Nach Darmstadt. Weil völlig bekloppt.

Gestern morgen, nachdem ich “State of the Union” geschrieben habe, fing es ganz plötzlich an. Ich wollte unbedingt nach Darmstadt. Das hatte ich vor ein paar Wochen eigentlich mit meinem Bruder angedacht, aber dann musste der ins Krankenhaus. OP und alles. An Darmstadt und Fußball war nicht zu denken. Doch gestern kam es wieder hoch. Auch weil die ganze Krankenhaus-Nummer medizinisch gut verlaufen ist. Das Gefühl machte sich breit, das Böllenfalltor vielleicht nicht mehr so schnell wiedersehen zu können. Und erst recht nicht im aktuellen Zustand. Also nach einem Bahnticket geschaut. War erschwinglich. Im Zeughaus wegen Auswärtskarten angerufen. Tageskasse in Darmstadt hat geöffnet. Zu Hause nachgefragt, ob ich mich aus der Kinderbetreuung für einen Tag ausklinken dürfte. Das Okay bekommen. Eigentlich bekloppt. Aber auch ein super Gefühl.

Screenshot: Sebastian Fiebrig

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Zweite Liga: Sicher ist, dass nichts sicher ist

Warum die Zweite Liga so interessant ist, verrät drei Spieltage vor Saisonende vielleicht dieser Fakt: Es gibt aktuell den kuriosen Moment, dass nur 2 Mannschaften ganz sicher wissen, dass sie in der nächsten Saison in der Zweiten Liga spielen, nämlich Magdeburg und Paderborn. Alle anderen Mannschaften können theoretisch (bei manchen ist das nur noch sehr theoretisch) entweder noch absteigen oder aufsteigen. Das zum Thema Planungssicherheit …

Apropos Planungssicherheit, laut Bild/BZ ist Union am Hansa-Keeper Janis Blaswich interessiert, der in dieser Saison von Mönchengladbach II nach Rostock ausgeliehen wurde. Mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar, was Union auf dieser Position vor hat bzw. was das Anforderungsprofil ist. Klar ist nur, dass der Vertrag von Daniel Mesenhöler im Sommer ausläuft und der von Jakob Busk erst 2020. Sollte es gegen Darmstadt irgendwie gelingen, den Klassenerhalt zu sichern, dürften wir relativ schnell erfahren, wer Union im Sommer wirklich verlassen wird, damit die Spieler zum letzten Heimspiel verabschiedet werden können.

Der Kurier beleuchtet etwas den aktuellen Stand bei Michael Parensen, der bekanntlich auch im nächsten Jahr noch bei Union spielen wird.

Und sonst so?

Die VSG Altglienicke hat sich von ihrem Trainer getrennt (Kicker) und interimsmäßig übernehmen Lothar Hamann (war kurzzeitig im Dezember 2004 Union-Trainer, sonst Sportchef) und Torsten Mattuschka den Job (Beobachtungen vom Abschlusstraining gestern gibt es in der BZ). Schon am Abend um 18.30 Uhr geht es im Nachholspiel gegen Herthas U23. Altglienicke steht aktuell mit 32 Punkten auf Rang 16 und muss zumindest Rang 14 (2 Punkte Abstand)erreichen, um aktuell nicht abzusteigen. Besser wäre noch Platz 13 (4 Punkte Abstand), der den sicheren Klassenerhalt unabhängig von den Aufstiegsspielen garantiert.

Union muss nach dieser Saison eine wichtige Frage beantworten

Es gibt auch einen Vorteil, dass bei Union vor dem Spiel weder Spieler noch Trainer (André Hofschneider muss allerdings bei der Pressekonferenz am Donnerstag auftreten) reden wollen und geheime Trainings veranstalten. So bekommen wir nämlich Geschichten, die sich auch mit dem Drumherum bei Union befassen, die normalerweise nicht so beleuchtet werden. So berichten Bild/BZ heute davon, dass der gerade erst zu dieser Saison verpflichtete Chef-Scout Oliver Ruhnert vielleicht schon wieder vor dem Abgang steht. Keine Ahnung, was da dran ist. Aber sollte das so sein, wirft das erneut kein gutes Bild auf die sportliche Leitung. Sicher gibt es bei Wolfsburg mehr Geld und andere Ressourcen und dafür können weder Sportgeschäftsführer Lutz Munack noch Helmut Schulte als Leiter der Lizenzspielerabteilung etwas.

Präsident Dirk Zingler und Sportgeschäftsführer Lutz Munack beim Training am 03.04. 2018, Foto: Matze Koch

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Ohne Kroos nach Darmstadt und die Frage: Wer wird ihn ersetzen?

Felix Kroos wird wohl für das Endspiel 3/5 in Darmstadt am nächsten Samstag ausfallen. Der Kapitän hat sich eine Verletzung am Fuß zugezogen bzw. sie ist im Spiel gegen Heidenheim schlimmer geworden (Vereinsmitteilung).

