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Warme Gedanken

Die Kälte und der für den Monat Dezember völlig untypische Schnee haben Berlin im Griff. Trotzdem mehr als 15.000 Zuschauer im Stadion. Die singen und tanzen die Kälte weg. Zumindest die Gedanken daran. In einer unbeheizten S-Bahn geht das nicht. Dafür gab Präsident Dirk Zingler dem Tagesspiegel ein (mal wieder) bemerkenswertes Interview und wärmte damit dem geneigten Unioner das Herz. Schon allein die Antwort auf die zu erwartende Olympiastadionfrage hat bei mir einen festen Platz unter dem Weihnachtsbaum gebucht.

Sie könnten Ihre wirtschaftliche Lage verbessern, wenn Sie nächstes Jahr Ihre Heimspiele gegen Hertha in der Zweiten Liga im Olympiastadion austragen.

Mir fällt nichts ein, was uns ins Olympiastadion bringen könnte, außer das DFB-Pokalendspiel.

Nüchtern betrachtet: Der 3. Spieltag

Zahlen aneinander gereiht. Prozente berechnet. Kurven erstellt. Steffi sagt, dass dies ein Männerding sei. Mir gefällt es. Inspiriert wurde ich von Catenaccio, der das sehr ausführlich betreibt. Natürlich weiß ich, dass verbale Beurteilungen viel präziser sind und auch der Persönlichkeit gerecht werden. Aber hier soll gnadenlos verglichen werden. Über den Saisonverlauf kann man anhand der Noten doch einen Trend beobachten. Das hoffe ich jedenfalls.

Das Ergebnis

1. FC Union Berlin – FC Hansa Rostock

1:0 (Mosquera 33. Min); 17.500 Zuschauer

Einzelbewertung

Entnommen wurden die Noten dem Berliner Kurier, dem Kicker und Sportal. Vielleicht kann mir noch jemand sagen, ob die Bild auch für die 2. Liga Noten verteilt. Der Kurier vergibt nur volle Noten, was häufig zu besseren Bewertungen führt.
Echte Ausreißer gibt es nicht. Sowohl Jan Glinker als auch Marco Gebhardt hatten schon bessere Spiele. Das drückt sich auch in den Noten aus. Innenverteidigung plus defensiver Abräumer Younga-Mouhani und der fleißige Mosquera haben überzeugt.

Noten 3. Spieltag 2009/10

Ballkontakte 3. Spieltag 2009/10

Erfolgreiche Pässe 3. Spieltag 2009/10

Bei den Zweikämpfen fällt auf, wie häufig Mosquera den Weg Mann gegen Mann gesucht hat. Würde es Fleißbienchen nach dem Spiel geben, er und Younga-Mouhani hätten sie diesmal ins Muttiheft gestempelt bekommen müssen.

Zweikämpfe 3. Spieltag 2009/10

Zahlen von bundesliga.de
Kurier Kicker Sportal Ø
Jan Glinker 3 4 3,5 3,50
Michael Bemben 2 3,5 3 2,83
Christian Stuff 1 2 3,5 2,17
Daniel Göhlert 1 2 3 2,00
Patrick Kohlmann 2 3 3 2,67
Macchambes Younga-Mouhani 2 2 3 2,33
Thorsten Mattuschka 3 3,5 3,5 3,33
Hüzeyfe Dogan 3 3 2,5 2,83
Marco Gebhardt 3 4 3,5 3,50
Karim Benyamina 3 3,5 3 3,17
John Jairo Mosquera 2 2 2 2,00

Film ab, Ton aus.

Zwei Studenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie wollen eine Doku über Union machen und schicken zum Anfüttern zwei kleine Filmchen voraus. Einer davon ist dieser hier:

Die Idee ist weder neu noch schlecht. Interessanter Gedanke aber, dazu die Düsseldorfer Opelgang musizieren zu lassen. Auch wenn ich das Lied zufällig mag. Auch wenn ich mit dieser Vorliebe eher allein durchs Leben gehe.

Aus den Archiven (3).

