Archive for the 'auswärts' CategoryPage 2 of 8

Gastfreundlichkeit

Das letzte Spiel des Jahres führt den 1. FC Wundervoll in ein Stadion, dass noch nie einen richtigen Namen besaß und auch nie Stadion genannt wurde. Wie bei einigen anderen Spielstätten, die nicht mehr Stadion sondern Arena heißen wollen, hat sich auch die Betreibergesellschaft in München für ein Kartensystem zur Bezahlung entschieden: Die Arena-Card. Der Vorteil für den Betreiber liegt auf der Hand. Die gesamte Abrechnung muss nicht mehr mit Bargeld durchgeführt werden, sondern kann durch elektronische Kassensysteme erfolgen. Ein Vorteil für den Besucher ist nicht zu erkennen. Für den Gästeanhänger erst recht nicht. Der darf sich vorher die Karte holen und muss es nach dem Spiel so organisieren, dass er die Karte wieder zurückgeben kann.

Um die Gästefans allerdings nicht allzusehr gegen sich und sein Kartensystem aufzubringen hat der Betreiber folgenden Hinweis veröffentlicht:

Hinweis für Gästefans: Speisen und Getränke dürfen im Gästesektor nicht in den Block mitgenommen werden.

Das erinnert an die sowjetische Variante des Verkaufs von Kwas oder Bier aus Kübeln auf Rädern. Damals hing am Kübel ein Becher, aus dem jeder das Getränk in einem Zug leerte. Der Becher wurde ausgewischt und danach war der nächste dran.

Bild: hanszinli

Zusätzlich kam als Information vom gastgebenden Verein, dem TSV 1860 München, noch folgende Verbotsliste:

Folgende Fanutensilien sind in der Allianz ARENA nicht erlaubt:
• Große Schwenkfahnen (auch nicht mit Fahnenpass) über 150 cm
• Doppelhalter, Megaphone
• Blockfahnen
• Rucksäcke, Obst
(Rucksäcke können am Gäste-Eingang abgegeben werden, sind während des Spiels beaufsichtigt und können nach Spielende wieder abgeholt werden.)

Es ist nicht davon auszugehen, dass kein Obst mitgebracht werden darf, damit im Stadion Obstsalatbecher verkauft werden können. Zynisch könnte von einer Lex Oliver Kahn gesprochen werden. Was auch immer der Hintergrund ist: Gastfreundschaft sieht in jedem Fall anders aus.

Nachricht von Paul.

Seit geraumer Zeit bekomme ich regelmäßig Nachricht von Paul. Ich habe viele eigenwillige Freunde, aber Paul ist die einzige gelbe Plüschente in meinem Bekanntenkreis, die auswärts fährt. Und das Bild oben ist mein bislang liebster Kommentar zum Spiel in Kaiserslautern am vergangenen Wochenende. Danke, Paul, und schönen Gruß zurück!

Zwischen Plappern und Schweigen.

Ey, liebe Saison – so hatten wir nicht gewettet! Jan Hollants hat uns einen Gastbeitrag über den aprilwettrigen Verlauf der aktuellen Spielzeit und die sich ausbreitende Sprachlosigkeit in Sachen Union geschrieben. Auch wenn der Anlass ungut ist: Dankeschön, Jan!

Gestern Nachmittag, vor dem Eiscafé – denn trotz eines kalten, böigen Windes will die Liebste Eis, und so tun wir so, als wäre ein schöner Frühlingstag und bestellen große Eisbecher, mit von allem etwas zu viel. Wir sind Unioner, wir machen das so, insbesondere für unseren Verein. Wir kommen immer wieder und singen, springen, schreien. Wir pfeifen nicht, wir lernen statt dessen neue Lieder. So machen wir das.

Gestern vor dem Eiscafé trafen wir noch einen Unioner mit Kind und Kegel, man schaut sich an und jedem steht ins Gesicht geschrieben: Hast du irgendeine Erklärung? Gespräche beginnen dann mit: “Ähm,…”, werden fort geführt mit: “…sie haben ja nicht schlecht gespielt…” “…im Vertrag von M. wird doch nicht stehen…” “…ach Quatsch, das Glaube ich nicht, aber wieso…” “…Platz 11…” “…sieben Punkte…”, und Enden mit: “Ick versteht dit nicht. Wirklich.” “Ich auch nicht.”

Die Sprachlosigkeit ist mit Händen greifbar.

