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Fankongress 2012: Funktionäre auf Auswärtsfahrt

Plötzlich waren sie alle gleich beim Fankongress 2012 im ehemaligen Berliner Kino Kosmos. Fans, Funktionäre und die zahlreichen Journalisten. Kurz nach eins aßen die meisten eine Suppe. Entweder eine Tomatensuppe oder dem Veranstaltungsort entsprechend eine Berliner Erbsensuppe. Ein Erfolg war schon das offene Gespräch zwischen Funktionären und den Fans. Aber bei aller Freude über den gelungenen Dialog war keine Seite so blauäugig, die großen, scheinbar unüberbrückbaren Differenzen zu übersehen: Kontrolliertes Abbrennen von Pyro im Stadion, zersplitterte Spieltage mit unmöglichen Anstoßzeiten und die oft als willkürlich empfundenen bundesweiten Stadionverbote.


Bild: Sebastian Fiebrig

Gerade die Stadionverbote bieten eine viel emotionalere Diskussion als die festgefahrene Pyro-Debatte. Denn wer einmal bei einer Auswärtsfahrt von der Polizei zum Stadion begleitet wurde, weiß wie leicht dort die Situation an oft unscheinbaren Kleinigkeiten eskalieren kann. Dann das übliche: Personalienfeststellung einer großen Gruppe und Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Landfriedensbruch etc. Es muss gar nicht zu einer Verurteilung kommen. Schon das Ermittlungsverfahren reicht für ein Stadionverbot.

Und genau diese Aushebelung der Unschuldsvermutung heizt die Stimmung bei jeglicher Diskussion um Stadionverbote an. Und so hatte der seit Oktober amtierende Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große Lefert, von Anfang an keinen leichten Stand in der Diskussion: “Wem gehört der Ball? Der Fußball zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Privatrecht: Stadionverbote: Präventivmaßnahme oder Ersatzstrafrecht?” Ganz links außen saß er etwas verloren da. “Ein selbstgewähltes Schicksal”, gab er danach zu. Er hatte sich den Platz freiwillig ausgesucht. Vielleicht weil er nicht im Mittelpunkt stehen wollte. Doch dort stand er ohnehin. Jede Frage, jeder Vorwurf an den Verband richtete sich stellvertretend Hendrik Große Lefert.

Die Diskussion verlor sich etwas in juristischen Scharmützeln und rhetorisch nicht ungeschickt fragte der Sicherheitsbeauftragte das Podium: “Wo ist denn bei ihnen die Grenze? Sie wollen doch sicher auch nicht jeden im Stadion sehen?” Der Kniff ist klar: Seid mit mir oder unterstützt Leute, die sich außerhalb des gesellschaftlichen Konsens bewegen.

Abgesehen davon machte Hendrik Große Lefert den Eindruck, als sei er die personifizierte friedliche Koexistenz. Geschenke hatte er zwar nicht im Gepäck, aber ein Scharfmacher ist er eben auch nicht. Im Nachgespräch machte er auch deutlich, wo seine Grenzen liegen: “Ich bin mit George Orwell und Ray Bradbury groß geworden. Für mich ist jedes Szenario eines Überwachungsstaates ein Horror-Szenario.”

Abgesehen davon, dass er bei Amtsantritt wohl eher keine blühenden Landschaften vorgefunden hatte, möchte er sich nicht an den großen Themen abarbeiten, die momentan wohl nicht zu stemmen sind. Er will in kleinen Schritten die Kommunikation am Spieltag vor Ort verbessern, um in Einsatzsituationen Eskalationen zu vermeiden. Und er nimmt sich Zeit für die AG Fandialog. Den Rest hebt sich Große Lefert vielleicht für später auf. Denn auch er weiß, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Und er blickt gedanklich nach England: “Bei Taylor hat auch niemand gedacht, dass er sich mit diesem Konzept durchsetzt.”