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Ein zähes Spiel, ein Punkt und trotzdem gute Stimmung

Es gab sicher schon Spiele, die schöner anzusehen waren als das 1:1 gestern gegen Heidenheim. Angesichts der Tabellenkonstellation in der Zweiten Liga fand ich es schon ambitioniert, dass einige Leute durchaus ein Spiel mit vielen Torchancen erwartet haben. Es war ein zäher Abnutzungskampf und die ausgesprochen gute Laune auf den Rängen wich mehr und mehr der Erkenntnis, dass ein langer Atem nötig sein würde, um hier was mitzunehmen. Heidenheim war jedenfalls nicht angetreten, um spielerisch zu glänzen, sondern um keine Fehler zu machen. Und so sieht Fußball dann eben aus. Erst recht nachdem Marc Schnatterer verletzungsbedingt raus musste.

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Zentrale Probleme

Weil wir drüben auf Eiserne Ketten ein paar technische Probleme haben, gibt es mal hier die taktische Analyse zum Spiel am Nachmittag gegen Heidenheim, das Union mit einer Leistung auf gleichbleibend mittelmäßigem Niveau 1-1 spielt..

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31. Spieltag: 1. FC Union 1 – 1 Heidenheim – Peter Kurzweg wird mit seinem zweiten Startelf-Einsatz zum Heidenheim-Spezialisten

Überraschung

Auf Grund der Sperre von Marvin Friedrich, die eine Änderung der Startelf unvermeidlich machte, aber auch wegen Eigenheiten in Heidenheims Spielweise, war dies eines der Spiele, bei denen es im Vorfeld am schwierigsten war vorherzusagen, wie Union auflaufen würde. Mit einer Viererkette Friedrichs Position in der Abwehr schlicht wegfallen zu lassen war eine Option, oder besser zwei, denn der dort gesparte Spieler könnte in einer 433 Variante im Angriff, oder in irgendeinem 442 im Mittelfeld hinzukommen. Eine andere, ebenso variantenreiche, Option gaben Lennard Maloney und Micha Parensen: beide standen als möglicher direkter Ersatz für Friedrich bereit.

Doch die Aufstellung, für die sich André Hofschneider letztlich entschied, stand in keiner Vorschau, dafür aber in Person von Peter Kurzweg auf dem Platz. Der eigentliche Linksverteidiger Ersatz stand damit in dieser Zweitliga-Saison genau dann in der Startelf, wenn der Gegner Heidenheim hieß, aber nie als Linksverteidiger. Denn mit Kurzweg und wohl um die Defensive gegen Marc Schnatterer zu verstärken stellte Hofschneider auch das System um, auf ein 442 mit Raute, in dem Kurzweg links weiter auf dem Flügel spielte als Felix Kroos auf der rechten Seite.

Es steht sinnbildlich für André Hofschneiders Amtszeit im Ganzen, dass auch dieser Maßnahme nach nicht einmal zehn Minuten die Grundlage entzogen wurde, als Marc Schnatterer verletzt ausgewechselt werden musste. Kurzweg als zusätzliches defensivstarkes Element war nun weniger notwendig als zuvor, aber immer noch auf dem Platz. Es wäre aber unfair, die Probleme Unions, Offensivaktionen zu kreieren, an Kurzweg fest zu machen. Kurzweg hatte eine gute Aktion, als er Hedlund vor dessen Chance nach 24 Minuten gut Platz verschaffte und bediente. Es rechtfertigt aber andererseits seine Aufstellung auch nicht wirklich, auf die Chancen hinzuweisen, die er hatte und vergab. Davon gab es zwei, jeweils nach Läufen ins Sturmzentrum: ein Kopfball früh in der zweiten Halbzeit, und eine unsaubere Annahme eines Balles, den er besser Simon Hedlund überlassen hätte einige Minuten später unmittelbar nach der größten Chance von Heidenheim). Im Gegenteil: beide Aktionen wurden möglich, weil die Spitzen Hedlund und Skrzybski mit ihrem Tempo auf die Außen gehen und in der Mitte Räume öffnen, in die Mittelfeldspieler stoßen können. Aber die Eignung der Spieler in diesen Situationen zeigt sich eben (auch) in der Ausführung von, nicht (nur) der Beteiligung an solchen Aktionen. Kenny Prince Redondo traf aus einer Kopfballchance, die der von Kurzweg ähnlich sah.

Zentrales Problem

Immerhin waren diese Momente aber welche, in denen ein gewollter Mechanismus in Unions Offensivspiel funktionierte. Aus dem eigenen Spielaufbau heraus war das selten der Fall. Niemand hätte Arne Feick widersprechen können, als er nach dem Spiel sagte, Heidenheim habe das Spiel ohne Ball bis Mitte der zweiten Halbzeit gut kontrolliert habe: “Wir haben sehr, sehr wenig zugelassen, und Union ist auch nicht viel eingefallen.” Das lag auch daran, dass Union weiterhin keine Mittel hat, das eigene offensive Mittelfeld ins Spiel zu bringen.

Wo Zehner Dennis Daube Aktionen hatte, zeigt Unions Problem: nicht im Zehnerraum. Graphik von WhoScored.

