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Live von der Mitgliederversammlung

Heute 19.30 h beginnt in der Ballspielhalle in der Hämmerlingstraße die Mitgliedersammlung des 1. FC Union Berlin. Wir sind, soweit uns die Technik trägt, live dabei. Kommentieren darf jeder.

Leider muss die Liveübertragung kurzfristig wegen Personalmangels (ich bin verhindert) ausfallen. Ich finde das schade. Aber vielleicht gibt es einige Bilder und Meldungen über Twitter oder die Facebookseite des Vereins.

Der Worte sind genug gedrechselt

Mittwoch Nachmittag in Berlin-Köpenick. Ein Tross von Journalisten auf der Suche nach Themen, die nicht bereits seit einer Woche durch die Zeitungen geistern. Auf den Gesichtern ist Müdigkeit zu erkennen und der Wunsch, das Spiel möge endlich vorbei sein. Dieses Spiel, dass so stark elektrisiert, dass die ersten bereits ausgebrannt wirken.

Trainer Uwe Neuhaus und Teammanager Christian Beeck beten auf der Spieltagspressekonferenz vor dem Derby die Punkte hinunter, die jeder mit dem Begriff Derby verbindet: Leidenschaft, Enthusiasmus und Kampfgeist bei der Mannschaft. Auf den Rängen Kreativität und Rivalität. Und für das Konto drei Punkte. So lautet der Dreiklang. Aber so könnte er vor jedem Spiel lauten. Ein einziges Mal stört Neuhaus den beruhigenden Lauf der immergleichen Phrasen, als er die Neuschöpfung vom “friedlichen Gegeneinander” einbringt.

Es herrscht Routine. Ein ganz normales ausverkauftes Spiel im Stadion an der Alten Försterei. Man möchte auch einmal wieder in Führung gehen. Ja, Jérôme Polenz werde sehr wahrscheinlich für das Spiel ausfallen. Man habe mit Rauw und Menz Alternativen in der Hinterhand. Und was ist mit Paul Thomik? Das könne man noch nicht sagen. Denn überraschend hat sich auch Union ab heute Abend für ein sogenanntes Geheimtraining entschieden.

Uwe Neuhaus muss innerlich sehr starke Schmerzen haben, als er gefragt wird, welche Unterschiede er zwischen den Derby im Westen mit Dortmund-Schalke und dem Berliner Stadtderby sehe. Aber anstatt zu antworten, dass der große Unterschied sei, dass das Berliner Stadtderby so noch nie stattgefunden habe, antwortet er geduldig. Aber nichtssagend.

Am Ende die Hinweise aus der Sicherheitsbesprechung der beiden Vereine und der Polizei. Natürlich sei das Spiel ein Sicherheitsspiel. Aber das läge am ausverkauften Stadion und nicht am Derby. Eine Fantrennung werde es sicherlich nicht geben, solange die Lage friedlich bleibt. Solch eine Trennung durchsetzen zu wollen, sei bei einem Stadtduell auch illusorisch, meint Pressesprecher Christian Arbeit. So gibt es auch keine Maßnahmen gegen den angekündigten Fanmarsch der Herthaner. Gänzlich ungewohnt setzt die S-Bahn sogar vollständige Züge nach Köpenick ein. In einer dermaßen von der Bahn gebeutelten Stadt wie Berlin allein schon eine Schlagzeile wert.

Am Ende rollen die Fotografen mit ihren Koffern wieder weg. Es gab die gleichen Bilder wie auf jeder Pressekonferenz. Die Radiojournalisten holen noch ein paar O-Töne. Für etwas Abwechslung sorgt der BBC World Service bei einem Interview. Aber sowohl Trainer als auch Teammanager sind schnell verschwunden. Ein Pflichttermin vor einem Bundesligaspiel. Eine Viertelstunde lang. Nicht mehr. Es wird Zeit, dass angepfiffen wird.