Die Diskussion zum Nachhören

Marco Noli (Fananwälte), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB), Antje Hagel (Fanprojekt Offenbach), Jannis Busse (Ultras Hannover), Gerd Dembowski (Sozial-Wissenschaftler), André Waiß (Sicherheitsbeauftragter Energie Cottbus), Moderation: Nicole Selmer (Journalistin)

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(Länge: 97:52 Min; Dateigröße: 83 MB)

Matthias Sammer: “Wir sind wir.”

Matthias Sammer wird gerne als Querkopf bezeichnet. Im Sportgespräch mit dem Deutschlandfunk (26:45 Min, Download als MP3) wird aber klar, dass er eigentlich vor allem anders spricht als viele, die von der Waschmaschine DFB weichgespült wurden. Der Sportdirektor vertritt seine Meinung engagiert und streitet auch dafür.

Sammers persönlicher Ehrgeiz wird deutlich, wenn er über die Nationalmannschaft spricht und den Vergleich mit Spanien: “Wir sind Deutschland. Wir sind wir. Der Blick zu anderen sollte jetzt nicht mehr stattfinden.” Er will, dass die Nationalmannschaft ihren eigenen Weg findet. Vielleicht, weil die Kopie nie so gut wie das Original sein kann. Das sagt er aber nicht.

Sammer ist penibel. Die Wichtigkeit seiner Arbeit als Sportdirektor hebt er heraus, indem er klare Sätze sagt wie: “Spieler entwickeln sich immer von unten nach oben.” Das ist griffig. Das kommt gut an. Vor allem ist es ein Satz, der nie falsch ist. Doch wenn er seine fünf Säulen der Leistungsvoraussetzungen des Fußballs durchdekliniert, sieht man den perfektionistischen Matthias Sammer förmlich vor sich. “Konstitution. Kondition. Technik. Taktik. Persönlichkeit.” Er betet die Begriffe herunter. Ihm scheint ein System wichtig, wo ein Schritt auf den anderen folgt. Alles genau durchgeplant. Auffällig, wie stark er die Persönlichkeit betont. Das erinnert an Christian Beeck, der auch in der Persönlichkeitsentwicklung den Knackpunkt für eine Profikarriere sah.

Sammer ist ein Kind des Fußballs. Doping kommt in dieser Weltsicht nicht vor. Als er darauf angesprochen wird, kommt er wieder aus sich heraus. Das ist der streitlustige Matthias Sammer. Er bringt das bekannte Argument, dass Doping im Fußball nichts brächte. Vielleicht weil das in seiner Vorstellung so ungeheuerlich ist. Doch es wirkt fremd. Ganz so als hätte es die DopingFälle Hoffenheim oder Juventus Turin nie gegeben. Spätestens da wird wieder eins klar: Bei aller Andersartigkeit ist Matthias Sammer trotzdem vor allem ein Fußballfunktionär.

Link:

Sportentwertung

Die Länderspielpause bietet Zeit zur inneren Einkehr. Wir gehen alle in Klausur mit uns. Dabei im Handgepäck die wirklich wichtigen Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und warum verletzen sich bei Union ständig die Innenverteidiger?

Abseits von den kleinen Problemen eines Zweitligisten hat Prof. Gunter Gebauer den Blick auf das große Ganze gerichtet. Auf der Sportkonferenz des Deutschlandfunks hat er einen, wie ich finde, schonungslosen Vortrag über den Zustand des Sports in Deutschland heute gehalten. Sämtliche Sonntagsreden über eine Wertevermittlung durch den Sport hat der Professor von der Freien Universität als das benannt was sie sind: Salbungsvolle Augenwischerei.

Bevor Gebauer darauf kommt, dass sich Sportler heute nicht mit guten Gewissen sich für den Leistungssport entscheiden können (Profifußball bildet da eine kleine Ausnahme), erklärt er, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Dabei erläutert er den Stellenwert des Sports sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik. Die Vereinbarkeit von Sport und Berufsausbildung ist heute nicht mehr gegeben. Die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft führe dazu, dass andere Werte (ökonomisches Kapital, Einfluss und Bildung) eine deutlich größere Rolle spielen würden. Laut Gebauer repräsentiert der Sport die Gesellschaft nicht mehr.