Sogar die Bildzeitung wärmt nur noch einmal den Unfug vom Traum eines Durchmarsches auf, den sie selbst verzapft haben, um ins in den Abstiegskampf zu reden, in dem wir nun schon eine Weile stecken. Zugegeben war unser Vorsprung auf den Relegationsplatz bisher beruhigend groß. Mein Wunsch, drei Spieltage vor Ende der Saison auch rechnerisch auf einem Nichtabstiegsplatz zu stehen (weil ditt hält mein ollet Herz nich mehr aus), wurde oft mit einem “ach mit dem Abstiegskampf haben wir diese Saison überhaupt nüscht zu tun!” quittiert. Darauf kann ich nur sagen, ick kenne mein Union, und einfach haben wir uns es nur ganz, ganz selten jemacht.

Dass Uwe Neuhaus aufgehört hat, Quatsch zu reden und scheinbar das erste Mal richtig sauer geworden ist, hilft auch nicht weiter. Wo ist der Typ hin, dem man alles geglaubt hat, weil er gradeaus gesprochen hat und nicht windelweichen Unsinn? Sind wir nun im Abstiegskampf angekommen? Und wird bitte wieder Klartext geredet? Ich würde sehr darum bitten. Es würde uns allen das Leben leichter machen.

Die Mannschaft spielt nicht schlecht, in keinem der letzten Spiele habe ich uns dem Gegner wenn nicht überlegen, doch zumindest ebenbürtig gesehen, und das ist ein Ergebnis guter Trainingsarbeit und einer Mannschaft mit dem Willen zum Sieg. Warum es nicht langt? Ich bin kein Erleuchteter aus den Fußballtalkrunden, und alle Erklärungen, die ich lese, erklären mir nichts. Ein einziges großes Geplapper in den Medien und im Unionforum. Schulterzucken allenthalben.

Also machen wir es wie es Unioner machen. Wir sind da, singen, schreien, springen und lernen neue Lieder.

Machbarer Gegner.

Die Saison biegt langsam auf die Zielgerade ein. Am Horizont dräut bereits die Weltmeisterschaft. Aber vorher steht eine Dienstreise nach Frankfurt auf dem Programm, nicht zur Eintracht in das Waldstadion sondern zum FSV in das Stadion am Bornheimer Hang. Während bei Union zuviel Ruhe herrscht, geht es in Frankfurt gereizt daher. Die Ausgangslage ist klar. Frankfurt will den Relegationsplatz verteidigen, während der 1. FC Wundervoll mit einem Sieg wohl jegliche Gedanken an einen Abstieg vertreiben kann.

Soweit so gut, wenn beim Sortieren des heutigen Sportprogramms nicht folgender Satz aufgefallen wäre:

Der FSV Frankfurt auf dem Relegationsplatz hat heute eine machbare Aufgabe gegen die notorisch auswärtschwachen Berliner von Union (2 Auswärtssiege in der Saison).

Ein Blick in die Tabelle bestätigt tatsächlich diese Aussage. Zwei Auswärtssiege (am 1. Spieltag 0:3 in Oberhausen und am 11. Spieltag ein 1:4 in Aachen), fünf Unentschieden und dazu sechs Niederlagen addieren sich zu elf Punkten. Damit liegt Union auf Rang 13 mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Letztplazierten, Koblenz. Dieser Fakt sollte Motivation genug sein. Außerdem sollte niemand zu Union “machbarer Gegner” sagen.

Schlagzeilen.

Pleiten, Pech und Pannen. Alles so schön geplant. Kurztrainingslager auf echtem Rasen, Teambuilding und mal schnell noch drei Punkte beim Tabellenletzten mitnehmen. Friede, Freude Eierkuchen. Und dann schön Ruhe haben.

Manchmal hilft die beste Planung nicht. Und alles, was man anfässt, geht schief. Wir unterhalten uns über das Spiel auf dem Dorfanger in Ahlen und über die Figur, die die Verantwortlichen des 1. FC Wundervoll bei der Berichterstattung zum Überfall auf Spieler am Rande des Spiels Schalke gegen Dortmund abgegeben haben.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Podcast in iTunes abonnieren

Podcast als RSS-Feed abonnieren

Download als MP3

Motivationskrise.

So zeichnet kein fröhlicher Mensch.

Danke, Düsseldorf!