Es gibt nur zwei Vereine an der Spree

In die Schwalbe im Prenzlauer Berg kamen zur ersten in dieser Saison vom Journalisten Thorsten Poppe organisierten Sportstunde der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz, und Christian Beeck, Sportdirektor des 1. FC Union Berlin. Das übergeordnete Thema lautete “Derbyzeit in Liga 2 – Chance für den Berliner Fußball?”.

Es wurden sämtliche Themen rund um das Zusammentreffen der beiden Vereine besprochen. Sei es die Stadionfrage, der Verweis auf eine ehemalige Fanfreundschaft während der Teilung Berlins, das unterschiedliche Image der Klubs oder der kleine Platzsturm beim Spiel Hertha gegen Nürnberg im Olympiastadion. Diese Themen und auch die Antworten waren rundum erwartbar und boten für den aufmerksamen Betrachter des Berliner Fußballs wenig Neues.

Dafür entführte Thorsten Poppe vor dem Gespräch die Zuschauer in eine Zeit, als im Berliner Fußball im Profibereich noch gegeneinander gespielt wurde. Bei Ereignissen wie den von ihm erwähnten Bundesligaduellen von Tennis Borussia gegen Hertha BSC stellte sich ein bißchen das Gefühl von “Opa erzählt vom Krieg” ein. So unwirklich und unvorstellbar klingt solch ein Aufeinandertreffen heute.

Die Chance für den Berliner Fußball selbst, der gerade gestern durch eine Gerichtsentscheidung wieder einmal zurückgeworfen wurde, konnte allerdings nicht herausgearbeitet werden. Natürlich betonten beide Gäste, dass sie auf eine gesunde Rivalität hofften. Bernd Schultz bat zusätzlich die Medien, keine Ost-West-Geschichten zu konstruieren. Ansonsten sah man, dass sowohl der Sportdirektor von Union als auch der Präsident des Berliner Verbandes sich gut verstanden. Es war insgesamt eine sehr kuschelige Atmosphäre. Unverständlich, dass es Hertha nicht möglich war, jemanden aus der Geschäftsstelle zu schicken, der den Gegenpart hätte geben können.

Der Berliner Fußball krankt aber nicht oben im Profibereich, auch wenn es verständlich ist, dass sich der Präsident einen Erstligisten als Aushängeschild wünscht. Im Nachgespräch machte Schultz auch deutlich, dass gerade die Regionalliga in ihrer bestehenden Form keine Zukunft haben wird. Alternative Modelle, die sowohl den Profibereich und dessen Wunsch nach Wettkampfpraxis seiner Nachwuchsmannschaften als auch die Sehnsucht nach einer attraktiven Liga durch die normalen Mannschaften befriedigen, seien allerdings bisher noch nicht gefunden. Fakt sei aber, dass zumindest die Anzahl der zweiten Mannschaften begrenzt werden müsse. Auch der Frauenfußball führe in Berlin ein stiefmütterliches Dasein. Dem stellte Schultz allerdings eine sehr gute Entwicklung im Mädchenbereich gegenüber.

Die nächste Sportstunde findet am 9. September um 21 h in der Schwalbe (Stargarder Straße 10, Prenzlauer Berg) statt. Als Gast wird Andreas Rettig (Geschäftsführer des FC Augsburg) vor Ort sein. Das Thema lautet: “Die Entwicklung der Bundesliga im wirtschaftlichen und sportlichen Vergleich mit den europäischen Top-Ligen”.

Mitschnitt des ersten Teils der Diskussion mit Schultz und Beeck (35 Min)

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Bemerkung: Leider ist der Akku im Aufnahmegerät leer gewesen, so dass der zweite Teil nicht gespeichert wurde.