Die gut 26 Minuten lange Rede “Deutschland, Dein Sport” gibt es beim Deutschlandfunk zum Nachhören. (Download als MP3, 12MB). Es lohnt sich.

Lesetipp: Der freie Journalist Jonathan Sachse hat gemeinsam mit Daniel Drepper und Anja Perkuhn die Konferenz dokumentiert: Deutschlandfunk-Seminar.

Update: Auch Kai Pahl von allesaussersport.de hat sehr meinungsfreudig über die Konferenz geschrieben: Sportjounalismuskonferenz 2011 in Köln.

Das ist meine Biographie.

Der Aufruhr um den dreijährigen Wehrdienst von Unions Präsident Dirk Zingler beim Wachregiment des MfS in Berlin war groß. Sowohl medial als auch unter den Fans. Am Dienstag Abend stellte sich der Präsident beim monatlichen Fantreffen im General Dealer Club in Oberschöneweide den Fragen der Anhänger und zeigte seine Sicht auf Ereignisse der letzten Wochen und seinen fast 30 Jahre zurückliegenden Wehrdienst.

Vor Beginn saß Dirk Zingler alleine auf dem Rand der Bühne. In sich gekehrt. Es schien, als ob er selbst nicht genau wusste, wie ihm die rund 300 anwesenden Unionfans begegnen würden. Die vorher in Foren verlaufene Diskussion war kontrovers. Nicht jeder Vereinspräsident würde sich auf solch ein Risiko einlassen. Doch Zingler, und das wird schon in den ersten Minuten klar, treibt ein inneres Bedürfnis an. Er ist zuerst Fan und als zweites Präsident. Deswegen haben ihn die Ereignisse der letzten Wochen getroffen: “Vor allem hat mich der Zusammenhang, der zwischen meinen Wehrdienst und meiner Eigenschaft als Unionfan und Unionpräsident gezogen wurde, gestört. Ich wurde als Fan auf den Rängen geprägt. Das hatte nichts mit meiner Wehrdienstentscheidung zu tun.”

Das Mikrofon hält Dirk Zingler mit beiden Händen fest. Er sucht den Blickkontakt zu den Fans, die dicht gedrängt im Raum stehen. Viel Schärfe nimmt er schon dadurch aus der Veranstaltung, dass er keineswegs versucht, sich herauszuwinden. Er war kein Widerstandskämpfer in der DDR. Das ist klar. Sein Leben in der DDR war nichts besonderes und deshalb sagt er: “Ich kann nur mit meiner Biographie antworten. Die ist, wie sie ist. Dem einen gefällt sie, dem anderen nicht. Aber ich kann sie nicht ändern.” So spricht jemand, der offensichtlich mit sich im Reinen ist.

Zingler erzählt, wie er als 17-Jähriger zu Hause ausgezogen ist und in Berlin alleine gewohnt hat. Angesichts des grassierenden Wohnungsmangels in der DDR etwas besonderes. Etwas, das den Satz: “Ich habe früh sehr viel Freiheit genossen”, glaubhaft unterstreicht. Deshalb habe er sich bei seiner Musterung zu drei Jahren Wehrdienst bereit erklärt, wenn er in Berlin bleiben könne. Ob er beim MfS-Wachregiment dienen wolle, wurde er dort nicht gefragt. Die Frage stellten ihm zwei Männer von der Staatssicherheit, nachdem er aus dem Unterricht in der Berufsschule herausgeholt wurde. Der Handel war laut Zingler: 3 Jahre beim Wachregiment in Berlin und er könne seine Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen. “Für mich war entscheidend, was ich wo tun muss. Aber mir war egal, ob das Ministerium Erich Mielke, Erich Honecker oder dem Papst unterstand.” Letztlich stand Dirk Zingler 183 Mal vor dem Regierungskrankenhaus Wache.