Auf das Zurückfallen/Abkippen von Fürstner oder Kroos angesprochen sagte Marc Torrejón nach dem Spiel, es habe geholfen, sich aus dem Pressing der Heidenheimer Spitzen zu befreien. Das stimmt. Aber Heidenheims Pressing war nicht (durchgängig) so intensiv, dass diese Entlastung nötig gewesen wäre. Und wenn sie dazu führt, dass der Ball nur in ungefährlichen Räumen gehalten wird, hilft das dem Spiel insgesamt nicht. Denn wenn Fürstner und vor allem Kroos als zentrale Anspielstationen fehlten, führte das meistens dazu, dass Union über die Außenverteidiger weiterspielte. Es fiel Heidenheim dann recht leicht, auf Trimmel und Pedersen heraus zu schieben, sie an der Seitenauslinie zu stellen und Angriffe nicht wirklich entstehen zu lassen.

Mit diesen Problemen im Ballbesitzspiel kamen die vielversprechendsten Union Angriffe wieder zu Stande, wenn Bälle im zentralen Mittelfeld erobert und schnell nach vorn gespielt wurde, die ersten Aufbauphasen also weg fielen.

Wechsel

Nach dem positionsgetreuen Wechsel von Daube zu Gogia (der allerdings etwas mehr Aktionen im Zehnerraum hatte), wechselte Union mit der Einwechslung von Redondo und Philipp Hosiner das System, vor allem aber die Intensität und den Druck der Angriffsbemühungen, bei denen nun alle Offensiven deutlich aggressiver waren. Hosiner besetzte nun mit Hedlund das Angriffszentrum, Skrzybski den linken Flügel, während Redondo links zentraler spielte und so die Asymmetrie in Unions Spiel fortführte. Das in der entstehenden zehnminütigen Druckphase nur ein Tor fiel, war etwas unglücklich, insgesamt aber gerecht – Heidenheim hätte mit mehr etwas besser ausgespielten Kontern sehr gut auch öfter als nur ein Tor erzielen können.

Szene des Spiels

Die Doppelchance beider Mannschaften in der 53. und 54. Minute, als zunächst Trimmel den Ball nicht abschirmen konnte und Glatzel eine Großchance ermöglichte, dann Union über Kroos und Skrzybski konterte. Dass dabei wie auf der Gegenseite ein Verteidiger sich mittelmäßig geschickt anstellte, illustriert das Niveau des Spiels insgesamt, ebenso wie Kurzwegs Mangel an Übersicht und Ballkontrolle.

Endspiel 2/5

Ich könnte vor der Partie gegen Heidenheim heute um 13 Uhr von schlechten Vorzeichen sprechen, in dem ich wie der Tagesspiegel auf die vergangenen 3 Spiele gegen Frank Schmidts Mannschaft verweise, die Union verloren hat. Dann ist da noch die Umstellung in der Abwehr durch die Gelb-Sperre von Marvin Friedrich (der Kurier zählt auf, welche Optionen stattdessen in Frage kommen). Und zu zu allem Überfluss ist da noch die Meldung aus der Bild (nicht online), nach der Felix Kroos fraglich ist, da der Kapitän beim Abschlusstraining nicht dabei gewesen sein soll. Aber ich lasse mich davon nicht entmutigen. Probleme sind nur dornige Chancen oder so. Union hat heute die riesige Möglichkeit, den Klassenerhalt nahezu komplett klar zu machen. Und genau das ist es, wofür ich heute ins Stadion gehe.

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Anti-Fussball ist kein Alleinstellungsmerkmal

Als ich gestern zur Vorbereitung auf Unions Spiel morgen gegen Heidenheim anfing, mir ein Spiel von Heidenheim nochmal anzuschauen, musste ich mich überwinden, damit nicht nach fünf Sekunden wieder aufzuhören: Heidenheim hatte Anstoß – und nutzte den ersten Ballkontakt danach um den Ball 30 Meter in der gegnerischen Hälfte ins Aus zu schlagen. Das gelang mir, in dem ich mich daran erinnerte, dass Einwürfe des Gegners (tief) in dessen Hälfte ganz gute Situationen zum Pressing sind. Das hatte sich offenbar auch Heidenheim gedacht. Man fällt aber trotzdem ein bisschen vom Glauben an den Fußball ab, wenn man das sieht.

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Die Zeit, in der es immer auch um Wechsel geht

Jetzt, wo die Bedrohung eines Abstiegs in den meisten Köpfen und viel mehr möglichen und wahrscheinlichen Tabellenrechnereien weniger akut ist, bricht die Zeit an, mit der aktuellen Situation eines Spielers immer auch Spekulationen um seine vertragliche Zukunft zu verbinden.

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Heute in diesem Sinn Thema: Stephan Fürstner (und 1860), Photo: Matze Koch

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Hat Philipp Hosiner noch einen Platz bei Union?

Während anderswo in der Liga der Anfang der neuen Saison definiert wird, noch bevor die sportlichen Entscheidungen fallen, wer in der kommenden Saison noch darin spielt, gibt es bei Union in dieser Woche kein öffentliches Training und keine Spielerinterviews und keine dominanten Themen.

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