Am 2. Dezember 1978 spielte Union zuhause gegen Sachsenring Zwickau, und im Stadionheft findet sich unter der Überschrift “Gefährdung durch Knallkörper” eine Notiz, dass “die Unsitte des Abbrennens von Feuerwerkskörpern in den Fußballstadien auch den 1.FC Union seit längerer Zeit beschäftige.”

Seit längerer Zeit!

Die Wikipedia sagt nun, dass Deutschland erst Anfang der 1990er von der Ultrá-Bewegung erreicht wurde und nennt hier zuvörderst die Fortuna Eagles aus Köln im Jahre 1986. Das Wuhlesyndikat ist also ausnahmsweise mal nicht schuld. Das möchte ich ausdrücklich festgehalten wissen.

Weil Verbieten bekanntermaßen selten zum Erfolg führt, wurde ein sehr lehrreicher Text hinzugefügt:

Erst kürzlich war in den Zeitungen zu lesen, daß Schüler der 9. und 10. Klassen in Halle und im Kreis Demmin beim Herstellen und Hantieren mit Knallkörpern schwere Verletzungen davontrugen. [...] Wir können nur hoffen, daß diese tragischen Unglücksfälle Unbesonnenen eine Mahnung ist.

1978. Wilde Zeiten.

Aus den Archiven (2).

Das Stadionheft als Bastelbogen zum Mitmachen. Auf der Rückseite konnten geneigte Publikümmer die Rückennummern ihres Teams eintragen.

Hier zunächst die So-Geht´s-Nicht-Version:

20081228_stadionhefte_002

So ist´s richtig, so ist´s gut, freundlich zieh´ ich meinen Hut. Aber mal im Vertrauen gefragt: haben die wirklich so gespielt?

20081228_stadionhefte_003

Für das Wort “Schiedsrichterkollektiv” beantrage ich Artenschutz.

Aus den Archiven (1).

Oberliga-Punktspiel am 26. August 1978, Union gegen Erfurt. Was man heute Stadionheft nennt, waren zwei auf Hälfte gefaltete, ineinander gelegte DIN-A4-Blätter, und man sagte “Fußballprogramm” dazu. Das Union-Logo ist 30 Jahre später immer noch unverändert. Nur sehen wir es heutigentags seltener in schwarzweiß.

Ganz schwummerig wird mir angesichts der Reklame im Heft. Ich hatte die DDR ja als weitgehend werbefreie Zone in Erinnerung. Man kauft eben, was es gibt, und bastelt sich selber, was es nicht gibt. Der Rest wächst im Garten. Zementsäcke und Kaffee sind gängige Währungen. Werbung also. Für einen Ladenhüter namens Jugendmode. Klingt nicht wie ein Markenname, war aber einer. Jugendmode war später mit einer Kosmetiklinie namens “action” verbunden, die rosa-schwarz kariert verpackten Nagellack im Sortiment hatte. Ich erinnere mich an eine Fliege, die lebend auf einer mit “action” gesprayten Fönfrisur landete und tot herunter fiel. Ich erinnere mich schrecklicher Weise sogar an den Namen der Frisurenträgerin.

Das Fußballpublikum fand Werbung schon damals scheiße, wie auf Seite 4 nachzulesen ist. Befragt, wie es sich die Gestaltung des Stadionheftes wünsche, antwortete es, es wolle statt dessen lieber Texte lesen. Die Redaktion schrub zurück, dass dies “bei der ehrenamtlichen Ausarbeitung der Manuskripte eine kaum zu bewältigende Mehrbelastung” bedeute. “Außerdem müssen wir auch etwas ökonomisch denken, denn mit Anzeigen wird das Programm finanziell gestützt.”

Einig waren sich Redaktion und Leser aber darüber, dass die Mannschaftsaufstellung auf die Rückseite des Heftes gehört. Und zwar nicht als Namensliste, sondern der taktischen Aufstellung entsprechend. “Die Form, die Spielernamen untereinander aufzuführen wird ausnahmslos abgelehnt.”

Achso, das Spiel ging gemäß handschriftlicher Notiz des Eigentümers auf dem Deckblatt des Programmheftes 0:0 aus. So war das, und nein: ich war nicht dabei.

20081228_stadionhefte

Nadine und Mario, ich danke euch für dieses Juwelenkästchen der Erinnerung!