Die überwiegende Zahl der Fans teilt Zinglers Einschätzung. Doch, dass sie den Teil der Biographie aus der Zeitung erfahren mussten, hat sie verwundbar werden lassen. Sie haben Angst, noch mehr erfahren zu müssen. Ein Fan bringt das Gefühl auf den Punkt: “Dirk, war nach dem Wehrdienst noch etwas mit der Stasi? Ja oder nein?” Zingler verneint: “Ich habe im März 1986 meine Armeezeit beendet. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mehr zum Ministerium.” Stasi und Union, das passe nicht zusammen, hat Zingler erzählt. Das war, als der Vertrag mit dem Investor ISP gekündigt wurde, weil der Geschäftsführer hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter war. Ein Widerspruch? Nein, der Präsident steht auch heute noch dazu. Allerdings hätte man schon zeitiger öffentlich differenzieren müssen zwischen Wehrdienstleistenden beim MfS und IMs beziehungsweise Stasi-Angestellten. “Vielleicht war das eine vergebene Chance”, räumt er ein.

Die aufgeladene Bedeutung seines Wehrdienstes beim MfS sieht Zingler kritisch. Natürlich wisse er im Nachhinein mehr. Doch dass alle MfS-Wachsoldaten sogenannte “Hundertprozentige” gewesen seien, will er nicht bestätigen: “In meiner Wahrnehmung waren das alles ganz normale Leute.” Auch seine Familie sei nicht einfach systemtreu gewesen. Dann sagt Zingler einen Satz, der im Prinzip über jeder DDR-Biographie stehen kann: “Das Leben ist halt nicht so, wie es sich häufig von außen darstellt. Die Vielfältigkeit deutscher Biographien findet sich auch in meiner Familie.”

Es ist ihm immer noch anzumerken, wie unangenehm ihm der Fokus ist, in dem er steht. Aber er redet mit Verve, weil es ihm wichtig ist, bestimmte einfache Sichtweisen aufzubrechen. Der Vater war Betriebsdirektor, die Tante aber stellte einen Ausreiseantrag und konnte die DDR verlassen. Zingler selbst hat sich für drei Jahre als Zeitsoldat verpflichtet, sein Bruder aber hat den Dienst an der Waffe komplett verweigert und wurde Spatensoldat. Ein Stigma im sozialistischen Lebenslauf. Doch Zingler schmunzelt: “Der hat sich noch einen Gaudi daraus gemacht, zu meiner Vereidigung zu kommen.  In seiner Uniform mit dem Spaten darauf.” Aus heutiger Sicht ist diese Familiengeschichte vielleicht ein Widerspruch. In der DDR war sie Realität und Zingler stellt nicht ohne Stolz fest: “Aber trotzdem sind wir eine Familie und reden miteinander.” Ein Satz, der auch ohne weiteres auf Union zutreffen könnte.

Bei den Fragen und Statements der Fans hört Zingler aufmerksam zu. Die könnten unterschiedlicher kaum sein und werden teils hitzig vorgetragen. Vor allem, wenn es um die Rolle der Medien in dem Fall oder das Verhältnis zum BFC Dynamo geht. Doch Zingler bleibt immer ruhig. Ob er seine MfS-Akte schon gelesen habe, möchte ein Fan von ihm wissen. Der Präsident verneint vehement: “Es interessiert mich nicht, wie mich Stasi-Offiziere vor 30 Jahren eingeschätzt haben. Da soll sogar drin stehen, dass ich 73 Kilo gewogen habe. Meine Frau wollte das nicht glauben.”

Zum Schluss steigt Zingler im von der Menschenmenge aufgeheizten Saal von der Bühne. Mit einem Bier in der Hand steht er danach dort, wo er sich selbst viel lieber sieht. Bei den Fans.

Fotos: Robert Schmidl

Unions neue Kompetenz-Kompetenz

Der neue Mann an der Seite von Uwe Neuhaus heisst Nico Schäfer. Der 42-jährige, der zum 1.7. seine neue Rolle als „kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzabteilung“; ein Titel, der jede Visitenkarte sprengt; antritt, beerbt damit offiziell Christian Beeck. Soweit die nüchternen Fakten.

