlicht. Wie zu Weihnachten. Aber wie das mit Weihnachten so ist: Nicht alle Wünsche werden erfüllt. Ich nehme einen gesunden Benny Köhler und eine sicher stehende Defensive. Das würde mir reichen. Die Verpflichtung von Sebastian Polter wäre so, als hätten mir meine Eltern ein Auto zum 18. Geburtstag geschenkt. Sensationell und ich würde mich wie Bolle freuen. Aber richtig damit rechnen? Nö.

Aus der Kategorie “Was macht eigentlich… ?” hätte ich heute Simon Henzler anzubieten, der in der Abstiegssaison 2003/04 zwei Mal zwischen den Pfosten stand:

Das war es von mir heute. Ich muss mit dem Textilvergehen-Team noch ein bisschen an der Choreo für den trainingsauftakt morgen arbeiten:

 

Dirk Thieme – Einer muss es ja machen

Christopher Quiring war auf Kuba und hat dort wegen der Sonne nur drinnen trainiert. Das könnt ihr alles in Bild/BZ lesen. Bevor am Sonntag um 15 Uhr die Saisonvorbereitung im Stadion an der Alten Försterei startet, kommt noch ein Text von Steffi über Dirk Thieme, der eine der Personen ist, der wir dieses Stadion so verdanken, wie es uns am Sonntag wieder begrüßen wird. Der Text erschien zuerst im November 2012 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt. Zu dieser Zeit war die Haupttribüne noch im Bau.

Was man auf der Baustelle an der Alten Försterei zuallerletzt vermutet, ist Milchkaffee. Es gibt ihn aber. In dem Container, in dem das Planungsbüro von Dirk Thieme derzeit arbeitet, steht zwischen Rechnern, Druckern, Materialproben, Papierbergen und Männern in karierten Flanellhemden eine Kaffeemaschine, die so etwas kann. Kein Bier, kein Gebrüll. Schon am Eingang wird darauf geachtet, dass alle ihre Bauhelme tragen.


Foto: Matze Koch

Dirk Thieme ist federführend verantwortlich für den Bau der neuen Haupttribüne, man kann ihn getrost den Vater der Baustelle nennen. „Weißt Du, wo hier die Gasleitung lang geht?“, wird er gefragt. „Na klar!“, sagt er und zeichnet eine Linie in die Luft. Solche Fragen sind vernünftig, vernünftige Fragen werden sofort beantwortet.

Soll er über sich sprechen, über seine Arbeit, wird er erst einmal still, überlegt. Er biegt eine Büroklammer auf und zu. Wieder auf. Zu. Hinter ihm ragt der imposante Rohbau der neuen Tribüne empor. Er zeigt aus dem Fenster. „Die Leute nehmen das doch wahr! Es ist doch nicht so, dass ich den Finger heben muss: ‚Habt ihr eigentlich schon mal gesehen, dass wir drei Stadionseiten gemacht haben, und ein Dach drüber haben?‘ Das sehen die doch alle! Insofern kann ich mich zurückhalten. Wozu sollte ich mich in den Vordergrund spielen?“ Die Büroklammer ist inzwischen nur mehr ein Stück Draht. „Ich habe auch nicht vor, nochmal irgendwann ein neues Stadion zu bauen. Ich brauch‘ diese Werbung nicht.“


Foto: Matze Koch

Ausschreibungen, Vergabe der Bauleistungen, Bauüberwachung sind seine Aufgaben als Vertragspartner der Stadion AG. Dirk Thieme ist sowohl Vorstandsvorsitzender der Stadion AG als auch Präsidiumsmitglied des 1. FC Union Berlin. „Ich setze nicht nur um, was der Bauherr möchte, ich definiere auf der anderen Seite gegenüber den Planern, was der Bauherr möchte.“

Ihm ist bewusst, dass diese Doppelfunktion mit Skepsis betrachtet wird. Er weiß auch, dass er den Zweiflern nur mit unbedingter Transparenz entgegentreten kann. Transparenz heißt: Reden. Erklären. Kommunizieren. Er trägt das mit Fassung. „Wenn man das mit Aktien macht, muss man bestimmte Spielregeln einhalten. Die sind nicht grundlos da.“


Foto: Matze Koch

In den Stadionbau ist er so reingerutscht. „Ich habe eine sehr gute Erziehung genossen. Meine Mutter hat mir aber offenbar nicht beigebracht, nein zu sagen. Und deswegen habe ich mir jede Menge aufhalsen lassen.“ Vom Fan zum Fanvertreter. Vom Fanvertreter in den Aufsichtsrat. Von dort ins Präsidium. Es ist die Geschichte von einem, der Schritt für Schritt Verantwortung übernimmt für das, was ihm wichtig ist. Der Dinge erledigt, die eben erledigt werden müssen. Der mit seinem Fußballverein erwachsen geworden ist.

Erwachsensein bringt vor allem Fragen mit sich. „Was passiert denn, wenn der Elfmeter jetzt an den Pfosten fliegt? Das Spiel verloren geht, oder nicht gewonnen wird? Was hat das für Konsequenzen? Da rattern im Kopf immer Zahlen ab, und Szenarien.“ Erwachsensein heißt Selbstdisziplin. „Ich bin der Typ, der nach dem Spiel in den Keller geht und dann da jubelt und auf Knien grätscht.“ Wer im Präsidium sitzt, der repräsentiert. Ob er will oder nicht. „Als Fan konnte ich jubeln und rumpöbeln. Das geht heute nicht mehr.“


Foto: Matze Koch

Erwachsensein heißt schließlich, „dass die Freude, die man empfindet, noch viel größer ist, als es sonst der Fall gewesen wäre, weil man so unter Druck steht“.

Dirk Thieme ist ein pragmatischer Mensch. Er setzt seinen Helm auf und ist froh, wieder auf seine Baustelle zu kommen. Zu tun hat er genug. „Da gibt‘s schon noch das eine oder andere. Das Fanhaus ist ein Thema, das Nachwuchsleistungszentrum ist ein zweites Thema. Wir müssen uns im Bereich unserer Büroräume irgendwie erweitern. Wir denken aktuell darüber nach, wie wir das bewerkstelligen. Da gibt es schon noch Handlungsbedarf.“ Und einer muss es ja machen.