Noch im letzten Podcast hatte ich geradezu geklagt, es gäbe in dieser fabelhaften, professionell durchstrukturierten Welt der 2. Bundesliga gar keine standesgemäßen Erzfeinde mehr. Nur Fairness, Sportlichkeit und freundliche Menschen, wohin man sich auch dreht und wendet. Es fehlte mir eine Mannschaft, die ich so richtig nicht leiden kann. Dabei ist das, wie jeder weiß, essenzieller Bestandteil von Fußballfankultur. Fortuna Düsseldorf hat sich heute redlich und nicht ohne Erfolg bemüht, diesem Mißstand abzuhelfen.

unsympathisch

Nun gehört zu einer mit Leidenschaft gelebten, innigen Feindschaft noch einiges mehr, aber die erforderliche Grundunsympathie ist durchaus vorhanden, für einen “Erzfeind der Herzen”* sollte das genügen.

Das Spiel selbst läßt sich mit weniger als 140 Zeichen beschreiben:

aus

Man könnte kleinlich einwenden, dass dieser unberechtigte Freistoß verdammt gut geschossen war. Wär´s nicht Düsseldorf, ließe man sich eventuell zu einem “überragend” hinreißen. Aber: Es war ja nun mal Düsseldorf.

nie

* Anm: “der Herzen” sind immer die, bei denen es für was richtiges nicht gereicht hat.

The roof is on fire.

“So etwas wollen wir hier nicht sehen”, sagt der SKY-Reporter. “Das ist Unsinn”, fügt er hinzu, und dann noch “Wir wollen diesen Idioten kein Forum bieten.” Anschließend betrachte ich längere Zeit einen rot leuchtenden Fan-Block. Im Fernsehen. Bei SKY.

Hinter mir der dicke Gastwirt meint trocken “Dit is do´ keen Unsinn, dit is bengalischet Feuer” und zieht eine Augenbraue hoch, eventuell auch beide.

Nach Durchsicht der Zeitungsberichte bemerke ich erhöhte Meinungsvielfalt auf der Tatsachenebene. Soll heißen: zwar weiß niemand so ganz genau, was war, das Spektrum der Berichte fällt gar zu unterschiedlich aus, aber jeder vertritt eine Ansicht darüber, was sich zugetragen haben könnte und schöpft tiefe Weisheit aus dieser Grundlage. Mal sind es “die Berliner”, mal “Hooligans”, mal “vereinzelte Spinner”, auch von BFCern lese ich. Die Rede ist ferner von Körperverletzung, Brandstiftung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Dass das alles ohne Beamtenbeleidigung vonstatten gegangen ist – ich staune. Aber es wird schon von allem etwas dabei gewesen sein.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich mißbillige Gewalt. Allerdings von jedweder Seite.

Um absolut richtig verstanden zu werden: Bengalische Feuer gehören in Fußballstadien. Und alle die, die so gut davon leben, diese Bilder zu zeigen, sollten eigentlich das Kleingeld aus den Phrasenschweinen zusammenlegen. Für einen bis zwei Pyrotechniker pro Stadion beispielsweise.

Feuer unterm Dach

Südländische Atmosphäre. Kameraschwenk. Tolle Stimmung. Emotionen. Das hören wir, wenn Übertragungen aus Italien oder der Türkei gezeigt werden. Dagegen das deutsche Fernsehen: “Das sind keine Fans!” oder auch gleich pauschal “Chaoten“. Dazwischen gibt es wenig.

In Bielefeld gab es vor dem Spiel bereits einen Polizeieinsatz, den Mathias Bunkus im Berliner Kurier, auf Provokationen von Fans des BFC Dynamo zurückführt. Die unkommentierten Bilder bei unveu.de scheinen das zu bestätigen. Aus den Bildern geht auch hervor, wie in einem halbvollen Stadion die Gäste in einer Ecke eingequetscht werden. Da ist das Bielefelder Stadion beileibe kein Einzelfall. So sieht es auch in Bochum oder im neuen Aachener Tivoli aus. Gastfreundschaft ist etwas anderes. So wirken die Gäste lediglich als notwendiges Übel.