Die ernsteste Sache der Welt

Fußball lebt angeblich davon, dass das Spiel so einfach ist. Und natürlich ist das richtig. Wenn das eigene Kind dem Ball hinterherjagt – nur darauf bedacht, diesen ins Tor zu schießen – bekommt man eine Ahnung davon. Und natürlich ist das falsch. Das fällt auf, wenn das eigene Kind beim Spiel eins gegen eins beständig “Abseits!” ruft. Das Spiel hat Regeln. Manche sind einfacher als andere. Vieles ist Auslegungssache. Und doch leistet sich der Fußball in seiner organisierten Form den Luxus, diese Regeln während des Spiels lediglich von Schiedsrichtern überwachen zu lassen und damit Fehler billigend in Kauf zu nehmen. Den Referees wird mit dem Argument der Tasachenentscheidung der Rücken gestärkt. Technische Hilfsmittel zur Erkennung und Bewertung von Situationen sind ihnen untersagt. Doch wie erleben Schiedsrichter ein Spiel? Wie gehen sie mit dem Brimborium um sich herum um? Dies versucht die sehenswerte Dokumentation “Referees At Work” darzustellen.

Ein ganz anderes Thema und daher auch eine ganz andere Argumentation: Doping im Fußball. Das bekannte Argument kann man bereits per Ausdruckstanz darstellen: “Doping im Fußball bringt nichts, da die Anforderungen an die Spieler viel zu komplex sind.” Das einstündige Feature des NDR “Außer Kontrolle. Doping im Fußball” zeigt anhand von vielen Beispielen wie sinnvoll der Einsatz von Dopingsubstanzen im Fußball ist. Danach ist man vielleicht nicht schlauer, weil die Netzwerke nicht aufgedeckt werden, aber man wird skeptischer und stellt sich Fragen. Wieso gleichen manche Gegner in der zweiten Liga wandelnden Kleiderschränken? Wie kann es sein, dass einzelne Spieler so exorbitant schneller sind als andere? Wieso ist die Regenerationszeit bei Verletzungen mittlerweile soviel kürzer als noch vor zwanzig Jahren? Wie werden aus den schmächtigen Jungs der A-Junioren und U23-Mannschaften solch muskelbepackte Profis?

Ein Lied geht um die Welt.

Dem @nedfuller gewidmet. Dem Heinzi Kamke möge es eine Warnung sein!

Ruhe bewahren

Fantreffen. Es ging um das Thema “Fußball und Recht”. Und neben dem Moderator Tino Czerwinski nahmen noch der Sicherheitsbeauftragte des 1. FC Union Berlin, Sven Schlensog, Mario Bartels von der Einsatzgruppe Hooligans der Berliner Polizei und der Rechtsanwalt Dirk Gräning teil. Gräning hat im Vorfeld in einem Dossier häufige Tatbestände aufgeschlüsselt und an Beispielen erläutert.

Die Reizthemen sind klar: Wer legt fest, was ein Risikospiel ist, und was bedeutet das eigentlich? Wie kommt es zu Stadionverboten, und welche Möglichkeiten gibt es, dagegen vorzugehen? Wer wird in das Zentralregister Gewalttäter Sport aufgenommen, und wie kommt man da wieder raus? Die Stimmung ist umso gereizter, je jünger die Anwesenden sind. Der Moderator versucht, die verkrampfte Stimmung etwas zu lockern, indem er eigene Erfahrungen anbringt. Allerdings hinken die Anekdoten, da sie größtenteils in der DDR spielen und damit in einem komplett anders verfassten Staat. Dass gerade Berliner es in der DDR nicht einfach hatten, wenn sie sich außerhalb der Hauptstadt bewegten, kommt hinzu. Daher kamen diese Erzählungen – und das ist nicht despektierlich gemeint – an, als ob Opa vom Krieg erzählen würde.