Als Fan frage ich natürlich bei solchen, nach aussen hin, recht abrupt kommunizierten Wechseln, nach der Notwendigkeit und den Ursachen. Beides versuchte Dirk Zingler auf der heutigen Pressekonferenz zu beantworten.

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Die Neuverpflichtungen werden spannend.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz), Matze Koch (freier Journalist und Fotograf), Klaus-Dieter Vollrath (Bild) und Matthias Wolf (Berliner Zeitung).

Michael Färber (Berliner Morgenpost) verfolgt Union seit 1999.

Dass die Saison schwer werden würde, war allen klar. Es konnte aber keiner damit rechnen, dass es so schwer werden würde wie nach der Hinrunde, als Union kurz vor den Abstiegsplätzen stand und mit vielen Verletzten zurechtkommen musste. Im Endeffekt ging es für den Verein im zweiten Jahr nur darum, über dem Strich zu bleiben. Das haben sie geschafft. Eine Entwicklung in der Mannschaft sehe ich eher nicht. Es ist nach wie vor das kämpferische Potential da, aber spielerisch hat sich seit dem Aufstieg wenig verbessert.

Entscheidend für die nächste Saison ist, wer als Ersatz für die Abgänge geholt wird. Entweder man holt mit acht Spielern die gleiche Quantität. Das bedeutet bei gleichbleibendem Etat, dass die Qualität nicht steigen wird. Oder Union holt drei maximal vier wirkliche Kracher und gibt ein bisschen Geld dafür aus. Sollten die sich dann mal verletzen oder wegen einer Sperre fehlen, wird es natürlich personell schon wieder eng. Ich denke, es wird spannend zu sehen, wen Christian Beeck und Uwe Neuhaus im Visier haben und wer tatsächlich an die Alte Försterei kommt.

Ob Union von dem Jahr mit Hertha BSC profitiert hat, lässt sich schwer sagen. Die Berührungspunkte der beiden Vereine sind zu gering. Zwei Derbys reichen einfach nicht aus, um von Hertha BSC zu profitieren. Zumal Union vieles oder vielleicht auch alles versucht hat, um sein eigenes Ding weiterzumachen. Was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Aber Union müsste insgesamt offensiver werden, um sich bekannter in der Stadt zu machen.

Die Fans wollen auch mal oben kratzen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz), Matze Koch (freier Journalist und Fotograf) und Klaus-Dieter Vollrath (Bild).

Matthias Wolf (freier Autor für die Berliner Zeitung) verfolgt Union seit 1996.

Ich bin der Ansicht, dass man diese Saison das Ziel hatte, sich spielerisch weiterzuentwickeln. Das ist nicht gelungen. Der Verein hat 20 Prozent mehr Geld in die Mannschaft gesteckt, aber nicht 20 Prozent mehr Leistung bekommen. Jetzt reagiert Union. Man trennt sich von acht Spielern, darunter Mitläufer aber auch Karim Benyamina, ein Publikumsliebling. Das ist schmerzhaft für die Fans. Aber als neutraler Beobachter kann man das nachvollziehen, weil Karim Benyamina an seiner Obergrenze gespielt hat und spielerisch der Mannschaft keine neuen Impulse geben konnte. Es ist ein Risiko, das der Verein fährt. Aber aus meiner Sicht ist es einen Versuch wert.

Man sagt ja jedes Jahr, dass die zweite Liga stärker wird. Mir ist das egal. Aber die zweite Liga hat einen großen Vorteil für Vereine wie Union: Sie hat nur zwei Absteiger. Früher waren es noch vier. Ich mache mir deswegen keine Sorgen um den Verein. Union wird auch nächstes Jahr auf jeden Fall die Klasse halten. Die interessante Frage ist: Wann kommen wir an dem Punkt, wo es den Menschen hier bei Union, die sehr genügsam und mit wenig zufrieden sind, nicht mehr reicht? Ich glaube, dass wir nächste Saison an diesen Punkt kommen, wo sich keiner mehr nur über den Klassenerhalt freut. Die Leute wollen perspektivisch auch mal oben kratzen.