Die Frage steht natürlich im Raum, wieso sich die Auswärtsfahrer von zwei Anhängern des ehemaligen Vereins des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, des BFC Dynamo, so provozieren lassen, dass sie die Absperrungen überspringen, um mit den beiden Herren Argumente austauschen zu wollen. Das passt medial inszeniert sehr gut zu dem sagenhaft unkritischen Artikel des Tagesspiegels von letzter Woche, der dem Leiter der Polizeidirektion 6, Prof. Michael Knape, ein Forum überließ ohne auch nur mit einem Wort die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Dessen Argumentation, beim Spiel gegen Cottbus sei es nur wegen der massiven Polizeipräsenz nicht zu Ausschreitungen gekommen, wird nun schwerlich beizukommen sein. Dass diese Präsenz ein normales Leben im Bezirk Köpenick an diesem Abend verunmöglichte wird dabei ebenso verschwiegen wie andere Möglichkeiten der Durchführung des Polizeieinsatzes. Michael Knape vertritt diese Position auch aktiv bei der GdP, so zum Beispiel bei deren diesjährigem Symposium “Fußball und Gewalt” in Berlin als er ein Referat mit der Fragestellung “Sind Fußballspiele ohne Polizeischutz überhaupt noch durchführbar?” hielt. Diese GdP, die fordert, Fußballvereine und Verbände sollten sich an Kosten für Polizeieinsätze beteiligen, deren Umfang allerdings die Polizei festlegt. Diese GdP, deren Vorsitzer Freiberg der Meinung ist, dass sich jeder, der ein Fußballstadion betrete, sich in Lebensgefahr begebe.

Mit dem Wissen um diese Hintergründe sind die Übergriffe vom Bielefeldspiel nur als vereinsschädigend und dumm zu bezeichnen. Der Verein wird ohne Zweifel zur Kasse gebeten werden. Und das wird nicht billig werden. Und bei den nächsten Spielen wird man sich über mangelnde Aufmerksamkeit durch die Polizei auch nicht beschweren können. Dass zudem in einem vollbesetzten Gästeblock, der über keine Vielfalt an Fluchtwegen verfügt noch Feuer gezündet werden, kann man nur noch mit einem Kopfschütteln quittieren. Die Freude über den mitgenommenen Punkt ist jedenfalls getrübt.

Nüchtern betrachtet: Der 14. Spieltag

71 oder 72 Minuten (auf eine gemeinsame Stoppuhr konnten sich die anwesenden Journalisten nicht einigen) soll sie am Montag gedauert haben die Analyse des Spiels bei St. Pauli. Das ganze Match wird Uwe Neuhaus seinen Spielern also nicht gezeigt haben. Wahrscheinlich wird er ihnen erklärt haben, dass 59% Ballbesitz während des Spieles zwar nett anzusehen sind, aber nichts über die Qualität des Spieles aussagen, wenn man mit dem Ballbesitz nichts anzufangen weiß. Das illustriert die Statistik über die erfolgreichen Pässe. Union hat 441 erfolgreiche (von 532) Pässe gespielt. St. Pauli kam mit 267 (370) erfolgreichen Pässen aus. Vor allem Pässe in der eigenen Hälfte spielte der Gastgeber mit 153 knapp 100 weniger als der 1. FC Wundervoll. Man mag also auf das Defensivverhalten der Jungs in rot-weiß eindreschen, aber das eigentliche Problem bestand darin, dass man über 90 Minuten nicht in der Lage war, einen zielstrebigen Angriff zu inszenieren. Jedenfalls, wenn man drei Punkte mitnehmen wollte.

Das schöne an der ganzen Sache ist, dass es nur wenige Tage bis zum nächsten Spiel sind. Und bei Tabellenplatz fünf brechen auch nicht gerade Depressionen aus. Also Vorfreude auf ein ausverkauftes Stadion am Freitag gegen Cottbus.

FC St. Pauli – 1. FC Union Berlin 3:0 (3:0)

1:0 Ebbers (9.)
2:0 Kalla (14.)
3:0 M. Kruse (39.)

Gelbe Karten: Younga-Mouhani (6.)

Zuschauer: 19.901 (ausverkauft)

Noten_14

Bei den Noten kommt Jan Glinker als Torhüter natürlich am besten weg. Christoph Menz hat das Glück, in der ersten Hälfte, als St. Pauli eigentlich jeden Angriff gefährlich vor das Tor brachte, nicht auf dem Platz gestanden zu haben. Rauw wurde deutlich schlechter als sein linker Gegenpart Kohlmann bewertet. Die gefährlichen Angriffe von St. Pauli wurden über die rechte Verteidigerseite initiiert. Aber auch offensiv lag unsere linke Seite brach. Als Vergleich ein Blick auf die geführten Zweikämpfe und Ballkontakte:

Kohlmann (2 erfolgreiche von 3 Zweikämpfen und 85 Ballkontakte)
Rauw (5 erfolgreiche von 14 Zweikämpfen und 85 Ballkontakte)

Parensen (6 erfolgreichen von 10 Zweikämpfen und 68 Ballkontakte)
Mattuschka (5 erfolgreiche von 16 Zweikämpfen und 98 Ballkontakte)