Risikospiele

Interessant, wenn auch im Kern nicht hilfreich für die Belange der einzelnen Anhänger, waren die Ausführungen von Sven Schlensog, wie es zu den Einschätzungen von Risikospielen kommt. In einer Sicherheitsberatung wird der Erkenntnisstand des Vereins und im Zweifelsfall der der Berliner Polizei und des Gastvereines ausgewertet. Dazu kommt eine Umfrage vor der Saison durch den DFB, in der die einzelnen Vereine gebeten werden, die zu erwartenden Gastvereine und das Verhältnis zu beschreiben. Es liegt dabei auf der Hand, dass diese Einschätzung durch den Saisonverlauf immer überholt wird. Der Entscheidung “Risikospiel” folgen dann eine bis mehrere Sicherheitsbesprechungen mit der Polizei. Dabei kann es sein, dass dem für den 1. FC Union Berlin zuständigen Abschnitt 66 die Vollmacht für den Einsatz entzogen und an eine andere Stelle vergeben wird. Es ist also nicht so, dass die Personen bei Polizei und Verein, die sich von der Arbeitsebene gut kennen, zwangsläufig auch beim Einsatz bzw. bei den Sicherheitsbesprechungen miteinander zu tun haben werden.

Auch das Spiel gegen den FC St. Pauli wird ein Risikospiel sein. Denn ein Risikospiel muss nicht aus einer Rivalität der Fangruppen herrühren. In diesem Fall sei es ein Risikospiel aus organisatorischer Sicht, erklärt der Sicherheitsbeauftragte. Im Blickpunkt steht dabei das ausverkaufte Stadion an der Alten Försterei und die damit verbundenen Anforderungen bei der An- und Abreise. Außerdem das Unwissen, ob Karten aus dem Heimkontingent nach Hamburg verkauft wurden. Dies könne bei entsprechendem Verlauf der Partie unerfreuliche Auswirkungen haben. Aus polizeilicher Sicht würde noch das politische Engagement der Anhänger St. Paulis eine Rolle spielen. Dies allerdings nicht rund um das Fußballspiel, sondern in der Beobachtung der Gästefans nach dem Spiel. Was der Beamte von der Einsatzgruppe Hooligans damit meinte, ließ er offen.

Aus der Einschätzung Risikospiel ergeben sich unterschiedliche Auflagen. Dies kann eine Kapazitätseinschränkung des Stadions sein, eine Erhöhung der Ordnerzahl oder ein Alkoholverbot im Stadion. Interessanter Fakt dabei: Der DFB untersagt prinzipiell den Alkoholausschank bei Spielen der oberen Ligen. Allerdings gebe es Ausnahmeregelungen. So habe laut Schlensog der 1. FC Union eine Ausnahmegenehmigung erhalten die als Auflage vorsieht, bei Wünschen durch die Polizei den Ausschank einzuschränken. Zusätzlich zu den Vorkehrungsmaßnahmen gibt es meist vor der Stadionöffnung noch eine kurze Besprechung, die auf die Witterung und die Anreise der Gästefans Bezug nimmt.

Was bei dem betriebenen Aufwand etwas wundert: Es gibt keine vorgeschriebene Evaluation der getroffenen Maßnahmen nach dem Spiel. Diese betreibt die Polizei zum Beispiel alleine. Jeder kennt die Argumentation der unterschiedlichen Polizeigewerkschaftler, die bei Vorfällen von zu wenig Einsatzkräften sprechen und bei ausbleibender Eskalation dies der Präsenz der eingesetzten Polizeibeamten zugute halten. Gerade um dieser Law & Order Sicht etwas entgegenzusetzen, wäre eine sachliche Überprüfung der getroffenen Maßnahmen nach Risikospielen sinnvoll. Sven Schlensog schloss mit der Bemerkung, dass er aus heutiger Sicht bestimmten Wünschen der Polizei nicht mehr unbedingt Folge leisten würde, da diese anderweitig zu einer Gefährdung der Zuschauer führen könnten.