Man darf immerhin nicht vergessen, was Christian Beeck auch vor kurzem gesagt hat. Er hatte eigentlich diesen Dreijahresplan, nach dem man im dritten Jahr oben mitspielen wollte. Davon hat man sich getrennt. Das ist sehr schade. Ich denke, dass die Fans über kurz oder lang zumindest oben mitspielen wollen. Das liegt auch nicht nur am Etat. Erstaunlicherweise hat Energie Cottbus dieses Jahr einen Etat von rund 13 Millionen Euro und hat diese Saison oben mitgespielt. Man sollte sich mal fragen, woran das liegt. Ich kann die Frage nicht beantworten, da ich nicht weiß, wie die Ausgabenseite in Cottbus im Vergleich zu der bei Union ist. Aber ich glaube, dass es auch in der Vergangenheit immer wieder Vereine gab, die mit wenig Geld oben mitgespielt haben, mit Leidenschaft und Begeisterung. So wie in dieser Saison das Beispiel Erzgebirge Aue gezeigt hat. Warum nicht? Man muss “nur” richtig einkaufen und man muss hier bei dem einen oder anderen, der schon etwas länger im Verein ist, wieder das Feuer der Leidenschaft wecken.

Mir wird ein Paul Thomik fehlen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz) und Matze Koch (freier Journalist und Fotograf).

Klaus-Dieter Vollrath (Bild) verfolgt Union seit 2000.

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen, die der 1.FC Union hat, wurde nicht nur eine durchwachsene, sondern eine ordentliche Saison gespielt. Auch wenn es zwischendurch grausame Partien und wenig Heimsiege gab. Gerade letzteres hatte Union immer ausgezeichnet. Trotzdem kann und muss der Verein mit diesem Ergebnis zufrieden sein.

Was den Kader betrifft, sehe ich im Sturm durch den Wegfall von Benyamina eine schwere Aufgabe auf Union zukommen. Das wird nicht einfach, angemessenen Ersatz zu finden. Halil Savran hat dort noch nicht geschafft, was er erreichen wollte. Auf den anderen Positionen sollte etwas gepackt werden, wobei mir persönlich von der Spielanlage her ein Paul Thomik fehlen wird.

Grundsätzlich finde ich es erst einmal gut, dass Union das schwierige zweite Jahr überstanden hat. Ich glaube auch, dass sich der Verein längerfristig mit einfachen Mitteln, mit viel Kampf, vielleicht auch kleinen Überraschungen in der zweiten Liga festsetzen wird. Ich wage es zu bezweifeln, dass Union in diesem Jahr einfach nur Glück mit den schwachen Mannschaften unten hatte.

Ohne Mattuschka läuft spielerisch nichts.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel) und Jürgen Schulz (BZ/Taz).

Matze Koch (freier Journalist und Fotograf) verfolgt Union seit 1999.

Zuerst möchte ich Union zum Klassenerhalt gratulieren. Dazu muss man aber auch sagen, dass das Saisonziel zunächst überhaupt nicht offiziell benannt wurde. Am Anfang hat man sich immer geweigert, eins bekanntzugeben. Eigentlich konnte es nur der Klassenerhalt sein. Und irgendwann wurden Fans und Journalisten die 40 Punkte „untergejubelt“, die natürlich mit dem Klassenerhalt verbunden sind. Hätte man das von Anfang an gesagt, wären die Erwartungen vielleicht nicht so groß gewesen.

Letztendlich ist vielleicht bei den Mitteln, die Union zur Verfügung stehen, mehr einfach nicht möglich. Aber das ist spekulativ. Ich glaube aber auch, dass einige Spiele wirklich langweilig waren. Da traf der Begriff des Vergangenheitsfußballs von Pele Wollitz bisweilen zu. Mit einem superdefensiven Mittelfeld wie in Cottbus oder nur einem Stürmer hat Union in dieser Saison oft genug gespielt. Das war wirklich nicht so attraktiv.