Platzverweis

Was die Gäste beim Fantreffen wirklich umtrieb, waren allerdings Maßnahmen, von denen sie im Einzelfall selbst betroffen sind. Zunächst stellte Rechtsanwalt Gräning fest, dass durchaus eine vermehrte strafrechtliche und verwaltungsrechtliche Auseinandersetzung festzustellen sei. Prinzipiell bewege man sich als Fan, gerade bei Auswärtsfahrten in einer größeren Gruppe, in einem strafrechtlich gefährlichen Bereich. Dass ein seit Jahrzehnten als vermeintliches Kavaliersdelikt geltender Umstand wie Schalklau strafrechtlich als Raub verfolgt wird, erstaunte auch den Moderator. Aber jenseits davon gab Gräning Hinweise, wie man sich zum Beispiel beim Aussprechen eines Platzverweises zu verhalten habe. Es gibt dafür kein Widerspruchsrecht, sondern der ausgesprochene Platzverweis tritt sofort in Kraft. Zwar sollte man von dem jeweiligen Beamten Auskunft darüber bekommen, warum der Verweis ausgesprochen wurde, für welchen Zeitraum und Ort er gilt. Allerdings wurde von allen Beteiligten davon abgeraten, sich auf Diskussionen einzulassen, da ein Nichtbefolgen dieses Platzverweises bereits verfolgt würde. Der Platzverweis an sich hat noch keine Konsequenzen.

Stadionverbot

Stadionverbote betrachtet der Rechtsanwalt als verwaltungsrechtlichen Nebenaspekt, wobei die betroffenen Anhänger diesen als deutlich schwerwiegender wahrnehmen würden. Die Vereine werden mit der Akzeptanz der Lizenzunterlagen zu einer Kooperation mit der DFL und dem DFB gezwungen, die sich aus den Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen ergibt. Diese Kooperationspflicht besteht momentan für die obersten vier Ligen. Bei Union wird laut Schlensog weitestgehend versucht, vor der Aussprache von Stadionverboten den Betroffenen eine Anhörung vor den Vereinsgremien zu ermöglichen. In eindeutigen Fällen würde allerdings das Stadionverbot ausgesprochen, und der Betroffene könne im Nachhinein auf eigenen Wunsch angehört werden. Auf keinen Fall würden diese Prüfungen, zu den die Anhörungen gehörten, wie bei anderen Vereinen durchaus üblich, an Kanzleien ausgelagert werden. In diesem Zusammenhang machte der Sicherheitsbeauftragte auf die momentane Situation aufmerksam, in der ein solches defensives Verhalten auf dem absteigenden Ast sei. Verantwortlich sei dafür die Spirale, an der zur Zeit Fans und Polizei drehten. Er mahnte daher zur Vorsicht, was jede Aktion betreffe, da sich damit vermeintlicher Regelungsbedarf für Politiker ergebe, die keine Berührungspunkte zum Thema Fußballfans hätten. Als Beispiel nannte er die Sitzung des Innenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses nach dem Platzsturm im Olympiastadion.

“Gewalttäter Sport”

Ein weiteres Thema war die Erfassung von Personen bei der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze in der sogenannten Datei “Gewalttäter Sport”. Darin erfasst werden ein Katalog von Straftaten rund um Sportveranstaltungen. Auskunft über einen möglichen Eintrag bekomme man laut Bartels, indem man einen Antrag auf Auskunft beim jeweiligen Landeskriminalamt stelle. Unzufriedenheit mit der Datei in der praktischen Polizeiarbeit wird geäußert, da einige Dienststellen jede Straftat in der räumlichen und zeitlichen Nähe einer Sportveranstaltung dort erfassen würden. Damit würde diese Datei durch Datenmüll unbrauchbar. Ob das stimmt und welchen Nutzen diese Datei wirklich hat, war an diesem Abend nicht zu erfahren. Von Rechtsanwalt Gräning kam die beruhigende Auskunft, dass ein Eintrag in der Datei keinerlei Einfluss auf Verurteilung bzw. Strafmaß in einem Verfahren hätte.

Bei den Fragen war die Frustration vieler Anwesenden spürbar, die sich erhofft hatten, Klarheit zu Einzelfällen zu erfahren. Das funktionierte, wenn konkrete Sachverhalte unabhängig vom entsprechenden Einzelfall nachgefragt wurden. Woran zum Beispiel der Beamte zu erkennen sei, der bei einem Einsatz wirklich etwas zu sagen hätte. Dazu erklärte Bartels, der den ganzen Abend einen sehr ruhigen Eindruck machte, dass bei behelmten Polizisten dieser Beamte einen circa drei Zentimeter breiten Streifen auf dem Helm tragen würde. Bei unbehelmten Beamte sei dies schwieriger. Dort würde man diese an drei Kreisen auf dem rechten Arm erkennen. In der Diskussion war auch die Resignation spürbar, als Anwalt Gräning von den Verfahren nach einem von vielen als überhart empfundenen Einsatz in Paderborn erzählte. Zwar seien fast alle Verfahren eingestellt worden. Doch betreffe das auch die Verfahren gegen die Polizei, da nur wenige der Aufforderung nachgekommen seien, Video- und Fotomaterial als Beweismittel abzugeben. Für Aufsehen hatte in Paderborn gesorgt, dass lokale Einsatzkräfte einen Berliner Beamten der Einsatzgruppe Hooligan verletzten.

Zum Abschluss mahnte der Sicherheitsbeauftragte des Vereins nochmals mehrfach, Situationen vor Ort zu “entemotionalisieren” und lieber im Nachhinein zu klären. Das hätte zwar nicht immer Aussicht auf Erfolg, würde aber auch nicht zu Lasten der Anhänger gehen. Bezeichnend, dass daraufhin ein emotionaler Disput zur Entemotionalisierung folgte.

Ein eigentliches Problem bei diesem ganzen Thema ist der mangelnde Respekt und das fehlende Verständnis von unterschiedlichen Seiten der anderen Seite gegenüber. Von polizeilicher Seite gibt es zum Beispiel bis heute aufgrund der föderalen Struktur keinen Ansprechpartner für bundesweit vernetzte Faninitiativen. Das ist eindeutig fehlender politischer Wille. Auch die Unfähigkeit, sich manchmal lieber zurückzunehmen, spielt in dem Konglomerat Fans, Verbände, Polizei, Medien und Polizeigewerkschaften eine große Rolle. Dazu konnte diese kleine Veranstaltung sicherlich nur wenig beitragen. Was sie aber durchaus geschafft hat, ist die Vermittlung von Wissen, wie bestimmte Entscheidungen zustande kommen. Ein Wunsch wäre, in Zukunft durchaus offensiver mit solchen Entscheidungen wie Risikospiel umzugehen und zu erläutern, aus welchem Grund welche Maßnahmen ergriffen worden. Dass den Anhängern der einzelnen Klubs dabei selbst eine gewichtige Rolle zukommt, überzogenen Forderungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist leider noch nicht überall angekommen.

Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder

“Nullnull, was soll man denn da schreiben?”, mag sich gestern so mancher Medienvertreter nach dem Spiel gefragt haben. Der RasenLehm hätte sicher so manchen Anlass geboten und Erik Meijer sagte entsprechend nach dem Spiel: “Tut mir leid für die Jungs, die hier ihre Heimspiele spielen müssen.” Aber das ist so und klarkommen müssen damit beide Teams. Dankesschreiben für den Zustand der Spielfelder nimmt sicher gerne die FIFA entgegen, die den internationalen Rahmenplan (pdf) aufgestellt hat und verfügte, bis wann alle nationalen Wettbewerbe zu Ende gespielt sein müssten.

Und natürlich könnte so manche Statistik belegen, seit wievielen Minuten die Stürmer erfolgslos sind, in wievielen Spielen der Rückrunde der 1. FC Wundervoll ohne Torerfolg auskommen musste und welch negativen Lauf die Mannschaft hat. Allein das weiß auch jeder so.