Spielerisch läuft bei Union gar nichts, wenn Torsten Mattuschka einen schlechten Tag hat. Und den hatte er in der Rückrunde einige Male. Santi Kolk kann ihn nicht entlasten, weil er aufgrund seiner ständigen Verletzungen immer noch nicht angekommen ist. Spielerisch ist tatsächlich noch Handlungsbedarf. Da müsste jemand kommen, der noch aushelfen kann. Von den jungen Spielern kann man da nicht so viel erwarten, obwohl ich mich sehr über Christopher Quirings Tor im letzten Spiel gefreut habe. Aber er benötigt noch einige Zeit, und ob da spielerisch von ihm etwas zu erwarten ist, muss man abwarten.

Was den vermuteten Umbruch angeht, habe ich einmal spekuliert, dass man von dem Geld der acht Abgänge drei richtige Kracher holen könnte. Der Teammanager hatte aber schon gesagt, dass so etwas bei Union eher nicht zu erwarten ist, weil das bei Union nicht ins Gehaltsgefüge passen würde. Aber sie müssen Spieler holen, die die Marschrichtung bestimmen können. Da weiß ich nicht, wer das sein könnte. Union will ja wieder nur ablösefreie Spieler verpflichten. Deshalb hätte ich Paul Thomik zum Beispiel nicht gehen lassen. Da fehlt mir auch die Begründung, warum er gehen muss. Er ist nicht schlechter als die anderen auf der rechten Außenbahn. Die sind vielleicht einfach nur billiger.

Für die nächste Saison wird Uwe Neuhaus alles daran setzen, dass es kein schweres Jahr wird und wieder Mitte bis Ende April der Klassenerhalt gefeiert werden kann. Aber momentan muss man schon damit rechnen, dass es sehr schwierig wird. Schließlich muss sich die Struktur der Mannschaft völlig neu bilden. Man braucht neue Leitwölfe neben Madouni und Mattuschka. Da müssen Jungs ran, die auch etwas sagen können und wollen.

Die Verletzten kosteten eine bessere Plazierung.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier) und Sebastian Stier (Tagesspiegel).

Jürgen Schulz (freier Autor für Taz und BZ) verfolgt Union seit 1992

Ich fand den Anfang spielerisch nicht einmal schlecht, aber mitunter hatte Union doch ziemliche Durchhänger. Da hat mich die Mannschaft nicht mehr überzeugt. Ich glaube, dass sich da bemerkbar gemacht hat, dass Santi Kolk gefehlt hat. In der Phase ist das spielerische Element einfach zu kurz gekommen. Auch Michael Parensen hat lange gefehlt, von dem ich sehr viel halte. Mir waren dann einfach zu viele hohe Bälle im Spiel. Wenn man das Mittelfeldspiel mit Fürth oder Aachen vergleicht, dann läuft dort der Ball einfach besser durch die Reihen. Bei Union ist mir mitunter noch zuviel Hauruck dabei gewesen.

Insgesamt muss man aber sagen, dass das zweite Jahr überhaupt nicht schwierig war. Ich hätte erwartet, dass Union bis zum letzten Spieltag in Karlsruhe braucht, um eine Entscheidung im Kampf um den Klassenerhalt herbeizuführen. Aber das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass vier Mannschaften im Keller stehen, die so schwache Auftritte geliefert haben, dass es fast ein Armutszeugnis für die zweite Liga ist. Da hat Union auch Glück gehabt, dass ein Quartett so nach unten weggebrochen ist. Sonst wäre es bestimmt härter geworden.

Aber der Klassenerhalt ist völlig okay und zudem wurde er vorzeitig geschafft. Auch wenn ich gehofft hatte, dass Union vielleicht einen einstelligen Tabellenplatz schafft. Der wäre auch drin gewesen. Aber die vielen Verletzten hat man dann doch schon gemerkt. Im nächsten Jahr wird es deutlich schwieriger, die Klasse zu halten. Union weiß das aber auch und führt jetzt einen Umbruch herbei mit acht Spielern, die gehen. Ich bin mir sicher, dass sie die Chance nutzen, um eine entsprechende Mannschaft zusammenzustellen.