Viel imposanter daher, dass von denRängen eine Unterstützung kam, als ob die Jungs in den rot-weißen Trikots noch einmal im Aufstiegskampf mitmischen würden. Anfeuerung des eigenen Teams, Kosenamen für die gegnerischen Spieler und den Schiedsrichter. Und dazu eine Hymne für Torsten Mattuschka, den unermüdlichen Racker im Mittelfeld, der knapp mit einem Freistoß an Stuckmann scheiterte. Vom Spiel wird sicherlich nicht viel in Erinnerung bleiben, aber dieses Lied bleibt im Ohr.

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Inventur.

Über Aljoscha Pauses “Tabubruch – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball” ist bereits alles Nötige gesagt und geschrieben worden – dem ist rein gar nichts entgegen zu setzen.  Die Reportage ist genau so gut wie alle sagen und wurde kürzlich mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Gestern war sie zudem Ausgangspunkt des Filmgesprächs bei 11mm.

Mehr noch als die Suche nach neuen Wegen im Umgang mit Homosexualität im Fußball ist der Film eine Bestandsaufnahme, eine Dokumentation des Ist-Zustands. Wie würdest Du persönlich auf ein Outing reagieren? Dabei beschränkt sich Aljoscha Pause nicht auf Deutschland, er befragt Spieler, Trainer, Fans und Medienschaffende auch in Holland, Italien,  Brasilien und wagt den Vergleich.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wo genau der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit verläuft. Es hat sich herumgesprochen: Diskriminierung ist dem Ansehen abträglich. Dass die Moderatorin des Abends, Gudrun Fertig vom Berliner Stadtmagazin “Siegessäule”, in diesem Kontext  Christoph Daum eine “Speerspitze der Homosexuellenbewegung” nennt, wird mit Gelächter quittiert und ist trotzdem wahr.  Zur Erinnerung:

Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegentreten, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen.

Instinktiv distanziert sich nahezu jeder von Daums Äußerungen. Man gibt sich eingeschränkt weltoffen: Es betrifft mich zwar nicht, und ich kenne auch niemanden, aber wenn sich jemand anders outete, fände ich es nicht so schlimm. Dem Sinn nach ist das die in Aljoscha Pauses Film am häufigsten geäußerte Ansicht, und weiter weg von Daum schaffts kaum jemand.

Man müsse fragen, setzt Gerd Dembowski den Gedanken fort, welche Haltung hinter dieser vermeintlichen Offenheit steht. Bleibt es Lippenbekenntnis oder resultiert daraus ein Verhalten? “Scheinmodernisierte Maskulinität” nennt er die aufgesetzte Lockerheit, die ihre Ursache oft in wirtschaftlichen Erwägungen habe.

Wäre Marcus Urban noch Berufsfußballspieler, hätte er sich nicht geoutet, sagt er, und auch, dass er niemandem dazu raten kann.

Ein neuer Weg ist vielleicht in Sicht, aber jedenfalls noch nicht beschritten. Ein Etappenziel muss es aber sein, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, im Bewusstsein zu verankern und das Gespräch darüber zu ermöglichen. Das ist Aljoscha Pause in hervorragender Weise gelungen.

Wie ein Stern am Himmelszelt.

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Macht´s gut, ihr Lieben! Habt schöne Weihnachten. Den nicht Dabeigewesenen legen wir das Weihnachtssingen unter die Tanne. Mit dabei sind ein Eheanbahnungsgespräch, ein Phillip Schröder und eine Stadionsprecherfamilie, die ihr Kind was Ordentliches lernen lassen hat. Musik nämlich.

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Ballpod aus New York

Während ich mit dem Schnitt des bereits am letzten Freitag (!) aufgenommenen Podcasts nicht zu Potte komme, wurde der aktuelle Ballpod, anstatt wie gewohnt in Probeks Küche in München, von Jürgen Kalwa in New York aufgenommen. Dabei waren Jens Peters von Catenaccio, um über Leverkusen zu reden, und Florian Neumann von Nedsblog, der über den HSV Auskunft gab. Als Bonus gibt es ein Interview mit Trainer Baade, der sich erstmals zu dem Fall Jako vs. Baade äußert. Eine sehr schöne Produktion!

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